Im Ballon

Mein theires, theires Tagbuch, is es meglich, das ich dich wider seh?

Es is mehr als ich erwartet hab, nach den was ich alles mitgemacht

hab. Ich glaub, Robinson Krusoh un Schill Wern winschtn, das sie in

meine Schue geschtekt hedtn, aber fir einen kleinen Bubn fon meinen

Alter is es kein Schpaß, allein in einen Ballohn aufzuschteign --

fihl merkwirdiger, als ich geglaubt hab. Es is greßlich lustig fir

eine Menute un eine halbe, aber dann is es einfach firchterlich. Ich

fragte Betti, ob mein Haar weiß geworn is -- ich dachte, es is. Ich bin

sicher, das ich nimehr das sorglose unforsichge Kind sein wer, wi befor

ich dise Fahrt gemacht hab.

Ja, fir einer Menute oder so was is es wunderbahr, gans, gans allein

in einen Ballohn zu sein, in der Hehe zu gehn, wi der Blitz, mit den

Taschntuch zu wehn un auf die Leite zu schaun, wi sie immer kleiner

wern, den Zug zu sehn, wi er kricht, wi eine Schneke, wi die Felder

un Flisse un Bäume un Zäuner immer kleiner un kleiner wern -- aber

oh! wi einsam is ein kleiner Junge, wenn er filleich iber einer Meile

geschtign is un kann das ferteiflte Ding nich aufhaltn, das nich

einen Heller wert is, un es is nichs runderum um ihm außer nichs, un

es is ihm so kalt, das seine Finger schteif sin; aber der Professer

hadte einen kleinen Korb in der Gondl geschtellt mit ein paar belegte

Butterbröter un ein kleines Fleschchen mit irgnd einen Liköhr, also

nahm ich einen Schlucker, weil mir so kalt wahr un es brannte wi

Feier; dann dachte ich mir, es is besser, ich klettre gleich auf dem

Schtrik henauf, weil meine Finger schon weicher wahrn un schneide ein

Loch oder zwei in das eingeschnirte Ding, wi ich eimal gelesn hob,

damit es aufhert, weiter nach Grehnland zu gehn. Godt! Godt! man hedte

nich geglaubt, es is in seks oder sibn Schtundn der fierter Juli,

sondern man hedte sicher gesagt, es is Weinach. Ich bin fro, meine

Schwestern warn nich da um zu schrein un zu kreischn, wi ich auf den

Seil henauf kletterte, das Taschnmesser in der Hand, weil ich hedte

falln kennen. Es wahr ein kitzliches Geschefft, aber ich wer sons zutot

erfrorn, also machte ichs fertig, meiner Seel! Ich schnitt 2 Lecher

henein, kletterte am Schtrik henunter, aß ein Brot un nahm seinen Rok

um mir, der in der Gondl wahr un legte mich schlafn.

Wi ich aufwachte, treimte ich grad, ich lig im Bedt un Betti wekt mich

auf, aber ich setze mich bald auf un schaute herum, was neies gibt. Es

wahr Nach. Der Mond scheinte prachfoll. Ich flog so ruig wi nur was

iber etwas, was so glenzend un gladt war, wi Silber; wi ich näer kam,

was sehr bald wahr, weil der Ballohn lanksam fihl, sah ich, das es ein

Seh war oder der Ozejahn.

Dann fihlte ich, das es forbei wahr mit mir un ich ferdamt bin,

ertrenkt zu wern un das Mamma nie wissn wird, was aus ihrn einzign

Sohn geworn is. Es wahr mir sehr schlecht. Ich dachte auf alle

Zufelle, die mir schon passihrt sin -- wi fihl Angs ich schon meine

libn Eltern gemacht hab un zog un zog, um einen fon die Secke mit Sand

herauszuschmeißn, wi mir der Luftschiffer gesagt hat, das man tut,

um ihm heher gehn zu machn, aber sie wahrn zu schwer fir dem kleinen

Schorschi. So gab ich mich in mein Schicksaal un aß noch 2 fon di

ibrign belegte Bröter.

Dann schaute ich iber der Kante fon der Gondl un sah einen schwarzn

Flek in den glenzendn Wasser. Ich sagte zu mir »das is ein Walfisch«

aber in wenger als 5 Menutn sah ich, das es eine sehr kleine Insel

wahr, filleich so groß, wi ein Felld, un befor ich »Schniki-Schnaki«

sagn konnte, senkte sich der Ballohn grad wi ein Vogl auf einem Baum

nider -- er schlepte sich noch schnell genug fort, das mann hette Angs

habn kennen -- aber ich schprang henaus, wi der Blitz, pakte das Seil,

das ich abgeschnidtn hadte, wi wir aufschtign un band es um ein armes

kleines Tannbeimchen, grad groß genug um ihm zu erhaltn -- un da wahrn

wir! Ich machte ihm mit einer Menge Knepfe fest an, damit er mir nich

filleich einen Schtreich schpilt un fortfligt un dann schtig ich in der

Gondl un legte mich nider, weil es dort sehr wahrm war un ich ganz hin

un schlefrig wahr. Wi ich aufwachte, wahr es heller Tag. Ich schtand

auf un hilt eine Runschau.

»Halloh, Schorschi,« sagte ich, »das is ein guter Wiz! Schiffbrichig

auf einer einsame, wiste Insl! Oh, wenn ich mein Tagbuch dahedt, was

fir eine Menge kennt ich heneinschreibn! Ich muß gleich anfangen un ein

Inwentarjum aufnehmen fon alles, was ich hab mir eine Hitte zu baun un

dafon zu lebn.« So aß ich also noch 2 fon di Buderbröter, das nur eins

ibrig blib. Ich wahr greßlich hungrig un in große Fersuchung auch das

lezte zu essn, aber ich widerschtand. Ich wahr schreklich durstig also

wahr das erste was ich machte nach Wasser suchn. Es wahr eine Menge

runderum um der Insl, aber ich firchtete, es is gesalzn. Es war aber

kein anres da, also watete ich henein un kostete es, um zu sehn, wo

ich wahr, ob im Mittlozejahn oder in einen fon die Seehn zwischn die

Fereinigtn Schtaatn un Kannada -- es wahr Sißwasser.

Dann ging ich an der Arbeit, meine Sachn zu redtn, un eine Hitte

zu baun, wi Robinsohn Krusoh -- aber ach! ein Ballohn is kein

Pennifeifferl wehrt nebn einen Schiff -- es wahrn keine Negl da --

kein Schiffszwihbak -- keine Schtike altes Eisn -- kein eingesaltznes

Fleisch -- aber ich trestete mich damit, das ich mich entschloß das

alte Ding selbs schtatt einer Hüte zu benuzn. Dann wollte ich mir einen

Fahlzaun runderum machn um die wilde Thire abzuhaltn, aber es warn

keine Fähle da un sofihl ich bemerkn konnte auch keine wildn Thire.

Also ging ich weiter um rund um der Insl zu gehn un auf dem nassn Sand

zu schaun, ob ich die Schpuhren fon Kannebahln entdeke. Ich ging ein

gutes Schtik, ohne Schpuhrn zu findn oder Kannohs im Wasser. Dann ging

ich zurik un auf dem Weg fand ich ein sichres Zeichn fon Ziwelesazjohn,

das mir das Hertz schlagn machte -- ein alter Zinnkrug, rostig un

ferbogn, aber ich dachte ich darf ihm nich wegwerfn ich kennte ihm

noch sehr gut brauchn; ich fillte ihm also mit Wasser, damit ich eine

Belagrung aushaltn kann, wenn di Kannebahln kommen. Jetz wahr mir schon

sehr heiß un ich wahr mid. Ich kroch in der Gondl aß mein einziges

ibriges Brot, trank ein bischen Wasser un wi ich mich erinnerte, das

es der glohrreicher Fierter wahr, un di Leite jetz ihr Piknik habn un

mahschirn un Kannohnen abfeiern un so famohsn Schpaß habn, un das ich

nichs mehr zum Nachmahl zu essn hab, un auch das Feierwerk nich sehn

kann un auf einer wiste Insl ferhungern wer, weinte ich ein bischen,

obwohl ich fersuchte, so taffer zu sein, wi Leite in einer solche Lage

sein missn. Ich konnte aber nichs dafir, obwol ich blinzlte un blinzlte

um die Trehnen zurikzuhaltn -- das blinzln nitzte nichs.

Ich schlif ein wenig un dann fihlte ich mich ein wenig besser. Ich

fragte mich selbs: »Was wirde Robinson Krusoh jetz thun?«

»Ah,« sagte ich, »er wirde einen Schtekn nehmen un einem Kerb

heneinschneiden um die Tage zu bezeichnen, damit er weiß, wifihl Tage

er da wahr.«

Also machte ich einem Schtok fest, schnidt einen Kerb henein un den

ibrign nachmitag gab ich 8, ob kein Schiff insich kommt.

Es kahm kein Schiff insich.

Ich fand ein paar Muschlschahln, aber es warn keine Muschln mehr drinn.

Ich wahr sehr hungrig. Es wurde finster un ich kroch in der Gondl dekte

mich mit den andern seinen Rok zu un schlif die gantze Nach ruig, ich

wahr so mid un bang.

Es wurde morgn. Ich hadte ein schmahles Frihschtik fon Wasser. Mein

Magn tat mir so wee, das ich mich erinerte, das die Indejahner sich den

Girtl enger machn um das nagn fom Hunger auszuhaltn; aber ich hadte

keinem Girtl, also liß ich es nagn. Ich schnidt noch einem Kerb in

dem Schtok un ging herum, um filleich einen Brodfruchbaum zu findn,

aber es wahrn keine auf der Insl. Es wahr nichs da, als Sand un kleine

ferkriplte Tannbeime -- mein Magn tat mir greßlich weh. Ich dachte, wi

offt ich Karoh ganz unbekimmert meine Fleischpastehte gegebn hab.

Ich hedte gern gewust, was unsre Leite heut zum Nachmahl habn, un ob

sie noch nach dem kleinen Schorschi suchn. Filleich sin sie fro, das

sie ihm los sin, er wahr so ein Tunichgut. Sie werdn ihm nie findn,

un wenn sie auch ein Monath oder ein Jaar lang suchn. Oh, wenn kleine

Jungen weglaufn fon einen hibschn freindlichn beqwemen zuhaus, wi wenig

wissn sie da, was sie alles erduldn missn, wenn sie auf einer einsame

Insl geschtrandert sin!

Ich fuhr fort hungrich zu sein. Ich dachte auf eine große Menge Dinge

-- besonderst auf Waffl mit Honig. Ich schaute auch noch immer nach

einen Schiff aus. Die Sonne ging unter. Ich fihlte mich schlechter un

schlechter. Ich schtand bei den Ufer -- auf eimal sah ich eines, nich

weit weg -- ein Schiff meine ich. Ich lif un holte meinem gekerbten

Schtok, band mein Taschntuch dran un wehte, aber ich hedte mich nich

zu plagn brauchn; sie erzehltn mir schpeter, das sie grad auf das

selltsame Ding losschteiertn, das auf dem Baum gebundn wahr. Es war

schon beina finster, wie sie näer kamen, ein Boht henunter lißn un

drei Menner heneinschtign un zum Ufer ruderten.

»Halloh!« rifn sie, wie sie mich sahn.

»Selber Halloh!« sagte ich, sehr fro, das sie da wahrn. »Nun, ich will

in der Lufft geblasn sein!« sagtn sie »hat man so was je erlebt!«

»Ich habs,« sagte ich, »aber auch ers nur eimal -- im ernst. Habt ihr

was zu essn auf eiern Schiff? Mein Ballohn fihl hir, wo nich eimal ein

Brodfruchbaum oder ein Schtikchen Wassermelohne wakst. Ich ferhungere

schon.«

Un dann wahr mir das weinen sehr na, aber ich hedt es nich um der Welt

getan, sonder blib fest un fragte sie: »Seid ihr amerkansche oder

englische Matrosn?«

Sie sagtn sie sin englisch un gehern zu Kannada, aber sie farn grad

nach Bufflo, ob ich mit ihnen farn will? Sie namen mich allso aufs

Schiff, wo ihr Kapetehn grad beim Nachmahl wahr; er wahr sehr heflich.

Er sagte ich soll mich nur zu ihm setzn, ganz ohner Zermonih. Es wahrn

gebakne Fische da, gebratne Erdepfl, Brod un Budter un Kaffeh. Ein

ausgezeichntes Essn, aber ich hab gelesn, das Leite, die geredtet

wern, anfangs nur sehr wenig essn solln, un so dankte ich ihm schon

bein fiertn Mahl fir Fisch un Eier un Erdepfl un herte auch schon bein

finftn Schtik Fleisch zu essn auf.

Er schikte auch die Leite um den Ballohn, nachdem ich ihm erzehlt

hadte, wem er gehert un das er ein paar tausnd Doller gekostet hat. Er

wahr sehr freindlich zu mir un ich wer ihm dankbahr sein, bis ich groß

bin.

Wir brauchtn 4 Tage un Nechte bis wir nach Bufflo kamen, aber ich

ferbrachte die Zeit sehr angenem mit die Matrosn die mich zu ihrn

Libling machtn, weil sie nichs fon meinen gutn Ruf wußtn. Ich erzehlte

ihnen fon meine Schwestern, fon den neien Babi, den Tellergrafnbeamtn

un eine Menge Sachn, die sie interessihrtn un sie erzehltn mir

fon der Sehschlange, den Wasserniksen un andre Mehrwunder, wi man

einen Matrosnknootn macht, auf dem Maßbaum klettert un so fort. Ich

schtrengte mich an, so wenig Unrue zu machn, wi nur meglich, aber

ich fihl 2 mahl auf einen tifn Plaz im Wasser iberbord, das sie mir

nachschpringen mußtn un ich ferlor Bens silberne Uhr, die ihm seine

Mudter geschenkt hat im Wasser, aber ich ferschprach ihm eine bessre,

wenn ich nachaus komm. Die Matrosn tettowirtn mir einen Anker un ein

Schiff auf dem Arm damit mich meine Eltern widerkennen, wenn ich das

nechste mahl ferlorn geh. Es tat mir ser leid, wi wir nach Bufflo

kamen, fon ihnen Abschid zu nehmen. Ich umarmte un kißte sie alle,

un fergoß ein pahr Trehnen, un sie schribn ihrn Nahmen auf mit einen

schönen Schwung drunter un gabn mirs zum Andenkn. Der Kapetehn fihrte

mich zur Baan un sagte dem Konduktehr es wird fir mich gezalt wern,

wenn ich hinkomm -- wi wenn ich ein Pakett pernachnam wer.

Ich fuhr un für dem ganzn Tag un es wurde grad finster wi ich zu

unsrer Schtatsjohn kam. Ich hadte mir fom Kapetehn ferschprechn lassn,

das er nich tellergrafihrt, das ich komm, weil ich die Familjeh

iberaschn wollte.

Ich schlipfte henunter un ging durch der rikwertige Gasse nachaus, um

zu sehn, was sie sagn wern, wenn ich komm, befor sies wissn. Oh, wi

mein Herz klopffte, wi ich näer kahm! Es schin mir, als ob ich ein

pahr Jare -- ein Jar 100 wegewesn wer! Ich ging leise im Hinterhof un

gukte durchs Schpeiszimmerfenster. Jeh! Was fir eine Menge gute Sachn

warn da zum Nachmahl! aber sie saßn alle um dem Tisch wi Mumjen un aßn

nich sofihl das es die Arbeit fon der Kechinn wert wahr. Mamma hilt

sich ein Taschntuch zu die Augn, Elsbett war blaß un redete nichs,

Betti schluchste, wi sie Lil un Montagu das Brot brachte -- so eine

Gesellschaff! Also schprang ich grad auf das offne Fenster, wi ein

Gummilastiballn un sagte: »Ihr mechtet einem bessern Apptit habn, ihr

Leite, wenn ihr auf einer wiste Insl geschtrandert wert, wi ich wahr.

Oh Godt! wi hungrich bin ich -- gebt mir was zu essn!«

Großer Godt! -- Aber ich kann es nich beschreibn -- ich will dem

Forhang iber der Ssene falln lassn. Nur eines is mir besonderst

aufgefalln -- di Familjehn fon schlechte Bubn scheinen grad so fro,

wenn sie die ferlohrnen widersehn, wi wenn es nich so greßliche Kinder

wern. Aber ich hab eine gute Lekzejohn bekomen un ich wer mich tichtig

anschtrengen, damit ich mehr ferdin das Betti mich halb zutot wirgt

un sagt sie will mich nur umarmen. Selbs das komische kleine rote Babi

lachte, wi es seinem Onkl Schorschi sah.

P. S. Es is gut, das der Kapetehn den Ballohn mitgenommen hat; der

Luffschiffer hat meinen Fater um sibn 1000 Doller ferklagt, aber jetz

wird alles, was Papa bezahln muß, nur fir die Flekn sein, die man dort

aufnehn muß, wo ich mit meinen Taschnmesser die Lecher heneingeschnidtn

hab.

Meine Schwestern wolln den Kapethen eine seidne Faane un jedn fon

meine Freinde, den englischn Matrosn eine silberne Uhr schikn; sie sin

greßlich lib (meine Schwestern).

Tagebuch eines bösen Buben · 第 37 / 43 题