Sie schrien alle: »Ja, ja!«

Ich nahm sie un hilt sie eine Menute hintern Rickn un dann zeigte ich

sie ihnen wider. Ich wahr sehr erschrokn wi ich sah, das sie noch immer

zerschtampft war un nich wider zusammengehn wollte, so hibsch wi sie

früer wahr.

Die Jungen warn auch erschrokn un so ferschtektn wir sie in der Krippe

damit die Leute glaubn, das Prinz -- das is unser Ferd -- sie aus der

Lade genommen un zerkaut hat.

»Du hast aber das Schwert nich geschlukt!« schrie der kleine Willi

Braun.

Ich sagte ich hedte kein Schwert, um es zu schlukn.

»Geht es nich mit einen Taschnmesser?« fragte Bob Schmidt.

Ich sagte ich wills probihrn. Dann machte er sein großes Taschnmesser

auf un gab mirs heriber. Ich versuchte es zu schlukn aber ich wirgte

greßlich dran -- das Blut kam mir aus den Mund, bis Bob schrie: »Laß es

nur gehn! Du bist ein Zaubrer? Nicht einen Heller wert!«

Alle Jungn sagtn ich hab sie beschwindlt un ich muß ihnen das Antreh

zurickgebn. So tat ich es auch -- die Zunge tat mir greßlich weh un

wurde so dick, wie nur was. Ich war so zornig wi eine Humml, weil sie

so fon mir redetn un ging ins Haus zurick.

Mamma fragte mich, was ich denn am Mund habe. Ich sagte, filleich is es

fon di rotn Ribn die wir zu Midtag hatn.

Mir wahr der ganzn Nachmidtag nich sehr gut. Die Zunge brannte mir wi

Feuer un ich wahr sehr engslich wegn Mammas Uhr.

Wi wir bein Tee saßn un ich den Biskitt in meinem Tee eintauchte, weil

meine Zunge so zerschnidtn wahr, kommt Sam herein -- unser Kutscher --

direk in das Schpeiszimmer mit der Kechin un Betti un helt die Uhr in

der Hand. Alle schautn hin un dann auf mir. Warum nur grad auf mir?

»Ich fand sie in der Krippe!« keichte Sam und gab sie Mamma.

»Mamma,« sagte ich, »ich glaube Prinz muß sie aus der Lade genommen

un zerkaut habn. Laß mich schaun, ob ich noch seine Zehne am Deckl

eingedrikt sehn kann.«

»Oh mein Kind, mein Kind, mein Kind!« sagte Mamma, »errinners du dich

nich an der Erzehlung fon deinen Namensbruder den kleinen Schorschi

Woschten un seiner Axt?« dann schaute si nochmals auf der Uhr fing zum

Weinen an un ging henaus.

»Wi bis du dazu gekommen?« fragt mein Fater so erns, das ich zidtern

mußte.

Aber ich will liber den Forhang iber der haarschtreibende Ssene falln

lassn, wi man in die Geschichtnbicher immer sagt. Ich will deine Seitn

mein Tagbuch nich mit den beflekn, was dann geschah. Genug wenn ich

sage das mein einzger großer Gedanke in der nechste Woche wahr: »Oh

wenn ich nur Edisen wer um ein Patent zu bekommen, kleine Jungen aus

Gummielasti zu machn!«

Wenn ich groß werde un Familje hab, werd ich sie nich fir das

beschtrafn, was sie gar nich tun wolltn. So eine Ungerechtkeit is

genug, das ein Junge sein Nachthemd un die Zahnbirschte zusammpakt

un dafonlauft zu die Indjahner. Warum gingen sie nich eine andre Uhr

kaufn? Es sin noch genug in den Juwelihrladn fon Herrn Goldschmitt,

anschtatt so einen Schpetakl deswegn zu machn.

Schlißlich habn sie doch etwas andres zu denkn gefundn, als das

Schorschi so ein böser Junge is. Si sin so gemithlich un gutmithig

jetz wi ein Korb foller Schnitzl. Di alte Tante fon Montag de Jones in

Irrland is geschtorbn un hat ihm finftausend Fund hintergelassn. Ich

weiß nich was fir Fund das sind -- kann sein fon Geld, das wer greßlich

fiel. Er un Lily solln jetz heiratn. Papa sagt er hat immer gedacht,

Montag ist ein netter junger Mann -- blos zu jung zum heiratn. -- So

is alles wider gut. Ich will fersuchn bis nach der Hochtzeit ein sehr

brafer Junge zu sein, weil Lil mich zu sich in ihr Zimmer nahm, un

mit Trenen in di Augn zu mir sprach un mir einen Golddoller gab, ich

soll fersuchn bis nach der Hochtzeit nichts anzuschtelln, weil alle in

solche Eile sin un so fiel zu tun habn un sie winschte di Hochtzeit

mechte ruig foribergehn, ganz ohne einen Zufall.

Lil is ein gutes Medchen. Ich hab sie am libtsn. Ich will fersuchn ihr

zu folgn damit ich bei ihr wohnen darf wenn sie ihre eigne Wirtschaff

hat. Sie sagt, ich darf. Sie wird ein kleines Zimmer eigens fir mich

habn mit einer Brummsäge, ein Feßchen Negl, un alle Werkzeige.

Ich denke ich werde Montag nich erzehln, das sie sich das Haar mit

Teerseife bleicht um es so goldfarbig zu machn -- es wahr früer so

schwarz wi Kohle. Oh Godt! bin ich froh! so eine Menge Kuchn! Die Leite

fon kleinen Hans habn keine Hochtzeit wi wir. Heut hat er sich eimal

duckn missn!

Ich wahr so beschefftigt, das ich schon greßlich lang nich in mein

Tagbuch geschribn hab. Ich glaube manchmal sin kleine Brider sehr

nitzlich, wenn man sie nur heflich bidtet.

Meine Fiße sin so mid, wenn ich zu Bed geh, weil ich den ganzn Tag

laufn muß um Schpuln Zwirn, Seide, Kattuhn, Nadln, Muster, Citrohnen,

Rosihnen, zur Post, zu Herrn de Jones mit Brifchen un so weiter. Ich

wollte, ich kennte sie abschnalln wi der alter Willi Giles um abens

tut.

Morgn is der großer Tag, wo die Hochtzeit sein soll. Ich muß nur

schnell schlafn gehn, damit ich frih auf bin.

Nun is alles foriber. Ich wahr sehr zeitlich auf un ganz munter. Sie

solltn um elf Uhr in der Kirche heiratn. Die Kechin un alle hadtn zu

fiel zu tun um mir Frihschtik zu gebn. Sie sagte: »Nimm dir selbs Brot

un Budter. Ich hab schreklich fiel zu tun.«

Ich wußte nich, das kleine Jungen Budterbrot essn missn, wenn ihre

Schwestern heiratn. Ich ging hinein, wo sie eine große lange Tafl

aufgeschtellt hadtn mit Blumen un Salat, Kuchn, Austern un noch fiele

andre Sachn. Weil ich schtehnblib konnte ich noch 2mal so fiel essn,

als wenn ich mich nidergesetzt hedte.

Es wahr nimand da. Ich ferschittete einen Krug mit rotn Wein am

Tischtuch. So ein großer Flek! so ein Geruch fon Wein! Ich lif

so geschwind ich nur konnte henaus, damit sie denkn Betti hat es

ferschittet.

Betti sagte »komm laß dich anzihn!« un zog mich dann an, gab mir

ein Knopflochbukeh un ein Taschntuch, das mir aus der Brusttasche

herforschaute un glänzige Schue.

»Setz dich nider,« sagte sie, »bleib ruig sons beschmutzt du dir di

Kleider wider.«

Ich saß eine kleine Weile ruig aber dann schlipfte ich zu Henschen

henüber ein bischen zu schpiln damit die Zeit fergeht. Henschen sagte

»da is eine hibsche große Lake, wo wir unsre Schiffe schwimmen lassn

kennen« aber dabei schtiß er mich, das ich heineinplumste aber da wahr

ich doch gewiß nich schuld dran.

Wi ich nachaus kam mußtn sie alle wartn bis man mir die alte Kleider

angezogn hadte un Mamma weinte wegn den Tischtuch, aber sie sagte

weil ihre Tochter weggeht, un Papa wischpelte mir zu »er wird mit mir

schprechn, wenn alles foriber is«.

Lil wahr wunderhibsch, wi sie die Treppe henunterkam, mit den weißn

Kleid, die Wangen so rot wie Rosn un einem großn weißn Schleier ganz

über ihr. Auch Susann wahr sehr hibsch. Sie war Kranzljungffer. Herr

de Jones sah aus als kennte er nich glaubn, das Oktober is, so heiß

un unbekwem wahr ihm, er schtig auf Lilys Schleppe un zerriß si, so

das sie sie mit einer Nadl festschtekn mußte, er wunderte sich wo sein

Hut is un hadte ihm am Kopf un zerriß fir par Glassehandschuhe beim

Anzihn, in solcher Eile war er. Dann schpendelte ich Tante Betseys

rotseidnes Taschentuch hintn an seinen Rok un nimand bemerkte es bis er

den Kohrgang henaufgehn wollte. Alle lachtn ein bischen un der Dokter

riß es henunter. Er glaubte es will ihm wer etwas sagn blib schtehn un

schaute zurik un Lil merkte es nich un ging forwerts. Alle Leite lachtn

jetz laut un er wurde so rot wi ein Krebs.

Das machte ihm ganz ferlegn un wi der Predger dem Ring ferlangte liß er

ihm falln un er rollte weg bis unter der Kanzl un Susann mußte einen

fon ihre herborgn.

Jetz konnte er schon keinen fon andern unterscheidn un ging mit Tante

Betsey aus der Kirche. Lil sagt ich soll dafir büßn un nich mit ihr

kommen. Mir ligt nichs dran. Ich werd meinen Bruder fon ihre Brife

erzehln die ihr der andre Kerl zurikgeschikt hat, der forgen Winter

immer bei uns wahr, weil sie so kokett is. Ich werd ihm erzehln wi sie

sich immer das Schulterblatt auschtopfft un was fir Launen sie hat.

Es wahr der selber Predger auf den ich geschossn hadte, der sie jetz

ferheirate. Er hat eine Narbe auf der Schtirn un sah greßlich bleich

aus.

Wir gingen alle im Schpeisezimmer wi wir nachaus kamen. Ich glaube es

warn Serwjetten ausgebreitet wo ich den Wein ferschidtet hadte.

Es warn eine Menge Hochtzeitstortn. Sie trankn Tohste un Tohste. Die

Leite warn sehr gut aufgelegt; einer gab mir ein Glas Wein un sagte:

»Nun Schorschi, trinke auf die Gesundheit deiner Schwester!«

Ich sagte: »Meine Schwester, die sich heut ferheiratet hat, soll lebn!

Megn ihre kleinen Jungen nie gepriglt wern oder bei den Haarn gezogn

oder sich di Fiße ablaufn, wi ihr kleiner Bruder!«

Sie mußtn sich zum Zug eiln. Elsbett warf dem Wagn ihrn Pantoffl nach.

Alle sagtn Lebwohl. Deswegn fermißtn sie mich nich un ich benitzte die

Gelegnheit un trank alln Wein aus den sie stehn lassn hadtn.

Wi Mamma kam um mich zu suchn lag ich untern Tisch un mir wahr greßlich

schlecht. Ich fragte sie ob ein Erdbebn wahr. Sie sagte warum? Ich

erzehlte ihr das der Bodn sich umgedreht hat un das ich nich schtehn

konnte un die Sessl un der Tisch drehtn sich herum, wi wenn sie auch

nich schtehn kenntn. Dann rif sie Betti, mich henaufzutragen un zubed

zu legn un seifzte un seifzte, wi wenn ihr das Hertz brechn mißte un

sagte: »Oh, Schorsch, was wirs du nun beginnen!«

»Mich ins Bed legn, Mamma!« sagte ich un das war doch wahr.

Tagebuch eines bösen Buben · 第 16 / 43 题