Der kleine Prestidigitateur

So ein Schpetakl wahr noch nich da, wi die letztn par Tage in unsern

Haus. Filleich kann ich eher ein Zirkusreiter wern aber der Fersuch

ein Magjer zu sein is mir follschtendig mißlungen. Es ging doch nich

so leicht wi ich mir forschtellte. Es schaut sehr leicht aus, wenn man

sith wi ers macht, aber wenn mans selbs probihrt is man sehr entäuscht.

Ich hoffte den Abens nachdem ich mit Papa bei Hermann gewesn wahr

selber eine Forschtellung gebn zu kennen.

Lotti Herbst un 2 andre Medchn warn zu besuch bei meine Schwestern.

Ich ging in der Schpeiskammer un anglte mir ein Dutzen Eier. Mit Lotti

Herbst wahr noch ein junger Mann gekommen, so ein rechtes Gigerl

aus Nuyork. Ich hadte schon die Eier un weil ich nur noch einem Hut

brauchte wi Hermann, so nahm ich seinen fon Hutrechn in Forzimmer --

es wahr so ein glenziger Biberhut fon der neueste Mohde. Ich schlug

die Eier in den Hut un stellte meine Sachen auf einen kleinen Tisch

im Hinterzimmer, so das ich Zaubrer schpiln konnte und dann rif ich:

»Bitte nur hereinschpazihrt meine Herrn un Damen! Hir is der berihmte

Zauberkinstler un Prestegatehr Hermann zu sehn! Antreh blos 26 Cents!«

Sie lachtn alle un kamen henein. Der junge Gigerl gab mir 25 Cent fir

alle zusamm. Ich pakte den Hut schittlte ihn un sagte: »Meine Herrn un

Damen, das sin di ferzauberte Eier!«

Sie gucktn alle hinein un sahn die Eier in einen Quatsch. Der Kerl

wußte nich, das es sein Hut wahr un meine Schwestern dachtn zuers nich

un so lachtn sie alle.

»Ich bitte nur genau hinzuschaun!«

»Ja,« sagten sie.

»Un jetz sin sie wider ganz -- hokuspokus --« sagte ich un schittlte

sie ganz so wi der Zaubrer, aber die ferteiflte Eier wolltn nich wider

zusammgehn. Ich mußte es enlich aufgebn. Der Gigerl lachte wi wenn er

erschtikn mißt, aber wi ich sagte, ich bin sehr besorgt das ich ihm

seinen Hut so beschmihrt hab, weil er jetz nichs zum nachausgehn hat,

wurde er greßlich geschwind ganz erns; sein Gesicht war filleich 3 Fuß

lang un er schaute auf mir, wi wenn er mich auffressn wollt. Elsbett

jagte mich henaus Susann sagte sie wird es Papa erzehln un so gehts

immer -- ein unschulger kleiner Junge kann nich das geringste tun ohne

das er henausgeworfn oder hin und her geschtoßn wird. Offt un offt hab

ich mir schon gewinscht, so ein kleiner Junge aus Gummi lasti zu sein.

Am nechstn Tag wollte ich die Forschtellungn im Schtall gebn. Ich

ernidrigte den Antreh auf 1 Cent. Alle Jungen kamen herein. Ich hadte

Mammas Uhr di ich aus ihrer Schreibtischlade genommen hadte, wi sie

bein Essn war -- un den Mörser un Schtößl in den die Kechin immer Nisse

un Mandln schtoßt. Ich sagte: »Will eine Dame so gütig sein un mir ihre

goldne Uhr leihn?« wi Hermann gefragt hadte un Hansi den ich umsons

hereinkommen lassn hadte sagte: »Ich will ihnen meine borgn« un gab mir

Mammas Uhr di ich deswegn früer in seiner Tasche geschtekt hadte un ich

nahm sie un zerschtampfte sie in Mörser. Sie war schreklich schwer zu

zerschtoßn -- nur das Glas ging ganz leicht. Zuletzt mußte ich einen

Schtein nehmen. Dann sagte ich: »Sie sehen, meine Herren, die Uhr is

follkommen zerschtampft?«

Tagebuch eines bösen Buben · 第 15 / 43 题