Ich sagte: »Halloh Peters! Gutn Morgn!«

Er sagte: »Ich winsch ebnfalls, Schorschi. Iß du Rosinen gern? Da, nimm

dir.«

Jungen, die drei hibsche Schwestern habn, gehts iberall gut, bemerke

ich. Ich nahm mir eine große Hanfoll Rosinen un ein par Nisse un setzte

mich zum essn auf den Ladntisch, bis ich auf einmal, wi wenn mirs grad

einfalln mecht, in der Tasche greif, seine Fotografih henausnehm, drauf

schiele un sage: »Das siht aber ganz so aus wie sie, sag ich!«

»Laß sehn!« sagte er.

Ich wollte ers lang nich un dann gab ich sie ihm. Die Medchen hadtn

Sommerschprossn iber das ganze Gesicht gemacht. Das wahr die, bei

welcher sie auf dem Rickn geschribn hatn »Er wollte, ich nich«. Sie

hadtn sein Haar so rot angemahlt wi einen Hahnenkamm. Er wurde ganz

bleich, wi er es in der Näe sah.

»Das is eine brennende Schande,« sagte ich, »fir dise Damen, sich so

iber ihre Ferehrer lustig zu machn.«

»Schau das du fortkommst!« sagte Peters.

Ich packte noch schnell ein Bindl Rosinen und ferschwand ruig. Er wahr

withend! Herr Hofmann is ein Avokat un hat ein Bihro auf den Platz

bein Gerichtshaus. Ich kenn ihm sehr gut, weil er offt zu uns kommt.

Er is ein greßlich komischer Mensch un so schteif, man mechte glaubn,

er schaut ob der Mond aus grinen Käs gemacht is, wi di Leite sagn,

weil er so in der Luft guckt. Er hat eine tife, tife Schtimme beina

bis in seine Schtifl henunter. Das Hertz schlug mir wi ich hinkam, so

firchtete ich mich. Aber ich wollte den Schpaß doch bis zuend sehn un

so fragte ich ihm: »Is das Wunderthir heite ausgeschtellt?«

»Was meins du?« fragte er un schaute auf mir henunter.

[Illustration]

»Susann sagte, wenn ich ins Bihro fon Herrn Hofmann geh, so kann ich

sehn wofon das das Bild is,« sag ich un gib ihm seine eigne Fotografih

beschribn mit »Das große Wunderthir«. Es is greßlich schpaßig, die

Gesichter der Leite zu sehn, wenn sie ihre eigne Fotografihn anschaun.

In einen Nuh hob er dem Fuß auf, aber ich wich ihm noch grad zurecht

aus. Ich herte ihm etwas brummen wi »anzeign wegn Beleidegung«. Ich

glaube er sollte sie liber wegn effentlicher Gewalttetigkeit anzeign,

weil sie mich immer orfeigt. Ich winschte sie mecht eingeschperrt wern,

da gescheh ihr recht.

Wenn ich noch lenger schreib, so komm ich nich for Mitternach ins

Bed. Ich muß schon gehnen wie in schterbender Fisch. So, lebwohl mein

Tagbuch, bis nechstesmahl. Die Bilder hab ich alle noch formittag

zurickgegebn. Ich glaube, das wird einen Schpektakl gebn. Ich muß beina

zerplatzn for lachn, wenn ich an dem Menschn denk dem ich »Das Portreht

eines Affn« zurickgegebn hab. Er schaute so wunderlich aus. Ich glaube

er weinte. Wi ich zum Essn nachaus kam, queltn sie Mamma grad, ihnen zu

erlaubn, nechste Woche Gesellschaft zu gebn. Ich glaube nich, das einer

fon die junge Menner kommen wird, die Medchen werdn auf ihnen ferzichtn

missn. Mir ligt garnix dran. Was nehmen sie sich solche Freiheitn mit

meine Ohrn heraus, wenn sie wolln, ich soll gut zu ihnen sein.

P. S. Ich wette die Ohrn klingen ihnen heite wi mir noch nie.

Tagebuch eines bösen Buben · 第 9 / 43 题