Un er kratzte sich am Kopf un ging weg. Grad biß einer an un ich lehnte
mich zuweit heniber und fiel henein. Ich schwamm iber den Damm un flog
henein in die Mihle und grad ibers Rad, aber nich früer, wi ich zur
Schleise kam, dachte ich, ich glaube, sie wern traurig sein, wenn sie
Schorschi nich mehr habn wern, ihm zu scheltn. Ich weiß aber nich mehr
was ich dachte, wi sie mich herauszogn, weil ich so totgetrenkt war,
wie eine Maus; aber sie rolltn mich auf einer Kiste un blisn mir mit
einen Blasbalg in mein innerliches un ich kam zu mir un fragte: »Habt
ihr mein Fischzeig gerettet?« Ich weiß nich, warum Mamma weinte, wie
sie mich nachaus brachtn, denn da wars ja schon forbei un das sagte ich
ihr auch. Ich war greßlich froh, das ich heneingefalln bin, weil sie
driber ganz fergeßn habn, auf mir bös zu sein.
Lil brachte mir Budterbrod un sehr gutn Tee un am abens gingen alle
henunter und wickltn mich in der Deke ein, das ich glaubte ich muß
erschtickn. Deswegen schtand ich auf un zog mein neies Gewand an -- das
andre war zum trocknen. Un weil sie mich gewiß gescholtn hedtn, das ich
aufgeschtandn bin, schlich ich in Sallohn un ferschteckte mich hintern
Vorhang fom Feranderfenster. Ich wahr so mid, das ich gleich einschlief
un wi ich aufkam, herte ich Schtimmen un bemerkte das es Susann un ihr
Ferehrer war, die zusamm am Sofa saßn. Elsbett hakte am Peano am andern
End fom Zimmer. Lil war drobn, weil sie wußte, das Herr Schmidt nich
mehr kommen wird.
»Wir werdn wartn missn,« sagte er, »filleich ein Jar. Der alter Doktor
Bradley braucht einem jungen Mann, um die Fahrtn zu machn un er hat
ferschprochn mich auf disn Fall zu nehmen. Kanns du wartn auf mich mein
Lib? Du wirst Geduld habn missn,« sagte er.
»Du auch mit mir,« sagte Susann un dann lachtn sie.
»Wir tetn besser es fir dem Moment als tifes Geheimniß zu betrachten,«
sagte er.
»Ja,« sagte sie, »wahrhaftig! Es is die beste Polletik lange
Ferlobungen geheim zu haltn -- es kennte irgend etwas dazwischn kommen,
weiß du!«
Un dann schprang sie auf, wi wenn er auf sie geschossen hedt un lif
durchs Zimmer un setzte sich noch grade recht auf einen Sessl, weil ein
par Leite herein kamen und dann noch ein par. Alle wolltn wissn, wi es
dem armen kleinen Schorschi geht un dann kam Mamma und sagte, ich bin
weggelaufn un sie is greßlich besorgt ich hab das Dellirum in meinen
Kopf un mein Gehirn is filleich angegriffn. So gab ich also dem Vorhang
einen Schwups un schprang herfor wi wenn ich Hipf-Frosch schpiln mecht
un es wahr zum lachn, wi sie schrien.
»Oh Schorschi, Schorschi!« seifzte die arme Mamma, »du wirst noch mein
Tod sein -- ich weiß, du wirst.«
»Warstu die ganze Zeit unter den Feranderfenster?« fragte Susann un
wird rot un blaß.
»Natirlich,« sag ich un winke ihm und wink' ihr. »Ich wußte, das
Erlichkeit die beste Polletik is,« fing ich an, »aber warum is es die
beste Polletik es nich zu sagn, wenn ihr ferlobt seid, wi du früer
gesagt hast?« Dann warf mich Susann henaus aus den Zimmer un wi wir
schon bei der Thir warn schrie ich noch: »Laß mein Arm los! Ich geh
schon, brauchst mich nich zu schtoßn. Sag Su, warum bistu so fom Sofa
aufgeschprungn, wi di Leite geklinglt habn? Hat Doktor Moor --«
Aber sie hilt mir die Hand forn Mund un schlug die Thir zu.
»Ich mechte dich so gern auspeitschn, als ich je wieder essn mecht,
Schorschi,« sagt sie und fengt zum weinen an: »so mit der Thire ins
Haus zu falln, du schlechter, schlechter Junge!«
»Mit was fir einer Thire?« frag ich.
»Doktor Moor wird dirs nie ferzeihn!« un schluchst, wi wenn ihr ihr
einzges Schtickchen Kandis in Brunnen gefalln wer. »Wir wolltn, das
kein Mensch for den nechstn seks Monathn etwas dafon weiß.«
»Es tut mir leid, das ichs getan hab, Susi,« sagte ich, »ich werds
auch nimmer tun, wenn du zu weinen aufherst. Aber was hab ich denn
eigentlich angeschtellt? Wenn ich gewußt hedt, das der Doktor so leicht
erschreckt, so wer ich wirklich nich so schnell herausgeschprungen.
Ich mecht so einen Menschn nich heiratn, der so leicht erschreckt. Er
mecht fielleich gleich in Ohmach falln, wenn er in der Nacht ein weißes
Leintuch zum trocknen aufgehengt siht. Ich glaub nich an Geschpenster,
glaubs du?« Wi ich das sag kommt Mamma und schleppt mich wider henauf
in mein Bed und sagt Betti -- das Stubnmedchen -- soll bei mir bleibn
bis ich schlaf, un ich bat Betti, das in mein Tagbuch zu schreibn,
weil ich so mid un schlefrig wahr. Bettis Libhaber hat rote Haare und
schielt. Ich guckte eimal durchs Gangfenster un sah wi er mit ein Aug
auf Betti un mit einen auf der Kechin schaute -- die is so launisch,
wi man nur sein kann -- un ich winschte, ich mecht auch schieln, dann
kennt ich mit ein Aug ins Buch schaun un mit ein Aug auf Tommy Fuller,
wenn er Nadln in die Benke schteckt wo sich die Jungen hinsetzn wolln.
Schielaugn wern der greßter Schpaß fir Jungen, die in der Schul gehn
missn. Betti gehnt, wi wenn ihr der Kopf abfalln mecht. So muß ich
schlissn.