Sie wurde neugierig. »Woran ist sie gestorben?«

»Ich hab gehört, am Rotlauf.«

»Hast du gut mit ihr gelebt?«

»Ich hab nit bei ihr liegen wollen, sie hat kalte Füße gehabt. Ja, ein

Wittiber bin ich, und das ist mein einziger Tadel.«

Die lieben, dummbraunen Augen der Mechel glänzten voll Mitleid. Und er

merkte es und riß sie zu sich hin und herzte und halste sie, bis sie

ganz wirr bat: »Tischler, hör auf! Du bringst mich in die Lieb, und ich

bin noch zu jung dazu.«

Droben schoß ein Stern über den Himmel, Johanniskühlein flogen glimmend.

»Laß ab, Tischler! Die Buben werden mir einen ströhernen Mann aufs Dach

setzen. Die Schand begehr ich nit. -- Und wenn einer daherkommt!«

»Wer wird denn gerad jetzt unterwegs sein!« tröstete er. »Es rührt und

reibt sich nix.«

Sie rang mit versagender Kraft gegen ihn.

»Ich heirat dich ja. Und wenn du mich gern hast, der Himmel fallt nit

ein,« zischte er.

Da stapfte es den mondverdämmerten Weg daher, Steine rollten, ein

Stecken klang an einen Fels.

Die Mechel sprang auf und rauschte wie eine gehetzte Hirschkuh ins

Gebüsch.

Die alte Ulla humpelte mit der Geiß daher.

»Verdammte Nachthex!« brauste der Dullhäubel sie an.

»Verspätet hab ich mich. Die Geiß hab ich zum Bock geführt,« sagte sie

bang.

»Geh geschwind heim, dein Kater will gemolken sein. Er gibt dir täglich

zwölf Seidel Milch, dir Nachthex.«

»Bauer, du machst mich schwarz,« flehte sie. »Die Kinder spotten mir

schon nach ›Hex! Hex!‹ Die Leut speuzen aus vor mir und verriegeln die

Tür, wenn ich betteln komm. Und ich bin doch nur ein überständiges Weib

und kann nimmer essen, nimmer schlafen.«

»Aber hexen kannst du,« rief er unbarmherzig.

»O du gar schlimmer Mann, was feindest du mich an? Unschuldig bin ich,

der Blaumantel kann es mir bezeugen. O die Welt ist voller Angst und

Nöten! Und man kann sich kaum aufrecken bei der teuern Zeit, kaum

schnaufen kann man.«

Ein toller Schwank war dem Dullhäubel durch den Kopf geschossen. »Hexen

kannst du,« bestand er. »Du verzauberst den heiligen Blaumantel selber.

Ruf ihn um die Mitternacht. Dann stürzt er dir ins Haus. Versuch es!«

Er rannte in das mondscheinige Gebüsch der Mechel nach. Sie war nimmer

zu finden. --

Als er zur Kapelle kam, räusperte es sich droben im Föhrenbaum. Zwei

dürre Beine schlotterten vom Ast.

Fuxloh; oder, Die Taten und Anschläge des Kasper Dullhäubel: Ein Schelmenroman · 第 26 / 62 题