Der Spucht wischte sich erquickt den feuchten Bart. »Das Bier hat
Kraft,« lobte er, »es raucht einem zur Nase heraus.«
»Wirt, bring eine Zange her!« begehrte der Igelbauer. »Am Türstock
steht ein Nagel heraus, die Burgermeisterin hat sich dran den Kittel
zerrissen.«
Doch der Lukas Schellnober hüpfte von seinem hohen Sitz herab und riß
den Nagel mit den blanken Zähnen so gründlich heraus, daß schier der
Türstock mitging.
Alle staunten über die Gewalt, und der Lukas Schellnober stand da,
stark wie ein Hebebaum.
Nur der Dullhäubel winkte geringschätzig. »Mein Ähnel hat eine
Pflugschar auseinander gebrochen und einen eisernen Haken mit dem
kleinen Finger in die Mauer getrieben.«
Da packte der starke Bläser den Prahler samt seinem Stuhl und hob
ihn auf den Tisch, daß er zappelnd droben saß, und alle lachten und
gönnten es ihm.
Wütend kroch er herunter. Doch wußte er sich gleich wieder ein Ansehen
zu schaffen, er zündete sich die Pfeife mit einem Guldenzettel an,
schob sich den Hut ins Genick und schloß hochmütig die Augen. »Soll mir
das einer nachtun in Fuxloh!«
Die Leute hatten nicht lange Zeit, über den verbrannten Gulden zu
staunen, denn der Spucht und der Grazian waren wegen ihrer Weiber in
Streit geraten, und alles scharte sich um die zwei.
Der Spucht war eifersüchtig worden und behauptete, der Meßner stoße
beim Tanz häufig mit dem Knie an das Knie der Spuchtin. »Ich hau dich,
Grazian, daß dir das Maul auf die Seite hängt,« drohte er und spickte
die Drohung mit seinen finsteren Blicken.
»Hau her!« trotzte der Grazian.
»Hau erst du her!« begehrte der Spucht und wich einen Schritt zurück.
Sein Bart sträubte sich.
Dem Meßner schwoll das Herz. »Hast du eine Schneid, so wag dich an
mich!« Er hob einen Stuhl auf und brüllte. Der Spucht duckte sich.
Vom Faß her rief der Wirt: »Grazian, wenn du raufen willst, räum ich
dich hinaus.«
Der Narr tanzte täppisch zwischen die Streiter und sang die Worte:
»Hofacker, Krautacker!« Ein anderes Lied konnte er nicht.
»Recht hast du, Zusch, stift Frieden!« lobte ihn der Burgermeister.
»Komm her, Narr, trink!« Der Dullhäubel hob das abgestandene Traufbier
unter dem Faß weg und schwenkte es. Der Zusch trank mit stieren Augen.
Dann spreizte der Dullhäubel die Beine auseinander. »Jetzt bedank dich,
Narr, und schlief durch.«
Da ließ sich der Zusch auf alle vier nieder und kroch durch.
Seine Mutter kam in die Stube. »Wo mag denn mein armer Narr sein?«
fragte sie betrübt. »Ich such ihn schon die halbe Nacht.«
Als sie ihn dem Bauer durch die Beine kriechen sah, weinte sie in die
Schürze und zog den Narren mit sich fort.
»Den Kasper soll man hauen, bis er nach Feuer stinkt,« schalt der
Müller.
Der Dullhäubel aber mischte sich keck in den Tanz. Dabei sprang er wie
ein Heuschreck, schaffte sich unbekümmert Platz und stieß die andern
aus dem Weg.
Den Lippenlix aus Blaustauden faßte er beim Knopf. »Du Schönbart bist
mir auf die Zehen getreten, das Weh schießt mir bis zum Ellbogen
herauf.«
Mit einem Schlag stand eine Rotte Blaustaudner Burschen hinter dem
Lippenlix bereit. Der zwirbelte sich den langmächtigen Schnurrbart und
lauerte, er war ein stößiger Mensch, mit dem keiner gern anband.
Der Dullhäubel schmeckte die Gefahr. »Nix für ungut!« schmeichelte er.
»Was stellt ihr euch gegen mich? Reibt euch an dem Müllner! Der sagt
allweil, in Blaustauden sind lauter rotaugige Menscher.«
»Traut dem Kasper nit, er hat zwei Zungen in der Gosche,« warnte der
Öchseltreiber Mathes aus Grillenöd.
»Die Grillnöder rühren sich,« spottete der Dullhäubel. »Ist das wahr,
Mathes, daß bei euch alle stehlen, nur der heilige Sebastian in der
Kapelle nit? Der ist angebunden.«
Der Bauer hatte die Lacher auf seiner Seite. Und der Lippenlix
zwirbelte den schönen Bart und bekräftigte: »Die Grillnöder sind
bekannt. Wenn sie Kirchweih haben, müssen sie in den andern Dörfern den
Stall zusperren.«
»Der Kasper setzt den Hut auf, wie der Wind hergeht, einmal so, einmal
anders,« greinte der Öchseltreiber, fand aber kein Gehör.
»Sing uns das Fuxloher Lied, Kasper!« verlangten die aus Blaustauden.
Da krähte der Dullhäubel den Spott über sein Dorf.
»Von hint bin ich fürher,
vom schwarzen Laib Brot,
kein weißes Brot eß ich nit,
da brennt mich der Sod.«
Dem Burgermeister schlug die Röte in den Kopf. »Du bist wie der
Wiedehopf, Kasper, der beschmeißt auch das eigene Nest.«
»Dreiunddreißig Menscher hab ich,« rief der Dullhäubel, »alle Jungfern
von Fuxloh gehören mir, und alle Weiber sind mein gewesen.«
»Jetzt haltst du das Maul!« schnarchte ihn der Igelbauer an.
»Du willst mir was schaffen?« höhnte der Dullhäubel. »Wer bist du, und
wer bin ich? Du treibst dreizehn Mäus auf den Markt. Einen Fleck Grund
hast du, nit größer als ein Hosentürlein, und schon laßt du dich einen
Bauer heißen.«
Die Musikanten fingen schnell einen Ländler an und überlärmten die
Schandrede des Dullhäubel.
Den Ländler hatte der Müller bestellt und bezahlt, und er und die
Ogath tanzten ihn allein, derweil die andern im Ring herum standen und
zuschauten.
»Der Gid reckt sich auf über uns alle,« stichelte der Dullhäubel. »Das
ist keine Kunst, er hat das Geld, er stiehlt uns alle ab, uns Bauern.«
»Dein Tanz hat keinen Schmiß, Müllner,« nörgelte der Lippenlix.
»Er kann leicht das Geld ausstreuen,« spottete der Dullhäubel. »Seine
Vorfahrer sind klug gewesen, sie haben ihren Kühen den vordern Leib
abgehackt, der nur gefressen hat; den hintern Teil haben sie weiter
leben lassen. Wegen der Milch und dem Dung.«
»Hör nit auf seine Lügen und sein Plauderwerk, Gid!« bat die Ogath.
»Und gehen wir heim!«
Er schnitt ein Gesicht wie ein Gewitter und schwieg.
Der Spucht saß im Flur beim Wirt, sein Deckelglas hinter dem dicken
Bart versteckt, daß es die Spuchtin nicht merke. »Jetzt wird es erst
schön,« freute er sich, »jetzt streiten sie gewiß.« Die kohlfinsteren
Augen glühten ihm.
»O die Jähköpfe!« klagte der Wirt. »Heut setzt es ein Unglück.«
Drin in der Stube fing der Lippenlix an, dem Müller in den Weg zu
tanzen, er taumelte plump vor ihm her, der Messergriff stand ihm zum
Sack hinaus.