Hm -- soll es vielleicht so sein wie Goethe's Schilderung des römischen
Carnevals? Das ist unmöglich! Weshalb? Weil Goethe's Schilderung
Original war, und ich, wenn ich ihm nachahmen wollte, nur eine Copie
liefern würde. Doch halt -- jetzt geht mir ein Licht auf. -- Paris
hat sehr hoch hervorragende Schornsteine und Brandmauern; welche
in der Entfernung den Häusern ihre Schönheit rauben. Die unterste
Etage ist ein fortlaufender, ungeheuer großer, schöner, kostbarer
Galanterieladen. Dieser Galanterieladen ist größer als Kopenhagen und
besteht nicht allein aus Galanteriewaaren, aus Juwelen, Porzellan,
Shawls, Stoffen, sondern auch aus Stiefeln, Würsten, Schinken, ja
selbst aus Brennholz und Steinkohlen; denn Alles ist hier galant und
nett bis zu einem gewissen Grade, insoweit man von der Straße und dem
Laden aus es zu sehen vermag. Die schönste Eleganz ist mit Sicherheit
und Annehmlichkeit verbunden. Deshalb die hohen Schornsteine, damit
die Kamine nicht rauchen und die Häuser nicht abbrennen. Paris ist
und bleibt der Mittelpunkt europäischer Cultur und -- Humanität. Ja,
es unterliegt keinem Zweifel, daß hier die größte =gesellschaftliche=
Humanität in Europa zu Hause ist. Guizot (zu dem ich eingeladen
gewesen und der mir große Artigkeit und Freundlichkeit erwies) hat
ein Buch geschrieben »_Cours d'histoire moderne_.« In einem Abschnitte
desselben _histoire de la civilisation en France_, vergleicht er die
Engländer, Deutschen und Franzosen. Die Engländer lobt er des Reellen,
die Deutschen des Ideellen, die Franzosen aber einer Vereinigung
beider wegen, wodurch sie der englischen Plumpheit und der deutschen
Spitzfindigkeit entgehen. Hierin hat er ohne Zweifel Recht; die
Engländer sind tiefer, die Deutschen höher, als die Franzosen -- aber
wenn eine harmonische Verbindung der Kräfte (welcher die einseitige
Virtuosität zum Opfer gebracht werden muß) das am meisten Menschliche
ist -- denn wir können nicht Alles besitzen -- so herrscht auch die
Humanität nirgends mehr, als unter dem französischen Volke. Das alte
Gerede von der Leichtfertigkeit und Unzuverlässigkeit der Franzosen ist
aus der Luft gegriffen. Die größte Tüchtigkeit und Ehrlichkeit findet
sich bei Vielen, bei sehr Vielen. Es ist keine kalte Höflichkeit,
die den Franzosen zur Artigkeit bewegt, es ist _bon sens_, es ist
feines, edles Menschengefühl. Die Franzosen machen einander nicht
=sofort= große Aufopferungen, aber =wer= thut das? Wo ist die deutsche,
englische, nordische Tugend, die das thut? Dem ehrlichen Finder wird
ein raisonables Douceur versprochen! Die Franzosen besitzen zwar ein
selbstbehagliches -- wenn man will -- eitles Gefühl ihrer Vorzüge
-- aber sie sind gutmüthig und wirklich =bescheiden=; das ist mehr,
als man von den Norddeutschen sagen kann, bei welchen Einbildung
und Neid nicht selten vorkommen. Was den Franzosen besonders noch
fehlt, ist die Kenntniß mehrerer Sprachen. Dies =erkennen= sie aber
an. Sprachunterricht im Deutschen und Englischen verbreitet sich bei
den Kindern, und man findet oft ältere Leute -- ich habe mehrere
getroffen, -- die gut Deutsch sprechen. In einigen Abenden bin ich
bei einem General Baron Pellatier eingeladen, dessen eine Tochter den
größten Theil von Jean Paul's Hesperus übersetzt hat. Man spricht
so viel von französischen Thorheiten in politischer Richtung, man
urtheilt aber nach den Oppositionsparteien der Zeitungen. Wo finden
sich solche Thorheiten nicht? Es giebt auch hier eine große Masse
billiger, vernünftiger Leute, und was nun die französischen politischen
Thorheiten betrifft, die geschehen sind, so wollen wir darüber nicht
die Nase zu sehr rümpfen! Mit seinem Blute hat Frankreich politische
Experimente für ganz Europa gemacht. -- Europa hat =Früchte= davon
geerntet, und es würde unedel sein, den Nutzen, den man gehabt hat, mit
Verachtung zu vergelten. Selbst die gräßliche Schlächterwuth während
der Schreckenszeit der Revolution wird als ein Wahrzeichen dastehen,
und die Zukunft vor dergleichen Auftritten bewahren und retten. Die
Humanität herrscht hier; alle die alten aristokratischen Knaben-
und Bubenstreiche liegen wie zerknitterte Papierblumen in dem alten
Galanterieladen Faubourg St. Germain, und nur dort vielleicht noch
in einem gewissen Zirkel, wenn man allein ist, wird die alte Menuett
getanzt. -- Aber selbst der französische Adel im Allgemeinen ist gar
nicht so aristokratisch. Ich habe Marquis' und Grafen gehört, wie sie
untereinander mit diesen alten Formen Spott getrieben. Es ist jetzt
in Paris ein allgemeiner Grundsatz, daß in der guten Gesellschaft nur
Geist und Talent als hervorragende Eigenschaften zur Geltung gelangen
dürfen. Und welche Freiheit hier! Man lebt, wie es Einem beliebt.
Klatscherei und Kleinstädterei findet man hier nicht. Alle Pedanterie
verschwindet. Ueber Tische spricht man offen, warm und ernst -- auch
munter und fröhlich -- und spaßt und spottet nicht immer (der Grundton
der gesellschaftlichen Conversation in Kopenhagen) weil man sich genirt,
sein Inneres herauszukehren und die Vertraulichkeit fürchtet, entweder
weil man einander nicht traut, oder weil man aller Uneinigkeit entgehen
will.
Ihr glaubt wohl, daß ich mich jetzt so in die Franzosen vergafft,
daß ich in ihnen nur Götter erblicke. O nein! die Mängel springen
ebensosehr in die Augen. So findet man, ungeachtet all der anmuthigen,
geschmackvollen Eleganz, die das Leben schmückt, es angenehmer und
gemächlich macht, einen Mangel an höherer Kunst. In der Baukunst und
Malerei stehen die Deutschen weit über den Franzosen. Wenn man von den
Denkmälern Salzburgs, Münchens, ja selbst Lüttichs kommt -- ärgert
man sich in Paris an irgend einer Straßenecke eine plumpe steinerne
Theaterdecoration mit der häßlichen Wand eines Hauses als Hintergrund
zu finden, und dort Molière -- ziemlich plump gemacht -- über einem
=Springbrunnen= sitzend! Wäre es doch immer noch Lafontaine, so wäre es
wenigstens ein Calembourg gewesen. Aber von =neueren= Sachen hat Paris
auch nicht viel in diesem Genre aufzuweisen, und das ältere leidet
zu oft an dem Mangel, den eine sklavische Nachahmung der Griechen
verursacht; so z. B. die Madeleinekirche. Pantheon ist ein großes, edles
Gebäude; hier ruhen Voltaire und Rousseau; vor achtunddreißig Jahren sah
ich ihre hölzernen Sarkophage (sie sollten Stein werden -- aber sie sind
noch nicht versteinert). In der Kuppel befindet sich ein sonderbares
Frescobild von Gros, in welchem viel Schönes mit viel Bizarrem vereinigt
ist. Die alten Frankenkönige und Königinnen sind gut, aber Ludwig
XVIII. überreicht die Charte geschniegelt und frisirt. Das möchte
noch sein, wenn nicht Ludwig XVI. gleichfalls frisirt und geputzt,
und gekrönten Hauptes in den Wolken säße, in der Hand einen Palmzweig
haltend und singend, wie ein Engel. Cuvier's plump gemachte Statue
fand ich im Museum des botanischen Gartens unter lauter ausgestopften
und unvernünftigen Bestien. Von den hiesigen Malern ist Horace Vernet
ohne Zweifel Derjenige, der sich den großen deutschen Malern am meisten
nähert. In der Galerie des Luxembourg sah ich ein Bild von ihm: Raphael
mit seinen Jüngern und Michel Angelo, das vorzüglich ist.
[Sidenote: Besuch bei Louis Philipp.]
Paris, den 8. Februar 1845.
-- -- Da ich weder die Gewohnheit habe, mich selber hervorzudrängen,
noch mich zurückzuziehen, wo es Gelegenheit giebt, ausgezeichnete
Menschen kennen zu lernen, so hatte ich fast viertehalb Monate in
Paris verbracht, ohne den vielgerühmten König Louis Philipp zu sehen,
oder zu sprechen, der nach seinem Besuche in England sich einige Zeit
in Eu aufhielt und später nach Saint-Cloud kam. Eines Tages trat unser
Minister Herr von Kofs bei mir ein und erzählte, daß Seine Majestät
den Wunsch geäußert hätte, mich zu sehen, daß er deshalb mich und
William nach Saint-Cloud führen wollte. Herr von Kofs machte uns darauf
aufmerksam, daß es eine Auszeichnung sei, sofort zu dem Abendzirkel
des Königs zugezogen zu werden. Wir fuhren also am nächsten Abend um
acht Uhr nach Saint-Cloud und gelangten auf einer schönen, geheitzten
Treppe durch prächtige Zimmer in das Allerheiligste. Hier saß die edle
alte Königin mit schneeweißen Haaren an einem großen Tische und legte
ganz still für sich mit zwei Spiel Karten Cabala. Die Schwester des
Königs, Madame Adelaide, legte auch Cabala mit wenigeren Karten, und
die Herzogin von Nemours, sowie die Prinzessin von Joinville, waren
mit Handarbeiten beschäftigt. Wir wurden der Königin vorgestellt, die
sich sogleich nach dem Befinden unseres Königspaares erkundigte, und
sich mit vieler Liebe dessen Aufenthaltes in Paris erinnerte. Darauf
stellte uns Herr von Kofs Madame Adelaide vor. Kurz darauf kam ein etwas
bejahrter, rascher, starker Mann mit weißem Barte und Haaren, die zu
ergrauen begannen, munter und schnell herein. Er war ganz bürgerlich
gekleidet, die Uhrkette in ein Knopfloch der Weste eingehängt. Sein
Gesicht war frisch und gesund, freundlich und lebhaft. Er grüßte uns
als seien wir alte Bekannte gewesen, und leitete sogleich ein Gespräch
über Dänemark und Norwegen und seinen dortigen Aufenthalt ein. Er sei
in Kopenhagen unter dem Namen »Möller« gewesen, habe auf dem großen
Markte gewohnt, Vahl und Suhm besucht, und sei überhaupt überall
herumgewesen. Als ich die Bemerkung machte: »Majestät finden gewiß
nicht, wie so viele Franzosen, die es nicht kennen, daß Dänemark ein
schlechtes Land ist,« sagte er: »Es ist ein schönes Land, besonders
Fünen; es ist die schönste Insel, die man sich denken kann.« Er lobte
gleichfalls Seeland und Holstein; er erzählte, daß er ein Creditiv auf
das Haus de Conink gehabt habe -- dasselbe sei nicht groß gewesen. Als
er mit einem Schiffer von Kopenhagen abreisen wollte, und keinen Paß
hatte, bemerkte ihm dieser: »Sie sind gewiß ein junger Mensch, der dumme
Streiche gemacht hat.« In dieser Weise sprach er eine ganze Stunde
freundlich mit uns. Des schönen Norwegens und seines Aufenthalts bei
den braven kräftigen Leuten erinnerte er sich gleichfalls mit großem
Interesse. Als er sich zurückzog, bat er uns, den nächsten Abend im
Theater zu erscheinen. Wir verbeugten uns dankend, erschienen auch
am nächsten Abend in der prächtigen Versammlung. In Saint-Cloud ist
es bei dergleichen Vorstellungen so eingerichtet, daß die königliche
Gesellschaft sich von den Gemächern in die erste Etage begiebt; das
Uebrige ist dem Publikum eingeräumt. Aufgeführt wurde: »Schwank über
Schwank«, ein Stück, das in meiner Jugend bei uns oft gespielt wurde.
Der König liebt das Alte. Ein anderes, kleineres Stück, das gespielt
wurde, war nicht viel werth. Der König, der mir auch hier sehr
freundlich entgegentrat, erzählte mir, daß dieses Stück von dem Sohne
eines seiner alten Schulkameraden geschrieben sei. Er ließ sich noch
ferner mit mir in ein Gespräch ein, und als England und dessen große
Macht im Laufe desselben genannt wurde, und ich England das moderne
Karthago nannte, sagte er scherzend: »Aber wir wollen doch nicht sagen,
wie jener Römer: _delenda est_; ich halte auf den Frieden.« Da ich
eine friedliche Haut bin, so konnte ich mich nicht enthalten zu sagen:
»Gott segne Ew. Majestät dafür«. Kurz darauf wurde der Hof nach Paris
verlegt und es dauerte nicht lange, so wurde ich zur königlichen Tafel
zu einem großen Diner eingeladen. Ich hatte vorher die Bekanntschaft
der alten Marquise Dolomieu, Hofdame der Königin gemacht. Sie war die
einzige, die ich kannte; sie nahm sich meiner sehr freundlich an und
als wir zur Tafel gehen sollten, ergriff sie meinen Arm und machte
sich selbst zu meiner Tischnachbarin. Es war eine außerordentlich
reiche Tafel; der Tisch strahlte von Gold u. s. w. Wir saßen in dem
großen Speisesaale, wo auch Napoleon gesessen hatte. Die Tafelmusik war
schön und es rührte mich, als zuerst »_O Richard, o mon roi! l'univers
d'abandonne_« gespielt wurde -- nach der Mahlzeit stand ich in einem
Winkel im großen Saale, woselbst der Kaffee servirt wurde. Der König
arbeitete sich durch die Menge zu mir heran, faßte mich bei der Hand und
führte mich aus meinem Winkel ein gutes Stück nach der Mitte des Saales,
wo er mich einem hohen, schönen Manne vorstellte und davon ging. Der
große Mann erzählte mir auf Französisch, daß er alle meine deutschen
Arbeiten kenne, und bat mich, ihn zu besuchen. Ich glaubte, es sei eine
fürstliche Person von hier und sagte: »Ich würde die Ehre haben«. Ich
war der Ansicht, daß er einige Straßen weiter wohne. Er verabschiedete
sich freundlich von mir. Später sah ich, daß ein Hofmann ihn mit großer
Ehrerbietung anredete. Aber noch ging mir kein Licht auf. Erst zwei
Abende später, als ich in der _Opéra comique_ in den Zwischenakten im
Moniteur las, daß der König und die Königin von Belgien wieder abgereist
waren, rief ich aus: »Hättest Du Dir nicht denken können, daß es ein
König sein mußte, dem der König Dich vorstellte!« Und ich hatte mit
ihm gesprochen wie mit einer Privatperson; -- _Vous_ gesagt und nicht
einmal _Monseigneur_. Aber jetzt muß ich doch über Belgien nach Hause
zurückkehren, um ihn zu besuchen.
Bei dem Herzoge von Nemours waren wir kurz darauf zum Konzert
eingeladen. Er ist sehr freundlich und artig, ein schöner blonder,
junger Mann, doch sieht er nicht so zutraulich aus, wie der Vater, wie
Joinville und Aumale. Man sagt, daß er schüchtern und verlegen ist; er
steht gewöhnlich mit gekreuzten Armen; seine Gemahlin ist eine Schönheit.
[Sidenote: Besuch bei Ludwig Philipp.]
Weil nun der König mir so viele Freundlichkeit erwiesen, hielt ich es
auch für meine Pflicht, mich, wie es Sitte ist, in den ersten Tagen
des Jahres aufs Schloß zu begeben und dort meinen Neujahrswunsch
darzubringen. Gaimard kam und holte mich und William ab; er war in
Uniform, William gleichfalls; aber ich hatte keine und Gaimard sagte:
»Ich könnte schon in meinem schwarzen Frack erscheinen«. Aber was
geschah? In dem Vorsaale wurde ich von einem Kammer- oder Hoffourir
sehr artig angehalten, indem derselbe mich fragte, ob ich Deputirter
sei? Als ich verneinte, zuckte er die Achseln und bedauerte, daß ich
alsdann nicht vorgelassen werden könnte, da Alle in Uniform sein müßten.
»Ich habe keine«, antwortete ich, und wollte bereits wieder umkehren.
Gaimard, der ein gutmüthiger Kauz ist, begann den Lakaien auf der Treppe
zu erzählen, daß ich ein großer Dichter, _le Corneille de Danemarc_
sei. »_Je'n suis sur_«, antwortete einer der Lakaien, aber sie hätten
doch keine Ordre, den dänischen Corneille einzulassen. Gaimard wollte
durchaus erst mit einem Adjutanten reden; da dieser aber ebenfalls
Nichts ausrichten konnte, entschlüpfte ich Gaimard und begab mich nach
Hause. William begleitete mich, obgleich er hätte bleiben können, weil
er in Galla war. Aber ich warf mich selbst in die äußerste Finsterniß,
woselbst -- wenn auch nicht Heulen, doch Zähneklappern war, denn es war
kalt. Indessen hatte Gaimard die Hoffnung noch nicht aufgegeben; er
sprach wiederholt mit einem Adjutanten, der es dem König berichtete, und
dieser befahl sogleich, daß man mich einlassen sollte. Aber fort war ich.
Einige Tage später war wieder ein Hofball in Uniform, zu welchem
wir eingeladen wurden. Obgleich nun der König mir erlaubt hatte, in
schwarzem Fracke, wie ein Deputirter zu erscheinen, so wollte ich mich
doch ein wenig putzen -- denn ich hatte gehört, man könne sich ein
_habit de goût_ machen -- da ich aber keinen Gout an Dem fand, was
der Schneider forderte, um meinen neuen schwarzen Frack zu verderben,
so miethete ich einen dreieckigen Hut, decorirte denselben mit der
Danebrogs-Kokarde, miethete mir gleichfalls einen Hofdegen, und in
diesem Anzuge begab ich mich aufs Schloß. Der Hoffourir wollte mir auf
der Treppe nachsetzen, fragte aber doch erst William, der hinter mir
in Scharlach ging: »Ist das der dänische Poet?« und als er bejahte,
zog er sich mit den Worten zurück: »Er darf hinein«. So stolzirte ich
also in dem ungeheuren Gewimmel von Uniformen umher, und wäre für einen
Deputirten gehalten worden, wenn nicht meine fremden Orten, die ich, um
mir doch ein Relief zu geben, angelegt hatte, den Scharfsinn der Pariser
in Verlegenheit gesetzt hätten; sie betrachteten mich verwundert und
wußten nicht, welchem der fünf Sinne angehörend sie mich betrachten
sollten, ob dem Gesicht, Geruch, Gehör, Gefühl oder Geschmack. Daß es
der Geschmack sein sollte, begriffen sie, trotz meines _habit de goût_
wohl nicht. -- Ich habe zu erzählen vergessen, daß ich es für meine
Dichterpflicht hielt, dem König Ludwig Philipp, der mir so viele Achtung
und Freundlichkeit erwiesen hatte, dieselbe nach Kräften ein wenig zu
vergelten, d. h. ihm einige Verse zu widmen, worin ich ohne Schmeichelei
und auch ohne Kriecherei sein Verhältniß zu meinem Vaterlande und zu mir
poetisch aussprach. Ich schrieb also ein solches kleines Gedicht ohne
Ueber- und Unterschrift, und nahm dasselbe mit mir, als ich zur Tafel
beim Könige war. Während des Gesprächs mit ihm -- wir standen allein in
einer Nische -- sagte ich: »Majestät, ich habe ein kleines Gedicht an
Sie geschrieben«. -- »Haben Sie es bei sich?« »Ja, ich habe es in der
Tasche«. -- »Geben Sie es mir gleich; ich werde es in meinen Hut legen,
so wird es Keiner gewahr werden«. Ich gab ihm die Verse. Sie waren in
deutscher Sprache und lauten:
Vor Frankreichs König soll ich stehen,
Er will den Dänendichter sehen,
Den Pilger, seinem Schlosse nah;
Sein Geist lebt nicht in engen Schranken,
Er ist der erste Fürst der Franken,
Der Dänemark und Norweg sah.
Sonst fragte man nach Norden wenig,
Er ist der erste Frankenkönig,
Der unsre ferne Sprache kennt.
Noch denkt er oft in heitern Stunden,
Wie dort er Ruh und Trost gefunden,
Als düster war sein Firmament.
In Norweg, wo er oft gesessen
In Hütten, wird er nicht vergessen;
Ludwig Philipp! Man nennt Dich gern;
Und zeiget aus dem stillen Thale
Nach Deines Ruhmes breitem Strahle,
Du funkelst jetzt als Abendstern!
Kennst Deutschland, Deutschland kennt Dich wieder,
Du hörtest seine besten Lieder,
Wo Tell gelebt und Winkelried,
So wagt sich auch getrost der Däne,
Und reicht dem Herrscher an der Seine
In deutscher Zung' ein kleines Lied.
Der Skald des Winters, Sohn von Brage,
Wünscht Ludwig -- schöne Wintertage!
Denn schön ist auch des Winters Fest:
Trägt Frieden in dem weißen Schilde!
Die Sonne scheint und macht ihn milde,
Und tödtet jede Seuch' und Pest!
Einige Tage darauf hatte ich bei der Herzogin von Orleans, die ich bei
den Hoffesten nicht gesehen hatte, eine Privataudienz. Sie kam mir
sehr freundlich entgegen, redete mich gleich Deutsch an, sprach sehr
anerkennend von meiner Dichterwirksamkeit und als ich fragte, ob Ihre
Königliche Hoheit einige meiner Arbeiten kenne, sagte sie: »Ja, Alles
was Deutsch geschrieben ist -- die dänische Sprache verstehe ich leider
nicht. Ich bin gerade jetzt bei einer Erzählung von Ihnen, welche ich
mit großem Vergnügen lese, und ich erzähle sie meinem Sohne unter dem
Lesen wieder«. Als sie nicht den sonderbaren, fremden Namen aussprechen
konnte, fragte ich, ob es Oervarodd sei. »Ja, ja Oervarodd«, antwortete
sie freundlich lächelnd. -- Der kleine Graf von Paris wird, wie recht
und billig ist, als künftiger König von Frankreich während seiner ersten
Kinderjahre ganz Französisch erzogen. Die Mutter spricht nur Französisch
mit ihm und jetzt übersetzt sie ihm den Oervarodd. Sie ist eine
außerordentlich reizende, geistreiche Dame, und besitzt den edelsten
Charakter. Als sie hörte, daß ich eine kleine dänische Tragödie hier
geschrieben, und dieselbe bereits ins Deutsche übersetzt hätte, bat sie
mich, ihr das Werk, wenn es gedruckt sei, zu senden. Sie erzählte mir,
daß der König ihr mein kleines Gedicht an ihn gezeigt und daß es sie
Alle sehr erfreut habe.
* * * * *
[Sidenote: Die Brüder Rothschild.]
Bei dem Diner beim Könige von Frankreich war ein kleiner Mann mit großen
klugen Augen und einem Sterne auf der Brust zugegen. Er starrte mich
mitunter an. Als der König mit mir gesprochen hatte, kam dieser Mann
auf mich zu und fragte, ob ich ihn nicht besuchen wolle. Ich dankte
verbindlichst und fragte, mit wem ich die Ehre zu sprechen hätte.
»=Rothschild=«, sagte er. Welcher Zauber liegt nicht in diesem Namen!
Als Klopstock seine Ode »die Gräber Rothschild's« schrieb, dachte er
gewiß nicht, daß dieser Mann in der Weise in der Geschichte strahlen
sollte.
Als ich mich jetzt durch den Namen gewissermaßen in
landsmannschaftlichen Beziehungen zu dem berühmten Hause fühlte, so nahm
ich das Anerbieten an, und besuchte James Rothschild einige Tage später
auf seinem Comptoir. Dort saß er vor dem einen, und sein um zwanzig
Jahre älterer Bruder Salomon vor dem andern Pulte. Der Bruder hatte
kaum zwei Worte mit mir gesprochen, so lud er mich auf zwei Tage später
zu Mittag ein. James sandte einen Hausfreund, einen Advocaten Joël, zu
seiner Frau, um zu erfragen, wenn es ihr genehm sei. Und es wurde dann
sofort gleichfalls entschieden, daß ich andere zwei Tage später bei
James sein sollte. Joël ist ein Schöngeist; ein Wiener, der bei den für
mich in Wien arrangirten Festlichkeiten zugegen war. Salomon ist ein
gutmüthiger Sonderling. Vor der Mahlzeit saßen wir und plauderten. »Ja«,
sagte er auf Deutsch -- bei ihm wurde heute nur Deutsch gesprochen,
ungeachtet vierzehn Personen zugegen waren -- »es ist gut genug, reich
zu sein, es hat seine Annehmlichkeiten, seine großen Annehmlichkeiten,
aber, glauben Sie mir, auch seine großen Lasten. Wir hätten ja, was
uns selbst betrifft, nicht nöthig, die Geschäfte fortzuführen; da aber
das Wohl so vieler Menschen davon abhängt, so fühlen wir, daß es eine
moralische Pflicht ist. Ich arbeite viel und mein Bruder James reibt
sich ganz auf; er arbeitet täglich von 8 bis 5 Uhr im Büreau.« Als wir
später von den Merkwürdigkeiten von Paris sprachen, sagte er: »Ich bin
jetzt hier seit 1811 gewesen und habe noch gar keine Merkwürdigkeiten
gesehen. Ich bin noch nie in Versailles gewesen«. Dagegen besitzt er
selbst solche Feenpaläste in Paris, Frankfurt und Wien. Als wir gespeist
hatten und die Uhr halb 9 geworden war, frug er bei dem Kaffee: »Was
machen Sie jetzt, wenn Sie nach Hause kommen?« -- »»Ich lese etwas und
trinke später eine Tasse Thee««. -- »Das thue ich nicht,« antwortete
Salomon, »ich gehe zu Bett. Ich gehe jeden Abend um 8-1/2 Uhr zu
Bette und stehe um 4 Uhr auf«. -- Seine Frau ist eine freundliche
bejahrte Dame mit einem treuherzigen Gesichte. Man sagt von ihnen
Allen, daß sie sehr wohlthätig sind. Bei James trafen wir Humboldt,
der nach Paris gekommen ist. Hier wurde aber Französisch gesprochen.
Eine Schriftstellerin, Madame Gerardin, war auch hier. Victor Hugo
war eingeladen, hatte sich aber entschuldigt, weil er mit einer Rede
viel zu thun hätte, die er in der französischen Akademie halten müsse.
James' Frau ist eine anmuthige junge Dame von außerordentlicher Bildung
und vielem Geschmacke und Liebe zur Poesie. Ich bin später bei ihr
gewesen und habe ihr meine neue Tragödie vorgelesen. Einige Tage nach
diesen Mittagsgesellschaften waren wir zum Ball bei Salomon. Es war
ein ganz außergewöhnlich prachtvoller Ball. Die schönsten Zimmer mit
andern kleinen Nebenzimmern verbunden, wie Corridors mit offenen
Bogen. Ein großer Saal mit einer Tafel, prächtig erhellt von großen
goldenen Armleuchtern, voll von Confituren und eingemachten Früchten
zur beliebigen Auswahl der Gäste. Neben diesem Saale, gleichfalls unter
Bogengängen, ein großer Conditorladen, in welchem mehrere Bediente
standen und den Gästen alle Arten Eis, Limonade, Kuchen u. s. w.
reichten. Aber dieses Alles war nur ein Vorspiel zu dem brillanten
Souper, das die Gäste erwartete, das wir aber weder zu sehen, noch zu
kosten bekamen, weil wir um ein Uhr nach Hause fuhren, vollkommen mit
Dem zufrieden gestellt, was wir genossen hatten.
[Sidenote: Villemain.]
Gleich im Anfang unseres hiesigen Aufenthaltes führte uns Gaimard
bei Arago und Villemain ein. Mit dem Ersteren hatte ich keinen
weiteren Berührungspunkt. Wäre ich ein Komet gewesen, so hätte er mich
ausgemessen und meine Wege kennen gelernt; jetzt war er so höflich
einige Complimente an mich zu verschwenden und hiermit war meine Bahn
zu ihm berechnet. Aber Villemain war ein Schöngeist und mit ihm hatte
ich eine lange Unterredung, in welcher er sich sehr schön über fremde,
besonders über englische Literatur aussprach. Es wollte mir eben nicht
munden, daß er ein so großer Bewunderer Milton's sei; aber ungeachtet
ich in seinen Aeußerungen viel Unrichtiges fand, waren sie doch ganz
vernünftig. Er war sehr freundlich und sagte, er wolle mich bald in
Gesellschaft mit andern Schöngeistern von Paris bei sich einladen. Es
wurde übrigens nichts aus dieser Einladung. Einige Monate verstrichen;
ich sprach ihn während dessen im Theater in der königlichen Loge, wir
grüßten uns: »_Ah, voila notre grand poëte chez le roi!_« sagte er
freundlich, aber ließ sich nicht weiter mit mir ein. Kurz darauf erfuhr
ich, daß er wahnsinnig geworden, der Arme! Man sagte, der Ministerposten
habe ihn zu sehr angestrengt, er sei dazu nicht geschaffen, sondern
hätte ein Gelehrter bleiben sollen. Er war früher, als ich, Professor
der schönen Wissenschaften. Ich würde ebenfalls nicht zum Minister
taugen; aber ich glaube auch, daß ich nie so verrückt werden könnte, es
sein zu wollen.
[Sidenote: Thierry. De Vigny.]
Einen andern, ausgezeichneten, aber gleichfalls unglücklichen Gelehrten
habe ich hier besucht: den berühmten Thierry, den Verfasser der
Geschichte der Normannen. Thierry's Werk scheint mir nicht allein
das beste geschichtliche Werk Frankreichs, sondern überhaupt des
jetzigen Europas zu sein. Es verbindet mit geschichtlicher Genauigkeit
und Quellenstudium die Wahrheit des Geistes, die Wärme des Herzens
und die zu einem guten historischen Werke nothwendige poetische
Einbildungskraft, Alles wiederum mit der kindlichen Naivetät verknüpft,
die wir bei Herodot und Snorro bewundern. Welchen Gegensatz bilden
hierzu nicht die trockenen, wenn auch gelehrten Werke Thiers' und
Dahlmann's, in welchen der Grundton eine kalte Polemik ist. Thierry ist
noch kein alter Mann, kaum fünfzig Jahre, wohlhabend, allgemein geehrt
und geliebt, aber -- er ist blind und epileptisch. An dem Abende, den
ich bei ihm verbrachte, wurde er auf einem kleinen Stuhle in die Stube
zu uns hereingefahren. Er drückte freundlich meine Hand und sprach
ersichtlich gern mit mir über unsere alte Geschichte, während wir Thee
und eine Art Kuchen genossen, die ihm ein guter Freund aus Mailand
gesandt hatte.
Einen Dichter von Bedeutung, der mir hier freundlich entgegengekommen
ist, muß ich nennen, es ist Graf Alfred de Vigny. Ich habe den größten
Theil seiner Werke gelesen. Er schenkte mir ein Exemplar seiner Dramen
und schrieb darein: _Hommage de sympathie et de haute éstime de la part
de l'auteur?_
[Sidenote: Victor Hugo.]
-- -- Um jetzt wieder auf den großen Sieger, Victor -- oder wie er der
größern Deutlichkeit wegen auch genannt wird -- Victor Hugo, Vicomte
-- zu kommen, so hatte ich, wie Ihr aus früheren Briefen wißt, zweimal
versucht, sein Herz oder wenigstens sein Logis zu stürmen. Aber hier
sitzt er eben so gut gegen Besuche gesichert, wie Reinecke Fuchs in
seiner Burg Malepartus und läßt sich verleugnen, wenn es nicht gerade
Sonntag Abend ist, an welchem er allen Lusthabenden Audienz giebt und
sie zur Cour vorläßt. Außer diesen Festtagen ist es unmöglich, sich
Eingang zu verschaffen, ungeachtet ein Schneider der einzige ist, der
seine Festung vertheidigt. Dieser Schneider ist zugleich Thürhüter,
und nimmt, auf seinem Tische hockend, mit großer Behendigkeit die
Visitenkarten entgegen, ohne sich in seiner Arbeit stören zu lassen. Da
er gar keine Notiz von mir nahm, so dachte ich »was ist es auch der Mühe
werth, Victor Hugo mit Gewalt zu nehmen? Das wäre eine Sünde, er will am
Liebsten ungestört sein, lassen wir ihn; Paris ist groß genug für uns
Beide!«
So standen die Sachen, als es der Zufall wollte, daß ein anderer Poet,
Deschamps, ganz untergeordneten Ranges, aber ein sehr liebenswürdiger
freundlicher Mann, der Deutsch versteht und Romanzen von Goethe und
Schiller übersetzt hat, -- auch meine Muse kennt und liebt, -- uns zu
einer Soirée einlud. Hier waren viele Menschen. Deschamps kam auf mich
zu und fragte mich, ob ich Victor Hugo's Bekanntschaft machen wollte?
Ich glaubte, er meinte, daß wir ihn gemeinschaftlich besuchen sollten,
und antwortete ganz trocken: »Nein!« Später kam er noch einmal, ich
sagte noch einmal »Nein«, und fügte hinzu, »ich bin zweimal vergebens
dort gewesen«. Später erfuhr ich, daß Victor Hugo in der Gesellschaft
zugegen sei. Aber ungeachtet ich mich weder kostbar mache, oder streng
auf die Form sehe, wo ich =mehr= als bloße Form wähne, so fand ich
es hier doch unpassend, mich Victor Hugo vorstellen zu lassen, da
ich zweimal bei ihm gewesen war und nur seinen Schneider zu sprechen
bekommen hatte. Indessen betrachtete ich doch aus der Ferne den großen
Mann, wie er dort zwischen einigen ältern Damen saß, die ihm die Cour
machten. Schön ist er nicht, häßlich auch nicht, in einem blühenden
Lebensalter, frisch, fett, stark und gesund. Er sah gar nicht
hochmüthig aus, eher etwas verlegen, wie Derjenige, dessen übermäßige
Prätensionen mehr der Eitelkeit als dem Stolze entspringen. Endlich,
als der Thee servirt wurde, und ich mich in dem andern Zimmer bei den
Damen befand, sah ich Victor und Deschamps die Köpfe leise redend
zusammenstecken und das Resultat hiervon war, daß Deschamps Victor Hugo
zu mir führte und ihn mir vorstellte. Er sprach einige artige Worte,
unter andern, daß die Franzosen »_tort_« hätten, keine fremde Literatur
zu kennen. Ich war ein wenig ungehalten, und antwortete: »Ja, das habt
Ihr allerdings! Es wäre so dumm nicht, wenn Ihr Euch ein wenig um Eure
Nachbarn bekümmertet«. Darauf wechselten wir mehrere artige Redensarten;
zu einem ordentlichen Gespräche kam es aber nicht, und wir trennten uns,
nachdem er mich wieder gebeten hatte, ihn zu besuchen.
Bei dem Herzoge von Nemours traf ich ihn wieder und da ich nun das erste
Mal mich expectorirt und ihm ein wenig imponirt hatte, trat ich ihm
freundlich entgegen und versprach, ihn zu besuchen, aber weder hier noch
später auf einem Balle beim König kam es zu einer längern Unterhaltung
zwischen uns.
Jetzt beschloß ich also ihn zu besuchen. Er wohnt weit entfernt, an dem
Bastillenplatze, ich fuhr in einem Fiaker dahin; sein Audienzzimmer
ist groß; die Familie saß im Dämmerlichte und ein einladendes
Steinkohlenfeuer flackerte im Kamine. Hier, eh noch andere Gäste kamen,
sprachen wir denn endlich von Diesem und Jenem. Hier ist der englische
Schauspieler Macready mit seiner Truppe angekommen, um Shakespeare'sche
Stücke aufzuführen. Ich hatte ihn als Hamlet gesehen. Victor Hugo
lobte ihn. Ich entgegnete freundlich: »Ich bitte um Verzeihung; aber
ich kann nicht Ihrer Ansicht sein. Hamlet muß ein liebenswürdiger,
junger Mann sein, voller Schwärmerei, Gefühl, Humanität -- er muß das
Herz einnehmen, muß natürlich sein u. s. w. Macready ist alt, häßlich,
affectirt, convulsivisch«. -- »_Vous avez raison_«, sagte Victor Hugo,
ohne ferner seine Ansicht zu vertheidigen. Nun langten mehrere Gäste
an, und damit war die Audienz zu Ende.
Es ist sonderbar mit diesen Franzosen; sie wissen gar nichts von uns
Fremden, aber sie =wünschen= auch nichts von uns zu wissen; -- sie
fragen nur, wie wir in Paris uns »amüsiren«. Victor Hugo hat eine schöne
Frau; zwei hübsche Söhne, und eine allerliebste Tochter. Er ließ sich
nun in Conversation mit seinen Damen ein, und bekümmerte sich nicht
mehr um mich, und ich gesellte mich zu einem Herrn Ehrenbaum, einem
deutschen Doctor. Ich betrachtete das Zimmer, welches das Ansehen einer
großen Rumpelkammer hatte, in dem eine Menge alte Möbel zusammengetragen
waren, unter andern auch ein Thronhimmel aus den Zeiten Ludwig XIII.
Ich hielt mich nicht lange auf, aber Victor war doch so höflich,
mich bis zur Thüre zu geleiten. Ich hatte weder Nasses noch Trocknes
genossen; doch jetzt bekam ich Nasses genug, denn der Regen goß in
Strömen herab. Ich kannte die Straße nicht und verirrte mich. Mitten
auf dem Bastillenplatze blieb ich endlich vor einem hohen, ungeheuern,
schwarzen Gegenstande stehen. Es war der große Elephant, den Napoleon
hier aufstellen ließ, der mir durch seine Gegenwart sagte, daß ich
mich verirrt hatte, und gerade nach der entgegengesetzten Richtung
gehen sollte. Hier fand ich aber endlich, wie eine gebadete Maus, einen
elenden Fiaker, mit dem ich nach Hause fuhr. -- Das war mir Alles
ganz recht; was wollte ich dort? Ich habe viele von Victor Hugo's
Werken wieder gelesen, obgleich ich bereits die Mehrzahl schon kannte.
»Lucretia Borgia«, »Marion de Lorme«, »_Le roi s'amusé_«, »Marie Tudor«,
»Ruiz Blas«, und ich befinde mich jetzt wieder mitten in seinem »_Notre
Dame de Paris_«. Ich kann das Urtheil, das ich bereits früher über ihn
ausgesprochen, nur wiederholen. Er ist ein Mann von Geist, von Feuer
und Phantasie, und zweifelsohne derjenige der französischen Dichter,
der das größte Talent besitzt. Aber er ist in einem hohen Grade bizarr
und convulsivisch und alle seine Helden und Heldinnen sind tragische
Carrikaturen. Die unglückliche Ansicht, das Moralische und Tugendhafte
in der Poesie als etwas Bornirtes, Unpoetisches, ja fast Einfältiges
und Dummes zu betrachten -- hat sich auch seiner bemächtigt. Weil so
viele Stümper und Heuchler früher diese Motive zu flauen Affectationen
=mißbrauchten= -- ist er und Consorten (denn diese Tendenz ist ja auch
in germanischen und skandinavischen Ländern Mode) darauf gefallen, das
Laster fast zu vergöttern. Er schildert das Laster ohne Abscheu und
Verachtung, mit glänzenden Farben, und durch die Art und Weise, wie es
dargestellt wird, spendet er ihm Achtung und Bewunderung, während das
Gute und Edle bei Seite geschoben und wie etwas Veraltetes, das nicht
mehr der Zeit angehört, fast verachtet wird! -- Leider, wenn es so
fortgeht, so werden wir bald -- wieder Barbaren werden können. Barbaren?
Nein, dazu fehlt uns die kräftige Naivetät und die entschuldigende
Unwissenheit. -- Wieder wie die Thiere? Nein, dazu sind wir leider zu
klug, zu erfahren und kenntnißreich. -- Aber spitzfindige Bestien und
gebildete, feine Cannibalen, das =könnten= wir werden! Doch -- es hat
keine Noth! Auch unser Zeitalter besitzt =eine große Masse= Menschen
mit gesundem Sinn und Herzen, welche diese genialen Knabenstreiche
verachten. In Victor Hugo's Dramen und Romanen findet man kaum einen
Menschen mit gesundem Sinn und von honettem Charakter. Die Composition
seiner Bühnenstücke ist sehr schwach und unnatürlich. Wenn Einer etwas
erfahren soll, das er eigentlich nicht erfahren dürfte, so legt er
sich auf der Stelle hin und =stellt= sich als schliefe er. Je nach dem
Bedürfniß des Stückes springen die Personen aus Schränken, Wänden,
Mauern u. s. w. hervor. Da es unmöglich ist, mit einer Tragödie
irgend eine Wirkung zu bezwecken, wenn man das Herz nicht rührt, so
wird solches denn auch durch diese oder jene edle Eigenschaft bei den
lasterhaften Personen hervorgebracht. Aber wie -- z. B. -- kann man
Mitleid mit einer Lukrezia Borgia fühlen, weil diese Furie, dieser
tragische Ausbund in ihren eigenen Sohn verliebt ist, und die Schuld
seines Todes trägt. Und so ist es überall. Zuletzt wird dem Laster
immer etwas Erhabenes und Edles beigegeben, das unser Mitleid erwecken
soll. Weder Aeschylos, Sophokles, Shakespeare oder Schiller haben so
gedacht. Selbst bei dem katholischen Calderon überholte seine gute Natur
die schiefe Bildung -- und, aller Vorurtheile, und alles Aberglaubens
ungeachtet, schimmert das echt Humane bei ihm herrlich durch. Goethe
neigte sich der Entschuldigung und der Idealisirung der Wollust in
einigen seiner Werke zu. Eine gefallene Tugend -- wo der =Geist= noch
tugendhaft ist! -- =kann= auch entschuldigt werden. Gretchen, Klärchen,
die Bayadere sind schön und herrlich. Christus selbst entschuldigt
die büßende Magdalena. Das ist aber etwas ganz Anderes, als Victor
Hugo's Dirnen. Seine Dialoge sind übrigens geistreich und der Zwang des
Reimes verhindert ihn nicht an einer natürlichen Diction. Es finden
sich mehrere gute Scenen in seinen Werken, so z. B. König Ludwig, der
Richelieu bis auf den Tod haßt und ihm doch blindlings gehorcht -- wie
der Vogel, der in den Rachen der zischenden Klapperschlange hinabfliegt.
Victor Hugo ist =interessant=. Man langweilt sich nicht mit ihm. Aber
-- wenn man ihn gelesen, so hat man einen =bittern= Nachgeschmack, denn
wodurch erweckt er besonders das Interesse? Durch das Grausenhafte!
Seine Stücke sind meistentheils Hinrichtungsscenen. Man folgt ihm auf
den Richtplatz. Er malt uns Alles aus: den Scharfrichter, das Beil, den
Block, die Angst des Sünders, das Blut, das Grausen der Zuschauer; aber
man schämt sich fast nach der Lectüre, bei einer solchen Hinrichtung
zugegen gewesen zu sein, und wie Tiberius und Nero eine geistige Wollust
in der Nervenerschütterung der Schrecken und in der Grausamkeit gefunden
zu haben. Noch habe ich Victor Hugo's lyrische Gedichte zu lesen.
Diese sollen edler, besser sein; die allgemeine Meinung hier ist, daß
er eigentlich ein lyrischer Dichter ist. Es wird mich erfreuen, von
ihm etwas Schönes zu lesen. =Die Schönheit= ist doch der Stoff aller
Kunst; Tugend und Wahrheit wird als etwas veraltetes verworfen. Ist
die Schönheit gleichfalls veraltet? -- Dann wäre es dem Loke geglückt,
Ydun mit den Aepfeln wieder in Jothunheim in Ketten zu schmieden,
und so könnte ja die ganze Natur veralten und ins Grab steigen. Das
genialste Werk Victor Hugo's ist doch ohne Zweifel, der ungeheuren
Mißgestalten und Auswüchse ungeachtet, sein Notre Dame de Paris. Es ist
kein Kunstwerk; es ist ein unordentliches Magazin von Studien, welche
mehr denn zur Hälfte das Buch füllen, und die gemacht sind, während er
dasselbe schrieb. Die Ideen über das Romantische, über die alte Baukunst
des Mittelalters hat er, aus unzusammenhängenden Mittheilungen und
Traditionen, doch aus Deutschland geholt und in seiner Weise zugestutzt.
Seine Abhandlung über die Architektur ist bis auf wenig Einfälle eine
übertriebene Phantasterei. Wenn man weiß, was in dieser Richtung
geschehen ist, seitdem Goethe seine kleine Abhandlung über Straßburg
schrieb, und was später Wackenroder, Tieck, die Schlegel, Künstler und
Kunstkenner wie der Architekt Moller, die Gebrüder Boisserée, wie in
München die ausübenden Künstler geleistet haben, so wird Victor Hugo's
Gerede davon kindisch und unwissend. Höchst sonderbar ist auch die
Herzlosigkeit, die sich überall in dem Werke zeigt, der totale Mangel an
religiösem Gefühl, wenn er z. B. die alte herrliche Kirche Notre Dame
betrachtet -- die ihm doch zu dem Ganzen begeistert hat, und diese edle,
würdige Gedenktafel der Kunst nicht allein mit seinem abscheulichen,
einäugigen, buckligen, rothhaarigen, tauben, boshaften Quasimodo
vergleicht, sondern diese Bestie, als den Genius der Kirche hinstellt
und sagt: »_A tel point que, pour ceux, qui savent que Quasimodo a
existé, Notre Dame est aujourd'hui déserte, inanimée, morte. On sent,
qui'l y a quelque chose de disparu. Ce corps immense est vide, c'est un
squelette; l'=esprit= la quitté, on en voit la place, et voila tout.
C'est comme un crane, ou il y a encore des trous pour les yeux; mais
plus de regard._«
Eine solche Art des Fühlens und des Denkens findet man überall im
Buche. Aber das Buch ist interessant, weil es gute Scenen, einige
gute Charaktere besitzt, und weil es ein Bild des pariser Lebens der
damaligen Zeit giebt. Seine Leser in dieser Weise zu unterhalten, indem
er nämlich seinen Roman zu einer Zeitschilderung macht, in welcher das
individuell Historische hervortritt, hatte Victor Hugo von Walter Scott
gelernt. Aber wie weit schöner und besser malt nicht dieser! Bei Walter
Scott tritt immer das Schöne, das Edle als die Hauptsache hervor. Victor
Hugo schildert den Crapule; in seinen Dramen, in =aristokratischer=
Weise, den =vornehmen= Crapule, der nur die Wollust und die
großsprechende dumme Courage kennt, um unbedingt, Alles aufopfernd,
seinem einzigen Abgotte, seinem Dalai-Lama, seinem Vitzli-Putzli --
dem _Point d'honneur_ zu huldigen. Hier in Notre Dame wimmelt es von
=Pöbel=, von europäischen Cannibalen. Aber das historische Colorit
und einige gute Erfindungen machen es amüsant zu lesen, so ist z. B.
die Scene mit dem zerbrochenen Kruge vorzüglich. Die schönste aller
Schilderungen Victor Hugo's findet sich gleichfalls in diesem Buche:
»Esmeralda«, die einzige eigentlich anmuthige und unschuldige Schöpfung,
die seiner Phantasie entsprungen. Sie giebt Veranlassung zu vielen
schönen, echt poetischen Scenen. Wie diese seine anmuthige Schöpfung in
menschlicher Weise entstanden ist und in dem wildesten Crapule leben
und gedeihen kann, ist eine andere Frage. Wie sie schuh-, strumpf- und
handschuhlos noch immer eine fast soignirte Schönheit bleiben kann --
da sie doch keine Fee ist -- darüber die Natur zu fragen, würde wenig
nutzen; denn dieselbe leiht den Erfindungen Victor Hugo's nur flüchtige
Züge. Wir könnten ebenso leicht fragen, wie dieser elende, bucklige
Quasimodo so ungeheure Kräfte besitzen kann. Aber -- Esmeralda ist
voller Anmuth -- und hatte Victor Hugo auch nur sie allein geschildert,
so war er schon dadurch Dichter. Einzelne Scenen mit ihr sind sogar
meisterhaft, z. B., wo Phöbus sie vom Thurme zu den vornehmen Damen
ruft; auch ihr Tod ist schön.
Aber, du lieber Gott, ich bin ja in eine lange Abhandlung gerathen,
die den Briefton ganz verläßt! Jedoch -- derselbe berührt etwas, allen
denkenden und fühlenden Menschen unserer Zeit sehr Wichtiges: Das -- in
höherer Bedeutung -- Sittliche, das in der engsten Bezeichnung zum Guten
und Frommen steht.
Ich erinnere mich noch bei dieser Gelegenheit einer Aeußerung des Königs
Louis Philipp gegen mich, die Ihr nicht ohne Interesse lesen werdet. Er
klagte gleichfalls, indem er von dem Zeitgeiste sprach über _les moeurs
et les théâtres_, und zuckte dabei mit den Achseln. Ich machte die
Bemerkung, daß es gewiß schlimm und gefährlich sei, die Laster und die
Ausschweifungen nur von einer brillanten Seite zu schildern. »Ich werde
Ihnen eine Anekdote erzählen«, sagte der König, »die sich kürzlich hier
ereignet hat. Ein junger Mann hatte eine Tante, die ihn sehr liebte.
In einem schwachen Augenblicke vertraute sie ihm an, daß er in ihrem
Testamente zum Universalerben eingesetzt sei. Kurz darauf stirbt die
alte Tante; man findet, daß sie vergiftet ist, stellt eine Untersuchung
an, und entdeckt, daß der junge Mann seine Wohlthäterin vergiftet
hat. Er wird gefänglich eingezogen, zeigt aber -- als die Thatsache
hinlänglich erwiesen ist -- nicht die geringste Trauer oder irgend
eine Art von Gewissensbissen. In einem süßen menschenfreundlichen Tone
betheuert er, die That vollbracht zu haben, um seiner Tante gefällig zu
sein, weil sie alt und schwächlich, von den Krankheiten ihres Alters
zu leiden hatte, und -- weil sie doch so wie so baldigst hätte sterben
müssen. Er hatte das Gift an einem Lamme versucht, das er gleichfalls
sehr lieb hatte; dasselbe sei, wie später die Tante, ohne Schmerzen
gestorben, und sie sei ihm also, aufrichtig gesprochen, noch obendrein
verpflichtet, weil er ihr einen angenehmen, ruhigen und schmerzlosen
Tod verschafft habe! Wie gefällt Ihnen das?« fragte der alte König,
nachdem er die Geschichte beendet hatte, und blickte mir dabei mit
wahrem Menschengefühl ins Auge.
Ich nenne ihn alt, er ist auch alt; doch, weit entfernt schwach zu sein,
ist er ein kräftiger Mann. Als ich ihm mit einer gewissen Eitelkeit
erzählte, daß ich fünfundsechzig Jahre alt sei, rief er mit fröhlichem
Stolze: »Aber ich bin einundsiebenzig.«
[Sidenote: Spontini.]
Eines Abends war ich in Gesellschaft bei dem reichen Instrumentenmacher
=Erard=, woselbst sich, wie Jemand sehr witzig sagte, dreitausend
Freunde versammelt hatten. Die Einladung zu diesem Balle hatten wir
=Spontini=, dem Schwager Erard's, zu verdanken. Er ist ein Mann von
wahren Verdiensten. »Die Vestalin« ist ein Meisterstück, und »Ferdinand
Cortez« ist ausgezeichnete Musik. Er soll in seinem Vaterlande viel
Gutes geübt haben, weshalb der Papst ihm den Grafentitel verlieh. Er
war in Berlin Musikdirector und wollte -- laut seines Contractes --
nicht dem Theaterchef Graf Redern weichen. Hier verlief er sich durch
die Behauptung, der König selbst vermöge nicht, sein ihm gegebenes Wort
zurückzunehmen, wenn auch derselbe den Willen dazu habe. Spontini's
Feinde verstanden diese Aeußerung in ein _crimen laesae majestatis_ zu
verdrehen. Es wurde eine Commission niedergesetzt, man sprach von neun
Monat Gefängniß in Spandau. Darauf wurde die Sache vom König selbst
niedergeschlagen. Spontini erhielt seinen Abschied und bekam seinen
ganzen, bedeutenden Gehalt als lebenslängliche Pension; jetzt lebt er
auf einem großen Fuße in Paris.
[Sidenote: Madame Constant.]
Ich habe bereits in früheren Briefen meiner treuen Freundin, =Madame
Constant=, der Wittwe Benjamin's, gebornen Comtesse Hardenberg,
Erwähnung gethan. Sie ist eine freundliche, gastfreie, alte Frau, die
noch einen muntern Geist besitzt, aber in einer sonderbaren Weise ganz
ihr Gedächtniß -- vergessen hat! Doch kehrt dasselbe mitunter zurück.
Aber -- sonderbar genug! -- ich wurde empfangen und wie ein alter
Freund in die Familie aufgenommen; jedoch einmal während eines Gesprächs
mit mir hatte sie ganz vergessen, daß wir einander vor achtunddreißig
Jahren gekannt hatten, trotzdem dies gerade der Grund des liebevollen
Empfanges war. Einst frug sie mich -- obwohl, wie es der liebe Gott
weiß, mein Französisch, bei weitem nicht klassisch ist, ob ich auch
Deutsch spräche. Wir hatten schon sehr oft Deutsch mit einander geredet.
Sie ist noch aus der alten, höflichen Schule, sogar dermaßen, daß sie
ihre Katze Mademoiselle und ihren Bedienten Monsieur nennt. »_Merci
Monsieur_« sagt sie oft, wenn ihr derselbe einen Teller reicht. Doch
dies Letztere könnte man vielleicht eher der neueren Gleichheit, als der
alten Höflichkeit zuschreiben. Eine komische Anekdote gab hier in der
Gesellschaft Veranlassung zu vielem Lachen. Die gute, alte Frau läßt
ihren Gästen nicht allein einen guten Rothwein, sondern gewöhnlich auch
ein Glas Champagner einschenken. Nun war ihr der Champagner ausgegangen,
und sie schrieb deshalb an ihren Commissionair. Sie hatte schreiben
wollen: _Faites-moi un envoi, comme le dernier_. Aber, da sie sehr
_distrait_ ist, schrieb sie: »_Faites-moi un enfant, comme le dernier_«.
Dieser naive Wunsch einer Frau ihres Alters konnte nicht anders als das
Zwergfell Derjenigen erschüttern, die den Brief gelesen hatten.
[Sidenote: Gräfin Bourke.]
Gestern (den 17) waren wir zu einem Fest bei der =Gräfin Bourke=. Vor
einiger Zeit hatte ich bei ihr zu Mittag gespeist; doch die gestrige
Einladung galt keiner Mahlzeit wo man ißt, sondern »wo man selbst
gegessen wird«, wie Hamlet sagt -- denn es war eine Einladung ihres
Verwandten und Erben, des jungen Grafen Bourke, sie zur letzten
Ruhestätte zu geleiten. Sie war eine alte einundachtzigjährige Frau. Als
wir in das Trauerhaus traten, verletzte uns der Mangel an Feierlichkeit.
Es waren keine Trauergardinen, keine Trauermäntel zu erblicken und das
Gefolge trat, in seinem gewöhnlichen, täglichen Anzuge auf die Straße,
fast wie zu einem Judenbegräbniß, heran, Einige in blauen, Andere mit
grauen Beinkleidern -- Alle aber mit schwarzen Handschuhen angethan.
Außen am Hause waren einige schwarze Teppiche mit silbernen Fransen
aufgehängt, der Sarg stand im Thorwege, der in eine schwarze Trauerhalle
verwandelt war. In dieser Weise begleiteten wir zu Fuße die selige
Gräfin. Aber die schöne Magdalenenkirche war in der Nähe; =hier= fanden
wir die Feierlichkeiten. Die Kirche war mit schwarzen Teppichen, mit dem
Wappen der Verstorbenen geziert, und inmitten derselben, von unzähligen
Wachskerzen umstellt, wurde der Sarg unter einen prächtigen Katafalk
gestellt, der hoch in das Gewölbe hinaufragte. Schöne, alte Seelenmessen
und Hymnen erklangen aus den kräftigen Baßstimmen der Mönche mit den
Discanten der Knaben; es war dies keine moderne Kirchen-Theater-Musik.
Hätten nur nicht die Pfaffen den Eindruck durch =ihre= Manövers
verdorben. Bald verbeugten sie sich vor unserm lieben Herrgott nach
rechts, nach links, bald schritten sie dorthin, bald dahin; dann mußten
die Knaben mit Kerzen die Stufen bald hinab, bald hinan steigen. Mir
kam es vor, als suchten sie den Herrgott und -- als sei er nicht zu
Hause und sie müßten warten, bis er käme. Endlich trug man den Sarg
aus der Kirche auf den Leichenwagen, nachdem erst das ganze Gefolge
ihn mit einem Weihwedel besprengt hatte. Es ist dies ein schönes Bild
der persönlichen Theilnahme. Diese schuldet jeder Mensch dem andern an
der hohen Pforte der Ewigkeit, und als solche bedienten William und
ich, obgleich Protestanten, uns gleichfalls des Weihwassers. Des echten
Weihwassers erblickte ich in der ganzen großen Versammlung nur zwei
Tropfen, in den Augen des jungen Bourke, als der Sarg hinausgetragen
wurde. Die Verewigte war ihm eine gute Tante gewesen: Grafentitel,
Reichthum -- Alles hatte er ihr zu verdanken.
[Sidenote: Brüssel.]
Kopenhagen, den 20. Mai 1845.
-- -- In einem meiner frühern Briefe habe ich erzählt, daß König Louis
Philipp mich, als ich einmal bei ihm zur Tafel war, bei der Hand faßte
und zu einem Manne führte, der sehr freundlich mit mir sprach, meine
Schriften in der deutschen Ausgabe gelesen hatte, und mich bat, ihn
zu besuchen. Ich kannte ihn nicht, aber später fand ich heraus, daß
es der König von Belgien sein müsse. Die Reise ging also jetzt wieder
über Brüssel. Ich war etwas unruhig über diese Einladung, weil ich es
immer hinausgeschoben hatte, mich näher zu erkundigen, und jetzt, da
es zum Treffen kam, nicht genau wußte, ob es auch wirklich der König
sei, der mich eingeladen hatte. Ich studirte vorher Kupferstiche und
Büsten -- mitunter fand ich Aehnlichkeit mit dem hohen, großen Manne,
der mich eingeladen hatte, mitunter nicht. =Coopmans=, unser _Chargé
d'affaires_, kratzte sich auch hinterm Ohre, und sagte: es sei so
nicht die Gewohnheit des Königs. Ich antwortete: dann erzeigen Sie mir
die Güte, den König zu fragen, ob er es erlaubt, daß ich ihm meine
Aufwartung mache, indem ich durch das Land reise. Dies fand =Coopmans=
in der Ordnung; ich wurde zur Audienz angesagt. Es war ganz richtig. Der
König sprach lange und freundlich mit mir. Einige Tage darauf wurde ich
zur Tafel geladen, wo ich die Königin, die Tochter Louis Philipp's, sah
-- eine sehr gutmüthige, freundliche Dame -- und am Tage darauf reiste
ich ab[2].
[2] Kurz nach der Rückkehr von dieser Reise wurde Oehlenschläger zum
Offizier des Leopold-Ordens ernannt.
[Sidenote: Hamburg.]
Jetzt bekam ich gleichfalls Lust, wenigstens ein Stück von Holland zu
sehen, umsomehr, weil es weder mehr Mühe noch mehr Geld erforderte.
Wir reisten über die alte Stadt Antwerpen nach Amsterdam, einer
interessanten Stadt, die fast aus lauter Kanalstraßen und Alleen
besteht. Ich war auch hier genöthigt, einige Tage zu bleiben, um das
Dampfschiff, das nach Hamburg ging, zu erwarten. Die holländische
Sprache gefiel mir; sie klang mir wie Englisch, ohne französische
Beimischung. Endlich kam das Dampfschiff an, wir gingen an Bord
und erreichten bald und glücklich Hamburg, das ich gar nicht
wiedererkannte; wir stiegen in Streit's Hotel am Jungfernstieg ab. Ich
besuchte den Theater-Director =Cornet=, der uns gleich Freibillets gab,
aber bedauerte, daß wir uns diesen Abend mit seiner kleinen Loge auf der
Bühne selbst begnügen müßten. Sämmtliche Billets des ungeheuern Theaters
waren schon vergriffen, Jenny Lind sang die Norma. Dort saß ich nun
und sah die liebliche nordische Jungfrau nach allen den französischen
Talenten -- aber sie hat auch Talent und ein gutes Spiel unterstützt
ihre ausgezeichnete Stimme. Es schien mir, als sei =Freia= von Walhalla
herabgestiegen, um einmal die südlichen Musen zu vertreiben. Als der
erste Act aus war, hätte das ganze hamburgische Publikum mich beinahe an
ihrer Hand zu sehen bekommen, denn ich lief auf sie zu, und ergriff ihre
Hand in demselben Augenblick, als der Regisseur: »von der Bühne« rief,
denn sie sollte nach deutscher Sitte hervorgerufen werden. Sie wußte
gar nicht, was es für ein Mann sei, der sie so vertraulich anredete und
ihr in nordischer Sprache dankte; als sie mich aber erkannte, freute
sie sich, und gedachte des Abends, den sie vor einigen Jahren bei mir
verbracht hatte.
Die Schauspieler wollten durchaus Correggio vor mir spielen, und somit
geboten mir Höflichkeit und Dankbarkeit, einige Tage länger als bestimmt
war zu verweilen. =Baison= spielte die Titelrolle gut aber ein wenig
zu sentimental. Bei dem Conferenzrath =Donner= auf Neumühl war ich zu
Mittag eingeladen; er hat dort eine herrliche Villa an der Elbe mit
Arbeiten von Thorwaldsen und Nissen geschmückt. Etatsrath =Nagel=, der
in frühern Tagen Amanuensis bei =Brandis= war, gab uns ein prächtiges
Frühstück und fuhr uns nach Blankenese. Weil ich von Brandis rede, muß
ich eine Anekdote erzählen. Als er in den letzten Athemzügen lag, sagte
er: »Der dumme Apotheker N. N. sagte immer die meisten Menschen stürben
gegen Mitternacht; und nun kriegt der verfluchte Kerl auch Recht, was
mich betrifft, denn ich werde auch ungefähr zwischen 11 und 12 sterben.«
* * * * *
[Sidenote: Skandinavisches Studentenfest.]
[Sidenote: Ein sonderbarer Traum.]
Fasanenhof, den 5. Juli. 1845.
Meine liebe Maria!
-- -- Bei der großen Zusammenkunft der Studenten der drei nordischen
Reiche, hatte mir das Comité vier Gäste, drei Schweden und einen
Norweger, zugetheilt. Sie wohnten in der Stadt in meinen Zimmern; des
Mittags kamen sie zu mir heraus und aßen mit mir zusammen, an den
Tagen nämlich, an welchen keine öffentlichen Feste veranstaltet waren.
Die Norweger und Schweden sind sehr beliebt, nicht allein bei den
Studenten, sondern bei allen Einwohnern Kopenhagens. Eine so ungeheure
Menschenmasse, wie die, welche sie vom Hafen aus nach der Universität
begleitete, ist vielleicht noch nie in Kopenhagen gesehen worden. Viele
Damen warfen Blumen auf die lieben norwegischen und schwedischen Gäste
von den Fenstern herab. Ich bin überzeugt, daß die jungen Männer, von
Achtung und Liebe für die Dänen erfüllt in ihre Heimath zurückgekehrt
sind. Sie kamen auch im Zuge zu mir. Ich begrüßte sie in der großen
Allee vor dem Fasanenhofe. Sie führten zwei Musikchöre mit sich, eins
aus Upsala, eins aus Lund. Ein Docent =Petterson= aus Upsala hielt
eine hübsche Rede an mich, und die Studenten sangen ein schönes Lied.
Ich bezeigte ihnen meinen Dank, meine Freude darüber, daß der Funke
nordischer Bruderliebe, den ich vielleicht durch meine Gedichte zu
entzünden beigetragen, jetzt als eine Flamme in jeder nordischen Brust
glühe. Ich sprach meine Freude darüber aus, daß mir so viele Ehre von
einer so großen Versammlung in demselben Garten erzeigt werde, wo ich
als Kind so lange Zeit einsam in meinen Träumereien umhergegangen
sei. Ich bat sie, sie möchten, wenn sie einst wieder mit ihren Söhnen
hierherkämen, und der Dichter-Greis nicht mehr sei, denselben sagen:
»Hier schlug ein ehrliches, treues Herz für den brüderlichen Norden;
in diesem sommerlichen Schatten besuchte ihn Ydun und lehrte ihn
die Lieder, die noch leben, und durch welche er uns noch frisch und
jugendkräftig grüßt.« -- --
Was soll ich Dir jetzt noch erzählen, was Du nicht bereits schon
weißt? Ich wüßte nichts. Doch ja -- ich habe diese Nacht einen
wirklich kuriosen Traum gehabt, den will ich Dir, und zwar ohne alle
dichterische Ausschmückung erzählen: »Es träumte mir, ich hatte ein
schönes Miniaturbild für ein Taschenbuch gemalt. Alle Menschen sagten,
wenn ich das herausgäbe, würde das Buch ganz vorzüglich gehen. Aber
dann begegnete mir Winckler (ich war ihm gestern im wachen Zustande im
Südfelde begegnet), er bat mich um das Bild -- ich gab es ihm, und mußte
später viel von meinen Freunden leiden, weil ich mich von einem solchen
Schatze getrennt hatte. Aber dann setzte ich mich wieder ruhig hin und
=malte= eine Daguerreotype so künstlich, daß, wenn man sie von einer
Seite sah, war sie Maria mit dem Christuskinde, von der andern Seite
stellte sie Christus am Kreuze dar. Dies fand man, sei noch besser,
und versicherte mir, daß, wenn ich damit nach Paris ginge, würde ich
mein Glück machen und großes Vermögen erwerben. Dies wollte ich denn
auch; als ich aber erfuhr, daß =Raphael= zufällig in Kopenhagen sei,
wollte ich ihm das Bild erst zeigen. Ich besuchte ihn und wunderte
mich darüber, daß er einem vornehmen Manne hier ganz ähnlich sah. So
sieht Raphael aus? dachte ich. Mit diesen Augen, diesem Blick hat er
soviel Schönes und Herrliches gesehen und durchschaut! Ich zeigte
Raphael meine Daguerreotype. Er wurde ganz roth im Gesicht und sagte:
»»Etwas so Schönes habe ich noch nie hervorgebracht. Hätte ich es doch
gemacht! Wenn das doch =meine= Arbeit wäre! Wollen Sie sie mir nicht
schenken, ich könnte es dann für =meine= Arbeit ausgeben.«« -- Ich war
so geschmeichelt und so entzückt, als Raphael den Wunsch äußerte, mein
Bild geschaffen zu haben, daß ich rief: »Ja herzlich gern«! und ihm das
Bild gab, indem ich doch zugleich über seine moderne Frisur sann, und
darüber, daß er ein so kurzes Hinterhaar hatte. Nun hatte ich auch
diese Arbeit verschenkt, und mich selbst einer großen Einnahme beraubt,
aber es war an Raphael. Ich trat später auf den Marktplatz hinaus, wo
ich Raphael's Frau sah, auf einem Fleischerwagen sitzend, mit einer
alten Kapuze auf dem Kopf; man sah deutlich, daß sie in ihrer Jugend
schön gewesen, sie glich Frau S. Sie hielt das Bild in der Hand und
fuhr damit auf dem vollgeladenen Fleischerwagen nach Paris; die großen
Fleischstücke im Wagen zeigten sich noch meinem wehmüthig nachblickenden
Auge, nachdem das Bild verschwunden war.«
War das nicht ein kurioser Traum? Ich glaube die Veranlassung desselben
ist das Gefühl, das mich in dieser Zeit beherrscht, wo ich vier
Theaterstücke drucken lasse, ohne sie auf die Bühne bringen zu können.
Heute Morgen, ehe ich noch frühstückte, ging ich in den Garten, und
schnitt Georginen und grüne Rosenblätter für Deine zwei Portraits. Das
Bild von Gärtner hängt hier in meinem Arbeitszimmer, das andere in dem
großen Gartenzimmer, Vaters Büste, welche auf dem Ofen steht, gegenüber.
Ich steckte die Blumen über die Rahmen der lieben Bilder. Doch das muß
ich Dir sagen, dieser Gruß galt nicht allein Deinem Geburtstage, er ist
Dir den ganzen Sommer hindurch gebracht worden. Die Georginen halten
sich länger frisch als die Rosen; sie tragen den Namen Deiner seligen
Mutter, und wenn ich die Bilder mit ihnen schmücke, däucht es mir, als
sei sie, ein seliger Engel, dabei und spräche den Segen des Himmels über
ihr Kind. Ich sage dann oft wie Walborg: »Ich grüß' Dich, meine Liebe!
Guten Morgen«!
Aber höre jetzt -- ich sitze nicht allein hier -- eine große schöne
Person, mit Blumen angethan, steht im Winkel am Schreibtische, dort wo
mein alter Lehnstuhl stand. Diese Person ist -- ein neuer Lehnstuhl, der
gerade ganz akurat vorgestern hier eintraf, so pünktlich, daß er (oder
sie) an diesem Tage in meiner kleinen Stube paradiren und Deine eigene
Person vorstellen konnte. Das ist fast mehr Sinn und Herz, als man
von einem Lehnstuhl zu erwarten berechtigt ist. Aber beste Maria! was
hast Du auch nicht auf seine Erziehung gewendet! Ein wenig streng bist
Du gewesen, denn für jede schöne Blume, die er mir bringt, hast Du ihm
unzählige Nadelstiche versetzt. Doch -- diese Nadelstiche schmerzten ihn
nicht, und mir thaten sie wohl; es sind keine Herzstiche, das versichere
ich Dir. Das einzige Schlimme an diesem Lehnstuhle ist, daß ich es nicht
über mein Herz gewinnen kann, darin zu sitzen; vom Anlehnen will ich
nun gar nicht reden. William hat mir vorgeschlagen, den Stuhl mit einem
Netze zu überziehen; darin hat er Recht. In einem Netze will ich Deine
Liebe fangen, damit sie nicht davonflattere.
[Sidenote: Literarische Wirksamkeit.]
-- -- Ich habe in der letzten Zelt einige Romanzen geschrieben:
»Tannhäuser im Venusberge«, »Götz von Berlichingen und der Schmied«,
»Die zwei Räuber.« -- Ich denke zum Winter eine kleine Sammlung Poesien
drucken zu lassen. Meine Schauspiele sind jetzt unter der Presse. »Das
Gespenst auf Herlufsholm« ist schon beendet und »Garrick« wird es bald.
Dem Theater etwas einsenden, thue ich kaum wieder. Ich habe es satt,
mich dem Mäkeln und Kritteln zu unterziehen. »Sucht euch einen andern
Knecht«! sagt Göthe im Vorspiel zu Faust. Ich habe jetzt diese Karten
der weltlichen Eitelkeit so lange gespielt, habe so oft die Vorhand
und Zwischenhand gehabt, und bin mit guten Karten in der Hand beet
geworden; kann ich nicht in der Hinterhand sein -- und meiner Sache
gewiß -- so =passe= ich. Die Welt will immer etwas Neues, und daß
Adam Oehlenschläger Schauspiele und Verse schreiben kann, ist ja was
Altes und Abgedroschenes. Indessen besucht mich meine Muse doch noch
immer, hat mich ganz lieb, und findet mich auch nicht zu alt für ein
Liebesabenteuer mit ihr.
* * * * *
[Sidenote: Dina in Wien.]
Kopenhagen, den 13. December 1845.
Ueber »Dina's« Schicksal in Wien hat =Castelli= mir die Hiobspost
gesandt, daß die Schauspieler gegen sie kabalisirten; aber vor einigen
Tagen erhielt ich eine ganz entgegengesetzte Nachricht vom Director
=Holbein= selbst. »Von einer Kabale -- schreibt er -- ist nicht nur
keine Spur vorhanden, sondern vielmehr das Gegentheil. Mit Sorgfalt und
Theilnahme für Gedicht und Dichter wird die Aufführung vorbereitet,
und bald wird nichts dem schönen Kinde in den Weg treten.« Da aber der
religiöse Schluß, die Scene mit dem Mönch, in dem katholischen Wien
nicht geduldet werden kann, so bat =Holbein= mich, eine »Schlußrede«
für Dina, ehe sie zum Tode geht, zu schreiben. Eine solche habe ich
gedichtet und schreibe sie hier ab:
Die Stunde ruft, die Glocke schlägt.
Die flücht'gen Gaukelbilder schwinden;
Das arme Herz ist tief bewegt --
Zum letztenmal -- bald wird es Ruhe finden.
Und hab' ich auch viel Sorg' und Spott --
Nicht ohne eigne Schuld -- erlitten --
Doch dank' ich für mein kurzes Leben Gott;
Der harte Kampf ist ausgestritten.
Was klag ich, daß die Freude wich,
Daß eitle Hoffnung schnell verschwunden?
Weit schöner ist die Ros' als ich,
Und lebt nur ein'ge Morgenstunden.
Der Greis -- oft ohne Lebensglück --
Ermattet sank, nach wiederholten Streben.
Gesund und jung geb' ich Natur zurück,
Die schöne Blüthe, die sie mir gegeben.
Und dieses warme, volle Herz, --
Im Tode wird es Glück erwerben --
Es schwingt sich freudig himmelwärts --
Ich weiß es, meine Seele kann nicht sterben.
* * * * *
Den 4. Februar 1846.
Dina ist nun aufgeführt, aber das Stück machte kein Glück. Ich verstehe
es nicht, den guten Leuten einen echten Wienertrank zu brauen. -- Ein
wiener Recensent, Namens Andreas Schuhmacher, hat es seinen Landsleuten
ganz gut gesagt. Er schreibt:
»Von den zahlreichen Meisterwerken Oehlenschläger's war es der einzige
»Correggio« den Wien von der Bühne herab genießbar fand, und in
diesem Werke selbst war es das Künstlerleben, die bühnliche Einheit
und Faßlichkeit, und die entschiedene Hinneigung zum sentimentalen
Raisonnement, was es allgemeiner zugänglich machte, als die übrigen
Dramen Oehlenschläger's sammt und sonders. Auf diesem Boden war Kotzebue
den größten Dichtern überlegen, die sich ja glücklich preisen durften,
wenn sie mit dieser prosaischesten aller Seelen den Theaterlorbeer
theilen konnten. Soviel nur, um darzuthun, daß die eben vom Publikum
ziemlich einstimmig abgelehnte Dina nicht schlechter zu sein braucht,
als andere von ganz Deutschland bewunderte, von ganz Dänemark gefeierte
Dichtungen dieses Meisters. »Hakon Jarl«, »Hagbarth und Signe«, »Axel
und Walborg« würden das gleiche Schicksal mit der Dina theilen, wenn es
Jemandem einfiele, sie mit =unsern= Schauspielern vor =unserm= Publikum
zu geben. Mag die Dina zergliedern, wer will; ein Dichter schrieb sie,
das beweist jedes Blatt! u. s. w.«
Meine kleine Tragödie »Das Land gefunden und verschwunden« hat mir
die Theater-Direction selbst aufzuführen angeboten. Es ist kein
Knall-Effectstück; für das Historische und Nationale hat man -- aller
skandinavischen Vereine ungeachtet -- nicht viel Sinn. Ich erwarte keine
große Wirkung, aber das Stück wird gelesen und mit Achtung selbst von
den Stimmgebenden besprochen.
* * * * *
[Sidenote: Amleth.]
Den 19. April 1846.
Jetzt bin ich schon lange wieder flott. Ihr wißt, ich war diesen Winter
eine Zeitlang auf dem Podagra-Riff auf den Grund gerathen. Es wäre nun
sehr langweilig gewesen, wenn ich nicht ein Amüsement gefunden, daß auch
Andere, wie ich wünsche, amüsiren wird. Ich habe noch einmal ein Herz
gefaßt und eine heroisch-nordische Tragödie in 5 Akten geschrieben,
um eine leere Stelle an der Wand meiner dramatisch-historischen
Bildergalerie auszufüllen. Werde nicht bange, wenn Du das Blatt wendest
und liesest: »Amleth.« Es ist bei weitem nicht meine Absicht gewesen,
mit dem unsterblichen Shakespeare zu wetteifern; unsere Trauerspiele
unterscheiden sich nicht nur darin, daß er (wie =von= Tyboe sein von)
sein H voran, und ich (wie Stygot=ius=) das meinige hinterher setze --
sondern die Stücke sind in Composition und Characteren =ganz und gar=
verschieden, welches Ihr erfahren werdet, wenn Ihr nach Frederiksberg
kommt und ich es Euch vorlese. Ich habe bereits die Freude, daß mehrere
competente Richter meinen Amleth gutgeheißen haben.
Den 30. Aug. 1846.
Hier sitze ich nun wieder zu Hause auf Frederiksberg mit allen meinen
lieben Erinnerungen und sage, wie die verwittwete Königin einst zu mir
sagte: »Ich lebe in den Erinnerungen.« Habe Dank, meine geliebte Maria,
für all Deine Liebe! Noch gehe ich nur kleine Touren, die ersten längern
werden den Bäumen im Garten und im Südfelde gelten, wo ich Deinen
geliebten Namen finde. Küsse die süßen Knaben, meinen Harald, meinen
Adam und meinen kleinen Wollert vom Großvater, und sage ihnen: ich käme
bald! Ach Gott, die längste Zeit wird bald verstrichen sein.
Comique (wie Harald richtig sagt), oder Commäk (wie Adam sich freier
ausspricht), liegt mir zu Füßen. »_Parole d'honneur_, ick hob'
keen andern«! sagt der Jude in Heiberg's »König Salomon« von seinem
Schlafrock. Ein kleiner rother junger Hund, den mir v. d. =Maase=
geschenkt hat, geht im Hofe umher und heult. Er soll Robin (Roy) heißen.
Die Dienstboten nennen ihn Ruben und glauben, er sei nach einem Juden
getauft. Leb wohl! Man scherzt oft mit einem schweren Herzen!
Erster Weihnachtstag 1846.
Um zuerst von einem nur geistigen Kinde zu reden -- so wirst Du gelesen
haben, daß Amleth Glück gemacht hat. Das Stück wurde an meinem 67.
Geburtstag aufgeführt, und wenn auch an diesem Tage eine gewisse Pietät
für den Vater auf das Kind überging, so erntete doch das Stück vielen
Beifall und hat jedesmal ein volles Haus gegeben.
Am ersten Abend nach Aufführung des Stücks, als ich nach Hause gekommen
war, brachte mir ein Lakai folgenden Brief vom Könige, der im Theater
gewesen war.
»Herr Etatsrath Oehlenschläger! Sie haben mir durch Ihren Amleth einen
großen Genuß bereitet. Ihr immer junger Dichter-Geist hat sich kräftig
entfaltet und uns Alle begeistert; die Schönheit und Sinnigkeit des
Gedichts haben uns zur Bewunderung hingerissen. Ich sehne mich nicht
allein in meinem Namen, sondern auch im Auftrage der Königin Ihnen
mündlich auszusprechen, was die dänische Dichtkunst Ihnen, dieses großen
Vorbildes halber, schuldig ist, und wie sehr ich Sie, mein lieber
Oehlenschläger, den Dichter, hochachte, der ich Ihnen heute viele frohe
Lebensjahre wünsche.
Kopenhagen, 14. Nov. 1846.
Ihr wohlwollender
=Christian= R.«
* * * * *
[Sidenote: Vorlesungen.]
Den 15. Februar 1847.
In diesem Jahre halte ich vor einem großen Auditorium Vorlesungen über
meine eigenen Tragödien. Den ersten Abend entdeckte ich dort etwas,
was ich in den 37 Jahren, wo ich an der Universität gelesen habe, noch
nie wahrgenommen: nämlich eine Dame! Später kam noch eine. Am nächsten
Abend waren deren fünf zugegen, dann zwölf, vierzehn. Ich erhielt nun
einen sehr hübschen anonymen Brief, worin man mir sagte, daß mehre Damen
mich zu hören wünschten, aber daß sie, obgleich man ihnen allerdings
gesagt, daß meine Vorlesungen von Damen besucht würden, doch nicht recht
wüßten, ob sie erscheinen dürften. Ich wußte nicht, was ich antworten
sollte, denn hätte ich öffentlich gesagt: Kommen Sie nur! so wäre eine
große Menge herbeigeströmt, zum Theil aus Neugierde. Ich schwieg also
und dachte: Wenn sie wissen, daß bereits Damen da sind, so können sie
ja ohne weitere Einladung kommen. Indessen wählte ich mir doch einen
größeren Hörsaal, und hier stehe ich nun und lese vor einer bunten Reihe
von Damen und Herren, die den Saal füllen.
* * * * *
Den 18. April 1847.
Meine Vorlesungen habe ich für diesen Winter geschlossen. Den letzten
Tag fand ich in meinem Zimmer einen schönen Blumenkranz und ein schönes
Gedicht von einer meiner (anonymen) Zuhörerinnen; ich nehme an von einer
der anmuthigsten. Ich kenne keine von Ihnen, denn auf dem Katheder
brauche ich keine Brille, und ohne solche vermag ich nicht weit zu sehen.
In dieser Zeit habe ich Amleth ins Deutsche übersetzt, was keine
leichte Arbeit war, wenn man die Trimeter dem Genius der fremden
Sprache entsprechend, mit Klang und Kraft wiedergeben wollte. Dahl in
Christiania verlegt meine neuen deutschen dramatischen Gedichte, nämlich
»Dina«, »Garrick in Frankreich«, »Das Land gefunden und verschwunden«
und »Amleth.«
* * * * *
[Sidenote: Kiartan und Gudrun.]
Frederiksberg, den 3. Juli 1847.
-- -- Weil wir von Tragödien reden, so darf ich nicht zu erzählen
vergessen, daß meine neue Tragödie »Kiartan und Gudrun« fix und fertig
ist, und den Beifall der Kenner und Freunde gefunden hat. Es ist eine
Liebes-Tragödie, aber von den frühern dieser Art darin verschieden, daß
das Unglück nicht von Außen, sondern von Innen kommt.
Frau Heiberg wird eine vorzügliche Gudrun, einen heroischen, koketten,
dämonischen Character spielen.
Das Sujet ist sehr frei behandelt, ganz nach eigener Erfindung. Es ist
in Trimetern wie »Amleth« und »Das Land gefunden und verschwunden«
geschrieben, und es spielt sowohl auf Island wie in Norwegen.
Bei Bing lasse ich von einigen alten Uebersetzungen: »Reinecke Fuchs«,
»Götz von Berlichingen« und Shakespeare's »Sommernachtstraum« neue
Auflagen besorgen. Reinecke Fuchs wird ganz umgearbeitet werden,
denn es sind 40 Jahre her, daß ich ihn zuletzt Dänisch schrieb. Den
»Sommernachtstraum« dagegen vermag ich nicht zu verbessern.
* * * * *
[Sidenote: Reise in Schweden.]
Stockholm, den 13. Juli 1847.
Den Tag nach unserer Ankunft hier besuchten wir das Museum. Der alte
Herr v. =Röck=, dessen Bekanntschaft ich vor 30 Jahren bei Frau v.
=Arnstein= in Wien gemacht hatte, führte uns umher. Man gewinnt ihn
lieb; er hat Sinn und Geschmack und große Liebe für das, was er
vorzeigt; er ist auch nicht ohne einen gewissen naiven Humor. Die
herrlichen Arbeiten von =Sergel= imponirten mir. Er war doch auch
ein echter Bildhauer, größer als =Wiedewelt= und ging =Canova= und
=Thorwaldsen= voraus. =Fogelberg's= kolossale nordischen Götterbilder
haben zwar etwas Plumpes an sich, aber das Genie spricht aus ihnen.
Gestern (Sonntag) waren wir des Vormittags in der Ridder-Holms-Kirche,
wo ich mit Ehrfurcht vor Gustav Adolph's Granit-Sarkophag stand und mit
bewundernder Erinnerung und Neugierde das Loch im Hute Karl's XII. sah,
und seine großen Stiefeln und die großen Schlüssel eroberter Festungen
betrachtete.
Mittags waren wir zur Tafel bei Sr. Majestät. Nach der Mahlzeit
überreichte ich ihm meine zwei neuen Tragödien nebst einem Gedichte,
welches ich am Vormittage geschrieben hatte. Er dankte mir herzlich,
drückte wiederholt meine Hand und er, sowie die Königin und die Prinzen,
die höchst liebenswürdig sind, unterhielten sich eine Stunde lang mit
mir.
Montag besuchten wir am Vormittage die Antiquitätensammlung, und
am Mittage fuhren wir mit =Beskow=, der uns abholte, nach dem
Thiergarten, wo Staatsminister =Due= uns eingeladen hatte. Unter anderm
wurde Falerner Wein servirt, und hier nahm =Due= eine hübsche und
schmeichelnde Veranlassung, mir ein Hoch im Weine des Horaz zu bringen.
Den ganzen Nachmittag unterhielt ich mich mit Due, der ein charmanter
Mann ohne allen Dünkel ist; er erzählte von der Reise, die er kürzlich
mit seiner Frau und Tochter nach Afrika, nach Algier gemacht, wo sie
sich köstlich amüsirt hatten.
* * * * *
Stockholm, den 26. Juli 1847.
Ich habe wenig Zeit, Dir zu schreiben, will aber doch in der größten
Eile Dir das Wichtigste, was sich mit uns ereignet hat, erzählen.
Beim Könige war ich noch einmal zum Abschied. Er war sehr gnädig,
führte mich in seinen Zimmern umher, zeigte mir seine Gemälde, sein
Schlafzimmer u. s. w. Sonntag gingen wir auf dem Dampfschiffe mit
=Beskow= nach Gripsholm. Montag mit dem Dampfschiff nach Upsala. Ein
Gutsbesitzer Troil hatte die dänische Flagge aufgezogen und salutirte
(auf der Rückreise kam er selbst an Bord und begrüßte mich). Ueber das
mir zu Ehren veranstaltete Fest in Upsala kannst Du in den Zeitungen
lesen. Am nächsten Tage reisten wir von Upsala nach Danemora, wo Baron
=Tamm= uns empfing, und uns die Gruben zeigte. Ein Bergmann, der aus
der Grube heraufgewunden wurde, kam mit der Axt auf der Schulter und
überreichte mir ein Gedicht, und während ich dasselbe las, feuerte man
zwanzig Kanonenschüsse unten in der Grube ab; es dröhnte als wollte die
Erde auseinanderspringen. Auf der Reise von Danemora waren wir auf Odins
Hügel bei dem alten Upsala, traten auch in denselben, sahen eine Urne
mit Asche und leerten einen Becher mit Meth.
* * * * *
Frederiksberg, den 16. Aug. 1847.
Die guten Schweden erwiesen mir, ebenso wie die guten Norweger, viele
Ehre und Liebe bei meinem Aufenthalt in Schweden.
In den drei Wochen, die wir in Stockholm verbrachten, waren wir fast
jeden Tag zu einem festlichen Diner. In der ersten großen Gesellschaft,
die mir zu Ehren im Thiergarten veranstaltet wurde, saß ich zwischen
dem alten =Björnstjerna= und dem Oberstatthalter Baron =Sprengtporten=.
Als ein vortreffliches Lied von =Beskow= gesungen war, zeigte der alte
Björnstjerna mit dem Finger auf eine der für mich ehrenvollsten Stellen
und tippte eifrig darauf, und die Thränen standen ihm in den Augen,
während er mich mit einem liebevollen Blick anlächelte. Ich erzähle
dies, um der Herzlichkeit und Liebe Erwähnung zu thun, die stets mit
der Ehre, die man mir erzeigte, verknüpft waren, und die mir theurer als
diese Ehre selbst sind.
Es würde Dir viel Spaß gemacht haben, wenn Du bei dem Feste des
Kunstvereins im botanischen Garten zugegen gewesen wärest; dort kamen
die stockholmer Damen _en masse_ mit Blumen, die sie mir zuwarfen,
während ich wohl sechs-, siebenmal die Runde unter ihnen machen mußte;
es war ein wirkliches Gewimmel, sie füllten den ganzen Garten. -- --
Glaube nicht, meine liebe Maria, daß ich ein so eitler Mensch bin,
dies höher anzuschlagen, als sich gebührt. Die große Menge läßt sich
zu gewissen Zeiten von Denjenigen animiren, die das Wort führen und
den Ton angeben. Ich erinnere mich sehr gut aus der Zeit, wo man mich
verfolgte, wie eine große Menge junger Herren mich geringschätzte,
ja fast verachtete, als sei ich schon verblüht; sie waren dazu von
meinen Feinden und Neidern verleitet, welche kurze Zelt die Macht
erhalten hatten, oder wenigstens das Wort führten. Dergleichen muß man
für das nehmen, was es eben ist. Aber ein Gefühl, das nicht ganz ohne
Realität war, glaube ich allerdings, theilten Alle. Alle glaubten,
ich sei einer der ersten gewesen, der zu dem guten Verständniß
zwischen beiden Nachbarländern beigetragen. Alle sagten sie mir das.
Als wir zur Tafel beim Könige waren, und ich ihm nach der Mahlzeit
das Gedicht überreichte, wovon ich bereits erzählt habe, machte es
einen ersichtlichen Eindruck auf die ganze Königsfamilie, und die
Königin sagte mit Thränen in den Augen zu William: »Ihrem Vater und
=Tegnér= haben wir vor Allen für das gute Einverständniß zu danken.«
Als William meine Tuchnadel, die ein wenig entzwei gegangen war, zu
einem Goldarbeiter trug, betheuerte ihm derselbe gerührt, daß er keinen
Pfennig dafür nehme. Als ich der Tochter unserer Wirthin die Miethe
zahlte, wollte sie mir durchaus weinend die Hand für all die Freude
küssen, die ihr meine Gedichte bereitet hatten.
Im Thiergarten speisten wir einmal in =Byström's= Villa. Ein schönes
Haus hat er sich dort ganz im italienischen Style erbaut und mit einem
großen Theil seiner Arbeiten in der Hoffnung geschmückt, daß König Karl
Johann, der ihn sehr ehrte und königlich bezahlte, es kaufen sollte.
Unglücklicherweise starb der König 14 Tage zu früh, sonst wäre es
geschehen. Aber Byström ist so reich, daß es ihn doch nicht ruinirt.
Meine Reise von Stockholm und Upsala nach Danemora will ich Dir nicht
nochmals erzählen -- wie Holberg's »Geert Westphaler« die seinige
von Hadersleben nach Kiel -- die Zeitungen haben auch schon darüber
berichtet. Nur das muß ich noch hinzufügen, daß das Dampfschiff,
welches uns trug, mit Kanonen salutirte und daß von mehreren der Orte,
an denen wir vorübersegelten, gleichfalls mit Kanonen salutirt und
mit weißen, wehenden Tüchern gegrüßt wurde. In Upsala selbst hatten
wir -- wie billig -- auch einen Besuch von =Aukathor=. Er schlug dem
Verfasser von »Thors Drapa« zu Ehren einige Fenster mit großem Hagel
bei Böttiger ein, wo ich zu Mittag aß. Später, beim Feste, beleuchtete
er durch seine Blitze die Gesichter der Redner und schlug die Pauken,
daß es eine Lust war. Daß er ebenfalls in seinem freundlichen Eifer
einige hundert Scheiben des Orangeriehauses zerschlug, muß man ihm
zu Gute halten, es war Alles im gerechten Eifer, seinen Dichter zu
ehren. Im Upsal-Hügel traf ich ihn nicht an, ich leerte aber zu Ehren
seines Gedächtnisses einen Becher Meth. Auf der Rückreise besuchten wir
=Skogkloster=, ein schönes, altes Schloß, bewohnt vom Grafen =Brahe=,
einem Bruder des Brahe, der König Karl Johann's Augapfel war und aus
Trauer um Diesen starb. Auch hier wurde bei unserer Ankunft mit Kanonen
salutirt, die Gräfin und ihre Kinder standen am Ufer und bewillkommten
uns. Der Graf war nicht zu Hause, kam aber gegen Mittag an; es war
sein Geburtstag. Wir besahen das Schloß, das eine Menge historischer
Merkwürdigkeiten besitzt; besonders hat =Gustav Wrangel= es mit vielem
Raub aus dem dreißigjährigen Kriege bereichert. Doch hat er einen
frommen Sinn und Gottesfurcht mit seinem Raube verknüpft, denn die
Kanzel und die Altartafel in der Kirche hat er den Deutschen abgenommen.
Aber Napoleon's Generale waren nicht besser und lebten doch in einer
humaneren Zeit.
»Man kann des Guten auch zu viel genießen,« und die Wahrheit dieses
Spruches fühlte ich, als ich ungefähr einen ganzen Monat so viel
Ehre und Wohlleben genossen hatte. Deshalb nahmen wir auch Abschied.
Einen alten Bekannten besuchten wir: Herr v. =Brinckmann=, der früher
schwedischer Minister in Berlin gewesen ist. Er lebt jetzt wie ein
Student, inmitten seiner großen Büchersammlung, die er schon der
Universität Upsala vermacht hat. Wir (Beskow, dessen Frau, William
und ich) hatten versprochen, zum Thee zu kommen. Der Theetopf und die
Tassen, einige Teller mit Früchten und Kuchen standen schon da, als wir
ankamen, auf einem Tische ohne Tischtuch. Er selbst war in einen alten
Rock gekleidet, aber die schönen Augen waren voll Feuer, und er redete
mich als einen alten Freund auf Deutsch an (vor 40 Jahren hatten wir
einander in Berlin gesehen). Er fragte uns lustig: »Ists nicht dumm, daß
man bald sterben soll, weil man 83 Jahre alt ist?«
* * * * *
Kopenhagen, Sept. 1847.
Madame =Schröder-Devrient= ist jetzt hier und macht uns durch die
Ueberreste einer ausgezeichneten Größe staunen. Ich besitze doch sonst
ein wenig Phantasie, aber es kostet mir viel, mir das Alte jung, das
Abgeblühte schön, das Sündhafte unschuldig, ein Frauenzimmer als Mann
und Deutsch als Dänisch vorzustellen (unsere Sänger sangen nämlich
dänisch, die Schröder-Devrient deutsch). Doch in der Norma erstaunte
ich im zweiten und dritten Akt über ihr vorzügliches Spiel. Sie ist den
Jüngeren ein gutes Vorbild.
* * * * *
[Sidenote: Literarische Neuigkeiten.]
Kopenhagen, den 13. Jan. 1848.
Kiartan und Gudrun ist noch nicht vom Stapel gelaufen. Es waren
verschiedene andere Sachen, die Anciennetät hatten, wie z. B.
»Zauberei.« Dieses Stück soll von einem sehr tüchtigen juristischen
Beamten geschrieben sein. Der Zauber ist deshalb vom juridischen
Standpunkte, mit langwierigen Untersuchungen, Proceß und Richterspruch
geschrieben, aber der poetische Zauber fehlt. Deshalb wohl wurde am
ersten Abend geflötet. Später wurde das Stück ebenso übertrieben in den
Zeitungen gelobt, und jetzt geht es seinen ruhigen Gang; das Gezänk hat
dem Verleger eine nochmalige Auflage verschafft.
Von literarischen Neuigkeiten haben wir mehre erhalten. Das Beste ist
ohne Zweifel =Bournonville's= »Mein Theater-Leben.« Dieses Buch ist
wirklich ein geniales Product, und vieles darin ist höchst interessant.
Seine Schilderungen anderer Künstler, als: Frydendahl, Ryge, Talma,
Demoiselle Mars, Friedr. Lemaitre u. s. w. sind ganz vorzüglich. Die
Art und Weise, wie er seine Kunst bespricht, macht Vergnügen und ist
belehrend. Die kleinen Poesien, die er als Anhang gegeben hat, sind
gleichfalls hübsch.
=Velhaven= ist diesen Winter hier. Er ist ein Mann von vielem Geist
und Feuer, er disputirt mit Talent und Beredtheit, -- seine Poesien,
elegische Betrachtungen des norwegischen Stilllebens sind oft anmuthig,
aber zu monoton und zu wenig original.
Ich habe in dieser Zelt aufs Neue meinen Amleth ins Deutsche übertragen.
Erst hatte ich ihn wie die dänische Tragödie in Trimetern geschrieben,
ich bemerkte aber, daß er dadurch etwas Steifes und Gezwungenes erhalten
und schrieb ihn jetzt in fünffüßigen Jamben um. Das ist so zu sagen zu
meinem Privatvergnügen. Die Deutschen kümmern sich für den Augenblick
nicht um unsere Literatur. Ich konnte in Deutschland (viel habe ich
allerdings auch nicht darum sollicitirt) keinen Verleger finden;
Dahl in Christiania verlegt die letzte Sammlung meiner ins Deutsche
übersetzten Werke, wofür er natürlich nur ein geringes Honorar zahlen
kann. Aber es amüsirt mich, und wenn auch kein einziger Deutscher lesen
würde, was ich schreibe. Es wird schon eine bessere Zeit kommen. Auch
Kiartan und Gudrun übersetze ich jetzt. Ein wenig Schriftstellerei muß
ich als Morgenbeschäftigung treiben; immer lesen kann ich doch nicht.
Zum Frühjahr, wenn wieder etwas belebende Wärme in die Luft kommt, und
ich nach Frederiksberg ziehe, nehme ich wieder meine Lebens-Erinnerungen
vor.
* * * * *
[Sidenote: Tod Christian's VIII.]
Den 22. Januar 1848.
Die Trauer, die das Land und mich durch den Tod des Königs getroffen,
kennst Du bereits. Ich will nicht von dem Uebrigen reden, aber er war in
46 Jahren einer meiner aufmerksamsten und theilnehmendsten Zuhörer!
»Er gab mir Garten und Haus, Neigung, Muße, Vertrauen,
Niemand brauch' ich zu danken als ihm, und Manches bedurft' ich,
Der ich mich auf den Erwerb, schlecht als ein Dichter verstand.«
An seinem letzten Geburtstage war ich der Einzige, dem er seine
königliche Gunst bezeigte[3]. An seinem letzten gesunden Lebenstag
traf es sich so schön, daß ich ihn besuchte und ihm ein frohes Neujahr
wünschte.
[3] Der Dichter wurde zum Conferenzrath ernannt.
Er war nicht makellos -- selbst die Sonne hat ihre Flecken -- aber nach
seinem Tode wird man ihm schon Recht widerfahren lassen. Friede sei mit
ihm!
»O freundliches Grab! Wie so friedlich bist du,
Dein schweigendes Dunkel birgt heilige Ruh'.«
Vor drei Nächten hatte er die letzte schlaflose Nacht. Jetzt schläft er
mit Hrolf Krake -- und Alfred -- und Hakon Adelstan!
* * * * *
Den 24. Januar 1848.
Das Oberhofmarschallamt hat mir antragen lassen, die Trauer-Cantate zu
schreiben -- ich =habe= sie bereits geschrieben. Sie geht vom Herzen und
ich hoffe auch, sie wird zum Herzen gehen. Kapellmeister =Gläser= wird
sie in Musik setzen.
* * * * *
[Sidenote: »Schleswig-Holsteinische« Unruhen.]
Den 27. März 1848.
Hier im Lande traf uns der Tod Christian's VIII. und wir fühlen
jetzt fast Alle, was wir an ihm verloren haben, wenn auch das
Vaterland in froher Hoffnung auf Frederik VII. blickt. Wie es mit
»Schleswig-Holstein« werden wird, davon hat noch kein Mensch eine
Ahnung, so verwickelt und unglücklich sind die Zustände. Durch die
französischen Ereignisse werden sie wohl noch verwickelter werden. Daß
in Frankreich in kurzer Zeit Unruhen ausbrechen würden, dazu waren
die Zeichen bereits vor zwei Jahren da, als ich Paris besuchte. Alle
bewunderten das Genie Ludwig Philipps; man räumte ihm auch persönliche
Liebenswürdigkeit ein -- man fand es natürlich, daß er mich für sich
einnahm, aber man haßte fast überall seine Politik. Durch die totale
Verwirrung und Ausleerung der Finanzen, durch die Bestechungen, die
geduldet wurden, durch den ungesetzlichen Gebrauch der Macht erhielten
ja die Franzosen das Recht Aufruhr zu machen. Ich hatte gerade den
achten Band von =Lamartine's= »Girondisten« beendigt, als die Revolution
ausbrach. Ich hatte ihn aus diesem vorzüglichen Werke kennen lernen,
und es freute mich zu erfahren, daß er und der herrliche =Arago= (ein
eiserner Character) sich unter den Anführern befand. Aber ich hätte
doch lieber gewünscht, daß sie, unter größerer Beschränkung als bisher,
den kleinen Grafen von Paris zum Präsidenten ihrer Republik gewählt und
ihm den Königstitel gelassen hätten. Ich fürchte, die große europäische
Republik wird sich nicht halten können. Ueberhaupt hat die Königsmacht
in vielen Richtungen etwas Schönes und Gutes, was bedeutende Männer
und Talente lieben müssen. Die republikanische Gleichheit geht leicht
zu weit, sodaß es zuletzt keinen Unterschied zwischen Verdienst und
Nichtverdienste giebt, weil der Neid einen zu großen Spielraum erhält.
Lamartine's Manifest hat auch seine schwachen Seiten, welche die
englischen Blätter mit Recht hervorgehoben haben. Hier in Kopenhagen
lächeln gewisse hohe Beamte über die französische Zusage den »Arbeitern
Arbeit zu verschaffen,« was sie für eine Unmöglichkeit halten; mir
scheint es aber, daß wenn die Menschen arbeiten =können= und arbeiten
=wollen=, und ohne Arbeit nicht =leben= können und dessenungeachtet
keine Arbeit =erhalten= können, so haben die staatlichen Einrichtungen
sie zu legitimen Räubern und Aufrührern gemacht.
* * * * *
[Sidenote: Die Pariser Revolution.]
Wir haben hier zwei Theater-Neuigkeiten: Hertz's »Ninon« und »Ein
Sonntag auf Amak.« »Ninon« behagte mir nicht, und ich glaube, es geht
Vielen wie mir. Das Stück hat viele schöne Denksprüche und lyrische
Stellen, aber Ninon ist ein deutscher metaphysischer Professor, anstatt
eine liebenswürdige Französin. Die Liebe des Sohnes ist fatal. Als
er entdeckt, daß es seine Mutter ist, die er liebt, schießt er sich
eine Kugel durch den Kopf! Wie viel Gelegenheit wäre hier nicht,
die Läuterung und den Uebergang der erotischen Liebe zur kindlichen
Liebe zu zeigen. Daß das Gegentheil =geschichtlich= ist, giebt keine
Entschuldigung ab. Es geschieht soviel Dummes in der Welt, das
darzustellen unter der Würde der Poesie ist. »Der Sonntag auf Amak«
ist ein hübsches kleines Stück mit schönen herzergreifenden Melodien
-- original und national. Frau =Heiberg= ist ein unvergleichliches
Amak-Mädchen. Das Ganze ist übrigens eine niedliche Bagatelle -- und
mit Frau Heiberg steht und fällt das Stück. Hertz hat später einen
»Federigo«, ein Singspiel geschrieben; Musik von Rung. Es ist wieder
eine Art Don Juan oder Robert der Teufel. Hier ist auch ein Teufel, er
besitzt aber den einzigen Fehler, den ein Teufel nicht besitzen darf: er
ist =langweilig=.
Aber in diesen Tagen sind freilich Alle so auf die Antwort aus Holstein
gespannt, daß wir für nichts Anderes Sinn haben. Ich hoffe, die guten
Leute werden in sich gehen und billige, vortheilhafte edle Bedingungen
annehmen -- sonst geht es schief.
* * * * *
[Sidenote: Literatur.]
Frederiksberg, den 28. Mai 1848.
Verzeihe mir, daß ich die Beantwortung Deines Briefes einige Tage
aufgeschoben habe! Was in vielen Jahren der Grund war, daß ich meinen
Freunden keine Briefe schrieb, und dadurch manch' schönes Verhältniß
schwächte und abkühlte, welches ich später tief vermißte -- macht
mich in dieser Richtung auch nachlässig gegen meine Kinder. Aber ich
kann Dich damit trösten (wenn das ein Trost ist), daß dieser Grund
bald aufhören wird, und daß ich in meinen letzten Jahren ein besserer
Briefschreiber werde. Wenn ich nämlich nicht mehr dichte, und einige
Vormittagsstunden mit diesem Schreiben zubringe, werde ich mehr Luft zum
Briefschreiben bekommen. Nun weiß ich zwar, daß Du gegen diesen Grund
protestiren wirst, und ich verschwöre es auch nicht, zu dichten, aber
ich glaube doch nicht, daß es viel mehr geben wird. Dies ist nun gar
nicht, weil ich meine dichterische Kraft abnehmen spüre, dieselbe ist
ebenso frisch und kräftig, wie sie immer gewesen, aber weil ich fühle,
daß »ein Mensch nur ein Mensch ist,« und daß selbst der beste Dichter
nicht mehr ist. Aus meinem eignen Wesen, meiner eigenen Individualität
vermag ich nicht herauszugehen; ich kann zwar das verschiedenste
Objective mit derselben verbinden, und das habe ich auch gethan, aber
das Verschiedenartigste muß doch mit demselben Auge gesehen, mit
demselben Herzen gefühlt, mit demselben Talente dargestellt und mit
demselben Verstande aufgefaßt werden.
[Sidenote: Lebens-Erinnerungen.]
Und wenn man nun fast in einem halben Jahrhundert sich mit Werken
beschäftigt hat, die den Fähigkeiten eines solchen Menschen entsprungen
sind, so langweilt ein solcher Mensch zuletzt, und man bittet ihn, in
einer höflichen Weise, zu schweigen, und er bittet sich selbst darum;
denn er würde sich über fernere Variationen, wenn auch nicht über
dasselbe Thema, so doch von demselben Geiste aufgefaßt -- und wären
sie noch so verschieden -- langweilen. Es verschafft ihm dann mehr
Vergnügen, Andere zu lesen, und es wird mich recht freuen, auf meine
alten Tage zu lesen und zu studiren.
Aber ein Werk fehlt doch noch, und das soll auch, so Gott will,
vollendet werden; ich meine den Schlüssel zum Ganzen, eine echt
objective Darstellung der eigenen Subjectivität des Verfassers: Sein
Leben und seine Ansichten. -- --
Gestern vollendete ich die deutsche Uebersetzung von Kiartan und Gudrun.
Ungeachtet meines jetzigen =politischen= Hasses gegen die Deutschen,
verspüre ich doch Lust, diese Tragödie der deutschen Ausgabe meiner
Werke einzureihen. Es wird schon die Zeit kommen, wo diese und mehrere
meiner Werke in Deutschland mehr Anerkennung finden werden.
* * * * *
Soröe, den 7. Aug. 1848.
-- -- Unter andern habe ich auch deshalb die Beantwortung Deines Briefes
aufgeschoben, weil ich mich mit einem neuen, ziemlich großen Gedichte
beschäftigt habe, das jetzt vollendet ist. Es ist weder mehr noch
weniger als eine _Ars poëtica_, ein Gedicht über die Dichtkunst, worin
ich Alles ausgesprochen, was ich über die Dichtkunst während der fast 40
Jahre gedacht habe, in denen ich Lehrer an der Universität gewesen bin.
Aber es wird erst einmal zum Neujahr gedruckt werden, wenn wir Frieden
erhalten und die Aufmerksamkeit sich wieder auf solche Dinge richten
wird. Wie es gehen wird, wissen wir für den Augenblick Alle nicht.
Die Dänen brennen zwar vor Begierde, sich an dem deutschen Uebermuthe
zu rächen, aber das kleine Dänemark kann nicht mit ganz Deutschland
kämpfen. Doch frischen Muth! Wir wollen das Beste hoffen! Nichts hasse
ich nächst Zagen so sehr als Klagen. Gott wird schon helfen!
* * * * *
[Sidenote: Die Dichtkunst. Regnar Lodbrok.]
Frederiksberg, den 30. Sept. 1848.
Um die Grillen zu verjagen, und weil es so lange mit dem Zustandekommen
des Waffenstillstandes währt, schreibe ich unterdessen ein Heldengedicht
»=Regnar Lodbrok=« in zwölf Gesängen, von welchen zehn und ein halber
fast beendet sind. Von frühern Werken hat es am meisten Aehnlichkeit mit
»Helge« d. h. in Form und im Ton: denn die Charactere, die Handlung und
die Ereignisse sind sehr verschieden.
Ja, du lieber Gott, was soll ich machen? -- In Regnar Lodbrok tröstete
es mich, inmitten dieser Zeit politischer Kleinlichkeit, Thorheit und
Kannegießerei mich in eine kräftige, barbarische Zeit zu vertiefen, wo
es doch Männer gab, die da wußten, was sie wollten, und es verachteten,
durch affectirtes Geschwätz besser zu erscheinen als sie waren. -- --
Daß ich begreiflicherweise, um ein altes Gleichniß zu gebrauchen, diese
rohe Wallnuß des Heidenthums in den Zucker der Humanität eingemacht und
dazu die Kochkunst der Poesie benutzt habe, versteht sich von selbst.
Daß diese Nuß weder zu bitter, noch zu wässerig, noch zu süße schmecken
möge, ist mein eifrigster Wunsch, und wenn ich der nicht geringen Zahl
von gebildeten Zuhörern, welche sie schon kennen, trauen darf, so habe
ich das rechte Maaß getroffen.
[Sidenote: Mozart's Don Juan.]
-- -- Gestern Abend saß ich wieder einmal im Theater und hörte
Mozart's herrlichen Don Juan, den ich nie zu oft hören kann. Von allen
Kunstwerken, hätte ich beinahe gesagt, ist mir Don Juan das liebste,
und überhaupt Mozart's Musik im Figaro und in der Zauberflöte. Man
vermißt nichts. Da ist gar nichts auszusetzen. Es ist nicht wie ein
Menschenwerk, sondern, wenn ich so sagen darf, ein Naturproduct in
der Kunst, wie von Gott selbst geschaffen. Von allen großen Männern,
die Deutschland aufzuweisen hat, muß es am stolzesten auf seinen
Mozart sein, denn in allen andern Richtungen besitzen auch andere
Nationen Männer, die mit den seinigen zu vergleichen sind; aber einen
Mozart besitzen sie nicht. Rossini ist ein großes Genie, das ihm in
Melodien-Reichthum und lieblicher Kraft nicht nachsteht -- aber wie weit
erhebt sich nicht Mozart über ihn in Höhe, in Tiefe, in Wahrheit, in
Gefühl und Anmuth!
* * * * *
[Sidenote: Hauch. Paludan-Müller.]
Kopenhagen, den 21. Januar 1849.
Wir sind um diese Weihnachtszeit mit mehren neuen Dichterwerken
beschenkt worden. =Hauch= hat sich tief in das Altnordische einstudirt
und einen »=Thorwald Widförle=« geschrieben. Das Werk hat einige sehr
schöne Partien, aber es fehlt ihm im Ganzen die Selbsterfindung; der
alte Ton ist mitunter etwas affectirt und das Ganze hat in meinen Augen
mehr von einem geistreichen Studium, als von einer originalen Dichtung.
=Paludan-Müller= hat ein sehr merkwürdiges Gedicht: =Adam Homo=
geschrieben. Es ist eine große gereimte Alltagsgeschichte, gespickt mit
subtilen philosophischen Reflexionen in sehr fließenden Versen. Es hat
mir Freude gemacht, dieses Buch zu lesen, es hat viele amüsante, gut
gezeichnete Genrebilder aufzuweisen. Eine Situation, wo die verlassene
Geliebte am Todeslager des Helden, ihm unbekannt, als Krankenwärterin
dient, ist schön und rührend. Aber der Geschmack hat viel einzuwenden;
diese Reim-Chronik ist gar zu weitläufig, prolix (wie Göthe sagte). Der
Held ist ein Alltagsmensch, sogar etwas schlingelhaft, und steht doch
als Repräsentant der Menschheit da. Die philosophischen Abhandlungen,
denen Paludan-Müller verfallen ist, brüsten sich zu sehr und sprechen,
wenn auch oft die Wahrheit, nichts weiter aus, als was früher kürzer und
viel klarer gesagt worden. Ein Heft Gedichte der Heldin, das man nach
ihrem Tode findet, verwischte ganz das holde Bild von ihr, und enthält
weiter nichts als Paludan-Müllersche Subtilitäten. Dessenungeachtet
verdient das Buch in vielen Stücken Beifall und Lob.
Du hast wohl =Kiartan und Gudrun= gelesen; das Stück wurde gut gespielt
und machte viel Glück. Auch =Regnar Lodbrok= und die =Dichtkunst= haben
gefallen. Man wundert sich, daß ich noch in meinen alten Jahren etwas
schreiben kann, das Saft und Kraft besitzt. Aber jetzt müssen wir auch
bald aufhören, nicht weil die innere Kraft fehlt, sondern weil der Stoff
erschöpft ist; ich finde keine Sujets mehr in meiner Geistesrichtung.
Schilderungen der Gegenwart kann ich nicht liefern, ich kenne sie nicht;
und wer kennt sie recht? Kaum der liebe Gott kennt sie, und sie selbst
kennt sich gar nicht.
Einen täglichen Umgangs-Freund, den ich verloren habe, vermisse ich doch
gerade nicht sehr, ich meine Dr. =Christiani=. Denn obgleich Christiani
witzig, fröhlich und ein vorzüglicher Gesellschafter ist, selbst große
poetische Bildung besitzt und Göthe und Heine auswendig kann, auch
mich persönlich liebt, so ist er doch weder recht dänisch, noch recht
deutsch; Begeisterung fehlt ihm, er ist vielmehr blasirt, lebt immer in
der Reflexion und muß Alles, was er sich aneignen will, in Hegel'sche
Philosophie übersetzen -- und die Rolle, die er hier spielte, wollte mir
nicht munden. Er trug den Mantel zu sehr auf beiden Schultern, spielte
mit zwei Schildern. Niemand kann zwei Herren dienen. Die Folge seiner
subtilen Politik wurde die, daß weder Dänen noch Deutsche ihn mochten.
Das Persönlichfreundliche und Talentvolle schätze ich noch bei ihm nach
Verdienst.
* * * * *
[Sidenote: Politische Verhältnisse.]
Kopenhagen, den 24. März 1849.
Ich würde früher geschrieben haben, wenn ich nicht den Ausbruch des
Krieges oder den Friedensschluß hätte abwarten wollen. Jetzt ist es
doch zu einem achttägigen Waffenstillstand gekommen, der Einigen nicht
behagt; die meisten Vernünftigen glauben doch, daß er gute Folgen haben
wird, und daß er wenigstens die theuern Menschenleben während der
Friedensunterhandlungen schont.
Ueber das politische Wesen ist es noch nicht möglich, ein Urtheil zu
fällen. Auf dem Reichstage geht es schläfrig und langsam. Ich bin noch
nie dagewesen. Gebe Gott, sie kämen so weit, das Wahlrecht ein wenig
zu beschränken, sonst werden wir in den Schlamm hinabgezogen; doch
ist noch Hoffnung vorhanden, denn der Kern des Reichstags besteht aus
vernünftigen, tüchtigen Leuten.
Meine Tragödie =Königin Margarethe= ist wieder sehr gut gespielt worden.
Mad. =Nielsen= und Herr =Nielsen= waren vorzüglich. Mad. =Winslöv=
glücklich, und Mad. =Holst= spielte ihre Ingeborg anmuthig und rührend,
wenn sie auch seit der Zeit, wo das Stück zuletzt aufgeführt wurde (14
Jahre) sehr gut eine Tochter hätte haben können, die mit Rücksicht auf
das Alter für die Rolle besser gepaßt hätte.
Vor einigen Tagen war ein Deutscher, Dr. =Leo=, bei mir, Redacteur des
Nordischen Telegraphen. Er erzählte mir, daß die dänische Literatur
durchaus nicht in Deutschland verschmäht sei, daß es im Gegentheil
scheine, als hätten die letzten kriegerischen Begebenheiten Vielen die
Augen geöffnet.
=Frederike Bremer= ist hier diesen Winter; sie ist eine gute fromme
Seele.
* * * * *
[Sidenote: Die Lebens-Erinnerungen.]
Frederiksberg, den 17. Juli. 1849.
-- -- Ich sitze jetzt wieder hier und schreibe an meinen
»Lebens-Erinnerungen«, die ich schon im Sommer 1838 begann, als wir auf
dem Frederiksberger Schlosse in den Zimmern wohnten, die jetzt =Hauch=
bewohnt. Es verstrichen seitdem viele Jahre, und mein »Leben« blieb
liegen (d. h. die Beschreibung) -- jetzt habe ich es wieder vorgenommen.
Denn wenn ich ganz zu schreiben aufhörte, so würde ich unfehlbar darüber
hinsterben, wenn ich auch noch so lange lebte. Wenn ich nun auch die
letzte Hälfte nur fragmentarisch behandeln werde, so giebt es doch
Vieles, das ich etwas genauer erzählen und beschreiben möchte. Ich
bin bis an die Baggesen'sche Periode und die zweite Reise ins Ausland
gelangt.
* * * * *
=Schlußwort=.
Die Ausführung der oben ausgesprochenen Absicht, die letzte Hand an
seine Lebens-Erinnerungen zu legen, sollte, wie die Leser bereits
wissen, dem Dichter nicht vergönnt sein. Es bleibt nur übrig, seiner
letzten Tage mit wenigen Worten zu gedenken.
* * * * *
[Sidenote: Letzte Tage Oehlenschlägers.]
Am 14. Nov. 1849 vollendete Oehlenschläger sein 70. Jahr. Um diesen Tag
zu feiern, hatten die edelsten und hervorragendsten Männer seines Volkes
ein großes allgemeines Fest in den Räumen der königlichen Schützen-Gilde
zu Kopenhagen veranstaltet. Dichter und Künstler, Gelehrte und schlichte
Bürger empfingen ihn hier, wo ihm ein erhabener, geschmückter Platz
zwischen den Büsten von =Holberg= und =Ewald= bereitet war; Reden und
festliche Gesänge, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen, liehen
den Gefühlen der Nation das Wort, und auch Schweden und Norwegen waren
bei diesem Feste durch den schwedisch-norwegischen Minister-Resident
in Kopenhagen vertreten, der ein Hoch auf den »Dichter-Fürst des
Nordens« ausbrachte, während die Frauen, die stillen Pflegerinnen
nationaler Tugenden, durch =Grundtvig's= Hand und Mund dem Dichter einen
Lorbeerkranz überreichten.
Nach dem ersten allgemeinen Hoch auf den Jubilar, das mit einer
Begeisterung aufgenommen, die den Gefühlen der Versammlung und den
unverwelklichen Verdiensten des Dichters entsprach, erhob sich derselbe,
und in einem längern Gedichte, so jugendfrisch und voll männlicher
Kraft, wie die Sprache seiner Muße immer war, brachte er seinen
tiefgefühltesten Dank dar.
In einer der Strophen dieses Gedichtes heißt es:
Ihr ehrt mich hoch! -- Obgleich das End' nicht fern,
Ist doch der Greis noch nicht erschöpft gesunken.
Ich trink' mit Euch, und leer' den Becher gern,
Denn nicht mein Todesfest wird hier getrunken.
Noch hab' ich nicht die Lebenskraft verloren.
Nur wen'ge Häuser fern bin ich geboren;
Doch eine schöne Baum-Allee von dort,
Führt, will es Gott, zum letzten Ruheort.
Kaum ahnte es damals Jemand, daß zwei Monate später das Trauerlied
über den Sarg des Dichters dort ertönen sollte, wo seine Wiege
einst gestanden, in der Nähe jener Hallen, wo den noch kräftigen,
lebensfrischen Greis kürzlich die Jubeltöne und die Huldigung dreier
Brüder-Völker umrauschten. Zwar hatte er in jenem Gedicht auf den
naheliegenden Friedhof gedeutet, aber er tröstete sich und Andere damit,
daß eine »schöne Baum-Allee«, dorthin führte. Prangte auch diese, als
man seinen Sarg durch dieselbe trug, noch nicht mit blühenden Bäumen
und grünem Laube, so bildeten, wie ein Dichter in seinen Nachrufe sagt,
dänische Männer und Frauen, trauernd um den Hingang ihres liebsten und
größten Dichters, eine noch schönere Allee dahin.
Seines gesunden, blühenden Aussehens ungeachtet hatte er seit längerer
Zeit einen beschwerlichen, schwankenden Gang gehabt. Er litt an
Steifheit und Mangel an Kraft in den Knien, ein Uebelstand, der sich
doch immer nach den fast jährlichen kleinen Anfällen von Podagra
verringerte, welche nur in den letztern Jahren seltener kamen. Dies
hinderte ihn, der Bewegung zu genießen, deren seine starke corpulente
Constitution bedurfte, und er, der früher Sommer und Winter, in gutem
und schlechtem Wetter, bei Sonnenschein und bei Regen, täglich nach
Frederiksberg spazierte, begnügte sich jetzt, eine Viertelstunde in den
Bogengängen des Christiansburger Schlosses sich zu ergehen, oder gar
mitunter, wenn ihm das Wetter zu schlecht war, mit einer bestimmten
Anzahl Gänge durch seine Zimmer. Auch seinen frühern allabendlichen
Besuch im Schauspielhause stellte er manchmal in den letzten Jahren
ein, und zog dann vor, eine Partie L'hombre zu spielen. Sonderbar
genug, fand er, der bis zu seinem vierzigsten Jahre immer Unwillen gegen
Kartenspiel hegte, nun ein großes Vergnügen am L'hombrespiel, und wenn
er den Tag über gedichtet und gelesen hatte, suchte er des Abends seine
angenehmste Erholung am Spieltische mit einigen guten Freunden, oft nur
mit seinen Kindern. Ungeachtet dieser zunehmenden Gemächlichkeit, die
seinem übrigen Naturell so wenig glich, mitunter seine nächste Umgebung
ängstigte, vermochte man doch keine bedenkliche Wirkung derselben zu
spüren. Zwar zeigte er sich im Sommer 1849, wenn er des Vormittags in
seinem Lehnstuhle, ein Buch in der Hand, saß, zum leichten Schlummer
geneigt, aber wenn man zu ihm eintrat, war er immer wieder lebhaft wie
sonst, und zum Scherz wie Ernst aufgelegt; er las wie früher laut vor,
und sein Antlitz trug immer das Gepräge der Gesundheit und Kraft. Erst
in den letzten Tagen des Novembers fühlte er Unwohlsein, Uebelkeit und
Mattigkeit, und die gelbe Gesichtsfarbe ließ die Vermuthung zu, daß die
Gelbsucht ihn zum dritten Male in seinem Leben angreifen würde. Nach
ungefähr drei Wochen verschwand die gelbe Farbe, die Kräfte kehrten
zurück und ihm wurde so wohl, daß er am 21. Dec. A. S. =Oersted's=
Geburtstag in dem Freundeskreise zu feiern vermochte, den der Bruder
H. C. Oersted an diesem Tage zu versammeln pflegte. Am 23. Dec. wohnte
er zum letzten Male einem Familienfeste bei, und am Weihnachtsabend
hatte er die Familie um sich in seiner Wohnung versammelt. Aber am
folgenden Tage zeigten sich wieder Symptome, gleichsam wie von Gelbsucht
und sein Zustand wurde wieder der frühere. Er hielt sich doch längere
Zeit aufrecht, bis er von Mangel an Appetit und Verdauung ermattete.
Dies mußte sowohl ihn selbst wie seine Umgebung beunruhigen, und
er sprach öfterer die Ueberzeugung aus, daß er die Krankheit nicht
überstände. Am 4. Januar 1850 schrieb er an seine Tochter, um dieser
und ihren Angehörigen ein fröhliches Neujahr zu wünschen, und sie
über seine Krankheit zu beruhigen. Aber nur wenige Zeilen vermochte
er zu schreiben, die Vollendung des Briefes überließ er seiner
Schwiegertochter.
An den Tagen, wo er sich besser fühlte, ließ er sich von seinen Kindern
und seiner Schwiegertochter ganze Capitel aus Göthe's »Wilhelm Meister«
vorlesen, und dieselbe Begeisterung und Liebe, die er sein ganzes Leben
hindurch für den großen Dichter gefühlt hatte, sprach er noch auf dem
Krankenlager wenige Tage vor seinem Tode aus. Selbst las er mitunter
in einem dänischen Volksbuche: »Malling's große und gute Thaten«, das
namentlich kurze Biographien dänischer und norwegischer verdienter
Männer und Frauen enthält. -- In den letzten acht Tagen nahm die
Krankheit einen gefährlichern Character an, und da alle Mittel ohne
Wirkung blieben, mußte man auf das Schlimmste vorbereitet sein. Am 19.
Januar erwachte wieder eine schwache Hoffnung, aber die Symptome, die
sich am Sonntag Morgen den 20. zeigten, verkündigten, daß es nicht
Gelbsucht, sondern ein Geschwür in der Leber selbst sei, an welchem er
litt. Als die Aerzte (sein alter College, Conferenzrath O. Bang, und
sein Hausarzt, Dr. Hansen) des Vormittags in einem Nebenzimmer über
seine Krankheit conferirten, fragte er seinen ältesten Sohn, was wohl
die Aerzte über sein Befinden äußerten, und als dieser ihm antwortete:
»Du darfst nichts fürchten!« unterbrach er ihn gleich und sagte mit
Wärme: »Lieber Sohn, glaubst Du, ich fürchte den Tod; nein, nicht im
entferntesten!« Nach einem kurzen Augenblick fügte er hinzu: »Was ist
das Ganze -- ein Hauch nur -- und dann ist es vorüber!« -- Als Bang am
Nachmittage desselben Tages sich entfernen wollte, rief er ihn zurück,
blickte ihm freundlich ins Auge, drückte seine Hand und sagte: »Habe
Dank für gute Kameradschaft!« -- Um 8 Uhr des Abends fühlte er schon die
Hand des Todes und verlangte ein Kissen, das ihm seine Tochter Maria
gestickt hatte, unter sein Kopfkissen gelegt. Dann und wann schlummerte
er. Wenn er erwachte blickte er oft nach der Uhr, die neben seinem Bette
hing, und fragte mehre Male, ob die Uhr bald zehn sei. Zwischen neun
und zehn Uhr rief er seinen ältesten Sohn zu sich und sagte ihm: »Du
sollst das Manuscript meiner Lebens-Erinnerungen vollenden. Zu meiner
Trauer-Feier im Theater will ich, daß mein =Sokrates= aufgeführt werden
soll, aber die Scene in den Propyläen muß ausgelassen werden. Und jetzt
lies mir die Stelle aus der Scene im 5. Akt zwischen Sokrates und Kebes
vor, wo Sokrates vom Tode spricht, sie ist so =unaussprechlich schön=!«
Diese letzten Worte sprach er mit einem innigen, warmen Gefühl. Die
Replik lautet:
Wie kann der milde Tod Dich so betrüben?
Er kann ja doch von Zweien Eins nur sein,
Entweder =Etwas=, Kebes, oder =Nichts=!
Raubt' er nur das Bewußtsein, das Gefühl,
Wär' er ein Schlaf, worin der Schlafende
Selbst nicht vom kleinsten Traum geängstigt würde,
Dann wär' er schon unschätzbarer Gewinn.
Denn sicher, glaub' ich, wollte Jedermann,
Mit solcher ruh'gen Nacht die Nächte, Tage
Vergleichen, die er hier im ird'schen Leben
In Pein und Kummer zugebracht:
Dann wählt er lieber jene sel'ge Ruh'.
Doch wenn der Tod nicht das Bewußtsein tödtet,
Ist er Verwandlung, eine Seelenwanderung
Und Reise nach dem bessern Ort, wo wir
Die lieben Theuern alle wiederfinden; --
Denk', welche Freude das dann werden muß,
Mit Göttern dort zu leben und zu reden,
Mit Hesiod, mit Orpheus, mit Homer
Und allen Großen, die vor uns gewesen!
[Sidenote: Tod Oehlenschlägers.]
Er hörte diesen Worten mit der größten Bewegtheit zu und blickte
dabei mit einem seligen Lächeln vor sich hin. Als die Replik aus war,
unterbrach er selbst das Vorlesen und nahm Abschied von seinen Söhnen,
seiner Schwiegertochter und ihrer Schwester, die mit den Dienern seines
Hauses um sein Lager standen, bis er seinen letzten Seufzer aushauchte.
Nach einem kurzen und leichten Todeskampf, unter welchem seine Blicke
abwechselnd auf der Uhr und auf seinen Kindern ruhten, verschied er mit
dem Schlage elf, ruhig, ohne Schmerzen und bis zum letzten Augenblicke
im Besitz seiner vollen Geisteskraft.
* * * * *
=Inhalts-Uebersicht.=
=Erster Band.=
Oehlenschläger's Vorältern 4-9. Sein Vater 9. Geburt 11. Erste
Kindheits-Erinnerungen 12-46. Schulgang in Kopenhagen 47-88. Er soll
Kaufmann werden, entscheidet sich aber für den gelehrten Stand 89-90.
Erste Liebe 92. Neigung für das Theater 93-99. Theater-Verhältnisse in
Dänemark 99-109. Bekanntschaften 109-115. Vorbereitungen zu dem _Examen
artium_ 115. Eintritt in das Schauspielerleben 116-146. Bekanntschaft
mit den Gebrüdern Oersted 146-149. Abschied vom Schauspielerleben,
Wiederanfang der Studien 150-152. Er lernt Schiller's und Göthe's Werke
kennen 153-160. Tod seiner Mutter 160-162. Rahbek's Haus, Verlobung
mit Christiane Heger 162-166. Beantwortung einer Preisfrage 167-168.
Baggesen's Abreise 169-172. Die Schlacht am 2. April 1801 172-176.
Briefwechsel mit Baggesen 176-179. Militairische Uebungen 179-184.
Privattheater 184-186. Bekanntschaft mit den Gebrüdern Mynster und
Bentzon, geselliges Leben, Pram, Weyse, Arndt, Frau Koren. Bull 186-204.
Erstes Zusammentreffen mit Steffens 204-213. Polemik mit Baggesen,
Rahbek und seine Frau 222-227. Literarische Wirksamkeit 228-233. Caspar
Bartholin 233-237. Zusammenleben mit Steffens 237-245. Ein Symposion
245-248. Bekanntschaft mit Schimmelmanns und Bruns 249-252. Er erhält
ein Reise-Stipendium 253.
=Zweiter Band.=
Erste Reise in Deutschland: Briefe in die Heimath und aus derselben.
5-9. Halle, Reichardts 9-11. Erstes Zusammentreffen mit Göthe
12-13. Briefe 13-20. Lafontaine 20. Schleiermacher 22. Deutsche
schriftstellerische Versuche 24. Hakon Jarl 25-41. Berlin 43. Fichte
44-49. Himmel 50. Weimar 54. Wieland, Herder, Frau Schiller, Göthe, die
weimar'sche Fürstenfamilie 54-62. Jena, Frommann, Göthe, Hegel 63-66.
Gedicht an Charlotte Schiller 66-72. Dresden 73. Bröndsted, Koës, Münter
73-78. Die Bildergalerie 79-84. Sächsische Schweiz 87-89. Weimar,
Schlacht bei Jena 92-100. Gotha, Frankfurt a. M. 101-102. Paris 103-113.
Ueber die Tragödie 113-125. Die französischen Dramatiker 127-130.
Malte-Brun 130-134. Die Schlegel 134-136. Umgang in Paris 137-140. Das
Bombardement Kopenhagens 140-144. Baggesen 145-160. Straßburg 163-164.
Stuttgart 165. Die Schweiz 167-171. Aufenthalt in Coppet 172-184.
Savoyen 185-188. Mailand 189-196. Parma 196. Bologna 198. Florenz 200.
Rom 207. Thorwaldsen 208-210. Frederike Brun 210-211. Lebensgefahr 213.
Grotta Ferrata 215-218. Albano 218. Abschied von Rom 222. Pisa, Livorno,
Florenz, Mailand, Simplon 223-228. Heidelberg, Weimar, Göthe 228-234.
=Dritter Band.=
Heimkehr 5. Professur 6-8. Gesellige Kreise 9-18. Dramatische
Wirksamkeit 18-30. Trauung 31. Schimmelmann 33-36. Tragödien 36-39.
Brandis 39-43. Neue Umgangskreise 44-46. Theater 46-51. Rückblick auf
die erste Dichterperiode 52-77. Baggesen's Angriffe 77-81. Napoleon's
Fall 82-88. Gräfin Mynster 89-90. Königskrönung 91-94. Der Dichter
frühere Geltung 94-98. Theater-Verhältnisse 100-104. Zweite Reise ins
Ausland 104. Auszug aus den Reisebriefen: Hamburg 106-111. Celle,
Hannover, Göttingen, Kassel, Marburg, Frankfurt 111-119. Paris 121.
Frau von Staël-Holstein 123-127. Das Theater 127-129. Die Pariserinnen
129-130. Passy 131-133. Jardin des plantes 135-136. Versailles 137-138.
St. Denis 139-140. Die stille Woche 141-143. Das Museum 143-145. Das
Ballet 146. Abreise von Paris 153. Stuttgart 158. Wien 167. Das Theater
169. Laxenburg 171. Kloster Neuburg 180. Ein Magnetiseur 185-188.
Dresden 189-196. Die Haide 197-199. Berlin 199. Lübeck 212. Heimkehr 213.
=Vierter Band.=
Neue Dichterwerke 8-20. Heiberg 21-23. Bekanntschaften 24-28.
Verhältnisse als Professor 28-32. Musikalische Zustände 32-42.
Dichtungen 42-48. Baggesen's Tod 48-50. Tod des Vaters Oehlenschläger's.
50-54. Deutsche Werke 55-56. Rahbek's und seiner Frau Tod 56-60.
Erster Besuch in Schweben 61-66. Zweite Fahrt nach Schweden 67.
Dichterkrönung in Lund 69-72. Der Bischof Mynster 73-76. Schwedische
Bekanntschaften 77-80. Christian VII. 80-83. Sölling 83-85. Dritte
Reise nach Deutschland: Leipzig 86. Dresden 86-90. Berlin 91-93.
Reise nach Norwegen 95-110. Tod seiner Tochter Charlotte 101-103.
Besuch beim Prinzen Christian in Odensee 103-105. Reise mit ihm nach
Augustenburg 105-107. Der poetische Geschmack und die Kritik 109-116.
Frederike Brun 116-122. Tod Friedrich's VI. 124-125. Zusammenleben mit
Thorwaldsen 126-128. Tod seiner Frau 128-130. Tod Bröndsted's 132-133.
Zweiter Besuch in Norwegen 135-143. Thorwaldsen's Tod 144-150. Vierte
Reise in Deutschland: Berlin 151-154. Dresden 155-157. Prag 157-158.
Wien 159-166. Salzburg 166-168. München 168-170. Nürnberg 170-172.
Frankfurt 172. Der Rhein 173. Paris 175. Die Franzosen 176-179. Besuch
bei Louis Philipp 180-186. Die Brüder Rothschild 186-187. Literarische
Notabilitäten 188-198. Brüssel 200. Hamburg 201. Oehlenschläger's letzte
Jahre, Auszüge aus seinen Briefen an seine Verwandten 203-212. Besuch
in Schweden 212-218. Tod Christian's VIII. 219. Letzte literarische
Wirksamkeit 222-228. Schlußwort. Fest zu Oehlenschlägers 70jährigen
Geburtstage 229. Sein Tod 230-234.
* * * * *