Da ward das Werk vollendet. Da brachen die Asen und Einherier wie

Wetter in den Feind, das Vorbild zu erreichen, im Sterben würdig zu

sein ihres Lebens, das ist: würdig der Unsterblichkeit.

Giftschnaubend wälzte sich die _Midgardschlange_ heran. Ihr Pesthauch

allein tötete. Aber schon stand der Donnerer vor ihr, der sie schon

einmal an der Angel fing, als er Hymirs Kessel holte. Aufbäumte sich

die Riesenschlange gegen den alten Todfeind. Diesmal entging sie

ihrem Schicksal nicht. Der Hammer Mjolnir stand funkelnd über ihrem

Haupt, und der Zermalmer durchschlug ihr den Schädel. In einer Wolke

von giftigem Odem verging die Midgardschlange. Neun Schritte tat der

Donnerer in der Giftwolke zurück. Dann verging ihm der Atem. Er, der

den Menschen mit Blitz und Donner die Lüfte gereinigt hatte, konnte

nicht leben im Dunst des Wurms. Die Freiheitsaugen brachen ihm. So

folgte er Wodan. --

Und Freyer, der Sonnengott, folgte, vom Schwerte Surturs, des unheilig

lodernden Feuers, getroffen. Und Ziu, der furchtlose Schwertgott, den

die Nordmänner Tyr anriefen und dem die Jünglinge ihre Schwertertänze

weihten, er, der dem Fenriswolf einstens die Rechte in den Rachen

gelegt hatte, traf auf den leichenzerreißenden Hund der Hel, und

während ihn der Hund zu Tode biß, erwürgte er ihn. Heimdall aber, der

treue Wächter, stieß auf Loki, den Verräter, den er schon einmal im

Kampf um Freyas Halsgeschmeide Brisingamen bestanden hatte, und so wild

gingen sie aufeinander an und so wenig wollten sie voneinander lassen,

daß sie beide von Wunden überdeckt zu Tode sanken. --

In dem Glutmeer, das Surtur entfachte, ist nicht mehr zu leben. Und

dennoch geht das Würgen weiter, weiter bis auf den letzten Mann.

Die Walküren sind gefallen, die gerbewaffneten Göttinnen mit ihnen.

Die Einherier, die Germanenhelden, haben sich den Göttern gleich

erwiesen und die Riesen und Unholde trotz ihrer Übermacht zu eklem

Brei gestampft. Fast mit den letzten Feinden fallen ihre Letzten. Die

riesischen Wölfe haben Sonne und Mond erreicht und sie verschlungen.

Aber die Sonne gebar in ihrer Not ein Kind, und es spielt abseits auf

einer Himmelswiese.

Durch die Welt lodert das Feuer, und das Eis der Gletscher schmilzt und

wirft sich in Wasserströmen über glühende Erde, bis endlich, endlich

die Glut erlischt.

Nacht bricht herein. In Nacht versinkt die sterbende Welt. --

* * * * *

Und ein Tag bricht an, ein neuer Tag.

Das spielende Sonnenkind hebt sich am Himmelsrand und lacht in Unschuld

auf die Erde nieder. Es lockt und schmeichelt und tut schön mit seinen

hellen Augen und seinen warmen Händen, bis es unter dem Schutt sich

regt, den Feuer, Wasser und Erde hinterlassen haben, und ein paar

schüchterne Gräser hervorkeimen. Ah, wie ist die Luft so klar und rein,

das Leben so köstlich und lebenswert. Bald ist der Boden von Blumen

übersäet, die Sträucher schlagen aus, die Bäume treiben Knospen. Und

aus einem hohlen Baumstamm, der sich über und über mit Laub bedeckt,

tritt ein Menschenpaar, das sich vor Feuersbrunst und Wasserflut in

die rettende Höhlung geflüchtet, tastet sich furchtsam vor und steht

überrascht in der neuen Sonne, dem neuen Lenz der Erde, dem neuen

Menschenfrühling.

Und das überglückliche Menschenpaar hebt seine Augen und sucht seine

Götter. --

Über Asgards verwüstete Fluren schreitet ein Wanderer. Schlank ist er

und ewigjung, und goldrote Locken wehen ihm um die Schläfen. Er kommt

aus der Hel gewandert, die verlassen liegt. Und wo er geht, ist Licht

und Wärme, Werden und Schöpfermut.

_Baldur_ ist heimgekehrt. Nun muß alles Leben auferstehen.

An der Hand führt er Hödur, den blinden, der ihn einst mit der Mistel

niederwarf. Wie Brüder wandern sie Hand in Hand, und wenn der eine im

Schlaf neue Kräfte sammelt, wacht der andere. Bald Baldur, bald Hödur.

Tag und Nacht haben sich gefunden und sich verbunden zum Wohle der Welt

und ihrer Kräftigung. Tag und Nacht, Sommer und Winter.

Unter Baldurs Schritten wachen die Fluren Asgards auf. Es grünt und

blüht auf allen Gefilden, und kein Platz ist mehr für üble Gelüste und

unwürdig Tun. Die Luft ist geläutert. Frühling --!

Es ist das alte Asgard nicht mehr, ein neues blüht aus den

Kampfestrümmern und will neues Glück. _Idafeld_ nennt Baldur das alte

Asgardland, das »Feld der Auferstehung«.

Und wie er hinausblickt über alle Wege, sieht er zwei Wanderer

schreiten von rechts und zwei Wanderer von links. Und die Wanderer

von rechts erreichen ihn, und es sind die Wodanssöhne Widar und Wali.

Widar, der den Vater rächte, und Wali, der Blutrache nahm für den

Bruder Baldur. Darum gehen sie in den neuen Himmel der Germanen ein.

Und die Wanderer von links treten hinzu, und es sind die Donarsöhne

Modi und Magni, die den Hammer des Donnerers bringen, mit ihm des

Vaters Kraft und den Zorn seiner Gerechtigkeit.

Nach links und nach rechts streckt Baldur seine Hände, Glückslachen auf

den Lippen.

»Wodan und Donar, ihr konntet nicht sterben, ihr lebt fort im

Germanenvolk in verjüngter Gestalt, ewig und ewig, solange der

Donner kracht zur Sommerzeit, solange der Herbststurm braust und ein

Menschenaug in Wolken die wilde Jagd erblickt. Willkommen ihr alle zu

neuen Schöpfungswerken! Den Frieden wollen wir im Himmel und auf Erden.

Den Frieden der Freien. Keinen anderen Frieden für und für. Deß sei uns

des starken und gerechten Donars Hammer ein Zeichen.«

Sie legen die Hände ineinander zum Schwur und schaffen einen neuen

Hochsitz.

»Für den großen Gott, der uns führen wird.«

Und sie sprechen Allvaters Worte nach:

»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen neu, wenn sie sich

würdig erwiesen. Würde ist nicht das bißchen Tugend des Tages. Würde

ist, für sein Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht

_un_sterblich.«

* * * * *

Zu allen Zeiten lebte das Germanenvolk wie seine Götter. Der Götter

Tugenden waren die seinen und der Götter Fehler, der Götter Kraft und

der Götter Kriege, der Götter Niedergang und der Götter Auferstehung.

Du aber, mächtigster Germanenstamm, deutsches Volk, von der Maas bis an

die Memel, von der Etsch bis an den Belt, erkenn aus der Urväter Tagen,

daß deine Götter und Helden niemals dem Schicksal schwächlich in die

Augen sahen, daß sie es kühn erwarteten und sich bis aufs letzte Blut

mit ihm schlugen, wie Männer tun im deutschen Zeichen des Hammers. Vom

Blute Wodans lebt es in dir, vom Blute Donars, vom Blute Baldurs, und

-- so der große Gott, »der uns führen wird«, uns liebt, weil wir Männer

sind und keine Knechte -- immerdar vom Blute

_Hermanns, des Cheruskers_.

Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig

RUDOLF HERZOG

Preußens Geschichte

31. bis 40. Tausend / 390 Seiten mit zahlreichen schwarzen Bildern von

Prof. A. Kampf / Buchschmuck von Prof. G. Belwe / Geb. M. 6.60.

»Alle wichtigen Epochen, alle hervorragenden Herrschergestalten sind

hier in der _fesselnden Erzählungsweise_ Herzogs, in seinem feinen Stil

geschildert. Man weiß nicht, ob man mehr die packenden, feingemeißelten

Porträts der großen Preußenkönige oder die dramatisch bewegten

Schilderungen der Schlachten von Fehrbellin, von Torgau, Leuthen,

Leipzig, Königgrätz oder Sedan bewundern soll. Wie einen Roman, dessen

Handlung wir mit Spannung folgen, lesen wir diese Schilderungen, die

uns doch Altbekanntes in ganz neuem Lichte und Zusammenhang zeigen.

_Herrliche Balladen_ unterbrechen zuweilen den Lauf der Darstellung.

Gedichte wie ›Rheinsberger Tage‹, ›Bei Torgau‹, ›Blücher zieht über

den Rhein‹, ›König Wilhelms Heldenschau‹ und andere mehr werden zu den

_Perlen patriotischer Dichtungen_ zählen. Ein feiner Buchschmuck paßt

sich der Stimmung des Ganzen trefflich an. Alles ist dazu angetan,

diese Geschichte Preußens zu _einem Volksbuch_ werden zu lassen.«

Deutsche Revue.

Ritter, Tod und Teufel

Gedichte / 61. bis 70. Tausend / 156 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--.

»Es gibt wohl kaum eine Stimmung in dem unheimlichen Wirbel der

Kriegseindrücke, die den Dichter nicht zur Gestaltung gedrängt,

deren Ausdruck ihm nicht gelungen wäre. Heldenmut und Treue,

unerschütterliche, begeisterte, bis zur Selbstaufopferung hingebende

Liebe zu Vaterland und Kaiser sind die Grundtöne, die die Sammlung

durchklingen ... _Der Band ist eine köstliche Perle in dem reichen

Schatze unserer Kriegslyrik._«

Literarisches Zentralblatt f. Deutschland.

Stürmen, Sterben, Auferstehn

Gedichte / 21. bis 30. Tausend / 127 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--.

»Die zweite Gedichtsammlung zeigt die gleiche _glühende

Vaterlandsliebe_ und die gleiche Kraft im Ausdruck und Kunst der

Stimmungsmalerei, denselben _hohen Persönlichkeitswert_ wie der erste

Band, und doch finden sich auch wieder neue Züge in Stoff und Form,

ja man ist versucht, eine noch _größere Tiefe_ der Empfindung, noch

schwereren Ernst in den Gedanken an Tod und Unsterblichkeit in ihr zu

spüren.«

Literarisches Zentralblatt für Deutschland.

J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger

Stuttgart und Berlin

RUDOLF HERZOG

Geb.

=Das goldene Zeitalter= M.

Roman. 13. u. 14. Aufl. 6.50

=Der Adjutant=

Roman. 15.--17. Aufl. 6.50

=Der Graf von Gleichen=

Ein Gegenwartsroman

39.--41. Aufl. 8.50

=Die vom Niederrhein=

Roman. 86.--95. Aufl. 8.50

=Das Lebenslied=

Roman. 101.--110. Aufl. 8.50

=Die Wiskottens=

Roman. 141.--150. Aufl. 8.50

=Der alten Sehnsucht Lied=

Erzählungen.

15. u. 16. Aufl. 6.50

=Der Abenteurer=

Roman

Mit Bildnis des Verfassers

46.--50. Aufl. 8.50

=Hanseaten=

Roman. 101.--110. Aufl. 8.50

=Es gibt ein Glück ...=

Novellen. 34.--36. Aufl. 7.--

=Die Burgkinder=

Roman. 131.--140. Aufl. 8.50

=Ausgewählte Novellen=

Mit einer biogr. Einleit.

von _J. G. Sprengel_.

21.--25. Tausend 2.20

=Die Welt in Gold=

Novelle. 16.--.20. Aufl. 2.50

=Das große Heimweh=

Roman. 101.--105. Aufl. 9.50

=Die Stoltenkamps

und ihre Frauen=

Roman. 126.--135. Aufl. 9.50

=Jungbrunnen=

Novellen. 51.--80. Aufl. 7.50

=Gedichte.=

5. Auflage 3.50

=Wir sterben nicht!=

Lieder und Balladen

2.--5. Auflage 3.--

=Die Condottieri=

Schauspiel in vier Akten

3. Auflage 4.--

=Auf Rissenskoog=

Schauspiel in vier Akten

2. Auflage 4.--

=Herrgottsmusikanten=

Lustspiel in vier Akten

2. u. 3. Auflage 4.50

=Stromübergang=

Dramatisches Gedicht

in einem Aufzug

1.--10. Tausend 1.--

=Die Nibelungen=

Des Heldenliedes beide

Teile, neu erzählt. Mit Bildern

von Professor _Franz

Stassen_. (Verlag von

Ullstein & Co., Berlin) 6.--

Weitere Anmerkungen zur Transkription.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die

Antiqua-Auszeichnungen dienten nur der Dekoration und wurden

entfernt.

Die Abbildung wurden an die zugehörige Textstelle verschoben, deren

Seitenreferenz wurde entfernt.

Korrekturen:

S. 4: die ersten beiden Zeilen → Anfang von S. 3:

griffen nach

{dem rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen

Geistes, und als Erstes entstand ein Ungetüm, das alle}

Erde, die da wurde,

S. 6: Wil → Wili

Wodan, der junge, sah es, und er rief {Wili} und We,

S. 120: Das → Da

{Da} war der Donnerer wohl zufrieden.

Germaniens Götter · 第 10 / 10 段