Nichts erwirbt einem Fürsten so viel Achtung, als große Unternehmungen und
glänzende Handlungen. Zu unsrer Zeit haben wir den Fernando, König von
Arragonien, gegenwärtigen König von Spanien. Derselbe kann gewissermaßen
für einen neuen Souverain gelten, weil er aus einem schwachen Fürsten,
durch den Ruhm seiner Thaten, zu dem ersten Monarchen der Christenheit
geworden. Wenn man seine Handlungen betrachtet, so findet man in allen
Größe: einige sind aber ganz außerordentlich. Zu Anfang seiner Regierung
griff er Granada an; diese Unternehmung ward der Grund seiner Größe.
Anfangs vollführte er sie ganz gemächlich und brauchte nicht zu besorgen,
darin gehindert zu werden; beschäftigte damit die castilischen Barone,
welche dadurch abgehalten wurden, auf Neuerungen zu Hause zu denken, und
erwarb selbst dadurch unvermerkt großes Ansehn über sie und Ruf. Er war
vermögend, seine Armee mit dem Gelde der Kirche und seines Volks zu
unterhalten, und legte durch diese langen Feldzüge einen guten Grund zu
der Kriegsmacht, welche ihm in der Folge zu so großer Ehre verhalf.
Außerdem aber übte er, um zu größeren Unternehmungen schreiten zu können,
unter beständigem Vorwande der Religion eine fromme Härte aus, durch
Vertreibung der Mauren. Ein schrecklicheres und seltneres Ereigniß gibt es
nicht. Unter gleichem Vorwande fiel er in Afrika ein, versuchte einen
Feldzug in Italien, griff endlich Frankreich an. So beschäftigte er sich
beständig mit großen Entwürfen, welche unaufhörlich seine Unterthanen in
der Erwartung ihres Ausganges und in Bewunderung erhielten. Diese seine
Handlungen entsprangen eine aus der andern, also, daß gar nicht dazwischen
zu kommen, und keine Zeit war, dagegen zu wirken. Ferner ist es einem
Fürsten sehr ersprießlich, in der innern Verwaltung auffallende Dinge zu
thun, so wie vom Herrn Bernhard von Mailand erzählt wird, als wenn
Gelegenheit entsteht, irgend Jemanden wegen außerordentlicher Dinge im
Guten oder im Bösen auf solche Art zu belohnen oder zu bestrafen, daß
davon viel geredet werde. Vor allen Dingen muß ein Fürst in jeder seiner
Handlungen den Ruf des Großen und Hervorstechenden suchen. Noch erweckt es
große Hochachtung gegen einen Fürsten, wenn er sich als einen ernstlichen
Freund oder Feind beweist: das ist, wenn er ohne alle Bedenklichkeit
entschiedene Partei nimmt; dies bringt stets mehr Ruhm, als neutral zu
bleiben. Denn wenn zwei mächtige Nachbarn in Streit gerathen, so hast du
von dem Sieger etwas zu befürchten, oder nicht. In beiden Fällen ist es
besser, hervorzutreten und ernstlich Theil zu nehmen: denn im ersten Falle
wird derjenige, der sich nicht bloßgeben wollte, allemal eine Beute des
Siegers, zur größten Zufriedenheit des Ueberwundenen, und es bleibt keine
andre Zuflucht mehr offen. Denn der Ueberwinder verlangt keine
verdächtigen Freunde, die in der Gefahr nicht beistehen. Der Besiegte
bietet demjenigen keine Zuflucht an, der in den Zeiten des Kampfes sich
geweigert hat, Theil zu nehmen. Antiochus hatte sich von den Aetoliern
bewegen lassen, nach Griechenland zu kommen, um die Römer zu bekämpfen. Er
schickte Gesandte an die Achäer, welche Freunde der Römer waren, um sie zu
bewegen, Zuschauer zu bleiben. Auf der andern Seite redeten ihnen die
Römer zu, die Waffen für sie zu ergreifen. Als dies in der Versammlung der
Achäer zur Berathung kam, so antwortete der römische Gesandte dem
Botschafter des Antiochus, der zur Neutralität mahnte, Folgendes: „Wenn es
Euch als der beste und nützlichste Ausweg empfohlen wird, neutral zu
bleiben, so bedenket, daß Euch nichts Nachtheiligeres angegeben werden
könnte; denn wenn Ihr am Kriege keinen Theil nehmet, so werdet Ihr ohne
Dank und ohne Ehre eine Beute des Siegers werden.“ Es wird immer so
kommen, daß derjenige, der mit dir nicht gut steht, dich ersuchen wird,
neutral zu bleiben; der Andre aber wird dich bitten, ihn zu schützen.
Unentschlossene Fürsten schlagen meistentheils diesen Weg der Neutralität
ein und gehen auch meistentheils darüber zu Grunde. Macht aber ein Fürst
ernstlich gemeine Sache mit einem Theile, und dieser trägt den Sieg davon,
so bleibt er freilich abhängig von demselben, jedoch sind die Fäden der
Dankbarkeit angeknüpft, und die Menschen sind nicht so verrätherisch, daß
sie die Undankbarkeit bis dahin treiben sollten, ihren Anhänger sogleich
zu unterdrücken. Auch ist der Sieg selten so vollständig, daß der Sieger
nicht allerlei Rücksichten nehmen müßte und vorzüglich auf die
Gerechtigkeit. Wenn aber der Theil, zu dem du dich geschlagen hast,
unterliegt, so steht er dir doch bei, und du hast einen Freund, mit dessen
Beihilfe du vielleicht wieder emporkommen kannst. Im zweiten Falle, da die
streitenden Parteien einander so gleich sind, daß vom Sieger nichts zu
fürchten ist, so ist es so viel klüger, Partei zu nehmen, weil sonst Einer
zu Grunde gerichtet wird, dem ein kluger Zuschauer vielmehr beistehen
würde; siegt er, so behältst du ihn in Händen, und es ist fast unmöglich,
daß derjenige, dem du beistehst, nicht den Sieg davontrage. Hier ist noch
bemerkenswerth, daß ein Fürst sich niemals mit einem Mächtigern verbinden
muß, um über einen Dritten herzufallen, außer im Falle der Noth. Denn wenn
er siegt, so bist du in seiner Gewalt: dies ist aber vor allen Dingen zu
vermeiden. Die Venezianer verbanden sich mit Frankreich gegen den Herzog
von Mailand; dies geschah unnöthiger Weise, und sie gingen darüber zu
Grunde. Wenn es aber unvermeidlich ist, so wie mit den Florentinern der
Fall war, als der Papst und die Spanier die Lombardei überzogen, alsdann
muß man freilich wol diesen Entschluß nehmen. Kein Staat glaube jemals mit
Sicherheit auf etwas zählen zu können, sondern rechne beständig auf die
Ungewißheit aller Dinge: denn die Welt ist so beschaffen, daß man allemal
einer Unbequemlichkeit entgeht, in eine andre aber hineingeräth. Die
Klugheit besteht darin, unter ihnen auszuwählen, und die geringste
auszusuchen. Ferner noch muß ein Fürst Liebe zu ausgezeichneten
Eigenschaften beweisen und vorzügliche Männer in jedem Fache ehren. Er muß
seine Bürger anfeuern, daß sie sich ernstlich in ihrem Gewerbe anstrengen,
sei es im Handel oder dem Ackerbau, oder anderm Gewerbe; daß sie nicht
fürchten, das, was sie erworben, zu genießen; ihre Besitzungen, aus Furcht
sie zu verlieren, vernachlässigen; aus Furcht vor neuen Steuern den Handel
liegen lassen. Vielmehr muß er Jeden dazu aufmuntern, und denjenigen, der
der Stadt oder dem Staate auf irgend eine Art förderlich ist, belohnen.
Sein Volk muß er zu den gehörigen Zeiten im Jahre mit Festlichkeiten und
Schauspielen beschäftigen, und da jede Stadt aus Zünften besteht, diese
ehren, ihren Zusammenkünften zu schicklichen Zeiten beiwohnen, sich
menschenfreundlich und freigebig beweisen, dabei aber seine Würde in allen
Dingen behaupten, welche niemals vernachlässigt werden darf.