*Zueignung*
an den Großmächtigen _Lorenzo_, Sohn des Piero, _von Medici_.(10)
Diejenigen, welche die Gunst eines Fürsten zu erwerben trachten, pflegen
sich ihm mit dem zu nähern, was ihnen unter Allem, das sie besitzen, das
Liebste ist, oder ihm am meisten zu gefallen scheint: daher ihm so oft
Pferde, Waffen, Teppiche, Edelsteine und andre Zierrathen überreicht
werden, die seiner Größe würdig scheinen. Indem ich mich Euch,
großmächtiger Herr, mit einem Beweise meiner unterthänigen Ergebenheit zu
nahen wünsche, finde ich nichts in meinem Vorrathe, was mir werther wäre,
oder ich höher schätzte, als die Kenntniß der Handlungen großer Männer,
die ich durch lange Erfahrung der neuern Zeit und unablässiges Lesen der
Alten erworben. Diese habe ich mit großem Fleiße lange durchdacht und
geprüft, und jetzt in ein kleines Buch zusammengefaßt, welches ich Euch
überreiche, großmächtiger Herr. Und obgleich ich einsehe, daß es nicht
werth sei, vor Euch gebracht zu werden, so hoffe ich doch von Eurer
freundlichen Gemüthsart, es werde gut aufgenommen werden, in Anbetracht,
daß ich kein größeres Geschenk zu geben vermag, als dieses, welches in den
Stand setzt, in so kurzer Zeit Alles einzusehen, was ich in vielen Jahren,
mit so vielen Gefahren und Mühseligkeiten erlernt und begriffen habe.
Dieses Werk ist von mir nicht geschmückt, noch mit vielem Wortgepränge
oder anderer Schminke und äußerer Zierde aufgeputzt, wie viele Andre ihre
Werke zu schreiben und zu schmücken pflegen: weil ich wollte, daß die
Sache selbst sich ehre und die Wahrheit des Inhalts und der Ernst der
Ausführung allein das Buch empfehle. Es werde mir aber nicht als eine
Anmaßung ausgelegt, daß ich, ein Mann von geringem Stande, es wage, über
die Handlungen der Großen zu urtheilen, und mich erdreiste sie zurecht zu
weisen. Denn so wie diejenigen, welche Landschaften aufnehmen, in die
Ebene herabsteigen, um die Gestalt der Berge und Höhen zu betrachten, und
auf die Berge steigen, um die Thäler zu beobachten, so erkennen zwar die
Großen am besten die Natur des Volkes; um aber die Fürsten zu kennen, muß
man aus dem Volke sein. Nehmt daher, großmächtiger Herr, dieses kleine
Geschenk, in der Gesinnung, mit welcher ich es überreiche. Ihr werdet
darin einen brennenden Wunsch sehen, daß Ihr zu der Größe gelangt, zu
welcher Euch die Glücksumstände und andre Eigenschaften bestimmt haben.
Wenn Eure Hoheit aber von Eurem erhabnen Standpunkte auf die niedern Orte
herabsieht, in denen ich mich befinde, so werdet Ihr erkennen, mit welchem
Unrechte ich ein anhaltendes widriges Schicksal ertragen muß.