Ich ihr drauf: >Ich habe keine Lust.<

>Närrchen,< sagt sie mir, >kein Mensch hat anfangs Lust dazu. Der Gram

ist bitter, und das Gift ist noch bitterer. Wenn man die Kohle mit

diesem Gift begießt, erlischt sie für eine Weile. Saug schnell daran!<

Ich trank den ganzen Placon auf einmal aus. Es war mir widerlich, ich

konnte aber anders nicht einschlafen. Und so war es auch in der nächsten

Nacht ... Heute kann ich ohne ihn nicht mehr auskommen. Habe mir selbst

einen Placon angeschafft und kaufe mir Schnaps ... Und du, liebes Kind,

sag der Mama nichts davon: du sollst die einfachen Menschen niemals

verraten, du sollst mit ihnen Mitleid haben, denn sie sind alle Dulder.

Und wenn wir jetzt nach Hause gehen, werde ich gleich an der Ecke ans

Fenster der Schenke klopfen ... Wir werden nicht hineingehen, ich werde

nur den leeren Placon abgeben, und man wird mir einen neuen durchs

Fenster reichen.«

Ich war gerührt und versprach ihr, keinem Menschen von ihrem Placon zu

erzählen.

»Ich danke dir, Lieber, -- sag es niemand: denn ich muß ihn haben.«

Ich sehe sie auch heute noch vor mir: jede Nacht, wenn alle im Hause

schlafen, steht sie von ihrem Bette auf, so leise, daß kein Knöchelchen

knackt, sie lauscht und schleicht auf ihren langen erkälteten Beinen zum

Fenster ... Sie steht eine Weile da, sieht sich um und lauscht wieder,

ob meine Mutter nicht aus dem Schlafzimmer kommt; dann höre ich den Hals

des »Placons« gegen ihre Zähne klappern ... Sie nimmt einen Schluck,

einen zweiten und einen dritten ... So hat sie die Kohle für eine

Zeitlang gelöscht und eine Totenfeier für ihren Arkascha abgehalten. Und

dann schlüpft sie wieder unter die Decke, und ich höre sie nur leise mit

der Nase pfeifen. Sie schläft!

Eine schrecklichere und herzzerreißendere Totenfeier habe ich noch nicht

erlebt.

Der versiegelte Engel, und andere Geschichten · 第 71 / 79 题