Und ich lese:
»Meine treue Ljuba! Ich war im Kriege, habe für meinen Kaiser gefochten,
habe mehr als einmal mein Blut vergossen und bin dafür mit dem
Offiziersrang und dem Adel belohnt worden. Jetzt habe ich Urlaub zur
Heilung meiner Wunden bekommen und wohne im Gasthofe in der
Kanonier-Vorstadt. Morgen lege ich alle meine Orden und Kreuze an, gehe
zum Grafen, gebe ihm mein ganzes Geld, die fünfhundert Rubel, die man
mir zur Heilung meiner Wunden gegeben hat, und bitte ihn, dich
freizulassen, in der Hoffnung, daß wir uns nun vor dem Altar des
Höchsten trauen lassen können.«
-- Und weiter hieß es in dem Briefe, -- fuhr Ljubow Onissimowna mit
unterdrückter Erregung fort: »Was aber die Schmach betrifft, die Sie
über sich ergehen lassen mußten, so halte ich sie für ein bloßes Unglück
und rechne sie Ihnen nicht als Sünde und Schwäche an. Gott allein mag
Sie richten, ich aber empfinde Ihnen gegenüber nur Achtung.« Und der
Brief ist unterschrieben: »Arkadij Iljin.«
Ljubow Onissimowna verbrannte den Brief sofort im Ofen, sagte keinem
Menschen etwas davon, selbst der Alten nicht, und betete die ganze Nacht
zu Gott. Sie betete aber nicht für sich, sondern nur für ihn: er war
zwar Offizier, mit Wunden und Ehrenzeichen bedeckt, sie konnte sich aber
gar nicht denken, daß der Graf ihn anders behandeln würde, als früher.
Sie fürchtete einfach, daß man ihn schlagen würde.