Im Perejaslawer Kreise des Poltawaschen Gouvernements lebte der
Gutsbesitzer Iwan Gawrilowitsch Wischnewskij. Durch die Freigebigkeit
der Kaiserin Jelisaweta Petrowna hatte er ein großes Gut an beiden Ufern
des Flusses Ssupoi erhalten. (Die Flüsse Udai und Ssupoi werden in einem
Lehrbuch der Geographie als »wegen ihrer vielen Mängel zur Schiffahrt
ungeeignet« bezeichnet.) Das Gut bestand aus zwei großen Dörfern, von
denen das eine Farbowanaja hieß, das andere Ssosnowka.
Der alte Pan Iwan Wischnewskij lebte und starb auf diesem Gut. Nach
seinem Tode gingen Farbowanaja und Ssosnowka auf seinen Sohn, Stepan
Iwanowitsch Wischnewskij über, der eine heroische Berühmtheit erlangte.
Es ist freilich möglich, daß die Phantasie diese durch Legenden ergänzt
und ausgeschmückt hat.
Stepan Iwanowitsch war athletisch gebaut, ein Recke, dabei
gastfreundlich, starrköpfig und ein schrecklicher Wüstling, aber er
besaß Bildung. Er war einer der jungen Leute gewesen, die die Kaiserin
Jekaterina nach England geschickt hatte, »zur Ausbildung des Verstands
und des Herzens«. Nach seiner Rückkehr aus England trat er ins
Garderegiment zu Pferd ein, aber als er den Rang eines Leutnants
erhalten hatte, nahm er seinen Abschied, heiratete eine Adelige aus dem
Twerschen Gouvernement, Stepanida Wassiljewna aus dem Geschlechte der
Schubinskijs, und ließ sich in seinem eigenen Hause zu Moskau nieder.
Zu tun hatte Wischnewskij hier nichts, und er begann »wunderlich« zu
werden.
Vor allem gedachte er, den Moskowitern durch seine kosakische
Nationalität zu imponieren. Er wollte mit niemand verkehren, kleidete
sich kleinrussisch, trank viel »Gebrannten« und aß angeblich nur
Bärenfleisch.
Der Kaiserin wurde berichtet, daß Wischnewskij »die gesellschaftlichen
Sitten außer Acht lasse«, und dem Starrkopf wurde eine Rüge zuteil. Er
beschloß sich zu bessern und ließ sich zu diesem Zwecke aus Kleinrußland
einen Kosakenwagen mit einem Ochsengespann nach Moskau bringen und dazu
einen Burschen, der mit den Ochsen umzugehen verstand. Am Tage der
üblichen und für alle angesehenen Personen der Residenz obligatorischen
Visiten schickte sich Stepan Iwanowitsch an, »bei allen Respektpersonen
Visite zu machen«. Aber er fuhr nicht etwa leichthin in einer Equipage
aus, sondern mit einem ganzen Zuge. Voraus galoppierte ein Jockei auf
einer stutzschwänzigen englischen Stute, ihm folgte eine prächtige mit
sechsen bespannte Kutsche, in der der Kammerdiener saß, und hinter ihr
kam der Wagen, oder die kleinrussische »Fuhre«, auf der Pan Wischnewskij
thronte. Der Wagen war bespannt mit einem Paar schwarzgrauer
krummhörniger Ochsen. Der Pan saß, wie die kleinrussischen Bauern zu
sitzen pflegen, -- d. h. in der Mitte des Wagens auf einem Haufen
Roggenstroh und rauchte phlegmatisch eine Weichselpfeife kleinrussischer
Fasson. Der Kleinrusse, der die Ochsen lenkte, trug Pluderhosen »so weit
wie Wolken«, ein geteertes Hemd, schwere Stiefel und eine hohe, zottige
Mütze. Er ging mit einer Peitsche neben den Ochsen her, hielt sie mit
einem Riemen am Nasenring, »damit sie in der lärmenden Stadt« nicht
scheuen, und schrie ihnen bald »Zo--be« und bald »Zob« zu.
Der Jockei hatte die Liste der Personen, die dieser verwilderte Europäer
besuchen sollte. Er sprengte voran, ritt in den Hof der auf der Liste
stehenden hochmögenden Persönlichkeit und meldete laut:
»Mein Pan kommt!«
Wenn dann der Zug in Sicht kam, wendete sich ihm der Jockei mit dem
Gesichte zu und rief wieder:
»Da ist der Pan Wischnewskij selbst gekommen!«
Dann hielt die Kutsche vor der Freitreppe, ihr entstieg der Kammerdiener
Stepan Iwanowitschs und trat ins Haus, um zu fragen, ob es den
Herrschaften genehm sei, seinen Herrn zu empfangen.
Empfing man Wischnewskij, so fuhr die Kutsche weiter, und an der
Freitreppe hielt die »Fuhre« mit dem Ochsengespann; Stepan Iwanowitsch
stieg aus, begab sich in die Gemächer und beschenkte freigebig die ihm
unter die Augen kommende Dienerschaft. In den Appartements benahm er
sich als vornehmer Herr und Europäer, prunkte mit prächtigen Manieren,
vorzüglichen Sprachkenntnissen und der schlagfertigen Bissigkeit seines
kleinrussischen Verstandes.
»Denn er war ein zu Scherzen aufgelegter Herr, sprach Französisch und
Italienisch und vermochte in diesen Sprachen Gott zu preisen. Nur war er
zu faul dazu.«