Der Erzähler war zu Ende. Die Hörer schwiegen; schließlich aber
räusperte sich jemand und bemerkte, daß in dieser Geschichte alles zu
erklären sei: Michailizas Träume, die Erscheinung, die sie im Halbschlaf
erblickte, das Herunterfallen des Engels, den eine hereingelaufene Katze
oder ein Hund herabgestoßen hatte, auch Lewontijs Tod, der schon vor
seiner Begegnung mit Pamwa krank gewesen war, das alles sei erklärlich.
Zu erklären sei schließlich auch die zufällige Erfüllung der Worte des
in Rätseln sprechenden Pamwa.
»Begreiflich ist auch«, fügte der Hörer hinzu, »daß Luka mit dem Ruder
über die Ketten gegangen ist: die Maurer sind bekannt als Meister im
Steigen und Klettern, und mit dem Ruder hatte er das Gleichgewicht
gehalten. Es ist schließlich auch begreiflich, daß Maroi um Luka ein
Leuchten gesehen hat, das er für Engel hielt. Einem aufs äußerste
gespannten, vor Kälte erstarrten Menschen mag allerlei vor den Augen
flimmern! Ich würde es selbst noch begreiflich finden, wenn zum Beispiel
der alte Maroi, seiner Voraussage nach, den Tag nicht überlebt hätte
...«
»Er hat ihn nicht überlebt«, erwiderte Mark.
»Vortrefflich! Auch hierin ist nichts Verwunderliches, wenn ein
achtzigjähriger Greis nach solchen Aufregungen und einer derartigen
Erkältung stirbt. Aber was mir in der Geschichte ganz unerklärlich
bleibt, ist, wie das Siegel, das die Engländerin auf den neuen Engel
aufgedrückt hatte, verschwinden konnte?«
»Nun, das ist gerade das Allereinfachste«, sagte Mark heiter, und
erzählte, wie man bald darauf das Siegel zwischen Beschlag und Bild
gefunden habe.
»Wie konnte das geschehen?«
»Nun so: auch die Engländerin wollte sich nicht erdreisten, das Gesicht
des Engels zu beschädigen, und so befestigte sie das Siegel auf einem
Papier, das sie unter den Beschlag schob. Das war sehr klug und
kunstfertig von ihr gehandelt, als aber Luka die Heiligenbilder auf
seiner Brust beim Tragen erschütterte, fiel das Siegel ab.«
»Nun, jetzt ist also die ganze Geschichte einfach und natürlich.«
»Ja, so schließen viele, daß hier alles auf ganz gewöhnliche Weise vor
sich gegangen sei, und nicht nur die gebildeten Herrschaften, denen sie
bekannt geworden ist, sondern auch die Unsrigen, die im Schisma
verblieben sind, lachen darüber, daß uns eine Engländerin mit einem
Papierchen der Kirche zugeschoben habe. Aber wir streiten nicht gegen
solche Beweise. Jeder beurteilt es so, wie er es glaubt, uns aber ist es
gleich, auf welchen Wegen der Herr den Menschen zu finden weiß und aus
welchem Gefäß er ihn tränkt, wenn er ihn nur sucht und seinen Durst nach
Vereinigung mit dem Vaterlande stillt. -- Aber da kommen schon die
Fell-Bauern aus dem Schnee gekrochen. Haben sich anscheinend ausgeruht,
die Herzigen, und werden gleich weiterfahren. Vielleicht nehmen sie mich
ein Stück mit. Die Wassilijnacht ist vorbei. Ich habe Sie ermüdet und
Ihnen vielerlei von mir berichtet. Dafür habe ich die Ehre, Sie zum
neuen Jahr zu beglückwünschen, und verzeihen Sie mir Unwissendem um
Christi Willen!«