Was war inzwischen am anderen Ufer geschehen? Seine Eminenz der
Erzbischof zelebrierte wie gewöhnlich die Abendmesse und ahnte nicht,
daß inzwischen am Nebenaltar ein Diebstahl ausgeführt wurde. Unser
Engländer Jakow Jakowlewitsch, der mit seiner Erlaubnis an diesem Altar
stand, stahl den Engel und schickte ihn, wie er es geplant hatte, mit
seinem Mantel hinaus, wo Luka mit ihm davoneilte. Der alte Maroi blieb
seinem Worte getreu vor dem gleichen Fenster stehen und wartete bis zur
letzten Minute. Kehrte Luka nicht zurück, so würde er, gleich nachdem
sich der Engländer zurückgezogen hätte, das Fenster einschlagen und mit
der Brechstange und dem Meißel wie ein wirklicher Dieb durch das Fenster
in die Kirche steigen. Der Engländer wendet kein Auge von ihm und sieht,
wie der alte Maroi, gehorsam und seinem Versprechen getreu, dasteht und
ihm zunickt, wenn er das Gesicht des Engländers dem Fenster zugewendet
erblickt, als ob er sagen wollte: »Hier bin ich, der verantwortliche
Dieb«.
So beweisen sie einander ihren Edelmut, und keiner will dem anderen
gestatten, ihn im gegenseitigen Vertrauen zu übertreffen. Aber zu ihrer
beider Glauben gesellt sich noch ein dritter, stärkerer, von dessen
Wirken sie jedoch nichts wissen. Als der letzte Glockenschlag der
Nachtmesse verklungen war, öffnete der Engländer leise das Klappfenster,
damit der alte Maroi hereinsteige, und war schon im Begriff, sich
zurückzuziehen, als er plötzlich bemerkte, daß sich der alte Maroi
abgewendet hatte, ihn nicht mehr ansah, sondern gespannt nach dem Flusse
hinüberschaute und in einem fort wiederholte:
»Helfe ihm Gott herüber, helfe ihm Gott herüber, helfe ihm Gott
herüber!«
Dann sprang er plötzlich auf, tanzte wie betrunken und schrie:
»Gott hat ihm herübergeholfen, Gott hat ihm herübergeholfen!«
Jakow Jakowlewitsch geriet in helle Verzweiflung und dachte:
»Jetzt ist es zu Ende: der dumme Alte ist verrückt geworden, ich bin
verloren!« Da sieht er auf einmal, wie Maroi den Luka umarmt.
Der alte Maroi stammelt: »Ich habe geschaut, wie du mit Laternen über
die Ketten gingst.«