Erwiederunge

an miine Fründinn E. H. to eeren Gebuurtsdaage.

Ei, wat häär' ick, Diin Geburtsdag hüüte,

Leewe Kiind! Wat wünske ick di dann?

Junge Wichter weeret geeren Brüüte, --

Süh, drüm wünsk' ick di 'n braawen Mann;

Eenen, de bi Daag' un Nacht wat kann.

Räudigel-Anspranke des Bittkers Fieseler.

Gooen Dag! Ick harr wual'n Gruuß to bestellen an den Werth un de

Weerdinne un scholl Ju auck 'n fründlicken Gooen Dag entbeen van Bruut

un Brüüg'm, Rudolf Dubbelhaff un Liesken Hinnerkers, un se wöören

Willens tooken Dingesdaage eeren Ehrendag to haulen, un Ji mogden'n

dach auck de Ehre andoon'n un sprieken eer'n Dingesdaage in'n Brüüg'm

siiner Behuusunge to'r Hochtiedt to, up'n gooen Muaren-Sappen un'n

goot Glas Beer un Brannewien un setten Ju hernau met de annern Gäste

an'n Disk un niemen dann fürders vorleef, wat Kack un Kellermester Ju

vermaaket, un iäten wual'n Stücke van'n fetten Ossen, saaen un braaen,

un'n Knaup van'n langen Roggen un 'n Spliete van der breen Weggen, un

drinken daar bito 'n Glas Wiin 'r veer of fiiwe, of 'n half Stiige,

saviel Ju lüstet un beleewet, un maaken Ju in allen Deelen lüstig un

wual to Friäe. Mogt't dann auck fallen an Saaken wat't woll, an Saaen

un Braaen, an Wiine, Beer un Brannewiin, an Lucht un Füür, an Spell un

Musikanten un an Bedeenunge scholl'r nin Gebreck sienen. Dat scholl

nich alleine sienen den Dingesdag, sündern auck veer un twintig Stunne

rund, bes'n Gooensdaage Muaren, dat sick'n Jeddereene wual besehnen

kiöne na Huus to kuomen. Tiidt un Stunne wollen se'r nich bi faste

setten, dat moste'n Jedder na siiner eegenen Natuur up'n Besten wieten.

Man se wollen de Bidde nich geeren van Ju geweegert sien, un wann Ji't

wier van doon n harren, wollen se auck denstbaar un erkenntlick wier

ümme sienen.

Is de Bidde auck wat geringe un sind de Wäärde auck wual wat weenig,

denket de Saake 'n Käären nach; Ji hääret je wual, wo se't geeren

harren.

In den lustigen Spinnstuben, den früher so berühmten Fundgruben alter

Sagen und Volkslieder, sangen die Landleute ehemals gern ein Liedchen,

in dessen Strophen sich zugleich die schalkhafte Sphinx verbarg, das so

anfing:

Ick satt up miinen Klössken

Un luusede miin Vössken;

Wo länger as ick luusede,

Wo kahler dat he wöörd.

(Dat was de Spinnewuocken.)

Ick satt up'n kaulen Steene

Un keik mi tüsken de Beene,

Ick keik van'n Hiemel to'r Eeren

Un dacht', wat will dat weeren?

(Dat was 'ne Henne de Egger brodde.)

u. s. w. u. s. w.

Man de gooe aule Tiidt der Eenfalt in Waart un Sitte liggt al'n Stiige

Hahnentrette achter us.

Hüütiges Daages häärt me dergliiken leider nich viel mehr, dann

upstunds miötet et enkel[1] nigge aabele Lyrendregger Stückskes,

gedruckt in diesem Jahre, »Schöne grüne Jungfernkränze;«

»Jägersmänner;« »Deutsche Vaterländer;« »Weine, weine, weine nur nicht«

un dergliiken sien un uäwer söcke Lifflafferiggen weeret alle de

schäunen aulen Leeder as:

»Miin Mann woll es riien un harr nin Pierd;«

»Bliine Joost de harr' ne Deeren;«

»Ick was de Junfer Eegensinn;«

»Fruwwe, ji schollen na Huuse kuomen;«

»'T rees'den dree Junkers wual uäwer den Rhiin«

u. s. w. u. s. w. heel verleert un vergieten.

_'T is de Welt!_ Wel kann't twingen. _Sau de Wiise, sau de Sank._

_Ann're Heerens settet annere Suulen_ un nierens geht't wunnerlicker

to, as in der Welt, plegt me wual to seggen, dann de is rund un mot

sick dreggen un wi alltohaupe miie. Man hüütiges Daages kümmt'r

alldach baule allstoviel Nigges up't Tapeet, dat sick meestig alle

up _~ismus~_ und _~tismus~_ endiget, waar se sick un annre Lüüe met

elendiget un in der Meenunge staaet, dat se'r de längest verliienen[2]

bietern Tiien met wier haalen kiönen. Unnerdessen kann't wual nin

Minske läugnen un wööre he auck nau sau bliind un all' den Wirrwarr

fiind, dat't'r all'nhand up Stiien dann dach aparte wat ruuserig hier

geht un dat't düür un düür, van Ende bes to'r Wende sau'n wirrsk

Unner-Männtken-buawen-Spell is, dat'r baule nin Minske mehr wiis uut

weeren kann, waar se'r an'tleste na wual met na to willt.

»_Waar de Tuun 'ne laage[3] Stiie heft, stiiget de Schwiine 'r uäwer._«

-- »_Waar 'ne Kloppe[A] in'n Huuse is, daar sitt de Düüwel up'n

Schattsteene_;« un »_Wo hilliger de Tiidt, wo gluursker de Düüwel_,«

siäen de Aulen un mogten'r vorwahr auck wual Recht anne hebben.

_De Welt is nu eenmal vuller Haaken un Öösen._ -- Unverdrag,

Tiänegniiperigge, Zank un Niidt un Striit find't me upstunds leider

Gattes in allen Ständen un in allen Dingen; Verspackungen[4] sawual

up'n Diälen, as up'n Hiilen un in'n häugesten Hahnenholte un Unfriäe

in allen Hööken, daar me ichtens de Augen hendregget, un wat will't na

wual alle giewen, ehr sick all' de verwoorenen Kraumstickeriggen wier

glatt bi eene trecket!

Dat Spell liggt leider nu eenmal sau in der Natuur un is alle

Creatuuren gemeen; man wann sick to'm Bispell 'n Paar inbellske,

rohmsüchtige Hahnens, 'n Paar schalüünske[5] Kröpperaarende, of'n Paar

misgünnige Rüüens, de sick de besten Knuacken een vor't annere geeren

wegschnappen mogten, lange noog an e gneeset un beknurret un sick eerst

man 'n Paarmal schamper[6] bieten hewwet, weeret se achternau insgemeen

de dickesten Fründe un deelet sick al geeren eerlick in de Büüte. --

Giewe Gatt, dat'r an'tleste man nich auck 'n Deel _~Missmus~_ manken

loope, de se up Ööwelwiege vertocket[7], daar se heel uppe verdwaalet

un _dat se nich met'n Jiöcke in 't Bad gaaet un'r met'n Kleye wier uut

kuomet_. --

Je nu, laut't schlüüren! Wen't alle nich ansteht, wat sick upstunds

gebüüret, de träuste sick met: ~Visito, visitas!~ Dat het up Düütsk:

Un thüüt auck alle Welt to Feile,

De Welt blift alldach as se was.

Wat't'n auck hier un daar unnern Steerte jiöcken mag un wat se auck

all'nhand vor Tolööpe niemen müüget, lautet se man bissen hott un

haae[8], un gift't auck wual es'n Ruck un'n Riete, 't kümmt alldach

met'r Tiidt Allens wier in de aulen Truaaen.

»Viele Köppe viele Sinne,« siä jener Knecht, as he 'n Föör

Kumstköppe[9] ümmeschmieten harr un de Eene hier, un de Annre daar hen

turrelde. Man afgliiks he'r siinen grauten Verdreet uäwer kreig un'r'n

ganzen Haup resolute Donnerwiers bi flokde, gaf he sick dach an'tleste

kristlick to un raakede se ganz gedüldig wier bi eene. Sau, rieke ick,

schiöl't sick met de hüütigen Twasjahners uäwer kort of lank auck

gebüüren ...

'N ault Jeddewaart seggt: _De Jiwer heft as de Haasens, siewen Hüüe,

man he leggt'r alle Daage eene van af._ Dat is de Welt Loop van

Anbeginn e wiesen un schall auck wual sau bliiwen, süß moste uuse

Herrgatt an'tleste na wual't Regiment verloopen; man de sitt faste in

den aulen Saadel un schall sick van däärlicke Minskenkinners vorwahr

vor't Eerste na wual nich begäusken lauten. Is he dach na vor as nau de

sülweste gooe aule Gatt des Friedens un der Liebe, de geeren'n Auge to

drücket, sau lange et ichtens geht, de'r abers auck wual tüsken triäen

un'n Insehn to doonen schall, wann't Tiidt is; dann sau as de Verloop

nu is, kann't alldach up de Duur nich bestaunen. --

_Wann de Apteekerbüssen klappert, is'r vull Leigheet un Süüke, un

wann't Käären wuorpet werd, blift't Kaff vor to liegen._ 'T mag wual

Tiidt un auck wual goot sienen, dat Allens rägt un fiäget werd. -- Dan

schiölet de Saaken auck wual wenner 'n annern Drei[10] wier kriigen.

De gedüldige, kneeseilde, uäwerto in Lankmoot un Löösigheet begrauede

un begriisede düütske Michel werd alle Daage insichtiger un wo mehr

em de langen, rööterigen aulen Zopphaare tostutzet un stüüwet weeret,

wo heller't em in'n Koppe werd. Münnert sick de lögge Siewenschläuper

man eerst recht uut'n riekeligen Dutte un Draume un wisket sick de

blääen Augen met de Hiemdsmowwen ordentlick klaar, dann schall he sick

auck wual met Andacht un Gemack to Sinne griipen, wo't ümme em to

geht un dann schall he sick wual recken un räugen un in de elteriggen

Füüste spiggen un up den düür un düür verralterden un vertalterden

Kloddenprüük in tasten un tocken wat he tocken kann, dat he in glatte

Töppe un Fissen reet werd, dat uuse leewe Herrgatt ginte buawen siine

Lust un Frööde an siine nigges upfliggeden Kinnerkes hier up'r Eerden

heft, de in Eenverstand un Friäe bi elkander un düür malkander liewet

un wiewet ...

De siälige ~Asmus~, -- wann ick unner den Naamen nich riewele[11]

-- sünk je auck al vor langen Jahren: »Es kann schon nicht immer so

bleiben etc.« Sint der Tiidt is'r wahrhaftig e noog vorgaunen, daar de

gooe Mann sick wual Nicks van dräumen lauten harr un de Welt heft sint

dessen Rücke un Stäute kriigen, dat se'r faarts 'n paar hunnert Jahre

up ens van vuörwes triifelt is.

Wel in der Schlummertiidt vor der Revolution to'r Welt e kuomen un up

e wuossen is un't sau advenant alle met düür e maaket heft, de weet'r

van nau to seggen, wo't'r bi togaunen un de Welt in de hüütige Gestalt

kuomen is; man'n junge Kiik in de Welt, de't eerst uut Böökern liäsen

mot, wann he'r Aart van wieten will, kann't alldach sau vullstännig

nich begriipen, as de De, de't met eegenen Augen an e sehn hebbet.

Uuse siälige Kanter, ('t was auck sau'n Stücke van'n ~Asmus~,) konn

af un an auck wual es sa'n Simmeleerschuur up't Liif kriigen, dat he

geeren in de Feerne keik un uäwerliä, wo't na wual es kuomen kiöne

un miöte, un dann plogde he achternau de Aarm's unner to schlaun

as de graute Feerenkiiker un Twankmester Napoligum, wann he sick

de nigge Inrichtunge der Welt düür'n Kopp gaunen lööt, un vor sick

hen to miimern un to söchten: »'t is hart, wat Bieters ruuken un't

nich schnappen kiönen. -- Alle Wiisheet in Ehren, man wann me 'n

augenverkäüchelsken[12] Kladderbaum met aller Mööte up e riepet is un

iewen de Hand na der blanken Taskenuhr uutstrecken will, glisket me

schnupps 'n eeslings[13] wier an de Grund un heft't bedrööwede Nausehn

un Verhäununge un Uutschliipen in'n Kaup.«

Lautet us abers man nich verzaagen! Vellichte konn't sick dach

gebüüren, dat se van den ~Patriotismus, Socialismus, Pietismus,

Communismus~ un wat't na süß alle vor _~is-~_ un _~cis-~_ un _~dismus~_

sienen mag, de der Minskheet upstunds in'n Köppen spockt un se

rappelköppsk un schullahrig[14] maaket un uut'n eene ritt, as de

Wahrwulf 'ne freedsaame Schaupedrift, auck bito na wual es wier up den

aulen =bidoonsken= _~Westphalicismus~_ verföllen.... Gatt giewe't!

Dann Trühartigkeet, Verdriägsamkeet un Eenigheet, _met eenen Waarde_:

=de aule ehrlicke Bidoonskeet=, sind heel uut'r Welt e wieken, un de

miötet'r alldach tohaupe eerst wier in, süß blift't apartig met allen

~ismus~sen 'n tüdderiggen Kraum, daar se sick dann an'tleste na wual

sau inne to vermusselt, dat't'r _heel_ met belemmert un bedaun is. --

-- --

_Dat is_, ducht mi, _'n Satz un auck 'n =Muß=_. --

~Pauperismus~ wille de Herre in Gnaaden van us afwiiren, vor den

~Nihilismus~ abers de heele Minskheet bewaaren.

Un scholl't dann met'r Tiidt de Fall weeren, dat uut alle den

Kriwwelkrawwel toleste wat Bieters gröonede un blöggede, dann wi-wi

uusen Kinnern un Kindeskinnern wünsken, dat se't waaren müügen un'n dat

Geneet 'r van uut Hartensgrunde günnet sien.

Wann us Aalen =de Tiien= auck wul es an lachet as Fierkenschnüütkes

in'n Suurkaule, sau schall =de Pott= vor us alldach wual nich mehr gaar

weeren; wi schiölet wual in der bedrööweden Musseligge vordan begriisen

un'r uäwer wegstierwen, ehr dat nigge Festdaagesgericht up'n Disk

kümmt. --

Nu Adjüüs! vor düsse Keer... Wann'k de Frööde na beliewen scholl,

dat düt Bööksken, dat ick vor Nicks mehr un Nicks Bieteres

uuttogiewen dacht hebbe, as vor'n lütken Bidrag to'r Kenntniß uuser

_unverfälskeden_, gooen aulen Moorsprauke un to'n Gedenkbooke der

Eenfalt in Waard un Sitte uuser rechtschaffenen Vorfahren, met Bifall

up e nuamen werd, kuome ick vellichte na wual ens met allerhande

Schnacken un Schnurren _uut der gooen aulen Tiidt, as de Düüwel na'n

lütk Fentken was un Himmännken hedde_, wier vor'n Dag; dann ick heww'r,

nett as miin Fründ Seling, na'n ganzen Haup unner in der Kiipen liggen.

De Tiidt mot't nauwiisen. 'N ault Jeddewaart seggt: »_De sick anbaut,

dessen Laun was nich graut._« Scholl't'r mi auck sau met gaunen, dann

mot'k'r mi met träusten, dat'k't'r to'm Minnsten dach goot met e ment

hewwe.

_Elk Vuugel singt, daarnau he becket is._

'T gaae Ju tohaupe wual![B]

[1] _enkel_: blos, nur.

[2] _verliienen_: vergangenen.

[3] _laage_: flache, niedrige.

[4] _Verspackungen_: Risse, Zerrissenheiten.

[5] _schalüünske_: (~jaloux~) eifersüchtige.

[6] _schamper_: scharf, tüchtig.

[7] _vertocket_: verlockt.

[8] _hott un haae_: links und rechts.

[9] _Kumstköppe_: Kabusköpfe.

[10] _Drei_: Dreh, Wendung.

[11] _riewele_: irre.

[12] _augenverkäüchelsken_: verblendenden, gauklerischen.

[13] _'n eeslings_: rückwärts.

[14] _schullahrig_: hängeohrig.

[A] »_Kloppen_« waren bei den Katholiken an den Orten, wo sie ihren

Gottesdienst nicht halten durften, solche Weibspersonen, welche an den

Kirchenthüren sitzen und der versammelten Gemeinde mit Klopfen (daher

der Name) ein Zeichen geben mußten, wenn die Gerichtsdiener kamen und

den Gottesdienst stören wollten. Sie thaten kein Gelübde und konnten

sich verheirathen, wiewohl solches selten geschah.

Andere behaupten, sie wären verpflichtet gewesen, die Geistlichen zum

Frühgottesdienste durch Klopfen an den Kammerthüren zu wecken.

[B] Durch den vorstehenden, vor dem Abdrucke uns mitgetheilten, sehr

lesenswerthen Auszug, fühlen wir uns -- nachdem wir zugleich von vorn

herein erklären, kein kopfhängerischer Freudenstörer und Feind des

Frohsinnes zu sein, vielmehr dem, durch die vielfältigen Trübsale und

Zerwürfnisse unserer Tage gebeugten Volke gern vergönnen, mit den

Fröhlichen froh zu sein, insofern ihr Frohsinn sich nur in den rechten

Schranken hält, -- veranlaßt, einer uns mehrfältig aufgefallenen

Unstatthaftigkeit zu erwähnen, die uns der Abhülfe wohl bedürftig

erscheint.

Es ist dies nämlich das häufige und wie es scheint immer mehr

zunehmende Umhertreiben von Knaben und Mädchen, die oft wohl noch der

Kleinkinderschule angehören möchten, auf Jahrmärkten und Kirchmessen,

welche dem Volke allerlei obscöne Lieder vorplärren und dieselben

hinterher wohl gar auch noch gedruckt zum Verkaufe ausbieten.

Namentlich hat ein dahin gehörendes Schandlied, das, soviel wir meinen,

so anfängt: »Use Knächt het et sägt« etc. seit Kurzem eine solche

Verbreitung im Volke gefunden, daß man kaum eine kleine Strecke Weges

zurücklegen kann, ohne beständig, selbst von Schul- und noch jüngern

Kindern, die hinter den Kühen und Gänsen laufen, diesen ekelhaften

Gesang, dem gleichwol eine nicht schlecht tönende, zu einem besseren

Volksliede wohl zu verwenden gewesene Weise gewidmet ist, anhören zu

müssen.

Die Verbreitung solcher Lieder kann offenbar nur höchst

sittenverderbend und gefährlich auf junge Gemüther einwirken. --

Möchten daher die Behörden, die ja sonst bemüht sind, gute Zucht

und Sitten nach allen Richtungen hin zu befördern und aufrecht zu

erhalten, ein schärferes Augenmerk auf solche Unschicklichkeiten

richten und namentlich dem herumziehenden Gesindel, ganz insbesondere

aber den vielen kleinen Kindern, das Betteln und Gelderpressen mittelst

dergleichen, gegen alle Gesittung anstoßenden Lieder streng verbieten

und ihnen statt dessen ihren rechten und bessern Platz in den Schulen

anweisen lassen wollen.

(Aus der Mittheilung eines Freundes.)

Wörter die beim Flachsbau, Spinnen und Weben vorkommen.

Aus dem Anhange zu dem ~Idioticon osnabrugense~ des Rectors

_Strodtmann_.

Wenn de Buur syn Land wennegraven heft; so harked he't mit der Harken.

Is dat Lyn loopen, un is nich twylöpsk, of al to fuhl; so gevet sick

de Weers ant Ween, dat et juchet: to malen, wenn't nich grovstakerig

is. He lett et luken un föhret de Knott-Bünne na Huus. Dann geiht et

ant Reepen up der Knotten Delle, oer up den Balken un dasket se mit

den Knotten-Krans[A]. Dann swinget he't, dat dat Knotten-Kaf vam Lyne

geiht. Darna binnet he't in Water-Boten, bringt et in de Reute-Kuhlen,

dyket et in, un lett et reuten. Dann kümt et in de Spree, bet et Knaken

dröge is. War se nyne Bokemöllen hebbet, dar werd et met der Treuten

boked. Darup weret de Ryßen int veerkantige üm den Wocken legt, un et

geiht an't Braken; de Brak-Flegel geiht so lange, bet dat Böcksel full

is.

Na der Hand kumt dat Schwingen up dem Schwingelblock, dat Schläbraken,

dat Ribben, dat Hekkeln. De Hee werd uppeheget tom Spinnen, un de

Leege tom Schüren; man de Schäve werd up den Fahld e smeten. De Möhme

maked de Ryßens in Dyßen, un legt se weg, bet dat de Tyd kümt, dat

de Wehrt mit Knechten un Mägden, jedder syne Dyßen anlegd un tokked

ut den Spinne-Wokken, de eene drall, de anner fläge Garen. Gladde

Wichters hebbet gladde Wokken-Bläer, un spinnet niene Krallen. Is de

End verlahren, so werd he van frisken van der Spole över de Flucht dür

de Büßen tagen. Elk' Bind werd mit der Fißen alleene bunnen, bet dat

ganße Stücke fißet is. Dat Gaaren werd e kaket unne büket. Van der

Garwinne kumt't up de Spillen. De et schyren schall, mot dat Läsen

verstahn; de't up't Stell krygen will, mot en Kamm van teinen, van

ölven of van twölven un mehren hebben, un en Hyvelt un en Drömmel, dat

he't andrömmeln kan. Up den Spool-Rae werd de Inslag up Spolen wunnen,

dat de Schöttspole in den Gange blyvt. Destomehr Gink settet weret,

desto bredder werd dat Werk. Is dat Garen schyr Fleßen, de Egge goot un

dichte un even wörket; so gelt de Stock all en Jöhstken mehr. De wat

spinnet Maltgaren, de wat maket Lewwend, un verkopet se. Man de dat

nich nödig heft, de hechtet dat Linnen, bleket, büket un wacket et, un

wenn et ree is, so leggt de Moor et in't Schreen, det se't nödig heft,

sick Hemde un so wat darvan to tügen.

Die Relation bei _Strodtmann_ ist mangelhaft, deshalb habe ich zu

beliebiger Vergleichung (auch der Orthographie) eine vollständigere

neben Jener abdrucken lassen.

Wann de Buur 't Liinsautsland wennegraawen heft, harket he't met'r

Eggen of met'r Harken, segget dat Liin 'r in, un lätt de Walten 'r

uäwer gaunen. Is dat Liin goot loopen un nich twiilööpsk af allstofuul,

sau giewet sick de Weers an't Ween, dat't juuchet, tomaul wannt nich

graffstaakerig is. Wann't sau wiit is, lätt he't luuken un föhrt

de Knüttlinge of Knuttenbünne na Huus. Dann geht't an't Riepen; de

Knutten de'r van kuomet, lätt he up der Knuttenbahn of up'n Balken

dräuge weeren. De Knutten, daar na Stengels anne besitten bliiwen sind,

dregget se tohaupe un dat het dann'n Knuttenkranz. De Knuttenkränße

hanget se meestig an'n Huuse in de Lucht, un wann se dräuge noog

sind, weeret se met de annern Knutten tohaupe bedierwe met'n Friegel

uut e duosken; dann wuorpet se dat Diösksel met'r Wuorpschüppen, dat't

Knuttenkaff van'n Liine geht. Daarnau kümmt't Liin up de Fiägemiölen;

dat beste Liin blift buawen up'n Siefte un werd deels to'r neigesten

Insaut up e raaget, deels met den verquiinden, dat'r unner düür

fällt, tohaupe na'r Ölgemiölen schicket, dat'r Ölge van schlaagen un

Ölgekooken vor't Vee van e maaket weeret.

Dat riepede Flass biinet se in Waaterbauten bringet't na der

Röötekuhlen, diiket't in un lautet et rööten, bes't breckt, of

röötegaar is. Dann kümmt't in de Spree, bes't knuackendräuge is un

goot schillet. Waar se nine Buokemiölen hebbet, daar buocket se't met'r

Trööten. Darup werd't bi Rissens in't Veerkant ümme den Flasswocken[B]

(Staapelstool) leggt un dann geht't an't Braaken. (Bi de Braakeriggen,

daar se sick 'n anner helpet un allmanngsens uut'r ganzen Buurskup bi

eene kuomet, geht't meestig lustig hier.) De Brakenschliägel geht sau

lange, bes dat Biöcksel alle is. Na der Hand kümmt dat Schwingen up'n

Schwingelblocke, dat Schliepbraaken, dat Ribben up'n Ribbelappen un dat

Hiekeln. De beste Hee werd to'm Spinnen up e hieget un dat Gaaren dat

se daar van spinnet, het Heengaaren, waar 'n tiigen dat uut schiiren

Flasse spunnene Flässen- of Schiir-Gaaren het. De leigen Heen bruuket

se to'n Schüüren, of maaket'r Flassseile van, man de Schiewe werd up'n

Fahl e schmieten of up e raaget, dann se is auck up vull annre Wiise

na goot to bruuken, t. B. to'n Füüranbööten, Egger intopacken etc. De

Mömme dregget de uut e hiekelden Rissen in Kluawen ('n Kluawen heft

teggen Rissens) reet de Heen in Diißens un leggt se weg bes de Tiidt

kümmt, dat de Weerth met Knechten un Miägeden jedder siine Diißen

anleggt un uut den Spinnewocken de Eene drall, de Annre flaige Gaaren

tocket.

Riekene Wichter hebb't glatte Wockenbliä'r; se singet achter'n Driibeen

'n lustig Leedken un spinnet nine Krallen. Is de End verluaren, sau

werd he met'n Drauthaaken van frisken van der Spoolen uäwer de Flucht

düür de Büssen tuagen. Sind de Spoolen vull, dann weeret se af e

haspelt. Elk Biind ('n Biind heft mehr of minner füftig Haspelfiäme)

werd met'r Fissen af e delt un alleine buunen, bes dat ganze Stücke

fisset is. 'n Stücke Gaaren heft gemeen hen veeruntwintig bes dartig

Biind. Dat Gaaren werd erst e kuacket, büüket un bleeket, bes't witt

is. Van der Gaaremwiine of'n Kröönken kümmt't up de Spillen. De't up'n

Schiirraamen schiiren will, mot't Liäsen verstaunen; De't up't Stell

kriigen schall, mot, wann se Läwwentlinnen[C] wuörken lauten willt,

'n Reelkamm, 'n Hiiwelt un'n Kamm van fiif un twintig Gingen, 'n Paar

Gaarenscheen un Driömelsk satt hebben, dat he't Gaaren wier andriömeln

kann, wann't ritt, wat sick lichtfärrig gebüüret, wann me de leigen

Jungens 'r nich vor möötet, dat se de Wichter in'n Wuörkestelle tiepket

un tierget. De Inschlag werd up'n Spoolraae up Spoolen wuunen, dat de

Schattspoole in'n Gange blift. Wo mehr Ginge settet weeret, wo breer

dat Wierk werd. Bi'n Wuörkestelle mot auck 'n Becken met Schmittebrii

un Schmittebösten staunen, daar de Wuörkerske dat Wierk met schmittet,

dat de Kamm bieter glitt, dat Gaaren nich to viele ritt un Schiersel

un Inschlag sick bieter packet un bi eene hält. Wann de Wuörkerske de

Speerrooen versettet, nimmt se't Gnittelbeen un glättet de Buawensiit

un de Kanten, dat de Kantläcker sick tosettet. Is dat Gaaren schier

flässen, de Egge goot, un dichte un iewen wuörket, sau gell't de Stock

al'n Jöösken (ehemals 5¼ Pfennig) mehr. De wat spinnet Maltgaaren[D] de

wat maaket Lewwende un verkaupet se up'r Legge, daar't leider Gattes

hüütiges Daages man nich viele Pennige mehr gift... Man de dat nich

will, of nich näudig heft, de hechtet dat Linnen, büüket, wacket un

bleeket't un wann't an'tleste ree is, leggt de Moor't in't Schreen un

lätt't liggen bes se't van doonen heft sick Schliitelwierk, dat is

Hiemde, Beddelaakens of Sökes, wat de Huushällunge behoeft'r van to

tüügen, of bes de Dächters frigget un de Kistenfüllunge 'r 'n Schliete

in maaket.

[A] Dies ist unrichtig; denn der »_Knuttenkranz_« ist nicht das

Instrument, womit die Fruchtknoten des Flachses »_de Knutten_«

ausgedroschen werden, sondern ein kranzförmiges Geflecht aus den

Stengelchen, die beim Reepen des Flachses an den Knoten sitzen bleiben.

[B] Der _Wocken_ schlichtweg, ist der Spinnrocken; die zum Braaken

abgetheilten Flachsrissen werden dagegen in's Vierkant um den

»_Flasswocken_« oder Staapelstool übereinander gelegt.

[C] Diese Benennung stammt ohne Zweifel aus dem Holländischen ab,

nämlich von dem Worte: »~loven~« loben, preisen, rühmen; _Waaren

auf den Preis setzen_. -- »_~Hoe veel looft gij dat linnen?~_«

Wie hoch haltet Ihr das Linnen? »_~Linnenlovery~_:« öffentliche

Linnenverkaufsanstalt.

Da nun die Holländer vermuthlich die ersten Abnehmer und die Begründer

unsers Leinwandhandels gewesen; so läßt es sich sehr wohl erklären, daß

sie uns auch die obige Benennung zugebracht haben, bey der es später

verblieben ist.

Die Annahme, das Löwend-Linnen habe von der ursprünglichen Bezeichnung

mit einem _Löwen_ seine Benennung erhalten, ist eine Fabel.

[D] von _Malter_: ein Dutzend oder 12 Stück. Das Maltgarn wurde

gewöhnlich bei 12 Stücken verhandelt.

Zum Schlusse theile ich den Lesern einen Auszug aus dem Schreiben eines

gelehrten Freundes mit und bitte Jedermann, der sich für Sammlungen

von Volkssagen, Volksliedern, Sprichwörtern, Inschriften und was sonst

dahin gehört, interessirt, um gütige Mittheilungen.

»Als einen schwachen Beweis, wie gern ich Ihr schönes, verdienstliches

Vorhaben unterstützen möchte, sende ich Ihnen einliegendes Gedicht.

Sollte es noch nicht in Ihrer Sammlung sein, so glaube ich, daß Sie es

als einen Gewinn ansehen können.

»Die beste Fundgrube für dergleichen Sachen, _=wie sie im Munde des

Volkes leben= und das ist die Hauptsache_, sind unsere Spinnstuben.

Diese würde man am besten ausbeuten können, wenn Prediger,

Schulmänner, Förster etc. auf dem Lande diesen oder jenen verständigen

Bauern, dessen Schulbildung etwas über das Gewöhnliche hinausginge,

für die Sache interessiren und gewinnen könnten.

»Da diese Lieder meistens gesungen werden, auch in der Regel durch

characteristische Melodieen sich auszeichnen, so wäre es gewiß sehr

interessant, diese soviel möglich mittheilen zu können. Der Bauer

müßte sich dazu verstehen, das Lied, oder das Mährchen aufzuschreiben,

so gut er's kann, gleichviel ob vollständig oder mangelhaft. Hat man

nur erst Schwarz auf Weiß, dann läßt sich der Sache leichter

nachspüren; eben so auch den verschiedenen Lesarten. Wir haben im

Volke einige Melodieen, die unbedingt den schönsten des südlichen

Frankreichs und des schottischen Hochlandes an die Seite gestellt

werden können.

»Im Osnabrückschen lebt im Munde des Volks eine Ballade, welche

anfängt:

»»Et rees'de 'n Junker wual uäwer den Rhin,

»»Na eenes Graafen Schwesterlin; etc.

(darin kommt vor:)

»»Ick wickle di hen, ick wickle di hier

»»Un wickle di nu un nimmermehr.

(und endigt sich:)

»»Dem Brooer folgede Rawengesank,

»»Der Süster folgede Klockenklank;

»»Dem Brooer folg'den de Raawen nau,

»»Der Süster folg'den de Schöölers nau.

»Man sieht aus den Bruchstücken, wie vielversprechend das Ganze ist,

das ich leider nicht vollständig habe auftreiben können.«

Den Freunden, welche mir auf meine in verschiedenen Nummern der

Osnabrückschen Anzeigen vom Jahre 1842 enthaltene Bitten so manche

schätzenswerthe Beiträge bereits zusandten, statte ich meinen

verbindlichsten Dank ab und hoffe, daß dieselben fortfahren werden,

mich mit ferneren Mittheilungen zu erfreuen. Abers ji Antkevaars un

Bessemöörs, vertellet, wann ji innehööen miötet, of süß nich recht

mehr kummfaart kiönet, den Kinnern dach af un an wat van de aulen

Määrkes un Dööntkes, de ji van juue Antkeaulen hier na wietet, un ji

fründlicken Buurenwichter, singet den Jungens achter'n Spinnraae un in

de Wuörkekaamern dach manngsens söcke aule Leederkes vor; de schriiwet

se dann up un schicket se mi, as ick wual wisse weet, geeren to, dat

ick se drücken lauten un Jedereene se d'rnau auck liäsen un van buuten

leeren kiöne, dat se nich heel verluaren gaaet un Kinnerskinner 'r

auck na Geneet van hebben un'r van nauseggen kiönet. De mi Söckes

toschicket, 't si auck wat't si, schall vorwahr auck fründlick van mi

bedanket sien un' n Küßhändken to hebben.

[Illustration]

Anmerkungen zur Transkription:

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wurden in der Transkription bereits berücksichtigt. Weitere

offensichtliche Zeichensetzungsfehler sowie typografische Fehler wurden

korrigiert.

Plattdeutsche Briefe, Erzählungen und Gedichte mit besonderer Rücksicht auf Sprichwörter und eigenthümliche Redensarten des Landvolks in Westphalen · 第 17 / 17 题