Zweiundzwanzigster Auftritt

Das Fräulein und die Vorigen.

Lisette. Nun, warum sollte es nicht wahr sein?

Der Baron. Komm, meine Tochter, komm! Verbinde deine Bitte mit der

meinigen: ersuche meinen Erretter, deine Hand, und mit deiner Hand

mein Vermögen anzunehmen. Was kann ihm meine Dankbarkeit Kostbarers

schenken, als dich, die ich ebensosehr liebe, als ihn? Wundern Sie

sich nur nicht, wie ich Ihnen so einen Antrag tun könne. Ihr

Bedienter hat uns entdeckt, wer Sie sind. Gönnen Sie mir das

unschätzbare Vergnügen, erkenntlich zu sein! Mein Vermögen ist meinem

Stande, und dieser dem Ihrigen gleich. Hier sind Sie vor Ihren

Feinden sicher und kommen unter Freunde, die Sie anbeten werden.

Allein Sie werden niedergeschlagen? Was soll ich denken?

Das Fräulein. Sind Sie etwa meinetwegen in Sorgen? Ich versichere

Sie, ich werde dem Papa mit Vergnügen gehorchen.

Der Reisende. Ihre Großmut setzt mich in Erstaunen. Aus der Größe

der Vergeltung, die Sie mir anbieten, erkenne ich erst, wie klein

meine Wohltat ist. Allein, was soll ich Ihnen antworten? Mein

Bedienter hat die Unwahrheit gered't, und ich--

Der Baron. Wollte der Himmel, daß Sie das nicht einmal wären, wofür

er Sie ausgibt! Wollte der Himmel, Ihr Stand wäre geringer, als der

meinige! So würde doch meine Vergeltung etwas kostbarer, und Sie

würden vielleicht weniger ungeneigt sein, meine Bitte stattfinden zu

lassen.

Der Reisende (beiseite). Warum entdecke ich mich auch nicht?--Mein

Herr, Ihre Edelmütigkeit durchdringet meine ganze Seele. Allein

schreiben Sie es dem Schicksale, nicht mir zu, daß Ihr Anerbieten

vergebens ist. Ich bin--Der Baron. Vielleicht schon verheiratet?

Die Juden Ein Lustspiel in einem Aufzuge verfertiget im Jahre 1749. · 第 46 / 48 题