Lisette. Christoph.
Lisette. Mein Herr, Sie hungert oder durstet gewiß, daß Sie schon
wiederkommen? nicht?
Christoph. Ja freilich!--Aber wohlgemerkt, wie ich den Hunger und
Durst erklärt habe. Ihr die Wahrheit zu gestehn, meine liebe Jungfer,
so hatte ich schon, sobald ich gestern vom Pferde stieg, ein Auge auf
Sie geworfen. Doch weil ich nur einige Stunden hierzubleiben
vermeinte, so glaubte ich, es verlohne sich nicht der Mühe, mich mit
Ihr bekannt zu machen. Was hätten wir in so kurzer Zeit können
ausrichten? Wir hätten unsern Roman von hinten müssen anfangen.
Allein es ist auch nicht allzusicher, die Katze bei dem Schwanze aus
dem Ofen zu ziehen.
Lisette. Das ist wahr! nun aber können wir schon ordentlicher
verfahren. Sie können mir Ihren Antrag tun; ich kann darauf antworten.
Ich kann Ihnen meine Zweifel machen; Sie können mir sie auflösen.
Wir können uns bei jedem Schritte, den wir tun, bedenken, und dürfen
einander nicht den Affen im Sacke verkaufen. Hätten Sie mir gestern
gleich Ihren Liebesantrag getan; es ist wahr, ich würde ihn angenommen
haben. Aber überlegen Sie einmal, wieviel ich gewagt hätte, wenn ich
mich nicht einmal nach Ihrem Stande, Vermögen, Vaterlande, Bedienungen
und dergleichen mehr zu erkundigen Zeit gehabt hätte?
Christoph. Der Geier! wäre das aber auch so nötig gewesen? So viel
Umstände? Sie könnten ja bei dem Heiraten nicht mehrere machen?--
Lisette. Oh! wenn es nur auf eine kahle Heirat angesehen wäre, so
wär' es lächerlich, wenn ich so gewissenhaft sein wollte. Allein mit
einem Liebesverständnisse ist es ganz etwas anders! Hier wird die
schlechteste Kleinigkeit zu einem wichtigen Punkte. Also glauben Sie
nur nicht, daß Sie die geringste Gefälligkeit von mir erhalten werden,
wenn Sie meiner Neugierde nicht in allen Stücken ein Gnüge tun.
Christoph. Nu? wie weit erstreckt sich denn die?
Lisette. Weil man doch einen Diener am besten nach seinem Herrn
beurteilen kann, so verlange ich vor allen Dingen zu wissen--
Christoph. Wer mein Herr ist? Ha! ha! das ist lustig. Sie fragen
mich etwas, das ich Sie gern selbst fragen möchte, wenn ich glaubte,
daß Sie mehr wüßten, als ich.
Lisette. Und mit dieser abgedroschnen Ausflucht denken Sie
durchzukommen? Kurz, ich muß wissen, wer Ihr Herr ist, oder unsre
ganze Freundschaft hat ein Ende.
Christoph. Ich kenne meinen Herrn nicht länger, als seit vier Wochen.
So lange ist es, daß er mich in Hamburg in seine Dienste genommen hat.
Von da aus habe ich ihn begleitet, niemals mir aber die Mühe
genommen, nach seinem Stande oder Namen zu fragen. So viel ist gewiß,
reich muß er sein; denn er hat weder mich noch sich auf der Reise
notleiden lassen. Und was brauch ich mich mehr zu bekümmern?
Lisette. Was soll ich mir von Ihrer Liebe versprechen, da Sie meiner
Verschwiegenheit nicht einmal eine solche Kleinigkeit anvertrauen
wollen? Ich würde nimmermehr gegen Sie so sein. Zum Exempel, hier
habe ich eine schöne silberne Schnupftabaksdose--