Vierzehnter Auftritt

Lisette. Christoph.

Lisette. Mein Herr, Sie hungert oder durstet gewiß, daß Sie schon

wiederkommen? nicht?

Christoph. Ja freilich!--Aber wohlgemerkt, wie ich den Hunger und

Durst erklärt habe. Ihr die Wahrheit zu gestehn, meine liebe Jungfer,

so hatte ich schon, sobald ich gestern vom Pferde stieg, ein Auge auf

Sie geworfen. Doch weil ich nur einige Stunden hierzubleiben

vermeinte, so glaubte ich, es verlohne sich nicht der Mühe, mich mit

Ihr bekannt zu machen. Was hätten wir in so kurzer Zeit können

ausrichten? Wir hätten unsern Roman von hinten müssen anfangen.

Allein es ist auch nicht allzusicher, die Katze bei dem Schwanze aus

dem Ofen zu ziehen.

Lisette. Das ist wahr! nun aber können wir schon ordentlicher

verfahren. Sie können mir Ihren Antrag tun; ich kann darauf antworten.

Ich kann Ihnen meine Zweifel machen; Sie können mir sie auflösen.

Wir können uns bei jedem Schritte, den wir tun, bedenken, und dürfen

einander nicht den Affen im Sacke verkaufen. Hätten Sie mir gestern

gleich Ihren Liebesantrag getan; es ist wahr, ich würde ihn angenommen

haben. Aber überlegen Sie einmal, wieviel ich gewagt hätte, wenn ich

mich nicht einmal nach Ihrem Stande, Vermögen, Vaterlande, Bedienungen

und dergleichen mehr zu erkundigen Zeit gehabt hätte?

Christoph. Der Geier! wäre das aber auch so nötig gewesen? So viel

Umstände? Sie könnten ja bei dem Heiraten nicht mehrere machen?--

Lisette. Oh! wenn es nur auf eine kahle Heirat angesehen wäre, so

wär' es lächerlich, wenn ich so gewissenhaft sein wollte. Allein mit

einem Liebesverständnisse ist es ganz etwas anders! Hier wird die

schlechteste Kleinigkeit zu einem wichtigen Punkte. Also glauben Sie

nur nicht, daß Sie die geringste Gefälligkeit von mir erhalten werden,

wenn Sie meiner Neugierde nicht in allen Stücken ein Gnüge tun.

Christoph. Nu? wie weit erstreckt sich denn die?

Lisette. Weil man doch einen Diener am besten nach seinem Herrn

beurteilen kann, so verlange ich vor allen Dingen zu wissen--

Christoph. Wer mein Herr ist? Ha! ha! das ist lustig. Sie fragen

mich etwas, das ich Sie gern selbst fragen möchte, wenn ich glaubte,

daß Sie mehr wüßten, als ich.

Lisette. Und mit dieser abgedroschnen Ausflucht denken Sie

durchzukommen? Kurz, ich muß wissen, wer Ihr Herr ist, oder unsre

ganze Freundschaft hat ein Ende.

Christoph. Ich kenne meinen Herrn nicht länger, als seit vier Wochen.

So lange ist es, daß er mich in Hamburg in seine Dienste genommen hat.

Von da aus habe ich ihn begleitet, niemals mir aber die Mühe

genommen, nach seinem Stande oder Namen zu fragen. So viel ist gewiß,

reich muß er sein; denn er hat weder mich noch sich auf der Reise

notleiden lassen. Und was brauch ich mich mehr zu bekümmern?

Lisette. Was soll ich mir von Ihrer Liebe versprechen, da Sie meiner

Verschwiegenheit nicht einmal eine solche Kleinigkeit anvertrauen

wollen? Ich würde nimmermehr gegen Sie so sein. Zum Exempel, hier

habe ich eine schöne silberne Schnupftabaksdose--

Die Juden Ein Lustspiel in einem Aufzuge verfertiget im Jahre 1749. · 第 31 / 48 题