Dreizehnter Auftritt

Lisette. Das Fräulein.

Das Fräulein. Hätte ich's doch nicht geglaubt, wenn ich's nicht

selbst gesehen hätte. Du läßt dich küssen? und noch dazu vom Vogt?

Lisette. Ich weiß auch gar nicht, was Sie für Recht haben, mich zu

belauschen? Ich denke, Sie gehen im Garten mit dem Fremden spazieren.

Das Fräulein. Ja, und ich wäre noch bei ihm, wenn der Papa nicht

nachgekommen wäre. Aber so kann ich ja kein kluges Wort mit ihm

sprechen. Der Papa ist gar zu ernsthaft--

Lisette. Ei, was nennen Sie denn ein kluges Wort? Was haben Sie denn

wohl mit ihm zu sprechen, das der Papa nicht hören dürfte?

Das Fräulein. Tausenderlei!--Aber du machst mich böse, wo du mich

noch mehr fragst. Genug, ich bin dem fremden Herrn gut. Das darf ich

doch wohl gestehn?

Lisette. Sie würden wohl greulich mit dem Papa zanken, wenn er Ihnen

einmal so einen Bräutigam verschaffte? Und im Ernst, wer weiß, was er

tut. Schade nur, daß Sie nicht einige Jahre älter sind: es könnte

vielleicht bald zustande kommen.

Das Fräulein. Oh, wenn es nur am Alter liegt, so kann mich ja der

Papa einige Jahr älter machen. Ich werde ihm gewiß nicht

widersprechen.

Lisette. Nein, ich weiß noch einen bessern Rat. Ich will Ihnen

einige Jahre von den meinigen geben, so ist uns allen beiden geholfen.

Ich bin alsdann nicht zu alt, und Sie nicht zu jung.

Das Fräulein. Das ist auch wahr; das geht ja an!

Lisette. Da kömmt des Fremden Bedienter; ich muß mit ihm sprechen.

Es ist alles zu Ihrem Besten--Lassen Sie mich mit ihm allein.--Gehen

Sie.

Das Fräulein. Vergiß es aber nicht, wegen der Jahre--Hörst du,

Lisette?

Die Juden Ein Lustspiel in einem Aufzuge verfertiget im Jahre 1749. · 第 30 / 48 题