Einen Augenblick Stille -- tiefe Stille --

Martin hatte verstanden ...

Nein ... er durfte ganz ruhig sein, der brave, ehrenfeste Mensch da

neben ihm ... er, Martin, würde sich künftig noch mehr zusammennehmen

... beim nächsten Wiedersehen ... seine Augen, seine Stimme noch mehr

im Zaum halten ... noch mehr als heute ...

»Na ... nun kommen Sie --«

Freundschaftlich und vertrauensvoll klopfte der Kapitän dem Kameraden

auf die Schulter -- --

»Es ist Zeit ... morgen früh um vier wird abgebaut ... wollen ins Stroh

kriechen ...!«

Zweites Kapitel.

Frau Cäcilie hatte einen bangen Traum.

Ein Geläut klang ihr ins Ohr ... ein tiefes, volltöniges Geläut ...

unregelmäßig, oft wie vom Winde verweht, doch stark und mächtig ...

Und auf einmal wußte sie es ... das waren ja die Hochzeitsglocken ...

heute machte sie Hochzeit mit Martin Flamberg ...

Das Glück war gekommen ... das große Glück ... die Lebensliebe, von

der sie einst als Mädchen geträumt ... die Erfüllung, herrlicher, als

kühnste Dichterphantasie sie schilderte.

Bim, bam, läuteten feierlich die Glocken ... die Glocken des Kölner

Doms ... und sie beide, sie schritten mitten über den weiten Domplatz

... auf das weitgeöffnete Portal des ragenden Gotteshauses zu ...

Neben ihr ging der Maler ... in Paradeuniform, den schwarzen wehenden

Roßhaarbusch auf dem Helm ...

War sie nicht schon einmal neben einem Manne hingeschritten, der diese

Gewandung trug ...?!

Ach ... das war lange her ... das war gar nicht mehr wahr ...

Rechts und links staute sich das Volk, und sie hörte das Flüstern der

Menge: Das ist Martin Flamberg, der große Maler, und seine glückliche

Braut, die schöne Frau Cäcilie ...

Einen Blick warf sie dem Verlobten zu, und er erwiderte ihren Blick

mit einem jähen verlangenden Aufleuchten seiner braunen durstigen

Künstleraugen ...

Und immerfort ... tief und gewaltig ... summten dazu die Glocken aus

der Höhe ...

Nun schritten sie Hand in Hand die hohe, breite Domtreppe hinan ...

weit offen stand die metallene Pforte ... dem Blick erschloß sich

das geheimnisdunkle, weihrauchdurchduftete Innere des Heiligtums ...

von rechts her, magisch bunt gefärbt, fiel durch die Glasgemälde der

Spitzbogenfenster ein breiter Strahl gedämpften Sonnengoldes hinein ...

Da -- als das Paar die Pforte durchschreiten wollte ... plötzlich stand

da eine gräßlich entstellte, bleiche Gestalt in der Wölbung -- -- Fritz

--!

Er stand im kotbespritzten Manöveranzug ... die Feldmütze tief ins

blasse Gesicht gezogen ... die braunbehandschuhte Linke hatte er

fest aufs Herz gedrückt ... und unhemmbar floß ein Strom zähen,

dunkeln Blutes zwischen seinen Fingern hindurch ... sickerte auf die

Steinfliesen ...

Da schrie sie auf ... und brach in den Armen des Geliebten zusammen ...

Sommerleutnants · 第 32 / 52 题