Eins, zwei, drei, vier -- eins, zwei, drei, vier --

Das ... und ein Strom von Glück und Rausch, der von dem straffen,

lebenswarmen Mädchenkörper aus in alle Glieder des Gelehrten

überströmte ... in die Seele eines fast vierzigjährigen Knaben ...

Wenn nur nicht das Parkett so infam glatt gewesen wäre! -- Und daß

man alle Augenblicke mit einem andern Paar karambolierte, war auch

nicht gerade angenehm ... aber er war ja so kurzsichtig ... und alles

wirbelte im Kreise ringsum ...

»Na warten Sie nur, wenn Sie mich beim nächsten Walzer nicht zu einer

Extratour auffordern, dann werd' ich böse!«

Auf einmal fühlte er, daß er den Halt verlor ... sein linker Fuß war

ausgeglitten ... die Wirbelsäule bekam von unten einen Stoß ... knickte

vornüber ... der lange Körper verlor das Gleichgewicht ... riß im

Sturz die Tänzerin mit um ... Im selben Augenblick stieß zum Überfluß

ein heranwirbelndes Paar wider die taumelnden Leiber, und mit voller

Wucht sausten beide lang in den Saal ... Nelly hatte einen leisen

Schreckens- und Schmerzensschrei ausgestoßen, sie war im Sturz unten zu

liegen gekommen ... die Röcke flogen zur Seite ... fast bis zum Knie

streckten die weißen Strümpfe sich vor ...

Wie der Blitz war sie empor trotz eines heftigen Schmerzes im linken

Bein ...

»Herrgott -- stehn Sie doch bloß auf!«

Ihr Tänzer saß in genau derselben Stellung, wie vor fünf Wochen im

Froschtümpel, auf dem blanken Parkett inmitten des Gedränges der Paare,

die jäh anhielten und die Gestrauchelten umdrängten ...

Verworren, blöden Ausdrucks starrte er vor sich hin ... die Brille war

abgeflogen ... er war so gut wie blind ...

»Stehn Sie doch auf ... Donnerwetter nochmal!!«

Und Nelly reichte ihm beide Hände hin ... er griff zu wie ein tappiges

Baby ... ließ sich emporziehen ...

»Herrgott nein -- mit Ihnen ist aber auch wahrhaftig gar nichts

anzufangen!«

Mama Sassenbach raste wie eine Furie durch den Saal ... Wo war ihr

Mann? ...

Natürlich -- der bekümmerte sich kein bißchen um seine Töchter ...

hatte sich irgendwo im Rauchzimmer festgekneipt!

Wahrhaftig, da saß er mit dem Oberstleutnant, dem Bezirkskommandeur,

ein paar pensionierten Exzellenzen und Stabsoffizieren um einen Siphon

Münchener.

»Verzeihung, meine Herren! -- Moritz, komm, wir müssen nach Hause!«

»Aber, Kind -- 's ist ja noch nicht mal Mitternacht!«

»Einerlei -- wir müssen! Nelly hat einen kleinen Unfall gehabt ... Fuß

verstaucht ... einen Riß im Kleid ... und außerdem --«

»Verflucht! -- Selbstverständlich ganz zu deiner Verfügung, liebste

Amelie! -- Sie verzeihen, meine Herren!«

Die alten Herren schmunzelten.

Es kam selten vor, daß Frau Amelie von Sassenbach nicht aus irgendeinem

Grunde vorzeitig zum Aufbruch blies und den Gatten vom Münchener

wegschleifte ...

-- Wutbebend berichtete Frau von Sassenbach ihrem Gatten.

Der fluchte: »Das kommt davon, daß sich das Mädel mit dem

Landwehrfritzen eingelassen hat ... den hätte sie doch wahrhaftig

kennen sollen! -- Wo steckt sie denn?«

»Ist schon in der Garderobe -- sie konnte sich ja im Saal überhaupt

nicht mehr sehen lassen in dem ruinierten Kleid!«

»Und wo ist Molly?«

»Herrgott ja, Molly -- -- geh sie suchen, Moritz!«

Und Moritz ging auf die Suche.

Ja, wo war Molly? -- Im Gewühl der Tanzenden spähte der Vater

vergeblich nach dem lichtblonden Zopfgetürm über dem rosa Tüllfähnchen

...

Leutnant Blowitz, der als Ballarrangeur und Vortänzer fungierte, sah

seinen Chef mit suchenden Augen in der Tür stehen. Er führte Frau von

Brandeis, mit der er just eine Extratour tanzte, schleunigst zu ihrem

rechtmäßigen Tänzer, Herrn von Schoenawa, zurück und schoß auf den

Major zu: »Kann ich Herrn Major mit irgend etwas dienen?«

»Ich suche meine Tochter Molly -- wir brechen auf!«

»Meines Erinnerns habe ich das gnädige Fräulein vor ... vor zirka einer

halben Stunde gesehen ... sie tanzte mit dem Einjährig-Freiwilligen

Friesen!«

»So, mit dem Einjährigen -- und seitdem -- --?«

»Seitdem ist sie mir aus den Augen gekommen!«

»Na ... machen Sie kein Aufsehen ... hier im Saal ist sie nicht! ... Wo

könnte sie sonst wohl sein --?«

»Im Rauchzimmer und im Billardzimmer haben Herr Major schon

nachgesehen?!«

»Im Rauchzimmer war ich selbst! -- im Billardzimmer -- das wäre

möglich!«

Lebhaft plaudernde Gruppen in allen Ecken, um die Spieltische gedrängt

erhitzte Leutnantsgesichter, junge Mädchen und Frauen, die sich eifrig

fächelten ... hastende Ordonnanzen mit Servierbrettern voller Selters-

und Biergläser ... von Molly keine Spur! --

Sommerleutnants · 第 21 / 52 题