Unmittelbar darauf erfolgte das Signal: »Zur Kritik!«

»Bitte, Herr Hauptmann Goll!«

Zwischen den zusammengezogenen Brauen des Hauptmanns brütete das Unheil

und entlud sich alsbald als fürchterliches Donnerwetter über den

Oberleutnant Menshausen: »Herr Oberleutnant, wenn Sie nichts Besseres

zu tun wußten, als sich mit Ihrer ganzen Sippschaft hier am Waldrand

einzubuddeln und den Angriff der Ersten abzuwarten ... dann hätte ich

schließlich gerade so gut die Kompagnie von einem Unteroffizier führen

lassen können ... Was haben Sie sich bei dieser stumpfsinnigen Maßregel

denn eigentlich gedacht ...?«

Oberleutnant Menshausen bebte vor Wut und Scham. Die Hand am Helm,

sagte er, als der Hauptmann seine Frage gestellt hatte: »Ich habe den

einjährig-freiwilligen Unteroffizier Friesen mit einem Halbzuge in das

Gehölz dort zur Rechten geschickt, und zwar mit genauer Instruktion ...

Er sollte im Augenblick, wenn die erste Kompagnie nach ihrem Vorgehen

auf der Höhe des Gehölzes angekommen wäre, Flankenfeuer geben!«

»Bedaure -- habe nichts von Flankenfeuer gemerkt! Wo steckt denn Ihr

Unteroffizier?«

»Das weiß ich nicht, Herr Hauptmann ... er muß sich verlaufen haben!«

Leutnant Blowitz, hoch zu Roß, flüsterte dem Major eine Bemerkung zu.

»Aha -- der Dichter -- na, das fehlte mir gerade! Erst brennt bei

den ersten Schüssen ein Gaul durch, auf dem zufällig ein Herr von

der Landwehr angebracht ist ... dann schmeißt dieser unglückliche

Einjährige die ganze Übung um ... Na, warte mein Jungchen ... dir werd

ich das Dichten austreiben! Aber bitte weiter, Herr Hauptmann, Sie

haben noch nicht den Angriff der Ersten besprochen!«

Flamberg erhielt ein gerüttelt und geschüttelt Maß voll Lob,

sowohl von Hauptmann Goll, als auch nachher beim Schlußwort des

Bataillonskommandeurs: »Ihre Leistungen, Herr Leutnant Flamberg,« sagte

der Major, »söhnen mich einigermaßen mit der Situation aus! -- Ich

danke Ihnen, meine Herren -- --«

Rum, plum, plumbidibum. -- Heimwärts ging's mit Trommelschlag und

munterm Gekreisch der Pfeifen ...

Martin Flamberg war kolossal vergnügt ... Er marschierte dicht hinter

der Gruppe der Berittenen und sann eine muntere Epistel zusammen, mit

der er seiner Braut das »Waffenglück« des ersten Übungsmorgens zu

verkünden gedachte ...

Ha, welche Lust, Soldat zu sein ...!

Sechstes Kapitel.

Höher war die Spätsommersonne gestiegen ... in allen Straßen und Gassen

der Garnisonstadt lag ihr flimmerndes Gold ... glänzte auch auf dem

schon staubigen Grün der städtischen Anlagen hart unter den Fenstern

der schmucken Villa Brandeis.

Hinter den halbgeschlossenen Jalousieen in gedämpftem, goldiggrünem

Licht lag Cäcilie von Brandeis auf der Chaiselongue und las.

Geringschätzig kräuselten sich ihre Lippen. Geschmacklos, diese

altmodischen Allegorien ...

Drei lebende Bilder sollten gestellt werden ... die ersten beiden nach

Bildern im Offizierkasino ...

Das erste stellte das Regiment vor beim Sturm auf St. Hubert.

Das zweite die berühmte Szene, wie Kronprinz Friedrich Wilhelm nach

der Schlacht die Verwundeten des Regiments im Feldlazarett besucht und

dem schwerblessierten Regimentskommandeur persönlich das Eiserne Kreuz

erster Klasse überreicht.

Sommerleutnants · 第 7 / 52 题