Schloß Lichtenberg

mit zwei Thürmen. Von seinem einstigen Wohlstande, worin sich die Ritter

von Lichtenberg gefielen, ist es dermassen herabgekommen, daß kaum

einige schlechte Zimmer zur Wohnung für den Jäger und seine Angehörigen

erübrigen. Die weisse Uebertünchung, die man ihm statt nothwendigerer

Reparaturen schenkte, entstellte es vollends zum armseligen Zwitter; das

geachtete Alterthum schwand dadurch, ohne von der neueren Bauart das

Zierliche zu haben. Ober diesem Schlosse, hoch aus belaubter Felsenkluft

blickt eine wohleingerichtete Einsiedelei auf das Thal.

Vorwärts, an der forellenreichen Ache, dehnen sich die reinlichen

Häuschen

Saalfelden’s;

in das Klappern der Mühlen und Bretersägen stimmet der muthigen Rosse

Gewieher, aus Garten und Ställen. Angenehmer als der gesammte Tumult des

ansehnlichen Marktes, war mir der stille Rauch, welcher sich in ernsten

Formen über die Schornsteine wölbte. Der größte schien mir als

werthvollster, das Wirthshaus zu verrathen; doch mußte ich vorher den

sich krumm gelaufenen _Duna_ versorgen.

Schon meine Nachfrage um einen Metzger (Schlächter), sammelte viele

Neugierige; als sie aber dort einige Pfunde rohes Fleisch von dem

verhungerten Hunde verzehren sahen, und ich auffallend unbarbirt, um die

mögliche schnelle Beischaffung eines neuen Beinkleides, wenn auch zu

höherem Preise mich erkundigte: folgte mir der immer stärker werdende

Trupp bis zum Gasthause. Neugierde ward mir auf Wanderungen nicht fremd

geworden, ich überging sie daher als etwas Gewöhnliches. Als mich aber

im Zimmer die Bauern mit beständigen Fragen zunehmend heftiger quälten,

und ich mehr für sie als meine Restaurirung da seyn sollte, antwortete

ich gar nicht, oder was mir beliebte. Die gebietherische Aufforderung

eines Marktschreibers, oder wer er sonst seyn mochte, mich vom Imbiß weg

augenblicklich sammt Sack und Pack zum Amte zu verfügen, glaubte ich

kaltblütig überhören zu müssen, und allenfalls meinen Paß durch einen

Diener des Wirths hinzusenden. Aber dieß genügte dem ruhmrednerischen

Schreihalse nicht; ich both ihm gleiche Münze für seine Grobheiten, und

somit entspannen sich unangenehme Auftritte und komische Verfügungen.

Jeder Fußreisende ist übrigens solchen Lästigkeiten immer mehr

ausgesetzt, als der Fahrende, und am häufigsten in wenig besuchten

Gegenden, obgleich man dort die Insassen gutmüthiger denken sollte.

Ich verließ folgenden Tags Saalfelden, das mich freundlicher gegrüßt,

als aufgenommen hatte. Ueber der Ache betrat ich eine lange Wiese, die

zu naß ist, als daß sie je etwas Gutes hervorbringen könnte. Wie mag im

Winter bei diesem saueren Heue das Vieh den Verlust des wohlschmeckenden

Kräuterfutters der Alpenweide fühlen! Vielleicht daß die Bauern

sinnreich den gleichen Grundsatz einiger Doktoren »nach Schwelgen seye

die Fasten sehr zuträglich« auf ihre wohlgenährten Herden in Anwendung

zu bringen suchen, und darum diesen schwarzen Fruchtboden als Medizin

betrachten, und der Auswässerung überlassen.

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 39 / 47 题