Werfen

mit seinem Bergschlosse, welches der Erzbischof _Gebhard_ 1076 erbaute.

Markt und Festung, in Jahrhunderten ergraut, fesseln das Herz.

Wohlgefällig betrachtet man die Häuser, welche so manche biedere Familie

beherbergt zu haben verbürgen. Rastlos bemühte sich der Vater, seines

Fleisses errungene Habe seinen wackeren Söhnen zu überlassen. Andere

Schatten gaukeln dagegen um der Festung finsteres Haupt. Es sind die

Geister der daselbst Gemißhandelten, Verschmachteten! --

Der Felsenberg des Schlosses, meistens vom Salzaflusse umwunden, schien

ausgeschlossen zu seyn von den anderen Genossen, allein sollte er sich

behaupten, wenn nicht durch Grösse, (80 Klafter über dem Markte) doch

durch Merkwürdigkeiten seiner Existenz. Er entsprach diesem Ansinnen

durch Jahrhunderte. Die Zeit hat nun seine Schloßmauern gemürbet, seine

Kerker unbrauchbar gemacht; es naht die Zeit, wo sein Skelet zerfallen

würde, wie alle einstige Herrlichkeit -- in unbedeutendes Nichts; man

ist daher bedacht -- Dank der besseren Empfindung! das Schloß als

merkwürdiges Alterthum noch für einige Jahre zu erhalten. Alles soll und

kann nicht renovirt werden, es bleibt daher immer mangelhaft gegen sein

früheres Aussehen, besonders als Festung, die es bei itziger Taktik

ohnehin nur spottweise vorstellen könnte.

Zwei Invaliden und ein Schliesser empfingen mich freundlich beim

wohlverschlossenen Thorzwinger; letzterer both sich mir sogleich zum

Führer; sein ungeheuerer Bund Schlüsseln rasselte mit allen Schreck der

Vergangenheit durch meine Adern; die Menge eisener Thüren zu ebener Erde

und in den Geschossen möge ebenfalls einst keine Besucher der Neugierde

erlebt haben. Einige Zimmer des ersten Stockwerkes werden gegenwärtig zu

Magazinen verwendet; die erzbischöflichen Gemächer, denen sogar das

Fußgetäfel fehlt, sollen wieder schön und zum Bewohnen eingerichtet

werden, welche Ehre sie hauptsächlich der schönen Aussicht wegen

verdienen. Hat man die langen Gänge hin und her durchgewandert, die

Kapelle und düsteren Zimmer betrachtet, welche mehr durch die Phantasie,

als durch Ansehen interessiren, so steigt man endlich zu dem höheren der

zwei Thürme über breite Leitern, auf das Verdeck der runden

Schindel-Kuppel. Nur bei Windstille darf es der Besucher wagen, hierher

zu treten, wo man über die drei Stockwerke hinein sieht, in jeden Winkel

des Schlosses, und hinaus über die dunklen Waldbäume des Berges, in die

freundliche Umgebung.

Ich äusserte, daß dieser schöne Platz doch ein Geländer verdiene, um

minder Schwindellosen erfreulich zu seyn, und frug ob noch nie Unglück

hier zutraf? »Meines Wissens keines« antwortete der Mann, »vor zwei

Jahren aber fiel einem Herrn, der die Umgebung mit dem Fernrohr

betrachtete, sein Stock herab; flux springt sein Pudel nach in den

Abgrund, kein Bein möge ganz geblieben seyn!«

Unwillkührlich drang sich mir der Gedanke auf, daß im Mittelalter so

mancher Gemißhandelte, seiner Marterkammer los zu werden, den treuen

Pudel um seine schreckliche Befreiung beneidet haben würde.

Eine der vier Glocken wiegt 75 Zentner, und soll vor Zeiten zum

Allarmgeläute gebraucht worden seyn; o wäre sie doch lieber verstummt!

Die unterirdischen Gewölber wollte ich nicht besehen, weil die wegen

ihres schrecklichen Aussehens vorzüglich merkwürdigen, als für die

Menschheit unpassende Kerker, 1790 verschüttet, oder zugemauert wurden.

Auch hier ist gebräuchlich, daß jeder Fremde, bevor er das Schloß

verläßt, seinen Namen und Charakter in ein dazu bestimmtes Buch

eigenhändig einschreibt, und dadurch die Anzahl der Besucher, oder

allenfällig Bekannte, welche durch Länder geschieden werden, auf _einem_

Blatt Papier sich darstellen.

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 28 / 47 题