JOSEPH KYSELAK.

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Erster Theil.

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Mit Kupfern.

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Wien 1829.

Gedruckt bei Anton Pichler.

Gott! es ist nur eine Welt!

Und wem diese nicht gefällt,

Dem soll wirklich hier auf Erden

Nichts als unser Mitleid werden.

Vorwort.

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Ein Funke ist’s, ein Trieb, der den Menschen in regeres Leben verwebt,

sein Blut auf eine oder die andere Art besonders anzieht, zu

verschiedenen, wenn auch insgesammt lohnenden Tempeln hinleitet.

Frauenliebe reißt den Jüngling oft hin, für seine Auserwählte sich zum

Helden, zum Dichter zu bilden; Liebe zur schönen Natur, zur ewig

bewunderten, ein nicht minder hohes Motiv, beseelte mich schon lange,

spornt zum Danke für sie, und heißt mich manches Gute schildern, dessen

ich von ihr begünstigt mich erfreute.

Getreu, wie ich die Ansichten aufgefaßt, übergebe ich sie der Welt,

diesen Erstlingen eine sichere Bahn zutrauend. Findet Jemand meine

Ansichten hie und da zu bildlich, zu poetisch, so bedenke er: daß man

von einem glücklichen Zufalle überrascht, gemeiniglich in

Lobeserhebungen schönerer Form ausbricht.

Ich reiste, von einem meiner treuen Wolfshunde begleitet, allein, und

nur mit dem nothwendigsten Gepäcke; denn einige Hemden, Tücheln,

Fußsäckel etc., ein Paar Schuhe zum Wechsel der Stiefeln, ein gutes

Fernrohr, blecherne Feldflasche, Steigeisen, Feuerzeuge, Windlichter und

Wachskerzen, Papier, Bleistift, auf Leinwand gespannte topographische

Karten zum Zusammenlegen in Bücherform, starke lange Schnur, Bürste

etc., wird doch Niemand leicht entbehren. Etwas überflüssig, aber für

mich sehr erfreulich, war mein Gewehr, das zu dem sechspfündigen

Gewichte auch einen kleinen Vorrath von Pulver und Blei erforderte; und

so betrug die ganze Bagage, welche ich aber selbst überall mitzutragen

mir vornahm, 15 Pfunde. Den lästigen Mantel, oder sonstige Hindernisse

einer Fußwanderung entbehrte ich, mit dem festen Willen, täglich

wenigstens sechs Meilen zurückzulegen, und nur in Provinzialstädten zu

verweilen; weil man sonst ohne ähnlichen bestimmten Vorsatz, von mancher

schönen Gegend zu viel eingenommen, oftmals gar nicht vom Flecke kommt,

und die karge Zeit mit Bewunderung von Kleinigkeiten verschwendet, ohne

dann Meisterstücken Stunden weihen zu können. Daß diese

Landschaftsänderungen den Reisenden immer in neue Genüsse verweben, und

solche, die Gesundheit keineswegs angreifenden Wanderungen die Geistes-

und Körperkraft vielfach verstärken, bedarf wohl erst keiner neuen

Versicherung!

Uebrigens war ich bei Schilderung einer Alpenfußreise nicht gesonnen,

mit theilweiser Beschreibung der Provinzialstädte die Naturfreunde

einigermassen zu ermüden; da sie ohnedieß mit den ausführlichsten und

sichersten Notaten von _Grätz_, _Salzburg_, _Passau_, _Linz_ etc. durch

die Schriften der Herren _Schultes_, _Satori_ etc. hinlänglich bekannt,

ihnen daher eine einseitige, in kurzer Zeit geschöpfte Betrachtung,

schwerlich verläßlicher, noch weniger aber neu seyn könnte: darum

beschrenkte ich mich vielmehr auf die entlegenen Stationen, Alpen und

Merkwürdigkeiten, welche noch nicht hinlänglich erläutert wurden, nebst

einigen Gebräuchen, Sitten und Abenteuern, welche Manchen zur

schätzbaren Unterhaltung dienen sollen, das Hauptaugenmerk zu richten.

Wenn ich zu diesen mir ein Recht zu nehmen wagen konnte, so war es die

Ueberzeugung: daß ich seit mehrjähriger Fußwanderung durch das ganze

österreichische Erbkaiserthum, in so vielerlei Gegenden gekommen bin,

die von einander so verschieden, so einladend oder abschreckend für den

Besucher sind. Da ich nun jenen Unterschied auf dieser Exkursion

ausschlüssig bemerkte, und dabei nachbenannte Gefilde wiederholt und in

den verschiedensten Richtungen durchstrich; so glaube ich, wird man mir

so viel Urtheilskraft zutrauen, keine falschen Ansichten oder

Uebertreibungen auftischen zu wollen.

Möchte es mir doch gelingen, Nachsicht und Wohlwollen meiner geehrten

Leser zu erringen, der ich mit ungekünstelter Feder Naturschönheiten zu

schildern wagte, bei deren mühsamster Kopie mancher meisterhafte Pinsel

nur getändelt zu haben scheinen würde! Doch das Vergnügen, mich über

empfundene Wonne herzlich zu ergießen und dieselbe nach Möglichkeit zu

schildern, erhob mich über das Gefühl meiner empfundenen Schwäche, und

die zagende Feder siegte im Willen; wohl ihr, wenn sie am Ende nicht

büßt, kühn unternommene That.

Wer also in diesen Blättern etwas Höheres, als Verkürzung etlicher

Winterabende erwartet, den ersuche ich, solche lieber anfänglich bei

Seite zu legen, damit er nicht in der Erwartung getäuscht, den Unwillen

dem Erzähler durch Rezensionen entgelten lasse. Uebrigens, was ich

geschrieben, habe ich selbst gesehen und erfahren, ohne geradezu einen

_Commentar_ für meine werthen Leser entwerfen, sondern nur Skizzen

schildern zu wollen, wie sie einem von romantischen Ideen begeisterten

Reisenden, theils geflissentlich aufgesucht, theils von Ungefähr sich

darbiethend, vorkommen. Auch strebte ich nicht, (Jahreszahlen und Daten

ausgenommen, welche aus den besten Urkunden und Topographien entlehnt

wurden,) mich früherer Quellen zu bedienen, mehrere Bände zu bezwecken,

und interessanter scheinen zu wollen; was mir minder merkwürdig deuchte,

habe ich gänzlich übergangen, und Anderem, vielleicht meinen schätzbaren

Lesern Unbedeutendem, meine ganze Aufmerksamkeit geweihet.

Wohl mir, wenn ich Empfindung und reine Gefühle verrathen, und dem edlen

Herzen nicht ganz unbedeutend geschienen habe.

Wien, am 30. Juli 1828.

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 2 / 47 题