Mitbewerber und Feinde

Endlich wird die Verbreitung der Tiere auch noch sehr durch stärkere

_Mitbewerber_ oder überlegene _Feinde_ geregelt, eingeengt und

begrenzt. So muß man sich zunächst wundern, daß die in vieler Beziehung

so prachtvoll ausgerüsteten und im Kampfe ums Dasein durchaus ihren

Mann stellenden Paviane nicht auch über Westafrika, namentlich über

das üppige Kamerun sich ausgebreitet haben, obwohl sie doch in Mittel-

und Ostafrika überall ansässig sind und sich den verschiedensten

Verhältnissen anzupassen wissen. Das Rätsel löst sich aber sofort, wenn

wir erfahren, daß die Paviane in Westafrika auf die unheimlich starken

und furchtbar bissigen Mandrille stoßen würden, die ihnen zwar nahe

verwandt, aber unbedingt überlegen sind. Die berüchtigte Tsetsefliege

schneidet für gewisse Huftiere in manchen Gegenden Afrikas die

Verbreitung geradezu messerscharf ab. Kein Pferd und kein Rind vermag

den von ihr besetzten »Fliegengürtel« zu überschreiten, auch unter dem

Schutze des Menschen nicht. Auf den paradiesischen Südseeinseln gibt

es zahlreiche und zum Teil prachtvoll gefärbte Taubenarten, weil dort

die Hauptfeinde der Taubenbrut, nämlich die lüsternen Affen, fehlen.

Umgekehrt finden wir in dem an Baumaffen so reichen Urwalde Südamerikas

nur wenige und unansehnlich gefärbte Taubenarten. Aus dem eigenen

Vaterlande kann uns namentlich das Schicksal der alteingesessenen

schwärzlichen Hausratte als Beispiel dienen. Sie wurde stark verdrängt,

in vielen Gegenden sogar ganz ausgerottet durch ihren von Osten her

eingewanderten Vetter, die stärkere graue Wanderratte. Überhaupt kann

es als Gesetz gelten, daß der Kampf um Raum immer am grimmigsten

entbrennt zwischen nahe verwandten Tierarten. Manche Tiere sind schon

gegen bloße Störungen sehr empfindlich, auch wenn sie mit gar keiner

eigentlichen Schädigung verbunden sind, und wandern lieber aus, wenn

sie ihre geliebte Ruhe und Einsamkeit vermissen müssen. Erfahrene

Jäger behaupten, daß die Wildenten das lärmende und zänkische Wesen

der Wasserhühner gar nicht leiden mögen und deshalb die altgewohnten

Brutteiche verlassen, wenn die Bleßhühner zu sehr überhandnehmen.

Ähnlich verhalten sich ja auch viele unserer lieblichsten Singvögel

dem aufdringlichen und rüpelhaften Benehmen des Proletariers Spatz

gegenüber. Der verhängnisvollste aller Eindringlinge, weil der

übermächtigste, ist aber der _Mensch_ selbst. Schon die vom Menschen

mitgeschleppten Haustiere, namentlich Schweine, Hunde und Katzen,

vermögen eine bis dahin unberührte Fauna zu zehnten und zu verändern,

gerade die ältesten und merkwürdigsten Arten, die zugleich meist die

wehrlosesten sind, in der kürzesten Frist auszurotten, wie wir dies

namentlich auf tropischen Inseln erleben mußten. Und erst der Allwürger

Mensch selbst! Wie viele der schönsten und eigenartigsten Tiere sind

doch schon seiner kurzsichtigen Habgier zum Opfer gefallen, ganz aus

dem Buche des Lebenden gestrichen oder dem Aussterben unrettbar nahe

gebracht worden! Welch lange und traurige Liste von der Stellerschen

Seekuh an bis zum Riesenalk, von der Wandertaube bis zum Wisent, von

der Dronte bis zum Quagga! Macht doch der sogenannte Kulturmensch nicht

einmal vor seinen Menschenbrüdern halt, sondern jagt die alten Urvölker

in die entlegensten Einöden, nachdem er sie vorher mit Schnaps und

Syphilis vergiftet hat.

Zwischen Pol und Äquator: Tiergeographische Lebensbilder · 第 44 / 59 题