23. Die alleghanische Unterregion (der ganze östliche Teil
der Vereinigten Staaten, ein altes Waldgebiet).
24. Die kanadische Unterregion (der nördliche Teil des
Kontinents).
Man hat dann später viel herumgebessert, aber auch »verbösert« an
dieser Wallaceschen Einteilung, namentlich seit man sich zu einseitig
auf den erdgeschichtlichen Standpunkt einstellte und alles von diesem
aus erklären wollte. Allerdings sind die Tiere, deren versteinerte
Reste man irgendwo findet, im allgemeinen mit denen verwandt, die
auch heute noch dort leben, aber dies ist keineswegs durchgehends der
Fall. In Wirklichkeit ist die Wallacesche Einteilung z. B. für die
Vögel auch heute noch sehr gut brauchbar, wenn man sie durch einige
kleine Abänderungen dem heutigen Standpunkte der Vogelkunde anpaßt,
jedenfalls sehr viel besser als die oft recht gekünstelten Versuche
seiner meisten Nachfolger. Vor allem muß man sich immer bewußt bleiben,
daß die Aufstellung von Tiergebieten ja gar nicht der Endzweck der
Tiergeographie ist, sondern nur ein Hilfsmittel zur leichteren
Erreichung dieses Zwecks. Weiter stellte es sich sehr bald heraus, daß
es unmöglich ist, eine Einteilung in Tiergebiete zu schaffen, die für
alle Ordnungen des Tierreiches in gleichem Maße Geltung haben könnte.
Dazu ist schon deren erdgeschichtliches Alter viel zu verschieden,
denn z. B. Säugetiere und Vögel finden wir erst im Tertiär, Krebse und
Skorpione aber schon in weitaus älteren Erdschichten. Es wird also
am besten sein, sich an eine ganz bestimmte Tierordnung zu halten,
ohne allzu viele und übertrieben ängstliche Rücksicht auf die anderen
zu nehmen, und zwar an die Ordnung, die für den gedachten Zweck am
geeignetsten ist. Wallace und Sclater hielten sich hauptsächlich
an die Vögel, die gewiß in vieler Beziehung sehr gut passen, aber
allzu bewegungsfähig sind, weil gewisse Verbreitungsschranken für
sie als Flugtiere keine Rolle spielen und weil viele von ihnen
durch ausgedehnte Wanderungen den ursprünglichen Verbreitungsherd
leicht verwischen. Kriechtiere und Lurche haben auch ihre Bedenken,
obgleich sie in Einzelheiten oft sehr hübsche Aufschlüsse geben.
Die Fische können nicht in Betracht kommen, weil sie aufs Wasser
beschränkt sind; Kerfe und Schnecken erscheinen nicht recht geeignet,
weil ihre Verbreitung zu sehr von allerlei Zufälligkeiten abhängt.
Bleiben also die Säugetiere. Sie vereinigen in der Tat alles in
sich, was wir für unsere Zwecke brauchen. Sie sind im allgemeinen
gut erforscht, sie haben im Laufe der Erdgeschichte noch keine allzu
großen Umformungen und Umwälzungen erlitten und haben deutliche
Spuren ihrer ausgestorbenen Geschlechter in der obersten Erdrinde
zurückgelassen. Sie sind in ihrer Verbreitungsfähigkeit beschränkt und
vermögen insbesondere breitere Meeresarme nicht zu überwinden, sie
sind in hohem Maße von der Beschaffenheit des Geländes und von seiner
Pflanzendecke abhängig, und sie richten sich in Größe, Form und Farbe
stark nach äußerlichen Einflüssen. Die neueren Tiergeographen haben
aus den oben angedeuteten Gründen fast durchgängig die Säugetiere an
den Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen gestellt, und zwar mit vollem
Recht, bis in jüngster Zeit, als man mehr Wert auf die ökologische
Betrachtungsweise zu legen begann, auch die Vögel wieder mehr in den
Vordergrund traten. Von den zahllosen neuen Einteilungsversuchen
gefällt mir am besten der von Dahl.
Er lautet:
I. _Arktogäisches_ (altländisches) _Reich._ Kenntiere:
Maulwurf, Biber, Springmaus, Rauhfußhuhn, Seetaucher, Alk,
Laubfrosch, Schwanzlurche, Honigsauger.
1. Arktische Provinz. Kenntiere: Renntier, Vielfraß,
Moschusochse, Lemming, Eisfuchs, Schneehase.
2. Europäisch-mediterrane Provinz. Kenntiere: Haselmaus,
Gemse, Birkhuhn, Blindschleiche, Kreuzotter, Salamander.
3. Ostasiatische Provinz. Kenntiere: Eine eigene
Bärengattung (~Ailuropus~), Schwanzgimpel,
Riesensalamander.
4. Sonorische oder Nordamerikanische Provinz. Kenntiere:
Waschbär, Biberhörnchen, Taschenratte, Gabelantilope,
Truthahn, Glasschleiche.
II. _Äthiopisches Reich._ Kenntiere: Hyäne, Klippschiefer,
Nilpferd, Giraffe, Strauß, Perlhuhn, Madenhacker,
Mäusevogel, Bananenfresser, Korallenotter, Puffotter.
5. Westafrikanische Provinz. Kenntiere: Schimpanse,
Gorilla, Okapi, Graupapagei.
6. Südafrikanische Provinz. Kenntiere: Fuchsmanguste,
Goldmull, Springhase, Kragenhopf.
7. Ostafrikanische Provinz. Kenntiere: Mantelpavian,
Schuhschnabel, Kranichgeier, Frankoline.
8. Madagassische Provinz. Kenntiere: Fingertier, Makis,
Borstenigel.
III. _Indo-Australisches Reich._ Kenntiere: Pelzflatterer,
Spitzhörnchen, Rachenvogel, Emu, Kasuar, Paradiesvogel.
9. Indische Provinz. Kenntiere: Bartaffe, Nilgau,
Hirschziegenantilope.
10. Malaiische Provinz. Kenntiere: Orang-Utan, Gibbon,
Palmenroller, Zwerghörnchen, Stinkdachs.
11. Papuanische Provinz. Kenntiere: Großfußhuhn,
Paradiesvogel, Laubenvogel, Kronentaube.
12. Neuholländische Provinz. Kenntiere: Känguruh, Emu,
Leierschwanz, Schnabeltier, Moloch, Stutzechse,
Kragenechse.
13. Neuseeländische Provinz. Kenntiere: Schnepfenstrauß,
Eulenpapagei, Nestorpapagei, Brückenechse.
14. Polynesische Provinz. Kenntiere: Flughundgattung
~Notopterus~, Rallenkranich.