Meta aber, als sie Franz' geänderte Absicht sah, stürzte in

META

EINE ERZÄHLUNG

VON

CARL STERNHEIM

ERSTES ZEHNTAUSEND

LEIPZIG

KURT WOLFF VERLAG

1916

Sechsundzwanzigster Band der Bücherei

»Der jüngste Tag«.

COPYRIGHT 1916 By KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG

GEDRUCKT BEI E. HABERLAND IN LEIPZIG-R.

META war ein dienender Geist, geboren im gleichen Städtchen, in dem sie bei

bürgerlicher Herrschaft Stellung hatte. Siebenzehn Jahr alt, schien sie

klein, fest und hatte zu mittleren Formen den vollen Busen der Frau, auf

den sie stolz war, den sie herausstrich und mit Brosche und Blume

garnierte. Ihr Haar, das aufgelöst mit blonder Welle ins Knie hing, wusch

sie mit Branntwein und Kamille. Der dünne Sopran sang Volks- und

Kirchenlied; warm wie ein Öfchen war die ganze Person.

Sprang sie morgens aus den Kissen in die Kammer, verschlug ihres Körpers

Hitze gleich des Nordzimmers Kühle angenehm. Bei jeder Bewegung, warf sie

die Arme ins Waschbecken, fuhr mit dem Bein in Hose und Rock, hob es zum

Schuhknöpfen auf den Stuhl, ging ein molliger Hauch in die Atmosphäre, und

alle Umgebung war immer behaglich für sie angewärmt.

So fand sie, von Frost und Schauern nie zur Eile getrieben, Zeit, sich beim

Anziehen im Spiegel reichlich zu sehen, unter das Haar, in den Rachen zu

spähen und die Zähne tüchtig zu bürsten. Mit billigen Pasten salbte sie die

Haut.

Da sie aber ihrer Arbeit gewissenhaft hingegeben war, blieben die Hände,

die in Soda und Lauge tagsüber schwollen, Risse und Borken bekamen, ihre

ständige Sorge. Unter dem Zeug war sie blank wie Porzellan, aus den Ärmeln

aber schauten breit und blau die Flossen.

Kleider von glattem Tuch standen ihr zum Entzücken, beim Schaffen schien

die Schürze darüber angegossen. Stand sie hoch und auf Leitern, sah man die

Säume der Wäsche weiß, und aus fester Wolle schwarze Strümpfe. In der

Bewegung spielten die Glieder rund und im Rhythmus.

Der Herr, erwischte er sie in einer Ecke, patschte ihr leutselig aufs

Hinterteil. Sie lächelte und nahm's als Herzensbeifall. Schon hundertmal

hatte er sie getätschelt, und es sprang aus ihr kein Flämmchen. Noch war

sie niedlich nur für sich selbst, und Blicke der Männer machten sie nur in

der Selbstschätzung sicher. Im Sommer schwitzte sie, im Winter wünschte

sie's zu tun. Der Frühling sagte ihr Besonderes. Da wurde ihr Tun gemessen.

Sie verhielt sich, den Kräften, die sie spannten, begegnend. Sie flog ein

wenig von innen heraus, und ihre wie zum Gebet gefalteten Hände drückten

die bewegte Brust, das drängende Leibchen nieder.

Im Spiegel sah sie sich ins Auge und fand alles weit und blau. Ein großer

Reiz stellte ihr das Gefieder der Haut auf; sie schnurrte. Oft fiel sie

verloren in den Sitz und staunte. Befühlte Gegenstände und sich selbst und

mußte, Tränen im Blick, den zierlichen Kopf schütteln. Abends aber im Bett,

dem geöffneten Fenster entgegen, lächelte sie verschmitzt ins Himmelslicht

und dachte ihr Teil.

Plättete sie Wäsche der hübschen Hausfrau, hatte sie gerührte

Vorstellungen. Zärtlich strichen die Hände Spitzen und Rüsche. Armes,

dachte sie von ihr, -- glückseliges Weib dann wieder, und aus ihr hüpfte

Mitgefühl. Hemd, Kragen und Beinkleid des Mannes weckten ihr gutmütigen

Spott. Die Männer, Himmel, das war eine Sache für sich; doch immer zum

Kichern.

Sie lächelte jeden an, dem sie Rede stand, und spürte, es ist nicht ernst

mit ihm. Nur ein wenig Blitz brauchst du in den Blick zu stellen, das

Mäulchen zu schürzen, und mit seiner Gewalt, dem festen Auftritt ist's

vorbei. Den Beamten, die behördliche Mahnung brachten, entgegnete sie auf

ihr »endlich!« und »unwiderruflich!« mit stiller Heiterkeit, daß die das

Auge schlugen und gleich fröhlich von der Sache wegzureden begannen. Einem

Polizisten hatte sie sogar den Arm gestreichelt. Waren die Männer schon in

die Treppe zurückgetreten, schmetterte sie ihnen helle Triller nach, daß

die draußen lachten und dachten: welch' niedlicher Vogel, welch' frecher!

Und ihnen noch einmal wohl wurde. An allen Straßenecken grüßte sie die

Obrigkeit. Die Wagenführer waren ihr gewogen. Milchmann und

Schornsteinfeger grinsten bei ihrer Begegnung, und zum Dank hatte sie für

alle einen Blick, irgendwie Duft ihrer Frische. Regnete es, hob sie die

Röcke an die Wade, und trippelnd fing sie aus Blinzeln und Geschmunzel

bärtiger Gesichter sich eigenen Sonnenschein. Hochgestimmt war sie an

Sonntagen, an hohen Festen überirdisch bewegt.

Zu Weihnachten bekam sie von der Herrschaft ein leeres Heft, auf dem in

goldenen Lettern »Tagebuch« stand. Dazu ein gedrucktes Buch, einen Roman

des Titels »Der Zug des Herzens«. Mit der Spende des Tagebuches war von den

Gebern nicht beabsichtigt, ihre Magd zur Selbsteinkehr zu führen.

Irgendwann hatte es die Frau geschenkt bekommen und gab es weiter, andere

Gabe zu sparen. Der Roman aber war in einer Buchhandlung eigens für Meta

gekauft.

Es war die erste Liebesgeschichte, die das Kind erfuhr, und sie vermittelte

ihm stürmischen Eindruck. Held und Heldin des Buches liebten sich auf

vorbildliche Art; das Mädchen schien leiblich und seelisch wie aus dem Ei

gepellt und machte dazu mit Rede und Geste heldische Anstrengung, stand sie

bei dem Geliebten. Ihre braunen Flechten waren gelöst, es blitzten die

Augen, die Brust hob sich regelmäßig stürmisch. Auf ihrem Antlitz lag Güte,

sie lispelte hold, und abwechselnd ließ sie das Haupt dem Mann an die

Schulter und in den eigenen Nacken sinken. Der Liebende aber war ein

Standbild aus Bronze. Er sprach Gold und schwieg Erhabenheit. Es ließen

sich die Situationen himmlisch an trotz einiger böser Menschen, die zum

Schluß ihr Unrecht bekannten. Küsse knallten auf jeder Seite, und einmal

war sogar von etwas die Rede, das Metas Blut zum Wallen brachte.

Sie war hinterher mit Dichtung gefüllt, schickte mit jedem Gedanken

Übersinnliches in die Welt, verband aller Handlung fortan dunklen Zweck.

Zittern befiel sie jetzt beim Bügeln der Wäsche, und es schwindelte sie,

räumte sie des Ehepaars Schlafzimmer nach; ein Geheimnis wuchs in der

Brust, und sie neigte ein wenig zur Angst. Auch legte sie wohl den

geschwungenen Arm an einen Türpfosten und seufzte verzaubert. Schwäche saß

in den Schenkeln; von der Küche sah sie zum Hof auf die Tiere, die sich

berochen.

Erst wälzte sie heftig Gedanken, dann saß sie eines Abends bei Papier und

Feder und stach entschlossen ins Faß. Doch flossen Tränen vor der Tinte auf

die Seiten, und ihr entfuhr ein »Jesus!« nach dem andern.

Fedor, der Held des Romanes, wuchs stracks in ihr Leben. Aus den Armen

Leonores, der sie auf manche Schliche kam, riß sie ihn und zog ihn zu sich

hinüber. Eine Vollkommenheit ihrer Seele nach der andern entschleierte sie

dem Entzückten, der mit »geliebtes, himmlisches Weib« respondierte und

segnende Gebärden auf sie schwenkte. Dazu murmelte Meta innerlich ein

erlöstes: ach! Einmal, als sie ihm eine Tugend, die ihr eignete, zuraunte,

wollte der Hingerissene flink ihre Lippen. Da aber richteten sich Trotz und

Person des Mädchens noch einmal hoch, bis sie durch Glut der Blicke

versengt, schmelzend in den Wirbel seiner Küsse einging.

Nun hockte sie, von der Arbeit fort, oft in den Winkel und ließ sich von

ihm umschließen. Die Lippen schmiegte sie zwischen die eigenen Finger, die

sie geschlossenen Augs besog. Fedors Atem blies sie aus ihnen an, sein

Wunsch und Wille mit ihr lag wie Faust auf ihrem Haupt. Er wuchs sich aus,

ward bald ein Schlimmer. Dem Schluß ihrer Arbeit lauerte er auf, trieb sie,

die Hände wie Hämmer über sie gehoben, flugs in die Kammer hinauf. Dort

preßte er den Rücken gegen die Tür, breitete Arme und Beine und sperrte

gänzlich den Weg. Dann stellte er die schreckliche Forderung: ihr Kleid

solle sie abwerfen, Wäsche zeigen. Sie aber schlug ihr purpurnes Antlitz in

die Hände, und während Fieber sie quirlten, stieß ihr Stimmchen das noch

gerade hörbare Nein als Hilfeschrei heraus, der ihn verjagte.

Das ging nun Abend für Abend. Schon beim Einbruch der Dunkelheit sprang

seine Tatze aus der Wand und trieb sie. Wo sie stand, hatte sie das Gefühl,

der Zugriff blieb hinter ihr. Sie lief mit vorgestoßenem Schoß und legte

die Hände schützend unter das Gesäß. Das war ihres jungen Lebens Zustand,

bis Franz erschien.

* * * * *

Er brachte eines Morgens ein Telegramm, und als er's gab, sah er in die

Luft. Da er auf Antwort wartete, blieb er in der Küche. Meta suchte, seinen

Blick aus dem Nichts zu fangen, doch wich er aus. Endlich gelang ihr's,

sich ihm in den Sehwinkel zu haken, und nun zog sie des Jungen Haupt gegen

ihr Antlitz, ließ es Kreise beschreiben, und als er es recht geradeaus

hielt und die Augen gleich zwei Tassen aufriß, blies ihm das Mädchen mit

Stichflamme ihren Glanz bis zur Herzgrube. Sofort war er mit Licht innen

tapeziert. In Magen und Eingeweide, an des Leibes Wänden, -- überall

verzehrten ihn ihre Feuer. Er stand gelähmt, und erst, als sie ihn

anredete, schlenkerte er weg. Doch wurden die Depeschen im Städtchen

hinfort nicht schnell bestellt, denn er verweilte auf Brücken, in

öffentlichen Gärten. Bog die Zweige der Büsche nieder, ließ sie schnellen,

und ihm war's süßer Schreck. Im Tritt mied er Ritzen der Trottoirplatten

und alle Schatten; ließ den Finger an Gittern spielen. Sonntags sackte er

in eine Bank im Park und trank Erinnerung des unvergeßlichen Morgens.

Meta aber putzte die Scheiben zur Straße, nach ihm zu spähen. Erschien er,

hing sie den Rumpf, die halbe Brust ins Freie und flatterte, Tuch in

Händen, wie eine Fahne am Fenster. Den Kopf in die fortstehende Sohle, das

offene Loch ihres Rockes gereckt, marschierte Franz unten vorbei. Einmal

doch wurde er flach hingenagelt, als sie ihn anrief. Er sperrte Mund und

Auge wie ein Karpfen, und ohne daß er sie verstanden hätte war er

verhimmelt. Nun begann, was Regeldetri ist: eine einfache, dumme Liebe in

dem Jungen, der träumte, was das Zeug hielt, mit keuschen Symbolen. Engel

war für die Angeschwärmte das mindeste Gleichnis. Er gab ihr Krone, Kelch

und Dorn und alle Vollkommenheit im Voraus. Sie empfand's auch, als sie das

erstemal mit ihm in die Felder ging. Ganz anders als in ihrem einstigen

Verhältnis zu Fedor mußte sie sich nicht brüsten. Wort aus ihrem Mund war

ihm Allegorie, Silbe schon Botschaft. An ihrer Seite ging er, Andacht und

Glaube. Sie schwatzte Blasen ins Blaue und spürte gleichviel, wie Basalt

fiel ihre Rede auf sein lauschendes Herz. Die blasseste Geste von ihr blieb

ihm denkmalhaft in der Vorstellung; schloß er die Lider, rauschte sie

großflügelig daher mit Schwung und Faltenwurf des Gewandes. Auch Natur, die

sie einmal bezeichnet, verharrte für ihn endgiltig. Als sie bei einer

Promenade den sinkenden Sonnenball zeigte, stand der fortan Tag und Nacht

seinem Auge an der gleichen Stelle. Silhouette der Berge, an einem

regnichten Morgen von ihr mit dem Finger an den Himmel gerändert, blieb

dort, fest in die Wolken gemeißelt. Überglücklich fand sich Meta und diese

Anbetung wie ein Wunder, das den Sinn ihres Lebens erhellte. Was galt

Arbeit und Abhängigkeit, stand am Haustor abends der Trabant mit dem

Tronhimmel seiner Liebe, unter dem sie als Kaiserin schritt? Maskerade war

ihr Dienst; Wirklichkeit begann an der Seite des Verliebten.

Das Mädchen sah der Gottesmutter Bildnis oft und dringend an und nahm aus

Haltung und Gebärde viel für sich wahr. Denn sie meinte, des Jünglings Sinn

allmählich mit Wirklichkeit stützen zu müssen; doch erfuhr sie nicht, daß

der Eindruck ausblieb, weil die männliche Seele sie ewig strahlender sah,

als sie es darstellen konnte. Ihm war sie nicht nur Maria aber Meta dazu.

Und die war ihm ursprünglich herrlicher.

Flitzte auf gelbem Rad er vorüber -- stand sie im Fenster --, riß er die

Mütze in die Wagerechte und schickte mit gedoppeltem Blick ihr ewige Treue.

Lob für sein forsches Fahren spendete sie ihm und bat, sie's auch zu

lehren. Doch als er bei Dunkelheit kam und sie in den Sattel hob, saß sie

schlecht und bewegte sich unkundig. Fürchtend aber, seine Erwartung sei,

schnell müsse sie die Lenkstange greifen und, die Maschine beherrschend,

sie mit Schwung aus sich selbst in Gang setzen und lächelnd entschweben,

stieg sie gleich zur Erde nieder, behauptend, dies zieme ihr durchaus

nicht.

Überall und immer, weil sie infolge seiner grenzenlosen Anbetung eine

Formel der Vollkommenheit erfüllen wollte, bemühte sie sich jetzt, die

Schöpfung abhängig von ihr zu zeigen. Hatten sie auf Märschen den Gipfel

des Berges bei schlimmer Hitze erstiegen und starrten, Atem ausbrausend,

den Rausch der Freiheit oben an, wollte sie Wasser, sonst nichts, wohl

wissend, anderes möchte am Ende nicht zu finden sein; Göttern aber versage

sich nichts. Oder sie sprach, wenn schon die Tropfen fielen: daß es doch

regnen möchte! Und stellte den Sturm der Elemente mit dem Hinweis auf die

Pracht des Regenbogens ab, doch so ein wenig, als hätte der auf ihren Ruf

erst sich illuminiert.

Sie war sich nun bewußt, unvergleichliches Leben mit Franz zu machen. Keine

Nebenbuhlerin könne gefährlich werden, denn an goldenen Fäden lenkte sie

für ihn die Welt und zog mit sphärischer Landschaft, englischen Freuden,

mit sich selbst immer das Paradies auf die Szene.

Ihr Lohn war sein staunender Beifall. Ausgleich für Gefühle, die sie

irgendwie schon heimsuchten. Einen Frühling hindurch liefen sie in

Freistunden durch umhuschte Wege Höhen hinan. Saßen oben im Moos, das Bild

der Heimat vor sich ausgebreitet, in dem Meta die gestellte Sonne blieb.

Sie lebte Dogma. In seinen Glauben geschient, war ihr Wille seiner Demut

unterworfen. Seine herrische Andachtsforderung ließ ihr im einzelnen

Spielraum, zwang aber unbedingt die Richtung ihres Lebens. Herzlich liebte

sie ihn, bewunderte die entfesselte Hingabe, und mählich, mehr und mehr,

begann sie, ihm diese zu neiden.

Baute er sie steil vor sich auf und machte Kniefall, sie aber mußte

irgendwie mit seelischer Verzierung stehen, hätte sie neben ihn hinsinken

und auch anschmachten, anbeten wollen. Ihre gezwungene Stärke trieb ihr

schließlich Tränen ins Auge. Das gefügte Erz der Gesten begann zu reißen,

ihrer Stimme Metall zerbrach. Brüchig ward das eherne Standbild, und

Fleisch begann, allenthalben in die Furchen zu wuchern. Stand er jung,

stark und gerade als Mann gewachsen vor ihr, senkte das Haupt an ihre

Brust, auf das sie dem Ritus zufolge die gekreuzten Handflächen legen

mußte, konnte sie Aufwallung nicht mehr unterdrücken. Oft schüttelte sie an

seiner Seite der Reiz so mächtig, daß die Zähne schlugen und Gebein

klappte. Er aber, knabenhaft frei, sang das Marschlied in die Luft.

Sie betete zu allen Heiligen, den Sinn ihm von Grund auf zu ändern; seiner

Kraft und Gewalt möchte er sich bewußt werden. Sie wünschte die ins Fenster

geschmetterte Faust, daß Scherbe vom Kitt klirre. Vorm Schlafengehen brach

sie ins Knie und senkte der Seele unbezähmbare Sehnsucht nach Hingabe in

selbstvergessenes Gebet. Wollte sie aber sanft und mit gütiger Schonung

Anfall ihrer weiblichen Schwäche von weitem ankünden, schob er

unwiderstehlich doppelte Riegel vor. Er wollte seine Andacht bis an die

Sterne spreizen, doch müsse sie das unzerreißbare, sich immer weitende

Gefäß für sie bleiben. Dazu flatterten seine Worte ekstatisch, und die Arme

ruderten wie mystische Mühlen. So blieb sie Heilige weiter, aber der Wurm

fraß in ihrem Blut. Sie duldete seinen Kult und spürte nur immer mit allen

Sinnen, durch welche Mittel sie ihn zerschlagen, wie sie Franz vergotten

und in der Rolle der demütigsten Magd sich selbst mit natürlichem Glück bis

an den Rand füllen könnte.

Eines Abends, als sie zum Bad in flacher Schale Wasser stand und das

Gesicht über die Schulter in den Spiegel legte, sah sie sich rückwärts so:

von mittlerer Größe, schien die Gestalt in der Hüfte edel geteilt. War auch

das Postament der Beine höher, saß der Rumpf mit gutem Verhältnis darauf.

Leuchtendes Weiß des Fleisches war durch der Flechten Blond getönt, die von

der Hand im Nacken zusammengepackt, von dort in zwei Flüssen mit spitzer

Mündung zu jenem Taillenschwung liefen, der Meta das geheimnisvolle Mittel

ihres Körpers schien. Sie bleibt von Reiz gefangen, als sie die geschnürte

Betonung der Hüfte in Linien, die das Kissen des Gesäßes vom Schenkel, das

Knie von der Wade trennen, sich wiederholen sieht. Ihr heller gewordenes

Auge stellt schließlich den vierten Ton dazu fest: die Schulterlinie, die

durch den hochgenommenen Arm noch deutlicher wird. Mit dieser Vierteilung

Hilfe geht ihres Leibes Sinn ihr völlig auf: Zum Denken der Kopf, die Beine

zum Schreiten. Zwischen Hals und Hüfte ist der Rumpf, Sitz der Organe, die

uns das Himmlische vermitteln: durch Lungen und Herz den Odem Gottes, aus

dem wir leben.

Aber dahin, wo wie ein geschwellter Kessel der Leib zwischen Schenkel und

Hüfte eingelassen ist, hat ihr kindischer Sinn, hat Franz nie gedacht.

Dort, während Blutsturm sie purpert, die Arme zur Höhe fliegen, fühlt sie

plötzlich die entscheidenden Gewalten sitzen.

Die Folgen ihrer Erkenntnis waren beim nächsten Beisammensein deutlich.

Kopf und Oberteil hatten die Schwere verloren; aber die Schritte setzte sie

gewichtig, als liefen die Beine in Scharnieren, und sie müsse, Reibung und

Kreischen der Teile in den Gelenken zu vermeiden, die Hüftknochen emsig

drehen und das Rückgrat unten pendeln lassen. So kam es, daß beim Gehen ihr

Rock des Mannes Schenkel schlug, während Metas Blick auf seltsame Art sich

verglaste. Aber schnell merkte sie von seinen Gliedern Widerstand, der ihr

die Knochen bog und sie in das lustige Trippeln zurückzwang, mit dem sie

bisher neben ihm gegangen war. Auch im Gespräch duldete er die Einführung

solcher Vokabeln nicht, die irgendwie ein Fallenlassen der strengen

zwischen ihnen geltenden Regeln andeuten wollten.

So griff sie zu Listen, ihr Gleiten aus Franzens Himmel zur Erde zu

ermöglichen. Den Hut ließ sie fort, ihr Haar vor ihm in Verwirrung spielen.

Sie ging leicht gekleidet, daß Wind die Musseline blähte und Sonne sie

durchsichtig mache und zeigte an Hals und Armen Streifen rosiger, gepelzter

Haut. Auch hob sie sitzend das Bein übers Knie, gelöstes Schuhband zu

knüpfen und war seinen Blicken nirgends geizig. Die aber schienen in

solchen Augenblicken mit milchigem Horn gepanzert und schossen hinterher

Drohungen auf, die das Mädchen rührten und endlich, als sie einmal gewagt,

den gesunkenen Strumpf in seiner Gegenwart aufzunehmen, durch ihre lodernde

Gewalt vollends erschütterten.

So riß sie die Kräfte zusammen und gelobte mit zusammengebissenen Zähnen,

ein für allemal auf ein anderes Glück zu verzichten und ihm weiterhin

entschieden die himmlische Liebe zu sein. Für ihren Verzicht aber wollte

sie ihn auch wirklich an den Grenzen der Hingabe sehen, damit, könne schon

sie selbst sie nicht betätigen, sie in seiner Seele das süßeste Bild

demütiger Liebe entzündet finde. Er müsse in ihrem Dienst seine gesamte

Leiblichkeit ändern, verlangte sie, die Lebenswärme für sie beleben,

Geschmeidigkeit und Beweglichkeit ausbilden. Das Zerrissene möge er in sich

binden, das Gebundene in sie auflösen. Höher solle er jubilieren, und die

Gabe der Träne müsse ihm immer eignen. Sie fordere den Gesamtsinn

verfeinert, Einbildungskraft gesteigert; Poesie wollte sie in ihn

eingegossen, kurz überall stürmische Bewegung der Willenskräfte. Sie sei

nicht eine vollkommene Heilige, ohne daß ein im stärkeren Maß ergriffener

Gläubiger zu sein, er sich inständig bemühe.

Durch solche Worte über den statischen Zustand seiner Jugend in eine seiner

Natur genehme Entwicklung geführt, brach Franz in die Ekstasen der Liebe

unverzüglich auf. In seinen tiefen, mittleren und obersten Gebieten

wandelte er Leiblichkeit in reinen Geist und war alsbald zu jeder von ihr

gewollten Vision bereit. Während Meta tagsüber Arbeit als simples

Stubenmädchen verrichtete, erblickte Franz sie, wo sie vor ihm erschien, in

höhere Erscheinung transformiert. Sah erst ihr Antlitz, dann die Hände,

Haare, Atem leuchtend werden. Und erlebte sie schließlich aus leerer Luft

strahlend und figürlich.

Ihr blieb auf diesem Gebiet von ihm nichts mehr zu hoffen übrig.

* * * * *

Da wurde die Nation in einen Krieg gestürzt. Die Männer verließen die

Familie, das Vaterland zu verteidigen, wie sie, in Schritt und Tritt

marschierend, durch die Gassen sangen. Franz, der das zwanzigste Jahr nicht

erreicht hatte, blieb daheim. Doch lag auch auf den Bleibenden der Druck,

und es schien unmöglich, ihr Schicksal von denen, die im Feld standen, zu

trennen. Jeder war von sich fort zu fremdem Los gerissen. Als im

Fortschreiten des Feldzuges immer neue Scharen hinauszogen, war es den

beiden offenbar, auch ihre Trennung stünde bevor. Wehmut legte sich auf

alles Erleben, und die Welt schien die gewohnte Weite verloren, die Brücken

zum Himmel zerstört zu haben. Jede Frage wurde praktisch, Antwort lautete

aus irdischen Begriffen. Maßnahmen des Feindes zwangen, an Notdurft,

Beschaffung von Essen und Trinken zu denken. Die ersten

zusammengeschossenen Krüppel traten auf, und es galt, ihre künftige

Versorgung vorzubereiten. Überall stand plötzlich das Allgemeinmenschliche

für das menschlich Besondere. Auch Franz und Meta sprachen von geschlagener

Schlacht, Gefahr und Verwundung der Freunde und Verwandten. Sie lernten

Artillerie und Infanterie, spickten ihre Sätze mit kriegerischem Begriff

und unterlagen dem Eindruck von Sieg und Niederlage. Die Zeitungen

bestätigten die märchenhafte Niedertracht der Gegner, bravuröse Tapferkeit

der eigenen Truppen immer von neuem. Bei jeder Begegnung rief nun einer dem

andern schon von weitem zu: »Hast du gehört« und »weißt du auch«. Vom

eigenen Schicksal war täglich weniger die Rede.

Als aber erst kräftiger neue Welt sich in Franzens Vorstellung schob, aus

den Kampfberichten eine herrliche Erscheinung um die andere vor ihn trat,

ward Meta aus dem Zenith seines Denkens gedrängt und führte in ihm fortan

ein wenn auch verehrtes doch peripherisches Dasein. Das Übermenschliche

hatte für ihn den Sinn geändert. Die passive Entrücktheit des Weibes nicht

mehr war anzubeten, aber des Mannes heldischer Griff.

So hob sich der Jüngling aus dem Gewinde geübter Riten und gruppierte nach

veränderten Trieben innere Natur um. Religion war das Vaterland, Vorbild

der tapfere Soldat. Ein anderer Gott, kriegerisch geschient, erschien in

einem Himmel geschwungener Fahnen und Lanzen.

Meta, mit den vergilbten Emblemen friedlicher Güte, war als Ideal in

gründlich geänderten Verhältnissen unbrauchbar. Handgreifliches Verlangen

konnte sich an sie nicht klirrend klammern. Zwar gab sie ihrem Umriß

herbere Kontur, der Erscheinung Strenge, den Worten Kommandoton, aber vor

Prall und Knall der Armeerlasse, dem Alarm der Katastrophen und

Verlustlisten konnte sie nicht bestehen. In Haltung und Ausdruck ließ Franz

Respekt nicht im mindesten missen. Innerlich aber schaltete er mit ihr nach

neuen Begriffen und Gutdünken. Er fand sie, in Waffenglanz nicht denkbar,

vor dem schwächsten Manne schwach. Sah ihren zärteren Aufbau, ihrer Stimme

dünne Resonanz ein, und daß sie oft zu schonen war. Er stellte sie der mit

Standarte stürmenden Angriffslust des männlichen Prinzips, das plötzlich

aus allen Kulissen der Welt wetterleuchtete, richtig als ein anderes

gegenüber, das ruhend ergriffen sein wollte.

Als ihm die Einsicht das erstemal sprang, bäumte mit Lust herrischer Wille

nach ihr auf, und er reckte sich in alle Winde. Den Gestellungsbefehl trug

er in der Tasche -- da war das Knabenalter hin, und sein Blick lenkte keck

zu des Mädchens Brust, die unter Kattun doppelt gerundet stand.

Meta aber, als sie Franz' geänderte Absicht sah, stürzte in harten Kampf,

die gräßlichsten Zweifel. Aus unaussprechlichen Ahnungen spürte sie die

augenblicklichen Verhältnisse nicht beständig und daß alles, was in ihnen

sich ereigne, dem Wechsel und vielleicht späterer Verdammung unterliege.

Aus allen Lüften sah sie Gebraus, Geschmetter der Kraft in des Geliebten

eindrucksvolle Seele geblasen und glaubte dennoch nicht, es fände dort

ursprünglicher Gefühle Begegnung. Sie zitterte, vom süßen Moment

hingerissen, möchte sie, fallend, ihm seine ewige Neigung trüben, und sich

selbst ihm gründlich zerstören.

Da sich in Wirklichkeit erfüllte, was einst sie geträumt: Jung, stark und

gerade als Mann gewachsen, hat sie ihn vor sich, er senkt das Haupt an ihre

Brust, stößt in die Falten der Taille die Spitzen des Gesichts und schlürft

ihre Wärme, bis Blut sich entzündet und im Kessel des geschwollenen Leibes

Überschwang an den Ventilen siedet -- zwingen sie Rufe der Not und

mörderische Furcht, der ersehnten, vorzeitigen Hingabe mit schleunigem

Aufbruch und schmerzlichem Aufschwung der Seele zu entfliehen.

Es weiß der Mann aus seines Leibes Verlangen immer unsinnigere

Schmeichelei, Natur und alle Kreatur zaubert er vor ihre begeisterten Augen

in taumelnden Aufruhr, und kaum weicht das Weib, von eigenem Verlangen

gefesselt, noch aus. Schon wird über dem blanken Boden in einer Mondnacht

des Mädchens Kehle und Schulter nackt, da ruft am anderen Morgen Befehl

Franz zu seinem Truppenteil, und in der Hast der notwendigen Besorgungen

gibt es kaum einen Abschied.

Erst aus der Garnison, dann vom Lager her, versichert er sie einer

Leidenschaft, die hinter schneller Heirat fröhliche Wollust in völliger

Vereinigung will. Zart fängt er zu bitten an, doch zum Schluß des

Geschriebenen blitzt Mannesmut, und trumpft jedesmal die geballte Faust

auf. Ihr aber beginnt, nach häufiger Wendung des Geschicks, aus seinen

Worten die Ahndung eines vollkommen natürlichen Glücks, von Gott und den

Menschen gesegnet, zu dämmern, und mit gefaßtem Wandel bereitet sie einfach

und fromm in sich das Wesen seines Weibes vor.

Nun herrscht der Allmächtige und »Urlaub« in ihr. Mit häufigem

Kirchengehen, inbrünstigem Gebet bekräftigt sie die innere Sammlung. Aufs

Wiedersehen ist sie ganz gestellt, und nur manch Weibliches leuchtet ihr

daneben ein. Es kam um diese Zeit die hübsche Hausfrau mit einem Knaben

nieder, und Meta ist für alle Vorgänge bei der Geburt Feuer und Flamme. Als

aber das Kind aus zitterndem Schoß entbunden war, und den von Qual erlösten

Leib der Wöchnerin in frischen Kissen Jubel des Mutterglücks rührten, lag

Meta an der Bettkante in den Knien und küßte die hängenden Hände der

glückselig Erschöpften. Sie reicht ihr durch des Zimmers Sonne auch das

Bündel Windeln, aus dem es quäkt und winselt, an die Brust und staunt auf

all das Saugende und Gesaugte, die Spitzen Rot an den getürmten Brüsten und

das in Milch verwandelte Blut. Sie fühlt sich königlich erhöht im Hinblick

auf die eigene mütterliche Zukunft und hegt für das aus ihr noch nicht

Geborene schon die zärtlichsten Gefühle. An Franz schreibt sie: mach

schnell, komm bald. Es ist für dich alles bereit. In ihrer Seele steht das

Häuschen, das mit dem kaiserlichen Briefträger sie bis ans Ende ihrer Tage

bewohnen will, fix und fertig: zwei Räume und die Küche in einem Garten mit

tüchtig Gemüse. In den Stuben rumoren die Kinder; im Stall ein Schwein. Am

ersehnten Tag kommt statt seiner die Nachricht, der Urlaub sei verweigert;

er selbst, näher den Ereignissen, ins Quartier eines hohen Stabes geholt.

Ist Metas Enttäuschung schon groß, verbirgt sie sich nicht, ihr sei auf dem

neuen Posten das Leben des Geliebten sichergestellt, und Ordensschmuck

unter den Augen der oberen Gewalten für ihn wahrscheinlicher als in der

trüben Masse an der Front. Was bedeute die Trennung, könne sie seiner

endlichen, ruhmvollen Heimkehr gewiß sein? Wie er auch schilt, man habe ihm

den Auszug ins Feld verwehrt, ihn vor allen Kameraden benachteiligt, lacht

sie bei sich und sitzt den Winter über geschnittener Leinwand, aus der sie

das Notwendige schafft zu baldigem Gebrauch. Brennt in der Kammer die

Lampe, schnurrt eifrig der Ofen mit dem Kätzchen um die Wette, setzt sie

Stich zu Stich mit lustigen Gedanken, und ist mit der Gewißheit, in ihrer

Liebe hat sie manches gelitten, oft geschwankt, doch schließlich sich

bezwungen, und nun steht ihr in einem braven Mann richtiges Frauenschicksal

bevor, das beglückteste Mädchen.

* * * * *

Franz, der im Haushalt des Stabsquartiers die gleichen Obliegenheiten

erfüllt wie Meta für ihre Herrschaft -- er ist dort das Mädchen für alles,

putzt, wäscht und wichst zu täglichem Gebrauch, was irgend vor seine Griffe

kommt -- fällt nach einigen Monaten treuer Pflichterfüllung in ein hastiges

Leiden, das ihm die Därme immer von neuem kehrt und entleert, bis seine

gemarterte Seele kläglich durch diesen Weg aus dem kaum angebrochenen Leben

entweicht. Mit rühmlicher Gefallenen verschwindet ohne Sang und Klang sein

Kadaver schnell in fremde Erde.

Frei durch den Himmel ihrer Zukunft schweifend, erhält Meta die Nachricht

am Abend; fällt in Ohnmacht des Begreifens und bleibt zeitlich lange genug

ohne Bewußtsein, um vor selbstmörderischer Torheit bewahrt zu sein. Doch

scheint Starre des eingebrochenen Winters sie miterfaßt zu haben, und

geraume Weile wandelt sie, vor Besinnung gefeit, in Stummheit und Taubheit

eingeschneit, huscht wie ein wundes Tier vom Bett durch die Stuben zu Bett;

nicht einen Seufzer hört man von ihr. Manchmal steht groß ein

Schweißtropfen an ihrer Stirn, wie aus dem Knochen herausgefroren.

Eines Tages sprach sie der Hausherr freundlich und mit väterlichem

Tätscheln an. Sie solle zu sich selbst erwachen. Jung sei sie, mannigfach

liege Leben vor ihr, und der Männer gäbe es viele. Auch litte mit ihrer

Zerrissenheit die Qualität der Arbeit. Gott sei gnädig, die Sache des

Vaterlandes stünde dank siegreicher Schlachten gut, und im Grund sei mehr

gewonnen als verloren.

Oben aber sah Meta plötzlich die genähten Hemden und Herrlichkeiten, daß es

sie an den Elementen packte und über den weiblichen Kram in einen Jammer

warf, der Tage hindurch sie selbst und Zeug und Wäsche näßte. Auf Bett und

Stuhl, wohin sie blickte, saß Franz; an Tor und Tür erschien er wieder,

lachend und vertraut zu ihr aufschauend. Dann hurtig enteilend, Mütze

schwingend, aufs Rad flatternd. Oder es sahen seine Augen vorwurfsvoll aus

dem Dunkel; doch bei ihrem zartesten Laut strahlte sein Glaube. Und er läge

ihr gestorben? Wo wäre da Sinn? War im Plan ihres gemeinsamen Lebens ein

Fehler, das geringste Unreine im Zusammenklang der Seelen, und stimmt Gott

der Harmonie nicht bis in die verborgenen Winkel der Schöpfung zu? Halb

entkleidet steht sie zur Nacht im Loch des Fensters in feuchtem Aufruhr und

sucht dem Himmel, des Busens Hügel aufnehmend, den Weg zum Herzen frei zu

machen, daß er es ganz einfältig mit Franz erfüllt schaue. Wär wirklich das

Unfaßbare wahr, wo in der Verkettung der Umstände sei der gräßliche Irrtum

des Geschehens als Schuld anzurechnen, auf ihrer demütig irdischen oder der

allmächtig himmlischen Seite? Aber die Sterne erblassen nicht vor der

geheulten Anklage. Kraß und klar leuchten sie die täglichen Bilder.

Noch wartet Meta und schiebt den Tag der Abrechnung mit Gott fort, und

während das Ohr auf Nachricht aus dem Feld gespannt bleibt -- sie ist

gewiß, auf einmal kommt Alarm seines Lebens, und bebändert und besternt

steht er vor ihr und wirft verhaltenen Lebenssturm wie Gewitter und Blitz

in sie -- prüft sie innerlich von neuem ihre bisherige Führung nach den

strengen Vorschriften der Religion, um nicht im geringsten über berechtigte

Enttäuschung des Gläubigen hinaus sich anklagend zu empören. Sie bekommt

auch günstige Zeichen. Ein Sergeant beim gleichen Stab, den der unverhüllte

Jammer ihrer Briefe rühren mochte, antwortet in geschraubten Reden so

Unterschiedliches, daß höhere Hoffnung allerhand in ihnen finden kann. Aus

hundert Zeitungen erhält sie Bestätigung, daß Totgeglaubte, Totgewußte in

die Arme der Liebenden zurückkehrten. Franz aber, von Fibern jugendlichen

Willens hingerissen, sei ganz gewiß aus eintönigem Tagdienst in die Hitze

der Gefechte geeilt und werde sich in den Berichten schließlich als ein

Held und lebend wiederfinden.

Bis sie ein Bündel mit der Post erhält, das der gleiche Kamerad, ihrer

Beschwörungen überdrüssig, an sie sandte: Lumpen von seinem entseelten

Körper geschält, in beschämendem, kläglichem Zustand.

Ihr entgeht nicht die hämische Geste des Schicksals, die obendrein das

Andenken des Verblichenen schänden will. Doch ist ihr der endliche Fall je

tiefer umso lieber, da sie schon merkt, wie viel herrlicher sie sich von

ihm erheben wird. Inmitten verwüsteter Hoffnungen, der jämmerlichen

Trophäen seines Erdenwandels bleibt sie trauernd liegen und saugt aus

tausend Erinnerungen Haß, allmählich rasenden Zorn gegen ein sinnloses

Geschick und seinen oberen Lenker. Als sie endlich jeden Ort des Leibes mit

gleicher Überzeugung angefüllt fühlt, erhebt sich ein neuer Mensch zu

gewandeltem Leben. Mit Gott macht sie nicht mehr viel Worte. Sie sieht ihm

frei ins Gesicht und zeigt ihre Meinung: Seine Entscheidung in ihren Sachen

hat sie verurteilt und hängt nicht länger von ihm ab. Zum zweitenmal nimmt

sie vom Dasein Besitz, belebt jetzt von sich selbst her ihre Welt. Aus

deren Mitte sie alles bisher Verehrte hebt, es durch einen Götzen zu

ersetzen: Franz, den sie mit jeglichem Tand der Phantasie schmückt. Je

weiter sein irdisches Leben zurücksinkt, um so frischer macht sie ihn sich

lebendig. Alle Kräfte müssen fortan für den einzigen Zweck sich regen, den

toten Freund ihr fortwährend seiend zu erschaffen. Sie hat unaufhörliche

Gesichte, Begegnungen und vertraute Zwiesprache mit ihm und riecht und

schmeckt den ganzen angebeteten Mann. Ist sie aber mit ihm im innigen

Verein der Gemüter, fliegt ihr Blick durch die Scheiben höhnisch zum

Firmament, und Trotz spottet hell auf.

Sie wird wie eine Nonne schlicht und eindeutig. Dem einmal gewählten

Bräutigam treu, geht sie wie mit Zäunen umstellt dahin. In ihre Bestimmung

mit sich selbst ist von außen her kein Pfeil, kein anderes Verlangen zu

senken. Sie weiß zu gut, wie der Geliebte sie wollte; nicht kleinmütig und

verzagt, aber hoch über dem Los der Sterblichen. Die selbstherrlichen,

keuschen Gebärden muß sie bewahren, daß beim endlichen Wiederfinden seine

Erwartung von ihr sich vollauf bestätigt. So wandelt sie in Stahl

gepanzert. Schicken ihr die Frühlinge Begierden, blühend erwachte Natur

Versuchung, zwingt sie das Fleisch in kühle Richtlinien und lacht zum

Schluß über der Geister Blendwerk. Männer, die ihr nahen, wollüstig und

aufgeschwänzt, erledigt sie mit dem Blick eines für sie zu gewaltigen

Maßes, in das sie wie Erbsen in riesigen Topf fallen. Je mehr das Leben sie

versuchen will, um so freudiger wirft sich Meta ihm furchtlos entgegen,

gewiß, mit ihrem Liebesbegriff jeder Wirklichkeit überlegen zu sein, und

daß der verschmitzten Himmel lockere Absichten an ihrem Willen schließlich

zerbrechen müssen.

* * * * *

Der Friede, den das Land erlangt, schwemmt die Menge der Männer in die Arme

der Jungfrauen, Bräute und jungen Frauen zurück. Es hebt eine allgemeine,

gewaltige Hochzeit an, und die Demut des Weibes ist an sich schon groß vor

dem heimgekehrten Helden. Als aber sein Arm in der verwahrlosten Heimat

richtend und regelnd überall fühlbar wird, die Jugend den zu Haus

gebliebenen Greisen und irgendwie Verschnittenen die willkürliche Leitung

der Ämter und Geschäfte scheltend entreißt, bricht befreiter Dank aus allen

Herzen so stürmisch hervor, daß Verehrung männlicher Kraft und Vernunft

allenthalben oberstes Gesetz ist. Auch Meta, der es einfällt, wie in

letzter Spanne ihres Beisammenseins Franz sich zu eigenem Willen gereckt,

Herrschaft und Gewalt über sie gefordert hat, formt den Geliebten dem

allgemeinen Ideal nicht nur, sondern eigenem, ursprünglichem Wunsch nun

unbedenklich nach. Macht ihn zum unbeschränkten Gebieter ihres Gewissens

und ihrer Glieder; endlich stürzen die inneren Gewalten in das Bett einer

einzigen Leidenschaft: schrankenloser Hingabe des Leibes und der Seele an

den Vergötterten. Alle Organe werden, von Besessenheit ergriffen,

Eingangspforten für den Atem seines Wesens. Der männliche Geist fährt wie

Schwert in das Weib und reitet es mit Windsbraut in alle Abgründe des

Empfindens, peitscht es durch Hohlwege und Schluchten sinnlicher Wünsche.

Man hört sie aufschreien unter seiner würgenden Faust, sieht sie bäumen,

stürzen, wieder stehend, halb sich heben und zum andernmal mit Wucht in die

Furche der Bettstatt schlagen. Sie fühlt sich von ihm in die Wälder an alle

jene Örter entführt, an denen sie einst gemeinsam scheues Gespräch

geflüstert. Dort packt er sie, und während keusches Andenken sie rührt,

bricht und knickt er sie in ein Bündel keuchender Wollust nach seinem

Willen.

Tagsüber, mit geschundenen Gliedern, erfüllt sie dennoch die Pflichten

dienender Stellung. Aus der Stärke der sie schüttelnden Empfindungen fühlt

sie sich stolz von eigenen Gnaden Überwinderin des von Gott ursprünglich

mit ihr gewollten Schicksals, Urschöpferin ihrer Lust und nimmt aus diesem

Bewußtsein düstere Kraft. Doch immer ist es ihr Beweises eigener Person

nicht genug. Rings horcht sie die Frauen nach dem Maß des natürlichen

Glücks mit ihren Männern aus und jubelt, hört sie laue Anerkennung,

meistens Enttäuschung. Im Verein mit ihrem süßen Mann hat Sturm und

Schwelgerei kein Ende, sie unterliegt seinen Launen, Bedenken, Schwächen

nicht. Jahre hindurch steigert sich noch das Maß des Entzückens, das von

ihm kommt. In alle Blut- und Nervenbahnen ist sie von ihm schon besessen;

aber immer noch findet Begierde neuen Genuß und blendende Überraschung.

Bald sieht Meta Folgen ihres unbändigen Glücks mit dem Mann. Der Leib, aus

einem Teil einst, regelmäßig praller Formen, brach die Bünde gehügelter

Üppigkeit und hat strengen Rhythmus schon gesprengt. Entzückt sieht sie

ihre Schönheit für ihn, wie bei Weibern mit lebendigen Gatten, zerfließen.

Nicht weniger scheint sie gestülpt, brüchig und gerupft. Mit Triumpf hängt

sie in den gleichen Spiegel, der einst ihrer Jugend Knappheit faßte, die

zerfallenen Kuchen der Brüste, des Bauches schleppende Fettguirlande. Sie

meckert sich Beifall, schlägt die entstellten Lenden, um sie mit Inbrunst

neuen Visionen auszuliefern. Aber zu allen Freuden ekstatischer Liebe

leidet sie alsbald Schmerzen und täglich andere. Erst ist es Freßgier, die

sie befällt und unzähmbar quält. Mit tierischem Hunger schlingt sie alles

Erreichbare wahllos in den offenen Schlund, bis Ekel vor sich selbst sie

packt, der aufgetriebene Magen sich brüsk erleichtert. Dann quillt Speichel

in Wellen aus den Häuten des Mundes und der Nase, schäumt auf den Lippen

und wechselt dort in vielen Farben. Oder es preßt eine Hand den Hals

zusammen, daß sie zu ersticken meint; eine gespenstische Kugel steigt aus

der Gurgel in die Eingeweide nieder, wobei kalter Wind den Leib durchweht.

Tiefer, traumloser Schlaf wechselt mit anhaltender Schlaflosigkeit, die sie

völlig erschöpft, und wüster Halluzination. Doch immer gelingt es noch

trotziger Energie, Franz, zur Umarmung bereit, vor sich aufzuzaubern. Als

aber Materie fast vom Knochen geschabt ist, das Fett verlebt, die Säfte,

nicht ergänzt, träg geworden, kann sie die erlangten Ohnmachten und

Zerschmetterungen mit neuem Aufschwung nicht mehr regelmäßig ausgleichen.

Nur hier und da erfaßt sie noch des Mannes feste Gestalt. Meist muß sie

sich mit einem Schatten begnügen. Und wie sie auch die Augen aus den Höhlen

dreht, die mageren Hände sehnend reckt, -- bei sich fühlt sie nur mehr

etwas unwirklich Zerschlissenes. Dann stöhnt sie große Seufzer und fällt

durstend in die Kissengrube; aber der ausgemergelte Körper stürmt in

Schlaf, und die Sehnsucht der Halbentseelten flieht vom Gift des

Sichzerfleischens häufiger zu Bildern guter Ruh.

Das angetrümmerte Gebein, dicht vor seiner Vernichtung, schreit nach

Befreiung. Mit dem Mut der Verzweiflung wehrt es sich, bereit, alle anderen

Möglichkeiten des Seins gutzuheißen, ihnen zu dienen, nimmt man von ihm die

Zentnerlast der durch Jahre getragenen Qualen.

Alsbald tritt in das erfrischte Gehirn Bild der Umwelt zögernd wieder ein.

Sie nimmt des Stübchens Einrichtung deutlich wahr: den Teppich vorm Bett,

dessen Mitte vertreten ist; bunte Gardinen gegen das Licht. Erstaunt sieht

sie ihren Fenstern das Dach eines Hauses gegenüber, das die frühere

Aussicht ins Grüne und die angrenzenden Gärten sperrt. In der Küche glänzt

Kupfer mit Zinn, und bemerkenswert scheint ihr der Ausdruck in

Menschenaugen. Da kommt morgens ein Mann ins Haus, der Zeitungen trägt.

Blond, greller Rede, drängt er sich kräftig in Metas Wirklichkeit, stellt

sich quer vor das blasse Bild ihres Schattenmännchens. Gaukelt sie das noch

manchmal her und bringt seine Züge nicht bündig zusammen, ist quick der

Stellvertreter vollkommen da, zu allem Möglichen bereit. Sie dreht sich

also, nur vager Absicht, in seine Bahn und hat ihn plötzlich unmittelbar,

Aug in Auge vor sich. Gespannt sieht sie sein vorbereitendes Gebahren,

schluckt seine bis zu den Haaren steigende Röte, die Wasserperlen auf der

Stirn, zitternde Hände. Auch leises Knirschen der Kaumuskeln belustigt sie

sehr. Als er aber, männlich perfekt, in die Horizontale schwenkt, macht sie

der Schwitzende lachen, und sie springt von ihm fort. Zu albern wirkte sein

strikter Angriff, es mangelt gewohnter, phantastischer Hinschwung; sie hat

die Fanfare nicht gehört, unwiderstehliches Muß völlig vermißt.

Aus halber Anschauung und vollendeter Ahnung sah sie der hingegangenen

Liebe unvergleichliche Höhe ein. Und wie vorher Natur, sind Trotz und

Eitelkeit in ihr befriedigt. Reste von Zärtlichkeit und Schwärmerei

schwinden schnell aus dem Herzen, und dreißigjährig stellt sich Meta, immer

noch Dienstmagd in des Färbereibesitzers Familie, mit gänzlich veränderten

Begriffen zu weiterem Dasein kräftig gewillt fest.

* * * * *

Bedient sie jetzt Gäste bei Tisch, die regelmäßig einmal in der Woche

kommen, reicht ihnen Teller und Schüsseln, sieht sie die Speisenden

eindringlich an. Sie merkt ihre Gespräche und kennt nach kurzer Zeit die

Verhältnisse der Geladenen. Doch, was sie erzählen oder mit Zwinkern und

Blinzeln von ihren Gefühlen ausdrücken, ihr menschlicher Inhalt scheint

Meta armselig und flach. Sie, die gemeiner Herkunft wegen vor diesen

Bürgern alle Schauer des Respekts gefühlt, merkt aus der Überlegenheit

selbstgewollten und überwundenen großen Schicksals, Hochmut in sich

wachsen. Die da sitzen, scheinen geschlagene Leute, denen das Menschliche

zu karg gemessen ist. Ihre Begierden bleiben weit hinter Metas Sehnsucht

zurück. Um kleine Vorteile treibt ihr Ehrgeiz, aus der Größe des Vermögens

sind sie sich wichtig. Dem Unbemittelten dienen Fabeln seiner

geschäftlichen Verschlagenheit, sich zur Geltung zu bringen. Da ist ein

Herr mittlerer Jahre in kaffeebraunem Rock, der von seinen Spekulationen

Wesens macht. Zum Schluß seiner Vorträge, die er mit trüben Witzworten

krönt, pflanzt er, beifallheischend, der Hausfrau jüngerer Schwester, die

seit kurzem zu Besuch da ist, einen runden Blick mitten ins Gesicht. Meta

kennt die Stelle, wo auf des Mädchens Backe antwortend jedesmal der rote

Fleck aufbrennt, sieht aber geschwind zum Erzähler zurück, um noch

wahrzunehmen, wie der mit dem Mundtuch herausfordernd sich die

Schnurrbartspitzen wichst. Sie findet diese Spießbürger Würmer, die man

bodenlos gering zu achten und nach dem Maß der Verachtung zu behandeln das

Recht hat. Mit dieser Feststellung begnügt sie sich nicht, sondern beginnt,

sich in die Schicksale der Lendenlahmen sofort zu mischen und sie zu

treiben. Erst springt sie das Mädchen an, das nach unabänderlich trägen

Gesetzen die Tage verschleißt, indem sie Gedrucktes aus des Hausherrn

Bücherei ihm in den Weg legt, das durch gewagten Inhalt es erregen soll.

Durchs Schlüsselloch sieht sie der sich Entkleidenden zu und wartet auf den

Effekt. Aber die klassisch Nackte, deren ebenmäßige Schönheit Meta gehässig

bewegt, hält lesend das Buch mit der gemarkten Stelle, und kein Hauch rührt

ihr Gesicht. Sie gähnt nur ein wenig, nestelt, kämmt, dreht die Lampe und

schläft.

Und doch steckt sie seit Wochen, glaubt sie sich unbemerkt, dem

kaffeebraunen Herrn die Finger schnell in die seinen. Sieht ihn

geschwungener Braue an, senkt den Kopf und entschwebt. Als eines Abends die

Herrschaft ins Städtchen fort ist, die Jungfrau vorm Spiegel mit gelöstem

Haar und blanken Beinen zur Nacht sich schickt, schiebt Meta den scheuen

Verehrer, der vorbeigehend nach der Anwesenheit der Freunde obenhin gefragt

hatte, ohne weiteres der Überraschten in die Kammer und wartet verhaltenen

Atems vor der Tür. Da es innen still bleibt, bringt sie den Blick an die

Öffnung und sieht Mädchen und Mann beieinander, Hand in Hand und Aug in

Auge. Dazu atmen beide kräftig aus geblähten Nüstern. Ein Weilchen, während

das Herz vor Erwartung steht, sieht Meta ihnen zu; als aber die Haltung der

Aufrechten sich nicht verändert, öffnet sie erbost die Tür und zwingt das

monumentale Paar zum Aufbruch.

Doch gibt sie sich nicht zufrieden. Nach ihren höheren Absichten sollen

sich dennoch die Geschicke der Armseligen erfüllen. In stärkerem Feuer will

sie die Seelen glühen sehen, gewiß, noch immer wird sich dort ihr eigener

Wert über dem der anderen erhärten, und sie kann an ihrer salamanderhaften

Unbrennbarkeit von neuem vergleichend sich berauschen. Engeren Anschluß

sucht sie an die Ahnungslose, ist beim Anzug behilflich, streift ihr die

Strümpfe schmeichelnd an die Beine, das Hemd über die zarte Haut. In Kürze

vollendet sie mit sympathischen Strichen jeder Nerve zärtliches

Verständnis, und als sie ihr Opfer zu eigener Regung flügge glaubt, weiß

sie es bald wieder einzurichten, daß der lau Temperierte das junge Weib

allein im Aufruhr der Gefühle findet.

Von der völlig Entzündeten fängt der schwer zu Entflammende Feuer. Nun

girren hinter der Tür die Stimmen, es fordert Verlangen und seufzt die

Schwäche. Das Mal des Sieges leuchtet auf Metas Stirn.

Allem, was folgt, widmet sie sich inständig; vermittelt den Liebenden

Bequemlichkeit. Je dringlicher er Halt will, um so stürmischer wird der

Mann geliebt, und das schleunige Ergebnis ist des Mädchens vollendete

Schwangerschaft. Da aber ist die Mittlerin erst vollends selig. Für des

Hauses Ruh, die nur durch banalen Anlaß bislang gestört wurde, hofft sie

gründlichen Sturm und Raserei. Sie reibt sich die Hände und schneidet dem

Himmel Grimassen. Und als sich das Unglück den Verwandten nicht länger

verheimlichen läßt, mit einemmal im grünen Salon Aufschrei und Verwünschung

schallt, als zweier Frauen Ohnmachten zu enden sind, und Nasenbluten des

erschütterten Färbereibesitzers ihre Pflege und Essig fordert, schwebt

Meta, überlegene Zuschauerin der Blamage und Verlegenheit, in sieben

Himmeln.

Jede Stunde ist ihr nun höchster Erwartung voll. Sie glaubt an zerschelltes

Geschirr, eingetretene Türfüllungen, den aus dem Fenster in den Hof

zerschmetterten Leib. Auf den Pistolenschuß wartet sie, der plötzlich die

Nachbarschaft alarmieren soll, hört Feuerwehr und Polizei schon die Treppe

stürmen. Doch steigt das allgemeine Elend nicht über ein finsteres

Schweigen und Tränen in Strömen. Eines Morgens aber erscheint der Verführer

im schwarzen Rock mit hohem Hut; Verbeugungen, Komplimente, dann heftige

Umarmungen werden getauscht, und bald kleidet Meta die Braut in Batist,

Schleier und steifen Atlas. Während das erlöste, ausgelassene Mädchen

lockende Kapriolen in den Spiegel stellt, fühlt sich die Bedienende von den

himmlischen Gewalten aufs neue geneckt und um jeden Erfolg gebracht.

Meta: Eine Erzählung · 第 1 / 3 段