Abends kamen alle fünf Jäger aus den verschiedensten Richtungen her
mit ihrer Beute wieder beim Schiff zusammen, wo schon ein reichliches
Abendessen ihrer harrte und beim Becherklang die gegenseitigen
Erfahrungen ausgetauscht wurden. War dann die Verdauungszigarre
auf Deck geraucht, so ging es an die Abfassung der Tagebücher, und
schließlich wollten auch die erlegten Vögel noch näher untersucht und
gemessen sein. Das war namentlich bei den großen Geiern keine ganz
angenehme Arbeit, vor der sich deshalb namentlich Prinz Leopold, der
einzige noch lebende Teilnehmer dieser Frühlingsfahrt auf der Donau,
und Graf Bombelles gern zu drücken suchten. Ohne eine Zigarre im Munde
konnte man sich der unheimlich nach faulenden Kadavern duftenden Beute
wirklich nicht nähern, und der Kronprinz brachte kein geringes Opfer,
wenn er darauf bestand, alle Maße der Tiere ganz genau zusammen mit
Brehm zu nehmen.
Der letzte Abend an Bord war eine wundervolle Maiennacht. Die Grillen
zirpten laut an den Gestaden des majestätischen Stroms, leise
rauschten die Wellen, und die weite ungarische Ebene dehnte sich in
verschwommenen Umrissen endlos vor den Blicken. Unzählige Sterne
glänzten am Himmel, und die Mondessichel stand klar und silberhell am
Firmamente, sich in den Wellen des Stromes widerspiegelnd. Rudolf und
Brehm blieben diesmal noch lange Stunden auf dem Verdeck, die herrliche
Nacht bewundernd. Sie sprachen von den schönen Erinnerungen dieser
Reise und entwarfen Pläne für neue Forscherfahrten. Die Freundschaft
zwischen beiden ist nie getrübt worden und hielt trotz mancher
Quertreibereien unvermindert bis zu Brehms Tode an, der auch für den
Habsburgersproß zu früh kam.