Von Nebeln ist die Stadt verstopft,
Der Schritt, der sich an Häusern bricht,
Durch regenmüde Straßen klopft.
Aus windbewegten Lampen tropft
Auf unsern Weg ein dünnes Licht.
In breiten Lachen liegt es dort,
Zerrinnt am wässrigen Asphalt,
Wir aber gehen immer fort.
Du bist drei Schritte von mir fort,
In Nacht ertrunkene Gestalt.
Ich ahne, was Dein Mund jetzt spricht.
Vielleicht ein liebes Wort zu mir.
Ich bin wie Stein und hör' es nicht,
Ich bin wie Glas und fühl' es nicht
Und finde keinen Weg zu Dir
Und ist nur dreien Schritte weit.
Ich schreite starr, ich schreite stumm,
Ich weiß durch alle Einsamkeit,
Ich geb' Dir durch die Nacht Geleit
Und weiß doch nicht warum.
Fühlst Du denn nicht, wie tief und bang
Mein Herz nach Deinem Herzen sucht?
Dies ist der letzte, schwerste Gang.
Der Weg ist nur drei Schritte lang:
Doch ohne Ende ist die Flucht . . .
Du wirst mich immer rauschender durchtönen,
Bis deinem Sang die letzte Sehnsucht schweigt.
Du wirst die müden Nächte mir verschönen,
Silberner Mond, dem dunklen Teich geneigt.
Du wirst ein Baum mich kahlen Felsen krönen
Voll lichter Wunder, tausendfach verzweigt:
O dunkles Wasser ich und starrer Stein!
Was frommt mir Glanz? Brich ein in mich, brich ein!
Schon sind wir tiefer in uns selbst gemündet,
Voll süßen Staunens schließen wir uns ein.
So unzertrennlich sind wir uns verbündet,
Daß jeder Schale ist und jeder Wein.
Wie sich der bunte Kranz von Tagen ründet,
Als müßte ewig um uns Sonne sein.
Sind wir nicht selber Licht, verzückt gestellt
Mitten ins Dunkel dieser fremden Welt?
Und es ist oft schon ein Hinüberneigen
Und eine drängend süße Trunkenheit,
Als rührte Wind in fruchtbeschwerten Zweigen
Im tiefen Wissen ihrer reifen Zeit.
Wir fühlen unseres Blutes Säfte steigen
Und wie des Lebens heiße Inbrunst schreit!
O Bäume nur, darin die Winde wehen:
Reif fällt die Frucht, wir bleiben dorrend stehen.
Da ich mich schon wie ein Gewölke ballte,
Hast Du wie Frühlingswind mich sanft zerstreut.
Wie bot ich Deinem Hauch die letzte Falte,
Wie hast Du mich durchdrungen und erneut.
Und seliger Ton wardst Du, der mich durchhallte
Wie fern von Turm zu Türmen ein Geläut.
Befreiter Abend war ich hingegossen
Durch den wie Vögel licht die Träume schossen.
Die Demut ließ mich nicht mehr höher ragen.
Vor soviel Reinheit ward ich zum Gebet.
Die alten Götzen habe ich zerschlagen,
Ich bin Altar, darauf Dein Bildnis steht.
Doch bin ich fast zu bange, Dich zu tragen,
Ein armer Mensch nur, der im Dunkeln geht:
Da fällt ein Strahl von Deinem Angesichte
Und ich bin groß und schreite frei im Lichte.
Die Dinge, die unendlich uns umkreisen,
Sie scheinen alle plötzlich still zu stehen.
Da ist Musik von Tritten, wunderleisen,
Du winkst mir, wie im Traum, zu dir zu gehen.
Da stehst Du, einen Weg hinauszuweisen
Und Deine Hände leuchten vor Geschehen:
Nun seh ich's auch: Gesprengt das Tor der Zeit
Und lichte Brücken hängen himmelweit.