Was die Lebensmittel anlangt, so finde ich, daß sie im Ganzen zwar

vortrefflich, aber auch äußerst theuer sind. In diesem Augenblicke z.

B. kostet das Pfund Rindfleisch 30 kr. rhein., das Pfund Kalbfleisch 42

kr. und so fort. Ein guter Kabeljau wird mit 5 Gulden, ein Pfund Lachs

mit 54 kr. bezahlt. Ein Pfund Weißbrod kostet 16 kr., ein Pf. Butter

54 kr., eine Kanne Milch 24 kr., ein Pf. Käse 36 kr. und so alles in

gleichem Verhältniß. Der theuerste Artikel ist das Geflügel (ein Huhn

3-6 Gulden). Der wohlfeilste dürfte das gewöhnliche Gemüse (Erdäpfel,

süße Pasteten und Braunkohl) seyn. Für eine Flasche Bordeauxwein

werden 5 Gulden, für eine Flasche alten Rheinwein 10-12 gezahlt.

Von den Preisen anderer Artikel führe ich folgende an. Ein Paar

Stiefeln 24 Gulden, ein Paar Schuhe 7-9, ein guter Hut 12-15 Gulden,

ein halbes Dutzend feine Hemder 70-80 Gulden u. dgl. mehr. Ein Fremder,

der in London nur einigermaßen anständig leben will, braucht zwischen

4 bis 5 Pfund die Woche, und muß dabei doch noch haushälterisch

seyn. Für ein meublirtes Zimmer in den besten Theilen der Stadt, wie

Chearside, Falbern u. s. w. zahlt man nebst Aufwartung 24 Gulden den

Monat, in andern Theilen kommt man mit 12-16 Gulden ab.

Der gewöhnliche Thee zum Frühstück ist sehr mittelmäßig, ob er gleich

mit 4-5 Gulden bezahlt wird. Ich wette, daß man bei uns dieselbe Sorte

für 2-3 Gulden haben kann. Das Brod ist gut, kommt aber dem Fremden

anfangs etwas bitter vor, was von den Hefen herrühren soll. Die Butter

ist frisch vortrefflich, nimmt aber schon nach einigen Tagen einen

ranzigen Geschmack an. Das Wasser ist schlecht, bleifarbig und immer

trüb. Es wird entweder aus der Themse, oder aus dem New River in die

Stadt geleitet, wobei man freilich nicht an die ekelhafte Nachbarschaft

der Schiffsabtritte, der Schlachthäuser u. s. w. denken muß.

Vorige Woche machte ich auf besondere Veranlassung eine kleine Reise

nach Chislehurst. Dieses ist ein artiges, höchst pittoresk gelegenes

Dorf, nur ungefähr 6 Stunden von hier. Es befindet sich ein großes

Erziehungsinstitut daselbst, das von einem Herrn ~Mace~, einem

sehr würdigen Mann, geleitet wird. Ein Fremder, der die Sprache aus dem

Grunde kennen lernen will, thut sehr wohl, wenn er auf einige Monate in

eine solche Kostschule (Boardings-Schoal) geht. Man nimmt nämlich in

allen solchen Instituten auch erwachsene Pensionäre auf. Diese zahlen

in Chislehurst für alles 6 Guineen monatlich. In den Boardings-Schoals

näher bei London, wie Islington, Chelsea u. s. w. ist man freilich

weniger wohlfeil. Die Luft von dem hochliegenden Chislehurst ist sehr

gesund, auch scheint das Wasser vortrefflich zu seyn. Nach London giebt

es täglich bequeme Postgelegenheiten. -- Ich erwarte nur noch einen

Brief aus Amsterdam, um sofort nach Holland überzugehen.

~Fünfzehnter Brief.~

~In See~, 27. Januar 1806.

Es ist Abends 5 Uhr, der günstigste Wind treibt uns den vaterländischen

Küsten zu. Gestern Abend begab ich mich nach Gravesand; diesen Morgen

um 11 Uhr segelten wir die Themse hinab. Welche paradiesische Ufer bis

hinter Chatham! Dann aber wird der Strom so breit, daß er fast einer

Rhede gleicht. Man kann in der nämlichen Ferne nur wenig mehr sehen. Um

3 Uhr kamen wir mit 60 andern Schiffen glücklich in See. -- Bald umarme

ich Sie.

~Helvoetsluis~, 28. Jan. Mittag.

Wir gehen vor Anker, ich gebe diesen Brief einem Fischerboote mit,

damit er noch um 2 Uhr in Rotterdam abgehen kann. Alles ist wohl und

fröhlich an Bord, ich selbst bin höchstvergnügt. Heute vor einem Jahre

und nun! O Freunde! o Vaterland! o Geliebte! Morgen bin ich bei Ihnen,

und dann keine Trennung mehr!

Fußnoten:

[1] Oeffentliches Wirthshaus.

[2] Flöße, die man mit Ruder und Segel zugleich fortbringt.

[3] Hafendorf von Jaffanapatnam.

[4] So hieß der Freund des Verfassers.

[5] Alle indische Töpfer pflegen zu gleicher Zeit auch Wundärzte zu

seyn.

[6] ~Kampaak~ genannt. Die Betelblätter sind wie ein ~Herz~ geformt,

und außer der Areka noch mit Cardamom und Catchu gefüllt. Ein solcher

Kampaak ist ein verblümtes Liebesgeständniß.

[7] Pipal, =Fiscus indica=. Nach der Behauptung der Hindus braucht

dieser Baum zu seinem vollen Wachsthum ~fünfhundert~ Jahre.

[8] Sie gaben damit den Takt an, um gleichen Schritt zu halten, wie

oben gesagt worden ist.

[9] Die herumziehenden Tänzerinnen werden in der Regel wenig geachtet.

Ganz anders ist es mit den ~Devodaschis~, die bei den Pagoden

angestellt sind.

[10] Getrocknetes Feigenblatt. Man braucht diese Olas als Papier.

[11] Ein Paar hundert Tausend Pfund Sterlings.

[12] Durch die ~Fußpost~, der einzigen, die in Ostindien gebräuchlich

ist. Die Postboten heißen ~Toppals~ oder ~Dhaabs~. Es gehen immer zwei

zusammen, wovon der eine den Briefsack trägt, während der andere eine

kleine gellende Trommel schlägt. Die Stationen sind nur zwei Stunden

lang, und eigene Hütten dazu erbaut. In Calcutta, Madras, Pondichery,

Negapatnam u. s. w. gehen diese Fußposten alle Abende nach allen

Gegenden Indiens ab.

[13] Dieser Fluß durchschneidet Batavia.

[14] Wie z. B. Kampfer, Eisen, Opium u. s. w.

[15] Aus Isle de France.

[16] Fahrzeug zur Aufnahme von Personen eingerichtet, das von einem

Pferde gezogen wird.

[17] Die hintere Cajüte, die sehr nett eingerichtet ist.

[18] Gerade so, wie an den Donau-, an den Elb-, Main- und Rheinschiffen

hinten Kähne angehängt sind, nur daß der Zwischenraum größer ist.

[19] Holländischer ~Käse~ von vorzüglicher Güte, mit ~rother~ Rinde.

[20] Rum mit Wasser vermischt.

[21] Ein holländischer Gulden ist fl. 1, 4 kr. rhein.

[22] Ostindische Goldmünze, ~vier~ holländische Gulden an Werth.

[23] Ungefähr anderthalb Kreuzer rheinisch.

[24] Bekanntlich befindet sich jezt der General ~Bounaparte~ als

Gefangener daselbst. D. H.

[25] Ungefähr eine Stunde.

[26] Schlafstelle in der Wand, mit Schiebbrettern versehen.

[27] Vordertheil des Schiffs.

[28] Französische Hunde, was der gewöhnliche englische Schimpfname ist.

[29] Neun Gulden Rheinisch.

[30] Ein Stüver ist ungefähr vier Kreuzer Rhein. werth.

[31] Nelson ist todt! Nelson ist todt!

Anmerkungen zur Transkription:

Die erste Zeile entspricht dem Original, die zweite Zeile enthält die

Korrektur.

S. 64

Das Comtoir befestigt nur wenige Leute

Das Comtoir beschäftigt nur wenige Leute

S. 121

Ich folgte dem Manesenstrom

Ich folgte dem Menschenstrom

S. 263

Vierter Brief.

Sechster Brief.

S. 297

9 Uhr morgens tagten in großer Entfernung

9 Uhr morgens tauchten in großer Entfernung

S. 334

27. Januar 1805

27. Januar 1806

Die drei Ostindienfahrer · 第 12 / 12 段