Man ist hier überhaupt in einer höchst internationalen Gesel

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[Illustration]

FELIX SALTEN

DAS ÖSTERREICHISCHE

ANTLITZ

ESSAYS

S-FISCHER-VERLAG-BERLIN

1910

Alle Rechte vorbehalten.

Zweite Auflage.

INHALT

Seite

1. Die Wiener Straße 9

2. Klavierstunde bei Leschetitzky 23

3. Aristokraten-Vorstellung 37

4. Fünfkreuzertanz 49

5. Stalehner 59

6. Beim Brady 71

7. Nachtvergnügen 83

8. Peter Altenberg 97

9. Spaziergang in der Vorstadt 115

10. Lueger 127

11. Girardi-Kainz 143

12. Menagerie in Schönbrunn 157

13. Mauerbach 169

14. Das Wirtshaus von Österreich 181

15. Mariazell 191

16. Radetzky 203

17. Thronrede 213

18. »Gewehr heraus!« 223

19. Frühjahrsparade 233

20. Kaisermanöver 243

21. Elisabeth 255

22. Das österreichische Antlitz 265

DIE WIENER STRASSE

Der alte Herr schreibt in sein Tagebuch:

Ein wunderschöner Tag ist das heute gewesen. Voller Sonnenglanz und

Wärme, und in den Straßen hat es überall nach Veilchen geduftet.

Daß ich heute gerade sechzig Jahre alt geworden bin, möchte mich

freilich herabstimmen. Aber ich kann mir nicht helfen, ich bin ganz

gut gelaunt. Und ich finde, es ist sehr hübsch, im Frühling Geburtstag

zu haben, wenn es so warm wird, und wenn die Straßen nach frischen

Blumen riechen. Was will man denn mehr? Ich bin spazieren gegangen, wie

gewöhnlich. Zuerst durch die Innere Stadt, dann bei der Oper auf den

Ring hinaus und wieder zurück. Dann bin ich noch im Kaffeehaus gewesen.

Also sechzig Jahre. Am liebsten würde ich mit Stillschweigen darüber

weggehen; weil es aber schon so lange meine Gewohnheit ist, daß ich bei

solchen Anlässen gewissermaßen den Jahresschluß ziehe, und ein bisserl

was aufschreibe von dem, was ich mir denke, will ich es auch heute

nicht versäumen. Obwohl ... Denn viel habe ich ja kaum zu sagen. Da

liegen in der Lade die Bogen aus all den Jahren, und wenn ich sie jetzt

durchlesen wollte, würde vielleicht immer dasselbe drinnen stehen. Ich

habe ein sehr regelmäßiges Leben geführt, und wenn man ein Junggeselle

ist, gibt es nicht viel Ereignisse. Es ist nur, daß ich jetzt eine

gewisse Scheu habe, diese Blätter in die Hand zu nehmen. Sie könnten

mich am Ende in eine sentimentale Verfassung bringen, und das hätte

keinen Zweck. Ich bin von dem schönen Tag noch ganz angeregt.

Bald wird man auch wieder im Freien sitzen können. Auf dem Graben sind

die zwei Kaffeehütteln schon hergerichtet; ein paar Tische sind sogar

besetzt gewesen. Aber ich hab' es doch noch nicht riskiert. Es war

übrigens nicht zum Vorwärtskommen heute, so viel Menschen sind in der

Stadt herumgelaufen. Und was man für schöne Mädchen sieht, das ist

eine wahre Freude. Man weiß gar nicht, welche man zuerst anschauen

soll. Gleich in ganzen Rudeln marschieren sie auf. Und wie reizend ist

das, diese vielen jungen, rosigen Gesichter, diese lachenden Augen!

Seit vierzig Jahren gehe ich jetzt Tag für Tag denselben Weg durch die

Innere Stadt und über den Ring und immer seh' ich diese vielen schönen

Mädchen. Es ist unglaublich, wo die nur herkommen.

Allerdings, die bleiben ja auch nicht ewig jung. Das darf man sich

nicht einbilden. Denn sonst müßte ich ganz allein alt werden, und

dafür tät' ich mich doch schönstens bedanken. Aber das nimmt alles

seinen geordneten Gang. Wenn man sich auch wundert. Ich hab' das an

der Baronin Ruttersdorf gemerkt, wie ich sie heute gesehen habe. Gott,

wie die ausschaut! Ganz schneeweiße Haare hat sie schon, und recht

zusammengebrochen ist sie. Ich bin stehen geblieben und hab' ihr

nachgeschaut. Seit dreißig Jahren zum erstenmal wieder.

Vor dreißig Jahren bin ich nämlich öfter stehengeblieben und hab' ihr

nachgeschaut. Da ist sie ein junges Mädchen gewesen, und war schön.

Mir wird heute noch ganz schwindelig, wenn ich daran denke, wie schön

sie war. Damals habe ich sie rasend geliebt. Aber dieses Gefühl ist

längst in mir erloschen. Ja, ja, ich habe so manches erlebt. Das

heißt, persönlich gekannt habe ich sie natürlich nicht. Wie wäre das

auch möglich gewesen? Ich war ein ganz kleiner Beamter. Ein noch viel

kleinerer als ich heute bin. Und was werd' ich denn im Monat gehabt

haben, vor dreißig Jahren? Sechzig oder siebzig Gulden; mehr gewiß

nicht. Aber was will man ...? Ein junger Mensch! Und so hat sie damals

mein ganzes Dasein erfüllt. Ich hab' ganz genau gewußt, daß sie am

Sonntag in die Schottenkirche geht, ich hab' gewußt, wann ich sie am

Nachmittag in der Stadt treffe. Wenn ich jetzt die Bogen von damals

hervornehmen möchte, da würde gar viel von ihr drin stehen. Ich weiß,

wie ich ihr nachgegangen bin, und wie ich mir vorgestellt habe, ich

werde auf einmal ein Millionär, oder ich werde in zwei Jahren Minister,

oder ich schreibe ein Drama, und werde berühmt, so daß mich alle Leute

anschauen, wenn ich über die Straße gehe, und daß sich alle Leute um

mich reißen, und dann ... na, und dann ... Es war so wundervoll, sich

das ganz genau vorzustellen, so lebendig, als ob es wirklich wäre, als

ob es morgen schon sein könnte. Ich bin ganz eingesponnen gewesen in

diese Träume und hab' ihnen viele glückliche Stunden zu verdanken.

Jetzt bin ich aber sechzig Jahre alt. Und sie ist eine alte Frau. Ich

habe ihr ganzes Leben mit angeschaut. Damals war sie eine Komtesse

Nußbach. Auch ihren Vater kannte ich, den alten General. Der hatte so

schön dichte, weiße Haare wie jetzt seine Tochter. Dann hat sie den

Baron Ruttersdorf geheiratet. Dann ist sie mit ihren Kindern spazieren

gegangen. Was für reizende Kinder sind das gewesen, besonders der

älteste Bub, der Ferdinand. Dann ist ihr Vater gestorben, und sie hat

das Palais auf der Wieden geerbt. Dann hat ihr Mann die Geschichte

gehabt mit der ungarischen Sängerin, und man hat gesagt, sie werden

sich scheiden lassen. Dann hat sich der Ferdinand erschossen. Er

war Leutnant bei den Windischgrätz-Dragonern. Und dann ist ihr Mann

gestorben. Wenn ich sie heute angesprochen hätte, und hätte ihr

erzählt, daß ich ihr ganzes Leben kenne und daß ich sie geliebt habe,

was für Augen hätte sie gemacht! So was kann man freilich nicht tun;

und ich bin auch gar nicht der Mann dazu. Aber wer weiß, wie gut wir

jetzt miteinander reden würden.

Denn ich glaube wohl, daß ich imstande wäre, mit so einer Dame zu

sprechen, ohne einen Fehler zu machen. Und ich denke, auch meine

Kleidung ist elegant genug, um in besseren Kreisen zu verkehren. Auf

anständige Manieren habe ich nämlich immer sehr acht gegeben, und auf

gute Kleider habe ich immer sehr viel gehalten. Es war das erste, was

ich getan habe, wie ich fix angestellt worden bin, daß ich mich mit

einem Schneider auf Monatsraten verständigte. Und seitdem bin ich immer

sehr fein angezogen gewesen. Auch habe ich immer nur in noblen Lokalen

verkehrt. Natürlich nur in Kaffeehäusern, denn die Restaurants sind ja

doch für meine Verhältnisse zu kostspielig. Aber darauf kommt es gar

nicht an. Was hat man denn von einem Restaurant? Man ißt, steht auf und

geht wieder fort. Zu diesem Zweck genügt mir doch mein Gasthaus in der

Piaristengasse, wo ich abonniert bin, und wo ich schon seit Jahrzehnten

alle Tage um drei Uhr, nach dem Bureau, speise. Aber mit dem Kaffeehaus

ist das etwas anderes. Und im Café Imperial oder im Pucher hat man mich

immer für einen Baron gehalten.

Selbstverständlich habe ich die Baronin Ruttersdorf nicht angesprochen

und werde sie auch niemals anreden. In diesem Leben nicht. Vielleicht,

daß wir uns einmal in einer anderen Welt begegnen. Da würden wir

freilich genug Gesprächstoff haben, und vielleicht wird sie sich dann

mit mir sogar lieber noch unterhalten als mit ihrem Herrn Gemahl. Hier

aber bleibt es schon beim Alten. Denn da müßte ich gar viele Leute

ansprechen, wenn ich das wollte, und finge mit jedem zu reden an, dem

ich das ganze Leben zugeschaut habe.

Ob das in einer anderen Stadt auch so ist, in Berlin oder in London,

das weiß ich nicht. Aber bei uns ist es so. Man kann die Leute sehen,

die interessant sind, man kann ihnen zuschauen, wie sie leben. Man lebt

mit ihnen, und es ist gar nicht einmal notwendig, daß man reich ist

oder vom Adel oder ein großes Tier. Ich gehöre doch gewiß nicht zur

Aristokratie, aber ich kenne trotzdem alle. Ich kenne sie, wie sie jung

waren, sehe ihnen zu, wie sie alt werden, sehe ihre Kinder heranwachsen

und dieselben Geschichten machen. Ich habe nie so viel Geld gehabt, um

alle Augenblick in Kunstausstellungen zu gehen, und ich habe doch den

Kanon gekannt und den Makart. Ich weiß es noch wie heute, wie er im

Fiaker über den Ring gefahren ist, ein ganz kleiner, schlanker Herr.

Im Theater bin ich auch fast nie gewesen, und habe doch alle gekannt

und gesehen; die Wolter, wie sie den Grafen O'Sullivan geheiratet hat,

und die Geistinger, und wie der Girardi berühmt geworden ist, und

alle miteinander. Woher ich sie kenne, das vermöchte ich nicht einmal

zu sagen. Vielleicht macht es die Übung, wenn man so viele Jahre Tag

für Tag durch die Stadt geht. Da findet man die berühmten Gesichter

einfach heraus; und da weiß man auf einmal den Namen; und dann sieht

man die Leute wieder und wieder, bis man ihnen zuletzt alles von ihren

Gesichtern, von ihrem Gang, von ihrer Haltung ablesen kann, was sie

erleben. So oft ich in dieser langen Zeit meinen Spazierweg gemacht

habe, immer bin ich davon angeregt und zerstreut worden, immer habe

ich mich glänzend unterhalten, immer habe ich das Gefühl gehabt, daß

ich in einer vorzüglichen Gesellschaft verkehre. Und dazu braucht man

wirklich keine Reichtümer. Was will man denn mehr?

Wenn ich mich so erinnere, wie ich als junger Mensch nach und nach

gelernt habe, die Augen aufzumachen ... Ich bin zwar in ganz einfachen

Verhältnissen aufgewachsen, aber gespürt habe ich doch, was es für

schöne Dinge gibt in der Welt. An einem Sonntag, wenn die Stadt ganz

still ist, da habe ich stundenlang herumgehen können und mir die alten

Palais anschauen; die Portale, und der Blick, der sich in die weiten

Höfe erschließt, und dann die hohen Fenster und die Figuren drauf.

Dann die engen Gassen, so um die alte Universität herum. Und wie

lang bin ich immer auf dem Burgplatz gestanden, vor dem Eingang zum

Schweizerhof. Wie gut kenne ich den Burgplatz. An frühen Winterabenden

zum Beispiel, wenn der Schnee wie ein weißer ausgebreiteter Teppich

den ganzen Platz überspannt, wenn die grauen Fronten schimmern, und

wenn hier alles so abseits, so wie in einer anderen Welt ist. Oder

an Nachmittagen im Hochsommer, wenn man weiß, der Kaiser ist nicht

da, und alles, was sich regt, ist nur Dienerschaft. Wenn dieser Platz

mit der Wache und den Gendarmen und den verhängten Fenstern so was

Träges und Schläfriges hat. Und dann die Sommerabende draußen auf dem

äußeren Burgplatz, wenn der Himmel so schön weit ist, und wenn in der

Ferne die Dächer der Vorstadt glänzen. Wieviel habe ich sehen gelernt,

seit ich ein junger Mann war und jeden Tag nach dem Bureau spazieren

gegangen bin; und wieviel könnte ich sagen. Aber ich möchte nur

bemerken, daß in diesen jungen Jahren gerade durch meine Spaziergänge

viele Eigenschaften in mir entwickelt wurden. Der Burgplatz zum

Beispiel, der Graben, der Kohlmarkt, ... da habe ich nach und nach

einen Sinn für Anstand bekommen, ganz unwillkürlich; eine Neigung

zu besseren Lebensformen und eine gewisse Empfindlichkeit gegen das

Ordinäre und gegen das Geschmacklose.

Ich möchte bemerken, daß die Menschen, die ich täglich sah, einen

gewissen Zwang auf mich ausgeübt haben. Ich hätte mich geschämt,

unordentlich oder aufdringlich angezogen unter ihnen zu erscheinen.

Wenn ich mein Bureau verlassen und gespeist hatte, dann lief ich in die

Stadt, um das glänzende Leben zu sehen. Ein junger Mensch will eben

sein Vergnügen haben. Und mir war es ein Vergnügen, mir ist es heute

noch eines. Meine Freude am Luxus wurde mit jedem Tage mehr und mehr

geweckt. Und ich brauchte nur spazieren zu gehen, um diesen Luxus zu

genießen. Nehmen wir die Fiaker. Ich bin selbst nur drei- oder viermal

in einem Fiaker gefahren, aber ich verstehe, daß es sehr schön ist, wie

leicht solch ein Wagen rollt; wie die Pferde gleichmäßig traben, wie

das um die Ecke biegt, dahersaust, verschwindet. Ich brauche das nur

anzuschauen, und genieße die Annehmlichkeit, die in einem so famosen

Fuhrwerk liegt. Und ich schaue es mir heute noch aufmerksam an, es

unterhält mich jedesmal. Nehmen wir die Burg und die Oper. Ich kann

es an meinen Fingern abzählen, wie oft ich drin war. Aber unzählige

Male bin ich nach der Vorstellung im Opernvestibül gestanden und habe

mir die vornehme Welt angeschaut, und bin wie nach einer glänzenden

Unterhaltung heimgegangen, wenn ich dieses prachtvolle Gedränge

schöner Frauen und eleganter Herren die majestätische Logentreppe

herunterströmen sah, und das Schauspiel der geschäftigen Lakaien. Im

Sommer, wenn man keine Überkleider mehr in der Garderobe abzulegen

braucht, bin ich oft ins Burgtheater, habe mir die Treppenhäuser

angesehen, bin im großen Foyer herumspaziert, mitten unter dem

Menschenschwarm. Wenn dann der Zwischenakt vorbei war, stürzten die

Leute wieder in den Zuschauerraum. Ich aber entfernte mich und hatte

wieder einen Genuß gehabt. Wäre ich beständig im Fiaker gefahren,

wäre ich alle Tage ins Theater gegangen, mit einem Wort, wäre ich

reich gewesen, wer weiß, ob sich nicht alles für mich mit der Zeit

abgestumpft hätte. So aber habe ich immer nur den besten Schaum von

den Dingen gekostet, habe mir alle Genüsse in meiner Phantasie noch

herrlicher ausgemalt, als sie vielleicht in Wirklichkeit sind, und so

hat bis heute nichts von alledem seinen Reiz verloren.

Als junger Mensch bin ich oft in der Stadt herumgelaufen und habe

geglaubt, es müsse mir etwas Wunderbares begegnen, es müsse sich etwas

Herrliches plötzlich mit mir ereignen. Irgendetwas, das mit schönen

Frauen, mit Pracht und Glück, mit Palästen, mit Musik oder dergleichen

zusammenhängt. Dieses manchmal ungeduldige Erwarten hat sich mit der

Zeit nun freilich stark gedämpft. Ich bin heute schließlich sechzig

Jahre alt. Aber noch heute, wenn ich durch die Innere Stadt promeniere,

wenn ich durch das Rauschen der Ringstraße gehe, wenn so viele schöne

Frauengesichter an mir vorübergleiten, dann ist mir, als sei noch

manche verborgene Möglichkeit irgendwo vorhanden, und als könne doch

noch etwas Merkwürdiges und Festliches geschehen. Das ist gewiß

töricht, ich sehe es ja ein, aber die Zeit vergeht so schnell dabei,

und man fühlt sich dann so angeregt und so zufrieden.

Ich bin sechzig Jahre alt und weiß, daß vieles für mich vorüber ist.

Ich bin ein armer Teufel. Das weiß ich auch. Und ich habe nichts

erreicht. Manche Leute werden finden, ich hätte keine Ursache, so

zufrieden zu sein. Manche Leute werden finden, ich hätte meine

Jahre besser anwenden, hätte es durch größeren Fleiß, durch höhere

Strebsamkeit ungleich weiter bringen können. Und ich muß ihnen recht

geben. Ich muß es um so mehr, als ich zu alledem noch weiß, daß es

mir nicht an guten Talenten, an reichen Anlagen und Geschicklichkeiten

gefehlt hat. Heute darf ich's ja sagen, wo es doch schon zu spät ist.

Ich hätte etwas werden können in der Welt. Etwas Großes vielleicht.

Sicherlich etwas viel größeres, als ich geworden bin. Aber ich muß

sagen, daß ich bei alledem nicht unglücklich bin. Vielleicht wäre

ich als armer Teufel in einer anderen Stadt sehr unzufrieden und

sehr unglücklich gewesen. Das vermag ich nicht zu beurteilen, denn

ich kenne die Verhältnisse anderswo nicht, und weiß nicht, ob ich

mich anderswo wegen meiner Armut und wegen meiner niedrigen Stellung

ausgeschlossen gefühlt hätte. Hier habe ich mich niemals ausgeschlossen

gefühlt, sondern habe immer die Empfindung, mindestens aber die

Illusion gehabt, an allem Luxus, an aller Schönheit und an aller

Intimität der Stadt ohne weiteres teilnehmen zu dürfen. Vielleicht

hätte ich anderswo nicht gerastet, um in die Höhe zu kommen. Das

ist schwer zu sagen. Ich weiß nur, daß ich immer, wenn ich des

Abends von meinen Spaziergängen heimwärts wanderte, von allen meinen

Eindrücken ganz sorglos gemacht und in meinem Sehnen ganz wunderbar

beschwichtigt war. Wenn mir manchmal der Trieb kam, etwas Besonderes

zu leisten, etwas zu unternehmen, dann schien es mir immer, als sei

ja schon längst alles unternommen und geleistet und erreicht, und

es bliebe jetzt nichts mehr zu tun übrig, als das Vorhandene wie

einen köstlichen Besitz zu verstehen und zu genießen. Das mag ein

verhängnisvoller Irrtum sein, doch werde ich mich jetzt nicht mehr

damit befassen, ihn richtigzustellen. Ich habe schließlich genug

erlebt, habe Menschenkenntnis und Erfahrungen in Hülle und Fülle, ich

habe mein sicheres Auskommen und meine Ruhe. Jetzt habe ich auch noch

den Frühling und diese fröhlichen Tage voll Sonne und Blumenduft. Bald

wird man auch im Freien sitzen können. Auf dem Graben sind ja schon die

Kaffeehütteln hergerichtet. Alles übrige mag sein wie es ist. Was liegt

denn dran?

KLAVIERSTUNDE BEI LESCHETIZKY

Ein kleines rotes Haus im Währinger Kottage, mit einem netten Turm, der

sich stramm davor aufrichtet. Ich kenne es seit meiner Kindheit; und

seit ich als Bub auf der Türkenschanze umherlief, die damals freilich

noch hinter jenem Hause gleich anfing, kenne ich vom Sehen den fröhlich

dreinblickenden, weißbärtigen Herrn, der an milden Frühlingsabenden

aus der Pforte unter dem Turm herauskam und über die Wiesen zum

Heinrichshügel spazierte; immer munter, und immer von schönen,

exotischen Frauen gesprächig umgeben.

Der Heinrichshügel, dieser bescheiden erhöhte Abendsitz inmitten

wogender Kornfelder, ist lange verschwunden. Die Felder und Wiesen sind

ja alle verbaut, und die ganze Türkenschanze existiert nicht mehr. Es

sind, wie gesagt, über zwanzig Jahre her. Aber der weißbärtige alte

Herr blickt immer noch fröhlich drein, ist immer noch munter, und

immer noch von schönen exotischen Frauen gesprächig umgeben. Und sein

kleines, rotes Kottagehaus, mit dem netten Turm, der sich stramm davor

aufrichtet, ist inzwischen der sonderbarste Ort in Wien geworden.

Jedenfalls etwas einziges in seiner Art; nicht nur bei uns, sondern

überall. Wenigstens müssen die Leute allerwegs dieser Meinung sein,

denn aus sämtlichen Weltgegenden kommen sie hierher. Wie man sagt:

ein Brennpunkt. Wenn man kurz und nüchtern mitteilt, was in diesem

Hause geschieht, dann hört es sich wie gar nichts an: Hier werden

Klavierstunden gegeben. Ein Unternehmen, das bekanntlich nur zu oft

besteht, das fast immer mit allerlei entsetzlichem Geräusch verbunden

ist und nicht gerade als eine Seltenheit angestaunt wird. Hier aber

sind wir am wundertätigen Wallfahrtsorte aller Klaviermusikanten, hier

ist das Rom und der Vatikan aller Pianogläubigen, hier werden die

höchsten Weihen empfangen, denn hier wohnt und lehrt, hier segnet, und

flucht zuweilen auch, der unfehlbare, alleinseligmachende Klavierpapst.

Es ist etwas mehr als ein Vierteljahrhundert, seit Theodor Leschetitzky

als ein schon längst berühmter Mann in Wien sich ansiedelte. Man

kann nicht sagen, daß man ihn hier übertrieben gefeiert habe, daß

die Reklametrommel für ihn gewirbelt worden sei; und während sein

Ruhm aus den entferntesten Landen Schüler wie Verehrer herbeilockt,

kennt man hier seine merkwürdige, in ihrer Art machtvolle und seltene

Persönlichkeit in weiteren Kreisen verhältnismäßig nur wenig. Die

Wiener, die seit fünfundzwanzig Jahren an ihm vorübergehen, wissen

eben nach so langer Zeit, das ist der Leschetitzky. Viel mehr wissen

sie aber nicht, denn es ist bei uns immer so, daß die Leute erst

»nachträglich« alles erfahren. So kommt es, daß man jetzt nicht einmal

sagen kann, Leschetitzky habe sich in Wien eine große Stellung gemacht.

In Wahrheit muß es heißen, Leschetitzky nimmt in der Welt eine große

Stellung ein und lebt in Wien. Er könnte aber ebensogut in Graz, in

Magdeburg oder in Düsseldorf leben. Weil es nämlich nicht die Wiener

gewesen sind, die ihn verkündet haben, sondern die Fremden, die

Engländer, die Amerikaner, die Schweden, Dänen, Franzosen und Russen.

Hier werde ich natürlich nicht von seiner Methode sprechen. Erstens

vermöchte ich das gar nicht, zweitens interessiert mich diese Methode

nur sehr wenig, und endlich könnte eine theoretische Erörterung darüber

nur einen schwachen Begriff von Leschetitzkys Individualität geben.

Diese allein aber fesselt mich, diese eigentümliche Gewalt, die von

ihm ausgeht, daß er auf seine Schüler nicht bloß pädagogischen Einfluß

übt, sondern sich vollständig ihres Menschentums bemächtigt. Die

Persönlichkeit eines Mannes, die es bewirkt, daß ihm alle bedingungslos

ergeben sind, daß sie ihn über gelegentliche Schroffheit und manche

Tyrannei hinweg unbeirrt lieben, daß große Künstler vor ihm befangen

werden und für sein kärglichstes Lob den Beifall von Tausenden freudig

dahingehen. Da ist es denn am besten, ihn einmal mitten unter seinen

Schülern zu sehen, wenn alle in dem kleinen roten Kottagehäuschen

beisammen sind und er ihrem Ehrgeiz, ihrem Können und ihrem Talent

einen Produktionsabend gönnt.

Von diesen Abenden ist immer wie von einem Feiertag die Rede; und es

geht auch sehr feierlich zu, wie bei einem richtigen Konzert. Nur daß

es hier angenehmer und freier ist, die Stimmung einheitlicher und

viel mehr erhöht als in einem öffentlichen Musiksaal. Das kommt daher,

weil hier eine fühlbare Zusammengehörigkeit alle verbindet. Künstler,

die unter sich sind und froh darüber, daß die Profanen draußen bleiben

müssen. Nur selten geschieht es, daß hier ein Saulus unter die

Propheten gerät, ein Pontius ins Credo sich verirrt.

In einem langen vierfenstrigen Saale stehen an der oberen Schmalseite

zwei Klaviere nebeneinander, derart, daß die Spieler mit dem Rücken zur

Wand sitzen, das Gesicht den Hörern zugewendet, von denen sie durch die

ganze Länge des Instruments getrennt sind. An derselben Schmalseite des

Musiksalons führt eine Tür in das Speisezimmer. Hier sitzen gewöhnlich

die Amerikaner und sehen nur gerade die Vortragenden. Spielt ein

gewöhnlicher Mensch, dann wird im Saal länger applaudiert und aus dem

Speisezimmer hört man bald nichts mehr. Spielt aber ein Amerikaner

oder eine Amerikanerin, dann wirds hier draußen früher stille, während

aus dem Speisezimmer der Beifall der unsichtbaren Landsleute noch

weiterklingt.

Man ist hier überhaupt in einer höchst internationalen Gesellschaft.

In Wien an und für sich schon eine Seltenheit. Hier gibt es Russinnen

in prunkvollen Gewändern und mit barbarisch schönen Edelsteinen;

dann die dunkeläugigen, ein wenig zur karikaturmäßigen Genialität

neigenden Polen; dann die blonden Schwedinnen, die so stolze und

nachdenklich blaue Augen haben, so wunderbar goldblonde Haare,

die so einfach angezogen und so schön und biegsam von Wuchs sind;

dann ein ganzes Rudel Amerikanerinnen von jener unnachahmlichen

Barrison-Grazie, von jenem unerreichbaren Schick, der sie sogleich von

allen anderen unterscheidet, und von jener gesammelten Sachlichkeit

in Miene, Geberden und Worten, die mit ein Reiz ihrer Schönheit

ist; Engländerinnen, die manchmal nicht schön sind, aber fast immer

märchenhaft viele Haare haben, märchenhaft frisiert, und von einer

märchenhaft rostroten Farbe. Dann die Amerikaner und die Engländer

mit ihren Langschädeln, ihren langen Hasenzähnen, ihren langen Armen

und Beinen; kleine stämmige Russen, breitknochige Gesichter, niedere,

aber gewölbte Stirnen und üppige Mähnen; dann natürlich die gewissen

Jünglinge mit den überspannten Locken und den überspannten Kravatten,

oftmals recht groteske Gestalten, wie Eugen Kirchner sie zeichnet.

Vor Jahren ging hier als ein hagerer Jüngling Paderewski umher, mit

einem dünnen, langen Hals, aus dessen Magerkeit der Kehlkopf wie ein

halbverschluckter Bissen hervorstach. Sein Gesicht trug die vielen

Sommersprossen der Rothaarigen und er hatte einen roten Schopf, der

ihm verzweifelt in die Höhe stand, dann bis tief zur Nase ins Gesicht

herein wuchtete und sich ausnahm wie ein Hahnenkamm. Zuletzt etliche

deutsche Brüder und Schwestern aus dem Reich, die erheblich schnarren.

Endlich die beweglichen Wiener Judenmädel und die Wiener Christenmädel,

von denen wieder manche sehr hausmeisterisch aussehen und manche wie

Erzherzoginnen.

Alle aber sind vom gleichen Feuer entzündet; allen ist der heiße

Ehrgeiz von den Zügen abzulesen, das angespannte, mühevolle Streben,

allen merkt man die harte Arbeit vieler Stunden an, das Ringen mit

dem eigenen Wesen, mit den tückischen Problemen der Technik. Und alle

sind erregt, als seien definitive Entscheidungen zu erwarten. Es ist

ganz merkwürdig, wie alle miteinander befangen werden, wenn einer ans

Klavier gerufen wird. Dieses Mitfühlen ist stärker als persönliche

Gegensätze, stärker als vereinzeltes Übelwollen. Wie durch einen

elektrischen Kontakt sind sie alle sofort mit dem einen verbunden,

der aus ihrer Reihe vor den Lehrer treten muß, und sie zittern mit

ihm, haben mit ihm Lampenfieber. Aus der Schule her wird man sich

erinnern, wie durch die ganze Klasse immer ein Beben geht, wenn ein

strenger Professor prüft. Die Kinder vergessen allen Streit und

wünschen auch dem feindlichen Kameraden in diesen schweren Minuten

jegliches Glück. Niemals fühlt man das Ta twam asi naiver und stärker

als in solchen frühen Augenblicken. Hier aber ist doch noch ein

wesentlicher Unterschied, denn neben der Anteilnahme regt hier sich

in allen Hörern auch sofort die Strenge mit dazu. Die Ansprüche sind

hoch; man ist verwöhnt, hier in diesem kleinen roten Kottagehaus,

wo seit fünfundzwanzig Jahren alle großen Künstler, die nach Wien

kamen, ihr Können zeigten, hier wo die Wände die allerbeste und die

allerhöchste Musik seit einem Vierteljahrhundert vernehmen. Dieses

ganze Haus ist von oben bis unten erfüllt von einer klingenden großen

Tradition und in diesen Räumen hier sind die edelsten Weisen verhallt,

die in der Welt nur unter edelsten Künstlerhänden ertönen. Drei, vier

Virtuosengenerationen haben von hier ihren Ausgang genommen, sind über

die ganze Erde gewandert, da und dort verschollen, am Wege gestorben

oder mit Ruhm, Ehre und Reichtum beladen in das kleine Haus im Kottage

zurückgekehrt, um hier vor dem alten Lehrer und den neuen Schülern

ihren Ruf, ihre Entwicklung und ihre Reife bestätigen zu lassen.

Wenn so ein junger Mann oder ein junges Mädchen während der kurzen

Schritte zum Klavier sich an diese Dinge erinnerte, dann müßte das

bißchen Courage freilich zusammenschnappen. Meistens aber denken sie

an gar nichts als an ihr Stück, an dessen schwierige Stellen, und nur

daran, daß »der Professor« da ist und sie anhört. Da kommt eine hübsche

Engländerin. Das rostrote Haar umgibt ihr Haupt wie ein brennender

Schein. Sie spielt scheinbar ohne körperliche Anstrengung; aber mit

niedergeschlagenen Augen beaufsichtigt sie den Lauf der Finger über

die Tasten. Ihre lächelnden Mienen werden ernster und ernster, ihre

Mundwinkel zucken leise, und allmählich steigt eine sanfte Röte über

den Saum ihres Kragens herauf zu den Wangen, zur Schläfe, und färbt

ihr blasses Gesicht. Während die Leute applaudieren, tritt sie sofort

zu Leschetitzky, lachend, eilig, als flüchte sie zu ihm nach einer

glücklich überstandenen Gefahr. Dann, nachdem sie eine Silbe erhascht

hat, verschwindet sie. Schon sitzt auch eine andere am Flügel. Ein

kleines, blühendes Ding, eine Wienerin rotwangig und frisch, aber

mit kurzsichtigen Augen und mit willensstarken, geschlossenen Zügen,

aus denen nichts anderes als Fleiß, Entschiedenheit und sichere Ruhe

spricht. Sie stößt mit sprungartigen Bewegungen in die Tasten, hält

sich verkauert, fährt zurück und schießt gleich wieder mit aller

Heftigkeit los, die Arme wie Krallen vorgestreckt, den Kopf geduckt,

so daß man bei ihren Sprüngen unwillkürlich an ein kämpfendes Huhn

denkt. Sie scheint nichts zu hören, nichts zu fühlen, nichts zu

sehen. Zum Schluß aber tritt sie sofort, des Beifalls nicht achtend,

zu Leschetitzky, aufatmend, lachend, eilig, als flüchte auch sie zu

ihm nach einer glücklich überstandenen Gefahr. Alle wenden sich ihm

so zu, wenn sie fertig sind; alle haben die gleiche Art, zu ihm zu

flüchten, einen Augenblick lächelnd, aufatmend vor ihm zu stehen und

dann zu verschwinden. Jetzt sitzt ein sehr bleicher, sehr englisch

aussehender junger Mann am Flügel, der das Zittern seiner Unterlippe

nicht beherrschen kann, der wie bewußtlos vor sich hinstarrt, und

der doch unter dem Zwange des Augenblicks alles aus sich herausholt,

was an Talent, an technischer Sicherheit und durchdachter Auffassung

in ihm bereit lag. Dann kommt eine bildschöne Russin, die sehr ruhig

scheint. Ihr elfenbeinschimmerndes Gesicht färbt sich nicht höher, nur

den kleinen Mund preßt sie heftig zusammen und ihre Nasenflügel beben,

während sie mit ihren dunklen, großen Augen die Leute anblitzt. Nach

ihr eine Amerikanerin, die sich im Sessel wie in einem Sattel wiegt,

die gütig den Kopf zur Seite neigt, zur Klaviatur herabnickt, als

könne sanftes Zureden helfen. Dann wieder ein sehr ernster Mann mit

einer Rubinsteinfrisur und -- wenn man so gut sein will -- mit einem

Rubinsteingesicht, der hier nur gastiert, und der sein Lampenfieber

hinter einer düsteren Entschlossenheit zu bergen trachtet. Dann

ein Kind von vierzehn Jahren. American Girl, nicht eben schön. Ein

bißchen dick in ihrem kurzen weißen Kleid, ein bißchen breitnasig und

ein bißchen zu vollwangig. Spielt aber, als ob sie allein sei und

nach keinem Menschen zu fragen hätte; den Kopf weit zurückgeworfen,

Verzückung in den Mienen, die großen hellen Augen, die manchmal zu

jauchzen scheinen, aufwärts gerichtet, und ist völlig eingehüllt in

ihrer Musik wie in einer kleinen Wolke von Begeisterung.

Über all dieser Entfaltung von Talent, Energie, Ehrgeiz und Fleiß

wacht der weißbärtige alte Herr, der mit seinen weißen, russisch

geschnittenen Haaren, mit der gemütlichen Nase und den schwimmenden,

verkniffenen, vergnügten blauen Augen wie ein Muschik aussieht. Rosig

und frisch im ganzen Gesicht, bis unter die Haarwurzeln rosig, ist

er voll Elastizität, voll Temperament und Nerven, scheint aus der

musizierenden Jugend, die ihn beständig wie ein Choral des Lebens

umgibt, immer neue Erquickung, immer neue Frische zu schöpfen. Mit

der Präzision eines Thermometers und mit derselben Empfindlichkeit

reagiert sein Kunstgefühl auf jeden Ton, der sein Ohr erreicht. Andere

ermüden, seine Aufnahmefähigkeit aber wächst von Stunde zu Stunde und

ermattet nicht. Gelingt etwas so recht nach seinem Willen, dann lachen

seine Augen, sein Mund, seine Wangen; alles an ihm lacht, auch sein

Herz: das sieht man sehr gut. Und in solchen Augenblicken ebenso wie

in Momenten des Zornes, der Ungeduld kann man wahrnehmen, wie durch

und durch künstlerisch das Wesen dieses Mannes ist und wie groß seine

Gabe, sich zwingend, deutlich, überzeugend mitzuteilen. Oft und oft

setzt er sich an das zweite Klavier, wenn der Vortrag des Spielenden

ungleich, oberflächlich, verwischend wird, oder wenn's am Rhythmus

oder an der dynamischen Wirkung hapert. Dann begleitet er nach seiner

Weise den Schüler ein Stück des Weges, reißt ihn schneller mit sich

fort, oder hält ihn zügelnd zurück, oder gibt einer Cantilene mehr

Weichheit, hilft einem Thema zum plastischen Ausdruck und läßt dann

den wider Willen Geleiteten allein weiter laufen. Oder er fährt wütend

dazwischen, schickt die Vortragende unter heftigen Scheltworten

vom Klavier weg und erlaubt ihr erst auf inständiges Bitten das

Weiterspielen. Und da ist es oft rührend, wie so ein junges Ding nun

seine ganze Aufmerksamkeit in beide Hände nimmt, um das glückliche Ende

zu erreichen. Niemand wundert sich über solche Zwischenfälle, niemand

von den Betroffenen zeigt falsche Scham. Alle wissen ja, daß sie hier

eigentlich nur für ihn allein spielen, und nicht für die anderen

hundert Menschen, die zufällig dabei sind.

Wie ein vielmögender Pförtner an der Schwelle des Ruhmes steht er vor

dieser andrängenden, stürmisch den Einlaß begehrenden Jugend, die

er durch sein Künstlertum beherrscht, durch den Glanz einer großen

Vergangenheit und durch den Scharme einer immer sprudelnden, immer

lebendigen und verheißungsvollen Gegenwart. Es ist ein hervortretender

Zug im Wesen Leschetitzkys, daß er Festlichkeit um sich verbreitet.

Damit lockt er und wirkt er wohl am meisten. All seine Wissenschaft

und Erkenntnis würde ihm die Menschen nicht zuführen und könnte den

Menschen nichts nützen, wenn er zufällig ein Schulmeister wäre und kein

Künstler, wenn sein Ernst trocken wäre und er dieses strömende, zum

Wohlsein und zur Feiertagslaune geneigte Temperament nicht besäße.

Denn nie ist ein Schulmeister geliebt worden, und es ist kein Schaffen

möglich ohne Heiterkeit des Herzens und festlich gestimmte Laune.

Stünde dieses kleine Haus in Graz, in Magdeburg oder in Düsseldorf,

man würde sich beeilen, von Wien aus hinzureisen, um diese seltene

Kunstakademie zu sehen, die ein einzelner geschaffen, die nur durch die

Persönlichkeit eines einzelnen lebt, und aus der so viele Berühmtheiten

hervorgegangen sind. Man würde den weiten Weg nicht scheuen, um einmal

in dieser rätselhaften und wohltuenden Atmosphäre zu weilen, um diesen

Mann genauer zu betrachten, der von weitem wie ein Magier aussieht, der

in der Nähe jedoch nichts weiter ist als ein starker Mensch und ein

Künstler von mitteilsamen Kräften. Weil es aber nur in Währing ist,

kann die Sache aufgeschoben werden, denn da kommt man ja sowieso alle

Tage hin.

ARISTOKRATEN-VORSTELLUNG

Der Wagen rollt durch das Augartentor und sogleich fühlt man sich ein

wenig gehoben. Wer hat auch sonst Erlaubnis, hier hereinzukutschieren?

Da gibt es denn einfach eine vornehme Stimmung, von der gemeinen

Straße abbiegen und über diesen fürstlichen Kies dahinfahren zu

dürfen. Schade, daß kein Schnarrposten da ist. Der könnte ein bißchen

schreien, und das würde das Selbstgefühl ungemein steigern. Aber

das sind überschwengliche, vermessene Träume, gefördert durch die

Einsamkeit des Coupees. Betritt man erst die große Antichambre, dann

schnappt man rasch wieder zusammen. Ein hoher Saal mit Kronleuchtern,

Spiegeln, Teppichen. Weiß, Gold und Rot, die offiziellen Farben in

den Palästen. Das Wort Zimmer schrumpft auf ein Nichts; in wahrhaft

beschämender Weise. Hier sind Gemächer, Appartements. Und Lakaien.

Ein solcher Schwarm von Lakaien, wie er sich nur in verschwenderisch

ausstaffierten Romanen zu finden pflegt. Nicht einmal auf der Bühne.

Denn welches Theater hätte so viele und so präsentable Komparsen?

Galonierte prächtige Lakaien mit galonierten, prächtigen Gesichtern. Es

ist wirklich herzerfreuend, wie gesund und wohlgenährt diese wackeren

Männer aussehen. Lakaien, mit einem Wort, die höflich sind und streng

dabei; die Gebärden von ungeheurem Stolz haben, und die einem trotzdem

beim Ablegen des Winterrockes behilflich sind. Man merkt sofort: hier

muß man sich geehrt fühlen.

Von allen Gefühlen, die es gibt, ist das Gefühl, geehrt zu sein,

unstreitig das angenehmste. Und wenn man diese bescheidene Behauptung

nur einigermaßen als wahr hinnehmen will, dann ist das Rätsel solcher

Vorstellungen gelöst. Das Rätsel nämlich, daß man solche Vorstellungen

wie Ereignisse ersten Ranges traktiert, daß man sich zu ihnen drängt,

sich die Billette aus der Hand reißt und sich schlechterdings für

deklassiert hält, wenn man nicht mit dabei gewesen ist. Es gibt

Vorstellungen, in denen man sich gerührt, Vorstellungen, in denen man

sich aufgeregt fühlt, Vorstellungen, in denen man sich belustigt oder

begeistert, Vorstellungen, in denen man sich gelangweilt fühlt. Aber

Vorstellungen, in denen man sich ununterbrochen geehrt fühlen muß,

darf oder kann, gehören doch zu den seltenen Genüssen. Man betritt

den Zuschauerraum, und gleich am Eingang steht ein Graf, der die

Kartenabgabe überwacht. Zu viel Ehre! Man versucht, in seine Sitzreihe

zu gelangen, und es erheben sich drei Komtessen, zwei Gardekapitäne, um

uns durchzulassen, eine Altgräfin und zwei Prinzen. Zu viel, zu viel

der Gnade! Man setzt sich nieder und hat einen Prinzen zur Rechten,

eine Reichsfreifrau zur Linken, einen Fürsten vor sich und hinten einen

Marquis. Wie angenehm das ist! Und der Prinz zur Rechten plaudert mit

der Reichsfreifrau zu deiner Linken, so laut und so ungeniert, als ob

du gar nicht da, als ob du einfach Luft wärst. Jedes Wort hörst du, ob

du nun willst oder nicht, du hörst es und bist hochgeehrt. Kein Zweifel.

Es wäre nun ganz abscheulich, die hohen Eintrittspreise zu erwähnen.

Wer wird vom Geld sprechen? Was ist das überhaupt: Geld? Jeder Krämer,

der sichs sauer werden läßt, kann es besitzen. Hier gilt vor allem die

Wohltätigkeit, und was der Abend bringt, ist gewiß einem ebenso guten

als tadellos frommen Zweck geweiht. Wenn adelige Leute lebende Bilder

stehen und sich gegen Entree anschauen lassen, wenn dieser Saal im

Augarten -- ein zwar nicht allen, aber doch allen zahlenden Menschen

gewidmeter Erlustigungsort wird, dann, bitte, nur keine plebejischen

Anwandlungen. Daß Aristokraten keine gelernten Künstler sind, muß

man im voraus wissen; daß sie nur über eine standesgemäße Begabung

verfügen, darauf muß man gefaßt sein. So amüsant wie beim Wurstl kann's

halt nicht sein. Aber: ein Theater, wo lauter Fürsten und Grafen

und Komtessen und Prinzessinnen Komödie spielen, das ist doch was,

Himmelherrgott!

Und -- Himmelherrgott -- es ist auch was! Schon der Zuschauerraum,

dieses ganze vornehme, wenn auch reichlich bürgerlich gesprenkelte

Auditorium bietet genug und genug. Wollte man die Kronen der hier

versammelten Herrschaften auf ein Häuferl schichten, das gäbe eine

nette, funkelnde Pyramide, die bis zur Decke reichen würde. Schwerlich

vermöchte es diese Erwägung, auf einen Südsee-Insulaner sonderlich zu

wirken. Aber ein zivilisierter Mensch fühlt sich immerhin von Ehrfurcht

ergriffen. Was das Wissen, das Bewußtsein nicht alles tut: An einem

anderen Ort zum Beispiel möchte man sich schrecklich entrüsten, wenn

die Leute so schreien, wenn sie einander über zwanzig Köpfe hinweg

anreden, sich »Grüß' dich« oder »Servus« zuschmettern wollten. Weil

es aber Aristokraten sind, die so knallende Gespräche führen, hält

man's für ungenierte Noblesse, fühlt sich eingeschüchtert von diesen

Menschen, die durch ihre ungeheuer hörbare Konversation zu erkennen

geben, daß sie immer und überall »unter sich« sind, und daß, wer nicht

dazu gehört, einfach nicht als anwesend gilt. Das Bewußtsein und seine

Helfer, die Kleider, die Uniformen, die Juwelen: es ist kinderleicht,

eine Frau als eine Fürstin zu erkennen, wenn sie ein Diadem in den

Haaren trägt, das eine Million wert sein mag. Man breite ein Kopftuch

über diesen Schmuck, ein gewöhnliches, kleines Kopftuch, und das nette,

zutrauliche Gesicht eines Wäschermädels ist fertig. Diesen kleinen

Offizier, der trotz seiner Uniform so unscheinbar aussieht, muß man

erst umdrehen, um hinten an seiner Kämmererspange zu merken, daß er

»wer« ist. In Zivil würde man ihn mit seinen gewöhnlich-ernsthaften

Zügen, mit seiner alltäglichen, ein wenig farblosen Wohlgenährtheit

und mit seinem Zwicker für einen Magistratsbeamten nehmen. Jener alte

Mann dort, dessen weißer Bart ebenso ungepflegt als ehrwürdig ist,

dem die Backen schlaff und wie ermüdet niederhängen, dem die Nase zum

Mund hereinhängt, dem die Schultern hängen, und die Kleider am Leibe:

-- genau so, so betrübt und erschöpft und im ganzen so belanglos hat

mein Mathematik-Professor ausgesehen. Jener Herr aber ist ein Fürst.

Fürstliche Gnaden, Durchlaucht. Da ist eine liebe, schlanke Frau. Dünn

wie eine Gelse. Fliegt im Saal umher wie eine Gelse, hat ein nettes,

schmales Gesicht, kurzsichtige Augen, ein schnippisches Stumpfnäschen,

und man würde sie treuherzig für ein niedliches Kammerzöfchen halten,

das zu hüpfen gewöhnt ist, sooft die Klingel tönt; wenn man nicht

wüßte, daß man sie Frau Gräfin ansprechen muß. Da sind junge Herren,

die so glatt frisiert sind und so windspielhaft von Wuchs, wie feine

Kellner in einem feinen Hotel. Haben so gutmütig junge, gedankenlos

hübsche und sauber gewaschene Gesichter wie feine Kellner und sind

Majoratserben, Prinzen, Pagen. Da sind andere, mit herrischen Mienen,

scharfgerissene Profile, Nasen von einer Krümmung, die sich heutzutage

nur ein Graf erlauben kann. Glühende Augen. Stolzgeschwungene Lippen.

Und gleich sagen die Leute: Da sieht man die Rasse! Da zeigt sich

die Abkunft! Aber mit Leichtigkeit könnte man in Hernals und in

Ottakring ein paar junge Burschen einfangen, angehende Fiaker, bei

denen nur die mangelhafte Kleidung schuld daran ist, daß sie nicht

wie Grafen aussehen. Selbst aus der Tempelgasse ließen sich Duplikate

herbeischaffen. Nur daß es dann freilich mit anderer Betonung hieße: Da

sieht man die Rasse! Da zeigt sich die Abkunft!

Einen gänzlich Fremden -- man brauchte ihn gar nicht von den

Südsee-Inseln herzunehmen -- könnte die Vorstellung nicht im mindesten

interessieren. Weder das Publikum, da er unsere Uniformen und

Ehrenzeichen nicht zu erkennen vermöchte, noch die Gaben der Bühne,

da ja die stolzen Namen seinem Ohr unvertraut und gleichgültig wären,

die Namen, ohne die beinahe alle Akteure ihren Reiz verlieren müßten.

Wir aber haben die Zusammenhänge, haben alle die Relativitäten, die

das Amüsement solcher Theaterspielerei ausmachen. Und mondainen Leuten

mag es schon ein Hauptspaß sein, die Herrschaften, die sonst hoch über

ihnen hausen, einmal als befangene, ehrgeizige Komödianten vor sich zu

sehen.

Befangen aber und ehrgeizig sind die meisten dort oben auf den

Brettern. Die Aufregung ist so ungeheuer, daß sie sympathisch wird, wie

jede ehrliche Regung sympathisch ist. Da war ein Engel in dem ersten

Bild. Eine reizende kleine Komteß hatte nichts weiter zu tun, als in

der vorgeschriebenen Stellung ruhig dazusitzen, indes die anderen

musizierten. Aber wie gelähmt war sie vor Befangenheit, wurde rot und

röter unter der ungewohnten Schminke, und man mußte gerührt werden,

wenn man das schöne Kind ansah. In diesem ersten Bild war übrigens die

Darstellerin der heiligen Cäcilie vortrefflich. Ein Antlitz, als ob's

von Holbein gemalt worden sei, mit einem weltentrückten Ernst in den

Augen und einem frommen, strengen Harm auf den eingefallenen Wangen.

Noch einer fiel mir im zweiten Bild auf: der Pierrot. Ein schöner,

feingeschnittener Kopf. So geisterhaft beschattete, gleichsam gehöhlte

Züge, daß man an die wunderbaren Pierrots denken mußte, die Willette

gezeichnet hat. Dieses Bild brachte ein bewegliches Kindermenuett. Ein

Halbdutzend winziger Prinzessinnen und Komtessen und, das muß wahr

sein, sie haben wie die kleinen Ladstöcke getanzt. Aber lustig war's

doch, wie an den Kindern gewisse Unterschiede am schärfsten merkbar

wurden. Wie die einen nämlich, von ihrer Angst, von ihrer Befangenheit

und von ihrem Ehrgeiz hypnotisiert, nur mehr automatisch sich rührten,

indessen die anderen mit einer großartigen Gleichgültigkeit, mit

absoluter Ruhe ihre Schritte und Knickse taten, unbekümmert, ob's gut

sei oder schlecht, und als dächten sie: hier tanzt die Prinzessin

Mimi -- das genügt! Es waren dann im Schubert-Bild ein paar niedliche

Mädchen zu sehen, von einem kleinbürgerlichen Typus, der unsere

Vertraulichkeit nicht gar zu sehr entfernt. Und ein blonder Jüngling

war bei ihnen, von der Schlankheit und federnden Grazie russischer

Windspiele, dazu mit Augen, die so vergißmeinnichtblau schimmerten

wie Schubertsche Lieder. Die Schubertschen Lieder aber sang ein Sänger

-- und die Wohltätigkeit ist wohltätig genug, seine Kunst zu schirmen.

So wie er jedoch müßte der Bellac im Burgtheater aussehen, und im

»Probepfeil« der Krasinski sollte sich eine solche Maske nehmen und

ein Schubertlied als Einlage singen. Das gäbe einen Sturm. Weniger

empfehlenswert für die Burg wären die spanischen Messerhelden, die man

hernach zu sehen bekam, und die spanische Donna, die an der Leiche des

gemordeten Liebsten ein so gemütliches Entsetzen, eine so gänzlich

nebensächliche Verzweiflung agierte. Dann aber kam das letzte Bild,

wo in der Tiefe des Ozeans der bärtige Freiherr mit dem »Jägerg'müat«

als Neptun auf dem Throne saß und eine frappante Ähnlichkeit mit dem

Pikkönig hatte, wo auf dem Meeresgrund ein weiblicher Leibhusar von

pausbackiger Feschheit der Wassermajestät zur Seite stand, wo ein

Hofnarr so hochmütig und schlecht gelaunt sein glattes, junges Antlitz

in Falten zog, als sei er beim Demel oder im Café Pucher, wo ein

Vierteldutzend adelige Frauen mit all der Sicherheit posierten, die ein

fabelhafter Perlen- und Diamantenschatz der Seele verleiht, wo inmitten

der Meeresgötter ein befrackter Baßgeiger erschien, der prachtvoll

spielte, der aber mit all seiner Musik die Dissonanz zwischen seinem

Frack und den Märchengewändern der übrigen nicht aufzulösen vermochte,

und wo endlich -- auch im Frack -- Alfred Grünfeld kam, um mit

Schuberts silbern tönender »Forelle« der fürnehmen Mummerei ein

willkommenes Ende zu bereiten.

Man möchte vorschlagen: lasset die Aristokraten Karussels veranstalten.

Niemand vermag ihnen das gleichzutun. Zu Pferde, in allen Künsten des

Sattels und der Zügel, im Glanz ererbter herrlicher Kostüme werden

sie uns Schauspiele geben können, die nur der Adel zu geben vermag,

werden eine künstlerische, ja, gewiß eine berauschende Augenweide

bieten, für die man ihnen wird danken müssen. Der Mensch, auch der

vom Baron aufwärts, sollte immer nur das tun, wozu er Talent hat. Das

Komödiespielen aber, das jetzt im Schwang ist, bleibt doch stets ein

arges Dilettieren, das durch die vielen edlen Namen nur prätentiös

wird, von seinen Mängeln aber, von seinen menschlichen und von seinen

Geschmacksmängeln nichts verliert. Den namenlosen Zuschauern möchte

man sagen: Habt ihr denn wirklich so viel von einer Vorstellung, in

die ihr nur euren Snobismus mitnehmt? Und fühlt denn der Snobismus

selbst sich nicht beschämt, da jeder Bürgerliche doch empfinden muß,

bei einem Haustheater zu sein, in einem Hause, dessen Insassen euch

sonst nie einlassen würden, und die in eurer Gegenwart fortfahren,

sich untereinander zu vergnügen. Aber den Snobismus scheint das gar

nicht zu genieren. Den Aristokraten scheint es Spaß zu machen, wenn die

Unzulänglichkeit ein gesellschaftliches Ereignis wird. Die öffentliche

Meinung dienert im Kartell vor dero leutselig Pläsier, und da

schließlich doch ein bißchen Geld an fromme Vereine kommt, muß man die

Dinge gehen lassen, wie sie gehen. Es ist nicht das Schlimmste, es ist

nicht das Wichtigste, und die Mehrzahl der Menschen hat andere Sorgen.

FÜNFKREUZERTANZ

Ein Liebespaar hat mich zum Fünfkreuzertanz geführt. Sie war mir schon

früher beim Ringelspiel aufgefallen, wo sie rasch eintrat und sich

augenblicklich auf ein Pferd schwang, mit so viel Entschlossenheit,

als wollte sie sagen: Von der Arbeit zum Vergnügen, das muß eben

sein! Dann nahm sie sich in der verwaschenen Bluse und dem weißen

Kopftuch, hoch zu Roß, sonderbar genug aus. Und wie das Ringeln anfing,

schaute jedermann nach ihr, weil ihr hübsches Gesicht und ihre ganze

Haltung solch ein leidenschaftliches Genießen, so tiefe Versunkenheit

aussprach, so viel körperliche Hingabe und dabei so überraschenden

Ernst. Man merkte, daß sie sich vollständig allein fühlte, daß die

anderen Leute für sie nicht existierten. Später, als ich sie dann

wiedersah, war sie freilich nicht mehr allein.

Das österreichische Antlitz: Essays · 第 1 / 12 段