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Gedankengut
aus meinen Wanderjahren
Erster Band
Ein vollständiges Verzeichnis der Schriften
_Max Dauthendeys_
findet man am Schlusse des Bandes
Max Dauthendey
Gedankengut
aus meinen Wanderjahren
Erster Band
[Illustration]
Albert Langen, München
Copyright 1913 by Albert Langen, Munich
Vor ein paar Tagen sagte ich zu meiner Frau: „Ich fühle noch nicht die
nötige Andacht zu dem neuen Buche, das ich schreiben will.“
Und während ich dies sagte, erinnerte ich mich dabei an jene japanische
Dichterin, die, um die nötige Weihe für ein großes Werk zu empfangen,
sich in einen Tempel einschließen ließ und nachts in dem einsamen
Tempelraum auf dem Deckel eines Gebetbuches die Niederschrift ihrer
dichterischen Eingebungen begann.
Der deutsche Übersetzer ihres Buches, der diesen Vorfall in der
Einleitung berichtet, fügte hinzu: „Wo wäre heutzutage in Europa der
Dichter zu finden, der eine ähnliche Vorbereitung für ein Buch nötig
fände?“
Wie wenig kannte doch der Mann die Dichterherzen aller Zeiten!
Wo große Werke entstanden, sind auch die Männer, die diese schufen,
immer mit herzklopfender Andacht an ihr Schaffen herangetreten.
Wenn sich die Dichter auch nicht in die Sakristeien der Kirchen
zurückgezogen haben, so ist doch immer jeder ihrer geistigen
und ernsten Arbeiten eine seelische und körperliche Kasteiung
vorausgegangen.
Jeder künstlerische Schöpfungsakt wird durch Entsagungsakte
vorbereitet. Der Beispiele sind viele, und wer die Geschichte der
Zeiten verfolgt, wird immer wieder auf diese Vorbereitungen stoßen,
Vorbereitungen voll innerster Andacht, die jedem bleibenden Werk
vorangehen müssen.
Als ich nun meiner Frau neulich gestehen mußte, daß ich mich noch
nicht andächtig genug fühle, das neue Buch zu beginnen, das meine
Kameraden und mich in der Zeit der neunziger Jahre (1890-1900) in
unseren Begegnungen und im Ringen um neue Ideale schildern soll, und
als ich sagte, daß ich noch nicht die Weihe zur Mitteilung dieses
Lebensabschnittes hätte -- dessen Aufzeichnungen eine Art Fortsetzung
meines letzten Buches „der Geist meines Vaters“ werden sollten --, da
ahnte ich in meiner Niedergeschlagenheit nicht, auf welche seltsame
Weise mir mein Schicksal die Weihe zu dieser Arbeit erteilen würde.
Seit zwei Jahren ungefähr trage ich den Wunsch, dieses Buch zu
schreiben, mit mir herum.
Seit das erste Jahrzehnt unseres neuen Jahrhunderts vollendet war
und ich bei mir bemerkte, wie schnell wir uns von einem vergangenen
Jahrhundert entfernen, und wie viele Lebensäußerungen in die
Vergessenheit sinken und verloren gehen können, wenn sie nicht in
schriftlicher Erinnerung aufgespeichert und damit der Nachwelt
wieder zugänglich gemacht werden, -- seit ich also wahrnahm, daß
auch das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts bereits in
meiner Erinnerung zu verblassen begann, drängte es mich, das starke
Dichterleben dieser neunziger Jahre, das reich an neuen Idealen, reich
an großen Geistern war, in Aufzeichnungen für mich festzulegen.
Ich kann in diesem Buche, sagte ich mir, nur den bescheidenen Teil, der
vom Jahrhundertende mit meiner Person zusammenhängt, wiedergeben. Aber
es werden sich daraus für den Leser von selbst anziehende Fernblicke
auf die ganze Dichterwelt der neunziger Jahre öffnen, und mancher junge
Dichter findet vielleicht dann ein besseres Verständnis für seine
eigene Zeit, wenn er einen Ausschnitt aus jener, die deutsche Dichtung
so umwälzenden Vergangenheit nacherlebt.
Aber nicht bloß den jungen Dichtern und Denkern sei dies Buch gewidmet,
das ihnen einiges von ihren Kameraden erzählen will, -- vor allem
dem deutschen Volk, das einen kleinen Einblick gewinnen soll in
die Arbeitsernsthaftigkeit, in das märtyrerhafte Leiden und in die
weltfernen Freuden, zwischen denen sich das Leben der oft verkanntesten
Söhne des Volkes, das Leben der jungen Dichter und Denker, bewegt.
Den Wunsch, Andacht zu diesem Buche zu bekommen, trug ich besonders
heftig nach der Drucklegung meines letzten Buches, im Herbst 1912, mit
mir herum.
Aber ich war, teils zu zerstreut von alltäglichen Sorgen, teils
fortgerissen vom äußerlichen Leben und vom Krieg, der im Balkan sich
abspielte, unaufmerksam für meine Vergangenheit geworden, da mir
stündlich blutende Wirklichkeit vor Augen stand.
Ich hatte mir gewünscht, dieses Buch in den zum Niederschreiben von
Erinnerungen so angenehmen Wintertagen zu beginnen und es bis Frühjahr
vielleicht vollendet zu haben.
Und nun war schon die Weihnachtszeit gekommen, und ich stand
unzufrieden am Fenster und fütterte hungernde Vögel, und unter den
Hungernden sah ich auch als grauen Vogel meine Seele hin und her
fliegen.
Aber sie war scheu. Fürchtete sie den Wirklichkeitsblick meiner Augen?
Sie wollte sich nicht in mir niederlassen und mir nicht von der
Vergangenheit vorsingen.
Die Sperlinge, Amseln und Finken, die auf die Fensterbank kamen, wurden
satt, aber meine Seele blieb hungrig, und meine Hände nahmen täglich
unruhigere Bewegungen an, und meine Augen lasen nur die hastigen
Kriegsnachrichten der Zeitungen und nahmen sich nicht die Ruhe, in mir
selbst zu lesen.
So feierte ich ein unglückliches Weihnachtsfest. Ich war so viel
zwischen dem fernen Balkan, dem Kriegsschauplatz, und meinem Zimmer
hin und her geflogen, daß ich den Fluß unter den Fenstern, den alten
Main, nicht mehr rauschen hörte, dessen Rauschen mir sonst in wachen
Nachtstunden viele Betrachtungen aus der Stille der Vergangenheit
herbeigeholt hatte.
Ich fragte mich oft: ist meine Heimat vor den Fenstern verschwunden? Es
war, als stünde mein Zimmer irgendwo in einer seelenlosen Fremde.
Viel zu viel hatte ich bei den Zeitungen meine Stunden verbracht, und
Wirklichkeitslärm hatte sich in meine vier Wände eingenistet, so daß
das Buch, das ich der Vergangenheit widmen wollte, unmöglich in dieser
seelenlosen Umgebung aufwachsen konnte.
Oft trug ich mich mit dem Gedanken, fortwandern zu müssen in ein
abgeschiedenes Gebirgsdorf, in ein Berghaus in tiefem Schnee, wohin
keine Zeitung und kein Briefbote kommen konnte, in Einsamkeit, wo die
Gegenwart sich leicht in Vergangenheit umwandeln kann.
Aber nein, sagte ich mir, ich will noch das neue Jahr erwarten.
Die Heimatluft ist mir noch nie untreu gewesen. Immer gab sie mir
Arbeitsfrieden, wenn ich nur recht eindringlich danach verlangte. Warum
sollte ich dieses Mal auswandern müssen?
Und ich blieb und fütterte weiter die Vögel an meinem Fenster und sah
in die schönen blauen Wintertage, die zu dieser Weihnachtszeit mild wie
Märztage waren.
Drei Tage vor Neujahr wanderte ich am letzten Sonntagnachmittag des
alten Jahres mit meiner Frau über die Nordseite des Nikolausberges, um
über dem Berg fort das kleine Haus im Guckelsgraben aufzusuchen, das
ich mir in diesem Jahr hatte bauen lassen, und das im Frühjahr meine
Wohnung werden sollte.
Viele Leute sagen, im Winter sei in der Natur draußen nicht viel zu
sehen. Aber ist denn nicht der Winter zu sehen? Auch wenn kein Schnee
liegt, so ist das Winterbild doch erschütternd und die Tragik des
scheinbaren Weltstillstandes.
Ich habe einen gelben Hund. Er ist nicht klein und nicht groß. Er hat
auch keine bestimmte Rasse. Es ist ein gelber kurzhaariger Pintscher,
mit schöner weißer Zeichnung. Jeder aber, der ihn sieht, ruft
unwillkürlich aus: „Ach, der Bauernhund!“
Man soll sich nicht wundern, daß ich von der Landschaft plötzlich auf
meinen Hund überspringe. Man wird bald den Zusammenhang verstehen.
Meine Frau weiß, wie gern ich mit allen Sinnen die Landschaftsbilder
genieße, wenn wir spazieren gehen. Ehe wir nun an diesem Nachmittag
ausgingen, riet sie, den Hund zu Hause zu lassen, denn sie bedachte,
wie sehr mich das Tier stören würde, da dieser Bauernhund immer Hasen
jagen will.
Er hatte uns schon auf manchem Spaziergang geärgert, wenn er
fortstürzte, „Has, Has“ bellend und auf kein Rufen und Pfeifen und
Schelten hörend.
Es tat mir aber an diesem Tag leid, den Hund zu Hause zu lassen, und
so hatten wir ihn bei uns. Meine Frau nennt ihn Sudel, ich nenne ihn
Dusel, woraus man ungefähr seine Art erraten kann.
Er hat nämlich den Glücksdusel, dieser Hund. Es gelingt ihm alles, was
er will, und ich habe oft scherzend gesagt, daß er bei den Göttern
besser angeschrieben steht als mancher Mensch.
Bis auf die Berghöhe folgte Dusel heute meinem zurechtweisenden Ruf
„Zurück“ und hielt sich dicht in der Nähe meines linken Fußes. Als
wir auf die Bergfläche kamen, die wir überschreiten sollten, um nach
dem Guckelsgraben hinunterzugelangen, da ging Dusel mit hochgehobener
witternder Schnauze, weil der Westwind uns entgegenstand und
wahrscheinlich dem wildgierigen Köter ganze Ladungen von Hasenwitterung
in die Nasenlöcher trieb.
Ich konnte es endlich nicht mehr mitansehen, wie das Tier, gleichsam
geblendet vom Wildgeruch, mit zwinkernden Augen schnuppernd in die
Luft blinzelte und der Atem ihm erschauerte und stockte. Mit den
Vorderpfoten ging er wie blind tastend und stieg immer viel zu hoch
durch die Luft, weil sein Hundegeist schon weit fortsprang hinter den
Hasenvorstellungen her.
Ich sagte zu meiner Frau, daß ich den Hund am liebsten querfeldein
laufen lassen möchte. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen, wie das
Tier seine gesunden Naturinstinkte bei meinem barschen Zurufen „Zurück“
unterdrücken mußte.
„Ach,“ meinte meine Frau, „wenn du den Hund jetzt laufen läßt, sehen
wir ihn heute nicht wieder. Dann kommt er vor Abend nicht heim.“
Aber wie wir noch sprachen, hatte der Hund sich schon von uns entfernt
und stand, eine Fährte aufstöbernd, kräftig schnuppernd zwanzig
Schritte querfeldein bei einer Dornenhecke.
Ich rief ihm zu. Da sah sich Dusel lachend um, wedelte lustig mit
seinem geringelten Schweif und fuhr wieder mit der Nase eine Erdfurche
ab.
Daß der Hund mich anlachte und nicht kam, ärgerte mich. Und die
Vorstellung, daß er vielleicht jetzt in nächster Sekunde fortstürzen
würde und dann erst in unabsehbarer Zeit heimfinden wollte, dieser
Gedanke machte mich heftig.
Ich wollte dem Tier zeigen, daß ein Hund vom Menschen abhängig ist, und
daß es nicht umgekehrt ist. Und ich dachte, wenn ich ihm einen Schlag
mit meinem Spazierstock gäbe, so würde er, zahm gemacht, auch den Rest
des Weges hinter mir hergehen.
Ich rief und rief nochmals aus Leibeskräften und hob drohend den
Stock. Da gehorchte Sudel auch endlich und kam in weitem Bogen
herangesprungen. Nun hätte ich ihn nicht schlagen sollen.
Aber ich dachte: ein Denkzettel wird dir und mir nützen, und dann
schließen wir Frieden. Wie nun mein zuschlagender Stock durch die Luft
fuhr, wich der Hund geschmeidig aus, und da ich ihn nicht traf und
mein Körpergewicht in den Schlag gelegt hatte, so wankte ich bei dem
verfehlten Stockhiebe.
Aber die Drehung meines Armes beim heftigen Zuschlagen riß mich, als
ich in die Luft haute, so unglücklich herum, daß ich mir mein rechtes
Bein im Kniegelenk blitzschnell ausrenkte.
Der gewaltige Schmerz dieser plötzlichen Verrenkung und die Angst, daß
ich das Bein vielleicht gebrochen hätte, durchfuhren mich jählings.
Auch konnte ich auf dem sehr schmerzenden Bein nicht mehr stehen, und
ich sank im Feld zusammen, als wenn man mich niedergeschossen hätte.
Dann folgte viel Aufregung. Meine Frau, die glaubte, daß ich mein
Bein gebrochen hätte, weil ich blaß und schmerzverzerrt am Boden lag,
zerschlug ihren Regenschirm an dem Hund und jammerte über den frechen
Sudel, der ebenfalls bei den Schirmschlägen heulte.
Dieses geschah ungefähr um drei Uhr nachmittags. Zwei Stunden brauchten
wir, bis wir in die Nähe des nächsten Hauses kamen. Auf meinen Stock
und auf meine Frau gestützt, arbeitete ich mich mühsam auf einem Bein
bergab. Das rechte Bein war ganz unbrauchbar geworden, auch nachdem ich
es wieder selbst eingerenkt hatte.
Das Bein war wie eine tote Masse, tot insofern, als ich es nicht
bewegen konnte. Es schmerzte brennend. In den steinigen Hohlwegen des
Berges war jeder Schritt eine Marter. Den Weg hätte man mit gesunden
Füßen gut in zehn Minuten bergab zurückgehen können.
Wir kamen erst nach zwei Stunden zu jenem Gutshof, auf welchem ich
viele Tage meiner Jugendzeit verlebt hatte, und welchen ich im Buch
„Der Geist meines Vaters“ genau beschrieben habe.
Mein gelber Dusel, welcher nur einen Augenblick zu mir gekommen war,
als ich hingestürzt, war dann blindlings der nächsten Hasenfährte
nachgejagt und spurlos verschwunden. Wir hörten ihn manchmal noch in
der Ferne „Has, Has“ kläffen. Während der zwei Stunden, die wir zum
Abstieg des verhältnismäßig kleinen Weges brauchten, hetzte der Hund
die Hasen kilometerweit hin und her, unbekümmert um die Menschenwelt.
Da ich kaum noch weitergehen, meine Frau mich aber kaum mehr stützen
konnte, so wurde beschlossen in den Gutshof am Berg einzutreten und
dort eine Droschke abzuwarten, die aus der Stadt heraufgeholt werden
sollte.
So lag ich denn bald auf einem Liegestuhl, den man in den Gartensaal
gerückt hatte, dicht bei dem großen Weihnachtsbaum. Ich war seit drei
Jahren nicht mehr in dem Gutshause gewesen, und während ich auf
den Wagen wartete und die Frau des Hauses meiner Frau und mir zur
Unterhaltung die Lichter des Weihnachtsbaumes anzündete, fielen mir
Stunden ein, die ich vor dreiundzwanzig Jahren an diesem Ort erlebt
hatte.
Auf einem Regal bei der Tür stand eine Photographie von mir, und als
eine der Damen sich erhob, stieß sie zufällig an mein Bild, das dort
auf einer kleinen Staffelei stand. Die Photographie rutschte zur Seite
und zeigte eine andere, die auch auf derselben Staffelei Platz hatte.
Es war das Bild eines jungen Philosophen, eines Freundes von mir. Ein
junger Mann, der die blasse Stirn in die Hand stützt. Diese Aufnahme
hatte ich vor dreiundzwanzig Jahren selbst gemacht. Und es war mir
nun, als seien die dreiundzwanzig Jahre, die zwischen jetzt und damals
lagen, wie dreiundzwanzig Sekunden vorübergegangen.
In dem Gartensaal hatte sich seitdem fast nichts geändert. Menschen
waren zwar im Hause gestorben, Junge waren erwachsen, und Erwachsene
waren alt geworden. Aber die Luft des Saales war dieselbe geblieben.
Die Fenster, die Türen, die Lampe, die Gartenterrasse draußen und die
Aussicht auf die Stadt Würzburg, -- dies alles wollte mir sagen, daß es
Lebendes gibt, das nicht Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft kennt.
Ich hatte das schmerzende Bein auf den Liegestuhl legen müssen und
spürte einstweilen in dieser Lage keine Schmerzen mehr. Ich wußte
zwar, ich hatte ein Bein, das schmerzte, sobald ich aufstehen würde.
Aber augenblicklich war mein Bein unwirklich, und es schien mir nicht
zu gehören.
Und so war es auch mit meiner Gegenwart in diesem Gartensaal. Sie
schien mir nicht zu gehören. Dieses Zimmer gehörte nur der Zeit vor
dreiundzwanzig Jahren.
Dann kam der Wagen. Der fuhr meine Frau und mich und mein Bein in die
Stadt. Dusel hatten wir verloren.
Aber dafür hatten wir eine andere dritte Persönlichkeit mitbekommen,
und das war mein krankes Bein, dessen Kniesehnen verzerrt und zerrissen
waren, und das bei mir lebte hochgeschwollen, steif, schmerzhaft
brennend und das mir die Freude am Gegenwartsleben störte, so daß
ich, um nicht an das Bein denken zu müssen, zu Hause gern in die
Vergangenheit flüchtete.
Am Tag nach dem Sturz sagte ich vom Bett aus, darin ich liegen mußte,
zu meiner Frau: „Die Schmerzen haben mich andächtig gemacht. Ich kann
dir jetzt das neue Buch diktieren.“
Da nickte meine Frau und meinte: „Das war mein erster Gedanke, als
ich dich so schlimm hinstürzen sah und dir ansah, daß du dich schwer
verletzt hattest. Wenn er für nichts anderes gut ist, dieser Sturz,
dachte ich mir, so ist er vielleicht dafür gut, daß er dir die rechte
Andacht zu dem neuen Buch gibt, die du so sehr herbeisehntest.
Denn ich mußte mich mitten in meinem Schrecken blitzschnell erinnern,
daß du vor ein paar Tagen sagtest: ‚Ich habe noch nicht die rechte
Andacht zum Schreiben!‘“ --
Und so war es auch. Ich mußte nun wochenlang das Bett hüten und
Eisbeutel auf das kranke Bein legen. Gleich am ersten Mittag, als
alle Glocken der Stadt an mein Fenster kamen, sie die seit Wochen zur
Mittagsstunde das Trauergeläut für unseren verschiedenen Regenten
Luitpold von Bayern besorgten, sagten diese:
„Hast du es jetzt endlich begriffen, daß wir jeden Mittag nicht bloß
zum Trauergeläut ausgeschickt waren? -- Jahresringe, wie solche jedes
Jahr den Bäumen wachsen, Jahresringe wachsen auch uns Glocken in unserm
Erz. Wenn wir läuten, können wir alle vergangenen Jahre herläuten. Wir
versuchten es, dir jeden Mittag zum Vergangenheitsrausch, in den du
versinken wolltest, die Einleitung zu singen. Du warst aber immer auf
Kriegsschauplätzen und wer weiß wo. Jetzt bist du endlich heimgekehrt.
Liege nun still, dann wollen wir dich hineintragen in das vergangene
Jahrhundert, in die neunziger Jahre, die du wiedersehen möchtest.“
Ich nickte nur und nicke den Glocken jeden Mittag zu, wenn sie um zwölf
Uhr kommen und um ein Uhr gehen. Die uralten Glocken aus den uralten
Türmen meiner Heimatstadt Würzburg berauschen mich, wenn sie in großem
Schwarm die Stadt umkreisen. Bei ihrem Geläute wogt mein Blut, die
Gegenwart löst sich auf, und ich sehe die versunkenen Stunden meiner
Jünglingsjahre, als schaute ich durch die Fenster versunkener Städte
in Räume, die einmal auf der Oberfläche der Erde standen und die
fortgeschwemmt wurden samt ihren Bewohnern von der Flut der Zeit.
Mein krankes Bein, das mich ans Bett verankert hat, zwingt nun nicht
bloß mich, sondern auch die Zeit um mich, die immer wie in Nebeln
entgleiten will, zum Stillstand. Ich kann jetzt mit Muße und Andacht
die Vergangenheit, die einmal lebendig war, wie es mein Fleisch und
Blut sind, betrachten. Und ich will den Schemen, die mich locken,
nachgehen und sie anreden. Sie sollen die Gespräche wiederholen, die
schönen, die ernsten, die jugendbetörten, die einsam traurigen und die
weltumarmenden meiner Jünglingsjahre.
* * * * *
Da ist ein Augustnachmittag, der sich zuerst an mich herandrängt,
und der wegen einer Stunde, deren Gedanken die Welt des Unmöglichen
erstürmen wollten, sich bedeutungsvoll aus der Reihe der Jahre
vorschiebt. Aber voraus springen noch ein paar starke Augenblicke, die
der seltsamen Stunde Vorläufer waren.
* * * * *
Es war in jener Zeit, als ich gegen meinen Vater noch nicht
auszusprechen wagte, daß ich Schriftsteller werden wollte, teils aus
Scham, diesem allerpersönlichsten Wunsch laute Worte geben zu müssen,
teils aus Verlegenheit, weil ich nicht wußte, wie man Schriftsteller
oder gar Dichter werden sollte.
Denn die Weltordnung will es, daß keiner das Dichten erlernen kann.
Und es wird auch nirgends, auf keiner Schule der Welt, versucht, diese
Kunst zu lehren.
Wohl bedarf der Dichter der Schulung, aber die muß er sich selbst
erringen und selbst geben. Seine Hochschule und Werkstatt, in der er
arbeitet, ist sein Herz.
Keine von den anderen Künsten erfordert so sehr die Hochschule des
Herzens wie das Dichtertum. Und ich behaupte, daß dem jungen Dichter in
seinen Entwicklungsjahren das schwerste Los der Welt zuteil wird.
Er ist da wie eine Raupe, die unter Würmern kriecht. Während die Würmer
aber Würmer bleiben, soll die Raupe ein Schmetterling werden.
Und wenn der junge Dichter auch ahnt, daß ihm Flügel wachsen, -- sein
Herz, das keine Beweise hat, muß schweigen, muß zweifeln, muß in die
Einsamkeit flüchten, muß der Familie, den Freunden, die seine Ahnungen,
seine Hoffnungen, seine Pläne nie ganz teilen, entfliehen. Er muß
sich dem Rufe der Undankbarkeit, der Untreue, der Wetterwendigkeit
aussetzen, wehrlos gefoltert von den Anklagen, die er zu Wäldern von
Dornen anwachsen sieht, durch die er hindurch soll.
Den jungen Dichter können keine Lehrer zur Dichtung leiten, keine
Bücher, keine weisen Männer, keine klugen Frauen, kein Zorn der
Welt, kein Haß der Welt. Er erreicht in seiner Kunst nichts durch
Verbindungen, durch Empfehlungen, nichts durch das Erbe seiner Väter,
nichts durch das Vermögen oder den Rang der Familie, -- er ist
bloßgestellt, auf sich angewiesen, auf sich selbst beruhen müssend,
aus seiner Unerfahrenheit heraus immer an sich selbst glauben müssend,
immer ein einzelner, ein in und über den Dingen stehend Geborener, --
ein weltferner Kamerad.
Er muß drei Welten bewältigen: die Welt des äußeren Miterlebens,
die Welt der inneren Beschaulichkeit und die Welt seiner geistigen
Schöpfungen und soll sich immer in und über den Dingen behaupten.
Und aus diesem ewigen „Von Natur aus anders sein müssen“ als die
anderen, daraus erwachsen dem jungen Dichter die Berge voll Dornen, und
die Kammern des Lebens scheinen ihm oft mit Folterwerkzeugen angefüllt.
Der Dichter ist auch nie alt und nie jung zu nennen. Er ist, so lange
er lebt, Kind, Mann und Greis in einer Person.
Die Kindesnatur gibt ihm immer wieder neues Vertrauen zum Miterleben.
Das Weltbetrachten und das „Über den Dingen stehen“, das ihm angeboren
ist, gibt ihm schon in jungen Jahren die Ruhe, die Tiefe und die
Weisheit des Greises. Und seine Schöpfungen machen ihn zum tatkräftigen
Mann, zum Erzeuger hoher ewiger Werte.
Der Dichter wird innerlich fertig geboren. Er entwickelt sich innerlich
nie. Sein Herz ist ein Diamant, der nicht feuriger und nicht blinder
wird.
Er ist von allen Menschen der Mensch, der im Gleichgewicht geboren
wurde; in jenem Gleichgewicht, das die anderen erst durch Leben
und Alter erlangen, oder es nie erlangen, aber diesem Gleichgewicht
bewußt oder unbewußt zustreben. Denn jedes echte Gedicht muß aus
einer Herzensmelodie geboren werden, und eine Melodie ist nur
entstehungsmöglich dort, wo Harmonie, das ist Gleichgewicht, herrscht.
Ein Dichterherz ist das harmonischste Herz der Welt. Und deshalb können
im letzten Grunde die Wälder und Berge aus Dornen, die Lebenskammern,
die voll Folterwerkzeuge starren, dem jungen Dichter nichts anhaben. Er
ist der Mann im Feuerofen, er ist der Mann in der Löwengrube, er kann
wie Dante die Kreise der Hölle und die Kreise des Himmels durchwandern.
Er ist der Unverletzbare, er ist der Prophet, der auf dem Feuerwagen
in den Himmel fährt. Er ist der Gesetzgeber, der die Lebensgesetze aus
erster Hand der Schöpfung empfängt. Er muß sich plündern lassen wie
Hiob und wird doch sein hohes Lied anstimmen und über seinen Tod noch
weitersingen ohne Mund, über die Jahrtausende wie Homer.
Seht dagegen die anderen Menschensöhne an! Allen, die auf den
Erdstraßen arbeiten, ist ihr Weg bekannt. Alle erhielten Schulen und
Führer, Lehrer und Gesetze für ihren Beruf, nach denen sie sich richten
konnten, um rechtschaffene Meister zu werden.
Der Handwerker hat seine Lehrjahre und seine Meister, die ihn
unterweisen. Der Geschäftsmann hat seine Handelsschule und das
Geschäft, die ihn zur Selbständigkeit vorbereiten. Die Ingeniöre und
die Architekten haben ihre Hochschulen, die Ärzte, die Richter, die
Geistlichen, die Lehrer finden ihren Bildungsweg an Lehrschulen
und Universitäten. Den Offizieren, den Diplomaten, -- allen ist ihr
Lebensplan vom Staate und im Staate eingerichtet.
Ja, selbst den anderen Künstlern, den Bildhauern, Malern, Musikern,
stellt der Staat heute Akademien und Konservatorien zur Verfügung. Er
erteilt ihnen Titel und Ränge. -- Für alle geistigen Arbeiter, die
sich dem Gesamtwohl der Nation widmen, hat der Staat einen Platz, ein
Auge, eine freigiebige Hand, eine Würde übrig. Nicht so für den jungen
Dichter.
Die einen stört das Kindliche an der Dichternatur, das alles miterleben
möchte. Die anderen stört das Greisenhafte an der Dichternatur,
das tiefe und aufrichtige Betrachten und Sichversenken in die
Lebenszustände. Und die Dritten macht das kühne Männliche kopfscheu,
das in der Dichternatur unerschöpflich sprudelt, und von dem man keinen
Weg voraussehen kann, und das die Bürgerruhe verblüfft, schwindlig
macht und abschreckt. Die Vorsichtigen sehen den Dichter unvorsichtig
auf einem geflügelten Rosse reiten. Während der Bürger Pferde artig auf
der Erde rennen und am Abend müde sind, rauscht über sie fort, noch
unter den Sternen, der Dichter als unermüdlicher Sehnsuchtsreiter. --
* * * * *
Um das Jahr 1890 hatte ich heimlich angefangen, manches kleine Gedicht
zu schreiben, kleine balladenartige Gedichte, Empfindungsergüsse, die
sich in nichts unterschieden von den tausend Reimereien, die jeder ein
wenig gebildete, schreib- und lesefähige Mensch zustande bringen kann,
und die man nicht Gedichte nennen darf, nicht Dichtungen. Reimverfasser
dieser Art sind vom wirklichen Dichter, der den Namen Dichter mit Würde
tragen darf, so weit entfernt, wie es ein Schaukelpferd, ein Spielzeug,
vom Schulpferd und Rennpferd ist.
Ich wußte, daß mir viel fehlte, aber wußte keine Richtung zu finden. Da
lernte ich in dieser Zeit einen jungen Studenten kennen, mit welchem
ich nach der Tanzstunde, die wir damals besuchten, manche Stunde
nachts plaudernd in den Straßen der Stadt spazieren ging oder in einem
Kaffeehause saß.
Unsere Bekanntschaft war dadurch entstanden, daß jener junge Mann,
der Medizin studierte, mich ganz unvermittelt gefragt hatte, ob ich
schreibe. Die Frage erstaunte und verblüffte mich. Und der Frager
sagte, als ich zustimmte, er habe an meiner Kopfform erkannt, daß
ich künstlerisch tätig sein müsse, daß ich mich mit Phantasiearbeit
beschäftigen müsse.
Ich vertraute ihm an, daß ich einige Verse geschrieben hätte, aber
daß ich das noch keine Dichtung, keine Phantasiearbeit nennen könne.
Aber seit dieser Frage unterhielten wir uns öfters, und er versuchte
mich, da er zum Philosophieren neigte, für die Gedankenwelten der
verschiedenen Philosophien zu begeistern.
Meine Empfindungswelt kam mir zwar reicher vor als alte Gedanken,
über die wir zusammen sprachen. Aber ich hörte doch gerne seiner mir
fremden Welt zu, ließ mir von ihm Schopenhauer vorlesen und hörte seine
Erörterungen an, in denen er manches Mal die Wortfechterei der ganzen
Philosophie verhöhnte. Ich las ihm dagegen den Schriftsteller, den ich
damals mir als Vorbild gewählt hatte, den Dänen J. P. Jacobsen, vor,
und ich war erfreut, daß jener junge Philosoph meiner Begeisterung für
Jacobsens „Niels Lyhne“ beistimmte und auch auf meine Gedanken einging,
so wie es sich für richtige Freunde gehört. Jeder von uns hatte ein
waches Ohr für die Empfindungswelt des anderen, ohne seine eigene Welt
zu verleugnen oder zu verlassen.
Bei einem Abendspaziergang dann auf dem Steinberg erinnere ich mich
deutlich der Augenblicke eines großen Umsturzes, den ein einziger Satz
aus dem Munde meines neuen Freundes in mir hervorbrachte. Ich war
bisher nicht mehr und nicht weniger fromm und religiös gewesen als
andere junge Leute meiner Zeit. Ich war naturehrfürchtig und liebte
außerdem die heiligen Personen des Alten und Neuen Testamentes, so
wie man alte Familienüberlieferungen liebt, deren Echtheit man nicht
bezweifelt.
Ich liebte die Weihnachtsheimlichkeit mit ihrer Mettenstunde, mit
ihren Krippenliedern und ihrem Krippenspiel. Ich liebte die Karwoche
mit ihrem wehmütigen Karfreitagsleid und wandelte so mit den Festtagen
durchs Jahr, denn nur die Kirchenfeste erinnerten mich noch an die
Religion, die man mich in der Schule gelehrt hatte.
Gott konnte für mich ebensogut Wirklichkeit wie eine schöne Vorstellung
sein. Niemand konnte ergründen, wohin die Toten gehen, niemand konnte
ergründen, woher das Leben gekommen war.
Warum sollte es mir daher einfallen, über Gott, der eine uralte
Überlieferung war, nachzugrübeln, oder gar diesen Gott abzusetzen.
Fragte mich denn jemand, ob ich die Welt haben wollte, wie sie war?
Fragte mich denn jemand, ob ich meinen Vater haben wollte, wie er war?
Warum sollte ich nicht ebensogut Gott bestehen lassen, da ihn doch die
Väter hatten bestehen lassen und deren Väter?!
Auf jenem Abendspaziergang aber auf dem Steinberge, als die Sterne
am Nachthimmel wie ein Silberregen glitzerten, kam mir in der Nähe
meines immer gedankenvollen Freundes der leichte Ausruf auf die Lippen:
„Schade, daß man sterben wird und niemals erfahren wird, wer diese
Haufen Sterne geschaffen hat.“
Es war jene Frage, die man so oft nachts an den Himmel richtet, die
jeder junge Mensch einmal fragen muß. Eine Frage, die mehr einen leisen
Stoßseufzer bedeutet, der aus dem angenehmen Unterbewußtsein kommt,
daß das Unerklärliche an der Welt das Köstlichste ist, daß es süß ist,
sich in dieser Unerklärlichkeit nur als eine Krume auf dem ungeheueren
Welttisch zu fühlen, als eine Wenigkeit, die im Verhältnis zu den
riesenhaften Welträumen gar nicht in Frage zu kommen scheint.
Man genießt bei diesem Seufzen in einem Atemzug des Himmels
Riesenräume, in denen keine Menschenmacht mitzureden hat. Man genießt
sie als eine Freiheit, als ein Aufatmen vom Menschendruck unserer
menschenvollen Erde.
Der junge Philosoph antwortete mir, und ich hörte in seiner Stimme ein
spöttisches Verachten:
„Wer sagt Ihnen denn, daß die Sterne einen Schöpfer brauchten?
Die Sterne sind Atome, die immer waren. Wir können das jedenfalls
geradesogut annehmen, wie wir annehmen, daß sie einen Schöpfer haben
sollten. Beweise haben wir weder für das eine noch für das andere
Vorstellungsbild.
Die Vorstellung von einem Schöpfer kennt keine Freiheit des
persönlichen Ich-Bewußtseins. Während, wenn ich mir vorstelle,
daß alles sich selbst schafft und sich selbst vernichtet, das
Ich-Bewußtsein gewahrt und erhöht wird.
Es bleibt jedem natürlich überlassen, sich einen Schöpfer vorstellen
zu wollen oder nicht. Nur wird der Klügere, der schöpferische Mensch,
sich gegen eine solche Vorstellung sträuben, die sein Ichbewußtsein von
einem Schöpfer abhängig macht. Ich, für meinen Teil, stelle mir lieber
vor, daß die Welten sich selbst schufen; da mir scheint, daß diese
Vorstellung dem Verstand des Zeitgeistes, in dem ich aufgewachsen bin,
mehr zusagt.“ -- So sprach mein Freund zu mir.
Ich weiß heute nicht mehr, was ich ihm antwortete. Ich weiß nur,
daß ich mich zuerst heftig sträubte, auf die uralte Vorstellung von
Gott und dem Schöpfer oder Weltgeist, wie mein Vater immer gesagt
hatte, kurzerhand zu verzichten und jedem Wesen eigene Schöpferkraft
zuzusprechen.
Mein Freund lachte nur und sagte: „Ich nehme Ihnen ja nichts, wenn ich
Ihnen zumute, den Schöpfer wegzudenken und an seine Stelle allgemeine
Schöpferkraft zu setzen. Ihr Schöpfer ist so unbeweisbar wie meine
Atomkraft. Ich setze nur an Stelle des Nichts, an das Sie glauben, ein
anderes Nichts.
Ihr Bild vom Schöpfer verhält sich übrigens zu meiner Atomkraft,
die ich mir als Urkraft vorstelle, wie ein Ölporträt zu einem
Photographieporträt. Das Ölbild ist das künstlerische, aber auch das
ungenauere Bild. Die Photographie ist das unkünstlerische, aber das
realistisch genauere Bild.“
In den nächsten Tagen war es mir schwer, mit meinem Freunde
weiterzusprechen. Ich litt unter dem Verlust, den er mir zumutete,
indem ich das künstlerische Bild von Gott und der Schöpfung aus meinem
Herzen ausrotten, und an Stelle der alten Überlieferungen mechanische
Vorgänge der Atome annehmen sollte, die mir zwar glaubhaft schienen,
aber mich stimmungs- und vorstellungsarm machten.
So weh ums Herz, dachte ich, muß es den letzten Griechen und Römern
gewesen sein, als sie die Tempel schließen und Abschied nehmen
sollten von den schönen und vertrauten Bildsäulen ihrer erdachten
Göttergestalten und von den Zeremonien, den gewohnten, mit denen sie
die Feste dieser Götter feierten, die ihnen von ihren Vätern und
Vorfahren seit Jahrhunderten überliefert waren und Familieneigentum
geworden waren und persönliches Eigentum und Welteigentum, beinahe wie
die Bäume, wie der Himmel, wie der Regen und die Sonne, ohne die sie
sich ihre Lebensjahre nicht vorstellen konnten.
Ich hatte in jener Sternennacht, da mein philosophischer Freund meinem
Herzen den Umtausch vorschlug, an Stelle des Schöpfers, an Stelle
des persönlichen Gottes die verallgemeinerte und wissenschaftliche
Atomkraft zu setzen, im bläulichen Zwielicht der Sterne auf die
türmereiche Stadt Würzburg vom Steinberg hinuntergesehen, über meine
kirchenüppige Vaterstadt hin, und ich trug dieses Bild der vielen
Kirchen noch in den nächsten Tagen neben meinen verwirrten Gedanken mit
mir.
Und so wie die letzten Griechen und Römer gefragt haben werden, als
man an Stelle ihrer Götterreligion den einfachen alleinigen Gott der
Christen, den einzigen Weltregenten, setzen sollte: „Wozu waren also
alle die Tempel, die da Jahrhunderte gebaut waren, gut? Haben wirklich
unsere Väter durch Jahrhunderte nur einem schönen Schein gehuldigt?“
So fragte ich mich, wenn ich im Geist das prunkreiche Bild der
Kirchenstadt Würzburg vor mich hinstellte und es mit der Öde des Wortes
Atom verglich.
Meinen Freund, welchen ich absichtlich in den nächsten Tagen mied, und
der, wenn ich ihn traf, es ebenfalls vermied, von neuem das Gespräch
der Entgötterung meines alten Himmels aufzunehmen, er konnte endlich
die Verstimmung, die so sichtlich zwischen uns getreten war, nicht
länger unbekämpft lassen.
Zur Abendstunde zwischen sechs und sieben Uhr holte er mich meistens
in der Wohnung meines Vaters ab, und wir gingen durch die Stadtanlagen
rund um den Ring der Stadt und am Main entlang, bis wir, wieder an dem
Ausgangspunkt zurückgekommen, uns voneinander verabschiedeten, -- wenn
der junge Student nicht zum Vorlesen und Klavierspielen für den Abend
bei mir eintrat und zu Besuch blieb. Er spielte auch manches Mal mit
meinem Vater Schach oder plauderte mit meiner jüngsten Stiefschwester.
Aber in diesen Tagen der Umwälzung der Gottbegriffe in mir forderte
ich ihn nicht mehr auf, nach dem Spaziergang zu uns in die Familie
zu kommen. Er war für mich jetzt nicht mehr bloß Mensch und Freund,
sondern er schien mir ein weltfernes Wesen geworden, ähnlich einem
jener Atome voll Atomkraft, das selbstschöpferisch walten konnte.
Ich war aber mit dieser persönlichen Atomgöttlichkeit noch zu wenig
vertraut, um ihr zu vertrauen.
Und gegenüber den altgeweihten menschlichen Gottesvorstellungen
erschien mir mein Freund mit seiner selbstherrlichen Atomkraft wie
eine Dynamitpatrone, mit der ich noch nicht umzugehen verstand, und
die ich meinem Vater nicht ins Haus bringen wollte. Jedenfalls wollte
ich selbst erst über den Ersatz der Atomkraft, die den persönlichen
Weltschöpfer verdrängen sollte, klar werden, ehe der junge Philosoph,
vielleicht nach einer Schachpartie, meinen Vater oder meine Schwester
in die Atommächte einweihen würde.
Denn, wenn auch mein Vater mir immer an Stelle des persönlichen,
alttestamentarischen Gottes einen neutestamentarischen geistigen
Gott, einen Weltgeist, gesetzt hatte, so war doch diese Vorstellung
für mich immer noch poetischer Natur gewesen. Der Weltgeist, der
über allem schweben sollte, alles durchdringen sollte, war wie ein
Riesenweltadler, der mit seinem Flügelschlag das Leben anfachte, und
dessen Flügelschlag man aus dem Leben aller Dinge spüren konnte.
Die Weltgeistvorstellung war für mich bis dahin immer noch eine
Einheit gewesen, zu der man aufschauen konnte, die über dem Weltall
schwebte und atmete, wie ein großes Welt-Ich. Jetzt sollte aber auf
einmal dieser Weltgeist so wenig da sein wie der alttestamentarische,
persönliche, menschenähnliche Gott und so wenig wie die griechischen,
ägyptischen oder assyrischen Götter.
Jedes Stäubchen, das in der Sonne flog, sollte ein schöpferisches Ich
sein und nichts Mächtigeres über sich kennen. Es sollte es selbst sein,
es sollte Urkraft sein. Alle Legenden des Weihnachtsfestes, des Oster-
und Pfingstfestes, die Poesie der Bibel und der Kirchen sollte ich
verlassen und gegen Atomleben eintauschen!
Fast haßte ich diesen Entgötterer, der mir in diesem jungen Philosophen
zum Freund geworden war. Es war, als kehrte er meine uralte Vaterstadt
aus und kehrte mit den Kirchen die traulichen Winkel, Häuser und Gassen
fort, und statt der türmereichen Stadt lag nun am Main eine leere
Atomwüste.
Nicht einmal mehr das Bild eines grünen gras- und baumreichen Tales,
wie es vor der Entstehung der Stadt am Main gewesen war, konnte ich
jetzt dort vor mir sehen. Denn auch die Wälder, die da früher waren,
die Gräser, die unschuldigen blumigen Mainwiesen, die vor zweitausend
Jahren die Ufer säumten, auch sie wurden ein Atommehl, farblos,
formlos.
Und eine grenzenlose Verlassenheit befiel mich bei diesen ersten
Anfängen meiner Atomkraftvorstellung, die ich an Stelle der
bilderreichen Bibelereignisse und der Schöpfung setzen sollte.
Es war an einem hellen Frühlingsabend, als mich mein Freund wieder
einmal abholte. Und auf dem Wege durch die Stadtanlagen sagte ich
seufzend zu ihm: „Ich glaube nicht, daß wir uns weiter verstehen.“ Er
hatte mich nämlich gefragt, warum ich in letzter Zeit so schweigsam
sei, ob ich Ärger in der Familie hätte.
„Es ist vielmehr,“ klagte ich, „ich habe Ärger mit allem, was Sie
neulich abends auf jenem Berge mir erklärten. Ich streite in mir
hin und her. Wenn ich nachts am Fenster stehe und den mir sonst so
altlieben Sternhimmel bewundern will, fällt mir ein, daß das nur ein
Haufen Atome sein soll, über dem kein Weltgeist waltet, kein Gottgeist,
der versöhnlich dem Ganzen seinen Willen gibt, den Stempel des Guten
und des Bösen.
Diese verantwortungslose Atommasse, die ich vor mir sehen soll, stört
mich sehr. Bei den Frühlingsblüten der Stadtanlagen sehe ich bald
nicht mehr die fröhlichen Farben, das Lila des Flieders, das Goldgelb
des Löwenzahns, die weißen Sterne des Schlehdorns, sondern ein
gleichgültiges Atommeer arbeitet da rund um mich, dessen Farben keinen
Sinn haben, dessen Düfte keine Wollust mehr ausströmen.
Denn wenn der Duft aus den Frühlingsbüschen zu mir kommt, so sind das
nur wieder Atome, die meine Atome anrühren. Das ganze Leben wird öde
bei dieser wissenschaftlichen Atombetrachtung.“
Mein Freund lachte kurz auf. „Aber das ist ja ein großes
Mißverständnis,“ erklärte er eifrig. „Sie dürfen sich die Atome nicht
als Punktmasse vorstellen, die ziellose Kräfte hat. Jedes Atom ist ein
Lebewesen und erlebt Freude, jedes Atom erlebt Leid.
Wenn vorher nur ein einziger großer Schöpfer über all den Dingen
dastand -- die die Menschen fälschlich die toten Dinge nennen --, so
tauschen die, die den Schöpfer ausschalten und allen Dingen eigene
Schöpferkraft, eigene Verantwortung, eigene Freude, eigenes Leid
zusprechen, dadurch eine Welt von Leben ein gegen die Welt der toten
Dinge, die vorher den Menschen umgeben sollte.
Vorher, bei der Vorstellung des fernen Schöpfers, den wir überhaupt
nie zu sehen bekommen sollten, da waren die Menschen unendlich einsam
und sahen sich durch den sogenannten Weltgeist, der über den Dingen
schweben sollte, von der Schöpfung unendlich getrennt und lebten in
einer eiteln Einsamkeit. Denn die Menschen kamen sich fälschlich unter
allen Geschöpfen als die einzigen Erleuchteten vor, da sie ganz allein
einen Funken vom Weltgeist, den sie die menschliche Seele nannten, zu
besitzen glaubten.
Doch mit der Annahme, daß alle Dinge Selbstschöpfer sind, daß die
Atome der sogenannten toten Dinge, die Atome der Pflanzen, die Atome
der Tiere, die Atome der Berge, der Meere, der Wolken, die Atome des
Lichtes, eben solche beseelten Wesen sind wie die beseelten Atome des
Menschen, -- bei dieser Annahme ist der Mensch stündlich und täglich
von ewigem Leben umringt und braucht nicht erst auf seinen Tod zu
warten, um als Seele in ein ewiges Seelenleben überzugehen.
Jedes Atom ist ein ewiges Ich mit Verstand und Gefühl. Tote, leblose,
gefühllose Dinge gibt es im Weltall des ewigen Lebens, in dem sich
unser Leben abspielt, nicht. _Alle Dinge kennen sich, alle Dinge fühlen
sich, alle Dinge verstehen sich._“
„Aber“ entgegnete ich, „das haben die Dichter schon längst in den
Märchen gesagt, in den Märchen, wo die Schneeflocke redet, wo der
Frosch am Brunnenrand mit der Königstochter spricht, wo die Vögel im
Walde mit den Menschen reden. Der Bach und der Regen und der Wind und
der Baum, -- alle reden dort. Und dieses Märchen der Dichter, das soll
Wahrheit sein?“ unterbrach ich den jungen Philosophen.
„Jawohl,“ sagte er. „Die Dichter sind die einzigen, die von jeher
das Weltall in seinem Urbau erkannt haben. Sie fühlten immer die
Einheit und Beseeltheit aller Dinge, der lebenden und ‚toten‘ Dinge
persönliches Leben.“
Wir waren an das Mainufer gekommen, wo die Sonne hinter fernen
Waldbergen untergegangen war. Die Hügel lagen da wie Haufen blaugrauer
Asche, und die roten Abendwolken standen darüber wie Feuerbrände über
Opferaltären.
Noch einmal machte mein Herz, den alten Überlieferungen treu geblieben,
einen Anlauf, und es verteidigte die Bilder der Engelschöre, die
wir Menschen uns in die Wolken versetzen und das Bild des großen
alttestamentarischen Gottes mit dem weißen wehenden Bart, der in den
Sternenmantel der Jahrtausende gehüllt, immer weise richtend, über den
Chören der Engel thronen soll, das Gute zu sich ziehend und belohnend,
das Böse fortstoßend und verdammend.
Und die Abendglocken der dunkelbeschatteten Stadt, die zu den feurigen
Wolken hinaufläuteten, schienen mir recht geben zu wollen. Der schwere
Glockenklang, der mit unseren Schritten auch von den Pflastersteinen
widerhallte, ging durch meinen Körper und wühlte in meinem Blut alle
alten Überlieferungen der Bibelgeschichte auf.
Da wurde meine Stimme ein wenig pathetisch, als ich zu dem jungen Mann
an meiner Seite sagte: „Nein, ich kann ihn nicht absetzen, den alten
großen Gott. Ich kann mir den Himmel nicht leer denken, nur mit den
Atomen der Wolken angefüllt. Ich will Dichter werden, und es muß mein
Dichterrecht sein, mir beliebig die Welt mit Gestalten ausfüllen zu
dürfen.
Mit Atomkräften -- und auch wenn die Atome beseelt sein sollen -- kann
ich künstlerisch nichts anfangen. Es ist, als rauben Sie, Philosoph,
mir aus meinem Puppentheater die Puppen, und als sollte ich nun auf
leerer Szene nur mit der Leere der vier Windrichtungen ein Stück
aufführen.“
Wieder lachte der junge Philosoph auf, und seine Stimme wurde plötzlich
nicht mehr von Gedanken getragen. Sie klang ganz irdisch nüchtern
und knapp, wie die Stimme eines Arztes, der einen phantasierenden
Fieberkranken anredet.
„Ja, können Sie sich denn nicht selbst genügen? Warum müssen denn die
Wolken Arme und Beine haben und Engel tragen? Warum muß denn überall
der Mensch den Menschen hindenken in Regionen, wo es keine Menschen
geben kann? Warum sollen die Dinge rundum nicht ihr eigenes Leben leben
dürfen?
Lassen Sie doch das Leben aller Dinge einmal zu sich herankommen! Diese
Geduld hatte bis jetzt noch keiner von euch Dichtern. Immer müßt ihr
gleich alles ins Menschliche verwandeln. Das Weltalleben aber liegt
voll von unaufgedeckten Poesien.
Sobald man den Schöpfer absetzt und jedes Geschöpf als seinen eigenen
Schöpfer einsetzt, dann wird eine große Fülle von lebenbejahenden,
lebenbejubelnden und lebengründenden Dichtungen entstehen.
In den Märchen ließet ihr bis jetzt die Mäuse nur Hochzeit machen wie
die Menschen. Ihr stelltet euch dann dabei einen Mäusepfarrer vor, der
das Pärchen zusammentat.
Um die Blumen leben zu lassen, müßt ihr ihre Lebensgeister in
menschengestaltige Elfen verwandeln. Und über Riesen und Zwerge
kommt ihr immer noch nicht hinaus. Immer muß eure Phantasie von
kronentragenden Königen, hochzeitmachenden Prinzessinnen und
verwunschenen Prinzen handeln.
Dieser abgenützte Plunder mittelalterlicher Lebensbefangenheit, dem
wir keine neuen Seiten abgewinnen können, wird von selbst fortfallen,
sobald die Weltschönheit, das Weltgefühl und das Weltleben mit
dem kleinsten Grashalm, mit dem Schatten eines Blattes, mit dem
geringfügigsten Leben, _so wie es ist und nicht anders_, zu euch reden
darf.
Verwandelt nicht immer die Gestalten der Dinge, die an sich selbst
jede ihre Schönheit haben. Die Muschel, der Stein, der Staub und ihre
Figuren, ihre Lebensbewegungen, wenn sie im Licht aufblinken -- alle
die Weltalleben an sich selbst sind schön und bieten eine Fülle von
Poesie, wenn der Mensch ihre Rhythmen auf sich wirken läßt. Lernt die
Abendwolke genießen, so wie sie ist, als ein schwebendes Leben und seht
sie nicht als eine erhöhte Kirchenbank für Engel an.
Der Dichter der Zukunft, der dieses fertig bringt, das Weltalleben
in seinen wahren Schönheiten, in seinen erregten Lebensäußerungen
unverwandelt wiederzugeben, dieses wird der Dichter der neuen Zeit
werden, die jetzt anbricht, und die die alte Zeit abstoßen wird, wie
ein altes abgetragenes Kleid.“
Ich begann aufzuhorchen. Das war ein Ausspruch! Meine Lust, ein
Dichter zu werden, fühlte sich nun in Mitleidenschaft gezogen, und es
war mir klar: das, was ich vorher an Versen geschrieben hatte, war
nur eine weiche Schwärmerei und eine Schwelgerei auf altromantischen
ausgetretenen Wegen gewesen.
Ich wußte zwar noch nicht, wohin mich ein Glaubenswechsel führen würde,
und ob er mir wirklich einen Ersatz bieten würde. Aber ich war jung
genug, um mich von der Lust anlocken zu lassen, alle bisherigen Wege,
welche die Dichtkunst der christlichen Zeitspanne überliefert hatte,
kühn zu verlassen und einen Sprung ins Unbekannte tun zu wollen.
Götter- und Ritterromantik sollte weit zurückbleiben. Dafür wollte ich
die Romantik des bisher unentdeckten Landschaftslebens, das Reden der
Dinge an sich, ohne daß sie menschliche Verkörperungen eingingen, ohne
daß sie Märchengestalten annehmen sollten, begeistert aufdecken in ganz
neuen Dichtungen.
So sicher und bestimmt, wie ich es heute in Worten niederschreibe, kam
natürlich nicht jene Eingebung durch meinen Freund über mich. Mein
waches äußeres Auge war noch hilflos, aber innere unbewußte Blicke
redeten zu meinem Herzen, ungefähr so, wie in früheren Zeiten ein
ferner unentdeckter Weltteil einem Kolumbus Unruhe bereitet haben mag
und ihn innerlich gerufen hat, zu ihm zu kommen und unbekanntes Land zu
suchen, zu finden und der bekannten Welt anzugliedern.
Wir waren am Main entlang gegangen, die Stadt zur Linken, den Main zur
Rechten. Und drüben über dem Fluß, aus dem Tal, das der Marienberg,
auf dem die alte Festungsburg steht, mit dem Nikolausberg bildet,
aus diesem zu fernen Waldhöhen eilenden Tal kam eine Flut von gelbem
Abendlicht. Und die Südfenster des Festungsschlosses und die goldenen
Kreuze der Kapelle auf dem Nikolausberge gegenüber und der sanfte
Mainspiegel darunter schienen zu brennen, als wären dort überall
Freudenfeuer angezündet. Und die roten Wolken am Himmel standen
zerpflückt über der Stadt wie große rote Blumensträuße, die auf die
Dächer niederregneten.
War all das Licht umher meine Feststimmung, die aus meinem Herzen in
den Raum hinausgetreten war? -- Jedenfalls fühlte ich mich wie ein
König, gekrönt von dem Entschluß, Herr über ein großes unbekanntes
Reich zu werden. Und so wie der Abendstrahl dort aus dem Tal die mir so
altgewohnte Stadtumgebung verwandelte und in zündendem Licht zeigte,
so daß ich für einen Augenblick kaum das alte Heimatpflaster mehr
erkannte, so durchstrahlte mich der zündende Gedanke einer geistigen
Umwandlung, die jetzt in mein Empfindungsleben einziehen sollte, vom
Scheitel bis zur Sohle, als brächte dieser Augenblick mir neues Blut.
Der junge Philosoph an meiner Seite glaubte, daß mich neue Zweifel
bestürmten, und seine Stimme schlug plötzlich wie in volle Verachtung
um, als er kurz zu mir sagte:
„Und übrigens ist es gar nicht wahr, daß, ehe wir in jener Sternennacht
auf dem Steinberg auf Atomkraft zu sprechen kamen, Sie sich noch immer
einen Gottvater mit einem weißen Bart vorstellten oder Engelsscharen
auf den Wolken oder Ähnliches.