Bücherbesprechung

=Paul Haake=, =August der Starke=, Berlin-Leipzig, Gebrüder Paetel

1927. 244 S. 8°.

Der Standpunkt, von dem aus Haake den Wettiner betrachtet, ist in der

Vorrede folgendermaßen bezeichnet: »Daß die Sachsen in jener Epoche

kulturelle Höchstleistungen aufzuweisen hatten, ist gewiß. Politisch

waren sie minder erfolgreich. Aus dem Wettstreit der Hohenzollern

und der Wettiner um die Vorherrschaft östlich der Elbe gingen jene

siegreich hervor. Brandenburg-Preußen überholte Kursachsen. Die Gründe

hierfür aufzudecken ist ebenso Pflicht des Biographen Augusts des

Starken, wie seine Verdienste um den kulturellen Aufschwung seiner

Länder gerecht zu würdigen.«

Man wird diesen Standpunkt Haakes, in dem zugleich das Ergebnis

seines Urteils über den letzten Rivalen der Hohenzollern gegeben

ist, im ganzen billigen müssen. Haakes Buch richtet sich damit

gegen das im Jahrgang XIV dieser Mitteilungen S. 399 besprochene

zweibändige Werk von Cornelius Gurlitt, August der Starke, das zwar

die hervorragenden Verdienste des Kurfürsten auf dem Gebiete der

allgemeinen Kultur und insbesondere der Kunst geschickt und umfassend

beleuchtet, aber in den Urteilen über die Politik und das innerste

Wesen des Fürsten öfters das Richtige verfehlt. Haakes Darstellung

ruht auf einem viel sicherern Fundament als die Gurlitts, nämlich

auf einer selbständigen Durchforschung der Archive. So kommen Haakes

Ergebnisse der geschichtlichen Wahrheit in vielen Stücken weit näher

als sein Vorgänger, aber in allen Zügen richtig ausgeglichen ist das

von Haake entworfene Wesensbild Augusts des Starken auch nicht, schon

deswegen nicht, weil er nicht alle Gebiete der Regierungstätigkeit

Augusts gleichmäßig behandelt. So sind z. B. die kriegerischen

Leistungen des Königs und die Schlappen, die er erlitt, aber auch

die von ihm durchgeführten Neubildungen des Heerwesens nur in großen

Zügen angedeutet. Außerdem ist auch Haake bei der Verteilung von

Licht und Schatten nicht immer gerecht: er sieht bei dem Wettiner,

beim sächsischen Adel und Bürgertum alle Schwächen und tadelt sie

mit Recht, aber er trägt nicht immer den allgemeinen Anschauungen

der Zeit Rechnung, und was schlimmer ist, er sieht die Schwächen der

preußischen Könige Friedrichs I. und Wilhelms I. und ihrer Landsleute

weniger scharf. Wäre die Dresdner Bürgerschaft und der sächsische

Adel im Zeitalter Augusts des Starken zu einem sehr großen Teile

so verlottert gewesen, wie es Haake am Schlusse seines Buches (S.

230) nach recht wenig zuverlässigen Quellen – Komödien und Hofnarren

– hinstellt, wie hätten dann die gewerblichen, künstlerischen und

wissenschaftlichen Leistungen zustandekommen können, durch die sich

damals Sachsen auszeichnete und die damals die Stadt Dresden zu einer

mit Recht bewunderten Zierde Deutschlands machten? Die Vergnügungen der

Zeit waren zum Teil derb und roh, aber nicht nur in Dresden. Waren die

Belustigungen des »Tabakskollegiums« Friedrich Wilhelms I. auf einen

feineren Ton gestimmt? Gab es unter dem preußischen Adel dieser Zeit

keine Abenteurer?

Manche Urteile, die Haake über August den Starken fällt, widersprechen

einander. So führt er S. 169 die Verbesserungen auf, die der König

auf politischem, wirtschaftlichem und militärischen Gebiet in Polen

durchzusetzen plante, um dann auf S. 187 durch das vernichtende

Urteil: »Daß August deutsche Kultur nach dem Osten habe verpflanzen

wollen, ist eine Legende« alles wieder umzuwerfen. Endlich ist es

ein Irrtum Haakes, wenn er an zwei Stellen seines Buches (S. VII

u. S. 166), das erstemal mit Beziehung auf Gurlitt, das zweitemal

in allgemeinerer Fassung behauptet, man empfinde in Sachsen das

Bedürfnis, der Heimatliebe in der Person Augusts des Starken »ein Idol«

zurechtzuzimmern.

In keinem Lande ist August der Starke unnachsichtlicher beurteilt

worden als in Sachsen. Es kam so weit, daß man in ihm nur noch den

Verführer und Don Juan, den Verschwender, den Trunkenbold, den volks-

und staatsfeindlichen Abenteurer sah und die Lichtseiten seines Wesens:

seinen Bildungsdrang, seine technische Begabung, seine Verdienste um

die Hebung der Künste, die Pflege des Schönen und die Verbesserung

der städtischen und staatlichen Verwaltung gänzlich vergaß. Gegen

diese Einseitigkeit wendete sich seit etwa fünfundzwanzig Jahren eine

durchaus berechtigte, ja notwendige Reaktion. Unser »Idol« ist August

der Starke nie gewesen und wird es nie sein. So bedarf denn die neue

Arbeit Haakes, die ich im übrigen als den wertvollsten Beitrag zu einer

besseren Kenntnis Augusts des Starken schätze, den wir in neuerer

Zeit erhalten haben, doch wegen der angeführten Mängel noch einer

Überarbeitung und, wenn es möglich ist, der Hinzufügung der jetzt noch

fehlenden Quellennachweise.

Otto Eduard Schmidt.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden Photographische Platten

»Perutz« – Photographische Aufnahmen: Max Nowak – Auflage 50000

Im Freistaat Sachsen geschützte Pflanzen:

1. Türkenbund, ~Lilium martagon~.

2. Märzenbecher, Märzglöckchen, ~Leucoium vernum~.

3. Wiesenschwertlilie, ~Iris sibirica~.

4. Alle Knabenkräuter, Orchengewächse, ~Orchidaceae~.

5. Pfingstnelke, ~Dianthus caesius~.

6. Weiße Teichrose, ~Nymphaea alba~.

7. Trollblume, ~Trollius europaeus~.

8. Kuhschelle (Osterblume und Wiesenschelle),

~Pulsatilla vulgaris~ und ~pratensis~.

9. Leberblümchen, ~Hepatica triloba~.

10. Silberblatt, ~Lunaria rediviva~.

11. Sumpfporst, ~Ledum palustre~.

12. Schneeheide, ~Erica carnea~.

13. Wohlriechendes Primel (Himmelschlüssel), ~Primula officinalis~.

14. Alle Enzianarten, ~Gentiana~.

15. Kellerhals, Seidelbast, ~Daphne Mezereum~.

16. Kuglige Rapunzel, ~Phyteuma orbiculare~.

17. Alpenlattich, ~Mulgedium alpinum~.

18. Bergwohlverleih, ~Arnica montana~.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVII, Heft 3–4 · 第 59 / 68 题