Blechpest

Von _Walther Kluge_, Grimma i. Sa.

Unser Zeitalter ist nicht nur ein papiernes, sondern auch – ein recht

blechernes geworden. Wir leiden sehr stark unter der Blechpest.

Insofern nämlich Konservenbüchsen, volle und auch leere, und im übrigen

noch soviel blecherne bzw. emaillierte Gegenstände im Haus, besonders

in der Küche, unser Kulturbedürfnis befriedigen.

Und doch will ich noch gar nichts gegen diese Tatsache an sich

sagen. Sondern nur dagegen, daß die blechernen und emaillierten

Gebrauchsgegenstände, sofern sie ausgedient haben, unser Dasein

weiterhin verpesten.

Man kann auf Wanderungen hinkommen, wohin man will, überall wird man

von der Blechpest verfolgt, selbst bis hinein in stille Tälchen und

abgelegene Gegenden in Wald und Heide.

Den kleineren Teil der Blechpest verursachen undisziplinierte Wanderer,

die ebenso wie Papier, Eierschalen usw. auch Konservenbüchsen u. a.

gerade dort liegen lassen, wo sie sie gebraucht und geleert haben,

und nun zu träge sind, sie einzugraben und so die Züge der einzigen

nützlichen Tätigkeit, die sie kennen, zu verwischen, oder zu faul, sie

wieder einzupacken und später auf einem Müllhaufen abzulegen.

Den größeren Teil der Schuld an der Blechpest tragen aber wohl die

Gemeinden. Inwiefern?

Man kann nämlich feststellen, daß sich bei der größten Zahl der

kleineren Gemeinden kein wirklicher Müll- und Schuttabladeplatz findet.

Was bei einem größeren Gemeinwesen, das die Asche- und Müllabfuhr sehr

häufig auch noch selbst reguliert, eine Selbstverständlichkeit ist,

das findet sich in vielen kleineren Gemeinden – wir wollen durchaus

nicht die treffen, die dafür gesorgt haben – oft gar nicht, oder an so

entfernter und ungünstiger Stelle, daß er kaum benutzt wird. Besonders

dann nicht, wenn die Abfuhr der Abfälle und sonstiger Reste von den

einzelnen Haushaltungen noch selbst, oft mit dem Handwagen, erfolgen

muß. So wird dann die Zuflucht dazu genommen, sich alter Töpfe und

Blechbüchsen, von Draht und Geschirr so zu entledigen, daß man es,

möglichst nicht allzuweit vom Hause auf einen Hang, an einen Waldrand,

in ein Bachbett oder an eine ähnliche Stelle wirft und froh ist, es auf

diesem Wege so schnell als möglich losgeworden zu sein.

Wenn nun der Wanderer und Naturfreund die Gegend durchstreift, dann

trifft er überall auf solche Schandflecke in der Natur. Von solchen

Stellen schleppt dann wohl auch ungezogene und ungebildete Jugend

aller Kreise und Stände einen Teil bald hierhin, bald dorthin, an

Stöcken, auf Fußballart oder sonstwie, so daß sich die Blechpest weiter

verbreitet und immer neue, bisher noch unberührte Fleckchen von ihr

infiziert werden. Zum Leidwesen aller Naturfreudigen und aller Menschen

von Kultur.

Abhilfe schafft hier zunächst in erster Linie die Erziehung unserer

Jugendlichen, wie überhaupt aller Wandernden in der Richtung, die Reste

ihrer Rasten aber auch restlos zu beseitigen. Und es ist, das wollen

wir gern zugeben, schon manches erreicht, und manches auch besser

geworden. Aber noch laufen recht viel Unerzogene draußen herum. Helfen

wir, wenn wir solche treffen, auch auf die Gefahr hin, an Unbelehrbare

und Grobiane zu kommen, mit, daß unsere gute Erziehung nach dieser

Richtung sich immer weiter ausbreitet. Scheuen wir auch davor nicht

zurück, selbst einmal, wenn es möglich und nötig ist, anderen

nachzuräumen, z. B. eine auf eine Wiese verschleppte Konservenbüchse

wieder der nahen Füllgrube zuzuführen u. a.

Abhilfe muß aber hier auch durch behördliche Vorschriften und die

nötige Kontrolle geschaffen werden. Ich bin keiner, der nach Behörden

schreit und Verbote verlangt. Aber wenn z. B. in einer Gemeinde in

erreichbarer Nähe keine Abfuhrstelle zu finden ist, dann soll man

sich einfach nicht wundern, wenn das Blechzeug irgendwo, um es los zu

werden, denn im Hause kann man doch das Unbrauchbare nicht behalten,

abgelagert und hingeworfen wird an Stellen, wo es einen Schandfleck in

Landschaft und Natur bildet.

Jede Gemeinde muß also verpflichtet sein, einen ordnungsgemäßen

Müllplatz zur Verfügung zu stellen. Wo nicht sich von selber ein

solcher Ausfüllplatz an alten Sandgruben, toten Winkeln usw. ergibt,

dann muß eben eine solche Grube für derartiges altes Gerümpel angelegt

werden, die später, wenn sie bis zu einer gewissen Höhe gefüllt ist,

wieder geschlossen wird.

Ich weiß nicht, ob gesetzlich solche Vorschriften bestehen. Ist das der

Fall, dann müssen sie streng eingehalten werden. Ist es nicht der Fall,

so müssen solche ins Leben gerufen und durchgeführt werden. Nicht, um

die Gemeinden zu schikanieren und ihnen neue und etwa unnötige Lasten

(so wird man sagen!) aufzubürden, obwohl die Kosten überhaupt kaum ins

Gewicht fallen dürften, sondern um einer geradezu rapid zunehmenden

Verschandelung unserer Heimat entgegenzuarbeiten.

Das ist auch ein Stück Heimatschutz.

Alle Wandervereine, alle Jugendgruppen sollten sich mit dem

Heimatschutzbund zu dieser Hilfeleistung verbinden.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVII, Heft 3–4 · 第 34 / 68 题