I.

Gesammelt werden _alle_ Flurnamen (Fln), gleichviel ob sie der

deutschen oder einer anderen Sprache angehören. Unbedeutend scheinende

dürfen nicht wegbleiben, da es für die Forschung keine unbedeutenden

gibt. Anstößige sind unter keinen Umständen zu verändern oder gar zu

unterdrücken, weil sie in mehrfacher Hinsicht von ganz besonderer

Wichtigkeit sind. Unter Fln versteht man alle heute oder ehemals

gebräuchlichen Eigennamen für irgendwelche Örtlichkeiten oder

Geländestücke, nämlich

~A.~ stehende und fließende Gewässer (Gn) und was damit

zusammenhängt (Flüsse, Bäche, Seen, Teiche, Sümpfe, Moore,

Torfstiche, Quellen, Wasserlöcher, Pfuhle, Brücher,

Wasserfälle, Strudel, Stromschnellen, Furten, Wehre, alte

Flußarme, Inseln, Buchten, Landzungen, Vorsprünge, alle

Arten von Gräben, Untiefen im Sinne sowohl von besonders

seichten als auch von besonders tiefen Stellen, Züge =

Fangbezirke und Schonreviere der Fische in Flüssen, Seen,

Meeren und Meeresteilen),

~B.~ Wälder, kleinere Waldungen, Heiden, Gehölze, Wildbahnen,

Schneisen, Forststreifen, Förstereien, einzelne Bäume,

Büsche und Sträucher (Wn),

~C.~ Berge, Höhenzüge, Bergrücken, Anhöhen, Hügel, Felsen,

Berghänge, Almen (Alpen), Täler, Schluchten aller Art,

Höhlen, Wolfsgruben, Erdfälle, Bergwerke (einschließlich

Gruben und Zechen nebst Gebäuden), Dünen und Ebenen (Bn),

~D.~ Ackerflächen, Wiesen, Brücher, Triften, Weiden, Gärten,

Weinberge (Fln im engeren Sinne),

~E.~ Grenzen, Grenzraine, Landwehren (Häge usw.),

~F.~ alle trockenen Verkehrsadern vom kleinsten Steige bis

zur großen Straße mit allem, was damit verwandt ist oder

zusammenhängt, wie Knüppeldämme, Brücken, Überführungen,

Unterführungen, Tunnel, Kreuzwege (Stn. – Die städtischen

Stn werden nur insoweit aufgenommen, als sie auf alte Fln

zurückgehen),

~G.~ menschliche Ansiedlungen in jeder Form, insbesondere

Dorfteile, Abbauten, Weiler, Einzelhöfe und Einzelanwesen,

Schlösser, Burgen (Burgberge, Burgställe), Ruinen,

Burgwälle, Schanzen (Schwedenschanzen), Vorwerke,

Schäfereien, Mühlen, Ziegeleien, Fabriken, Waldschmieden,

Hämmer, Glashütten, Kirchen und Kapellen,

~H.~ alle Natur- und Kulturdenkmäler von den ältesten,

vorgeschichtlichen Zeiten bis zur Gegenwart, wie

Hünengräber, Gräberfelder, Steinsetzungen, Steinkreise,

Wegkreuze, Denksteine, Erinnerungsbänke.

Über die ungemein vielseitige Bedeutung der Flurnamenforschung,

unter anderem für die Vor- und Frühgeschichte, die Wirtschafts-,

Verfassungs-, Rechts-, Kirchen-, Siedlungs-, Orts-, Familien-,

Landesgeschichte, die Sprachwissenschaft, die Volkskunde, die

Volkswirtschaft, die Geologie, den Bergbau von heute, unterrichtet

gut das »Gespräch (zwischen einem Sammler und Lehrer) über hessische

Ortsbezeichnungen und vom Wert ihrer Sammlung« bei W. Hotz, Die Fln

der Grafschaft Schlitz (Großh. hess. Staatsverlag, 1912); kurze

Zusammenfassung des Inhalts im Neuen Archiv für sächsische Geschichte

XLII (1921) 177 ff. Zur weiteren Einführung in die Forschung seien

Remigius _Vollmanns_ Buch »Fln-Sammlung« (4. Auflage, München,

Gebr. Giehrl, 1926) und Hans _Beschorners_ »Handbuch der deutschen

Fln-Literatur« (Frankfurt a. M., M. Diesterweg, 1928) empfohlen.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVII, Heft 3–4 · 第 18 / 68 题