Die Sünde meiner Lippen ist durch die deinige getilgt.]

Juliette.

Also tragen nun meine Lippen die Sünde, die sie von den deinigen

weggenommen haben.

Romeo.

Sünde von meinen Lippen? O! angenehme Strenge! Gebt mir meine Sünde

nur wieder zurük.

Juliette.

Ihr habt küssen gelernt; ich verstehe mich nicht darauf.

Amme.

Gnädiges Fräulein, eure Frau Mutter möchte gern ein Wort mit euch

sprechen--

(Juliette entfernt sich.)

Romeo.

Wer ist ihre Mutter?

Amme.

Sapperment, junger Herr, ihre Mutter ist hier die Frau vom Hause,

und eine brave, gescheidte, tugendsame Frau. Ich säugte ihre

Tochter, mit der ihr geredet habt; und ich sag euch, wer sie kriegt,

bekommt so gewiß eine Jungfer--

Romeo (indem er sich entfernt, vor sich.)

Eine Capulet? O Himmel! Mein Herz und mein Leben sind

unwiderbringlich in der Gewalt meiner Feindin.

Benvolio.

Weg, wir wollen gehen, der gröste Spaß ist vorbey.

Romeo.

Das fürcht' ich selbst, das übrige wird mich mehr als meinen Schlaf

kosten.

Capulet.

Nein, ihr Herren, geht noch nicht weg, wir haben noch ein kleines

schlechtes Nachtessen vor uns--Wie, muß es denn seyn? Nun dann, so

dank ich euch allen--Ich dank euch, meine liebe Herren, gute Nacht--

Mehr Fakeln her--

(Zu den übrigen:)

Kommt hinein, und dann zu Bette.--Ah, guter Freund, bey meiner

Treu, es ist schon späte. Ich will in mein Bette.

(Sie gehen nach einander ab.)

Juliette.

Ein wenig hieher, Amme--Wer ist der junge Herr dort?

Amme.

Der einzige Sohn des alten Tiberio.

Juliette.

Wer ist der, der eben izt zur Thüre hinausgeht?

Amme.

Das ist der junge Petrucchio, bild' ich mir ein.

Juliette.

Wer ist der, der ihm folgt, der nicht tanzen wollte?

Amme.

Ich kenn' ihn nicht.

Juliette.

Geh, frage nach seinem Namen

(leise.)

Wenn er schon vermählt ist, so ist sehr wahrscheinlich, daß mein

Grab mein Braut-Bette seyn wird.

Amme.

Er heißt Romeo, er ist ein Montague, der einzige Sohn von unserm

großen Feind.

Juliette (vor sich.)

O Himmel! der, den ich einzig lieben kan, ist der, den ich einzig

hassen sollte--Zu früh gesehn, eh ich ihn kannte; und zu spät

erkannt; was für eine seltsame Mißgeburt ist meine Liebe--ich liebe--

meinen verhaßtesten Feind.

Amme.

Was sagtet ihr da? Was habt ihr?

Juliette.

Ein paar Reime, die ich eben von einem gelernt, mit dem ich tanzte.

(Man ruft hinter der Scene Juliette.)

Amme.

Gleich, gleich; Kommt, wir wollen gehen, die Fremden sind schon

alle fort.

(Sie gehen ab.)

([Zum Beschluß dieses Aufzugs tritt ein Chor auf, und sagt den

Zuschauern in vierzehn Reimen, was sie vermuthlich von selbst

errathen hätten--daß Romeo, seit der Nacht, da er die schöne

Juliette gesehen, seine erste Liebste nicht mehr schön befunden--

daß er nun Julietten liebe, und von ihr wieder geliebt werde)--(daß

die tödtliche Feindschaft ihrer Häuser zwar die Sympathie ihrer

Herzen nicht habe verhindern können, aber ihnen hingegen alle

Gelegenheit abschneide, sich zu sehen und zu sprechen, ohne daß

jedoch dieser harte Zwang eine andre Würkung gethan habe, als die

Heftigkeit ihrer Liebe und Sehnsucht zu verdoppeln.])

Zweyter Aufzug.

Erste Scene.

(Die Strasse.)

(Romeo tritt allein auf.)

Romeo.

Kan ich weggehen, wenn mein Herz hier ist? Dreh dich zurük, plumpe

Erde, und suche deinen Mittelpunct.

(Er geht ab.)

(Indem er sich entfernt, treten Benvolio und Mercutio von der

andern Seite auf und werden ihn gewahr.)

Benvolio.

Romeo, Vetter Romeo!

Mercutio.

Er ist klug, und schleicht sich, auf mein Leben, heim zu Bette.

Benvolio.

Nein er lief diesen Weg, und sprang dort über die Garten-Mauer. Ruf

ihm, Mercutio!

Mercutio.

Nicht nur das, ich will ihn gar beschwören. He! Romeo!

Grillenfänger! Wetterhahn! Tollhäusler! Liebhaber! Erscheine du,

erschein in der Gestalt eines Seufzer, rede, aber in lauter Reimen,

und ich bin vergnügt. Ächze nur, Ach und O! reime nur Liebe und

Triebe, sag meiner Gevatterin Venus nur ein einziges hübsches

Wörtchen, häng' ihrem stokblinden Sohn und Erben nur einen einzigen

Über-Namen an, (dem jungen Abraham Cupido, ihm der so gut schoß,

als König Cophetua um ein Bettel-Mädchen seufzte*--doch er hört

nicht, er rührt sich nicht, er giebt kein Zeichen von sich; der

Affe ist todt, ich muß ihn schon beschwören--So beschwör' ich dich

dann bey Rosalinens schönen Augen, bey ihrer hohen Stirne, und bey

ihren Purpur-Lippen, bey ihrem niedlichen Fuß, schlanken Bein,

runden Knie, und bey den angrenzenden schönen Gegenden, beschwör'

ich dich, daß du uns in deiner eignen Gestalt erscheinest!

{ed.-* Eine doppelte Anspielung, auf eine alte Ballade, oder

Romanze, und einen damals bekannten Schüzen, der Abraham hieß.}

Benvolio.

Wenn er dich hörte, würdest du ihn böse machen.

Mercutio.

Das kan ihn nicht böse machen: Das würd' ihn böse machen, wenn ich

einen Geist von irgend einer seltsamen Gestalt in seines Mädchens

Circel citierte, und ihn so lange dort stehen liesse, bis sie ihn

gelegt und zu Boden beschworen hätte; das wäre was, das er

vielleicht übel nehmen könnte--Aber meine Citation ist ehrlich und

redlich, und ich beschwör' ihn, in seiner Liebsten Namen, einzig

und allein zu seinem eignen Besten.

Benvolio.

Kommt, er hat sich vermuthlich hinter diese Bäume verstekt, um

keine andre Gesellschaft zu haben, als die schwermüthige Nacht; die

Liebe ist blind, und schikt sich am besten in die Dunkelheit.

Mercutio.

Izt wird er dir unter einem Mispeln-Baum sizen, und wünschen, daß

seine Liebste von der Art von Früchten seyn möchte, welche die

Mädchens Mispeln nennen, wenn sie allein zusammen schwazen--Gute

Nacht, Romeo, ich will in mein Roll-Bette, ich; dieses Feld-Bette

ist mir zu kalt; kommt, wollen wir gehen?

Benvolio.

Es wird klüger seyn, als hier jemand zu suchen, der sich nicht

finden lassen will.

Zweyte Scene.

(Verwandelt sich in Capulets Garten.)

(Romeo tritt auf.)

Romeo.

Der lacht über Narben, die nie keine Wunde fühlte--Aber stille! was

für ein Licht bricht aus jenem Fenster hervor? Es ist der Osten,

und Juliet ist die Sonne--

(Juliette erscheint oben am Fenster.)

Geh auf, schöne Sonne, und lösche diese neidische Luna aus, die

schon ganz bleich und krank vor Verdruß ist, daß du, ihr Mädchen,

schöner bist als sie. Sey nicht länger ihre Aufwärterin, da sie so

neidisch ist; ihre Vestalen-Livree ist nur blaß und grün, und wird

nur von Thörinnen getragen; wirf sie ab--Sie spricht, und sagt doch

nichts; was ist das?--Ihr Auge redt, ich will ihm antworten--Wie

voreilig ich bin! Sie redt nicht mit mir: Zween von den schönsten

Sternen des ganzen Himmels, die anderswo Geschäfte haben, bitten

ihre Augen, daß sie, indessen bis sie wiederkommen, in ihren

Sphären schimmern möchten--Wie wenn ihre Augen dort wären, und jene

in ihrem Kopfe? Der Glanz ihrer Wangen würde diese Sterne beschämen,

wie Tag-Licht eine Lampe; ihre Augen, wenn sie am Himmel stühnden,

würden einen solchen Strom von Glanz durch die Luft herabschütten,

daß die Vögel zu singen anfiengen, und dächten, es sey nicht Nacht:

Sieh! sie lehnt ihre Wange an ihre Hand! O daß ich ein Handschuh an

dieser Hand wäre, damit ich diese Wange berühren möchte!

Juliette.

Ach! ich Unglükliche!--

Romeo.

Sie redt. O, rede noch einmal, glänzender Engel! Denn so über

meinem Haupt schwebend scheinst du diesen Augen so glorreich als

ein geflügelter Bote des Himmels den weitofnen emporstarrenden

Augen der Sterblichen, die, vor Begierde ihn anzugaffen, auf den

Rüken fallen--wenn er die trägschleichenden Wolken theilend auf dem

Busen der Luft in majestätischem Flug dahersegelt.

Juliette.

O Romeo, Romeo--Warum bist du Romeo?--Verläugne deinen Vater und

entsage deinem Namen--oder wenn du das nicht willt, so schwöre mir

nur ewige Liebe und ich will keine Capulet mehr seyn.

Romeo (leise.)

Soll ich länger zuhören, oder auf dieses antworten?

Juliette.

Nicht du, bloß dein Nahme ist mein Feind; du würdest du selbst seyn,

wenn du gleich kein Montague wärest--Was ist Montague?--Es ist

weder Hand noch Fuß, weder Arm noch Gesicht, noch irgend ein andrer

Theil. Was ist ein Name; Das Ding das wir eine Rose nennen, würde

unter jedem andern Namen eben so lieblich riechen. Eben so würde

Romeo, wenn er schon nicht Romeo genannt würde, diese ganze

reizende Vollkommenheit behalten, die ihm, unabhängig von diesem

Namen, eigen ist--Romeo, gieb deinen Namen weg, und für diesen

Namen, der kein Theil von dir ist, nimm mein ganzes Ich.

Romeo.

Ich nehme dich beym Wort; nenne mich nur deinen Freund, und ich

will meinem Taufnamen entsagen, ich will von nun an nicht mehr

Romeo seyn.

Juliette.

Wer bist du, der hier, in Nacht gehüllt, mein einsames

Selbstgespräche belauscht?

Romeo.

Durch einen Namen weiß ich dir nicht zu sagen, wer ich bin; mein

Name, theure Heilige, ist mir selbst verhaßt, weil er ein Feind von

dir ist. Ich wollt' ihn zerreissen, wenn ich ihn geschrieben hätte.

Juliette.

So neu sie mir ist, so kenn' ich doch diese Stimme--Bist du nicht

Romeo, und ein Montague?

Romeo.

Keines von beyden, schöne Heilige, wenn dir eines davon mißfällt.

Juliette.

Wie kamst du hieher, sage mir das, und warum? Die Garten-Mauer ist

hoch und schwer zu ersteigen, und der Ort Tod, wenn dich einer von

meinen Verwandten gewahr würde.

Romeo.

Mit der Liebe leichten Flügeln überflog ich diese Mauern, einen zu

schwachen Wall gegen den mächtigsten Gott; was die Liebe thun kan,

dazu hat sie auch den Muth; und deßwegen können deine Verwandten

mich nicht abschreken.

Juliette.

Wenn sie dich sehen, so ermorden sie dich.

Romeo.

O Götter! Es ist mehr Gefahr in deinem Aug als in zwanzig ihrer

Schwerdter; sieh nur du mich huldreich an, so verlache ich alles

was ihr Groll gegen mich unternehmen kan.

Juliette.

Ich wollte nicht um die ganze Welt, daß sie dich hier sähen.

Romeo.

Der Mantel der Nacht wird mich vor ihren Augen verbergen, und wenn

nur du mich liebst, so mögen sie mich immer finden; besser daß ihr

Haß mein Leben ende, als daß der Mangel deiner Liebe meinen Tod

verlängre.

Juliette.

Wer gab dir Anweisung diesen Plaz zu finden?

Romeo.

Die Liebe, die mich antrieb ihn zu suchen; sie lehnte mir Wiz, und

ich lehnte ihr Augen--Ich bin kein Steuermann, aber wärst du so

fern als jenes vom entferntesten Ocean bespülte Ufer, ich würd' um

ein solches Kleinod mein Leben wagen.

Juliette.

Die Maske der Nacht liegt auf meinem Gesicht, sonst würde meine

glühende Wange dir zeigen, wie beschämt ich bin, daß du mich reden

hörtest da ich allein zu seyn glaubte. Vergeblich würd' ich izt

mich befremdet stellen wollen, vergeblich, vergeblich läugnen

wollen was ich gesprochen habe--So fahre dann wohl, Verstellung!

Liebst du mich? Ich weiß, du wirst sagen, ja; und ich will mit

deinem Wort zufrieden seyn--wenn du schwörst, so könntest du

meineydig werden; Jupiter lacht nur, sagen sie, zu den falschen

Schwüren der Verliebten. O werther Romeo, sey redlich, wenn du mir

sagst, du liebest mich: Oder wenn du denkst, ich lasse mich zu

leicht gewinnen, so will ich sauer sehen, und verkehrt seyn, und

dir nein sagen--aber anders nicht um die ganze Welt--In der That

liebenswürdiger Montague, ich bin zu zärtlich; du könntest deswegen

nachtheilig von meiner Aufführung denken; Aber glaube mir, edler

Jüngling, du wirst mich in der Probe zuverläßiger finden, als

diejenigen welche List genug haben sich zuverstellen und Umstände

zu machen. Ich würde selbst mehr gemacht haben, ich muß es bekennen,

wenn der Zufall dich nicht, mir unwissend, zum Zeugen meiner

zärtlichen Gesinnungen gemacht hätte. Vergieb mir also, und denke,

um dieser schleunigen Ergebung willen, nicht schlimmer von einer

Liebe, die dir die dunkle Nacht so unverhoft entdekt hat.

Romeo.

Fräulein, bey jenem himmlischen Mond schwör' ich, der alle diese

frucht-vollen Wipfel mit Silber mahlt--

Juliette.

O schwöre nicht bey dem Mond, dem unbeständigen Mond, der alle

Wochen in seinem cirkelnden Kreise sich ändert--oder deine Liebe

könnte eben so veränderlich werden.

Romeo.

Wobey soll ich denn schwören?

Juliette.

Schwöre gar nicht, oder wenn du ja willst, so schwöre bey deinem

anmuthsvollen Selbst, bey dem theuren Gegenstand meiner Anbetung,

und ich will dir glauben.

Romeo.

Wenn jemals meine redliche Liebe--

Juliette.

Gut, schwöre nicht--So angenehm du selbst mir bist, so ist mir doch

diese nächtliche Verbindung nicht angenehm; sie ist zu rasch, zu

unbesonnen, zu plözlich zu ähnlich dem Bliz, der schon aufgehört

hat zu seyn, eh man sagen kan, es blizt--Gute Nacht, mein Liebster.

Diese Knospe von Liebe kan durch des Sommers reiffenden Athem sich

zu einer schönen Blume entfalten, bis wir wieder zusammen kommen.

Gute Nacht, gute Nacht--Eine so süsse Ruhe komme über dein Herz,

als die, so ich in meiner Brust empfinde!

Romeo.

O, willt du mich so unbefriediget verlassen?

Juliette.

Und was für eine Befriedigung kanst du noch verlangen?

Romeo.

Die Auswechslung des Gelübds deiner treuen Liebe gegen das Meinige.

Juliette.

Das that ich schon, eh du mich darum batest, und ich wollte lieber

ich hätt' es nicht gethan.

Romeo.

Möchtest du dein Herz wieder zurüknehmen? Warum das, meine Liebe?

Juliette.

Nur damit ich dir's noch einmal geben könnte--und doch, was wünsch'

ich mir damit, als was ich schon habe? Meine Zärtlichkeit ist so

grenzenlos als die See, meine Liebe so tief; je mehr ich dir gebe,

je mehr ich habe, denn beyde sind unerschöpflich--Ich höre ein

Getöse--Lebe wohl, mein Geliebter--

(Man ruft Julietten hinter der Scene.)

Gleich, gute Amme; lieber Romeo, sey getreu warte nur ein wenig,

ich komme gleich wieder.

(Sie geht weg.)

Romeo.

O, glükliche, glükliche Nacht! Ich besorge nur, weil es Nacht ist,

daß alles das nur ein Traum sey; es ist zu schmeichelnd-süß um

würklich zu seyn. (Juliette kommt wieder.)

Juliette.

Drey Worte, liebster Romeo, und dann gute Nacht, im Ernst--Wenn die

Absicht deiner Liebe rechtschaffen ist, und auf eine geheiligte

Verbindung abzielet, so laß mich durch jemand, den ich morgen an

dich schiken will, wissen, wann und wo du die Ceremonien verrichten

lassen willst, und ich bin bereit, mein ganzes Glük zu deinen

Füssen zu legen, und dir, mein Liebster, durch die ganze Welt zu

folgen.

(Man ruft Julietten hinter der Scene.)

Ich komme gleich--wenn du es aber nicht wohl meynst, so bitt' ich

dich--

(Man ruft wieder)

Den Augenblik--ich komme--gieb deine Bewerbung auf und überlaß

mich meinem Gram--Morgen will ich schiken--

Romeo.

So möge meine Seele leben--

Juliette.

Tausendmal gute Nacht--

(Sie geht weg.)

Romeo.

Wie kann dein Wunsch erfüllt werden, da du mich verlässest?--

Schmerzen-volles Scheiden!--Liebe zu Liebe eilt so freudig wie

Schulknaben von ihren Büchern--aber wenn Liebe sich von Liebe

scheiden soll, da geht's der Schule zu, mit schwermüthigen Bliken--

(Er entfernt sich.)

(Juliette kommt noch einmal zurük.)

Juliette.

St! Romeo! St!--Wo nemm' ich eines Falkeniers Stimme her, um diesen

Terzelot sachte wieder zurük zuloken--Ich darf nicht laut ruffen,

sonst wollt ich die Höle wo Echo ligt zersprengen, und ihre helle

Zunge von Wiederholung meines Romeo heiser machen.

Romeo.

Ist es meine Liebe die mir bey meinem Namen ruft? welche Musik tönt

so süß als die Stimme der Geliebten durch die Nacht hin dem

Liebenden tönt!

Juliette.

Romeo!

Romeo.

Meine Liebe!

Juliette.

In welcher Stunde soll ich morgen zu dir schiken?

Romeo.

Um neun Uhr.

Juliette.

Ich will es nicht vergessen, es ist zwanzig Jahre bis dahin--Ich

habe vergessen, warum ich dich zurükrief.

Romeo.

Laß mich hier stehen, biß es dir wieder einfällt.

Juliette.

Deine Gegenwart ist mir so angenehm, daß ich vergessen werde, daß

ich dich zu lange hier stehen lasse.

Romeo.

Und ich stehe so gerne hier, daß ich mich nicht erinnre eine andre

Heimat zu haben als diese.

Juliette.

Es ist bald Morgen--Ich wollte du wärest weg, und doch nicht weiter

als der Vogel eines spielenden Mädchens, den sie ein wenig von

ihrer Hand weghüpfen läßt, aber aus zärtlicher Eifersucht über

seine Freyheit, wenn er sich zu weit entfernen will, den armen

kleinen Gefangnen gleich wieder an einem seidnen Faden zurükzieht.

Romeo.

Ich wollt' ich wäre dein Vogel.

Juliette.

Das wollt' ich auch, mein Herz, wenn ich nicht fürchtete daß ich

dich gar zu tode liebkosen möchte. Gute Nacht, gute Nacht. Das

Scheiden kommt mich so sauer an, daß ich so lange gute Nacht sagen

werde, biß es Morgen ist.

(Sie geht weg.)

Romeo.

Schlummer ruhe auf deinen Augen, und süsser Friede in deiner Brust!

Möcht' ich der Schlaf und der Friede seyn, um so lieblich zu ruhen!--

Ich gehe nun in die Celle meines Geistlichen Vaters, ihm mein Glük

zu entdeken und ihn um seinen Beystand zu bitten.

(ab.)

Dritte Scene.

(Verwandelt sich in ein Kloster.)

(Pater Lorenz tritt mit einem Korb auf.)

Lorenz.

Der grau-augichte Morgen lächelt die runzelnde Nacht weg, und

zeichnet die östlichen Wolken mit Streiffen von Licht; indem die

geflekte Finsterniß gleich einem Betrunknen, den brennenden Rädern

des Titan aus dem Wege taumelt. Nun ist es Zeit, daß ich, eh das

flammende Auge der Sonne näher kömmt, dem Tag zu liebkosen, und den

nächtlichen Thau aufzutroknen, diesen Korb mit balsamischen

Kräutern und Blumen von heilsamer Kraft anfülle. Die Erde, die

Mutter der Natur, ist auch ihr Grab, und dieses fruchtbare Grab

ists, aus dessen Schoos alle diese verschiednen Kinder entspringen,

die wir saugend an ihrem mütterlichen Busen hangen sehen; jede Art

mit besondern Kräften begabt, jede mit einer eignen Tugend

geschmükt, und keine der andern gleich. Wie groß ist nicht die

manchfaltige Kraft die in Pflanzen, Kräutern und Steinen ligt!

Nichts was auf der Erde sich findet, ist so schlecht, daß die Erde

nicht irgend einen besondern Nuzen davon ziehe; nichts so gut,

dessen Mißbrauch nicht schädlich sey. Die Tugend selbst, wird durch

Überspannung oder irrige Anwendung zum Laster, und das Laster

hingegen zuweilen durch die Art wie es ausgeübt wird, geadelt--In

dieser kleinen Blume hier liegt Gift und Heil-Kraft beysammen; ihr

Geruch stärkt und ermuntert alle Lebens-Kräfte; gekostet hingegen,

raubt sie den Sinnen alle Empfindung, und das Leben selbst. Zween

eben so feindselige Gegner ligen allezeit in jedes Menschen Brust,

die Gnade, und der verdorbne Wille, und wo dieser die Oberhand

gewinnt, da hat der krebsartige Tod nur gar zu bald die ganze

Pflanze aufgefressen. (Romeo zu dem Vorigen.)

Romeo.

Guten Morgen, Vater.

Bruder Lorenz.

Benedicite! Was für eine frühe Zunge grüßt mich so freundlich?--

Junger Sohn, es zeigt einen verstörten Kopf an, daß du dein Bette

so früh schon verlässest. Sorgen wachen wohl in alter Leute Augen,

und wo Sorge wohnt, wird der Schlaf nie sein Nachtlager nehmen:

Aber wo kummerfreye Jugend mit unbeladnem Hirn ihre Glieder ruhen

läßt, da herrschst der goldne Schlaf. Dein frühes Aufseyn ist mir

also ein Zeichen daß irgend eine aufrührische Leidenschaft deine

innerliche Ruhe stört--oder wenn dieses nicht ist, nun, so ist's

bald errathen, daß unser Romeo diese Nacht gar nicht zu Bette

gegangen ist.

Romeo.

Das leztere ist wahr, weil mir eine süssere Ruhe zu theil ward.

Bruder Lorenz.

Gott verzeihe dir deine Sünde! warst du bey Rosalinen?

Romeo.

Bey Rosalinen, mein geistlicher Vater? Nein. Ich habe sie bis auf

ihren Namen vergessen.

Bruder Lorenz.

Das ist mein guter Sohn! Aber wo bist du denn gewesen?

Romeo.

Ich will es aufrichtig gestehen; ich befand mich vor einiger Zeit,

unerkannt, bey einem Gastmal meines Feindes; dort wurd' ich

unversehens, von einer Person verwundet, die ich zu gleicher Zeit

verwundet habe; du besizest die geheiligte Arzney, die uns allein

helfen kan; du siehest, heiliger Mann, daß ich keinen Haß in meinem

Herzen hege, da meine Bitte sich auf meinen Feind erstrekt.

Bruder Lorenz.

Rede gerad und ohne Umschweiffe mit mir, mein Sohn; eine

räthselhafte Beicht' erhält auch nur einen räthselhaften Ablaß.

Romeo.

So wisse dann, daß ich des reichen Capulets schöne Tochter liebe;

ihr Herz hängt an meinem, wie das meinige an dem ihrigen: Alles ist

schon unter uns verglichen, und um gänzlich vereinigt zu seyn,

fehlt uns nichts, als der Knoten, den du machen kanst. Wenn, wo,

und wie, wir einander zuerst gesehen, geliebt, und unsre Herzen

ausgetauscht haben, will ich dir hernach erzählen; alles warum ich

izt bitte, ist, daß du einwilligest uns heute noch zu vermählen.

Bruder Lorenz.

Heiliger Franciscus! Was für eine Veränderung ist das! Ist Rosaline,

die du so zärtlich liebtest, so schnell vergessen? So sizt wohl

die Liebe junger Leute bloß in ihren Augen und nicht im Herzen!

Jesu, Maria! Was für Fluthen von Thränen haben deine Wangen um

Rosalinen willen überschwemmt! Die Sonne hat deine Seufzer noch

nicht vom Himmel weggewischt, dein Gewinsel hallt noch in meinen

alten Ohren; sieh, hier sizt auf deiner Wange noch der Flek von

einer alten Thräne, die noch nicht weggewaschen ist. Wenn du damals

du selbst warst, so gehörst du Rosalinen--und du bist ihr untreu

worden? So gestehe dann, daß es unbillig ist, auf den Leichtsinn

der Weiber zu schmählen, da in Männern selbst keine Standhaftigkeit

ist.

Romeo.

Und doch beschaltest du mich so oft, daß ich Rosalinen liebe?

Bruder Lorenz.

Daß du in sie vernarrt warst, nicht daß du sie liebtest, mein Kind--

Romeo.

Und befahlst mir, meine Liebe zu begraben?

Bruder Lorenz.

Aber nicht eine neue aus ihrem Grab heraus zu holen.

Romeo.

Ich bitte dich, schohne meiner; Sie die ich liebe, erwiedert meine

Zuneigung durch die ihrige; das that die andre nicht.

Bruder Lorenz.

Ohne Zweifel sagte ihr Herz ihr vorher, wie unzuverläßig das

deinige sey! Doch komm nur, junger Flattergeist, folge mir; dein

Wankelmuth kan vielleicht gute Folgen nach sich ziehen. Diese

Verbindung kan das gesegnete Mittel werden, den alten Haß eurer

Familien auszulöschen--und in dieser einzigen Betrachtung will ich

dir behülflich seyn.

Romeo.

O laß uns gehen, ich habe keine Zeit zu versäumen--

Bruder Lorenz.

Bedächtlich und langsam! Wer zu schnell lauft, stolpert leicht.

(Sie gehen ab.)

Vierte Scene.

(Verwandelt sich in die Strasse.)

(Benvolio und Mercutio treten auf.)

Mercutio.

Wo, zum T**, mag denn dieser Romeo seyn? Kam er verwichene Nacht

nicht nach Hause?

Benvolio.

Sein Bedienter sagt, nein.

Mercutio.

Wie, zum Henker, dieses bleichsüchtige, hartherzige Mensch, diese

Rosaline quält ihn, daß er endlich zum Narren d'rüber werden wird.

Benvolio.

Tybalt, des alten Capulets Neffe, hat einen Brief in seines Vaters

Haus geschikt.

Mercutio.

Eine Ausforderung, auf mein Leben!

Benvolio.

Romeo wird ihm antworten, wie sich's gebührt.

Mercutio.

Auf einen Brief kan endlich ein jeder antworten, der Schreiben

gelernt hat.

Benvolio.

Nein, ich meyne, Tybalt wird seinen Mann in Romeo finden.

Mercutio.

Wollte Gott! Aber ach, der arme Romeo! er ist schon tod; von einer

weissen Dirne schwarzem Aug zu tod gestochen! mit einem Liebes-

Liedchen durch und durch--die Ohren gestossen! Der kleine blinde

Bogenschüze hat ihm den Herz-Bendel abgeschossen; und er soll der

Mann seyn, sich mit einem Tybalt zu messen?

Benvolio.

Wie, was ist denn Tybalt--

Mercutio.

Mehr als der Fürst der Kazen; das glaube mir--O, das ist der

herzhafte Obrist-Leutenant aller Complimente; er ficht dir so

leicht als du einen Gassen-Hauer singst, und bohrt dir nach der

Cadenz, troz dem besten Tanzmeister--mit eins, zwey, drey, sein

Federmesser in den Busen, daß es eine Lust zu sehen ist--ein wahrer

Mörder eines seidnen Knopfs, ein Duellist, ein Duellist! Ein Mann,

der immer zu förderst an der Spize seines hohen Hauses steht, ein

Mann der sich nach den Noten schlägt--ah, der unsterbliche

(Passado), der (Punto reverso), der--Hey! --

Benvolio.

Der--was?

Mercutio.

Der Henker hohle diese frazigten, lispelnden, affectierten Narren!

Diese süssen Bürschchen, die mit einem halbausländischen Accent

ausruffen: Jesu! die allerliebste Klinge!--Der allerliebste

Grenadier!--die allerliebste H**!--Wie, ist es nicht erbärmlich,

Großvater, daß wir mit diesen Schmetterlingen, mit diesen Mode-

Frazen, diesen (pardonnés-moi's) heimgesucht seyn sollen, die so

steiff auf der neuen Mode halten, daß sie unmöglich auf dem alten

Bank ruhig sizen können?--O! ihre (bons), ihre (bons!) (Romeo zu

den Vorigen.)

Benvolio.

Hier kommt Romeo, hier kommt er--

Mercutio.

Ohne seinen Rogen, wie ein gedörrter Häring--O Fleisch, Fleisch,

wie bist du fischificiert!--Izt ist er in den Harmonien vertieft,

worinn Petrarch daherfließt: Laura war gegen sein Fräulein nur ein

Küchen-Mensch--Zum Henker, sie hatte einen Liebhaber der sie besser

bereimen konnte--Dido war gegen sein Mädchen nur eine dike Säug-

Amme, Helena und Hero Mezen und Landstreichers-Waare, Thisbe ein

kazen-augichtes Ding, oder so was--Aber nun zur Sache! Signor Romeo,

(bon jour); das ist ein französischer guter Morgen für eure

französischen Hosen--Ihr spieltet uns einen artigen Streich lezte

Nacht--

Romeo.

Guten Morgen--meine Freunde: Was für einen Streich spielt' ich euch

dann?

Mercutio.

Daß ihr so davon schlüpftet, wie wir euch ruften.

Romeo.

Um Vergebung, mein lieber Mercutio, mein Geschäfte war wichtig, und

in einem solchen Fall wie der meinige, ist es einem ehrlichen Mann

erlaubt, eine kleine Ausnahme von den Regeln der Höflichkeit zu

machen--* (Die Amme, mit Peter, ihrem Diener, zu den Vorigen.)

{ed.-* Hier fängt sich bis zum Auftritt der Amme eine Art von wizigem

Duell mit Wortspielen, und abgeschmakt-sinnreichen Einfällen

zwischen Romeo und Mercutio an, welcher leztere zuweilen auch noch

mit schmuzigen Scherzen um sich wirft, wenn er sich nicht anders

mehr zu helfen weiß--Man kennt schon diese Mode-Seuche von unsers

Autors Zeit, und erlaubt uns, eine Lüke zu machen, wo es in unsrer

Sprache unmöglich ist so wizig zu seyn wie seine Spaß-Macher.}

Amme.

Peter--

Peter.

He?

Amme.

Meinen Fächer, Peter--

Mercutio.

Thu es, guter Peter, damit sie ihr Gesicht verbergen kan; ihr

Fächer ist doch das schönste von beyden.

Amme.

Guten Tag geb euch Gott, ihr Herren.

Mercutio.

Ein gutes Mittag-Essen geb euch Gott, schönes Frauenzimmer.

Amme.

Ist es schon Mittag-Essens-Zeit?

Mercutio.

Es ist nicht weniger, sag ich euch; denn die--** ([Nachdem diese

drey jungen Herren eine Zeitlang ihren geistreichen Spaß mit der

Amme gehabt haben, welche dem Romeo sagt, daß sie einen Auftrag an

ihn habe, so führen sich endlich die beyden andern ab, und Romeo

bleibt bey der Amme zurük.])

{ed.-** Eine abermalige Lüke, die sich von einer Zote des sinnreichen

Mercutio anhebt, und im Original mit dem albersten Zeug von der

Welt ausgefüllt ist.}

Amme.

Ich bitte euch, Gnädiger Herr, wer war der grobe Geselle da, der so

voller Raupereyen stekte?

Romeo.

Ein junger Edelmann, Amme, der sich selber gerne reden hört, und in

einer Minute mehr sagt, als er in einem Monat zu verantworten im

Sinn hat.

Amme.

Wenn er etwas wider mich sagte, so wollt' ich ihn auf den Boden

kriegen, und wenn er noch einmal so muthig wär' als er ist, und

zwanzig solche Hansen; und wenn ich nicht kan, so will ich die wol

finden, die es können--der Schurke, der! Ich bin keine von seinen

Fleder-Wischen; ich bin keine von seinen Unter-Pfülben! Und du must

so da stehn, und zusehen, wie ein jeder Flegel seine Lust an mir

büßt?

Peter.

Ich sah niemand seine Lust an euch büssen; wenn ich so was gesehen

hätte, ich wollte bald mit der Fuchtel heraus gewesen seyn, das

versichr' ich euch. Ich habe so viel Herz als ein andrer, wenn ich

Sicherheit in einem Handel sehe, und das Gesez auf meiner Seite ist.

Amme.

Nun, bey Gott, ich bin so übel, daß alles an mir zittert--der

garstige Mensch! Ich bitte euch, Gnädiger Herr, ein einziges Wort;

und wie ich euch sagte, mein junges Fräulein befahl mir euch

aufzusuchen; was sie mir sagte, daß ich sagen sollte, will ich bey

mir behalten; aber ich will nur so viel sagen, wenn ihr sie ins

Narren-Paradies führen würdet, wie man zu sagen pflegt, so wär' es

gewißlich eine grosse Sünde, denn das Fräulein ist jung, und wenn

ihr sie also nur betrügen wolltet, so wär' es in der That nicht

hübsch mit einem jungen Fräulein umgegangen--

Romeo.

Empfiehl mich deiner Fräulein; ich protestiere dir--

Amme.

Das gute Herz! Wohl, meiner Treue, das will ich ihr sagen: Herr,

Gott, sie wird sich vor Freude kaum zu lassen wissen--

Romeo.

Was willt du ihr denn sagen, Amme? Du hörst mich ja nicht an.

Amme.

Ich will ihr sagen, Gnädiger Herr, daß ihr protestiert, welches,

wie ich's verstehe, ein recht honnettes Anerbieten von einem jungen

Cavalier ist--

Romeo.

Sag ihr, sie möchte ein Mittel ausfindig machen, diesen Nachmittag

zur Beichte zu gehen; so solle sie in Bruder Lorenzens Celle zu

gleicher Zeit absolviert und copuliert werden--Hier ist was für

deine Mühe.

Amme.

Nein, wahrhaftig, Gnädiger Herr, nicht einen Pfenning.

Romeo.

Geh, geh, mach keine Umstände, du must--

Amme.

Diesen Nachmittag, Gnädiger Herr? Gut, wir wollen uns einfinden.

Romeo.

Noch eins, gute Amme; warte hinter der Kloster-Mauer, mein Diener

soll binnen dieser Stunde bey dir seyn, und dir eine Strik-Leiter

bringen, die mich diese Nacht auf den Gipfel meiner Glükseligkeit

führen soll. Lebe wohl, sey getreu, und ich will deine Mühe

reichlich belohnen.

Amme.

Nun, Gott im Himmel segne dich! Hört einmal, Gnädiger Herr--

Romeo.

Was willt du mir sagen, meine liebe Amme?

Amme.

Ist euer Bedienter auch verschwiegen? Hörtet ihr niemal sagen,

zween können ein Geheimniß am besten bey sich behalten, wenn man

einen davon thut?

Romeo.

Ich stehe dir davor, mein Kerl ist so zuverlässig als Stahl und

Eisen.

Amme.

Gut, Gnädiger Herr, mein Fräulein ist das holdseligste Fräulein von

der Welt--Herr Gott! wie sie noch ein kleines plapperndes Ding war--

O,--es ist ein Edelmann in der Stadt, ein gewisser Paris, der

seinen Mann gar zu gern bey ihr anbringen möchte; aber sie, die

gute Seele, sie säh eben so gern eine Kröte als sie ihn sieht: Ich

erzürne sie manchmal und sag ihr, Paris sey der schönere von beyden--

aber das versichr' ich euch, wenn ich so rede, so wird sie so

bleich wie ein weisses Tuch--Fangen nicht Rosmarin und Romeo beyde

mit einem Buchstaben an?

Romeo.

Ja, Amme, warum fragst du das? Beyde mit einem R.

Amme.

Ah, Spottvogel! Das ist ja ein Hunds-Name--Nein, nein, ich weiß, es

fangt mit einem andern Buchstaben an, und sie sagt die artigsten

Sentenzien darüber, über euch und den Rosmarin, daß es euch im

Herzen wohlthäte, wenn ihr's hörtet.

Romeo.

Meine Empfehlung an dein Fräulein--

(Romeo geht ab.)

Amme.

O, tausendmal, Peter--

Peter.

He?

Amme.

Nimm meinen Fächer, und geh voran.

(Sie gehen ab.)

Fünfte Scene.

(Verwandelt sich in Capulets Haus.)

(Juliette tritt auf.)

Juliette.

Die Gloke schlug neun, wie ich die Amme ausschikte: und sie

versprach in einer halben Stunde wieder zu kommen. Vielleicht kan

sie ihn nicht finden--Das kan es nicht seyn--Oh, sie ist lahm. Die

Boten der Liebe sollten Gedanken seyn, die zehnmal schneller

fortschlüpfen als Sonnenstralen, wenn sie von dämmernden Hügeln die

Schatten der Nacht vertreiben. Deßwegen ziehen leicht-geflügelte

Dauben die Liebes-Göttin, und deßwegen hat der Wind-schnelle Cupido

Schwingen. Die Sonne hat bereits den höchsten Gipfel ihrer

täglichen Reise erstiegen; von neun bis zwölf sind drey lange

Stunden--und doch ist sie noch nicht da--O, hätte sie warmes

jugendliches Blut und ein gerührtes Herz, sie würde so schnell seyn

als ein Ball; meine Worte würden sie zu meinem Geliebten stossen,

und die seinigen zu mir--

(Die Amme und Peter treten auf.) O Gott, sie kommt--O Zuker-Amme,

was bringst du mir für eine Zeitung? Hast du ihn angetroffen?--

Schik deinen Diener weg.

Amme.

Peter warte vor der Tür auf mich.

(Peter geht ab.)

Juliette.

Nun, gute liebe Amme--O Himmel, warum siehst du so finster? Wenn

deine Zeitung böse ist, so solltest du doch freundlich dazu

aussehen; und ist sie gut, so verderbst du ihre Musik, wenn du sie

mir mit einem sauern Gesicht vorspielst.

Amme.

Ich bin müde, laßt mich ein wenig ausruhen--Fy, meine Beine

schmerzen mich, was das für ein Gang war!

Juliette.

Ich wollte du hättest meine Beine, und ich deine Zeitung. Nein,

komm, ich bitte dich, rede--Gute, liebe Amme rede.

Amme.

Jesu! was für eine Ungeduld! Könnt ihr denn nicht ein wenig warten?

Seht ihr nicht, daß ich ganz ausser Athem bin.

Juliette.

Wie bist du ausser Athem, da du Athem genug hast mir zu sagen, daß

du ausser Athem bist? Die Entschuldigung die du für dein Zaudern

machst ist länger als die Erzählung, auf die du mich warten läßst.

Ist deine Zeitung gut oder böse? Antworte mir nur das; Sag eines

von beyden, und ich will auf die Umstände warten; laß mich nicht in

der Unruh, ist sie gut oder böse?

Amme.

Wohl, wohl, ihr habt eine feine Wahl getroffen; ihr wißt nicht wie

man sich einen Mann auslesen muß: Romeo nein, er nicht; und doch,

wenn sein Gesicht gleich nicht besser ist als andrer Leute ihres,

so hat er doch die schönsten Waden, die man sehen kan; und was eine

Hand, einen Fuß, und einen Leib anbetrift, wenn man schon nicht

davon redt, so sind sie doch unvergleichlich. Er ist kein

Complimenten-Narr nicht, aber ich bin gut davor, daß er so sanft

ist wie ein Lamm--Geh deines Wegs, Mädchen, und danke Gott--Wie,

habt ihr schon zu Mittag gegessen?

Juliette.

Nein, nein aber das alles wußt' ich schon vorher; was sagt er von

unsrer Verheurathung? was sagt er davon?

Amme.

Herr, wie mir der Kopf weh thut! was ich für einen Kopf habe! Es

schlägt nicht anders drinn, als ob er in zwanzig Stüke fallen

sollte--Und mein Rüken--O mein Rüken, mein Rüken! Gott verzeih' es

euch, daß ihr mich ausgeschikt, mit auf- und ablauffen mein Leben

einzubüssen.

Juliette.

Bey meiner Treue, es ist mir leid, daß du so übel bist. Liebe,

liebe, liebe Amme, ich bitte dich, was sagt mein Romeo?

Amme.

Euer Romeo redt wie ein rechtschaffner Edelmann, und ein artiger,

und ein freundlicher, und ein hübscher, und, ich bin gut dafür,

auch ein tugendhafter--Wo ist eure Mutter?

Juliette.

Wo meine Mutter ist? Wie, sie ist in ihrem Zimmer; wo soll sie

sonst seyn? Wie wunderlich du fragst? Euer Liebhaber redt wie ein

rechtschaffner Edelmann--wo ist eure Mutter! --

Amme.

O heilige Mutter Gottes, wie hizig ihr seyd! Wahrhaftig, ihr macht

mir's, daß es nicht recht ist. Ist das der Lohn für meine Schmerzen

in den Beinen? Ein andermal rüstet eure Gesandschaften selbst aus--

Juliette.

Was du für einen Lerm machst? Komm, was sagt Romeo?

Amme.

Habt ihr Erlaubniß gekriegt, heut zur Beichte zu gehen?

Juliette.

Ja.

Amme.

So macht euch, sobald ihr könnt, nach Bruder Lorenzens Celle; dort

wartet ein Mann auf euch, der euch zu einem Weibe machen will--Nun

rennt das muthwillige Blut wieder in eure Wangen--Man kan euch kaum

was neues sagen, so sind sie lauter Scharlach. Geht ihr zur Kirche;

ich muß einen andern Weg, eine Leiter zu holen, auf der euer

Liebhaber zu einem Vogel-Nest hinaufklettern soll, so bald es

dunkel seyn wird. Ich bin den ganzen Tag mit euerm Vergnügen

geplagt, aber heute Nacht werdet ihr die Last selber tragen. Geht,

ich will zum Mittag-Essen, macht ihr daß ihr in die Celle kommt.

Juliette.

Wie glüklich bin ich! Leb wohl indessen, gute Amme!

(Sie gehen ab.)

Sechste Scene.

(Verwandelt sich in das Kloster.)

(Bruder Lorenz und Romeo treten auf.)

Bruder Lorenz.

So lächle der Himmel auf diese heilige Handlung, daß keine

nachfolgende Unglüks-Stunden uns zur Reue zwingen mögen!

Romeo.

Amen, Amen! Doch komme was für ein Unglük auch will, es kan die

Wonne nicht überwiegen, die mir eine einzige kurze Minute in ihrem

Anblik giebt: Vereinige du nur mit heiligen Worten unsre Hände, und

dann mag der Tod selbst sein ärgstes thun; es ist genug, wenn ich

sie nur mein nennen kann.

Bruder Lorenz.

Diese heftigen Entzükungen nehmen gemeiniglich ein plözliches Ende,

und sterben in ihrem Triumph; wie Feuer und Pulver, die sich, indem

sie sich begegnen, verzehren. Des süssesten Honigs wird man um

seiner Süssigkeit willen zulezt überdrüssig. Liebe also mässig,

damit du lange lieben könnest; zu schnell kommt eben so spät an,

als zu langsam.

(Juliette zu den Vorigen.)

Hier kommt das Fräulein. Wie munter, wie leicht auf den Füssen sie

ist! Ein Verliebter könnte das leichte Pflaum-Federchen besteigen,

das in der üppigen Sommer-Luft herumflattert, und würde doch nicht

fallen, so leicht ist Eitelkeit.

Juliette.

Guten Abend, mein geistlicher Vater.

Bruder Lorenz.

Romeo, meine Tochter, soll dir für uns beyde danken.

Juliette.

Ich wünsche ihm eben so viel, sonst wäre sein Dank zu viel.

Romeo.

Ah! Juliette, wenn das Maaß deiner Freude so aufgehäuft ist als das

meinige, und du fähiger bist als ich, sie auszudrüken, o so

versüsse durch deinen Athem diese umgebende Luft, und laß die

zauberische Musik deiner Zunge die Glükseligkeit entfalten, die wir

beyde von dieser frohen Zusammenkunft erhalten.

Juliette.

Mein Herz ist zu voll von seinem Glük, als daß es sich in Worte

ergiessen könnte--Die sind nur arm, welche sagen können, wie reich

sie sind--Meine Zärtlichkeit ist zu einem solchen Übermaaß

gestiegen, daß ich nicht die Hälfte meines Reichthums anzugeben

vermag.

Bruder Lorenz.

Kommt, kommt mit mir, und wir wollen kurze Arbeit machen; denn, mit

eurer Erlaubniß, sollt ihr nicht allein beysammen bleiben, bis die

heilige Kirch aus beyden (Einen) Leib gemacht hat.

(Sie gehen ab.)

Dritter Aufzug.

Erste Scene.

(Die Strasse.)

(Mercutio und Benvolio mit ihren Bedienten treten auf.)

Benvolio.

Ich bitte dich, lieber Mercutio, laß uns gehen, der Tag ist heiß,

und die Capulets schwärmen in den Strassen herum; wenn wir ihnen

begegnen, so wird es unfehlbar Händel absezen; denn in diesen

heissen Tagen ist das tolle Blut aufrührisch.

Mercutio.

Du kommst mir gerade so vor, wie einer von den tapfern Männern, die,

wenn sie in ein Weinhaus kommen, gleich ihren Degen auf den Tisch

schmeissen und sagen: Gott gebe daß ich dich nicht nöthig habe!

aber sobald ihnen die zweyte Flasche in den Kopf gestiegen ist, ihn

gegen den Keller-Jungen ziehen, welches sie in der That nicht

nöthig hatten.

Benvolio.

Und einem solchen Burschen bin ich gleich?

Mercutio.

Komm, komm, wenn du aufgebracht bist, bist du ein so hiziger

Klingen-Fresser als irgend einer in Italien--und das schlimmste

dabey ist, daß du eben so schnell aufzubringen bist, als du hizig

bist, wenn man dich aufgebracht hat.

Benvolio.

Wie kömmt das?

Mercutio.

Wahrhaftig, wenn zween solche wären wie du, wir würden gar bald gar

keinen haben, denn einer würde den andern in der ersten Stunde

aufreiben. Du? du fängst ja Händel mit einem an, weil er ein Haar

mehr oder weniger in seinem Bart hat, als du; du würdest mit einem

anbinden, der Nüsse aufknakte, ohne eine andre Ursache angeben zu

können, als weil du nußbraune Augen hast. Dein Kopf ist so voller

Händel, als ein Ey voll von Dotter und Eyer-Klar--und doch ist dir

dieser nemliche Kopf, um deiner Schlägereyen willen, schon so weich

geschlagen worden, als ein gesottnes Ey. Du hast dich mit einem

geschlagen, der auf der Strasse hustete, weil er deinen Hund damit

aufgewekt habe, der in der Sonne schlafend lag. Fiengst du nicht

mit einem Schneider Händel an, weil er sein neues Wams vor Ostern

trug? und mit einem andern, weil er seine neue Schuhe mit einem

alten Nestel zugeknöpft hatte? Und du willt hier den Hofmeister mit

mir machen, und mich vor Händeln warnen!

Benvolio.

Wenn ich so händelsüchtig wäre wie du, es würde mir niemand zwo

Stunden um mein Leben geben--

(Tybalt, Petrucchio und andre von den Capulets treten auf.) Bey

meinem Kopf, hier kommen die Capulets--

Mercutio.

Bey meiner Ferse, ich frage nichts darnach.

Tybalt.

Haltet euch dicht an mir, ich will mit ihnen reden--Guten Tag,

meine Herren, ein Wort mit einem von euch.

Mercutio.

Warum nur Ein Wort? Kuppelt es mit einem leibhaftern Ding zusammen,

macht daß ein Wort und eine Ohrfeige draus wird.

Tybalt.

Ihr sollt mich willig genug dazu finden, Herr, wenn ihr mir

Gelegenheit dazu geben wollt.

Mercutio.

Könnt ihr denn keine Gelegenheit nehmen, ohne daß man sie euch

geben muß?

Tybalt.

Mercutio, du ziehst immer mit Romeo herum--

Mercutio.

Herumziehen! wie, machst du Bier-Fidler aus uns? Wenn du Bier-

Fidler aus uns machst, so erwarte nichts bessers als Mißtöne zu

hören--Hier ist mein Fiddel-Bogen--Hier ist was, das euch tanzen

machen soll!--Höll-Teufel! Herumziehen!

(Er legt die Hand an seinen Degen.)

Benvolio.

Wir sind hier mitten unter den Leuten. Entweder zieht euch an einen

abgelegnen Ort zurük, oder macht euren Zwist mit kaltem Blut aus;

hier gaffen uns alle Augen an.

Mercutio.

Die Leute haben ihre Augen drum, damit sie sehen sollen; laß sie

gaffen; ich will niemand zum Gefallen von der Stelle gehen, ich.

(Romeo zu den Vorigen.)

Tybalt.

Gut! Ihr könnt Friede haben, Herr! Hier kommt mein Mann.

Mercutio.

Aber ich will gehangen seyn, Herr, wenn er euere Liverey trägt;

geht nur zuerst zu Felde, er wird euch auf dem Fusse folgen; in

diesem Sinn kan Eu. Gnaden ihn wol einen Mann heissen.

Tybalt.

Romeo, die Liebe die ich zu dir trage, giebt mit keinen bessern

Gruß für dich als diesen, du bist ein nichtswürdiger Kerl--

Romeo.

Tybalt, die Ursache die ich habe dein Freund zu seyn, ist groß

genug, mich gegen die beleidigende Wuth eines solchen Grusses

unempfindlich zu machen--Ich bin nicht was du sagst--Also, lebe

wohl; ich sehe, du kennst mich nicht.

Tybalt.

Junge, damit sollst du nicht für die Beleidigungen davon kommen,

die ich von dir empfangen habe; kehr um, und zieh.

Romeo.

Ich schwöre dir, daß ich dich nie beleidigt habe; ich liebe dich

mehr als du dir einbilden kanst; und bis du die Ursach erfahren

wirst, warum ich dich liebe, guter Capulet,

(leiser)

--dessen Name mir so theuer ist als mein eigner--gieb dich

zufrieden.

Mercutio.

Wie? So gelassen? O schimpfliche, niederträchtige Gelassenheit!--

Tybalt, du Razenfänger, willt du mit mir kommen?

Tybalt.

Was willst du von mir?

Mercutio.

Guter Kazen-König, nichts als eines von deinen neun Leben, um ein

bißchen lustig damit zu machen, und je nach dem ihr euch künftig

aufführen werdet, euch auch die übrigen auszuklopfen. Wollt ihr

euern Degen ziehen? Macht hurtig--

Tybalt.

Ich bin zu euern Diensten.

(Er zieht.)

Romeo.

Liebster Mercutio, stek dein Rapier ein.

Mercutio.

Wolan, Herr, einen kleinen Gang.

(Mercutio und Tybalt fechten.)

Romeo.

Zieh, Benvolio--hilf mir ihnen die Degen aus den Händen schlagen--

Meine Herren--Um's Himmels willen, haltet ein--Tybalt--Mercutio--

Ihr wißt das ausdrükliche Verbot des Fürsten--Halt, Tybalt--armer

Mercutio--

(Tybalt geht ab.)

Mercutio.

Ich bin verwundet--Verderben über eure beyde Häuser! Ich habe

meinen Theil. Ist er weg, und hat nichts?

Benvolio.

Wie, bist du verwundet?

Mercutio.

Ja, ja, eine Rize, eine Nadelrize--Zum Henker, es ist genug, wo ist

mein Diener? Geh, Schurke, hol einen Wund-Arzt.

Romeo.

Gutes Muths, Mann, die Wunde wird nicht viel zu bedeuten haben.

Mercutio.

Nein, sie ist nicht so tief als ein Zieh-Brunnen, noch so weit als

eine Kirchen-Thür, aber sie ist eben recht, so viel ich brauche;

fragt morgen wieder nach mir. Ich bin gepfeffert für diese Welt,

das glaubt mir; der Henker hole eure beyden Häuser! Wie? ein Hund,

eine Raze, eine Maus, eine Kaze soll einen Mann zu tod krazen? Eine

feige Hure, ein Schurke, ein Lumpen-Kerl, der nach dem Rechenbuch

ficht? Warum zum Teufel kam't ihr zwischen uns? Ich wurde unter

euerm Arm gestossen--

Romeo.

Ich that es aus der besten Absicht.

Mercutio.

Hilf mir in irgend ein Haus, Benvolio, oder ich werde umsinken--Die

Pest über eure Häuser! Sie haben eine Wurms-Mahlzeit aus mir

gemacht; ich hab' es, und bald genug--Den Teufel über eure Häuser!--

(Mercutio und Benvolio gehen ab.)

Zweyte Scene.

Romeo.

Dieser Edelmann, ein naher Verwandter des Prinzen, mein bester

Freund, muß um meinetwillen sein Leben lassen--meine Ehre ist durch

Tybalts Lästerungen beflekt, Tybalts, der kaum seit einer Stunde

mein Vetter ist: O süsse Juliette, deine Schönheit hat mich

weibisch gemacht--Würd' ein Mann soviel leiden und gelassen

bleiben? (Benvolio tritt auf.)

Benvolio.

O Romeo, Romeo, der brave Mercutio ist todt--

Romeo.

Dieser unglükselige Tag, es ahnet mir, wird mehr andre nach sich

ziehen--

(Tybalt zu den Vorigen.)

Benvolio.

Hier kommt der rasende Tybalt wieder zurük.

Romeo.

Lebend, im Triumph? und Mercutio ist erschlagen? Hinweg gen Himmel,

zurükhaltende Sanftmuth, und du, feuer-augichte Wuth, sey nun meine

Führerin! Nun, Tybalt nimm den nichtswürdigen Kerl zurük, den du

vorhin mir gabst--Mercutio's Seele schwebt nicht weit über unsern

Häuptern und wartet auf die deinige--Du oder ich, einer von uns muß

ihm Gesellschaft leisten.

Tybalt.

Du, armseliger Junge, der hier mit ihm zu lauffen gewohnt war, du

sollst mit ihm.

(Sie fechten; Tybalt fällt.)

Benvolio.

Romeo, hinweg, fliehe--die Bürger lauffen zusammen, und Tybalt ist

erschlagen--Steh nicht so sinnlos da--der Prinz wird dein Todes-

Urtheil sprechen, wenn du ergriffen wirst--Hinweg, fliehe, fort!

Romeo.

O! Ich unglükseliger Ball des Glüks--

Benvolio.

Wie, du zögerst noch?

(Romeo entweicht.)

Dritte Scene.

(Einige Bürger treten auf.)

Bürger.

Welchen Weg floh Tybalt, der den Mercutio ermordet hat? Wo floh er

hin?

Benvolio.

Hier ligt Tybalt.

Bürger.

Auf, Herr, geht mit mir--ich befehle dir's in des Fürsten Namen,

gehorche. (Der Prinz, Montague, Capulet, ihre Weiber, u. s. w.

treten auf.)

Prinz.

Wo sind die schändlichen Urheber dieser Unruh?

Benvolio.

Gnädigster Herr, ich kan den ganzen unglüklichen Hergang dieses

fatalen Zwists erzählen; hier ligt, vom jungen Romeo erschlagen,

der Mann der den tapfern Mercutio, euern Vetter erschlug.

Lady Capulet.

Tybalt, mein Neffe! O meines Bruders Kind! Unglükseliger Anblik! O

weh mir, das Blut meines liebsten Neffen ist vergossen--Prinz, so

wahr du diesen Namen verdienst, so laß unser Blut durch das Blut

des mördrischen Montague gerochen werden.

Prinz.

Benvolio, wer war der Anfänger des Handels?

Benvolio.

Tybalt, der hier von Romeo's Hand erschlagen ligt, von Romeo, der

ihm freundlich zuredete, ihn bat die Gefährlichkeit der Händel, die

er anfieng, zu bedenken, und daß er sich die schärfste Ahndung von

Eurer Durchlaucht zuziehen werde; aber alles was er mit sanfter

Stimme, ruhigen Bliken, und demüthig gebognen Knien sagte, war

nicht vermögend die wüthende Galle des tauben Tybalts zu

besänftigen--noch ihn abzuhalten, den scharfen Stahl nach des

kühnen Mercutio Brust zu züken, der gleich hizig ihm Stoß um Stoß

wiedergab, und mit furchtlosem Kaltsinn, mit der einen Hand den

kalten Tod auf die Seite schlug, mit der andern ihn zu Tybalt zurük

sandte, von dessen geschikter Faust er gleich wieder auf seinen

Gegner zurükprallte.--Romeo ruft was er kan: haltet ein! Freunde!

Freunde, haltet ein! und schneller als seine Zunge schlägt sein

behender Arm beyder tödtliche Klingen nieder, und stürzt sich

zwischen sie: Aber in eben diesem Augenblik durchbort, unter seinem

Arm, ein unglüklicher Stoß von Tybalt des unbändigen Mercutio's

Herz; Tybalt entflieht, aber bald kommt er wieder zu Romeo zurük,

den eines Freundes Tod zur Rache anspornt, und wie der Bliz sind

sie an einander: Denn eh ich sie von einander reissen konnte, war

Tybalt erschlagen, und so wie er fiel, begab sich Romeo auf die

Flucht. Diß ist die Wahrheit, oder laßt Benvolio sterben.

Lady Capulet.

Er ist ein Verwandter von den Montaguen, die Freundschaft macht ihn

verdächtig, er sagt nicht die Wahrheit. Es waren ihrer wenigstens

zwanzig gegen den einzigen Tybalt, weniger als diese zwanzig hätten

nichts über ihn vermocht. Ich verlange Justiz, Prinz, und es ist

nicht in deiner Gewalt sie abzuschlagen. Romeo tödtete Tybalt,

Romeo soll nicht leben!

Prinz.

Romeo erschlug ihn, und er erschlug den Mercutio--von wem soll dann

ich das werthe Blut meines Anverwandten fordern?

Lady Montague.

Nicht von Romeo, Prinz, er war Mercutio's Freund: Sein ganzer

Fehler war, daß er dem Mörder Tybalt das Leben nahm, welches ihm

das Gesez ohnehin genommen hätte.

Prinz.

Und dieses Verbrechens wegen verbannen wir ihn von Stund an aus

Verona--Euere Feindschaft, euer ungezähmter Groll kostet mich mein

eignes Blut, es ist hohe Zeit um meiner eignen Sicherheit willen

ihm Einhalt zu thun. Ich will es, ich will durch den Zwang der

Straffen erhalten, was Drohung nicht vermocht hat. Keine

Entschuldigungen! Keine Vorbitten! weder Thränen noch Fußfälle

sollen die ermüdete Gerechtigkeit versöhnen--Laßt Romeo

unverzüglich fliehen, oder die Stunde, worinn er ergriffen wird,

ist seine lezte--Traget diesen Leichnam von hinnen, und erwartet

meinen fernern Willen--Gnade wird selbst zur Mörderin, wenn sie

Mördern vergiebt.

(Sie gehen ab.)

Vierte Scene.

(Verwandelt sich in ein Zimmer in Capulets Haus.)

(Juliette tritt allein auf.)

Juliette.

Eilet, eilet davon, ihr feurigen Rosse der Sonne, euerm Nachtlager

zu--ein solcher Führer, wie Phaeton war, würde euch bald nach

Westen gepeitscht, und in einem Augenblik den Tag in düstre Nacht

verwandelt haben--Spreite deinen dichten Vorhang aus,

Liebebefördernde Nacht! daß die Augen des müden Phöbus niken, und

unbesprochen und ungesehn Romeo in diese Arme fliege. Liebende

sehen genug zu ihren zärtlichen Geheimnissen beym Glanz ihrer

eignen Schönheiten: Oder wenn die Liebe blind ist, so taugt sie am

besten zur Nacht. Komm, stille Nacht, gleich einer sittsamen

Matrone ganz in Schwarz gekleidet; komm und lehre mich ein

gewinnreiches Spiel verliehren, das um ein paar unbeflekte

Jungferschaften gespielt wird--Verhülle das unbemannte Blut, das

meine Wangen erhizt, in deinen schwarzen Schleyer, bis die

ungewohnte Liebe kühner wird, und in ihren brünstigsten Ausbrüchen

nichts als Unschuld findt. Komm, Nacht, komm, Romeo, komm du Tag in

der Nacht, denn du wirst auf den Flügeln der Nacht weisser als

Schnee auf eines Raben Rüken ligen; komm, holde Nacht, komm,

liebende, schwarz-augichte Nacht! Gieb mir meinen Romeo, und wenn

er einst sterben muß, so nimm ihn und schneid ihn in kleine Sterne

aus, und er wird dem Antliz des Himmels eine so reizende Anmuth

geben, daß die ganze Welt in die Nacht verliebt werden, und den

Flitter-Glanz der Sonne nichts mehr achten wird--O wie lang, wie

verdrießlich lang ist dieser Tag, so lang, wie die Nacht vor einem

Festtag einem ungeduldigen Kinde, das neue Kleider bekommen hat,

und sie noch nicht tragen darf. O, hier kommt meine Amme--

(Die Amme mit einer Strik-Leiter.) und bringt mir Nachrichten--

jede Zunge, die meines Romeo Namen ausspricht, ist die Zunge eines

Engels für mich--Nun Amme, was giebt's neues? Was hast du hier? Die

Strik-Leiter die Romeo dich holen hieß?

Amme.

Ja, ja, die Strik-Leiter--

Juliette.

Weh mir! was ist begegnet? warum ringst du die Hände?

Amme.

Ach! daß's Gott erbarm'! er ist todt, er ist todt, er ist todt! wir

sind verlohren, Fräulein, wir sind verlohren!--Ach, daß's Gott

erbarm! er ist hin, er ist umgebracht, er ist todt!

Juliette.

Kan der Himmel so mißgünstig seyn?

Amme.

Was der Himmel nicht kan, kan Romeo--O Romeo! Romeo! Wer hätte sich

das einbilden können, Romeo?

Juliette.

Was für ein Teufel bist du, der mich so martert? Diese Folter

sollte im Abgrund der Hölle geheult werden! Hat Romeo sich selbst

ermordet? Sag nur ja, und diese einzige Sylbe wird mich schneller

vergiften als das todtschiessende Auge des Basilisken.

Amme.

Ich sah die Wunde, ich sah sie mit meinen Augen, Gott behüte mich!

Hier--auf seiner männlichen Brust. Eine erbärmliche Leiche, eine

blutige erbärmliche Leiche, bleich, bleich wie Asche, ganz mit Blut

beschmiert, lauter geronnen Blut--es wurde mir ohnmächtig wie ich

es sah.

Juliette.

O brich mein Herz--schließt euch zu, meine Augen; öffnet euch nicht

mehr--stirb, arme Unglükliche, daß dich und Romeo Eine Baare drüke!

Amme.

O Tybalt, Tybalt, der beste Freund den ich hatte: O freundlicher,

wakrer, edler Tybalt, daß ich leben mußte, dich todt zu sehen!

Juliette.

Was für ein Sturm ist das, der von so entgegenstehenden Seiten

bläst. Ist Romeo erschlagen, und ist Tybalt todt? Mein

vielgeliebter Vetter, und mein geliebterer Gemahl? Wenn das ist, so

mag die Posaune zum allgemeinen Gerichts-Tag blasen--Denn wer lebt

noch, wenn diese zween nicht mehr sind?

Amme.

Tybalt ist todt, und Romeo verbannt; Romeo, der ihn erschlug, ist

verbannt.

Juliette.

O Gott! Romeo's Hand vergoß Tybalts Blut?

Amme.

Das that sie, das that sie, leider Gott erbarm's, das that sie.

Juliette.

O Schlangen-Herz, unter einem blühenden Gesicht verborgen! wohnte

jemals ein Drache in einer so schönen Höhle? Liebreizender Unmensch,

Englischer Teufel!--O Natur, was hast du in der Hölle zu thun,

wenn du den Geist eines solchen Teufels in ein irdisches Paradies

herbergest? War jemals ein Buch von so schändlichem Inhalt so schön

eingebunden? O, daß in einem so prächtigen Palast gleißnerisches

Laster wohnen soll!

Amme.

Es ist weder Treu, noch Glauben, noch Ehrlichkeit in diesen

Mannsleuten; sie sind alle meineydig, alle Verräther, lauter Nichts,

alle Heuchler--Ah! wo ist mein Diener? Gieb mir ein wenig Aquavit--

Dieser Jammer, diese Noth, diese Sorgen machen eins vor der Zeit

grau--Schaam über diesen Romeo!

Juliette.

Verflucht sey deine Zunge durch einen solchen Wunsch! Er ward nicht

zur Schaam gebohren, sie untersteht sich nicht auf seine Stirne zu

sizen: Sie ist ein Thron, wo die Ehre zum allgemeinen Monarchen der

ganzen Welt gekrönt werden sollte! O was für eine Unglükliche war

ich, so wider ihn auszubrechen!

Amme.

Wolltet ihr gut von dem Mörder euers Verwandten reden?

Juliette.

Soll ich übel von meinem Ehemann reden? Ach, armer Gemahl, was für

eine Zunge soll deinem Namen liebkosen, da ich, dein dreystündiges

Weib, ihn mißhandelt habe?--Aber warum, Unglüklicher, tödtetest du

meinen Vetter? Dieser Vetter, der Unglükselige! würde sonst meinen

Gemahl getödtet haben. Zurük, thörichte Thränen, zurük in eure

Quelle; ihr seyd ein Zoll der dem Kummer gebührt, und ihr bietet

ihn aus Irrthum der Freude dar? Mein Gemahl lebt, den Tybalt

ermorden wollte, und Tybalt ist todt, der meinen Gemahl gern

getödtet hätte; alles dieses ist Trost; warum wein' ich dann? Ach!

es war noch ein Wort, schlimmer als Tybalts Tod, das mich ermordet

hat; ich streb' umsonst es zu vergessen, ach! es dringt sich meinem

Gedächtniß auf, wie das Bewußtseyn böser Thaten dem Gemüthe des

Sünders; Tybalt ist todt und Romeo verbannt; dieses (verbannt),

dieses einzige Wort verbannt, hat zehntausend Tybalts ermordet;

Tybalts Tod war für sich allein Unglüks genug--Oder wenn das Unglük

ja Gesellschaft haben will, warum folgte, wie sie sagte--Tybalt ist

todt--warum folgte nicht, dein Vater, oder deine Mutter, oder gar

beyde? Aber mit diesem gräßlichen Nachklang: auf, Tybalt ist todt--

Romeo ist verbannt--Durch dieses einzige Wort ist Vater, Mutter,

Tybalt, Romeo, Juliet, alles erschlagen, alles todt!--Romeo

verbannt! Es ist weder Ziel, noch Maaß, noch Ende in dem Tod dieses

Worts--es sind keine Worte die den Jammer ausdrüken, den es in sich

hält. Wo ist mein Vater und meine Mutter, Amme?

Amme.

Weinend und jammernd über Tybalts Leiche. Wollt ihr zu ihnen? Ich

will euch hinführen.

Juliette.

Waschen sie seine Wunden mit Thränen? Meine sollen, wenn die

ihrigen vertroknet sind, über Romeo's Verbannung fliessen. Nimm

diese Strike zu dir--arme Strike, ihr seyd verrathen, ihr und ich;

Romeo ist verbannt! Er wollte sich auf euch einen Weg zu meinem

Bette machen; aber nun werd' ich als eine verwittwete Jungfrau

sterben. Komm, Strik-Leiter; komm, Amme; ich will in mein Braut-

Bette, um dem Tod, nicht meinem Romeo in die Arme zu sinken.*

{ed.-* Im Original sagt Juliette: (And Death, not Romeo, take my

Maidenhead!)--Shakespear mußte einen Reim auf den vorhergehenden

Vers haben, und es ist kein Unsinn, keine Unanständigkeit, die er

sich nicht erlauben sollte, um sich nicht lang auf einen Reim

besinnen zu dürfen.}

Amme.

Geht in euer Zimmer; ich will den Romeo aufsuchen, der euch trösten

soll. Ich weiß wol wo er ist; ich will zu ihm, er ist in Bruder

Lorenzens Celle.

Juliette.

O such ihn, find ihn, gieb ihm diesen Ring, und bitt' ihn daß er

komme, sein leztes Lebewohl zu nehmen.

(Sie gehen ab.)

Fünfte Scene.

(Verwandelt sich in das Kloster.)

(Bruder Lorenz und Romeo treten auf.)

Bruder Lorenz.

Romeo, komm hervor, hervor du furchtsamer Mann; der Kummer ist in

deine Schönheit verliebt, und du bist mit der Wiederwärtigkeit

verheurathet.

Romeo.

Was bringt ihr mir neues, mein Vater? Was ist des Prinzen Urtheil?

Was für ein noch unbekanntes Elend will Bekanntschaft mit mir

machen?

Lorenz.

Nur allzuvertraut ist mein theurer Sohn mit so beschwerlicher

Gesellschaft. Ich bringe dir Nachricht von des Prinzen Urtheil.

Romeo.

Was weniger kan mein Urtheil seyn als der Tod?

Lorenz.

Ein milderer Spruch ergieng von seinen Lippen--Nicht dein Tod, nur

deine Verbannung.

Romeo.

Ha! Verbannung! Sey mitleidiger, sage, Tod; denn Verbannung hat

weit mehr schrekliches in ihren Bliken als der Tod selbst. Sage

nicht, Verbannung.

Lorenz.

Hier aus Verona bist du verbannt; sey geduldig, die Welt ist weit

und breit.

Romeo.

Ausser Verona's Mauern ist keine Welt, sondern nichts als Fegfeuer,

Abgrund und Hölle. Von hier verbannt ist aus der ganzen Welt

verbannt, und aus der Welt verbannt seyn, ist Tod. Dieses

(verbannt) ist nur ein unrecht benannter Tod; wenn du den Tod

Verbannung nennst, so ist das nichts bessers als ob du mir den Kopf

mit einem goldnen Beil abhautest und zu dem Streich lächeltest,

womit du mir das Leben nimmst.

Lorenz.

O Todsünde! O rohe Undankbarkeit! Auf dein Vergehen sezt unser

Gesez den Tod; der gütige Fürst tritt dazwischen, stößt das Gesez

auf die Seite, und verwandelt das schwarze Wort Tod in Verbannung;

welch eine Gnade, und du siehst sie nicht?

Romeo.

Marter ist's, nicht Gnade! Der Himmel ist da, wo Juliette lebt;

jede Kaze, jeder Hund, jede kleine Maus, jedes unwürdige Ding lebt

hier im Himmel, und kan sie ansehen, nur Romeo nicht. Armselige

Schmeis-Fliegen haben mehr Recht, sind achtbarer, edler, glüklicher

als Romeo; sie können sich auf die weisse Hand meiner theuren

Juliette sezen, und unsterbliche Wonne von ihren Lippen stehlen--

Fliegen können das thun, indeß daß ich von ihr fliehen muß; und

sagst du noch, daß Verbannung nicht Tod ist?--Sie können's, nur

Romeo kan nicht, denn er ist verbannt--Hast du keinen Gift-Trank,

keinen Dolch, kein plözliches Todes-Werkzeug, (so elend es seyn mag,

kan es doch nicht so elend seyn als verbannt) mir das Leben zu

nemmen? Ha! Verbannt! O Vater, die Verdammten in der Hölle brauchen

dieses Wort, und Heulen folgt darauf--Wie kanst du so unbarmherzig

seyn, du ein Mann Gottes, ein geistlicher Vater, ein Beichtiger,

und mein erklärter Freund, mich mit diesem verfluchten Wort, zu

zerschmettern?

Lorenz.

Wahnwiziger, liebeskranker Thor, höre mich reden--

Romeo.

O du willst wieder von Verbannung anfangen--

Lorenz.

Ich will dir Waffen geben, wodurch du dieses Wort von dir abhalten

kanst; die süsse Milch der Wiederwärtigkeit--Philosophie, die dich

beruhigen wird, ob du gleich verbannt bist.

Romeo.

Immer noch verbannt? An den Galgen mit Philosophie; wenn

Philosophie nicht eine Juliette machen, eine Stadt versezen, die

Urthel eines Prinzen aufheben kan, so hilft sie nicht, so nüzt sie

nichts, sagt mir nichts mehr davon--

Lorenz.

Nun dann, tolle Leute haben keine Ohren, wie ich sehe.

Romeo.

Wie sollten sie, wenn kluge Leute keine Augen haben?

Lorenz.

Komm, laß uns vernünftig von deinen Umständen reden--

Romeo.

Du kanst von dem nicht reden was du nicht fühlst; wärest du so jung

wie ich, und wäre Juliette deine Liebste, wärst du vor einer Stunde

mit ihr verheurathet, und hättest in dieser Stunde Tybalten

umgebracht, und liebtest bis zum Wahnwiz wie ich, und wärest wie

ich verbannt--dann möchtest du reden, dann möchtest du dir die

Haare ausrauffen, und dich auf den Boden werfen, wie ich izt thue,

und das Maas zu deinem Grabe nemmen.

(Er wirft sich auf den Boden.)

Lorenz.

Steh auf--es klopft jemand:

(Man hört klopfen.)

Guter Romeo, verbirg dich.

Romeo.

Nein wahrhaftig, wenn nicht der Dampf Herzzersprengender Seufzer,

mich wie ein Nebel vor den Augen der Leute verbirgt.

Lorenz.

Horche! was das für ein Klopfen ist! wer ist da?--

(leise.)

Romeo und Juliette · 第 6 / 11 题