Mehr Lichter, mehr Lichter, es ist eine Schande, so dunkel ist's--

(zu Tybalt)

ich will euch ruhig machen--

(Seitwärts:)

Wie, munter, meine Herzen!

Tybalt.

Geduld und Zorn vertragen sich nicht wohl bey mir zusammen; sie

stossen, indem sie sich begegnen, die Köpfe so hart an einander an,

daß mir alle Glieder davon wakeln. Ich will mich entfernen, aber er

soll mir diese Zudringlichkeit bezahlen!

(Tybalt geht ab.)

Romeo (zu Juliette.)

* [Wenn meine unwürdige Hand diesen heiligen Leib entweiht hat, so

laß dir diese Busse gefallen: Meine Lippen, zween erröthende

Pilgrimme, stehen bereit den Frefel, mit einem zärtlichen Kuß

abzubüssen.

{ed.-* Dieser Dialogus ist im Original eine Elegie mit verschränkten

Reimen.}

Juliette.

Ihr thut eurer Hand unrecht, mein lieber Pilgrim; sie hat nichts

gethan, als was die bescheidenste Andacht zu thun pflegt; Heilige

haben Hände, die von den Händen der Wallfahrenden berührt werden,

und Hand auf Hand ist eines Pilgrims Kuß.

Romeo.

Haben Heilige nicht Lippen, und andächtige Pilgrimme auch?

Juliette.

Ja, Pilgrim, sie haben Lippen, aber zum Beten.

Romeo.

O so erlaube, theure Heilige, erlaube den Lippen nur, was du den

Händen gestattest; sie bitten, (und du, erhöre sie,) daß du den

Glauben nicht in Verzweiflung fallen lassest.

Juliette.

Heilige rühren sich nicht, wenn sie gleich unser Gebet erhören.

Romeo.

O so rühre du dich auch nicht, indem ich mich der Würkung meines

Gebets versichre--

(Er küßt sie.)

Romeo und Juliette · 第 5 / 11 题