»Wasser vom Bärenborn für Fräulein Helene.«

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt.

Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.

Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des

Buches.

Eine dänische Geschichte.

Roman

von

Adele Schopenhauer.

Braunschweig,

Druck und Verlag von George Westermann.

1848.

Auf der süd-östlichen Küste der Insel Laaland erhebt sich das alte

Städtchen Nysted, welches sich zu den frühesten Dänemarks zählt, da

es schon im Jahr 1409 durch Erich von Pommern Stadtrechte erhielt.

Wie aus einem dicken Laubkranze schaut es von seinem grünenden Hügel

aus weit hinein in das Land -- über Laaland und Falster hin, ja

dem Meer entlang bis nach Femern und Rostock, und seine berühmten

Lindengänge erzählen sich im Abendwind ganz wundersame Geschichten:

der träumerische Nachthauch streicht über heidnische Grabhügel, über

verfallene Gerichts- und Opferstätten hin, und hilft dem kundigen Greis

die in seinem Kopf zerstreuten, halbverlorenen Klänge der alten Saga

zusammensuchen, die ihm vom Ur-Ahn auf Großvater und Vater vererbt

sind. Denn der Nordländer, besonders aber der Landbewohner hört gar

gern erzählen von lang vergangenen Tagen, wenn der strenge Winter

ihm Thor und Fensterladen schließt und ihn zurückdrängt in die engen

Kammern.

Auf dem höchsten Steine der ehemaligen Schanze, an der Mündung des

Hafens, saß ein junger Mann, nachdenklich beide Arme auf ein Mauerstück

gelehnt und schauete bald zum bewölkten Himmel auf, bald in die frische

Landschaft hinein, sah aber dabei aus, als gedenke er gar anderer

Ruinen, gar anderer Hügel und Meere; ihm war das Herz sichtlich

schwer. Auch er war ein beliebter Erzähler des Städtchens; er hatte

oft und gern seinen staunenden Zuhörern den bunten Schleier seiner

südlichen Anschauungen über dies stille Grau der Nebel hingebreitet,

in denen der Frühling, wie ein Kind in seinen Windeln, tief in's Jahr

hinein schläft, und dann mit einem Male aufspringt, da ist in voller

Schöne und Kraft und wie ein junger Herkules die alte Winterschlange

zerdrückt. Das hat der höhere Norden mit dem Süden gemein, daß dort wie

hier der ganze Lenz, wie seine einzelne Blüthe, in der geschwellten

Knospe steckt; und ihn der heiße Sonnenstrahl plötzlich erweckt zum

üppigsten Leben, während man in Mittel-Deutschland ihn lange kommen

sieht, und heute die Primel, morgen die Kirschenblüthe findet, eine

Woche lang das Maienglöckchen erwartet, und so allmälig Blume um Blume

willkommen heißt und begrüßt.

Drei Monate schon war der Reisende in Nysted; seit drei Wochen liebte

er; seit drei Wochen war ihm, außer dem kleinen Fleck Erde Laaland, die

übrige Welt dunkler geworden als der bewölkte Himmel, den er anstarrte.

-- Darum also war er in Italien gewesen, hatte Rom gesehen, dort und

in Florenz Jahre lang studirt, um hier hoffnungslos einem bleichen

Mädchenantlitz gegenüber festzuwurzeln? -- Wo waren dann seine Wünsche

und Träume geblieben, und all die weitausgreifenden Pläne der Seinen?

-- Wie welke Blätter im Sturm kreisten und wirbelten Erinnerungen und

Vorstellungen durch seine Seele: -- er gedachte seiner Mutter in Plön,

wohin sie von Copenhagen gezogen, um wohlfeil zu leben, einsam mit

einer alten Magd, jeden Pfennig zu sparen und mitten in den Unruhen

des Kriegs ihn zum Künstler zu bilden; er gedachte seines Ohms, des

Rathsverwandten Hagemeister, der als solcher eine kleine Anstellung

in Roeskilde erhalten, und mit unsäglicher Mühe durch des Bischofs

Gnade den Auftrag ihm verschafft hatte, der zuerst ihn nach Nysted

geführt. -- Eben durchbrach die Sonne, mit hellem blassen Strahl

sie durchschneidend, die schwere Wolkenhülle; aufblitzte der goldne

Thurmknopf der das ganze Städtchen hoch überragenden Kirche; die

Arbeitsstunde war gekommen, und die Möglichkeit im alterthümlichen Bau

des Gotteshauses die Farben zu sehen und scharf zu unterscheiden; --

der Maler warf alle Gedanken zur Seite und eilte der Bucht entlang den

Weg zurück in die Stadt, die steile Gasse hinauf zur Kirche; sie war

geschlossen am Werkestag; das Frühgebet war längst vorüber. Thorald

mußte herumgehen bis an des Küsters Haus; er klopfte leise an die

runden Scheiben des kleinen Fensters, es öffnete sich sogleich und ein

feiner Mädchenkopf beugte sich hervor.

»Ei guten Morgen, Herr Eynerssen! Der Vater ist nicht mehr daheim,

er ist auf Schloß Aalholm zum Grafen, und ich soll Euch führen; die

Schlüssel hat er mir gelassen, ich komme gleich hinab!«

Im Augenblicke stand sie, in ein bescheiden Mäntelchen gehüllt, neben

ihm, -- »aber laßt Ihr mich nun auch das Gemälde sehen, lieber Herr?

ich habe mich so lange darauf gefreut, allein der Vater ist so streng;

der hält am gegebenen Wort wie eine Eisenklammer. Ihn kümmert es gar

nicht, daß mich die Christine und Elisabeth und Sophie verspotten, weil

ich, gleichsam ein Kirchenkind, das Bild noch nicht gesehen, da Ihr es

doch schon vor drei Tagen hingebracht.« --

»Wenn es fertig ist, Gianina, sollst Du es zuerst sehen, früher als

alle Anderen; heute aber kann ich Dir den Gefallen nicht thun, ich muß

den Eindruck, den es macht, an Ort und Stelle selbst betrachten, ihn

wohl berechnen, manches ändern und hineinmalen.« --

»Da verwälscht Ihr mir wieder meinen ehrlichen Christennamen und thut

mir dennoch nicht das kleinste zu Liebe! +Johanna+ heiß ich, hundertmal

habe ich's Euch schon gesagt! Würde das klingen ›Gianina Kaalund‹?

hört doch selbst, wie das acht und kracht! Es paßt zusammen wie die

Faust auf's Auge.«

Während dem Sprechen hatte das Mädchen die schweren Schlösser geöffnet;

sie traten durch die Sacristei, welche der Kirche anhing wie ein

unförmliches Schwalbennest, in die dämmernde Stille des Seitenschiffs.

Die weißgetünchten Räume gehörten dem normannisch-romanischen Styl

an, der edle Bau war frei und nicht durch schwerfällige Mittelchöre

verunstaltet; ein frommes, freudiges Dankgefühl schlug an des Malers

Herz -- rasch schritt er vor nach der Mitte des Altars und überflog mit

flammendem Auge die seiner Tafel bestimmte Stelle; hinter derselben

stand das wohl verhangene Bild. Daneben lehnten eine Leiter und eine

staffeleiartige Vorrichtung, um das Gemälde in die ihm bestimmte Höhe

zu bringen und ihm das passende Licht zu geben. Der Maler hatte die

Absicht, an Ort und Stelle das Gemälde zu vollenden, und dann erst dem

Magistrat, welcher es für die Stadtgemeine bestellt, zu überantworten.

Unterdessen war Carlson, ein langer blonder Knabe, welcher dem Maler

aufwartete, mit dem Malergeräth angelangt. Thorald und er gaben sich

sogleich daran die Tafel aufzustellen. Das Mädchen hatte der Künstler

längst vergessen.

Die Kleine war scheinbar hinausgegangen, dann umgekehrt und hinter

einen der großen Pfeiler geschlüpft; sie schaute von dort sachte hervor

auf Beider Treiben, in der Hoffnung, wenigstens von weitem ihre Neugier

befriedigen zu können.

Jetzt war das Bild mit dem leeren Altarraum in gleiche Höhe gebracht,

es stand demselben zur Seite; Carlson ward entlassen. Zögernd blieb der

Meister mit verschränkten Armen vor seinem Werke stehen, als scheue

er die Enthüllung desselben. -- Carlson strich dem Pfeiler vorüber,

welcher Johannen barg; sie glitt geschickt um denselben herum und war

nun dem Gemälde um so näher. Endlich flog der Vorhang zurück. »Mein

Jesus, das Schloßfräulein!« schrie Johanna sich selbst vergessend auf.

Wie von einem elektrischen Schlage getroffen taumelte der Maler zurück.

»Du hier, Johanna? und Sie -- Helene? das Fräulein von Gejern wollte

ich sagen -- aber wo, um Gotteswillen, wo ist sie? sprich doch Mädchen!«

»Was fällt Euch ein! Ihr träumt, lieber Herr. Das Fräulein außer aller

Kirchenzeit hier in dem verschlossenen Gotteshause? ich meine +da+

die heilige Martha neben unserer Herrgottsmutter auf dem Gemälde, sie

ist ihr ja wie aus den Augen geschnitten! Wird sich die wundern, und

der Herr Graf! -- aber der Johannes sieht ihr wahrhaftig auch etwas

ähnlich! -- und davon sagt mir der Vater kein Sterbenswort!«

Heiß erröthete der junge Mann, ob aus Liebesentzücken oder Scham ist

schwer zu sagen, denn die in's Auge fallende Aehnlichkeit war ihm

unbewußt aus der Seele in die Farbe seiner Pinsel gedrungen; dann

versuchte er des Mädchens Ausspruch zu widerlegen, ja, er schalt

ihn sogar eine thörichte Einbildung, der des Fräuleins Ohr ja nicht

berühren dürfe; er bewies ihr den Irrthum in tausend Abweichungen des

Originals vom Bilde. --

»Meinetwegen, lieber Herr Eynerssen, ich gebe Euch gern zu, daß unser

Fräulein weder so betrübt aussieht -- Gott sei Dank! noch so fromm;

aber +das+ sind ihre schönen lichtbraunen Haare, ihre klaren Augen

-- das ist die schmale Unterlippe, mit der sie so drollig trotzen

kann, das ist ihre freie gerade Nase; es ist ja zum Sprechen! Und so

narret mich doch nicht, indem Ihr mir weiß machen wollt, es sei das

Alles ganz von selbst gekommen, habt Ihr doch eben das Conterfei der

drei Fräulein im Schlosse vollendet, da hattet Ihr ja die allerbeste

Gelegenheit, dasselbe Gesicht hier zu wiederholen. Die Lisbeth hat die

Bilder gesehen und kann gar nicht aufhören, die Aehnlichkeit derselben

zu rühmen!«

»Ich bitte, Kind, jetzt laß mich arbeiten,« bat der Maler. »Geh' jetzt

-- thu' mir den Gefallen! Drei Stunden lang habe ich auf den hellen Tag

und auf das Sonnenlicht gewartet.« -- --

»Ja wohl, ich gehe schon, aber ich hätte Euch doch gern noch viel

gefragt; mir ist, als müsse ich Euch danken für Labung und Gottesgabe!

Die heilige Mutter am Kreuz ist gar so schön, und Christus sieht auf

uns mit solcher Barmherzigkeit hernieder, daß man so recht im Gemüthe

fühlt, wie er für uns gestorben ist!«

Als sie draußen war, schob Thorald die Riegel vor und kehrte dann zu

seinem Bild zurück; er wollte die Aehnlichkeit wegbringen durch ein

paar kühne Pinselstriche, wär's auch auf Kosten seines Bildes, aber den

geliebten reinen Zügen gegenüber sanken ihm Hand und Muth. -- »Haben

es doch Rafael und Andrea auch gethan!« flüsterte er vor sich hin --

»vielleicht gewahrt sie es nicht einmal; mir ist's wie eine Todsünde,

die wunderbare Harmonie dieses Antlitzes zu zerstören! Was auch für

Herzeleid und Verdruß mir daraus erwachse, ich vermag es nicht.«

In einem nicht eben uneleganten, nur etwas schwerfälligen Pavillon in

chinesischem Geschmack, der sich neben dem alten gothischen Schloßbau

drollig genug ausnahm, und recht wie zum Spott unserer schwächlichen

Modernität mit dessen vier, fünf Ellen dicken Mauern contrastirte,

saßen am Abend desselben Tages drei junge Mädchen, zwei von ihnen

mit Nähen und Spitzen-Klöppeln emsig beschäftigt; -- Laaland bewahrt

noch seine primitive Fabriken- und Lädenscheu, und Nysteds 800

Einwohner gehen alle, von der Mode unberührt und unbelästigt, im

großväterlichen und großmütterlichen Schnitt einher. Die Damen mußten

also nothgedrungen zu ihrer eigenen Modernisirung Hand anlegen. Den

beiden fleißigen Schwestern gegenüber saß Helene, mit dem Rücken nach

dem Fenster gekehrt, und schaute verstohlen über die Schultern hinweg,

der Lindenallee entlang, welche Schloß und Städtchen verbindet. Sie

beachtete keines der Copenhager Gesellschaftsbilder, welche jene

Beiden mit unerschöpflicher Phantasie ihr entwarfen; wie aus einer

weitentlegenen Welt schaute sie sichtlich, ohne alles Verständniß des

ihr Vorgetragenen, über den kleinen schmalen Theetisch zu den lustigen

Schwätzerinnen hin, die, glücklicherweise viel zu sehr mit sich selbst

beschäftigt, ihre Zerstreutheit nicht bemerkten. --

»Bruder Joachim und Elisabeth kommen auch zum Pferderennen nach

Copenhagen,« sagte Amalie, »Christian will nur ein halb Dutzend

Ackerpferde zum Verkauf hinüberschicken -- wird sie nicht Staat machen,

die Gnädige. Nun, da bekommen wir wenigstens neue Muster.«

»Nach Wallöe? o ja! aber schwerlich bis hieher nach Laaland! Und alles

können wir doch nicht selbst machen, oder gedenkst Du in Nysted eine

Putzmacherin zu suchen? Danke Gott, wenn Du einen Schuster findest!«

»Wie Du nun wieder übertreibst, Annette, Dir ist der Aufenthalt hier

zuwider, und doch ist er so friedlich, so recht gleichförmig und ruhig,

wie ich immer leben möchte; ich habe diese grünen fetten Weiden gern.«

»Gern? ist's etwa angenehm zwischen Ochsen und Kühen, durch Dick und

Dünn in schweren Holzschuhen dem Sonnenuntergange entgegen zu waten, im

Moor stecken zu bleiben und dann allenfalls vom alten Niels gerettet,

wie ein nasser Sack in irgend einem Bauernhofe als »Gräfliches

Eigenthum« abgeliefert zu werden?«

»Uebt man doch kein Morast-Strandrecht an uns aus! Ich bin lieber hier

als in Wallöe; das Stift wird mir nicht zum Vaterhause. Hätte Christian

mein Herz für Aalholm, es sollte bald hier anders werden. Es war auch

anders zu der Mutter Zeit, sogar noch in des Vaters Witwen-Jahren, ehe

all die Modernisirungsversuche den Bauernstand uns fern stellten; es

war etwas patriarchalisches in der Abhängigkeit.«

»Ich meine, der Bauernstand sei unserer Gegenwart etwas näher getreten,

als für unser Aller Glück nothwendig,« erwiederte Annette; das hübsche

Milch- und Rosen-Gesichtchen überflog ein Zug seltsam spöttischer

Bitterkeit.

Am gegenüberliegenden Ende des Gartens erschien jetzt eine bleiche

noch jugendliche Frau; sie trat aus dem Schlosse und schritt mühsam

die hohe Steintreppe hinab in den Gang, der zum Pavillon führte; ihr

etwas trüber Blick überflog die Kieswege und die steifgeschnittenen

Taxuswände, als suche er etwas; ein leises, fast unmerkliches

Kopfschütteln sprach aus, daß sie es nicht gefunden; -- so näherte

sie sich langsam den Schwestern. Helene, ihren wogenden Träumen

hingegeben, bemerkte es nicht; die andern Beiden blieben in plötzlich

veränderter Haltung sitzen, etwas Gliederpuppenartiges und angestrengt

Eckiges legte sich über dieselben und es breitete sich eine feine, doch

keineswegs grelle Affectation über den ganzen Ausdruck ihres eben noch

so ganz natürlichen Wesens aus.

* * * * *

Eva, so hieß die Neuhinzugetretene, grüßte freundlich ihre

Schwägerinnen und setzte sich zu ihnen; sie athmete beklommen. In

Laaland geboren, hatten ihr dennoch der feuchte Moorboden und dessen

ungesunde Ausdünstungen geschadet; ihre Gesundheit war zerstört. Sie

hatte mit ihrem Gemahl, dem Grafen Christian, fünfzehn Jahre in Jütland

zugebracht, bis das ihm nach seines Vaters Tode zufallende Majorat sie

veranlaßte, nach Aalholm zu ziehen. Jütland aber ist der romantische

Theil Dänemarks; es hat weder Fühnens überreiche Vegetation, noch

Seelands städtischen Reiz, aber es vereinigt den Wechsel wilder, rauher

und fruchtbarer Gegenden; es hat die höchsten Berge, Waldungen und

Seen, anmuthige Buchten und Flüsse -- und sein kaltes Klima ist nicht

schädlich wie das des kaum sich über den Meeresspiegel erhebenden

Laaland.

Eva legte leise ihre schmale abgemagerte Hand auf Helenens Schulter, um

sie aus ihren wachen Träumen zu erwecken; »es ist schön heute Abend,«

sagte sie, »seit dem Mittag hat sich der Horizont entwölkt, wolltest

Du nicht ausgehen oder ausfahren?« »Meinst Du, daß es schön bleiben

wird, bis Sonntag und wir Alle nach Nysted in die Kirche gehen können?«

fragte, gleich in ihre Gedanken ganz zurücksinkend, das Mädchen. Sie

schüttelte die lichtbraunen Locken aus dem Gesicht und hob das von

Johannen beschriebene Antlitz zu der vor ihr Stehenden empor; man

fühlte die Wärme und Innigkeit des strahlenden Blickes, die vertrauende

Liebe, die sie der Schwägerin verband. »Ich glaube,« fuhr sie leicht

erröthend fort, »das Altarblatt wird fertig sein, es könnte wohl zur

Feier des Johannistages aufgestellt werden.« --

»Freilich haben wir lange genug darauf gehofft, aber Du vergißt, liebes

Kind, daß unsere Herren nach Copenhagen wollten.« --

»Bewahre! Christian schickt nur seine Pferde hin und Joachim und

Friedrich gehen von ihren Gütern aus direct, ohne mit uns zusammen zu

treffen; sie gedenken zum Erntefest hier auf Aalholm uns zu besuchen,«

sagte Annette. Die arme Gräfin wurde noch ein wenig bleicher als sie

gewesen, Christian hatte ihr von all diesen Veränderungen seiner Pläne

nichts gesagt!

* * * * *

Helene sah sie sorglich an, »Christian,« sagte sie, »hat erst gestern

Abend die Briefe erhalten, er ist mit dem Inspector nach Engholm; Du

weißt, heute Morgen hat er eine Kiste Bücher bekommen, und vermuthlich

über die Geistesverwandten die Brüder vergessen!« -- Schmeichelnd

streichelte sie die zitternde Hand, welche von der Schulter

herabgeglitten jetzt in der ihren lag. »Oder mich!« -- seufzte Eva,

unhörbar leise.

Ein Männertritt erklang über den Kies der Gartenwege; während des

kurzen Gesprächs war nun, doch von Helene nicht unbemerkt, Thorald am

Pavillon vorbei und durch die kleine Gartenpforte hereingekommen; er

trat, sich entschuldigend, daß er nicht angemeldet, zu den Damen. --

Er mochte Helenen früher auf diese Weise allein angetroffen haben,

denn Beide waren sichtlich verlegen, und die andern Schwestern

flüsterten sich etwas zu: Annette zuckte lächelnd die Achseln. Die

Gräfin blieb verstimmt und wurde mit jedem Augenblicke trauriger.

Das Gespräch drehte sich um die Politik des Auslandes und die damals

noch wie elektrisch auf die Gemüther rückwirkenden Nachrichten aus

Frankreich. Thoralds Aufenthalt als Künstler in Italien, auf dem so

vielfach erschütterten Boden, in der von tausend Freiheitsträumen

und Kriegsereignissen bewegten Zeit, hatte für die Frauen etwas

Fabelhaftes, das ihn wie mit einer Aureola umwob.

Endlich kam auch Graf Christian; eine edle Erscheinung. Er ging ein

wenig vorn übergebogen aus übler Angewöhnung; richtete er in irgend

einer Geistes- oder Gemüthsanregung sich auf, so gewann seine Gestalt

etwas Ritterliches, das an Majestät grenzte. Seine Züge hatten eine

formelle Strenge angenommen, die nicht mit physischer Kraft gepaart,

fast unnatürlich erschien; die schmale kleine Hand und die dünnen

Knöchel derselben verriethen sogar eine körperliche Schwäche, die

jedoch nicht ohne Anmuth hervortrat. Ohne unbeholfen sich zu zeigen,

war der Graf leicht, selbst im engsten Familienkreise verlegen, seine

etwas ungelenke Vornehmigkeit und der seinen Tagen anhangende Mangel

einer vollendeten Erziehung, welche überall Sicherheit gewährt,

trugen Schuld daran. Unendlich schön waren seine dunkelgrauen Augen;

sie hatten einen wunderbaren Reiz, den man sich nicht zu erklären

vermochte, denn sie belebten sich selten; eine Art schwermüthiger

Düsterheit war in ihm allmälig zu der stillen Beschaulichkeit geworden,

die ihn fast zum Gelehrten stempelte. Fünfzehn Jahre hindurch hatte

er in einem jütländischen Dorfe gelebt, und war auch dort ein Träumer

geblieben, den nur momentane Noth zum Handeln zwang, den selbst die

Beschränkung der Armuth nicht zum praktischen Menschen auszubilden

vermochte. Er war zeitgemäß elegant gekleidet, hatte feine Wäsche und

ungepudertes Haar, überhaupt aber eine gewisse Zierlichkeit, welche

gegen die Derbheit seiner Gutsnachbarn abstach.

Im Eintreten fiel sein Blick auf den Maler, seine Stirn umwölkte sich.

Thorald unterhielt die Damen voller Laune und Gewandtheit, kaum

unterbrach des Hausherrn Ankunft das Gespräch, denn die Mädchen

dürsteten in ihrer Abgeschiedenheit nach überseeischen Neuigkeiten;

Besuche waren bei der Unfahrbarkeit der Wege selten.

Als Thorald endlich neben Helenen einen unbemerkten Augenblick gewann,

flüsterte er ihr die Bitte zu, wo möglich sein nun aufgestelltes morgen

zu vollendendes Bild vor dem Sonntagsgottesdienste in der Kirche zu

sehen. Glühend vor innerer Lust und in gegenseitig sie überwältigender

Leidenschaft ganz versunken standen Beide vor einander, ihn steigerte

ein stolzes Selbstgefühl, sie berauschte der Gedanke an seinen

künftigen Ruhm; denn selten nur kamen Künstler auf die stille Insel.

Der nur von Ackerbau lebende Laaländer vermag sie nicht herzulocken!

Seit Menschengedenken hatte man keinen Maler in Nysted gesehen, und

die beiden schönen Gemälde der alten Kirche dankten ihr Entstehen

katholischen Donatoren, und gehörten weit früheren Jahrhunderten an.

»Graf Brahe Trollenburg« meldete ein vierschrötiger Diener, welcher

trotz seiner Livrée einem deutschen Großknecht nicht unähnlich sah

-- Fräulein Annette erröthete zur Rose! -- Der reiche Gutsbesitzer

aus Seeland war ihr nicht fremd! Während ihres Winteraufenthaltes

in der Residenz, so kurz er gewesen, hatte sich in dem jungen Manne

eine dauerndere Empfänglichkeit für des Laaländer Fräuleins Reize

erzeugt, als den Copenhager Damen billig schien. Der Graf war reich

und eine vortreffliche Partie. Er war nach Aalholm gekommen, um das

Herzensterrain seiner Schönen zu sondiren und im Ehestandshafen zu

ankern.

An der Art, mit welcher Graf Christian ihn bewillkommnete, erst seiner

Gemahlin vorstellte und ihn dann seinen Schwestern zuführte, errieth

Thorald sogleich den künftigen Schwager, -- eine unaussprechliche

Beklommenheit bemächtigte sich seiner, die eben noch so fließenden

Erzählungen aus Italien stockten, des Hofmanns Gegenwart drückte ihn

zurück in den Schatten. Es war bei dem sehr abgeglätteten Tone des

Trollenburg nicht leicht zu durchschauen, welcher der drei Damen die

Bewerbung des vor kurzem Majoratsherr Gewordnen gelte -- es drückte

dem Maler fast das Herz ab; in verzweifelnder Stimmung verließ er die

Gesellschaft, man machte keinen Versuch ihn zurück zu halten; trostlos

kehrte er zu dem Städtchen zurück.

Unweit des Thores begegnete ihm Johanna, sie hatte den Leuten auf dem

Felde ihr Vesperbrot gebracht, und trug eine Menge Geräthschaften und

einen großen schweren Wasserkrug heim. Sie näherte sich Thorald, um

ihn zu fragen, ob er in die Kirche verlange, der Vater sei auf der

Feldarbeit mit dem Knecht; sie hätten's eilig, denn morgen sei an ihnen

die Frohnfuhre, der Acker aber erst halb bestellt.

»Frohndienst? Ihr als Bürger? unmöglich!«

»Doch, lieber Herr, wir haben von Alters her Land in Pacht vom Herrn

Grafen; obschon wir eines Theils losgekaufte Bauern sind, stehen wir

ihm noch in Frohn und Zehnten. Der Herr aber ist glimpflich, allein

der Vogt! Erbarme sich Gott! Ehmals, da wir Leibeigne waren, mag es

noch schlimmer hergegangen sein; Großvater hat uns oft geklagt, wie

die Verwalter zu seiner Zeit den Bauern geschunden! Wie er in der

Kornschatzung nicht nur gehäuftes Maß, sondern noch eine Zugabe für's

Schwinden oder Senken habe liefern müssen -- wie nicht nur bloß die

armen Gäule ihm zur Ackerfrohne eingespannt wurden, o nein, wie sie zum

eignen Dienste jedes Knechtes, jeder Magd des Herrnhofes bereit sein

mußten; konnte doch damals nicht einmal der Hundejunge zu Fuße durch

das Moor, stand gleich der Bauer bis zum Knöchel d'rin, und watete

selbst schwerbelastet neben seinem Vieh, um das Getreide zur Mühle zu

fahren, den Sand vom Strande zu holen für den Vogt -- o lieber Herr! es

war eine harte, schwere Zeit! Selbst unsre liebe Gräfin weiß ein Lied

von ihr zu singen; helf' ihr Gott! und sie ist doch uns Allen eine so

gnädige Herrschaft!«

So unbequem Thorald die Anrede der Dirne empfunden, so ganz verloren

ihr frischer Reiz dem Jüngling gegenüber blieb, so blitzstrahlartig

traf ihn dieses Wort. »Was meinst Du, Mädchen?« fragte er harsch ihren

Arm ergreifend, »was soll das heißen?«

»O nichts für ungut, lieber Herr, verzeiht! Ihr wißt ja selber wohl,

daß unsre Gräfin die Tochter des Peter Owens ist, der den großen Hof

zu Engbolle in Pacht hat; es ist freilich nicht gut davon reden, die

gnädige Herrschaft hört's nicht gern; aber Ihr, was geht es Euch an!

da droben zu Aalholm, ja, das ist etwas anders, ein Jeder sagt, es sei

ein Nagel zum Sarg des Hochseeligen gewesen und geblieben!« Sie hob

den Krug, den sie neben sich auf einen Stein gestellt, mühsam auf,

um weiter zu gehen, Thorald stand ihr freundlich bei -- »was hast Du

denn da?« fragte er zerstreut, all seine Gedanken waren noch bei ihrer

Erzählung. --

»Wasser vom Bärenborn für Fräulein Helene.«

»Seit wann thust denn Du Schloßdienste?«

»Ei im Schloß bin ich wohl selten genug! Aber das Fräulein wäscht sich

nur mit dem Bärenborn, und wir Töchter der Frohn- und Festebauern

müssen ihr Reihe herum das Wasser holen. Es ist freilich ein wenig

weit,« setzte sie hinzu, indem sie mit dem Schürzenzipfel die Stirne

trocknete, »es sind wohl anderthalb Stunden Wegs von uns aus dorthin,

darum hat mir's warm gemacht!« --

»Aber wer hat Euch denn befohlen das Wasser zu holen?«

»Wer anders als der Vogt? die Herrschaft weiß wohl kaum davon! Er ist

es noch von Alters her gewohnt, die Bauern zu Paaren zu treiben! Die

Alten sind alle so; macht es doch unserer Gräfin Vater nicht besser!

Der nimmt das Joch aus Gewohnheit selbst über den Nacken! Nun, kommt's

nicht arg, fügt man sich schon.«

Lustig schritt sie mit ihrem Kruge weiter.

Die Gräfin eines Pachters -- Peter Owens Kind? +Das+ also ist die

unsichtbare dunkle Last, an welcher das arme Weib so schwer trägt?

ihr Großvater Leibeigener, der Vater Frohnpflichtiger, wenn auch wohl

längst abgekaufter Bauer -- und sie die Gutsherrschaft -- die +Gräfin+!

Also da sind wir +noch+? seufzte der junge Mann. O wahr, trotz den

Bestrebungen der Edelsten unseres Volks, trotz Moltke, Reventlov und

Colbiornsen +noch+ nicht weiter? Wie unsäglich langsam reift die Saat

des Guten -- bedarf sie denn wirklich des blutgetränkten Bodens? --

In Italien und Frankreich, die er durchreis't, standen damals Bildung

und Volksgesinnung auf einem so andern Höhepunkte. Napoleon hatte eben

Italien unterjocht, indem er es republikanisirte; es war ein Lichtblick

seines gewaltigen Lebens, -- die vorangegangenen Uebertreibungen der

Schreckenszeit hoben die Gegenwart glänzender hervor; Jeder wollte dort

wenigstens einen Theil der ihr entströmenden Freiheit für seine oder

seiner Kinder Existenz, während im Norden die Meisten vor dem Gedanken

an die ihr gefallenen Opfer zurückbebten, und deren Vollgewinn in

seiner damaligen Form kaum angenommen haben würden, hätte er sich ihnen

geboten.

Anders freilich dachte und fühlte die Jugend, ihr war der Blutsaum

des Gewandes der Freiheit Morgenröthe geblieben. Der gestörte Zustand

der aus ihren Angeln gerissenen Maschine, die wir Bürgerlichkeit

nennen, erschien ihr minder grell und qualvoll, als den Alten, welche

der verarmten Familienväter, der kinderlos gewordnen Mütter, der

Gattinnen, die ihr Theuerstes auf der Guillotine verloren, gedachten.

-- Frankreichs glänzende Redner hatten auch in Dänemark den heißen

Durst nach einer nie empfundenen Gleichheit der Stände erweckt,

versprach er doch dem edlern Individuum den unermeßlichen Reichthum

einer vollständigen Entfaltung, den der innerlich Hochbegabte am

schmerzlichsten entbehrt, und heißer ersehnt, als der Bettler das

materielle Gut des Vornehmen.

Dem rohen Rausch vernichtender, zerstörender Bestialität des

französischen Pöbels lag eigentlich das nämliche Gefühl zu Grunde,

das hier und da den Schwärmer verleitete: eine Ueberschätzung seiner

selbst. Umsonst haben tausendjährige Erfahrungen uns die Lehre

wiederholt, daß dem +wirklich+ bedeutenden Menschen, dem Genie, der

vollständigen Geisteskraft weder äußere Verhältnisse, noch irgend eine

andre Zeitgewalt hemmende Fesseln anzulegen vermögen; für die Meisten

sind der obscure Mönch Luther, der Schiffsjunge Peter von Rußland, und

der uns viel näher stehende Napoleon Bonaparte keine Beispiele.

Ist nun dem Menschenherzen so natürlich, im angeborenen Streben nach

Glück den größten Maßstab für die eigenen Forderungen zu wählen,

ohne sie mit den eigenen Leistungen irgend in ein Gleichgewicht zu

bringen, um wie viel edler erscheinen jene seltenen Naturen, die

ohne persönliches Bedürfen, unter günstigen Verhältnissen, nur für

die Menge fordern und, ihre Nation vertretend, sich selbst aufopfern

für ein allgemeines Wohl! Fast alle wahren Wohlthäter der Menschheit

haben jedoch nicht bloß gewaltig, sondern eben so mild als besonnen

gehandelt. Sie sind Sterne gewesen, welche nicht nur das Dunkel

des Augenblicks durchleuchteten, sondern in jeder Nacht von neuem

auftauchten und hinter den sie bergenden Wolken fortschimmerten, bis

ihr Strahl sie zu durchbrechen vermochte.

* * * * *

Die Namen der hochherzigen Männer, welche unter Friedrich ~V.~ und

Christian ~VII.~ es unternahmen, Dänemarks Bauern allmälig Freiheit

und Wohlstand zu bereiten, werden nie in seiner Geschichte verklingen,

so langsam auch ihr oft unterbrochenes Werk vorwärts schritt, ihre

Beharrlichkeit brachte sie an das Ziel. --

Wie aber die Natur den festen Eichenwald gern mit Vögeln und

Schmetterlingen durchjauchzt und belebt, so stehen immer zwischen

solchen ernsten, tiefen Charakteren, aus deren Reichthum Tausende ihren

kurzen Lebensfaden spinnen, leichte harmlose Wesen, welche gern überall

das Schönste und Beste fördern möchten, es auch manchmal zu erfassen,

in der Regel aber +nie+ es festzuhalten vermögen.

Dieser höchst nothwendigen Mehrzahl der Menschen, welche das

eigentliche Element gesellschaftlicher Verbindungen ausmachen, werden

allerdings nur die ihnen durch Geburt, Reichthum oder Zufall gegebenen

Verhältnisse zum äußern Halt, daher die vielen Klagen über verfehlte

Existenz und gehemmtes Talent. Ich glaube aber, daß wir kein einziges

Beispiel haben, daß die ganze Gesellschaftswelt, in Bausch und Bogen

genommen, je im Stande gewesen ist, den Außerordentlichen zu hemmen,

das gesunde Genie zu zerstören! --

Thorald fand den Gang der Umstände zu langsam; ihn drängte eine innere

Unruhe zum Handeln; in Napoleon sah er den Retter der Welt. »Der

Schneckenlauf der Bildung meines Vaterlandes,« sagte er, »beut mir nur

Kränkung und Lähmung meines Talents. Die Schwere veralteter Vorurtheile

legt sich auf jede Hoffnung! Auch in Copenhagen schreitet die Kunst

nur unter dem Schutz des Fabrikwesens vorwärts. In Frankreich, in

Italien entfaltet eine kräftigere Hand das Panier der Freiheit! Die

ihr gefallenen Opfer schlummern unter der grünen Rasenhülle, lebt noch

irgend etwas von ihnen weiter in jener unendlichen Himmelsbläue voll

unbekannter Welten, so ist dort das hienieden Unvermeidliche längst

verziehen. Uns bleibt die Sorge, es nicht unnütz erscheinen zu lassen,

den mit Feuer und Schwert bearbeiteten Acker zu besäen! Der Verlust,

den Tausende beweinen, muß zum Glücke Tausender erblühen. Auch ich kann

nur dort mir ein Loos erschaffen, das Helenen anzubieten würdig.«

Wenn sie aber mit Dir entflöhe! so dachte er in andern Momenten; allein

wie sie erhalten, durch welche Mittel, -- ob sie reich ist? -- Ihm war

die Frage nie eingefallen, er war zu sorglos dazu. Auch galten in

Dänemark damals noch die Majorate und fast alle Töchter hochadliger

Familien standen in dieser Hinsicht einander gleich. So schob er gern

den Gedanken zurück, von Helenens Gelde zu leben, alles Andere wollte

er ihr danken. Wenn er aber an Heirath dachte, -- und seit drei Wochen

that er es stündlich, -- so schwebte ihm allemal ein Verhältniß vor,

als Hofmaler, als bevorzugter Künstler in einer königlichen Residenz.

-- Dann durfte sein Ruhm neben der Geliebten Adel sich stellen; auf

die aller natürlichste Weise vergaß Thorald seine republikanischen

Gesinnungen und daß er eben in der Nysteder Kirche sein +erstes+

historisches Gemälde aufstellte!

Seine Arbeit vergaß er indessen doch nicht; kaum war der erste

Sonnenstrahl erwacht, so saß er auf seinem Gerüste vor dem Altarblatte;

was ihm überhaupt zu thun möglich, war bald gethan. Er saß noch oben,

als die angelehnte Thür leise in ihren Angeln sich drehte, und Helene

von ihrer Kammerjungfer begleitet in die Kirche trat; sie hatte

Commissionen im Städtchen gemacht, die offene Thür bemerkt, und so

war ihr plötzlich eingefallen, einen Augenblick einzutreten. -- Der

überglückliche Künstler sprang zu ihr hinab, das Gerüst ward mit

zitternden Händen zur Seite geschoben, -- großer Gott! auf dem Altar

stand ihr Bild! Daß er sie als eine der Frauen dargestellt, welche

die zusammensinkende Mutter unseres Herrn unterstützen, hatte an sich

nichts den ernsten protestantischen Sinn Verletzendes -- und wie ein

Strom stürzte der Jubel ihr in's Herz!

* * * * *

Thorald dagegen stand mit gesenktem Blicke bebend ihr zur Seite, eine

tödtliche Blässe hatte seine Züge überdeckt -- er wagte nicht sie

anzusehen. Endlich war der Zustand nicht mehr zu ertragen: er schlug

die Augen auf -- Gott sei Dank, daß es eine Zeit im Menschenleben

giebt, in welcher man keiner Worte bedarf, sich alles Nöthige zu sagen!

»Aber,« fuhr sie fort, nachdem er in ihrem Antlitz gelesen, was er zur

Beseligung des Augenblickes bedurfte, »was wird mein Bruder, was werden

Bürger und Bauern sagen? ich bin es freilich nicht, denn die Maria

Jacoba ist ja viel tausendmal schöner als ich, dennoch --«

»Helene! kann ich für die unbewußte Schuld? Des alten Küsters Tochter

Johanna war die erste, welche mir es aussprach; ich wollte sogar

diese mir aus dem Tiefsten meines Innern entquollene Aehnlichkeit

zerstören, aber mir bebte die Hand, wie bei einer verruchten That, ich

vermochte es nicht.« Heißer erröthete das Mädchen, heftiger schlugen

des Künstlers Pulse: vor dem Altar sprachen sich Beider Herzen aus. Dem

voltairisirenden Jüngling, der eben noch mit den Jacobinern zur »Göttin

der Vernunft« geschworen hätte, trat die Liebe sanft, voll religiöser

Empfindungen, wie ein ihn heiligender Glaube in die unruhige Seele, und

schuf sie um zum Tempel des innigsten, frömmsten Gefühls.

Noch schwelgten die Liebenden im Anschauen ihres gegenseitigen Glücks,

ohne im mindesten der Erde und ihrer conventionellen Bedingungen

zu gedenken, als wiederum die Kirchenthür in ihren schweren Angeln

dröhnte, diesmal aber heftig aufgerissen ward. »Der Herr Graf,« sagte

das im Hintergrund vergessene Kammermädchen, »der Herr Graf.« Zum

Glück war sie eine Copenhagerin!

* * * * *

Graf Christian prallte zurück, als er das erglühte, bebende Paar in

traulichem Beisammensein vor dem Altar erblickte; aber sein Gesicht

nahm den Ausdruck des wüthensten Zornes an, als er die Aehnlichkeit mit

seiner Schwester gewahrte, die momentan noch auffallender erschien,

weil Helene zufällig mit aufwärts gewandtem Haupte zu Thorald in die

Höhe sah, wie auf dem Bilde die Maria Jacoba zur Mutter Gottes.

* * * * *

»Herr! was soll das?« polterte der kaum seiner selbst Mächtige und

dennoch innerlich Verlegene. Mit jedem Wort steigerte er sich mehr und

mehr, um seiner Stimme Herr zu werden, »Sie haben sich erlaubt, die

Ihnen von mir und meiner Familie aufgetragene Arbeit zu mißbrauchen,

die Züge eines Fräulein von Gejern, wie die eines Modells zu einer

Figur Ihres Gemäldes zu benutzen! Sind Sie von Sinnen, auf diese Weise

einen im ganzen Reich geachteten Namen zu prostituiren? Das Gemälde

muß fort von hier, oder die Züge dieser Martha -- oder wie sie heißt,

müssen verändert werden.«

»Herr Graf, diese Aehnlichkeit ist weder einem der mir aufgetragenen

Familienportraits gestohlen, -- mein Altarblatt ist weit früher gemalt

als jene, -- noch habe ich die Comtesse wie ein Modell zu behandeln

gewagt. Wenngleich eine zufällige Aehnlichkeit die Züge meiner Jacoba

verschönt, so liegt darin nichts Entwürdigendes. Meine Kunst ist

heiligend, nicht befleckend! Rafael, Domenichino, del Sarto haben

alle Großen ihrer Zeit, den Papst, die Fürsten, die edlen Frauen aus

königlichen Geschlechtern auf ihren Gemälden verewigt. Wenn aus ihren

Worten eine gewisse Unkenntniß dieser Umstände hervortritt, so muß ich

dennoch anerkennen, daß Sie in andern gelehrten Fächern so Bedeutendes

leisten, daß Ihnen für die Kunstgeschichte keine Zeit blieb -- gewiß

würden Sie in Frankreich oder Italien --«

»Unsinn! Unsinn! Wir sind Protestanten, Herr Eynerssen, verstehen

Sie das? ganze Protestanten, keine Halbkatholiken, keine Deïsten,

sondern Lutheraner! -- schon +das+ ändert unsere Verhältnisse! Wir

sind Dänen! das ändert unsere Ansichten des Schicklichen; was in

diesem Augenblicke in Frankreich und Italien, als die mit dem Blute

des Adels gedüngte Frucht höherer Bildung gilt, vergeben Sie -- kann

ich als dänischer Graf weder ehren noch anerkennen! Da ich mir aber

erlaube, über meine vaterländischen Zustände und die bei uns längst

festgestellten gesellschaftlichen Formen selbständig zu urtheilen, so

bitte ich Dich,« -- fuhr er gegen das Fräulein gewandt fort -- »um

Deinen Arm, um Dich zur Kutsche zu geleiten. Läßt Du mir da die neuen

Mecklenburger Rappen zwei Stunden an der Sonnengluth stehen, daß sie

die Hufe sich zerschlagen! Ich werde mir das Weitere in Bezug auf Sie,

Herr Eynerssen, und auf die Maria Jacoba vorbehalten. Für jetzt ersuche

ich Sie nur auf das Bestimmteste und Höflichste, es zu machen, wie Ihre

Kunstvorfahren mehr als einmal gethan: durch einige wohlberechnete

Pinselstriche, die, wie sie mich versichern, Comtesse Gejer ganz wider

Ihren Willen zur Jacoba stempelnde Aehnlichkeit zu +vernichten+, und

werde ich ferner stehenden Fußes mir erlauben, den Herrn Magistrat zu

benachrichtigen, daß einige nöthige Retouchen die Enthüllung Ihres

Altarblattes am Johannisfeste unmöglich machen und selbige um ein

paar Tage hinausschieben; es sei denn, daß Sie mit diesen Aenderungen

sogleich --«

»+Ich+ könnte mir vor Allem erlauben Ihnen zu bemerken, Herr Graf, daß

ich vollkommen mündig und erfahren genug bin, dem Magistrat selbst

vorzutragen, was ich für nöthig erachte« -- --

In Todesangst blickte Helene, hinter dem Grafen halb verborgen, zum

Geliebten hinüber, noch ein Wort und der Bruch war unvermeidlich,

unheilbar! --

»Ich erlaube mir aber nur als Künstler zu antworten, daß es zu dieser

Aenderung +zu spät+ ist,« fuhr Thorald fort, »mein Bild ist seit

mehreren Tagen vollendet, ich habe sogar eben einen ersten leichten

Firniß darüber gezogen; Ew. Gnaden Kunstsinn und Geschmack werden Ihnen

die Ueberzeugung davon geben, wenn Sie es einer nähern Betrachtung

würdigen.«

Aber Geschmack und Kunstsinn des Grafen reichten keineswegs an die

strenge Ansicht desselben in Betreff der Frauen-Ehre, deren Zartheit

in seinen Augen jeder Hauch zu trüben vermochte; sie reichten eben so

wenig an das beleidigte Gefühl seines Adelstolzes. Auf's schmerzlichste

erregt, war jetzt Graf Christian jeder Verlegenheit, aber auch jeder

Schonung bloß, -- Wort um Wort flogen in immer verletzenderer Schnelle

hin und wider, Christian vergaß sich endlich so weit, den Maler daran

zu erinnern, daß er, außer der Verwendung des Bischofs zu Roeskilde,

seiner eigenen Vermittlung die Bestellung des Altarblattes zu danken

habe.

An dieser unseligen Mahnung brachen des Jünglings Fassung und alle

Vorsätze seiner Liebe. Seine Künstlereitelkeit war zu peinlich

verletzt. Mit mehr Hochmuth als Stolz erklärte er die ganze Arbeit in

Nysted für eine bloße Probe, die er mit seinem eigenen Talent gemacht,

welche aber von dem kleinen Städtchen einer unbedeutenden dänischen

Insel aus, keineswegs ihm als Kunstwerk großen Ruf zu erwerben

geeignet sei. Von Copenhagen her könne es allein ihm gelingen, sich

in der Welt Bahn zu brechen; nur vom Königshofe stehe zu erwarten,

daß etwas wirklich Förderndes für seine Kunst geschähe. Unglücklicher

Weise setzte er dabei den ganzen langsamen Bildungsgang Dänemarks in

ein höchst ungünstiges Licht, und vergaß der ungeheuren Opfer, welche

gerade jene Zeit dem höhern Adel auferlegte; denn der junge Maler

kannte die blutige Geschichte Frankreichs in ihrer grellen Buntheit

besser, als die des eigenen Vaterlandes.

Graf Christian dagegen war mit dem tiefaufgewühlten Boden vertraut,

dem er Schätze der Erkenntniß entrungen, in welchem er zahllose

Leichen seiner Jugendhoffnungen und manch' schmerzliches Verleugnen

seines Familienstolzes geborgen. Die Wahrheiten, die er auf demselben

angebaut, hatten längst Frucht getragen. Unpraktisch im kleinen

Thun des täglichen Lebens, ungeschickt wie ein Kind in Handhabung

des Zufalls und seiner flüchtigen Gunst, wenn es seine eigne

Persönlichkeit galt, war er in Bezug auf Staatsverhältnisse fest und

klar. Als Theoretiker schloß er sich den bedeutendsten Reformatoren

der Bauernsache an, als Individuum hatte er in Ausübung des einmal

Angenommenen nie das Billige verweigert. Ordnung und Freiheit

waren ihm gleichbedeutend, er selbst hatte auf Laaland die ersten

Schritte zu Lösung des Leibzwangs und des Gemeinbesitzes gethan,

ja, zuerst Erbpacht auf seiner Herrschaft gewährt, aber daß er es

gethan, verlangte er anerkannt zu sehen. +Nie+ war ihm eingefallen,

seinem Range dabei etwas vergeben zu können, oder die gewährten

+Menschenrechte+ als Aufhebung der seines +Adels+ anzusehen. So empfand

er auch Thoralds Nichtbeachten des für ihn Geschehenen als schwarzen

Undank, ja als Gemeinheit und Frechheit.

Sehr trocken fragte er den Maler, ob er von seiner Stelle aus, ohne

Unterstützung des Adels, am Hofe Zutritt zu erlangen erwarte? Ob ihm

das verwandtschaftliche Verhältniß zwischen seiner und des Bischofs

Familie unbekannt sei, daß er auf die ihm in Bezug auf Comtesse Gejer

eben mitgetheilten Bemerkungen so gar nicht achte, als müßten dieselben

nicht in jenem Hause ihr Echo finden?

Es legte sich eine Art Geringschätzung in Ton und Haltung des Grafen,

die für Thorald unerträglich war. Als Christian seine durchaus

verletzende Rede mit dem übermüthigen Rathe schloß, lieber bei dem

macht- und geldlosen Adel der französischen Emigranten, oder bei den

Jacobinern die rasche Erfüllung seiner hochfahrenden Pläne zu suchen,

brach Helene in Thränen aus; alle Rücksicht gegen den Bruder vergessend

stürzte sie auf den Künstler zu, und beschwor ihn auf's zärtlichste,

sogleich die Kirche zu verlassen, diese Unwürdigkeiten nicht länger

anzuhören, das Unstatthafte in Christians Betragen um ihretwillen zu

verzeihen.

Erschreckt starrte der Graf die Schwester an, das Unpassende des ganzen

Auftritts fiel mit Zentnerschwere auf ihn und lähmte ihm die Gedanken;

in peinlicher Verlegenheit riß er den Arm des Mädchens an sich und

führte sie fast gewaltsam zum Wagen. Er war zu tief verletzt, um sich

weiter auszusprechen, -- als das Zöfchen aber Miene machte, zu Fuß zu

gehen, winkte er ihr peremptorisch zu, auf dem Rücksitz Platz zu nehmen.

Zu Haus angelangt, geleitete er Helenen bis in ihr Zimmer, an der Thür

desselben ergriff er heftig des Kammermädchens Arm. »Ein anständiger

Dienstbote mischt sich nicht in seiner Herrschaft Angelegenheiten, und

wo ihm der Zufall etwas offenbart, daß ihn nichts angeht, hält er das

Maul! Verstanden Jungfer?«

Marie küßte schweigend dem Grafen die Hand, verbeugte sich demuthsvoll

und folgte ihrem Fräulein, und so groß war des Gebietenden Gewalt,

daß sie auch draußen bloß durch Seufzer dem sie drückenden Geheimniß

Luft gab. Graf Christian aber zog sich stumm in seine eigenen Gemächer

zurück und erschien erst Mittags, um dem Brahe Trollenburg bei Tische

die Honneurs zu machen.

Aufschreiend in wildem Schmerz, warf sich der allein in der Kirche

zurückgebliebene Thorald auf die Stufen des Altars nieder. Was er

selbst zuerst als nothwendig und schicklich empfunden, erschien ihm

nun maßlose Tyrannei. War ihm früher Helene theuer gewesen, so hatte

jetzt ihr Selbstvergessen um seines, des armen Künstlers willen,

dem hochmüthigen Bruder gegenüber, seine Neigung zur heftigsten

Leidenschaft erhöht. -- Mit anbetender Inbrunst blickte er auf das

Bild, das ihr Antlitz ihm vergegenwärtigte -- etwas an demselben

zu ändern war zum Sacrilegium geworden, aber nun wollte er es gar

nicht mehr der Kirche lassen, er wollte es mit sich fortnehmen, nach

Deutschland oder Frankreich. -- In wüsten, undeutlichen Träumen verging

ihm der Tag. --

Es war gegen Abend; die Sonnenstrahlen durchbohrten mit langen gelben

Streiflichtern die schmalen Bogenfenster, und streiften die mit grauem

Sandstein umränderten Gewölbbogen; an den hohen Pfeilerbündeln, an

den Seitenchören hin, am Metall des Altarkreuzes, an den messingenen

Leuchtern spielten hell aufblitzende Lichtpunkte -- draußen wurde es

allmälig still; die Leute kehrten von der Landarbeit heim. Langsam

verstummend sank die gelbrothe Sonnenscheibe zurück in ihr von Nebeln

umflortes Meeresbett.

Noch immer lag Thorald regungslos, mit sich selber uneins an derselben

Stelle. Eine kleine weiche Hand faßte, ihn aufrüttelnd, seine Schulter.

»Lieber Herr! Ihr seid gewiß erkrankt! Hättet ihr nur laut gerufen,

ich habe vor der Hausthüre mein Garn geweift, ich hätte Euch sicher

vernommen. Es hat sich keiner hieher in die dunkle Kirche getraut. Als

aber der Vater heimkam zum Abendbrot und die offne Thüre gewahrte,

Herr Je! hat er mich gescholten! Ich glaubte Euch nun fort und des

Zuschließens vergessen. -- Kommt, steht auf, ich stütze Euch, kommt

mit nach Hause! dann koche ich Euch Lindenblüthenthee, das wärmt; die

alte Halle ist so eisig kalt! Könnt Ihr Euch aufrichten? O mein Gott!

bald hätt' ich's vergessen: auch einen Brief habe ich an Euch, von

Schloß Aalholm; der Gänsebub' hat ihn gebracht -- aber was ist Euch?

Wo wollt Ihr denn hin? Herr Eynerssen! Herr Thorald! Wartet doch!« --

Johanna hatte gut rufen und schelten: Thorald, der Helenens Handschrift

erkannt, stürzte plötzlich wie von Feuersgluth durchströmt fort,

ohne auf sie zu hören, um in abgeschlossener Stille, fern von jedem

störenden Menschenblick, das verhängnißvolle Blatt zu lesen.

Erst nachdem die Gesellschaft auseinandergegangen und Jeder auf sein

Zimmer sich zurückgezogen, trat Graf Christian bei Helenen ein. --

Finster, mit umwölkter Stirn und zusammengezogenen Brauen, näherte er

sich dem Mädchen und setzte sich in der Mauervertiefung des Fensters

ihr gegenüber, in einen altvätrisch geschnitzten Sessel, den er

vorzüglich gern bei allen Familienmittheilungen einzunehmen pflegte.

Helene war innerlich entschlossen, all sein Thun lächerlich zu finden,

sie hatte sich mit Uebermuth und Unverletzbarkeit gerüstet, und bot ihm

ruhig die heitre Stirn.

Ehe aber noch der etwas Verlegene den Anfang seiner beabsichtigten

Rede gefunden, begann sie selbst: »Erlaube mir, lieber Christian, uns

beiden ein Wort Verschwendung zu sparen. Deine Absicht ist, mir mein

Betragen in der Kirche, Herrn Eynerssen gegenüber vorzuhalten und mich

zu fragen: ob ich um die Dich so scharf verletzende Aehnlichkeit meiner

Züge mit denen einer seiner heiligen Frauen gewußt -- oder gar sie

gebilligt. Beides kann ich verneinen; ich hatte keine Ahnung davon, ehe

ich die Kirche betrat. Das Uebrige aber läßt sich mit einem einzigen

Worte abthun: ich +liebe+ Thorald Eynerssen!«

Christian ward bleich; auch er hatte in seiner Jugend empfunden, wie

jetzt Helene! er fühlte, daß sie festen Willens auf den Ereignissen

seines früheren Lebens fuße; ein schneidendes Weh trat ihm an's Herz,

und riß gespenstisch all die Leichen längst abgestorbener Schmerzen

an's Licht. Seine frühe Heirath mit der Tochter eines Feste-Bauers,

dem sein Vater, Graf Thugge, die Freiheit geschenkt, hatte ihn elend

gemacht; sie hatte ihn fünfzehn Jahre lang dem väterlichen Hause

entfremdet! Der alte Graf hatte den Feste-Bauer zum Pachter eines

seiner Höfe angenommen -- so hatte die unglückselige Neigung der

jungen Leute sich entsponnen. Fünfzehn lange Jahre hatte Christian in

Jütland in tiefster Abgeschlossenheit und drückender Armuth verlebt,

unerbittlich vom Vater verstoßen -- verflucht! -- Und dieser Vaterfluch

war seiner liebebedürfenden Seele zu einer sein ganzes Dasein

überschattenden Wolke geworden, und blieb es, selbst als er endlich des

Vaters Vergebung gewann! --

Eine dänische Geschichte: Roman · 第 1 / 11 段