8. Auftritt.

Lene. Mux.

Mux: Was willst du hier?

Lene: Ach, Martin, zürn’ mir nicht!

Ich hielt’s nicht aus daheim.

Mux: So kommst du her,

In diesen Kleidern? Wo sich alles schmückt

Zu meinem Ehrentag, der Bürgermeister

Die Kette umlegt, wo die ganze Zunft

Sich einen Festtag macht?

Lene: Sieh mich doch an!

Bist du vom Glanz des Festes so geblendet,

Daß du’s nicht merkst, wie ich für diesen Tag

Mein bestes aus der Truhe hab’ genommen?

Sieh doch das Halstuch, das du mir geschenkt,

Die Nadel auch von dir, und da die Schürze

Aus meiner Mutter Brautkleid.

Mux: Ja doch, ja.

Doch sag’ nun schnell, was willst du? Ich hab’ Eile,

Es warten andre Leute heut auf mich.

Lene: Was ich hier will? O, Martin, wenn du wüßtest,

Wie mir zumute war die ganze Zeit!

Aus jedem Mund konnt’ ich dein Lob vernehmen,

Von allen Seiten wurdest du gerühmt,

Wie du geschickt seist, wie man dich beneidet

Und wie der Bürgermeister dich belobt,

Weil du den Ruhm der Wiener Schlosserkunst

Aufs neu’ gehoben und gefestigt hast.

Wie mir das Herz bei solchen Reden hüpfte —

Und soll ich’s leugnen — bang zugleich auch schlug,

Weil du so lange dich nicht sehen ließest.

Ich konnte kaum vor Sehnsucht mich mehr fassen,

Mir ward zum erstenmal, seitdem ich dien’,

Mein Dienst zuwider; wär’ die Frau nicht krank

Und hätt’ mir leid getan, ich wär’ wahrhaftig

Spornstreichs davongerannt und hin zu dir.

Mux: Ich hätte schwerlich für dich Zeit gehabt.

Lene: Das glaub’ ich wohl; ich bin recht unbescheiden

Und weil ich selber immer an dich denk’,

Mein’ ich, du müßtest stets an mich auch denken.

Wir Mädchen sind gar dumm, wir glauben stets,

Ein Mann sei g’rade so wie wir geartet —

Euch läuft das Herz nicht mit dem Kopf davon.

Du lieber Gott, ich schwatze immerzu

Und war doch so gespannt, von dir zu hören.

Mux: Du sagst ja selbst, daß du aus fremdem Mund

Schon längst gehört, was mir zuteil geworden,

Wozu soll ich es nochmals wiederholen?

Lene: Aus deinem Munde klingt es anders doch.

Gelt, du bist Meister jetzt und wenn du willst,

Kannst du sogleich auch ein Geschäft beginnen?

Es war ja eine Summe ausgeschrieben,

Die hast du doch bekommen?

Mux: Freilich wohl.

Lene: Die Summe ist nicht groß, doch groß genug,

Ein Häuslein außerhalb der Stadt zu kaufen,

Und wenn man wacker schafft und dabei spart,

Kann man’s in kurzer Zeit zum Wohlstand bringen.

Mux: In kurzer Zeit! Das heißt in dreißig Jahren.

Lene: Und wenn nicht früher auch, was liegt daran!

So lang man Kräfte hat, soll man sich mühen,

Hat man ein ruhig Alter nur vor sich.

Mux: ’s ist gut für dich, wenn du zufrieden bist,

Zufriedenheit ist eine schöne Sache.

Lene (sich innig an ihn schmiegend): Dann braucht der Meister eine

Meisterin,

Die schafft und sorgt und spart und die das Haus

In Ordnung hält und es mit Lieb’ erfüllet,

Die nimmermüd’ nach Tages Müh’ und Last

Des Abends frohe heit’re Mienen zeigt

Und ihres Mannes Sorgenfalten glättet.

Mein Martin, gelt, wir werden glücklich sein

Wie Vöglein, die in einem Busche nisten?

Weißt du, was mich besonders noch erfreut?

Daß ich mein armes altes Mütterlein

Zu mir kann nehmen, kann es treulich pflegen

Und ihm vergelten, was es mir getan. —

Was hast du, Liebster, nur? Du schaust so finster

Und sprichst kein Wort, indessen mir der Mund

Nicht stille stehen will vor lauter Freude.

Mux: Ihr Weiber habt es leicht, ihr schwatzt so viel,

Und springt ein herbes Wort euch von den Lippen,

So schüttet ihr so viele milde nach,

Daß man das herbe beinah’ kann vergessen.

Bei uns ist jedes Wort ein Hammerschlag

Und traf der Schlag, so lassen wir ihn sitzen

Und halten nicht den Balsam gleich bereit.

Lene: Hab’ ich vielleicht ein hartes Wort gesagt?

O, dann vergib, ich hab’ es nicht gemerkt,

Und hab’ es sicherlich nicht so gemeint.

Mux (heftig): Du tatest’s nicht, ich aber will es tun.

Daß du’s nur weißt, heut’ in vier Wochen will

Ich Hochzeit machen mit des Meisters Tochter.

Lene (aufschreiend): Barmherz’ger Himmel! Nein, das kann nicht sein,

Martin, das ist nicht wahr, laß diesen Scherz!

Mux: Es ist kein Scherz, es ist die reine Wahrheit,

Ich hab’ des Vaters und der Tochter Wort.

Lene: Sie gab’s gezwungen dir, wenn sie es gab.

O, du begehst da eine Doppelsünde,

Das Mädchen liebt den Franz, es ist bekannt,

Und du, du trägst ja mich in deinem Herzen.

Mux: Nicht gar so tief, als du wohl glauben magst.

Lene: Du willst die Liebe auch zu mir verleugnen?

O Martin, das tu’ nicht! Ich will ja nie

In deinen Weg mich drängen, will ganz still

Die Hoffnung auf ein künft’ges Glück begraben,

Nur raube mir nicht die Vergangenheit,

Trüb’ der Erinn’rung mattes Glück mir nicht.

Ich zürn’ dir nicht und wünsch’ dir alles Glück,

Nur laß das eine mir, laß mir den Glauben,

Daß ich dir teuer war und daß ich nur

Der Reicheren und nicht der Lieb’ren weiche.

Gib mir ein letztes, süßes Schmeichelwort,

Sag’, daß du mich beklagst, daß du zuweilen

An mich noch denken wirst und an die Stunden,

Die wir im trauten Zwiegespräch verbracht.

Du schweigst noch immer, Martin? Wärs denn möglich,

Daß du sie lieber hast? Noch vor zwei Tagen

Hast du mit Zärtlichkeit mich überhäuft,

Es konnte sich so schnell dein Sinn nicht ändern.

So spricht doch endlich! Aus Barmherzigkeit

Sag’ mir ein Wort, das meinem Herzen schmeichelt,

Das mich an deine Liebe glauben läßt,

Das als Erinn’rung ich bewahren kann.

(Mux, der bei dem Wort »Barmherzigkeit« heftig zusammengezuckt ist,

richtet sich jetzt straff auf und spricht hart und rauh.)

Mux: So soll ich lügen aus Barmherzigkeit?

Das kann ich nicht, ich tu’ nichts aus Erbarmen.

Ich hab’ gespielt mit dir und deiner Liebe,

Und weil des Spiels ich überdrüssig bin,

Werf’ ich das Spielzeug fort und werde ernst.

Lene: Martin, die Wahrheit mag dir Gott verzeihen,

Denn sie ist größ’re Sünde sicherlich,

Als eine Lüge jetzt gewesen wäre,

Die du aus Mitleid hättest mir gesagt.

Ich fluch’ dir nicht; in deinem eig’nen Herzen

Lebt dir ein Feind, der mich noch rächen wird.

[Illustration]

Der Teufelsschlosser · 第 13 / 53 题