Bürgermeister: Dank für die Anerkennung, werter Herr,
Uns soll es freu’n, verbreitet ihr den Ruhm
Der Wienerstadt in fremden Landen weiter.
(Zu Mux): Ihr, Martin Mux, dem dieses Werk gelungen,
Das euch, der Zunft und eurer Vaterstadt
Zu Anseh’n, Ehr’ und Ruhme hat verholfen,
Empfangt von mir nun den verheiß’nen Lohn
Und die Versicherung, daß alle Bürger
Mit euch sich heute eures Sieges freu’n.
Wünsch’ ich euch Glück, sprech’ ich aus aller Herzen —
Reicht mir die Hand! Es gelte euch der Druck
Als Händedruck der ganzen Bürgerschaft.
Die Menge: Der Bürgermeister hoch, er lebe hoch!
(Der Bürgermeister drückt Mux die Hand und reicht ihm einen
gefüllten Geldbeutel, den Mux einsteckt.)
Marbacher: Das Schloß, das nun zu ewigem Gedenken
An diesem Baume hängt, hat uns gezeigt,
Daß ihr ein Meister seid in eurer Kunst;
Und so ernennt die Zunft euch nun zum Meister,
Ich führe euch mit Stolz in unsern Kreis.
Mög’ jeder Tag euch neuen Ruhm gewinnen,
Mögt ihr den Ruhm der Wiener Schlosserkunst
Auf’s neue stets befest’gen und erhalten.
Ich grüß’ euch, Meister Mux!
Die Menge: Hoch, Meister Mux!
(Wendel wirft seine Mütze in die Luft und brüllt am lautesten.)
Agnes: Das Handwerk grüßet, Meister, euch durch mich
Und läßt durch mich den Ehrentrunk euch bieten.
Mux: Vielliebe Jungfrau, soll der Trank mir munden,
Netzt eure Lippen erst in diesem Wein.
(Sie nippt an dem Becher, er nimmt ihn aus ihrer Hand.)
Mux: Ich bring es euch, bring’s meiner Vaterstadt,
Bring’s euch, ihr Herrn, und bringe es dem Handwerk!
Erster Bürger: Das Handwerk lebe hoch!
Wendel: Hoch, hoch das Handwerk!
(Er schlägt Purzelbäume und schreit laut.)
Mux: Erlaubt, Herr Bürgermeister, und ihr Herren,
Daß zum Gedenken an den heut’gen Tag
In diesen Baum ich einen Nagel schlage,
Der meinen Namen trägt.
Bürgermeister: Tut nach Gefallen.
(Mux zieht einen kleinen Hammer und einen Nagel aus der Tasche
und schlägt den Nagel in den Baum.)
Mux: Mög’ jeder, der sein Meisterstück gemacht,
Sich hier verewigen auf diese Weise.
Dritter Bürger (zu den andern): Das wird dem Baum an Mark und Leben
gehn.
Erster Bürger: Ein schöner Handwerksbrauch, man muß ihn loben.
Bürgermeister: Liebwerter Meister, nun gehabt euch wohl,
Vergnügt euch recht an diesem Freudentage.
(Er reicht ihm die Hand, der Fremde desgleichen und gehen fort.
Andere drängen sich herzu und beglückwünschen Mux.)
Das Weib (zu Mux): Nehmt meinen Glückwunsch auch an, Meister Mux!
Nun geh’ ich gleich, der Lene zu erzählen,
Wie man euch ehrte; ach, die wird sich freu’n.
Mux: Ei, Frau, ihr müßt nicht viel zu schaffen haben,
Wenn ihr die Zeit euch nehmt zu diesem Gang.
Das Weib: Seh’t einer doch den undankbaren Menschen,
Ich will gefällig sein und er ist grob.
(Sie wendet sich von ihm ab.)
(Marbacher will sich von Mux verabschieden.)
Mux: Ihr wollt schon gehen, Meister? Das ist schlimm,
Weil eure Tochter uns dann auch verläßt
Und ohne sie verliert das ganze Fest
Den Reiz für mich.
Marbacher (überrascht u. erfreut): Ei, ei, mein junger Meister,
Ich wußt’ es nicht, daß Agnes euch so wert;
Natürlich bleiben wir, wenn ihr’s begehret.
Mux (zu Agnes): Und darf ich abends euch zum Tanze führen?
Marbacher (rasch): Es wird ihr Ehre nur und Freude sein.
Dritter Bürger (zu dem Weibe): Nun fängt’s schon an, wie ich
vorhergesagt,
Ganz offen macht er Agnes heut’ den Hof.
Das Weib: Der schlechte Mensch! Drum war’s ihm auch nicht recht,
Daß ich von Lene sprach, dem armen Mädel.
Ein Geselle: Na, Mux, ihr zahlt doch was?
Mux: Ei, kommt nur mit,
Heut’ lass’ ich’s springen.
Mehrere Gesellen: Hoch der Meister Mux!
Franz (nähert sich Agnes): Was hat der Mux mit dir? Ist er denn toll?
Agnes: Ich weiß es nicht und kann mir’s nicht erklären,
So freundlich war er niemals noch mit mir;
War’s früher Scheu, weil ich die Meisterstochter
Und er nur einfacher Geselle war?
Franz: Nein, weil du selber heut’ so freundlich tatest,
Herausgefordert hat ihn dein Benehmen.
Agnes: Du tust mir unrecht, Franz, du weißt es wohl.
Franz: Hast du für abends ihm den Tanz gewährt?
Agnes: Der Vater gab an meiner Statt die Antwort.
Franz: Ich ahne Schlimmes, Agnes, halt’ zu mir,
Und laß vom Vater dicht nicht überreden.
Agnes: Ach, Gott verhüt’ es, Franz, daß es so kommt,
Wie du zu fürchten scheinst; streng ist der Vater
Und unbeugsam; vergebens wagt’ ich’s wohl,
Ihm Trotz zu bieten, wollte er mich zwingen.
Marbacher (hat sich nach Agnes umgesehen und faßt sie nun am Arme):
Bist du denn ganz verrückt? Was fällt dir ein,
Dich bloßzustellen da vor allen Leuten?
Die ganze Stadt spricht morgen schon davon,
Daß du geheime Zwiesprach hältst mit Franz,
Der nur Geselle ist bei deinem Vater.
Hältst du nicht mehr auf dich?
Mux: Kommt jetzt, wir geh’n.
An diesem schönsten Tage meines Lebens
Will alles ich um mich seh’n, was mir lieb.
(Er neigt sich zu Agnes und erfaßt ihre Hand; sie bleibt zögernd
stehen, ihn ängstlich anblickend.)
Marbacher: Nun, Agnes, wird’s? Willst du hier stehen bleiben?
(Sie geht mit Mux, Franz einen traurigen Blick zuwerfend, Franz
droht mit der geballten Faust Mux nach. Alle entfernen sich langsam.)
Erster Bürger: Hoch Meister Mux!
Wendel: Der Meister Mux soll leben!
Das Weib (zum dritten Bürger): Der Teufel hol’ ihn gleich, den
schlechten Kerl!
Mir bricht das Herz, wenn ich an Lene denk’.
(Alle andern haben sich entfernt, nur die anfängliche Gruppe bleibt.
Ganz im Hintergrund steht Franz und schaut noch immer den Davonziehenden
nach.)