Erster, zweiter, dritter Bürger. Ein Weib. Wendel. Die Menge.
Erster Bürger: So ist der Ruhm doch uns’rer Stadt geblieben,
Ein Wiener Kind errang den schweren Sieg;
Das freut mich baß, uns alle muß es freuen.
Zweiter Bürger: Ob’s alle freut, das möcht’ ich wohl bezweifeln.
Daß ein Geselle sich den Preis errang,
Das wurmt die Schlossermeister allesamt,
Den Marbacher besonders; tut er auch,
Als ob’s ihn freute, daß aus seiner Werkstatt
Das Meisterwerk hervorging. Schaut ihn an,
Welch’ ein Gesicht er macht, lobt er den Mux;
Es ist zum Lachen, wahrlich recht zum Lachen.
Erster Bürger: Mir gilt es gleich, ob Meister, ob Geselle
Den Preis errungen, schön ist’s immerhin,
Daß uns’rer Stadt er blieb. Das will ich feiern.
Dritter Bürger (halb für sich): Ihm ist’s das liebste, wenn er trinken
kann,
Er trinkt auf jedes Menschen Wohl, er feiert
Die Namenstage aller Vettern, Basen,
Er ist zu sehn bei jeder Lustbarkeit,
Bei der’s herauskommt schließlich auf das Trinken.
Das Weib: Er lebt nicht schlecht, ’s ist wahr, doch schafft er auch,
Wenn’s Zeit dazu, und läßt auch and’re leben;
Ein guter Kerl, geizig ist er nicht;
Seht, gar den Lehrling hat er mitgenommen
Und läßt ihn feiern an dem heut’gen Tag.
Wendel (ihnen zurufend): Sie kommen schon! Voran der Bürgermeister,
Und hinter ihm der Marbacher und Mux —
Zu Muxens Linken der ist wohl der Fremde.
Dritter Bürger (zum ersten): Wozu nahmt ihr den Buben mit hieher?
Erster Bürger: Er soll es seh’n, wie man das Handwerk ehrt,
Wie man die feiert, die was Tücht’ges leisten.
(Den Knaben rufend.) He, Wendel, komm!
Wendel (herzulaufend): Ja, Meister, bin schon da!
(Der Zug kommt heran und die Teilnehmer gruppieren sich, während
die Gruppe im Vordergrund weiterspricht.)
Erster Bürger: Sag, wirst du auch einmal in deinem Handwerk
Was Künstliches erzeugen wie dies Schloß?
Wendel (verschmitzt): Ich mach’ euch einen Stiefel, so gewunden,
Daß keines Menschen Fuß, wie er auch sei,
Hinein kann schlüpfen.
Zweiter Bürger: Was, du kecker Bengel?
Wendel: Und wenn er’s doch kann, soll er nie im Leben
Ihn wieder auszieh’n können. (Gelächter.)
Erster Bürger (lachend): O du Wicht,
Für diese Antwort dehnt’ ich dir die Ohren
Zu andrer Zeit; heut sei es dir geschenkt.
Ich sag’ dir’s nur, schrei du recht wacker: Hoch!
Läßt man das Handwerk und den Meister leben!
Wendel: Ich will’s besorgen, habet keine Furcht!
Das Weib: Die Agnes trägt den goldenen Pokal —
Wie hübsch sie ist, wie fein herausgeputzt!
Dritter Bürger: Dort steht der Franz, sie hat ihm zugewinkt.
Das Weib: Ob die zwei Leutchen doch zusammenkommen?
Der Alte ist ein geiziger Patron
Und Franz hat nichts als seine fleiß’gen Hände.
Zweiter Bürger: Wenn Martin Mux nicht seine Lene hätt’,
Der Marbacher gäb’ Agnes ihm jetzt gerne,
Denn sicher läuft dem Mux jetzt alles zu,
Aus Neugier schon — man muß die Wiener kennen,
Der ist in kurzer Zeit ein reicher Mann.
Dritter Bürger: Wer weiß, was noch geschieht, Geld ändert viel.
Der Martin läßt vielleicht die Lene laufen,
Wenn Aussicht er auf eine Reich’re hat.