Mux (erschrocken): So seid ihr gar — kaum wag’ ich’s auszusprechen —

(Er schlägt ein Kreuz, der Rothmantel weicht zurück.)

Ihr seid der Teufel! Fort! Hinweg von mir!

Von solcher Hilfe will ich wohl nichts wissen,

Da bleib’ ich lieber vor dem Tore steh’n.

Rothmantel: So bleib’ nur stehen, lächerlicher Tropf!

Mux: Ich bin kein Tropf, ich bin ein wack’rer Bursche,

Mit meinesgleichen nehm’ ich’s gerne auf

Und meine Fäuste werden respektiert,

Doch mit dem Teufel kann die Faust nichts richten,

Drum halt’ ich mir den Teufel hübsch vom Leib.

Rothmantel: Haha, vom Leib! Halt’ dir ihn nur vom Leibe!

Und sag’ nicht immer Teufel! Welch’ ein Wort!

Wie dumm, wie häßlich und wie abgeschmackt!

Ich bin ein Fürst, der Fürst der Finsternis,

Mein Reich ist groß, gewaltig ist mein Heer,

Das für mich gegen Licht und Wahrheit kämpft,

Ein Schlachtfeld ist ihm jedes Menschenherz.

(Er zeigt auf das Tor.)

Willst du hinein?

Mux: Mit deiner Hilfe nicht,

Denn wer von dir nur das geringste nimmt,

Ist dir verfallen gleich mit Leib und Seele —

Um einen Groschen halt’ ich mich nicht feil.

Rothmantel: Muß es denn nur bei diesem Groschen bleiben?

Ich kann dir Reichtum geben, Ehre, Ruhm

Und was du sonst noch willst.

Mux: Ich glaub’ dir nicht;

Wenn du mir jetzt mit Gold die Taschen füllst,

Beim Tageslicht find’ ich nur Spreu darinnen —

Und Ruhm? Wie käm’ ein Schlosser wohl dazu?

Rothmantel: Nun, dazu wäre jetzt Gelegenheit.

Du weißt, es kam ein Mann in diese Stadt,

Der um den letzten Baum des Heidenhaines

Will einen Eisenring geschlagen haben,

Ein Schloß daran, so künstlich, daß kein andrer

Als nur der Schlosser, der es selbst gemacht,

Es öffnen kann. Seit einer Woche nun

Müh’n sich vergeblich alle Schlosser Wiens,

Ein solches Schloß zu machen; doch der Fremde

Zieht jedesmal, so oft ein Schlosser kommt,

Sein Kunstwerk freudestrahlend ihm zu reichen,

Aus seiner Tasche lächelnd einen Schlüssel,

Das Schloß vor des Erstaunten Augen öffnend.

Der Bürgermeister, der den Ruhm will wahren

Der Wiener Schlosserkunst, hat hohe Preise

Dem Sieger ausgesetzt und er verspricht

Die güld’ne Ehrenkette, wenn’s ein Meister

Zustandebringt, — verspricht das Meisterrecht

Und eine Summe Geldes dem Gesellen,

Wenn einer soll die Meister übertreffen.

Ich will dir helfen, du sollst Sieger sein.

Mux: Schön Dank dafür, das laß ich andern gern,

Auch ohne das werd’ ich noch einmal Meister.

Rothmantel: Doch nicht mit gleichem Ruhm. Hör’ zu, Gesell,

Wie das Gebäude deines Glücks ich baue:

Bis morgen abends will der Fremde warten,

Und bis dahin bringt keiner es zustand’,

Wenn ich nicht helfe; bist du dann der Einz’ge,

Wird alles hoch dich preisen und berühmen.

Hast du das Meisterrecht und hast das Geld,

Gehst du sofort und wirbst bei deinem Meister

Um seiner Tochter Hand.

Mux: Das geht nicht an,

Sie liebt den Altgesellen.

Rothmantel: Der ist arm;

Auf deiner Seite wird der Vater stehen.

Mux: Und ich hab’ einen Schatz, den ich nicht lass’.

Rothmantel: Du Dummkopf meinst, der Schatz ließ’ nicht von dir,

Wenn sich ein Reich’rer böt’?

Mux: Ich glaube nicht.

Rothmantel: Dann kennst du Weiber nicht. Doch höre weiter.

Bist du erst Meister und dazu der Eidam

Des Marbacher, dann läuft dir alles zu,

Ich geb’ dir Gold, soviel du haben magst,

Und niemand forscht und niemand rechnet nach,

Woher du’s hast; bist du der Künstler ja,

Der alle übertraf; man überhäuft

Mit Arbeit dich und zahlt, was du begehrst.

In wenig Jahren bist du reich und groß

Und keinen wundert’s.

Mux: Und in wenig Jahren

Kann ich auch tot sein und fall’ dir zum Opfer.

Rothmantel: Zum Opfer fällt mir keiner, der nicht will,

Ich schließe keinen Pakt bedingungslos.

Die schwachen Seelen, die ganz ohne Kampf

Sich mir ergeben wollen, acht’ ich nicht.

Wenn einer, dem du nur die Faust gezeigt,

Sich auf die Knie würf’ um Gnade flehend,

Wollt’st du den schlagen?

Mux: Nein, das wollt’ ich nicht,

Ich spuckte vor ihm aus und ließ’ ihn geh’n.

Rothmantel: So denk’ auch ich und mach’ Bedingungen.

Ein Hintertürlein lass’ ich jedem offen.

Ist einer klug und macht die Augen auf,

Entschlüpft er mir und macht den Pakt zunichte.

Mux: Und welcher Art wär’ die Bedingung wohl,

Die du mir stelltest? Daß ich’s nur gesteh’,

Es reizt mich der Gedanke, mit dem Teufel

Einmal zu raufen, ist’s auch nicht die Faust,

Die ich da brauchen kann. Man sagt mir oft,

Ich hätte einen off’nen, hellen Kopf,

Der mag in diesem Kampfe mir nun dienen.

Rothmantel: Wohl, brauch’ ihn nur! Ich geb’ dir dreißig Jahre,

Da sollst du leben, wie es dir gefällt,

In Reichtum, Glanz und Ehren; niemals soll

Dir eine Krankheit Geist und Körper schwächen,

Ich leihe Riesenkräfte deinem Arm

Und künstlerische Fertigkeit der Hand,

Kein Zeitgenosse soll dich übertreffen.

Freigebig überschütt’ ich dich mit Gold,

Die Leiter halt ich dir, auf der du mühlos

Zu hohen Ehrenstellen steigst empor.

Bist du’s zufrieden? Soll ich mehr dir geben?

Mux: Wer dreißig Jahre so die Welt genoß,

Kann ohne Murren sie dann wohl verlassen.

Ich habe dreißig Jahre hinter mir,

Bedenk’ ich’s recht, so waren sie nicht übel,

Trotzdem ich arm war und oft hart geplagt;

Wie herrlich mag sich’s erst im Reichtum leben!

Rothmantel: Nach dreißig Jahren aber bist du mein ...

Mux: Nicht unbedingt! Jetzt kommt das Hintertürchen,

Durch das ich zu entschlüpfen dir gedenk’.

Rothmantel: Ganz recht, jetzt kommt’s. Hör’ aufmerksam nun zu:

Nach dreißig Jahren also bist du mein,

Streichst du die Liebe nicht aus deinem Leben.

Mux: Ist das dein Ernst? Sonst nichts? Sonst wirklich nichts?

Nun, aus den Weibern mach’ ich mir nicht viel,

Auch meinen Schatz werd’ ich gar leicht vergessen.

Rothmantel: Versteh’ mich recht, so ist es nicht gemeint.

Es ist die Liebe ja, von der du sprichst,

Ein Teil nur jener allgewalt’gen Liebe,

Die unsichtbar die ganze Welt regiert,

Die alle Menschen aneinander bindet,

Die als Gebet aus ihren Herzen steigt,

Im Lächeln heiter thront auf ihren Lippen,

In jeder Trän’ aus ihren Augen quillt.

Nicht einer Liebe sollst du nur entsagen,

Du schwörst ihr ab in all’ und jeder Form;

Du mußt dein Herz nicht streng vor ihr verschließen,

Laß sie nur ein und dort bekämpfe sie.

Dich reizt der Kampf, so sollst du tapfer kämpfen

Und sorg’ dafür, daß stets du Sieger bleibst.

Du magst nach deinem Willen immer handeln,

Nur was dich Liebe heißt, darfst du nicht tun.

Almosen darfst du geben, wo es gilt,

Als reicher Bürger dich hervorzutun.

Doch fühlt dein Herz ein menschliches Erbarmen,

Und dringt des Mitleids Träne dir ins Aug’,

Kämpf’ alles nieder dann und werde hart.

Kannst du mit einem Blick, mit einem Worte

Ein Wesen glücklich machen — sei’s dein Weib,

Sei es dein eigen Kind — so tu es nicht.

Und wer dich anruft in der Liebe Namen,

Den höre nicht; wenn um Barmherzigkeit

Dich jemand anfleht, weis’ ihn hart zurück,

Und kannst du nicht umhin, der Zeugen wegen,

Ihm doch zu geben, sag’ ein böses Wort,

Daß ihm die Gab’ in Hand und Herzen brenne.

Und siehst du leiden irgendwo ein Tier,

Geh’ dran vorbei, gönn’ ihm den Fußtritt nicht,

Der von seiner Qual erlösen könnte.

Mit kurzen Worten: Tu’ kein Liebeswerk,

Du hast beim ersten schon dein Spiel verloren.

Mux: Die Sache mag zuweilen schwierig werden,

Doch mein’ ich, daß ich ihr gewachsen bin —

Ein allzu weiches Herz ist nicht mein Fehler —

Es sei! Ich geh’ auf die Bedingung ein.

Gib das Papier, ich will die Tinte liefern.

(Er zieht sein Messer und streift den Ärmel auf.)

Rothmantel: Laß es nur sein, es gilt der Pakt auch so.

Um diese Stunde heut’ in dreißig Jahren

Kommst du zu jenem Baum im Heidenhain,

Um den du morgen einen Ring wirst legen;

Dort gibst du Rechenschaft von deinem Tun,

Vernimmst das Schicksal, das du dir bereitet.

Mux: Noch eins! Es zwingt mich häufig mein Beruf,

In Kirchen und Kapellen auch zu schaffen;

Ich halte doch den Bund mit dir geheim

Und möchte nicht, daß man ihn jemals ahnte —

Es fiele auf, mied’ ich die heil’gen Stätten.

Rothmantel: Du brauchst sie nicht zu meiden; ist der Ort

Dir ja nur Arbeitsplatz.

Mux (zögernd): Und wenn mich dann

Einmal die Lust zu beten überkäme,

Darf ich es nicht?

Rothmantel: Warum? Bet’ du nur zu,

Wenn du’s vermagst, zu beten ohne Liebe.

Mux: Pah, man kann alles, was man will. Leb’ wohl!

Rothmantel: Auf Wiedersehn! Da hast du nun den Groschen,

Ihn, deines Glückes oder Unglücks Quell.

Mux: Der Mensch ist selber seines Glückes Schmied,

Ich will es sein, ich fühl’ die Kraft in mir.

(Er geht zum Tor und klopft; der Rothmantel blickt ihm höhnisch lächelnd

nach.)

Rothmantel: Nur zu, du armer Tropf! Trau’ deiner Kraft

Und trau’ dem Glück, das du dir schmieden willst!

Gelingt es dir, die Liebe zu besiegen,

Dann wehe dir! Du wirst umsonst wohl beten

Zu einem Gott, den du verleugnet hast.

~Verwandlung:~

(Der Ausgang des Heidenhaines; um den letzten Baum desselben ist ein

Eisenring gelegt. Ganz im Vordergrunde eine Gruppe, die sich unterhält.

Der Knabe Wendel etwas im Hintergrund, nach links spähend, woher der

Zug kommt.)

Der Teufelsschlosser · 第 6 / 53 题