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Gebet zur Feier aller Seelen
(auf dem Friedhofe am Vorabend des Nissan-Neumonds)^[4].
[4] Sowie für den Besuch der Gräber überhaupt.
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Herr, was ist der Mensch, daß Du Dich sein annimmst, der Erdensohn,
daß Du auf ihn achtest!
Der Mensch, einem Hauche gleich, seine Tage — dem Schatten, der
dahinzieht! (Ps. 144, V. 3 u. 4.)
Und Du hast ihn göttlichen Wesen wenig nachgesetzt, mit Würde und
Hoheit krönst Du ihn. (Ps. 8, V. 6.)
Doch weiß ich, Du führst zum Tode mich, ins Sammelhaus für alles
Lebende. (Hiob 30, V. 23.)
יְיָ מָה אָדָם וַתֵּדָעֵהוּ בֶּן אֱנוֹשׁ וַתְּחַשְּׁבֵהוּ׃
אָדָם לַהֶבֶל דָּמָה יָמָיו כְּצֵל עוֹבֵר׃
וַתְּחַסְּרֵהוּ מְּעַט מֵאֱלֹהִים וְכָבוֹד וְהָדָר תְּעַטְּרֵהוּ׃
כִּי יָדַעְתִּי מָוֶת תְּשִׁיבֵנִי וּבֵית מוֹעֵד לְכָל חָי׃
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Gebet.
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An der Stätte wehmütiger Erinnerungen sind wir versammelt, und lebendig
treten uns geliebte Gestalten entgegen, deren liebevolle Nähe wir
schmerzlich vermissen. Wir haben viele hierher begleitet, mit denen wir
gern gewandelt sind, bis wir zu diesem Orte hin den letzten Gang mit ihnen
gemacht haben; erst dann werden wir mit ihnen wieder vereinigt, wenn auch
uns die letzte Erdenstunde geschlagen hat. Manches teure Haupt ruht hier,
das Gedanken voll Ernst in sich gehegt, mit Hingebung für uns gesorgt und
gewirkt hat, und Herzen sind hier vergraben, die bis zu ihrem letzten
Hauche in Zärtlichkeit und Wohlwollen sich für uns bewegt haben. Hier
schweigen die Lebenskämpfe; auch die Mühseligkeiten finden hier ihr Ende,
auch die Eitelkeit hier ihr Grab. Was den Menschen an die Sinnlichkeit und
die Selbstsucht fesselt, das ist der Vergänglichkeit preisgegeben; ein
wenig Staub, das ist der Überrest seines irdischen Teiles. Aber der Geist,
der hienieden schon das Unendliche umfaßt, der hienieden schon über Zeit
und Raum sich erhebt, er verwest nicht hier, das liebende Herz, welches
seinen Reichtum auf andere überträgt, welches überfließend in der
Teilnahme und im Wirken für andere lebt, es ist _nicht tot_. Aus dem
Frieden der Gräber tönt es hervor: was irdisch war an uns, das ist der
Erde zurückgegeben, _aber der Geist ist unsterblich, die Liebe ist
unendlich, ewig_. Die Stimme der im hiesigen Leben uns Teuern rufen uns zu
aus den Wohnungen der Verklärten: nicht der finstern, dahinbrütenden
Trauer ergebt euch, weil wir von euch geschieden sind; wir sind dem Rufe
des ewigen Geistes, des Vaters der Liebe, gefolgt, sein Geist wird auch
über euch wachen, seine Liebe auch euch beschützen. Lernet aber hier, dem
Geiste und der Liebe, der Wahrheit und der tätigen Fürsorge für die
Gesamtheit, dem Ewigen und dem Allgemeinen eure Kräfte zu widmen; es ist
das Einzige, das die Brücke bildet zwischen dem Leben hienieden und dem in
der Ewigkeit, es allein füllt die Kluft aus, welche das Grab öffnet. Säet
Liebe aus, und die Frucht wird euch werden; es heilen die eigenen Wunden,
wenn wir anderer Wunden zu heilen bemüht sind.
Ja, mit Ruhe und Ergebung wollen wir zu euren Gräbern hinwandern, die ihr
im Leben uns nahe gestanden und Lieblichkeit auf unseren Pfaden verbreitet
habt. Im Geiste sind wir noch verbunden, für die Liebe gibt es keine
Trennung; die Selbstsucht aber wollen wir bannen, und die Stimme, die den
Genuß bejammert, der uns durch euch geworden ist, wollen wir zum Schweigen
bringen. Ein edles, reines Band umschlingt uns auch heute noch, und euer
Andenken möge uns stärken und erquicken in den Kämpfen des Lebens, auf daß
wir in Redlichkeit und mit reichen Gaben des Geistes das Leben
durchwandern, bis uns einst des Sieges und des Friedens Palme weht. Dort
leben wir dann vereint in den Geistesräumen, wo, wie hier, ein ewiger
Vater uns alle beschirmt. Amen!
(Die einzelnen verfügen sich an die Gräber ihrer Angehörigen oder Freunde
und verrichten dort ihre Gebete.)
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An dem Grabe der Eltern.
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An dein Grab trete ich, lieber Vater (liebe Mutter), deine teuern Züge
treten mir vor die Seele, deiner Liebe gedenke ich lebhaft. Deine
zärtliche hingebende Sorgfalt gegen mich hat mich während deines Lebens so
treu geführt, und im gegenwärtigen Augenblick erinnere ich mich so vieler
Beweise deines unerschöpflichen Wohlwollens, deiner Güte und
Freundlichkeit gegen mich. Nicht immer erkennt das Kind bei Lebzeiten
seiner Eltern genügend diese reiche Liebe an, die unermüdete Tätigkeit,
mit der die Eltern wachen und sorgen, nicht genügend beweiset es ihnen
Dank und Erkenntlichkeit. Auch ich habe dich wohl zuweilen, geliebte
Seele, betrübt, selbst in den Jahren der Reife, auch ich mag nicht immer
deinen Erwartungen entsprochen haben, die nur meinem wahren Wohle galten.
Lieber Vater, (liebe Mutter), Du blickest dennoch segnend auf mich herab,
denn die Liebe ist nachsichtig und milde! Mir aber fehlt deine Stütze,
dein weiser Rat, dein freundliches Wort, deine liebevolle Tat, mir fehlt
der seelenvolle Blick, der das Innerste meines Herzens erwärmte, der mich
ermutigte und belehrte, mich kräftigte und abmahnte. Jedoch die Weisheit
der göttlichen Weltregierung bestimmt es so, daß die Kinder zur
Selbständigkeit heranreifen sollen, daß sie, der eigenen Stütze beraubt,
andern wieder Stütze werden sollen. (Wohl bist du mir frühzeitig entrissen
worden, du hast nicht das gewöhnliche Lebensziel erreicht; mir ward nicht
das Glück zuteil, meine Eltern um mich zu sehen, bis sie satt an Tagen,
segnend von hinnen geschieden, und in Zeiten ernster Lebensentscheidungen,
wo das Kind des Rates und der Führung bedarf, da fehlte mir, da fehlt mir
dein gewichtig Wort. Doch wird dein unsichtbarer Geist mich beratend
umschweben, ich fühle deine Nähe in solchen Augenblicken, und der
alliebende Vater wird auch mich nicht verlassen). (Kaum habe ich dich,
lieber Vater (liebe Mutter), gekannt, kaum habe ich jenen Namen, der alle
Süßigkeit in sich schließt, aussprechen gelernt; ach, jene schützende
Fürsorge, die andere so sehr beglückt, sie ist mir durch den Ratschluß
Gottes, durch dich nicht geworden; dein brechendes Auge sah wehmütig auf
mich, damals noch Unmündigen (Unmündige), dein enteilender Geist zögerte
in Bekümmernis um mich, ach, ich wußte es nicht. Dennoch hängt mein Herz
mit Verehrung an dir, ich füge mich in den göttlichen Willen, der eine
große Freude meinem Leben entzogen hat. Deine äußere Persönlichkeit
vermochte nicht auf mich einzuwirken, deine Liebe blieb mir doch, und, mir
unsichtbar, leitest du mich doch.)
Drum sei mein Leben, lieber Vater (liebe Mutter), der Aufgabe geweiht,
einen Wandel zu führen, der deinem reinen Geiste wohlgefällt Deine Liebe
soll nicht einem (einer) Unwürdigen zugewandt sein. Dein Andenken steht
mir allezeit nahe, und dein Name soll durch mich stets geehrt werden. Ich
fühle mich mit dir verbunden, und dir nachzueifern in allem Guten und
Edlen, sei mein Streben. Blicke auf dein Kind herab und umgib es in allen
Lagen des Lebens. Bewahre mein Herz vor Stolz und vor Verzagung, vor der
Genußsucht und der Gleichgültigkeit gegen das Leben, lenke meinen Geist
auf die Bahn der Klarheit und flöße meinem Herzen Vertrauen ein auf Gott
und Wohlwollen gegen die Menschen. In Zeiten der Gefahr und der Versuchung
mögest du mir ein unsichtbarer Berater (eine unsichtbare Beraterin) sein,
daß ich nicht wanke und strauchle und mich schämen müßte, dann zu dir
aufzublicken, damit, wenn ich einst zu dir komme, du mich freudig begrüßen
kannst und nicht der Blick des Vorwurfs und des Kummers mich von dir
fernhalten müsse.
Für dein Seelenheil aber flehe ich zum ewigen Vater. Bei aller Liebe zu
dir, bei aller Verehrung gegen dich darf das Kind es doch aussprechen;
kein Mensch ist ohne Fehl, und nur die Gnade Gottes bedeckt die Sünde, nur
seine Verzeihung führt zum ewigen Heile. Dunkel ist meinem Geiste jetzt
noch die Bahn, die du nun wandelst! Aber du bist, du lebst noch, das fühle
ich tief in meinem Innern. Wenn eine solche Gotteskraft schwinden könnte,
wenn eine solche tiefe Innerlichkeit, wie deine Liebe war, wenn solche
Gefühle, wie du sie gegen mich gehegt, bloß ein Erzeugnis von Erde, von
Fleisch und Blut und deshalb vergänglich wären, dann müßte alles
zusammenstürzen, dann gäbe es auch hier keinen Geist, keine Höhe, keine
Würde, keine Liebe, keine beseeligende Innigkeit. Nein, du lebst, du lebst
bei Gott, und in seiner geistigen Nähe strahlt auch dein Geist für und
für.
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An dem Grabe eines Sohnes oder einer Tochter.
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Du bist mir vorausgeeilt mein liebes Kind! Schon manche Träne habe ich dir
nachgeweint, schon mancher Seufzer ist meiner Brust entstiegen, weil du
mir fehlst. Es ist eine harte Prüfung, die Gott mir auferlegt, und mein
Herz ist tief betrübt, sooft ich deiner gedenke. Du hattest schöne
Hoffnungen in mir erweckt, und manche Freude strahlte mir von dir aus der
Zukunft entgegen. Ich glaubte, du würdest mein Alter schmücken, du würdest
der jugendliche Kranz auf meinem Haupte sein, wenn es greis wird; ach, ich
habe dir den Totenkranz auf dein Haar gedrückt! Gott wollte es so! Ich
kann nicht, ich darf nicht gegen sein Gebot murren. Habe ich etwa
gesündigt gegen dich? War mein Herz zu stolz in der Liebe zu dir? Habe ich
meine ganze Hoffnung zu sehr auf dich gesetzt und Gott wollte meine Kraft
wachrufen? Ich weiß es nicht. Aber das weiß ich, daß das Leben des
unvollkommenen Menschen Leiden haben muß, damit das Herz geläutert werde,
damit der Mensch tüchtiger werde an Kraft. Ich habe Jahre der Seligkeit
genossen in deinem Besitze, die Liebe freut sich der Gabe, freut sich der
Sorge um den geliebten Gegenstand, freut sich lieben zu können. Diese
Liebe sei mir ein unentreißbares Gut, sei mir das teure Vermächtnis von
dir, die Liebe zu dir schwinde nicht aus meinem Herzen, sie lehre mich
auch, andere lieben. Der Genuß, auch der reinste, ist vergänglich, aber
die Liebestat bereitet immerwährende Freude, sie ist ein Balsam für das
verwundete Herz. Mein geliebtes Kind: ich hätte gern noch weiter um dich
gesorgt, gern dich eingeführt in die höheren Stufen des Lebens; du bist
frühzeitig in ein anderes Dasein versetzt und meiner Sorgfalt entrückt
worden. Ob du dort schon als vollendeter Geist wirken kannst? Ich vertraue
auf Gottes Güte, er wird dir, was du hier nicht erreichen konntest, dort
leicht machen, er wird den jugendlichen Geist rasch zu den Zielen der
Vollendung gelangen lassen. Du bist hier über die Mühen des Lebens rasch
hinweggeglitten, du hast die harten Prüfungen nicht zu bestehen gehabt,
harmlos und heiter wie in diesem Leben gingst du in das Gottesreich ein.
Dort ist deine Seele, nicht berührt von den verunreinigenden und
niederdrückenden Kräften des Erdendaseins, verklärt, und du weilest im
Chore der Edlen. Sollte ich um deinetwillen klagen? Nein, auch ich will
den Verlust tragen mit der Kraft der Liebe, welche du mir eingeflößt hast.
Dein Andenken sei mir ein reines, nicht getrübt durch die Tränen bittern
Schmerzes, welche es mir entlocken könnte, nicht entstellt durch den Gram,
der in meine Züge sich einprägen möchte. Wir vereinigen uns einst wieder,
die Sehnsucht des elterlichen Herzens ist wahr, sie ist wahrer als alle
Erscheinungen der Welt, denn sie lebt im Tiefsten des Gemütes, diese
Sehnsucht ist wahr, und der ewige Gott der Liebe wird sie befriedigen.
Für dein Seelenheil aber, mein frühverklärtes Kind, bete ich innigst zu
Gott; bist du in jugendlicher Unreife eingegangen in sein Reich, hast du
noch Spuren des Leichtsinns in jener ernsten Stunde an dir getragen, der
Allgütige wird sie dir vergeben. Ein Vater verzeiht gern, und er ist ja
unser aller Vater!
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An dem Grabe des Gatten oder der Gattin.
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Wir hatten ein unauflösliches Band geknüpft, wir wollten gemeinsam durch
das Leben wandern; das Band ist zerrissen, ich stehe einsam da. Ich danke
dir, mein guter Mann (mein gutes Weib), für die Treue, welche du gegen
mich geübt, für die Sorgfalt, mit der du mich umgeben, für die Innigkeit,
die du mir bewiesen hast; überall, wenn ich in mich, wenn ich um mich her
blicke, da gewahre ich die Spuren deines Wirkens. (Kurz war unsere
gemeinschaftliche Erden-Wallfahrt, aber die Erinnerung an die empfundene
Liebe bleibt immer erquicklich, das treue Andenken ist unverlöschlich) —
(Du hast unsere Kinder (unser Kind) mit einer Zärtlichkeit gehütet, die
nur ich verstand, du hast sie (es) gelehrt, daß sie (es) Gott verehren
(verehre) und auf ihn vertrauen (vertraue), daß sie (es) das Gute lieben
(liebe) und in der Erfüllung der Menschenpflichten ihre schönste Aufgabe
finden (finde); du hast ihnen (ihm) als teures Vermächtnis auch die Liebe
gegen mich hinterlassen. Auch dafür danke ich dir, mein guter Mann (mein
gutes Weib). Deine Sorgfalt kann ich unsern Kindern (unserm Kinde) nicht
ersetzen, aber ich werde, soweit es in meiner Kraft liegt — das verspreche
ich dir hier, wo deine Asche ruht, und wo dein Geist sich losgerungen hat,
das verspreche ich dir hier im Angesicht Gottes — ich werde sie (es)
führen nach meiner Kraft, auf daß dein frommes Auge wohlgefällig auf ihnen
(ihm) ruhe, ich werde sie (es) führen in Gottesfurcht und Menschenliebe,
daß sie (es) ehrenhaft leben (lebe) in redlichem Willen und nicht
verachtet seien (sei) bei Gott und den Menschen, ich werde sie (es)
lehren, dein teures Andenken ehren und die Liebe zu dir im Herzen tragen.)
— Was du mir warst, ich werde es ewig tief fühlen. Doch ich muß noch in
diesem Leben weilen, während du schon einen verklärten Himmelssitz
einnimmst. Gott will es so. Soll ich fragen? Soll ich klagen? Die Frage
wird nicht beantwortet. Der Mensch ist unvollkommen, seine Wallfahrt
hienieden, damit er seine Kraft erprobe und ausbilde, nicht, damit er
ungestört genieße. Ich will nicht als ein verdrossener Knecht, sondern als
ein williges Kind Gottes erfunden werden (verlange ich ja auch von unsern
Kindern (unserm Kinde), daß sie (es) sich ohne Murren ergeben (ergebe),
und verlange ich ja Gehorsam von ihnen (ihm), wenn sie (es) auch nicht
einsehen (einsieht), daß es zu ihrem (seinem) Wohle gereicht). Darum will
ich ruhig hienieden fortwandeln, bis es einst dem Herrn über Leben und Tod
gefällt, auch mich einzusammeln zu allen, die mir vorangegangen sind, auch
zu dir, mein guter Mann (mein gutes Weib). Was rein und edel hier an uns
war, das lebt dort sicherlich fort, und schöner wird das Band sein, das
uns dann in Wahrheit unauflöslich umschlingt.
Ach, daß es dir dort wohlergehe, bis ich wieder mit dir vereint bin, das
ist mein täglich Flehen zu Gott. Wie dein wachsames Auge uns von dort auch
umgibt, mich und alle, die uns in Liebe angehören, so möge Gottes
Vaterhuld dir die Fülle seiner Segnungen gewähren! Mein guter Mann (mein
gutes Weib), dieser Grabhügel decket deine Asche, dein Herz ist nicht tot,
dein liebevolles Gemüt ist nicht gestorben, du lebst in mir, du lebst bei
Gott!
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Am Grabe der Geschwister, Großeltern, Schwiegereltern
und anderer Verwandten.
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Ich sehe dich nicht mehr mit leiblichem Auge, Du, dessen (deren) Nähe mich
und alle, die zu uns gehören, so oft erquickte. Du bist dem Kreise der
Unsrigen entrückt, und schmerzlich vermissen wir dich. Wir sind um vieles
ärmer geworden durch deinen Verlust, ärmer geworden an Lebensfrische,
ärmer an den Beweisen deiner Liebe. Du hast überall Freundlichkeit
hingetragen, für alle Angehörigen einen Blick der Liebe gehabt. Und dein
Wort, es erfrischte und erquickte. Nun du fehlest, da fühlen wir erst
recht, was du gewesen bist, wie du das Band so eng geknüpft, wie du
heilsam gewirkt, wie du die Liebe gepflegt hast. Mein Herz ist tief
betrübt; nur dein kühles Grab kann ich umfassen, ich breite die Arme nach
dir aus, sie können dich nicht umfangen. So zieht einer nach dem andern
hin, der Kreis wird gelichtet, doch setzen auch neue Äste sich an, wenn
nur der Stamm ein gesunder ist. So will auch ich denn in deinen Wegen
gehen, ich will die Zurückgebliebenen mit treuer Liebe umfassen, in der
Erinnerung an dich, liebe, abgeschiedene Seele, wollen wir uns enger
aneinander schließen, und meinem Geiste und Herzen will ich die edlen
Saaten zu entlocken suchen, die bei dir so schön aufgegangen waren. Ich
will des Lebens Prüfung mit starkem Mute tragen, auf daß ich den unsrigen
mit tröstender Kraft vorangehe. Des Lebens Wert besteht in tätiger Liebe,
nicht in der Klage um das unwiederbringlich Dahingegangene. In unserm
Streben wirst auch du fortleben und in unserm Herzen ist dir eine
sicherere Stätte bereitet als die, welche deine Gebeine umschließt. Deine
Heimat ist nun im Gottesreiche, und im Kreise verwandter Seelen möge dein
Heil wahrhaft erblühen.
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Am Grabe eines Freundes oder einer Freundin.
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Wir hatten einander im Leben gefunden, liebe, verklärte Seele, und ein
enges Band war zwischen uns geknüpft. Nicht Fleisch und Blut, nein! dein
Geist und dein Herz haben mich zu dir hingezogen, und je tiefer ich in
dein Inneres eindrang, je mehr die Tiefen deiner Seele vor mir sich
enthüllten, um so mehr lernte ich dich lieben und achten. Der Umgang mit
gleichgestimmten Seelen ist die erhebendste geistige Nahrung, das fühlte
ich in deinem Umgange, in den heitern und den ernsten Gesprächen, die wir
miteinander führten. Deine Klarheit, deine liebevolle Teilnahme belehrten
und erquickten mich; dein edler Sinn verlieh auch mir den Aufschwung zum
Höhern und Bessern. Habe Dank, du liebe Seele, für deine Freundlichkeit,
habe Dank, für die Stunden höheren Genusses, die du mir bereitet, für die
Vorahnung eines schönern geistigen Daseins, die du in mir geweckt und
bestärkt hast. Die Ahnung, sie ist dir nun zur Klarheit geworden; ich aber
soll weiter im Kampfe des Lebens stehen, ohne deine Stütze, ohne deinen
ermahnenden und beschwichtigenden Zuspruch. Schwer ist es, einen solchen
Verlust zu ertragen. Das seltene Gut wahrer Freundschaft wird nicht so
leicht ersetzt. Die Empfänglichkeit des Herzens nimmt ab, der Einklang der
Seelen wird schwerer gefunden. Doch mir bleibt die Erinnerung an dich. Bei
jedem Schritte des Lebens, bei jedem Gedanken und Gefühle, da seiest du
mein Führer und mein Richtmaß. Immer werde ich mich fragen: wie würde dein
Freund (deine Freundin) hier geurteilt, wie geraten, wie gehandelt haben?
Und in unsichtbarem Verkehre mit dir werde ich mich läutern und veredeln,
um deiner stets würdig zu bleiben. So lebe nochmals wohl, teure Seele, bis
auch ich einst zu dir komme. Ja, wir vereinigen uns wieder im großen
Vaterhause. Was aus dem Geiste entsprungen ist, das ist ewig, was die
Liebe zart gewunden hat, das ist unauflöslich. Es ist der Erde gegeben,
was der Erde entstammt; aber gehörtest du der Erde ganz an, daß du zu ihr
wieder werden könntest? War das Aufblitzen deines Auges, wenn ein schöner
Gedanke dich durchleuchtete, irdisch? War der innige Blick, der dich bei
teilnehmender Hingebung verklärte, ein Werk des Staubes? Nein, das lebt
fort an dir, lebt schöner, freier. So lebe wohl im Umgange mit höhern
Geistern. Deine Liebe wird auch jetzt noch mich umschweben, dein Geist
aber in Klarheit die lichten Bahnen der Ewigkeit durchwandern, und
himmlische Freuden mögen dich erquicken!
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Am Grabe eines Wohltäters oder einer Wohltäterin.
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Viel verdanke ich dir, und deines teilnehmenden Wirkens für mich werde ich
nie vergessen. Ich stehe an deinem Grabe und bete für dich aus der Tiefe
meines Herzens. Mein leibliches und mein geistiges Wohl hast du gefördert,
weil du als Mensch den Menschen liebtest, nicht um meines Verdienstes
willen. Aus der Saat der Liebe da sprießen Garben hervor, die du dort
einsammeln wirst. Schwach ist mein Dank, was kann ich für den reinen Geist
tun? Nur ein ehrendes Andenken bleibt mir, das will ich bewahren; dein
Werk nach Kräften fortsetzen, in deinen Wegen der Güte wandeln, das sei
mein Dank, der dir am meisten wohlgefällt. Dort aber wirst einen schöneren
Lohn du empfangen: „Vor dir her wandelt deine Frömmigkeit, die
Herrlichkeit Gottes nimmt dich auf.“
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Am Grabe eines Lehrers oder einer Lehrerin.
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Meinem Geiste bist du, als er noch unentwickelt war, ein redlicher Führer
(eine redliche Führerin) gewesen, meinem Herzen hast du die Richtung
gegeben. Nun erst erkenne ich es recht, was dein liebevoller Ernst von mir
verlangt hat, was ich deinem Wirken schulde. Nimm, verklärter Geist, den
Dank des Geistes an, der in dir seine Nahrung gefunden hat; du warst der
Quell, der mich befruchtet hat; der Quell versieget nicht, wenn er auch
meinem leiblichen Auge sich entzieht. Ob ich immer deinen Wünschen
entsprochen habe? Ob deine Lehren eine fruchtbare Stätte bei mir gefunden
haben, es sei mein redlich Streben, deine würdige Schülerin heißen zu
dürfen. — Schon hier war dein Leben einem höheren Ziele zugewandt, du hast
es erreicht; des Lebens Mühsal ist geschwunden, des Geistes freudige
Klarheit, nach der du so ernst gerungen, sie ist dein Lohn. Was Menschen
nicht belohnen können, oft auch nicht belohnen wollen, das wägt Gott auf
gerechter Wage, und seine Liebe wird dort dich beglücken!
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Am Grabe bedeutender Menschen.
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Du weilest nicht mehr unter uns, aber die Spuren deines Wirkens sind tief
eingegraben und sprießen vielfach hervor: du bist noch unter uns mit
deinem bessern Anteile. An deinem Grabe lerne ich es und wird es mir zur
unzweideutigen Gewißheit: es ist nicht alles eitel und vergänglich. Die
Taten deines Geistes, deiner edlen Natur leben fort und erquicken viele,
die dich nicht geschaut haben mit leiblichem Auge, die, ach, vielleicht
kaum ahnen, daß sie dir reiche Nahrung des Geistes und des Herzens zu
danken haben. In dem Menschen, der über die Gewöhnlichkeit sich erhebt, da
erkennen wir erst das Göttliche, da ist Gott uns nahe. Nicht mit Schmerz
stehe ich an deinem Grabe, die Vernichtung hat nur deine Hülle getroffen.
Hier fühle ich mich gehoben, denn ich lerne den Menschen in seiner Würde
kennen und ehren; neben der Demut, die mich erfüllt, ob meiner eignen
Schwäche, gewinne ich doch auch Kraft, um zum Ziele wahrer Menschenbildung
mich hinanzuringen. Der Geist, der hier schon die Unendlichkeit in sich
getragen hat, ihm ist wohl in den Räumen der Ewigkeit; dort fühlst du dich
heimisch, du begrüßest alle Edlen, du lebst in Gott, bei dem da ist des
Lebens Quelle, in dessen Licht du Licht schaust.
(Die Gemeinde kehrt von den Gräbern zurück.)
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Es kehrt der Staub zur Erde zurück, wie er gewesen, doch der Geist
kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben. (Pred. Sal. 12, 7.)
Und wall' ich auch im finstern Tale, nicht fürcht' ich Böses; denn du
bist bei mir; Dein Stab und deine Stütze, sie trösten mich.
(Psalm, 23, 4.)
Wandle ich in Frömmigkeit, werde ich Dein Antlitz schauen, erwachend
mich freuen Deines Anblickes. (Ps. 17, 15.)
וְיָשֹׁב הֶעָפָר עַל הָאָרֶץ כְּשֶׁהָיָה וְהָרוּחַ תָּשׁוּב אֶל הָאֱלֹהִים אֲשֶׁר נְתָנָהּ׃
גַּם כִּי אֵלֵךְ בְּגֵיא צַלְמָוֶת לֹא אִירָא רָע כִּי אַתָּה עִמָּדִי שִׁבְטְךָ וּמִשְׁעַנְתֶּךָ הֵמָּה יְנַחֲמֻנִי׃
אֲנִי בְּצֶדֶק אֶחֱזֶה פָנֶיךָ אֶשְׂבְּעָה בְהָקִיץ תְּמוּנָתֶךָ׃
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Schlußbetrachtung und Gebet.
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Wir kehren zurück von den Gräbern zum bewegten Leben! Nicht die
Vernichtung starrt uns dort entgegen, sondern der Friede der Seele weht
uns zu, die der irdischen Bande entledigt ist. Möge dieser Friede in unser
Herz einziehen, die Leidenschaft beschwichtigen, die Sinnlichkeit
demütigen, auch den Schmerz besänftigen! Wir haben ein treues Andenken
erneuert allen denen, die wir hier liebten und achteten; sie sind
auferstanden in uns, und in seliger Verklärung bleiben sie uns. Von der
Liebespflicht gegen die Toten wenden wir uns wieder zur Liebespflicht
gegen die Lebenden, auf daß einst auch unser Andenken nicht untergehe, und
zu dem Ewiglebenden richten wir Hand und Herz, Auge und Geist empor.
So sei gepriesen, großer Gott, von den Lippen der Unvollkommenen, wie im
Reiche der vollkommenen Geister Dein Name mit Ehrfurcht verkündet wird!
Amen!
Sei gepriesen, Allgütiger, für das Leben, das Du uns auf Erden anweisest,
wie für das ewige Geistesleben, dem wir entgegengehen! Amen!
Sei gepriesen, Allgütiger, für die Liebe, mit der Du dieses Leben
schmückest, die in höherer Weise einst uns noch aufgehen wird! Amen!
Sei gepriesen, Allgütiger, für die teuren Anverwandten und Freunde, die Du
uns hier geschenkt hast, deren Staub hier ruhet, deren Geist in Deinem
Reiche sich erquickt. Amen!
Deine Gnade walte über ihnen und gebe ihnen freudiges Seelenheil, Deine
Gnade walte über uns auch hienieden, bis wir eingehen in Dein ewiges
Reich. Amen!
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3. Totenfeier.
הַזְכָּרַת נְשָׁמוֹת
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Maskir-Betrachtung^[5].
הזכּרה.
[5] Maskir-Betrachtung für den Versöhnungstag siehe S. 136.
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„Friede, Friede den Fernen und den Nahen“. Unsagbar wehmütig und doch
wieder beruhigend zieht die sanfte Melodie dieser Worte jetzt durch unser
Gemüt, wo wir der Seligen gedenken, die uns einst nahe waren und jetzt
ferne sind. Ist es Verzagtheit was wir empfinden, ist es Todesangst oder
Todessehnsucht; ist es Lebensschwäche oder Lebensfreude, was in uns so
große Empfindungen erweckt? Ein Gedanke ist es sicher, der sich mit
unabweisbarer Macht in uns regt und uns gefangen hält: „Was ist der
Mensch, daß Du, o Gott, seiner gedenkest; der Erdensohn, daß Du auf ihn
achtest?“ Wozu hast Du uns ins Leben gerufen? Ist unser Ziel und Zweck das
Grab; wozu das Leben? wozu, wenn neben der Wiege die Grube ist, Geburt und
Tod rauh und hart aneinanderstoßen? Als der Ewige, so erzählt eine alte
Sage, die Welt und in ihr den Menschen zu schaffen sich anschickte, erhob
sich Widerspruch in den Scharen der Engel. „Was ist der Mensch, daß Du
seiner gedenkst?“, so fragten sie höhnisch. Was willst Du mit diesem
gebrechlichen Gebilde? Lasse es Dir an den himmlischen Wesen, den Monden,
Sonnen und Gestirnen, an den irdischen Wesen der Pflanzen und Tiere
genügen. „Ich will ein weises Geschöpf; ein freies Gebilde will ich in
meine Welt versetzen, das sie besitzen, beherrschen soll“. Und er führte
alle Wesen dem neugeschaffenen Menschen vor. In tieferkennender Weisheit
gab dieser allen belebten und unbelebten Wesen treffende Namen. Da
verstummte der Engel Widerspruch. Und als Gott den Menschen die Thora
geben wollte, murrten die himmlischen Geschöpfe und sagten: „Wie, das Werk
Deines erhabenen Geistes überlieferst Du der Willkür dieser armseligen,
nichtigen Gebilde?“ „Wer bestätigt und betätigt der Thora Inhalt,“ fragte
der Ewige; „etwa ihr in den ewiggleichen Sphären des Himmelreiches? Wer
bekundet Gottesverehrung, Elternliebe; wer führt den Kampf mit dem Leben,
den Kampf mit den Trieben, wie gerade der Mensch? Seid ihr Versuchungen
preisgegeben wie er? Naht euch die Verführerstimme wie ihm? Pocht auch im
Herzen die Begierde wie ihm? Führt ihr ein Leben der Mühsal und Arbeit wie
er?“ Die Engel verstummten und sangen: „Wie gewaltig ist Dein Name auf der
ganzen Erde“. Und als die Seele des Moses in die hohen Hallen des Himmels
getragen wurde, um vor Gottes Thron zu erscheinen, betrachteten die Engel
den Eindringling neidisch und riefen: „Was ist dieser Erdensohn, daß Du
Dich seiner annimmst?“ Wie wagt es dieser Rest eines Irdischen in
göttlichen Kreis zu treten? Gott aber breitete die Hand über die scheu
zurückweichende Moses-Seele und forderte sie auf, Antwort und Rede zu
stehen auf die Frage: „Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest“. Voll
Würde und Weisheit sprach sie: Es steht geschrieben: „Ich bin der Ewige,
Dein Gott“. Würde Gott verehrt, wenn ich nicht der Mittler seiner Lehre
wäre? Wie; sollte der Allgütige mich vergeblich zu seinem Boten erkoren
haben, seinem erwählten Volke den höchsten Gedanken zu überbringen und es
zum Lehrmeister der Welt zu machen? Und siehe; wieder verstummten die
Engel und riefen: „Gott, unser Herr, wie mächtig ist Dein Name auf der
ganzen Erde.“ — — — —
Das ganze Rätsel der Schöpfung liegt hier zur Lösung vor. Niederdrückend
und gewaltig ist der Weltenbau. Geheimnisvoll ist der Plan, und nur
schwach vermag des Menschen Geist einzudringen. Aber der Denker erhebt
sich zu kühnstem Fluge; dem Bergmann gleich, steigt er auch hinab in die
Schächte grabenden Wissens, hebt das Gold der Erkenntnis. Er verfolgt des
Schöpfers Gedanken; prüft, wägt, misset, urteilt, vergleicht, verwirft,
lobt, tadelt, zersetzt. So greift er kühn in den Bauplan, blickt zum
gestirnten Himmel, findet auch da nicht Ruhe, noch Rast; er rechnet, sinnt
und grübelt über Bahnen und Wege der Sterne. „Wie gewaltig ist Dein Name
auf der _Erde_, der Du Deine Allmacht im Himmel gezeigt hast“. Er
erforscht Geschichte und Ursprung des Menschen; er spricht, schreibt über
Lieben und Hassen, Tugend und Laster, Jugend und Alter, Mann und Weib, Mut
und Feigheit, Menschenglück und Menschenunheil, Krieg und Frieden, Geburt
und Tod. Und vollgesogen und erfüllt von Weisheit schließt er seine
Rechnung und findet: „Der Mund der Lallenden und Säuglinge begründet Deine
Macht“. Dein Wunderreich sehe ich wirksam in dem unmündigen Kinde; wie es
entsteht, wie der sprühende Funke des Abglanzes Deiner Herrlichkeit, die
Seele, im Leibe wirkt und das unbeholfene Wesen zum weltbezwingenden
Gedankenhelden emporgedeiht, zum welterstürmenden Eroberer. „Nur um
geringes hast Du ihn Göttlichen nachgesetzt“; „das All warfst Du unter
seine Füße“. — Wir sterben nicht; wir leben in unsren Taten. Ein Teil von
uns ist unsterblich. Und wenn wir die goldene Frucht vom Baume der
Erkenntnis pflücken, ist uns die Frucht vom Baume des ewigen Lebens wohl
versagt; doch die Blüte haben wir erhalten, ihren Duft haben wir
eingesogen in den sterblichen Leib als unsterbliche Seele. Wir fragen
bange: „Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest?“ Er ist Dein Werk, o
Herr! Zerschlägt der Künstler sein Gebilde? Zerstört der Gärtner seine
Pflanzung? Zertrümmert der Weise seinen Gedankenbau? Tötest Du, o Herr, im
Tode, alles, alles? Er ist _Dein Kind_, Du Vater der Welt. Wir sind
sterblich, wir fühlen es. Wir sind unsterblich, wir empfinden es. Hast Du,
Ewiger, ein Vergängliches geschaffen, dann muß es würdig gewesen sein,
geschaffen zu werden. Wir fürchten das Ende nicht. Es steht vor uns als
natürlicher Abschluß einer Ereigniskette.
Uns ängstigt die Schicksalsfrage nicht: „Wer ist der Erdensohn, daß Du
Dich seiner annimmst“. Der Frage klingt die Antwort entgegen: „Ich bin
Dein Gott“. In der gedankenvollen Erinnerung an die Ahnen der Vorzeit, an
die Großen in Israel und in der ganzen Welt, an die Teueren, die uns
Väter, Mütter, Brüder, Schwestern waren, ist die Frage von selbst
beantwortet. Ihr Leben war des Lebens wert. Spende auch uns segensreiches
Leben, gedenke der Nahen, der Sterblichen, die Du zum Leben geschaffen;
der Fernen, der Entschlafenen, Seligen gedenke. Gib uns Mut zum Leben, Mut
zum Sterben.
——————
Gesang.
יְיָ־מָה אָדָם וַתֵּדָעֵהוּ בֶּן־אֱנוֹשׁ וַתְּחַשְּׁבֵהוּ׃ אָדָם לַהֶבֶל דָּמָה יָמָיו כְּצֵל עוֹבֵר׃
,וַתְּחַסְּרֵהוּ מְּעַט מֵאֱלֹהִים, וְכָבוֹד וְהָדָר תְּעַטְּרֵהוּ׃ כִּי־יָדַעְתִּי מָוֶת תְּשִׁיבֵנִי
וּבֵית מוֹעֵד לְכָל־חָי׃ רוּחַ־אֵל עָשָׂתְנִי, וְנִשְׁמַת שַׁדַּי תְּחַיֵּנִי׃ וְיָשֹׁב הֶעָפָר
עַל־הָאָרֶץ כְּשֶׁהָיָה וְהָרוּחַ תָּשׁוּב אֶל־הָאֱלֹהִים אֲשֶׁר נְתָנָהּ׃ גַּם כִּי־אֵלֵךְ בְּגֵיא
צַלְמָוֶת לֹא־אִירָא רָע כִּי־אַתָּה עִמָּדִי שִׁבְטְךָ וּמִשְׁעַנְתֶּךָ הֵמָּה יְנַחֲמֻנִי׃ אֲנִי בְּצֶדֶק
אֶחֱזֶה פָנֶיךָ אֶשְׂבְּעָה בְהָקִיץ תְּמוּנָתֶךָ׃
Herr, was ist der Mensch, daß Du Dich seiner annimmst? der Erdensohn, daß
Du auf ihn achtest? Der Mensch einem Hauche gleich, seine Tage — dem
Schatten, der dahinzieht (Ps. 144, 3. 4.)! Und Du hast ihn göttlichen
Wesen wenig nachgesetzt, mit Würde und Hoheit krönst Du ihn (Ps. 8, 6.).
Wohl weiß ich, Du führst zum Tode mich, heim ins Sammelhaus für alles
Lebende (Hiob 30, 23.). Doch Gottes Geist hat mich gemacht, und der Odem
des Allmächtigen belebet mich (Hiob 33, 4.). Und kehrt der Staub zur Erde
zurück, wie er gewesen, so kehrt der Geist zu Gott zurück, der ihn gegeben
(Pred. Sal. 12, 7.). Und wall' ich auch im finstern Tale, nicht fürcht'
ich Böses! denn Du bist bei mir; Dein Stab und Deine Stütze, sie trösten
mich (Ps. 23, 4.). Ich werde in Tugend Dein Antlitz schauen, erwachend
mich freuen Deines Anblickes (Ps. 17, 15.).
——————
Der Rabbiner.
———
Unerforschlicher, großer Gott! In Deinem Ebenbilde hast Du den Menschen
geschaffen, ihm den Geist verliehen, welcher der Vollendung
entgegenstrebt. Diese Erde aber hast Du ihm angewiesen, damit der Mensch
auf ihr sich läutere und in Deinem Sinne wirke; und wenn Deine Weisheit es
für gut findet, rufst Du ihn ab, und der Körper wird der Erde
zurückgegeben. Doch der Geist ist ewig, er stirbt nicht; die Seele kehrt
zu Dir zurück und lebt rein in Deinem Heiligtume. Lässest Du ja, Herr,
keine Kraft vergeh'n, die Deinem großen Weltalle Du eingesenkt hast: wohl
wechseln Formen und Gestalten, aber die Kraft, welche sie erzeugt und
trägt, sie schafft und wirkt ewig. Und der menschliche Geist, diese
wunderbar wirkende, unsichtbare Kraft, die uns denken lehrt und
Selbstbewußtsein gibt, sie sollte plötzlich abgeschnitten werden? Nein,
wir zagen nicht vor dem Tode, denn unser edler Teil dauert fort; wir
scheiden aus diesem Leben, um in ein besseres einzugehen. Wird auch
manches Band, das hienieden eng geknüpft war, gelöst, dort oben werden wir
uns wieder in Deinem Reiche vereinigen. Darum wollen wir auch heute mit
Ruhe und Ergebung der Lieben und Teuren gedenken, die uns vorangegangen
sind in die ewige Heimat; wir danken Dir, Herr, daß Du uns an ihrer Liebe
erquickt hast, und die Erinnerung an ihr Wohlwollen gegen uns soll aus
unsern Herzen nimmer schwinden. Es gedenken die Kinder der Treue und
Hingebung, mit der die Pfleger und Hüter ihrer Kindheit für sie bedacht
und besorgt waren, wie sie für sie gelebt und gelitten haben, wie sie mit
weisem Rate, mit Lehre, Trost und Beispiel ihnen vorgegangen sind, sie in
Deinen Wegen, Gott, geleitet, ihnen ihren Segen hinterlassen haben, der
bis auf den heutigen Tag sich an ihnen bewährt. Es gedenken Gatten und
Gattinnen des, ach! zu früh gelösten Bundes, den sie vor Dir, o Gott
geschlossen und den sie heilig und treu gehütet haben, solange es Deiner
Weisheit gefallen hat, sie in der engsten Gemeinschaft des Lebens hier
zusammen weilen zu lassen. Die Erinnerung liebender Zärtlichkeit und
treuer Innigkeit, an der sie in den mannigfachen Lebensgeschicken
festgehalten haben, erfüllt ihnen noch heute erhebend und herzerquickend
die Seele. Auch der teuren Pfänder gedenken die Eltern, welche Du ihnen, o
Gott, anvertraut hattest. Sie haben an ihrer Freundlichkeit und dankbaren
Liebe sich erquickt, in ihrer Entwicklung sich mitverjüngt und freudig der
Erfüllung schöner Hoffnungen durch sie in der Zukunft entgegengesehen, und
wieder steht heute das Bild der Frühvollendeten vor dem Auge derer, denen
sie vorangegangen sind in die Ewigkeit. Wir gedenken, Herr, alle Männer
und Frauen, die mit freundlich mildem Blicke auf uns geschaut haben, die
durch ihre Liebe uns gefördert, das Gotteslicht in uns angezündet, uns die
Wahrheit haben erkennen lassen, uns im Glauben gestärkt, die Sorgen des
Lebens uns erleichtert und unsere Bahn geebnet haben. Wir ehren und segnen
ihr Andenken in dieser Stunde; gib, Gott, daß es auch an uns gesegnet sei,
daß es zu allem Guten und Dir Wohlgefälligen uns erwecke, uns ermutige,
uns Kraft und Ausdauer verleihe, daß der Segen, mit dem sie von uns
geschieden sind, sich zu unserm Heile an uns bemühte, daß wir ihre Lehre
und ihr Beispiel in kindlicher Erinnerung bewahren, ihr Werk fördern,
ihren Namen in Ehren halten, ihrer stets würdig befunden werden; auf daß
sie aus Deinem Himmelreiche in Freundlichkeit auf uns herabschauen, die
Segnungen des Lebens für uns erbitten, wie wir für ihr ewiges Seelenheil
beten!
Nicht alle sind vollendet in Dein Reich eingetreten, kein Frommer ist auf
Erden, der nicht der Sünde Raum gäbe in seinem Herzen und in seinem
Wandel. Doch Dein Erbarmen, Herr, wird den Fehl ablöschen und dem
schwachen Sterblichen eine gnadenvolle Versöhnung gewähren. Laß unsere
Bitte für sie Erhörung bei Dir, barmherziger Gott, finden! Viele auch sind
frühzeitig von uns geschieden, ehe sie zu voller Entwicklung gelangten,
ehe sie durch ihr Wirken sich Deiner Gnade würdig machen konnten; nimm
sie, die Schuldlosen, in Dein ewiges Reich auf! Sie haben die Prüfungen
des Lebens nicht erfahren, aber Deine Huld wird sie dennoch dort
beglücken. Uns aber, Allvater, wollest Du ein freudiges Wirken auf Erden
verleihen, und wenn Du einst uns abrufest, so gib uns Kraft und Mut und
eine gnadenvolle Aufnahme in die Ewigkeit. Amen! Amen!
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Die Gemeinde in stiller Andacht.
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Ich gedenke, Gott, vor Dir meiner Hingeschiedenen — in inniger Liebe.
Gedenke auch Du ihrer in einer gnadenreichen Stunde. Gib ihnen einen
hellen, lichten Himmelssitz, daß ihre Seele eingehe zur ewigen Ruhe, zur
ewigen Freude, zur ewigen Seligkeit, und sie der Segnungen teilhaftig
werden, die du den Frommen und Gerechten hast verheißen als ihren
Gotteslohn für alles irdische Leid, das sie erlitten, für all ihr Sorgen,
Streben und Bemühen. Gib Frieden den Verklärten; laß ihr innerstes Sehnen
und Hoffen und Bangen bei Dir Erhörung und Gewährung finden um des
Glaubens und der Liebe willen, mit der sie aus der Welt gegangen sind.
Erhöre und verherrliche sie, Gott, in Deinem Himmelreiche, und laß auch
mein Bitten und Beten erhört sein, um der innigen Liebe willen, mit der
ich meines Herzens Opfer Dir gelobe und bringe. Amen! Ihr, meine Teuren,
schauet aus eurem Himmel auf mich herab in Freundlichkeit und Liebe, so
wie ihr mich angeschaut habt in Freundlichkeit, bevor euch Gott von mir
und zu sich genommen hat. (Empfanget meinen Dank für eure väterliche und
mütterliche Sorgfalt und Liebe und Treue, für eure Nachsicht und Milde,
die ihr mir so mannigfach bewiesen habt. Vergebet mir, was ich an euch aus
jugendlicher Unbesonnenheit je verschuldet und gesündigt habe.) Gedenket
meiner vor Gott, betet für mich und für die Meinen alle, daß Gott mich
schirme und bewahre vor jedem Leid. Und wenn ich selber abberufen werde
und eingehe in meine ewige Ruhestätte, dann möge eure Liebe mich
empfangen, mich einführen und geleiten in das Gottesreich der Wahrheit und
des Friedens, auf daß ich Versöhnung und Vergebung finde für jede Sünde
und Schwäche, Erhörung und Gewährung für all mein Wünschen und Hoffen, und
mit euch der ewigen Seelenruhe und Freude teilhaftig werde. Amen!
——————
Der Rabbiner.
———
מָה רַב טוּבְךָ אֲשֶׁר־צָפַנְתָּ לִּירֵאֶיךָ· פָּעַלְתָּ לַחוֹסִים בָּךְ נֶגֶד בְּנֵי אָדָם׃ מַה־יָּקָר חַסְדְּךָ
אֱלֹהִים· וּבְנֵי אָדָם בְּצֵל כְּנָפֶיךָ יֶחֱסָיוּן׃ יִרְוְיוּן מִדֶּשֶׁן בֵּיתֶךָ· וְנַחַל עֲדָנֶיךָ תַשְׁקֵם׃
יַעְלְזוּ חֲסִידִים בְּכָבוֹד יְרַנְּנוּ עַל־מִשְׁכְּבוֹתָם׃ אַשְׁרֵי אָדָם מָצָא חׇכְמָה· וְאָדָם יָפִיק
תְּבוּנָה׃ טוֹב שֵׁם מִשֶּׁמֶן טוֹב וְיוֹם הַמָּוֶת מִיּוֹם הִוָּלְדוֹ׃
Wie groß ist Dein Gut, das Du bewahrt Deinen Frommen, das Du wirkst denen,
die auf Dich vertrauen, vor den Menschen! Wie wert ist Deine Gnade, Gott!
In dem Schatten Deiner Flügel bergen sich die Erdensöhne. Sie werden satt
vom Mahle Deines Hauses. Du tränkest sie aus dem Strome Deiner Wonne. Es
freuen sich die Frommen in Ehren, sie lobsingen auf ihrem Lager. Heil dem
Manne, der Weisheit findet, dem Menschen, der Einsicht verkündet! Besser
ist guter Ruf als köstlich Öl, der Tag des Todes besser denn der der
Geburt.
·שֶׁקֶר הַחֵן וְהֶבֶל הַיֹּפִי· אִשָּׁה יִרְאַת־יְיָ הִיא תִתְהַלָּל׃ תְּנוּ־לָהּ מִפְּרִי יָדֶיהָ וִיהַלְלוּהָ
בַשְּׁעָרִים מַעֲשֶׂיהָ׃
Anmut ist trügerisch, Schönheit eitel, ein gottesfürchtig Weib wird
gerühmet! Gebet ihm von seiner Hände Frucht; an den Toren preisen es seine
Werke.
מְנוּחָה נְכוֹנָה תַחַת כַּנְפֵי הַשְּׁכִינָה· בְּמַעֲלוֹת קְדוֹשִׁים וּטְהוֹרִים· כְּזֹהַר הָרָקִיעַ מְאִירִים
וּמַזְהִירִים׃ וְכַפָּרַת אֲשָׁמִים· וְהַרְחָקַת פֶּשַׁע· וְהַקְרָבַת יֶשַׁע· וְחֶמְלָה וַחֲנִינָה· מִלִּפְנֵי שׁוֹכֵן
מְעוֹנָה· וְחֵלֶק טוֹב לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא· שָׁם תְּהֵא מְנַת וִישִׁיבַת נֶפֶשׁוֹת הַנִּכְבָּדִים כׇּל אֲבוֹת
הַנִּמְצָאִים וְהַנִּמְצָאוֹת פֹּה וְאִמּוֹתֵיהֶם· וּבַעֲלֵיהֶם וּנְשֵׁיהֶם· וְאַחֵיהֶם וְאַחְיוֹתֵיהֶם· וּבְנֵיהֶם
וּבְנוֹתֵיהֶם· וּקְרוֹבֵיהֶם וּקְרוֹבוֹתֵהֶים· שֶׁנֶּאְסְפוּ לְעַמָּם· רוּחַ יְיָ תְּנִיחַם בְּגַן עֵדֶן· מֶלֶךְ מַלְכֵי
הַמְּלָכִים· בְּרַחֲמָיו יָחוֹס וְיַחמוֹל עֲלֵיהֶם· יַסְתִּיר אוֹתָם בְּצֵל כְּנָפָיו וּבְסֵתֶר אׇהֳלוֹ· לַחֲזוֹת
בְּנוֹעַם יְיָ וּלְבַקֵּר בְּהֵיכָלוֹ· יִלָּוֶה אֲלֵיהֶם הַשָּׁלוֹם· וְעַל מִשְׁכְּבָם יִהְיֶה שָׁלוֹם· כָּאָמוּר יָבֹא
·שָׁלוֹם· יָנוּחוּ עַל מִשְׁכְּבוֹתָם הוֹלֵךְ נְכוֹחוֹ· הֵם וְכׇּל שׁוֹכְבֵי יִשְׂרָאֵל עִמָּהֶם· וְכֵן יְהִי רָצוֹן
וְנֹאמַר אָמֵן׃
Sichere Ruhe ist im Schutze der Vorsehung, im Kreise der Heiligen und
Reinen, die in himmlischer Klarheit leuchten; dort ist Vergebung für
Sünden, Vergehen fern und Heil nahe, Erbarmen und Gnade beim
Hochthronenden, und dort ewiges Leben! Dort sei auch der Anteil der
würdigen Väter und Mütter, Gatten und Gattinnen, Brüder und Schwestern,
Söhne und Töchter und aller Verwandten der hier in Andacht Versammelten,
die heimgegangen sind zu ihren Vätern: der Gottesgeist leite sie im
Paradiese! Der Allerbarmer lasse seine Gnade über sie walten, berge sie in
seinem sichern Schutze, daß sie die Freude in Gott schauen! Friede geleite
sie, und auf ihrer Ruhestätte sei Friede, wie es heißt: Der Friede kommt,
es ruht auf seinem Lager, der grade wandelte. So mögen sie und alle
Frommen in Seligkeit ruhen. Amen!
כׇּל יִשְׂרָאֵל יֵשׁ לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא· שֶׁנֶּאֱמָר וְעַמֵּךְ כֻּלָּם צַדִּיקִים· לְעוֹלָם יִירְשׁוּ אָרֶץ׃
אַשְׁרֵי מִי שֶׂעֲמָלוֹ בַּתּוֹרָה· וְעֹשֶׂה נַחַת רוּחַ לְיוֹצְרוֹ· גָּדַל בְּשֵׁם טוֹב· וְנִפְטַר בְּשֵׁם טוֹב מִן
הָעוֹלָם׃ וְעָלָיו אָמַר שְׁלֹמֹה בְּחׇכְמָתוֹ· טוֹב שֵׁם מִשֶּׁמֶן טוֹב וְיוֹם הַמָּוֶת מִיּוֹם הִוָּלְדוֹ׃
:לְמוֹד תּוֹרָה הַרְבֵּה וְיִתְּנוּ לְךָ שָׂכָר הַרְבֵּה· וְדַע מַתַּן שְׂכָרָם שֶׁל צַדִּיקִים לֶעָתִיד לָבֹא
Wer ein Gott wohlgefälliges Leben führt und des Namens Israel sich würdig
erweist, wird des ewigen Lebens teilhaftig, wie es heißt: Wenn das Volk
gerecht und fromm ist, dann nimmt es das Land der Ewigkeit in Besitz. Heil
dem, der nach der Gotteslehre trachtet, seinem Schöpfer wohlgefällig
wirkt, an gutem Namen wächst, mit gutem Namen stirbt; von ihm gilt der
weise Spruch: Besser guter Ruf als köstlich Öl und der Todestag besser
denn der der Geburt. Strebe fort zur Vervollkommnung, der Lohn im Jenseits
wird nicht ausbleiben.
——————
Der Rabbiner und sämtliche Leidtragende.
———
יִתְגַּדַּל וְיִתְקַדַּשׁ שְׁמֵיהּ רַבָּה· (Gem.: אָמֵן) בְּעָלְמָא דִּי־בְרָא כִרְעוּתֵיהּ וְיַמְלִיךְ
מַלְכוּתֵיהּ בְּחַיֵּיכוֹן וּבְיוֹמֵיכוֹן וּבְחַיֵּי דְּכׇל בֵּית יִשְׂרָאֵל· בַּעֲגַלָא וּבִזְמָן קָרִיב
וְאִמְרוּ (Gem.:) אָמֵן·
יְהֶא שְׁמֵיהּ רַבָּה מְבָרַךְ לְעָלְמָא וּלְעָלְמֵי עָלְמַיָּא· (Vorb.) יִתְבָּרַךְ וְיִשְׁתַּבַּח וְיִתְפָּאַר
וְיִתְרוֹמַם וְיִתְנַשֵּׂא וְיִתְהַדַּר וְיִתְעַלֵּה וְיִתְהַלַּל שְׁמֵהּ דְּקֻדְשָׁא· (Gem.:) בְּרִיךְ הוּא·
לְעֵלָּא (וּלְעֵלָּא) מִן כׇּל בִּרְכָתָא וְשִׁירָתָא תֻשְׁבְּחָתָא וְנֶחָמָתָא דַּאֲמִירָן בְּעָלְמָא וְאִמְרוּ
(Gem.:) אָמֵן׃
יְהֶא שְׁלָמָא רַבָּא מִן־שְּׁמַיָּא וְחַיִּים עַלֵינו וְעַל כׇּל־יִשְׂרָאֵל וְאִמְרוּ (Gem.:) אָמֵן׃
עוֹשֶׂה שָׁלוֹם בִּמְרוֹמָיו הוּא יַעֲשֶׂה שָׁלוֹם עַלֵינו וְעַל-כׇּל־יִשְׂרָאֵל וְאִמְרוּ (Gem.:) אָמֵן׃
Der Rabbiner und sämtliche Leidtragende.
———
So sei gepriesen, großer Gott (_Gemeinde_: Amen!), von den Lippen der
Unvollkommenen, wie im Reiche der vollkommenen Geister Dein Name mit
Ehrfurcht verkündet wird!
_Gemeinde_: Amen! Dein Name sei gepriesen hier und dort!
Sei gepriesen, Allgütiger (_Gemeinde_: Preis Ihm!), für das Leben, das Du
uns auf Erden anweisest, wie für das ewige Geistesleben, dem wir
entgegengehen! (_Gemeinde_: Amen!)
Sei gepriesen, Allgütiger, für die Liebe, mit der Du dieses Leben
schmückest, für die teuren Anverwandten und Freunde, die Du uns hier
geschenkt, deren Geist nun in Deinem Reiche sich erquickt! (_Gemeinde_:
Amen!)
Deine Gnade walte über sie und gebe ihnen freudiges Seelenheil, Deine
Gnade walte über uns hienieden, bis wir einst zu ihnen eingehen in Dein
ewiges Reich! (_Gemeinde_: Amen!)
Gesang.
לָכֵן שָׂמַח לִבִּי וַיָּגֶל כְּבוֹדִי, אַף בְּשָׂרִי יִשְׁכֹּן לָבֶטַח׃
כִּי לֹא־תַעֲזֹב נַפְשִׁי לִשְׁאוֹל, לֹא־תִתֵּן חֲסִידְךָ לִרְאוֹת שָׁחַת׃
תּוֹדִיעֵנִי אֹרַח חַיִּים שֹׂבַע שְׂמָחוֹת אֶת־פָּנֶיךָ נְעִמוֹת בִּימִינְךָ נֶצַח׃
Gesang.
Darum freut sich mein Herz, ist fröhlich meine Seele, auch mein Fleisch
wird sicher ruhen. Denn nicht überlässest Du meine Seele der Gruft,
lässest Deinen Frommen nicht Verwesung schauen. Du zeigst mir an den Pfad
des Lebens, Fülle der Freuden vor Deinem Angesichte, Lieblichkeit zu
Deiner Rechten ewiglich. (Ps. 16, 9-11.)
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Druck von Th. Schatzky A.-G., Breslau.
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