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Du Gnadenreicher! aus dessen Hand alles Gute kommt, das wir genießen, aus
dessen Huld jede Freude entspringt, die wir empfinden, aus der Fülle
meines Herzens bete ich heut zu Dir, um Dank und Bitte vor Dir zu
offenbaren. Mit dem Gefühle, mit dem ein Wanderer das Ziel einer langen
mühevollen Wanderung an seinem Gesichtskreis auftauchen sieht, mit
demselben Gefühle sehe ich heut den Abschluß einer langen, mühevollen
Arbeit von Ferne, und wie der Wanderer bittet: „O Herr! laß keinen Unfall
nahe am Ziele die Vollendung stören“, so bitte ich: O Herr! laß keinen
Unfall nahe am Ziele die Vollendung meiner Arbeit unterbrechen. Ich habe
mein liebes Kind mit Mühe und Sorgfalt erzogen, ich war bestrebt, sie
heranzubilden, daß sie fähig werde, als wackere Hausfrau ihre Pflichten
auf Erden Dir und den Menschen wohlgefällig zu verrichten. Nun hast Du in
Deiner Gnade das Werk meiner Fürsorge gesegnet und uns den Mann zugeführt,
für den ich meine (wir unsere) Tochter erzogen habe (haben). Dank sei Dir
für Deine Hilfe, mit der Du mir (uns) beigestanden hast bis hierher! Guter
Gott! gib, daß unsere Einsicht uns nicht irre geführt habe, laß meine
(unsere) Tochter durch diese Wahl glücklich werden, und den Erwählten
glücklich machen. Tausend Gedanken beschäftigen mich, tausend verschiedene
Wünsche möchte ich heut vor Dir aussprechen, doch Du schaust ja in mein
Herz und verstehst ganz, was ich denke, wenn ich auch mangelhaft nur
spreche; darum, gütiger Gott: sei mit uns allen, wie Du bisher mit uns
gewesen und führe alles zum Guten. In Deine Hand befehlen wir unser
Schicksal. Nichts _ohne Dich_, und alles mit _Dir_! Denn alles Gute kommt
von Dir! Amen!
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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage der Tochter.
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Allgütiger! Deine Vaterliebe waltet über uns, und ohne Deinen Beistand ist
kein Gelingen und Gedeihen unserer Bestrebungen, das müssen wir täglich
empfinden, und nur ein undankbares Gemüt könnte daran nicht gemahnt werden
durch die Freude am Tage der Freude. Nein, Du guter Gott, ich will nicht
undankbar sein für das Glück, das Du mir heute gewährest. Heute ist der
Tag, an dem ich ein Ziel erreicht, für das ich so lange, so lange schon
gesorgt und gedacht, das ich ins Auge gefaßt habe bei so vielen meiner
Entschlüsse und Handlungen, das der Ausgangspunkt sein sollte mütterlicher
Fürsorge und mütterlicher Sehnsucht. Heute führe ich mein liebes Kind dem
Manne zu, dem ich mein erstes Anrecht auf seine Liebe übertrage, dem
Manne, dem meine Tochter Gattin und Hausfrau sein soll, und zu meinem
Kinde spreche ich: Gehe hin mit meinem Segen, heiligere Pflichten warten
dein als die, die bisher deine heiligsten waren, als die Zärtlichkeit und
der Gehorsam gegen deine Eltern. Und alles das tue ich mit freudigem
Herzen, mit den Gedanken der frohesten Hoffnung. Darum sei Dir, gütiger
Gott, Dank und Preis dargebracht, denn _Du hast diesen Tag mir geschenkt,
daß ich sein mich freue und fröhlich sei_.
Aber auch für das Wort der Bitte darf meine Lippe nicht geschlossen
bleiben, denn die _Gedanken der Menschen sind zwar mannigfach, aber nur
der Ratschluß Gottes erfüllet sich_, und wenn meine Pläne das Glück in
ihrem Schoße bergen sollen, so kann es nur wahr werden durch Deinen
Willen.
Und so flehe ich Dich denn in Demut an: O, gütiger Gott, halte Deine
schützende Hand ferner über dem Haupte meines lieben Kindes. Laß die
Stunde ihres Eintritts in das Leben einer Ehefrau eine Stunde sein, die
meine Tochter fröhlichen Herzens noch in späten Tagen ihres Lebens als den
Anbeginn ihres reinsten Glückes segnet. Halte fern von ihr und dem Hause,
dem sie angehören wird, die trüben Erfahrungen des Ungemachs, mache die
Prüfungen, die in keines Menschen Leben ganz ausbleiben, ihr nicht so
schwer, daß sie die Heiterkeit ihres Herzens vernichten. Laß auch das Band
der Liebe nicht locker werden, das uns, die ihrigen, bisher mit ihr
verknüpfte, und laß sie in dem neuen Bande der Verwandtschaft und der
Liebe, das sie umschlingen soll, immer eine anmutige Fessel finden, der
sie nie sich zu entziehen strebe.
Mein Gott, ich hoffe auf Dich, ich vertraue Dir, und unter Deinen Schutz
stelle ich mich mit allen Wünschen meines Herzens. Amen!
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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihres Sohnes.
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Gelobt seist Du, mein Gott, daß Du den heutigen Tag mich schauen ließest.
Heut erfüllt sich mir sichtbar Deine Gnade, die ich erstrebt in der
Erfüllung der Pflichten mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit. Was kann ich
mehr wollen für alles, was ich an meinem Sohne getan habe, als daß ich
ihn, den meine Seele zärtlich liebt, und dessen Liebe und innige Treue
mich jederzeit beglückte und entzückte, als daß ich ihn nunmehr erblicke
an der Schwelle des Hauses, das er sich gegründet hat, an der Seite der
Liebe und Lieblichen, die ich mit Freude als Tochter umarme, die er in
herzlicher Zuneigung sich erwählt hat zur Gefährtin seines Lebens. Ach,
mein Gott! die Freudenträne in meinem Auge kündet Dir meinen Dank besser
als mein dürftiges Wort. Aber auch im Gefühl des Glückes will ich das
Bewußtsein in meiner Seele wachrufen, daß wir alle Deines Schutzes und
Deines Beistandes bedürfen, wenn unser Werk sich krönen, unser Hoffen sich
bestätigen soll.
Darum, mein Gott! erhöre in Gnaden mein Gebet! Laß das neubegründete Haus
meines lieben Sohnes sein eine Stätte des Friedens und der Zufriedenheit,
laß es fest stehen, trotzend den Stürmen der Ereignisse. Befiehl dem
Segen, daß er einkehre in dasselbe, auf daß seine Bewohner sich erfreuen
des Lebens auf Erden. Laß auch die Liebe und die Treue, wie sie heut mit
einziehen, darin weilen, in unwandelbarer Ausdauer. Laß es sein einen
Sammelplatz edlen Verlangens und edler Genüsse, und laß nimmer d'raus
schwinden die Gottesfurcht und die Frömmigkeit und die Liebe zu Dir.
O, mein Gott! ich empfinde es, daß mit dem heutigen Tage mein Herz sich
verjüngt, daß ich meine eigene Vergangenheit wiederfinden will in der
Zukunft meiner lieben Kinder. So Du es nun in dem Ratschlusse Deiner Gnade
über mich beschlossen hättest, daß ich lebe und anschaue die Entwickelung
ihres häuslichen Lebens, o, so gib, daß ich allezeit mit gleicher
Freudigkeit wie heut ob dieses Ehebundes Dein Walten preisen, Deine Liebe
segnen kann.
(Es teilt mein Gatte heut die Freude, die mein Inneres erfüllt, auch er
hat in Mühe und Fleiß die Sorgen auf sich genommen, den Sohn heranzubilden
zu Deinem Wohlgefallen und zum Wohlgefallen der Menschen, o, laß uns auch
vereint die Wonne genießen, die Früchte seiner unermüdeten Tätigkeit zu
betrachten und ihre Lieblichkeit zu empfinden in dem Glücke unseres
Sohnes. Halte Deine schützende Hand ferner über uns, und wie Du bisher uns
geholfen, so hilf uns weiter, Du allein bist unser Helfer, Du bist der
Gott der Liebe und der Barmherzigkeit.) Amen!
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Gebet einer Witwe.
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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es beschlossen, daß ich nicht bis
an das Ende meiner Tage das Glück genießen soll, an der Hand meines treuen
Gatten durchs Leben zu gehen. Du hast ihn von meiner Seite gerufen, und
ich muß ohne seine Stütze, ohne seinen Beistand, ohne seinen Rat und ohne
seine liebevolle Fürsorge meine Tage verleben.
Allgemach erblassen die grellen Farben, in denen das Bild meines Unglücks
vor mein Auge trat, als es in den ersten bitteren Tränen schwamm, die ich
ob des herben Verlustes vergoß, aber nimmer werden diese Farben ganz
verbleichen: langsam geht der Schmerz in stille Wehmut über, aber nie wird
seine Spur verschwinden, weil ich es nie vergessen kann, wie der treue
Gefährte meiner schönsten Tage in Liebe und Zärtlichkeit nur für mich
gedacht und gesorgt hat.
Wenn ich daher nun, gerührt von seinem Andenken, zu Dir bete, mein Gott,
so flehe ich Dich in Demut an, daß Du ihm die Freuden der ewigen Seligkeit
in vollem Maße gewähren mögest.
Mir aber, mein Gott, wollest Du auch gnädig sein, daß es mir nie an der
Kraft gebreche, nun ohne seinen Rat und seinen Beistand für das Wohl
meiner Kinder und für das Bestehen meiner Häuslichkeit zu sorgen. Wo ich
des Schutzes bedarf, da gewähre Du ihn mir, wo ich des Rates bedarf, da
erleuchte Du mich mit Einsicht. Du bist ein Helfer den Witwen, ein Vater
den Waisen, Du verlässest nicht, die unter das schützende Obdach Deiner
Hut sich begeben, darum will ich mich allezeit an Dich wenden in der
Gewißheit Deiner Gnade, mein Helfer, mein Beschützer! Amen!
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Gebet einer Witwe
(die in dürftigen Verhältnissen lebt.)
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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es so gewollt, daß ein schweres
Los mein Anteil sei auf Erden, und so oft ich mein Herz im Gebete zu Dir
erhebe, ist es überwiegend das Wort der Bitte, das ich an Dich richte,
weil das Drückende meiner Lage mir stets gegenwärtig ist, und Zagen und
Bangen meinem Gemüte zur Natur geworden sind, so daß ich mich selten in
reiner, ungetrübter Fröhlichkeit aufzurichten vermag.
Allein und fast einsam, als Witwe, stehe ich da inmitten der rauschenden
Welt, die an mir vorübereilt in ihrem Jagen nach Genuß und Vorteil, die
meinen Kummer nicht kennt und kaum einen Blick des Mitleids auf mich
wirft, weil die Augen der Glücklichen nicht gern bei der Betrübnis weilen.
Da muß ich wohl oft der Zeiten gedenken, da es noch anders war; da mein
treuer Gatte noch lebte, da er mit redlichem Herzen und rüstigem Fleiße
der Versorger und Ernährer meines Hauses war. Der treu mich liebte, ist
von mir gegangen, meine Stütze ist gebrochen, meine Sorglosigkeit
vernichtet. Statt dessen ist das Brot, das ich esse, mir karg zugemessen,
und oft vermag ich kaum den Mangel zu wehren, daß er meine Schwelle nicht
überschreite (den Mangel, der mich doppelt drücken muß, um meiner lieben
Kinder willen.)
Wenn ich aber auch dies alles bedenke und der Betrübnis mich nicht
entschlagen kann, so will ich dennoch nicht murren und nicht rechten mit
Deiner Allweisheit. Denn wenn ich eines Teiles nicht weiß, ob nicht die
Prüfungen, die Du mir bestimmt hast, zu meinem Heile sind, so weiß ich
andernteils gewiß, daß noch manches teure Gut mir geblieben ist, und daß
es Menschen gibt, die weit tiefer hinabsteigen mußten in die Tiefe des
Unglücks.
Über alles dies ist ja _eine_ Freudigkeit mir geblieben als die Grundlage
alles dessen, was mir noch Trost und Hoffnung gibt: es ist das _Vertrauen_
auf Dich, die Zuversicht, daß Du mich nicht verlassen wirst, daß Du mich
hörst, so oft ich Dich rufe. Darum auch will ich es nimmer unterlassen,
die Bitte um Deinen Beistand vor Dir auszusprechen:
O mein Gott! sei mir gnädig und erhalte meine Gesundheit.
(Laß meine Kinder wohl gedeihen an Leib und Seele und gib mir die Kraft,
ihnen jederzeit beizustehen mit Rat und Tat.)
Wende den Mangel von meiner Tür und laß mich in Redlichkeit und Ehre mein
Brot mir erwerben.
Laß mich nicht der Hilfe der Menschen bedürfen und nie Fremden oder
Angehörigen eine Last sein.
Erhalte die Zufriedenheit in meinem Herzen, daß aus ihr wieder aufsprieße
der frische Lebensbaum der Seelenruhe und der Freudigkeit.
Du, mein Gott, bist ein Versorger der Witwen und Waisen, Du bist auch der
meinige. Das sei Dein Willen! Amen!
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Gebet einer Stiefmutter.
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Mein Gott! Wie die Liebe der Mutter zu ihren Kindern das festeste Band auf
Erden ist, das Menschenseelen aneinanderknüpft, so ist die Mutterliebe
auch die süßeste Empfindung, die das Menschenherz beglückt. Dieses
natürliche Band kann durch kein gewähltes ersetzt, diese Empfindung nicht
willkürlich hervorgerufen werden. In dieser Überzeugung betrachte ich die
Aufgabe, die Du mir zugeteilt hast, die Stelle der Mutter bei Kindern zu
vertreten, die nicht leiblich mir angehören, als eine sehr schwere, als
eine so schwere, daß ich meiner schwachen Einsicht nicht zutraue, sie zu
vollbringen, wenn nicht Deine besondere Hilfe mir beisteht. Und um diese
Hilfe flehe ich, Herr! Dich mit Inbrunst an, denn ich bin weit entfernt
davon, die Arbeit von mir zu weisen oder sie als eine Last zu betrachten,
ich fühle mich vielmehr glücklich, ihr unterworfen zu sein, und mein
höchster Wunsch ist es, das Höchste und Beste in ihrer Vollziehung zu
erreichen, was einem redlichen Herzen erreichbar ist.
Darum, mein Gott, flehe ich Dich an, schenke mir Einsicht, das Rechte
jederzeit zu treffen, damit ich bestehen kann vor Deinem Auge und vor dem
Auge der Menschen. Laß mich nie müde werden in der Ausübung meiner
Pflichten und verscheuche jeden Gedanken aus meiner Seele, der nur dahin
zielt, mir die Rechte einer Mutter zu erkaufen, gib mir Geduld und
Ausdauer, daß ich auch mit den Mängeln und Schwächen meiner Kinder
Nachsicht übe wie eine Mutter. Laß mir immer die Vorstellung gegenwärtig
sein, daß meine Arbeit nur Stückwerk ist, und daß ich ihnen nie in
Wahrheit die Mutter zu ersetzen imstande bin. Laß mich nie Mißtrauen
fassen gegen sie, als ob sie nicht bereit wären, die Mutter in mir zu
suchen und zu erkennen. Laß die Kinder gedeihen unter meiner Pflege, auf
daß ich Freude habe an ihrem Wohlsein und meine Aufgabe mir leicht werde.
Laß mich in der Erziehung der Kinder auch die Wünsche meines Gatten
befriedigen, daß der Kummer, den ihre Mutterlosigkeit ihm verursacht,
gänzlich von ihm genommen werde und sein Herz immer mehr und mehr Zutrauen
zu mir fasse.
Um alles dies flehe ich Dich, Allgütiger, in Demut an, zu all dem bedarf
ich Deiner besonderen Hilfe. Du wirst sie mir nicht versagen, so ich mit
Redlichkeit strebe, eine gute Mutter zu sein den Unschuldigen, die ihre
leibliche Mutter verloren haben. Auf Dich will ich vertrauen. Amen!
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Gebet eines vaterlosen Mädchens.
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Vater aller Menschen! In dieser Anrede allein schon liegt der Trost, den
ich im Gebete suche, diese Anrede allein erfüllt mich mit Mut, und so oft
mein Mund sie ausspricht, ist es, als spräche auch noch eine andere Stimme
freundlich zu mir: „Sei nicht betrübt, sei nicht traurig, du bist nicht
vaterlos, wenngleich dein irdischer Versorger und Ernährer, der dich
zärtlich liebte, von dir geschieden ist und frühzeitig eingegangen ist in
seine Ruhestätte im Reiche der Seligen“. Ja, ich bin nicht vaterlos, denn
die Fürsorge des guten Vaters, der mich verlassen hat, war in der Zeit
darauf bedacht, mich einen ewigen Vater finden zu lassen, der so lange
nicht von mir weicht, so lange ich treu und fest an ihn glaube, auf ihn
vertraue und ihm gehorsam bin. Ja, Du, himmlischer Wohltäter und
Versorger! Du bleibst auch der meinige.
Du hast Geduld und Nachsicht mit mir und liebst es, daß ich vor Dir mich
ausspreche über alle Regungen meiner Wünsche, über alle Gedanken meines
Herzens.
O, so neige Dich auch jetzt freundlich zu meiner Bitte.
Ich bitte Dich, gütiger Vater, zuerst um das, was meinem Herzen das
teuerste ist: ich bitte Dich um das Wohlsein meiner geliebten Mutter. Sie
trauert als Witwe um den Verlust ihres Gatten, als schwaches Weib um den
Verlust dessen, der ihr Stab und Stütze, Helfer und Berater war, sie
trauert als Mutter über das Leid ihrer Kinder, die des väterlichen
Beistandes entbehren.
O, sei Du immerdar ihr Schutz und Schirm. Erhalte ihre Gesundheit und laß
es ihr nicht an den Gaben Deines Segens fehlen, auf daß zum Schmerze sich
nie der Mangel und die Entbehrung gesellen. Gib ihr Freude an allen ihren
Kindern, daß keines ihr trübe Tage bereite.
Ich bitte Dich, gütiger Vater, auch für mich; halte mein Herz rein von
Leichtsinn und Übermut, daß ich immer geneigt sei, alle Pflichten zu
erfüllen, die Du mir zugewiesen hast. Laß mich einsichtsvoll und
verständig werden, daß ich stets imstande sei, meiner guten Mutter eine
treue Ratgeberin zu sein. Laß mich nie abweichen von den Lehren meines bei
Dir weilenden Vaters, so daß ich seinem Andenken, das aus meinem Herzen
nicht schwinden wird, auch durch meine Taten Ehre bereite.
Viel, sehr viel sind der Dinge, um die ich Dich bitten muß, ich kann ihre
Zahl nicht überschauen; aber es bedarf ja auch dessen nicht; Du siehst
mein Herz und weißt auch, was mir not tut. Sei Du in meiner Hilfe, und mir
wird nichts fehlen. Amen!
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Gebet eines mutterlosen Mädchens.
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Öfter wohl als vielen andern meines Alters und meines Standes muß es mir,
der Mutterlosen, ein Bedürfnis sein, ein stilles Stündchen zu suchen, um
im andächtigen Gebete mein oft so betrübtes Herz zu erleichtern.
Immer und immer lastet der Gedanke schwer auf mir, daß ich so einsam, so
verlassen bin, wenn ich des mütterlichen Rates bedarf. Immer erfüllt
Trauer meine Seele, wenn die liebliche Erscheinung meiner nun im Reich der
seligen Geister weilenden Mutter vor mein geistiges Auge tritt, und ich
kann mich von der Vorstellung nicht entfernen, wie schön es wäre, wenn sie
noch leiblich in unserer Mitte weilte. Und der Schmerz erfüllt mich, wenn
ich meinen guten Vater betrachte, wie auch er verlassen ist von der
treuesten Gefährtin seines Lebens.
Sollten alle diese Empfindungen sündhaft sein? Sollten sie der Pflicht
widerstreben, mit Ergebung sich in Deinen Willen zu fügen? Ach nein! Du
findest kein Unrecht an ihnen. Hast Du doch die Liebe zu meinen Eltern in
mein Herz gepflanzt, und die ernste Betrachtung meiner Lage ist ja nur ein
Ausfluß dieser Liebe.
Ach nein! diese Empfindungen sind kein Unrecht. Ich fühle es, daß auch sie
zum Heile an mir werden können, weil ernste Entschlüsse, gute Vorsätze aus
ihnen hervorgehen.
Ich will das Andenken an meine Mutter ehren, ihr Beispiel der Gottesfurcht
und Tugend stets vor Augen haben und an dem Gedanken mich aufrichten, daß
ihr Geist über mir wacht, damit ich jederzeit auch bereit sein kann,
Rechenschaft vor demselben abzulegen über meinen Wandel.
Ich will hoffen und vertrauen, daß auch Du mich nicht verlassen wirst, und
daß Deine Liebe mir immer Menschenherzen zuführen wird, die mir mit
Zuneigung und Aufrichtigkeit begegnen.
Ich will meinem lieben Vater kindliche Treue und innige Hingebung
bewahren, auf daß mein Umgang imstande sei, ihm einen Teil seines
Verlustes zu ersetzen.
Zu all dem versage Du, Allgütiger! mir Deinen Beistand nicht, dann wird
auch die Fröhlichkeit des Herzens mir wieder ein bleibendes Eigentum
werden, und wie ich in Betrübnis zu Dir bete, so werde ich in Freudigkeit
Dir danken können. Amen!
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Gebet einer Verwaisten.
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Einsam und verlassen, himmlischer Vater, stehe ich da in der weiten,
weiten Welt! Was ist die Güte befreundeter Menschen, was ist die
Freundlichkeit der Anverwandten! Ach, sie gleichen einem blassen Scheine,
verglichen mit dem strahlenden Lichte elterlicher Liebe. Den lieblichen
Schimmer dieses Lichtes muß ich entbehren und bin noch so jung, so
unerfahren, den rechten Weg allein zu finden. Ich muß im Finstern wandeln.
Doch „_wall ich auch im Tal der düstern Schatten, so wall ich ohne Furcht,
denn Du begleitest mich, Dein Stab und Deine Stütze sind immerdar mein
Trost!_“
Vater und Mutter ruhen aus von den Beschwerden des Erdenlebens nun schon
im Grabe, nur ihr Geist ist es, der mir nahe geblieben ist, ihr Andenken
allein begleitet mich, ihre Liebe ist nicht geschwunden und hält mich
wunderbar zurück, wenn die Verlockung des Unrechts mich reizen will, den
Weg der Tugend zu verlassen.
Darin aber, himmlischer Vater, erkenne ich dankbar Deine Liebe, daran
merke ich es, daß, „_wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so
hast Du mich aufgenommen_“.
O, gib, daß es immer also sei! Laß das Andenken an meine im Reiche der
Seligkeit weilenden Eltern nimmer aus meinem Herzen schwinden. Es tröste
mich, wenn ich verzagen will, und rufe mir zu: Fürchte nicht! wir wachen
über Dich. Es strafe mich mit den Vorwürfen des Gewissens, wenn ich die
weisen Lehren verlassen will, die meine guten Eltern mir eingeprägt, es
erinnere mich an ihr würdiges Beispiel, wenn ich die Schönheit verkennen
sollte, die ein edles Leben schmückt, es rüste mich allezeit mit Geduld
und Stärke, auch die Mißhelligkeiten des Lebens zu ertragen.
O, laß auf diesem Wege mich die Einsicht gewinnen, deren ich so sehr
bedarf, um die Bahn meines Wandels mir zu ebnen. Groß und mannigfach sind
die Hindernisse, die sich mir entgegenstellen, und groß muß meine Kraft
sein, sie zu beseitigen. Bald wird die Versuchung mich locken, weil sie
glaubt, daß die leitende Hand mir fehle, bald wird falsche Teilnahme mich
betören, weil das Herz einer Verwaisten jeder Teilnahme begierig vertraut,
bald wird ungerechtes Mißtrauen gegen wahrhaft gute Menschen mich
erfüllen, weil der Schwache überhaupt mißtrauisch wird, und es könnte
auch, — o, laß es nicht zu, mein Gott! der Sinne Lust mich betören und auf
den trügerischen Pfad des Wohllebens mich führen, weil kein Mensch ein
Recht zu haben vermeint, mich mit Strenge, gegen meinen Willen auf gutem
Gleise zu erhalten.
All diese Gefahren haben jugendliche Seelen nicht zu fürchten, die
überwacht sind von den Augen liebender Eltern.
Bei alledem will ich jedoch kein Bangen und Zagen fühlen. Weiß ich doch
ein Mittel, das auch mir Schutz gewährt. Es ist das inbrünstige Gebet. Das
bringt mich nahe zu Dir, meinem Beschützer, der Du ein Vater der
Verwaisten bist.
Du, der Du in Deiner heiligen Lehre den Menschen das Gebot gegeben hast:
„_Ihr sollt die Witwen und Waisen nicht bedrücken, denn wenn sie zu mir
rufen werden, so werde ich ihre Stimme hören_,“ Du wirst auch meine Stimme
hören und mein Gebet wohlgefällig aufnehmen. Amen!
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Gebet einer Dienenden.
———
Gütiger Gott! _Dank_ und Bitte will ich vereinigen mit _Lob_ und Preis,
wenn ich im Gebet in stiller Stunde mein Herz zu Dir erhebe. Ja, ich
_danke_ Dir aus dem Grunde meines Herzens für die Gaben Deiner Liebe, mit
welchen Du mich gesegnet hast, für die Freuden, die den Reichen und
Begüterten unbekannt bleiben müssen, weil sie die Empfindungen der Armen
nicht kennen, weil sie tausend Dinge als gewöhnlich und kaum bemerkenswert
hinnehmen, die besser geeignet sind, das Herz mit Zufriedenheit zu
erfüllen als alles Wohlleben und aller Genuß zeitlicher Güter des Glückes.
_Dank_ Dir, mein Gott! daß Du meinem Geiste redlichen Willen und meinen
Armen rüstige Kraft gegeben hast, in unermüdeter Arbeit mein tägliches
Brot mir zu erwerben. _Dank_ Dir, mein Gott! für die Süßigkeit, die jede
Stunde der Erholung mir bringt. Und wenn ich hinschaue auf viele andere,
denen gleich mir die Güter der Erde in reicherer Fülle versagt sind, wenn
ich so viele unter ihnen bemerke, die nicht die Kraft besitzen, der
Versuchung zu widerstehen, und die der Sünde und Niedrigkeit anheimfallen,
und die, welche nur deshalb darben müssen, weil schlechte Erziehung oder
körperliche Fehler sie unangenehm machen in den Augen der Menschen, auch
die, welche, gefangen von den Banden körperlicher Gebrechen, vom Mitleid
der Menschen leben müssen und nicht von dem Lohne für ihre Leistung, ach,
dann ist zwar mein Herz betrübt, wenn ich auf sie blicke, aber es jubelt
im Danke vor Dir auf, wenn ich mich _selbst betrachte_. Und wenn mein
Tagewerk mir gelingt, wenn ich denen, so ich diene, das Geständnis der
Zufriedenheit abnötige, ach, dann fehlt meiner Eitelkeit auch nicht der
Schmuck des Stolzes, und Du, o Herr, vergibst und vergönnst mir ihn, weil
er mich nicht zum Bösen führt.
Aber, lieber, gütiger Gott! auch _bittend_ muß ich an Dich mich wenden,
und der Gegenstand meiner Bitte ist vor allen Dingen die Erhaltung alles
dessen, wofür mein Herz Dir eben dankte. O, laß mich nicht krank und
hilflos werden, daß ich nicht leben muß von den Gaben der Menschengüte,
sondern mich immer erhalten kann von den Gaben Deiner Gnade, die ich durch
meinen Fleiß mir erwerbe. Bewahre mich aber auch immerdar vor der giftigen
Schlange der Versuchung. Sie umschleicht den Armen von allen Seiten, und
nur ein standhaftes Gemüt vermag ihr zu widerstehen.
Wie ist es oft so verführerisch, die Hand auszustrecken nach ungerechtem
Gute, um nur ein Weniges, ein Unmerkliches zu genießen von dem Überfluß
anderer! Wie oft empört der Undank für redliche Mühe mein Herz und die
Stimme der Versuchung flüstert mir zu, daß ich künftig in meiner Arbeit
nur dem Scheine genügen soll! Wie oft behandelt der Hochmut mich
verächtlich, und ein böser Geist in mir will mich die Glücklichen hassen
lehren! Wie oft muß ich unschuldige Wünsche meines Herzens unterdrücken,
weil mir die Mittel fehlen, sie zu befriedigen, und das Laster winkt mir
heuchlerisch und verspricht mir reichen Lohn, wenn ich ihm diene. Ach! das
alles macht das Leben einer Dienenden schwer und gefahrvoll, und nur des
Herzens Frömmigkeit und die unerschütterliche Liebe zu Gott zeigt ihr den
rechten Weg. Laß, gütiger Gott! mich immer ihn finden. Vor Dir sind ja
alle Menschen gleich. Du beachtest nicht den Grad des Standes und der
Erdengüter.
Und wie ich Dir danke, und wie ich zu Dir bete, so will auch ich Dich
_preisen_. Du, gütiger Vater, warst es, der das Auge der Menschen geöffnet
hat, daß sie in ihren Nebenmenschen den Menschen achten. Wie schrecklich
muß die Zeit gewesen sein, da auch bei den gebildeten Völkern der Sklave
nicht abhing von weisen Gesetzen des Staates, sondern von der Willkür
seines Herrn. Ich diene, weil ich dienen _will_, und weil ich es für nötig
halte, und bin frei, sobald ich die Notwendigkeit nicht mehr anerkenne.
Ich bin nicht der Willkür dessen preisgegeben, der mich bedrücken kann,
ich habe mich der Arbeit unterworfen, aber kann den Herrn mir wählen.
Solche Zustände hast Du geschaffen. Du bist ein Vater aller Menschen, auch
mein Vater, den ich liebe, auf den ich vertraue, und den ich _preisen_
will in allen Tagen meines Lebens. Amen!
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Gebet für die Eltern in der Ferne.
———
Lieber Gott! Es ist Dein Willen, daß ich fern von meinen lieben Eltern
leben muß, und nicht, wie es mein Herz so sehr ersehnt, imstande bin,
ihnen täglich und stündlich meine Liebe und Zärtlichkeit zu beweisen. Auch
muß ich selbst die Lieblichkeit ihrer Nähe entbehren, kann nicht
teilnehmen an allem, was sie erfreut, kann ihnen nicht dienen in
kindlichem Gehorsam, um zu ihrer Fröhlichkeit und Behaglichkeit des Lebens
durch meine Tätigkeit beizusteuern.
Wenn ich aber auch sie nicht leiblich vor mir sehe, so sind sie doch in
jeder Stunde meinem Geiste und meinem _Herzen_ nahe. Meinem Geiste, weil
ihr Wort und ihre Lehre in meinen Gedanken lebendig sind, und meinem
Herzen, weil ich an sie denke in Liebe und Treue.
Und wenn es mir auch versagt ist, für sie wirksam zu sein mit der
tatsächlichen Äußerung meiner Liebe, so ist es mir doch vergönnt, für sie
zu Dir zu beten, mein Gott!
Du, Allgütiger, o, erhalte sie in Deinem Schutze, bewahre sie vor Unglück
und Gefahren, gib, daß die Sorge für das Leben (für das Wohl aller
ihrigen) ihnen leicht werde. Verleihe ihnen eine kräftige Gesundheit und
ein fröhliches Herz, gib ihnen Freude an mir (und meinen Geschwistern) und
vereinige mich wieder mit ihnen in Glück und Wohlsein. Amen!
——————
Gebet um Hilfe aus der Not.
———
Allgütiger Vater! Du bist allwissend und kennst das Leid, das meinen Geist
beschwert, vor Dir ist nichts verborgen, somit auch nicht die geheimsten
Gedanken meines Herzens. Vor Dir gilt kein Schein, vor Dir gilt nur die
Wahrheit. Was kann es mir frommen, wenn ich auch vor Dir, gleichwie vor
den Menschen, das Leid verbergen will, das mein Herz bedrückt! Aber zum
Heile wird es mir, wenn ich vor Dir meinen Kummer im Gebete offenbare,
weil ich nicht vergebens Trost und Hilfe bei Dir suchen werde. O, mein
Gott! Ein Gedanke ist es, der mein ganzes Wesen erfüllt, der mich
begleitet auf allen meinen Schritten, der jede wahre Fröhlichkeit in mir
unterdrückt, der, ach, auch den Schlaf verscheucht von meiner Lagerstätte.
O, mein Gott! Es bedrückt mich schwer, daß (hier ist das wörtliche
Bekenntnis der betrübenden Tatsache einzuschalten). Laß durch dieses
Bekenntnis mein Herz erleichtert, meine Seele mit Hoffnung erfüllt sein.
Ich will das Vertrauen in mir beleben, daß Du eine Hilfe bist allen denen,
die auf Dich hoffen. So ich aber selber dazu beitragen kann, daß mein Leid
von mir gehe, so erleuchte mein Auge, daß den rechten Weg ich finde,
stärke die Kraft meines Willens, daß auf dem rechten Wege ich ausharre.
Wohl weiß ich es, daß Du auch Prüfungen den Menschen zu ihrem Heile
sendest, und daß auch ich weiser und besser aus ihnen hervorgehen kann, so
ich mich selbst prüfe und meine eigenen Fehler und meine falsche
Auffassung der Dinge erkennen lerne. Aber das menschliche Herz ist
schwach, und der Gedanke an _Hilfe_ ist im Leide ihm der nächste. Nicht um
meines Verdienstes willen flehe ich zu Dir, aber um Deiner unendlichen
Liebe willen hilf mir, mein Gott! Nimm Dich meiner an, wie der Vater sich
annimmt seines Kindes. Verschließe Dein Auge meiner Unwürdigkeit, denn ich
bitte nicht um Deine Gerechtigkeit, ich bitte um Deine Gnade, und bei Dir
ist Gnade und Erbarmen. Amen!
——————
Dankgebet für Hilfe aus der Not.
———
Mein Gemüt ist heiter, mein Herz ist leicht! Die Not und die Betrübnis
sind gewichen, und mit Freudigkeit schaue ich wieder in die Zukunft! Das
war Dein Werk, mein Gott, mein gütiger Erlöser! Danken will ich Dir im
Staube, Du hast mir wohlgetan, Du hast meine Gebete erhört, und ich bin
nicht leer zurückgekehrt von meiner Annäherung zu Dir.
„Heil denen, die auf Dich vertrauen.“ „Nahe ist Gott allen, die ihn rufen,
die zu ihm flehen in Wahrheit.“
„Ist Gott mein Hirt, so wird der Schutz mir nimmer fehlen. Er lagert mich
auf grüner Weide, er leitet mich an stillen Bächen, er labt mein
schmachtendes Gemüt und führt mich auf gerechtem Steige zu seines Namens
Ruhm. Und wall' ich auch dahin im düstern Tal der Schatten, so wall' ich
ohne Furcht, denn du begleitest mich, Dein Stab und Deine Stütze sind
immerdar mein Trost.“
Nimm hin, mein Gott, den Preis für Deine Liebe in den Worten des erhabenen
Sängers. Du bist mein Fels und meine Zuversicht jetzt und alle Zeit. Amen!
——————
Gebet bei einem freudigen Ereignis.
———
Allgütiger Lenker der Schicksale! Wenn Sorge und Kummer mein Herz
beschwerte, da fand ich den Weg zu Dir, da flehte ich um Deine Hülfe; wenn
zaghaft ich bangte vor der Zukunft, da suchte ich demutsvoll Deinen
Beistand! Wie wäre es sündhaft, wenn ich nun, da meine Seele voll ist der
freudigen Erregung, nicht auch mich in Demut Dir nahen wollte, um meinen
_Dank_ vor Dir zu bekunden! Ja ich weiß es, alles Gute kommt von Dir, und
so Du es nicht gewollt hättest, so hätten alle Mächte der Erde mir mein
Glück nicht bereiten können. Aber auch zum Genusse desselben bedarf ich
Deiner Gnade, darum will ich mit meinem Danke auch meine _Bitte_
vereinigen. O Herr! gib mir Weisheit, das Geschenk Deiner Güte würdig
anzuwenden, laß mich nicht übermütig sein und Dein vergessen, laß mich im
Gefühle des Glückes nicht das Leid meines Nebenmenschen aus dem Auge
verlieren. O Herr! mein Gott, bestätige auch Du die Freudigkeit, der ich
so gern mich hingebe, damit ich nicht für Glück annehme, was nur
Versuchung ist, damit es nicht ein trügerischer Schein sei, den ich für
Wahrheit halte. Nicht vor Menschenaugen, sondern nur vor Deiner
Allwissenheit ist das Ziel der Dinge offenbar, o, segne mich mit Deiner
Huld, daß das Gute mich auch zum Guten führe. Weiß ich es doch, daß immer
und immer das Beste von allem Gutem ist, Dich zu lieben, Dir zu vertrauen
und in Deinen Wegen zu wandeln. Dazu gib mir Kraft und Willen heut und
alle Tage meines Lebens! Amen!
——————
Gebet um Nahrung.
———
Gütiger Vater im Himmel und auf Erden, der Du liebend sorgest für alle
Deine Geschöpfe, daß sie nicht Mangel leiden an dem, was sie zu ihres
Lebens Unterhalt bedürfen, o erhöre mein Gebet, das auch ich um meines
Leibes und Lebens Wohlfahrt an Dich richte. Nicht Reichtum und Überfluß
sind es, die des Menschen Glück und Tugend erhöhen oder befördern, und um
diese Gaben flehe ich auch nimmer zu Dir. Weiß ich doch nicht, ob sie der
Fröhlichkeit meines Herzens zuträglich, dem Heile meiner Seele nützlich
sein würden. Aber Mangel und Entbehrung andrerseits sind der Fröhlichkeit
des Herzens, des Heiles der Seele gefährliche Feinde. Im ihrem Gefolge
sind Unmut und Unzufriedenheit, Selbstsucht und Neid. Der höchste Sieg der
Tugend ist es freilich eben, auch in der Versuchung zu bestehen und den
rechten Weg zu gehen, trotz aller Hindernisse. Wer aber soll die Gefahr
lieben, nach der Prüfung sich sehnen? Darum gütiger Gott und Vater! neige
Dein Ohr der Bitte meines Mundes: halte fern von mir und den Meinigen Not
und Entbehrung, (daß nicht die schwere Sorge um das tägliche Brot meinen
Mut niederbeuge), (daß auch meine Erhaltung nicht eine Last sei denen, die
sie als Pflicht auf sich genommen haben), (daß nicht die harte Arbeit mich
niederdrücke und jede fröhliche, freie und edle Regung des Herzens und der
Seele unter ihrem Drucke verkümmere). Segne die Arbeit (meiner) unserer
Hände, daß wir in Redlichkeit und Ehre die Früchte des Fleißes genießen
und Dir mit zufriedenem Herzen danken. Amen!
——————
Dankgebet für die Nahrung.
———
Mein Gott! mein Vater! Schwer und bitter ist das Los des Armen. Die Sorge
um die Bedürfnisse des Lebens beugt sein Gemüt in Traurigkeit nieder. Hart
ist seine Arbeit und gering der Lohn. All seine Zeit muß er hingeben im
Dienste um das Brot. Mühe und Drangsal reiben seine Kräfte auf, und doch
vermag er nicht, die Mittel zu erwerben, sich wiederum durch Pflege und
Ruhe aufzurichten: die er liebt, muß er darben sehen, ohne ihnen hilfreich
seine Hand bieten, ohne ihren Kummer lindern zu können. Ach, Herr, mein
Gott! das ist böse und mitleidswert! Wenn ich aber solches Leid betrachte
und überlege, dann, gütiger Vater, erhebt sich mein Herz in frohem Danke
zu Dir, daß Du ein anderes, ein besseres Los mir beschieden hast. Und ob
auch andere mit den Gütern der Erde in reicherer Fülle begabt sind, so
blickt mein Auge nicht mit Neid auf sie, denn auch mir hast Du so viel
beschieden, daß ich nicht bange fragen muß: Was werde ich morgen essen? Wo
werde ich mein Haupt zur Ruhe niederlegen? Wo soll ich Kleidung hernehmen,
um nicht die Dürftigkeit zur Schau zu tragen?
Bis heutigen Tages hast Du mit Deiner Gnade mir beigestanden, Du wirst
auch fernerhin mich nicht verlassen. Frei von den Sorgen um des Leibes
Nahrung, kann ich mich aufrichten und erheben an allem Edlen und Schönen,
kann teilnehmen an allen Dingen, die die Gesamtheit der Menschen
betreffen, habe nicht nötig, in Habgier und Selbstsucht zu versinken. Dank
und Preis sei Dir dafür aus der Fülle meines Herzens, Du gütiger Gott,
mein Vater. Amen!
——————
Gebet um Erhaltung der Gesundheit.
———
Herr und Vater! Alles Gute kommt von Dir, jedes Glück ist ein Geschenk
Deiner Gnade. Soll dieser feste Glauben nur dann lebendig und wach in mir
werden, wenn ein unerwartetes, fröhliches Ereignis mich an Deine Güte
erinnert, oder soll diese Erkenntnis nur dann aus meinem Munde laut
werden, wenn ich in der Angst des Herzens zu Dir um Rettung flehe? Nein,
zu jeder Zeit und in allen Lagen des Lebens will ich dessen eingedenk
sein, auf daß ich Dich auch voll Demut um solche Gaben bitte, die ich
nicht eben entbehre, denn auch auf das, was ich genieße, habe ich keinen
Anspruch. Darum bitte ich Dich, mein Gott und Vater, daß Du fernerhin die
Huld mir bewahren mögest, mit der Du Gesundheit und Lebensfrische mir
geschenkt hast. Gib mir immer auch einen einsichtsvollen Geist, daß ich
durch weise Mäßigkeit alles das vermeide, was meiner Gesundheit gefährlich
ist, und, wo die Vorsicht nicht ausreicht, da reicht Dein Schutz aus. Aber
nicht nur für mich bitte ich. Erhalte auch die lieben Meinigen alle
gesund, denn auch die Krankheit lieber Angehörigen ist ein bitteres Wehe.
Ich will zu Dir hoffen und auf Dich vertrauen, denn Du bist meine Stütze
und Zuversicht, Du schauest gnadenvoll herab auf alle, die ihre Blicke
vertrauend zu Dir erheben, Du bist der beste Hüter vor Gefahren, der beste
Helfer aller Leidenden in Ewigkeit. Amen!
——————
Gebet um Genesung.
(Psalm 6.)
———
O, Herr, mein Gott, o strafe mich
In Deinem Grimme nicht!
O, sei mir gnädig, zürne nicht,
Da mir die Kraft gebricht;
Laß' Heilung, Herr, mir nahe sein,
Denn, ach! es schwindet mein Gebein!
O, meine Seele ist so matt.
Ach! Herr! wie lange noch?
Um Deiner Güte Willen nur
Errette, Herr, mich doch!
Denn in dem Grabe, o wer kann
Noch Deiner Güte danken dann!
Von Tränen bleibt mein Auge feucht
Nun jede ganze Nacht,
Die leidend ich und kummervoll
Im Seufzen hingebracht.
Es schwindet meiner Augen Licht,
Vor Gram verfällt mein Angesicht.
Nun weichet, fort, ihr Leiden, schnell,
Der Herr hat mich erhört!
Hat meiner Bitte, meinem Flehn
Sich wieder zugekehrt!
Ihr, Feinde, ja, ihr müßt zurück,
Verschwindend wie ein Augenblick.
——————
Dankgebet nach überstandener Krankheit.
———
Lob, Preis und Dank sei Dir, allgnädiger Gott! Lob, Preis und Dank dafür,
daß ich wieder imstande bin, mein Herz zu Dir zu lenken, mit dem Worte
meines Mundes in andächtigem Gebete Dir zu nahen, denn ach! zu lange habe
ich dieser Süßigkeit entsagen müssen, weil die Leiden des Leibes auch den
Geist gefesselt hielten in den Banden des Schmerzes, weil die Mattigkeit
des Körpers auch die Kraft der Seele lähmte, sich zu Dir zu erheben. Nun
Lob und Dank Dir! Die Zeit der Leiden ist vorüber! Du hast mir
beigestanden, Du hast mich gerettet, Du hast den Engel der Erlösung
ausgesandt, daß er seine Flügel ausgebreitet hat über meine Lagerstätte.
Ach, die Gesundheit ist ein gar herrliches Gut, und immer und allezeit nur
ein Geschenk Deiner Gnade! Das, himmlischer Vater, erkenne ich als den
Segen, der aus der Prüfung mir hervorgegangen ist, daß ich lebendiger
dessen inne geworden bin, daß auch der naturgemäße Zustand des Wohlseins
nur ein Merkmal Deiner Liebe und Güte ist, daß der Mensch das Glück der
Gesundheit seines Leibes auch dann erkennen, auch dann dessen sich freuen
und Dir dafür danken muß, wenn er es nicht entbehrt. Darum soll der Dank
für Deine Liebe allezeit mich beseelen. Ich habe erkannt, daß der
Unterschied zwischen Reichtum und Armut, zwischen Genuß und Entbehrung,
zwischen Befriedigung und Entsagung in Tausenden von wirklichen und
vermeintlichen Bedürfnissen in Nichts verschwindet vor dem Unterschiede
zwischen Gesundheit und Krankheit. Darum will ich mein Herz zu bewahren
suchen vor Eitelkeit, mein Streben frei zu halten suchen vor törichten
Wünschen und meinen Sinn üben in Bescheidenheit, dessen aber eingedenk
bleiben, daß wir Menschen verloren sind, so Du Deine schützende Vaterhand
von uns abziehest, und daß in Leid und Trübsal uns geholfen ist, so Du uns
gnädig bist. Du bist der Geber alles Guten, Du bist der Helfer aller
Leidenden, Du richtest die Gebeugten auf, Du erlösest die Gefesselten, Du
heilest die Kranken, Du bist der wundertätige Arzt alles Fleisches! Amen!
——————
Gebet für den erkrankten Vater.
———
Gott! Du erbarmungsreicher Vater! Zuflucht suche ich bei Dir in der Angst
meines Herzens. Von bitterem Leide bin ich erfaßt, eine Schreckensgestalt
drohender Gefahr steht vor meiner Seele. O hilf mir! Hilf, mein Gott, mein
Erlöser! Ach! warum rede ich von mir! Hilf ihm, dem kranken Vater, der in
Schmerz und Kraftlosigkeit hingesunken, mit kummervollem Auge auf die
Seinen blickt.
Ach, stehe ihm bei mit Deiner Hilfe, die ja wunderbar ist, sei Du sein
Arzt und richte ihn auf in neuer Kraft. Verscheuche den Schmerz von seinem
Lager, die trüben Gedanken aus seinem Herzen, laß ihn aufs neue Freude
finden an seinem Tagewerke, es ist ja stets dieses Tagewerk eine Arbeit in
Deinem Dienste, im Dienste der Tugend, denn sein Streben ist, in Liebe zu
den Seinigen, die Erfüllung heiliger Pflichten.
O Gott! schau auf sein redliches Herz, auf seinen frommen Sinn, auf seinen
gottesfürchtigen Wandel, und übe Barmherzigkeit.
Schaue auch auf meine Träne, auf die Träne der Angst zitternder
Kindesliebe. Verzeihe mir, mein Gott, wenn ich Böses getan, „strafe mich
nicht in Deinem Zorne, züchtige mich nicht in Deinem Grimme.“ O, ich will
mein Herz prüfen, daß es geläutert hervorgehe aus der Zeit der Gefahr, auf
das all mein Tun Dir wohlgefällig werde.
Erquicke mich wieder durch die Lehre des geliebten Mundes, der mir stets
den Weg der Tugend empfohlen, der die Bahn des Rechtes, der Sitte, der
Gottesfurcht mich gelehrt hat.
Ich fühle es, das Gebet erleichtert mein beschwertes Herz; ach, laß mich
nicht bloß Trost und Kraft, laß mich auch Gnade und Hilfe finden, Du
Gütiger, Allbarmherziger! Amen!
——————
Gebet für die erkrankte Mutter.
———
Allgütiger! Ein Gedanke ist es, der nun schon viele Tage (lange Wochen)
mein ganzes Gemüt in düstere Schatten hüllt, meinen Geist niederbeugt,
mein Herz mit Angst erfüllt; meine Mutter, meine gute Mutter ist krank.
Menschliche Hilfe und treue Pflege vermögen nicht, ihr Heilung und
Genesung zu bringen, ihrer Schmerzen sie zu entledigen, ihre Hoffnung
aufzurichten und ihr Auge wieder heiter zu machen. Ihre Leiden verdoppeln
sich, so oft sie auf uns, die ihrigen, schaut, weil der Gedanke an unser
Unglück, wenn sie jetzt von uns scheiden müßte, ihr trübe und schrecklich
erscheint. Ach, und auch auf uns lastet der Kummer und die Gefahr so
schwer! Wir müssen die geliebte Mutter leiden sehen und können ihr nicht
helfen, wir nehmen wahr, wie ihre Kräfte schwinden, und die traurige
Besorgnis bemächtigt sich unser, sie vielleicht verlieren zu müssen, sie,
die wir so innig lieben, sie, die (gleich unserem Vater) uns das teuerste
auf Erden ist.
Was kann ich anderes tun, als meine Zuflucht zu Dir nehmen, Allgütiger,
der Du in Deiner Barmherzigkeit so oft uns beigestanden hast in Not und
Trübsal. O höre mein Gebet! Wie Du so oft die Gefahr gnädig von uns
abgewandt, so befiehl auch diesmal ihr, daß sie von uns weiche. Ach mein
Gott, ich will nicht murren gegen Deinen Willen, ich will nicht Zweifel
setzen in Deine Allweisheit, aber das Menschenherz, und über alles das vom
Leid gequälte Menschenherz ist schwach, und der Geängstigte legt seine
Bitte Dir dar in Demut und Vertrauen. Darum, mein Gott! zürne nicht, wenn
ich nicht in ruhiger Ergebenheit Deine Weisheit walten lasse, sondern
meine Bitte zu Dir erheben will, die nicht Deine Wege meistern, nur Deine
Gnade erflehen soll. Richte meine Mutter wieder auf von ihrem
Krankenlager, laß sie wieder in Fröhlichkeit an unserer Seite wandeln, laß
sie wieder in frohem Danke ihr Herz zu Dir erheben und ob ihrer Genesung
Deine Vatergüte preisen.
Herr, mein Gott, Du hast zwar nicht Wohlgefallen an Opfern, und der Mensch
kann Deine Weisheit nicht leiten, Deine Gerechtigkeit nicht bestechen;
aber Du hast Wohlgefallen an einem reinen Herzen, darum will ich mich
prüfen und meine Fehler ausfindig machen und meine üblen Neigungen und
meine fehlerhaften Begierden opfern, um Deiner Gnade, Deiner Liebe würdig
zu sein und täglich würdiger zu werden.
Ich suche Trost im Gebete und finde ihn, o Herr, laß mich auch Hilfe und
Rettung finden. Laß mich nicht leer zurückkehren von Deinem Angesichte und
öffne die Pforten der Barmherzigkeit dem andächtigen Worte meines Mundes.
Amen!
——————
Gebet der Mutter für ihr krankes Kind.
———
Allgütiger Gott! Mein Herz ist schwer, und traurig mein Gemüt, mein Auge
blickt angstvoll auf die Gefahr, die als ein Schreckensbote des Unglücks
herangenaht ist und die Hand ausstreckt, mein heilig bewahrtes Gut, mein
liebliches Kind, den Liebling meines Herzens mir zu rauben. Ach, vergib,
gütiger Gott, wenn ich in der Angst meiner Seele mich allzuweit entferne
von der Ruhe der Frommen, deren Pflicht es ist, in Ergebenheit alles, was
sie treffen kann, Deinem Willen anheimzustellen. Du aber selbst hast das
Gefühl der Mutterliebe in mein Herz gepflanzt und mit ihm die
Zaghaftigkeit und auch die Verzagtheit am Krankenbette eines hart und
schwer darniederliegenden Kindes. Darum, mein Gott, kann ich auch jetzt
nicht dulden und schweigen, ich kann nur beten: O, sei mir gnädig, mein
Gott! „Herr! Herr! strafe mich nicht in Deinem Zorne, züchtige mich nicht
in Deinem Grimme.“ Schenke Linderung und Genesung meinem lieben Kinde, daß
es wieder heiter und freundlich sein Auge auf mich richte, sein Mund mir
wieder zulächle in kindlichem Vergnügen. O, laß auch bald, bald mich inne
werden des Gebetes Wunderkraft, daß das Bangen verwandelt sei in Hoffen,
die Furcht in Vertrauen. Denn wahrlich, ich bedarf des Mutes und der Ruhe,
um die heilige Pflicht der Pflege nicht um ein Geringes zu verabsäumen. O,
Herr, Herr, gütiger Gott! Du bist ja ein wunderbarer Helfer in der Not, Du
hast mir oft die Klage in Jubelton verwandelt, hast der Trauer mich
entkleidet und mit Freude umgürtet. Ich will nicht wanken im Glauben an
Deine Hilfe, _kehrt oft am Abend auch Betrübnis ein, so wird sie bis zum
Morgen Freudenruf._
Mein Gott! sei auch diesmal barmherzig. Amen!
——————
Gebet für den kranken Sohn oder die Tochter.
———
Barmherziger Vater! Harte Prüfung hast Du mir auferlegt, schwere Tage der
Angst und Bangigkeit sind über mich gekommen, aber ich will nicht
verzagen. Du wirst in meiner Hilfe sein und meine Klage in Jubel, meine
Betrübnis in Freudigkeit verwandeln. Auf hartem Schmerzenslager liegt mein
guter Sohn (meine gute Tochter). Seine (ihre) Kraft ist gewichen, seine
(ihre) Regsamkeit geschwunden, das Leiden hat die Stärke seines (ihres)
Geistes übermannt und ihn (sie) unfähig gemacht zu den Beweisen tätiger
Liebe, womit er (sie) das Herz der Seinigen (Ihrigen) so gern erfreute.
Ach Gott, mein Gott! laß das bald wieder anders werden. Segne die
Sorgfalt, mit der wir ihn (sie) pflegen, daß sie bald zu gedeihlichem,
erfreulichem Ende führe. Schenke dem (der) Kranken Linderung und Genesung;
führe zurück die Kraft und Lebensfrische in seinen (ihren) Körper und
frohe Gedanken in seinen (ihren) Geist. Laß ihn (sie) wieder mit
Freudigkeit und Hoffnung in die Zukunft schauen und mit Rüstigkeit seinen
(ihren) Pflichten dienen. Uns allen aber, die wir bekümmert um ihn (sie)
Deine Gnade erflehen, uns gib die Einsicht und die rechten Mittel, ihm
(ihr) beizustehen in seiner (ihrer) Not. Auf Dich, mein Gott, der Du
barmherzig bist und von großer Gnade, auf Dich will ich hoffen, auf Dich
vertrauen; o, öffne die Pforten der Gnade dem schwachen Worte meines
Mundes. Amen!
——————
Gebet für den erkrankten Gatten.
———
Allbarmherziger! Mit tiefgebeugtem Gemüte wende ich mich in der Angst
meines Herzens zu Dir. O, wende ab den Kummer, der meine Seele
niederdrückt, verscheuche die schweren Sorgen, die auf mir lasten, und
schenke Kraft und Genesung meinem erkrankten Gatten. Du allein bist ein
Arzt, dessen Willen Heilung gibt, trüglich ist die Kunst der Menschen,
aber untrüglich ist Dein Beistand, wo Du Hilfe und Rettung senden willst.
O, sieh auf meinen Kummer! Gefesselt an das Schmerzenslager ist der
Geliebte meines Herzens (die Stütze des Hauses) (der Ernährer meiner
Kinder). O, sieh auf seine Leiden, und gebiete ihnen, daß sie von ihm
weichen, daß der Kranke sich bald, recht bald wieder aufrichte, in
Fröhlichkeit Dir danke und Deine Gnade preise. Alles Heil kommt von Dir;
was nützt Menschenbeistand und Menschenhilfe, wenn Du nicht beistehend und
helfend an unserer Seite bist! Auf Dich, Allgütiger, will ich hoffen, Dir
will ich vertrauen, Du wirst mich stärken und meinem Geiste Einsicht
geben, daß ich die Pflicht der Pflege mit verständigem Sinne übe. Du wirst
mich nicht verlassen, gütiger Vater! Amen!
——————
Dankgebet für die Genesung eines Angehörigen.
———
Du, Allmächtiger, bist es, der die Gebeugten aufrichtet, der die
Gefesselten erlöset! Auch ich war tief gebeugt in Kummer und Sorge, auch
ich war gefesselt an das Krankenlager meines . . . . . Nun bin ich wieder
aufgerichtet, nun bin ich wieder erlöset! Könnte ich nun der Freude mich
hingeben, ohne Dein und Deiner Hilfe dankbar zu gedenken? Ach wie oft habe
ich in den Tagen meiner Angst Dich angerufen, wie oft habe ich Dich
angefleht um das Glück, daß Du nun mir beschieden hast! Darum soll mein
Herz es auch nimmer vergessen, daß Du allein der höchste Wohltäter bist.
Was ist Menschenhilfe, wo Deine Hilfe fehlt! Was ist Menschenkunst und
Menschenweisheit, wenn es nicht Dein Willen ist, daß sie nütze! Du, Gott,
allein, Du bist der treueste Arzt, der sicherste Retter aus Krankheit und
Gefahr. O, ich gedenke lebhaft der trüben Stunden, da der Gedanke sich mir
aufdrängte, den ich vergeblich zu verscheuchen bemüht war, den ich nicht
zu denken wagte und dennoch in mir aufkommen lassen mußte, daß die Zeit
gekommen sei, um meinen . . . für dies Leben zu verlieren; da war mein
Herz beklommen und mein Auge voll Tränen, da waren alle Wünsche
geschwunden und nur _einer_ mir übriggeblieben, da waren alle Sorgen
vergessen und von _einer einzigen_ verdrängt. In solchen Prüfungen wird
der Sinn bescheiden und das Herz genügsam. Nicht der Glanz der Welt
fesselt da den Blick, er ruht einzig auf dem Antlitz des Leidenden, um ein
Hoffnung erweckendes Zeichen zu erspähen. Nicht das Geräusch des Verkehrs
und des Vergnügens beschäftigt da das Ohr, es horcht einzig auf die
Atemzüge des Kranken, um Trost zu erlauschen aus seinem Schlummer. Und all
die Qual hast Du nun von mir genommen. In frischer Lebenskraft steht
. . . . . . vor mir, und ich freue mich seines (ihres) Wohlseins. O Gott!
wie Du sein (ihr) Retter warst aus der Gefahr, so sei auch ferner in
seiner (ihrer), in unsrer aller Hilfe. Amen!
——————
Gebet für das Wohlgedeihen der Kinder.
———
Allwissender! Vor Deinem Auge ist die Zukunft enthüllt, aber vor dem Auge
der Menschen ist sie zu ihrem Heile verschlossen. Was die Tage, die da
kommen sollen in ihrem Schoße bergen, das stellen wir gern Deiner
Allweisheit anheim, und wenn wir auch in dem Gebete, daß Du alles für uns
zum besten leiten mögest, uns mit kindlichem Vertrauen an Dich wenden.
Wenn ich aber an die Zukunft denke, so ist es zunächst nicht die meinige,
die mich beschäftigt, wohl aber ist es die Zukunft meiner Kinder. All mein
Sinnen und Denken ist darauf gerichtet, ihren Lebensweg zu ebnen, ich
möchte hinreichen können mit meiner Fürsorge bis ans fernste Ziel ihres
Lebens, um jede Gefahr von ihnen fernzuhalten, um jedes Hindernis auf
ihrem Pfade zu beseitigen. Ach, das ist eine törichte Sehnsucht, wenn sie
gleich aus Liebe und Zärtlichkeit entspringt, denn ich weiß es wohl, daß
ich Glück und Segen meinen Kindern nicht geben kann. Du, nur Du kannst es,
darum sei ihr Schutz und Helfer immerdar. Doch auch teilhaben will ich an
der glücklichen Zukunft meiner Kinder, damit sie in dankbarer Liebe noch
meiner gedenken, wenn ich längst nicht mehr an ihrer Seite bin. Dank Dir,
mein Gott! daß ich es kann! Du hast die Aufgabe mir zugeteilt, die Saaten
der Gottesfurcht und Tugend in ihr Herz zu streuen. O laß das Werk mir
gelingen. Mache meine Kinder gut und fromm, erleuchte ihren Geist, daß
ihre Bildung ihnen Achtung erwerbe unter ihren Nebenmenschen, erwärme ihr
Herz für alles Edle, daß sie sich fernhalten von allem Niedrigen und
Unwürdigen in ihren Empfindungen, laß sie leiblich gedeihen, daß sie
angenehm zu erscheinen vermögen vor der Welt. Waffne sie mit Mut und Kraft
gegenüber den Widerwärtigkeiten des Schicksals, und schmücke sie mit Demut
und Ergebung gegenüber Deinem Willen. Wende von ihnen ab Krankheit und
Gefahr und erquicke mein, ihrer Mutter, Herz (unser, ihrer Eltern,
Herzen), an dem Anblick ihres Wohlgedeihens.
In Deine Hand, mein Gott, befehle ich diesen heißen Wunsch meiner Seele.
Amen!
——————
Dankgebet für das Wohlgedeihen der Kinder.
———
Alles Gute kommt von Dir, mein Gott! Deine Liebe ist ohne Ende. Laß in
Demut Dich dafür preisen! Wo sollte ich beginnen, wenn ich die Zahl Deiner
Wohltaten rühmen sollte, mit denen Du mich begnadigt hast von meiner
Jugend an! Aber für ein Geschenk Deiner Huld kann mein Mund nicht
schweigen; eins ist es, das das heiligste und höchste Gut mir ist, weil Du
mich gewürdigt hast, teil daran zu haben durch eigene Mühe. Es ist das
Wohlgedeihen meiner lieben Kinder. Gesund und in Lebensfrische, fröhlichen
Gemütes und klaren Geistes stehen sie vor meinen Blicken, und mein
Mutterauge ruht mit Stolz und Freude auf ihnen. Nicht jeder Mutter ist
gleiches Heil beschieden. Traurig ist das Los der Mutter, deren Kinder der
Quell ihrer Betrübnis sind. Mitleidswert ist das gequälte Mutterherz, das
sich nicht erfreuen kann an dem leiblichen und geistigen Gedeihen ihrer
Kinder.
Wie anders ist es bei mir! Und wie sehr auch ist meine Liebe belohnt durch
die Liebe meiner Kinder! Sie halten mich (uns, ihre Eltern) lieb und wert
und keines mag mich (uns) betrüben. Sie sind wohlgeraten und an ihre
Zukunft knüpfe ich (knüpfen wir) die schönsten Hoffnungen, die meine
(unsere) Seele erfüllen. O Gott, mein Gott! laß' sie alle fortschreiten
auf der Bahn der Tugend und der Weisheit, daß sie in ihrem ganzen Leben
sich Deines Wohlgefallens, und des Wohlgefallens der Menschen erfreuen;
erhalte sie gesund an Leib und Seele und statte sie aus mit allen Gaben
Deines Segens, behüte sie vor Unglück und Gefahren, rufe keines von ihnen
ab aus dieser Erdenwelt bei meinem Leben (und bei dem Leben ihres Vaters).
O Herr mein Gott, erhöre mein Gebet und wende nicht von mir Deine Liebe.
Amen!
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Gebet in trauriger Lebenslage.
———
Du schaust in mein Herz, Allwissender, und es ist Dir bekannt, daß ich
nicht mit Neid und Mißgunst auf das Glück meiner Nebenmenschen blicke. Du
weißt es, daß ich mich jederzeit der Bescheidenheit in meinen
Lebensansprüchen befleißigt habe, daß ich zufrieden bin mit dem Lose, das
Du für mich bestimmt hast, wenn nicht Sorge und Kummer in
außergewöhnlicher Weise mich niederbeugen. Ach, leider ist es nun schon
lange so. Ich will nicht murren und rechten mit Deiner Allweisheit, aber
Dir klagen, was mich bedrückt, zu Dir beten um Hilfe, das kann nicht
sündhaft sein. Ich war redlich bestrebt, meinen Weg zu ebnen, einen
anspruchslosen Pfad für meinen Wandel mir zu bahnen, ich habe dem
Leichtsinn nicht Raum gegeben in mir, so daß er mich abführen mußte von
der Straße des Glückes und der Zufriedenheit, und doch hast Du es anders
über mich beschlossen, und nun reicht meine Einsicht nicht aus, mein
Schicksal zu ändern, meine Kraft nicht, ihm Trotz zu bieten. Vielleicht
führt dieser Weg mich zum Heile, aber mein Auge schaut es nicht.
Vielleicht bedarf ich der Läuterung, aber mir fehlt die Ruhe der Ergebung.
Darum ist meine Seele betrübt und mein Herz traurig. Nur Du, mein Gott,
bist mein Trost, meine Zuflucht und meine Hoffnung; vor Dir ist die
Zukunft offenbar, Du weißt den Ausgang aller Dinge. Deine Weisheit führt
alles zum guten Ende. O, laß mich fest sein in diesem Glauben, damit mein
Geist aufrecht bleibe. Vielleicht aber auch habe ich durch meine Torheit
und meine Fehler mein Schicksal verschuldet. Dann, o Herr, mein Gott!
vergib mir, laß es genug sein und blicke wieder freundlich auf mich. Nimm
Dich meiner an um Deiner unendlichen Liebe willen, sende wieder
Freudigkeit und Frieden in mein Denken und Fühlen. Trostreich spricht zu
mir das Wort des Sängers: „_Nicht für immer bleibt der Bedrängte
vergessen._“ „_Wird denn Gott ewig zürnen? Wird er denn nicht wieder
freundlich sein? Hat denn der Herr seine Gnade vergessen, kann denn im
Zorne seine Liebe untergehn?_“ Darum: „_Was betrübst Du Dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?_“ „_Vertrauen will ich auf Gott und werde ihm
danken können, angesichts dessen, daß er mein Gott und meine Hilfe ist._“
Amen!
——————
Gebet um Geduld und Zufriedenheit.
———
Allmächtiger! Verschieden verteilt auf Erden sind die Lose der Menschen.
Der eine wandelt sorglos dahin und kann nicht eindringen in den Kummer
seines Nächsten, wenngleich er ihn oberflächlich zu überschauen vermag;
der andere seufzt unter der Bürde drückender Verhältnisse und vermag nicht
seinen Geist zu erheben zu urteilsfreier Anschauung der Dinge, weil eben
das Leid seinen Blick umnebelt. So ist und bleibt jeder Mensch darauf
angewiesen, eine Welt in sich selbst zu finden, daß er den Maßstab von
Glück und Unglück nicht anlege an die vermeintlichen Lebensschicksale
anderer, auch nicht an Dinge, die außerhalb seines eigenen Willens und
seiner Kraft liegen, und ebensowenig an die Erscheinungen der nebelhaften
Welt, die seine Einbildungskraft sich aufbaut, und an das Zauberreich, das
seine Wünsche aus dem Nichts hervorrufen.
Wohl ist der Mensch nicht dazu geschaffen, unschuldige Wünsche in sich zu
unterdrücken, keinerlei Hoffnungen Raum zu geben und in dumpfer Hingebung
nie die Frage in sich aufkommen zu lassen: was bin ich? und was möchte
oder könnte ich? Im Gegenteil! Wünsche und Hoffnungen sind die
freundlichen Sonnenstrahlen, die gar oft die Dunkelheit der Gegenwart
verscheuchen, und Streben nach Höherem, Streben nach Besserem ist ganz
gewiß ein Zeichen und ein Bedürfnis einer edlen Natur, selbst das Streben
nach zeitlichem Wohlsein. Streben ist Leben!
Aber verwerflich ist es, zu hadern mit dem Schicksal, daß es uns nicht
gleich gemacht hat denen, die wir für glücklich halten; vermessen ist es,
zu behaupten, daß wir glücklicher wären, so dasjenige unser Teil würde,
was wir als solches annehmen und eintauschen wollen; töricht ist es, dem
Glücke verächtlich den Rücken zu kehren, das wir auch in _unserer_ Lage
finden können. Im eignen Herzen ist die Welt, die wir nach unserm
Wohlgefallen uns einzurichten vermögen.
Darum, mein Gott, will ich mich bestreben, nicht nachzuhängen eitlen
Wünschen, will ich mich bestreben, in redlicher, gewissenhafter Ausübung
meiner Pflichten meine Ruhe, in dem Gedeihen meiner Arbeit meine Freude,
in den Stunden der Erholung und der Sammlung mein Vergnügen zu finden;
nicht sorgen um das, was morgen mich treffen könnte, sondern Dir danken
für das, was Du heute mir beschieden hast; nicht immer und immer
hinschauen auf das, was mir fehlt, sondern mich erfreuen an dem, was ich
besitze. Still vor mich hin will ich das Rechte tun und _Dich_ walten
lassen. Ich will mich zu schützen suchen vor Ungebühr, die an mich
herantritt, aber nicht anstürmen gegen die Scheidewand, die mich trennt
von den Beneideten.
Das ist nicht _Trägheit_, das ist _Ausdauer_, das ist nicht _Torheit_, das
ist _Besonnenheit_, das ist nicht _Stumpfsinn_, das ist _Zufriedenheit_.
O Herr, laß mich immerdar also wandeln vor Dir, dann wird auch das Leid
mir den Frieden meines Herzens nicht rauben können, dann werde ich
ausgerüstet sein mit Geduld und Stärke, wenn Schweres mich trifft. Und
wenn der Himmel meines Lebens nicht freundlich ist, dann wird nicht meine
Torheit und Unzufriedenheit ihn mit Wolken bedecken. Ich werde fähig sein,
das Böse zu ertragen und das Gute zu genießen. Amen!
——————