Und nicht selten. Oft sogar lange.--

An jenem Tag, da die amtliche Bekanntmachung von der Genehmigung der

Eisenbahnlinie angeschlagen war, wandte er sich behend, wie von einer

verhaltenen Freude ergriffen, herum und überblickte die Weiten.

"Hm!--Jetzt!" stieß er plötzlich heraus, nickte etliche Male und ging

zuversichtlicher von dannen.

Erst nachdem er in der Tür der Ferkelburg verschwunden war, trat der

Bürgermeister aus seinem Haus und heftete die Bekanntmachung der

großen Versammlung im Gasthaus "Zur Post" in Greinau in den Kasten.

Am darauffolgenden Sonntag war der Tanzsaal der Postwirtschaft zum

Bersten voll. Die Bauern aus der Ganzen Umgebung waren zusammengeströmt.

Die bejahende Entschließung der Regierung wurde bekanntgegeben. Die

ganze Versammlung brüllte und klatschte begeistert.

"Eine Bahn muß her!" erscholl von allen Seiten. Es gab schwere

Räusche.--

Schon nach einer knappen Woche erschienen die Vermessungsbeamten im

Dorf und wurden mit ehrwürdiger Neugier empfangen, durchschritten die

Felder, steckten weiß-rote Stangen auf, kamen immer näher an die

Häuser heran, zogen eine Linie durch Reinalthers Garten, über das

Gehöft Söllingers hinweg.--

Die Hände in den Hosentaschen, schweigend und gewichtig, sahen ihnen

die Bauern erst zu.

"Also so ging's?" fragte der Gleimhans einen Vermesser.

"Jawohl, ganz so," erwiderte dieser und war schon wieder weiter.

"Hm!" brummte der Gleimhans, hob den Kopf und sah den Reinalther

verwundert an.

"Müßt also mein halber Garten weg?" sagte dieser und sah den Geometern

nach. Die entfernten sich mehr und mehr. Weiter ging es--über das

Gehöft Söllingers hinweg.

"Hoi--Hoi! Da wär demnach das ganze Bürgermeisterhaus im Weg!" stieß

jetzt der Reinalther fast entsetzt heraus und sah betroffen, mit

offenem Maul, auf Gleimhans.

"Das wird sauber!--Gibt's nicht!" schrie dieser wütend und straffte

seine Gestalt.

"Und--schau nur!--durch meine schönsten Gründ' gings'!" rief der

Reinalther, als eben die Vermesser die Linie durch seine Weizenlande

zogen, fäustete seine Hände drohend und polterte gleichfalls: "Gibt's

nicht!"

Und auf der Stelle gingen die beiden zum Söllinger hinauf und erhoben

lebhaften Einspruch gegen dieses Vermessen.

"Dein Haus soll weg! Dein Haus, Söllinger! Und unsere schönsten Gründ'

wollen's!" schrie der Reinalther aufgebracht. Und der Gleimhans, der

sich schon wieder ermannt hatte, sagte drohend: "Sollen kommen und mir

durch meinen Acker bauen!"

Der Bürgermeister war wutrot his hinter die Ohren, schlug gewaltig in

den Tisch und rief ebenfalls: "Gibt's nicht! Gleich morgen fahren wir

zum Bezirksamtmann!"

Als die beiden Bauern aus dem Bürgermeisterhaus traten, stand Michael

am Rande des Hügelrückens und sah den Vermessern gespannt nach.

"Hm,--der Michl!" brummte erstaunt der Reinalther.

"Den freut's, weil's ihm keine Gründ' nehmen können!" stieß der

Gleimhans wütend heraus.--

Das ganze Dorf war am nächsten Tag in Aufruhr. Man riß überall die

weiß-roten Stangen heraus, zerbrach sie. In aller Frühe schon fuhren

Söllinger, der Gleimhans und Reinalther nach Greinau zum Bezirksamtmann

und verlangten schimpfend eine sofortige Regelung der Angelegenheit.

Sie schrien, fluchten und drohten zuletzt auf das gefährlichste. Der

Bezirksamtmann rannte erregt in seinem Arbeitszimmer auf und ab,

gewann aber dann die Ruhe wieder und zuckte mit den Achseln: "Ja,

meine Herren, wenn keiner durch seinen Acker die Linie laufen läßt,

dann gibt es eben keine Bahnstrecke!"

"Wir pfeifen auf eine!" riefen die drei Bauern zugleich.

Der Bezirksamtmann machte ihnen klar, daß der Beschluß der Regierung

nicht rückgängig gemacht werden könne, daß doch angemessen entschädigt

werde und daß "die Herren der betreffenden Instanzen doch keine

Kindsköpfe seien und doch--"

"Das ist uns gleich! Die Bahn kommt nicht! So nicht!" fuhr ihm der

Söllinger ins Wort und vertrat starrköpfig den Standpunkt seiner

Begleiter.

Schließlich nach langem Hin und Her wurde beschlossen, eine Versammlung

der "Eisenbahninteressenten" einzuberufen.--

Bis auf die Straße heraus standen am nächsten Sonntag die Bauern, die

sich beim Postwirt in Greinau zusammengefunden hatten. Zeitweilig

entstand ein gefährliches Gedränge nach der Saaltür. Furchtbar

stürmisch ging es zu. Ein Regierungsvertreter war erschienen. Er wurde

niedergeschrien, als er betonte, daß "wenn die Abgabe der Gründe nicht

gutwillig geschähe, einfach abgeschätzt würde."

Einfach abgeschätzt!--Einfach abgeschätzt!!! Was sollte denn das heißen?

Etwa gar, daß einem einfach die Äcker genommen würden!?

Die Bauern wurden wild, standen auf, richteten sich drohend gegen die

Tribüne. Die auf der Straße Stehenden zwängten sich gewaltsam herein.

"Gibt's nicht!" schrie der ganze Chorus. Ein ungeheurer Lärm erhob

sich. Alles machte Miene anzugreifen. Der Bezirksamtmann fuchtelte

völlig ratlos mit den Armen. Der Assessor schwang wehrlos die Glocke.

Es half alles nichts. Der Lärm wurde nur noch ärger.

"'naus!--'naus! 'naus aus unserm Gau!" brüllte der ganze Saal. Saftige

Grobheiten flogen den Herren da droben an den Kopf.

Als nichts mehr auf die tobende Schar einwirken konnte, schrie der

Bezirksamtmann heiser: "Die Versammlung ist geschlossen!" und

verschwand eiligst mit dem Herrn von der Regierung. Die rebellischen

Bauern wurden allmählich wieder ruhiger, betranken sich weidlich und

hielten die Sache für gewonnen.

Zur freundlichen Erinnerung · 第 41 / 61 题