II.

Der Schnee lag tief. Langsam ging es vorwärts.

"Was macht man eigentlich mit mir?" fragte Peter Nirgend auf einmal

steif stehenbleibend. Es antwortete niemand.

"Los--los!" brummte der Unteroffizier vorne wie für sich. Die Soldaten

schoben den Gefangenen weiter.

"Er hat euch geschunden his aufs Blut.--Ihr habt es selbst gesagt, daß

ihr nicht mehr mitmachen wollt," sagte Peter beharrlich und stemmte

sich gegen die schiebenden Hände.

"Los--los! Wir möchten auch zur Ruh kommen!" stieß der Unteroffizier

abermals murmelnd heraus und machte eine halbe Wendung.

Einer der Soldaten setzte dem Häftling das Knie in den Rücken.

"Gibt doch bloß Arrest, Mensch!" sagte der Unteroffizier beiläufig.

Peter Nirgend ließ nach. Man watete wieder weiter.

Die lange, geschwertete Linie eines spärlichen Lichtes stach durchs

Dunkel. Das war das Gemeindehaus, wo der Arrest abgesessen wurde.

Landstürmler versahen dort den Dienst.

"Ihr kriecht, bis man euch die Kugel in den Leib jagt!" knirschte

Peter.

Schweigen.

Der Unteroffizier schlug mit der Faust an die Gemeindehaustür. Mit

hochgehobener Petroleumlampe erschien der verschlafene Sergeant in

ihrem Rahmen. Der Trupp trat in die wohligwarme Wachstube. Zwei

Landstürmler hoben schläfrig ihre Oberkörper auf den Pritschen, rieben

sich die Augen. Einer davon stieg herab und nahm den Schlüsselbund,

winkte Peter.

"Kommt vors Kriegsgericht! Befehlsverweigerung!" sagte der Unteroffizier

zum Sergeant, der den Einlieferungsschein unterschrieb. Eine leise

Verachtung schwang mit den Worten mit. Der Landstürmler führte den

Häftling in die letzte Zelle. "Kamerad, leg dich gleich hin und wickle

dich fest ein. Es ist kalt," sagte er und trat aus der Zelle, schloß ab.

Peter Nirgend blieb lauschend stehen.

Jetzt hörte man die Leute vorne im Korridor. Er ging an die Tür, schlug

fest mit den Fäusten an dieselbe, schrie: "Ich muß dem Herrn Unteroffizier

noch was ausrichten!"

Und sein ganzer Körper zitterte.

Der Trupp kam den Korridor entlang, öffnete.

"Was ist's denn?" fragte der Unteroffizier ärgerlich und trat ein. Die

anderen blieben draußen.

"Werde ich erschossen?" fragte Peter unvermittelt.

"Quatsch! Festung wird's geben!" räsonierte der Unteroffizier: "Was

wollen Sie denn?"

"Da--da ist eine Blutlache!" rief Peter hastig und deutete auf die

Bodenfläche hinter der Pritsche. Der Unteroffizier trat einen Schritt

näher heran und beugte sich vornüber, hinter die Pritschenecke. Jetzt

war der Lichtkreis der Taschenlaterne nur noch ganz klein in der

Nische. Peter machte einen ruckhaften Satz, stemmte blitzschnell sein

Knie auf den Rücken des Korporals und schnitt mit aller Gewalt in

dessen Hals, tiefer--tiefer. Das warme Blut rann üher seine Finger.

Der Körper des Ermordeten gab nach, hing schräg üher die Pritsche.

Die anderen stürzten herein und warfen sich auf Peter, schlugen auf

ihn ein, his er liegenblieb.

Ihn überleuchtend, sagte ein Soldat zum Gefesselten: "Hund! Morgen

stehst du an der Wand!"

Peter Nirgend schloß die Augen.

Nach einer ziemlichen Weile wurde die Tür wieder aufgeriegelt. Wieder

erschien der hochgehobene Arm des Sergeanten mit der Petroleumlampe,

nur diesmal sehr zitternd. Offiziere traten ein. Einer beugte sich

über den Toten am Boden. Dann trugen zwei Soldaten die Leiche hinaus.

"Was haben Sie denn da gemacht!?" fragte der Major Peter.

Der schwieg. Kopfschütteln. Ein Soldat trat ein, stand stramm, erzählte

den Hergang.

"Sowas heißt sich deutscher Soldat!" schnarrte der Leutnant beflissen.

Inzwischen trug man ein Tischchen herein. Die Lampe wurde daraufgestellt

und der Gerichtsoffizier nahm das Protokoll auf. Nach der Vernehmung des

gänzlich gebeugten, zusammengefallenen Sergeanten und des anderen Soldaten,

trat der Leutnant abermals an Peter heran, stieß ihn: "Und Sie?"

"Was haben Sie anzugeben?" rief der Gerichtsoffizier gleichfalls über

den Tisch.

Keine Antwort kam.

"Kerl!"

Schweigen.

Das Protokoll wurde verlesen.

"Geben Sie das zu?" fragte der Gerichtsoffizier den Angeklagten.

Dieser nickte stumm.

Kopfschüttelnd verließen die Offiziere den Raum. Zwei Soldaten der

Baukompagnie 14 mit bajonettbepflanzten Gewehren blieben zurück. Der

Tisch mit der Petroleumlampe gleichfalls.--

"Schuft!" knurrte einer der Wächter und versetzte Peter einen Stoß in

den Leib. "Du sollst unsere Überstunden schmecken, Hund!" fluchte der

andere und schlug ihm die Faust ins Gesicht.

Müde geworden, setzten sich die zwei Wachhabenden auf das trockene

Flecklein des Bodens und zündeten sich Zigaretten an.

"Kamerad! Einen Zug! Einen Zug!" wimmerte mit einem Male Peter

flehend.

"Ah?" rief der Raucher hämisch, ging an den Gefesselten heran und

hielt ihm die rauchende Zigarette unter die Nase: "Riecht gut, Herr

Halsabschneider, hm?"

"Laß ihn doch! Er ist nicht wert, daß man ihn anschaut!" brummte der

andere Soldat. Aber der Angesprochene ließ sich nicht abhalten.

Zur freundlichen Erinnerung · 第 28 / 61 题