Er begann auf einmal langsam--dann aber stoßweise zu schluchzen. Eine
Bewegung kam in den Saal. Eine Glocke läutete. Lauter rief wer!
Ja!--Ja! Das konnte der Vesperruf in der großen Halle sein! Das war
dasselbe, dünne, schrille Läuten.--
Dann klangen wieder Stimmen hin und her.
Der Chef, die Arbeiter und Angestellten und die frühere Logisfrau
sagten günstig über den Angeklagten aus. Die letztere weinte sogar
buchstäblich und sprach erregt, daß der Staatsanwalt sich verpflichtet
fühlte, sie zu fragen, wie lange Windel sie kenne, ob er sie zuletzt
noch aufgesucht und ob sie zu ihm in näherer Beziehung gestanden habe.
Die dicke Frau wurde darob sehr schrill, schrie und es läutete
abermals. Peter Windel war wieder ruhig geworden und lächelte
wieder.--
Lächelte, trotz der furchtbaren Anklagerede des Staatsanwalts,
lächelte starr in den Raum, als der Rechtsanwalt redete und redete.--
Man fand keine Absicht in dieser Tat. Die Beweise waren zu mangelhaft.
Der Angeklagte war ein unbescholtener Mensch. Bis in die Schulzeit
hatten die eifrigen Nachforschungen der Behörden zurückgegriffen,
nichts ließ auf einen jähzornigen, böswilligen Menschen schließen,
sondern eher auf einen schüchternen, scheuen, dem das Leben stark
mitgespielt hatte.--
"Alles, was die tote Frau Hullinger hinterlassen hat, fand man
unberührt. Sie haben ein Zeugnis aus der weitaus überwiegenden
Mehrzahl der Aussagenden, daß der Angeklagte nie zu einer solchen Tat
fähig sei. Wie kann man annehmen, daß ein solcher Mensch wegen einer
geringfügigen Unreinlichkeit einfach eine alte Frau dermaßen an den
Waschtisch wirft, daß sie augenblicklich tot ist!" rief der Verteidiger.
Und viele nickten. Man hörte deutlich ein Aufatmen, als der Freispruch
bekanntgegeben wurde und sah aufgeheiterte, fast erlöste Gesichter.--
Peter Windel war frei.
"Kommen Sie nur gleich wieder!" hatte sein Chef gesagt, als er ihm
beim Weggehen die Hand drückte. Und der Rechtsanwalt hatte einen Blick
wie ungefähr: "Na, das hätten wir wieder durchgedrückt!"