Um 5 Uhr morgens trafen wir vor Palamakaa ein. Palamakaa ist ein
Komplex von zehn Dörfern, welche alle in einem weiten, von den
Usegua-Bergen umzogenen Thale liegen. Die ersten Dörfer, auf welche wir
stießen, waren verlassen. Befestigungen wurden durch die absuchenden
Patrouillen nicht gefunden und es wurde uns durch Gefangene bestätigt,
daß größere Befestigungen nicht vorhanden seien. Die Gegner, durch die
Erfahrung von Mlembule belehrt, daß sie auch in der stärksten Boma uns
auf die Dauer keinen Widerstand leisten könnten, zogen es vor, das
dortige sehr coupierte Terrain zu Kämpfen in einzelnen Abteilungen
gegen uns auszunutzen.
Die uns entgegengeworfenen Trupps wurden mit leichter Mühe einzeln
zurückgeschlagen und die im Thale gelegenen Ortschaften nach einander
zerstört.
Am Nachmittag des 9. März wurde, nachdem alle unsere Abteilungen an
den verschiedensten Stellen ins Gefecht gekommen und überall siegreich
gewesen waren, ein gemeinsames Lager in etwas erhöhter Stellung
bezogen, um von hier aus die Bewegungen des Gegners zu rekognoszieren.
In dieser für uns günstigen Stellung wurden wir noch am selben Tage
von mutig und schneidig, aber vollkommen sinnlos draufgehenden
Rebellentrupps von mehreren Seiten angegriffen, die aber, wennschon
sie eine Zeit lang das Feuer gegen uns unterhielten, leicht abgewiesen
wurden. Auch hier operierte Wißmann entweder mit Salvenfeuer, oder bei
günstigen Gelegenheiten mit Einzelfeuer der Europäer.
Am späten Nachmittage wurden starke Patrouillen nach verschiedenen
Richtungen hin ausgesandt, welche die noch auftauchenden Rebellen
zurücktrieben und die noch nicht zerstörten Ortschaften einnahmen
und verbrannten, bis auf eine verhältnismäßig stark besetzte, im
Dickicht belegene Position, gegen die eine nur aus Schwarzen bestehende
Abteilung nichts auszurichten vermochte. Hierhin wurde am Morgen des
nächsten Tages Herr von Gravenreuth mit seinem Bataillon abgeschickt,
der denn auch nach einer kurzen Beschießung mit Granaten und dem
Maxim-Gun die Position nahm und den Gegner, soweit es das Gelände
zuließ, verfolgte.
Der größte Teil der andern Truppen wurde zur Absuchung der weiteren
Umgebung benutzt, doch wurden nur noch vereinzelt Rebellen angetroffen.
Es stellte sich heraus, daß der Feind in den einzelnen Abteilungen, in
denen er uns angegriffen hatte, nach den verschiedensten Richtungen
abgezogen war und die Gegend verlassen hatte. Er hatte 40 Tote: 30
davon waren beim Sturm auf unser Lager gefallen, während bei uns nur
der Oberbüchsenmacher Bauernschmidt, dem der Daumen der rechten Hand
abgeschossen war, und vier Sudanesen verwundet waren.
Die meisten Aufständischen waren bereits vor dem eben beschriebenen
Gefecht weggezogen, die noch vorgefundenen wurden auf etwa 400
geschätzt. Bana Heri selbst sagte später aus, daß er sich in der ganzen
Zeit versteckt gehalten habe, weil er nach dem verunglückten Angriffe
Gravenreuths einen Angriff der ganzen Schutztruppe wie bei Mlembule
vorausgesehen habe.
Lebensmittel waren zu Palamakaa nur noch wenig vorhanden und die
Stimmung der Eingeborenen wandte sich immer mehr und mehr von Bana Heri
ab. Es wurde ihnen verboten, ihn in ihren Dörfern aufzunehmen und die
Rebellen mit Lebensmitteln zu unterstützen.
Lieutenant Langheld war in Mandera mit einem Trupp von 50 Mann postiert
worden und hatte den Befehl erhalten, auf flüchtige Trupps der
Aufständischen zu fahnden; es gelang ihm auch, eine Schaar von Arabern
und Wasegua zu zersprengen.
So konnte, da das Terrain von Palamakaa gesäubert war und eine weitere
Verfolgung aussichtslos erschien, am 10. März der Rückmarsch nach der
Küste angetreten werden, auf dem wir leider vier schwere und einige
leichte Fälle von Hitzschlag hatten und zwar meist bei den erst vor
einigen Tagen eingetroffenen Europäern. Es verstarben infolgedessen
die Unteroffiziere Gombert und Witzick, welche dann in Sadani beerdigt
wurden.
Der aus Deutschland mit dem Transport neuer Offiziere und
Unteroffiziere eingetroffene Major Liebert hatte am Gefechte bei
Palamakaa in der Begleitung des Majors Wißmann teilgenommen und
bereiste in der folgenden Zeit mit dem Reichskommissar sämtliche
Stationen, um auf Grund dessen, was er sah und hörte, im Stande zu
sein, die nächste Vorlage betreffs der Schutztruppe vor dem Reichstage
zu vertreten. Auf dieser Besichtigungstour war ihm auch Gelegenheit
gegeben, selbst mit einem Trupp farbiger Offiziere gegen einen
Häuptling, der sich gegen den in Lewa stationierten Offizier aufgelehnt
hatte, im Verein mit +Dr.+ Bumiller einzuschreiten.
Mit Bana Heris Macht im Hinterlande von Sadani war es, wie erwähnt,
nach jenem Gefecht bei Palamakaa zu Ende. Dazu zwang ihn und seine
Leute der Hunger, mit uns in Unterhandlungen zu treten, die durch den
neu eingesetzten Jumbe von Mkwadja vermittelt wurden.
Da der Reichskommissar den Einfluß Bana Heris auf die Bevölkerung von
Usegua ausnutzen wollte, wurde ihm anbefohlen, sich mit seinen Leuten
an einem bestimmten Tage auf der Station Sadani einzufinden. Der Befehl
über Sadani war nach dem Gefecht bei Palamakaa auf den Lieutenant Sigl
übergegangen. Der Verfasser hatte zu dieser Zeit den Auftrag erhalten,
im Verein mit +Dr.+ Stuhlmann die Expedition des +Dr.+ Emin
Pascha, welche in einem besonderen Kapitel behandelt werden wird,
Soldaten, Träger und Lasten zusammenzustellen.
Im Auftrage des Reichskommissars sollte Herr von Gravenreuth in Sadani
die Verhandlungen wegen der Übergabe Bana Heris zu Ende führen.
Korvettenkapitän Valette, der älteste Offizier der Marinestation,
hatte auf die Bitten des Reichskommissars dem Kommandanten des
»Sperber« den Befehl erteilt, nach Sadani zu gehen, um dort für den
allerdings von vornherein ziemlich unwahrscheinlichen Fall, daß der
mit bedeutender Macht heranrückende Bana Heri ein falsches Spiel
triebe, zur Hand zu sein. Die Besatzung der Station Sadani bestand nur
aus 50 Mann, dem Stationschef Sigl, Lieutenant von Arnim, +Dr.+
Freiherr von Nettelblatt und 3 Unteroffizieren. Der »Sperber« hatte
den ausdrücklichen Befehl, nach 24 Stunden wieder nach Sansibar
zurückzukehren.
Am 3. April nachmittags fuhr Gravenreuth auf der »München« nach
Sadani hinüber. In seiner Begleitung befanden sich der Wali von
Pangani, Soliman ben Nassr, durch den im Verein mit dem uns ergebenen
Jumbe von Mkwadja Bana Heri die Unterwerfungsverhandlungen mit dem
Reichskommissar geführt hatte, und Bana Omari, ein Sohn Bana Heris.
Nach der Ankunft in Sadani begab sich Bana Omari sofort ins Innere in
die Gegend von Palamakaa, um Bana Heri die Nachricht von der Ankunft
Gravenreuths zu überbringen mit der Aufforderung, sich nun selbst in
Sadani zwecks der näheren Verhandlungen einzufinden. Bereits in den
letzten Tagen hatte sich in der Station von Sadani eine Reihe von
Leuten Bana Heris eingefunden, da derselbe nicht mehr in der Lage
war, seine Anhänger zu ernähren. Der Hunger trieb dieselben, sich
an uns Deutsche an der Küste zu wenden. Sie wurden auf der Station
aufgenommen, untergebracht, verpflegt, leisteten drei Tage lang
wahrhaft unglaubliches im Essen und Schlafen und meldeten sich dann zur
Arbeit.
Am 4. April, Freitags, traf der »Sperber« vor Sadani ein; am Sonnabend
kamen Boten von Bana Heri mit der Nachricht, derselbe könne erst am
nächsten Tage erscheinen, da er krank sei und nur langsam marschieren
könne. Da er aber auch an diesem Tage, dem Ostersonntag, bis Mittag
nicht erschienen war, mußte der »Sperber« infolge des erhaltenen
Befehls abdampfen und nach Sansibar zurückkehren. Fast in demselben
Augenblick, als der Sperber Anker aufging, erschien im Gelände hinter
der Station der Jumbe von Mkwadja mit zwei Begleitern und der Meldung,
daß Bana Heri ihnen auf dem Fuße folge. Gleich darauf sah man von der
Station aus eine lange Menschenreihe sich auf diese zu bewegen, voran
eine weiße Fahne, das Zeichen des Friedens. Der Schall der Negertrommel
wurde gehört. Dann erschien eine zweite weiße Fahne, gleich darauf von
andrer Seite her ein dritter Trupp: -- Bana Heri war im Anrücken.
Die ganze Gesellschaft hielt zunächst vorsichtig in dem Bett eines nur
zur Regenzeit Wasser enthaltenden Flusses dicht bei der Station. Omari,
Bana Heris Sohn, löst sich aus den Reihen und begiebt sich nach der
Station hin, aus der ihm schon der Stationschef Sigl und Lieutenant
von Arnim entgegengehen. Er erhält die Weisung, Bana Heri habe sich
mit seinen ganzen Truppen in der Ebene hinter der Station zu lagern.
Innerhalb der Station war alles bereit. Die Geschütze waren geladen,
ebenso standen die Soldaten fertig, doch war Europäern und Sudanesen
streng verboten, sich auf den Bastionen und an der Brustwehr zu zeigen,
um nicht den Leuten Grund zum Mißtrauen und zur Furcht zu geben, und so
im letzten Augenblick ein allgemeines Ausreißen zu veranlassen.
Es wälzt sich nun die ganze Masse in die Ebene, etwa 400 Mann an der
Zahl. Voran geht eine seltsame Gestalt, von dem Kopfe stehen nach
beiden Seiten zwei mächtige, aufgerichtete Adlerflügel ab, den Rücken
bedeckt ein Löwenfell, perlengestickte Bänder hängen vom Körper
herab, -- so trippelt der Zauberer und Vortänzer, denn er ist es,
in kurzem Trabe und in Schlangenlinien vor dem Zuge her, beschreibt
Kreise und läuft unermüdlich hin und her. Ihm folgen drei Trommler,
auf mächtigen Gomas (Negertrommeln) einen langen Wirbel schlagend,
dann die weißen Fahnen, ihnen nach die Krieger, Araber, Belutschen,
Sklaven, Waniamuesi, Wasegua, alle möglichen Stämme. Die meisten Leute
sind sehr gut, viele Araber prächtig gekleidet, einige Neger befinden
sich im Kriegsschmuck mit aufgerichteten Federbüscheln bedeckt. Fünf
buntgeschirrte Esel befinden sich im Zuge. Fast alle Leute sind mit
Gewehren bewaffnet, nur etwa dreißig tragen Speere oder Bogen und
Keulen. So bewegt sich der Zug auf die Station zu. Da der ihnen
angewiesene Platz gerade unter der Mündung des großen Feldgeschützes
liegt, -- für den Neger ein höchst verdächtiger Umstand, -- so bitten
sie, im Grunde des oben erwähnten trockenen Creeks lagern zu dürfen.
Hier findet das unvermeidliche, unendliche Schauri statt: Stationschef
Sigl und der Wali von Pangani verhandeln mit Bana Heri. Dieser
wieder macht Schauri mit seinen Leuten, das länger als drei Viertel
Stunden dauert. Endlich kommt es zu einem Resultat. Stationschef Sigl
meldet Herrn von Gravenreuth, Bana Heri ließe seinen Salaam sagen und
bitte um die Erlaubnis, ihn selbst begrüßen zu dürfen. Er sei in ganz
friedlicher Absicht gekommen; was ihn beträfe, so sei der Krieg aus und
vorbei, und er unterwerfe sich allem. Zu bitten habe er folgendes: Er
sei heute mit seiner besten Macht gekommen, um in möglichst feierlicher
Weise seine Unterwerfung zu erklären; nun habe er noch 500 Mann in
seinem Lager bei Palamakaa, ebenso seien dort die Weiber und die
Kinder und das ganze Gepäck. Zu essen hätten sie garnichts, Munition
ebensowenig. Herr von Gravenreuth möge gestatten, daß er selbst mit
einer Abteilung wieder abzöge, um jenes Lager herbeizuholen, bezw.
die Leute in ihre Dörfer zu entlassen. Die andern Abteilungen sollten
in der Nähe sich niederlassen dürfen. Es möchten ihnen Schutzbriefe
gewährt werden.
Alle Punkte wurden zugestanden. Sogleich kam das ganze Lager auf die
Beine und im feierlichen Zuge in der vorher beschriebenen Ordnung
nähert sich die Menge dem vorderen Eingange zum Fort. Der Zauberer und
die Fahnenträger pflanzten sich im Hofe auf und Gravenreuth begiebt
sich mit den übrigen Europäern hinunter an den äußeren Eingang. Hier
harrte Bana Heri, sein Sohn Abdallah, Omari, Jehasi, mehrere Araber, 14
Jumbes und die ganze Macht.
Bana Heri selbst trägt ein gelbseidenes Araberhemd, den Kopf von einem
blauen, glatt anliegenden, hinten zu einem Knoten geschürzten Tuche
umwunden. Im Gürtel steckt der prächtige Maskatdolch. Als Herr v.
Gravenreuth auf ihn zutrat, legte er die Hand zum Gruße an die Stirn,
ergriff dann mit beiden Händen Gravenreuths Rechte und begrüßte ihn mit
»+Jambo, jambo sana, jambo sâânââ+« (sei gegrüßt, sei herzlich
gegrüßt, sei auf das allerbeste gegrüßt). Dann fügte er hinzu: »Ach,
Herr, wäre ich doch Deinem Briefe gefolgt!« (Herr von Gravenreuth hatte
ihn schon bei Ausbruch des Aufstandes zur Übergabe aufgefordert.) Das
Ganze machte den Eindruck, als ob Bana Heri außerordentlich froh sei,
den Krieg beendigt zu sehen. Mit großer Herzlichkeit schüttelte er
allen Anwesenden die Hände. Dann bat er selbst nochmals, sogleich
abziehen zu dürfen, was ihm erlaubt wurde, zumal ein schrecklicher
Regen den Aufenthalt im Freien im Augenblick besonders lästig machte
und alle bis auf die Haut durchnäßte. Bana Heri versprach noch, in
spätestens vier Tagen wieder zurück zu sein, bat, sich wieder in Sadani
niederlassen und vorher nach Sansibar kommen zu dürfen, um Major
Wißmann seinen Salaam zu sagen. Er erhielt Reis und Matama und nach
vielen herzlichen Danksagungen und Salaams zog er ab.
Abdallah, Omar, Jehasi und die Jumbes blieben im Fort zurück, um ihre
Schutzbriefe zu erhalten. Jehasi erklärte sehr vergnügt, nun sei
aller Krieg vorbei, sie hätten absolut nichts mehr zu essen gehabt.
Dann sprach er voll Bewunderung von unserm Maximgeschütz, welches bei
Palamakaa in Tätigkeit war, und dessen Wirkung er auf eigentümliche,
hier nicht wiederzugebende Weise deutlich machen wollte. Das Geschütz
sei ihm, obwohl er sich sehr gut auf Kanonen verstünde, absolut
unerklärlich.
Bana Heri persönlich sandte später als äußeres Zeichen seiner
Unterwerfung an den Reichskommissar sein arabisches Schwert.
Die Jumbes der Umgebung von Sadani, welche sich mit den Truppen
eingefunden hatten, wurden mit Schutzbriefen versehen, und alles zog
wieder ab, um sich in der nächsten Zeit in Sadani anzusiedeln und den
Ort wieder aufzubauen.
Der Aufstand im Norden war mit der Unterwerfung Bana Heris erledigt.
Im ganzen hatte letzterer nach dem Gefecht bei Palamakaa immerhin noch
1200 Leute gehabt, die sich nun, soweit sie nicht in Sadani selbst sich
wieder ansiedelten, nach Mkwadja, Uwindji, Windi oder Mlembule wandten
und alle unter der Kontrolle der Stationschefs von Sadani und Mkwadja
standen.
Es ist sowohl in Afrika von eifrigen, mit den Verhältnissen nicht
vertrauten Offizieren der Schutztruppe und Beamten wie in Deutschland
vielfach darüber geklagt worden, daß Wißmann, der doch mit Buschiri
kurzen Prozeß gemacht hätte, gegen Bana Heri eine allzu große Langmut
bewiesen habe, und es wird die Milde, die er gegen Bana Heri und
gegen den bereits früher erwähnten Simbodja hat walten lassen, ihm
als Schwäche oder als Inkonsequenz ausgelegt. Ich habe schon bei
Buschiri darauf hingewiesen, daß Gründe, diesen Rebellenführer zu
schonen, absolut nicht vorlagen, weder Milderungsgründe für ihn, noch
Nützlichkeitsgründe für uns. Bei Bana Heri und Simbodja lag die Sache
anders. Abgesehen davon, daß Bana Heri, der die Übergabe-Verhandlungen,
wie erwähnt, durch Soliman ben Nassr und den Jumbe von Mkwadja hatte
führen lassen, eine Schonung seiner Person und der Leute, die sich dem
Reichskommissar stellten, als Grundbedingung gestellt hatte, war für
Wißmann ganz besonders die Absicht maßgebend, aus dem großen Einfluß,
den Bana Heri in Usegua und Nguru ausübte, für uns Nutzen zu ziehen.
In dieser Berechnung hat sich der Reichskommissar nicht getäuscht. Bana
Heri sowohl, wie seine viel schwieriger zu behandelnden Söhne haben
sich nicht nur stets ruhig verhalten, sondern auch die vorher öfters
beunruhigte Sadanistraße durch Usegua und Nguru in Ordnung gehalten.
Verfasser selbst hat im vergangenen Jahre in Nguru, das durch Krieg
stark heimgesucht war, durch die Benutzung des Einflusses Bana Heris
und seines Sohnes Abdallah den Frieden auf die einfachste Weise wieder
hergestellt.
Simbodjas Vergehen ist nur gewesen, daß er durch die Ereignisse an der
Küste sich auch seinerseits im Innern zum Aufstand aufreizen ließ und
dem Gebote Buschiris Folge leistete. Er folgte auch diesem Zwange,
als er +Dr.+ Meyer und +Dr.+ Baumann auf Buschiris Befehl
festnahm. Daß er dann ein Lösegeld auch für sich erpreßte, ist noch
kein Grund, ihn zu opfern.
Das Urteil der mit den Verhältnissen im Hinterland von Pangani
vertrauten Persönlichkeiten, -- und das ist nicht das Urteil flüchtig
das Land durchziehender Reisender, wie +Dr.+ Meyer, sondern
das Urteil der dort jahrelang thätigen Beamten und Offiziere, --
geht dahin, daß der Einfluß Simbodjas uns von großem Nutzen ist und
die Gegend vor den Übergriffen vieler kleiner Häuptlinge sichert.
Voraussetzung dabei ist natürlich, daß Simbodja stets unsere Autorität
vor Augen hat und gelegentlich ausdrücklich an dieselbe erinnert wird.
Erst später ist bekannt geworden, daß tatsächlich Mohammed ben Kassim,
von dem noch an anderer Stelle gesprochen werden wird, mit 600 Mann aus
Tabora und Udjidji zur Verstärkung Bana Heris herannahte. Wir hätten
also noch ernste Kämpfe gegen Bana Heri zu bestehen gehabt, wenn nicht
den Friedenswünschen desselben Gehör geschenkt worden wäre, und wir
hätten uns dadurch der Möglichkeit beraubt, mit allen Mitteln an die
Wiedereroberung des Südens zu gehen.